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Nr. 223 Erstes Blatt.
152. Jahrgang
Dienstag 23. September 1SVS
Erscheint täglich außer Sonntags.
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Politische Tagesschau.
Das Fleischoot-Plakat.
AuS Berlin, 22. September, wird uns geschrieben:
Die Berliner Haushaltungen haben heute nachmittag ein Flugblatt deS „Bundes der Landwirte" erhalten, das gegen die Behauptung von der Existenz einer Fleischnot Einspruch erhebt und diejenigen Ausführungen wiedergiebt, deren Anschlag an die Plakatsäulen von den Pächtern dieser Säulen abgelehnt worden war. Man muß es dem „Bund der Land- wirre" lassen: seine Organisation „klappt". In Berlin, wo die Bevölkerung größtenteils einen scharf entgegengesetzten Standpunkt einnimmt gegenüber den „freundlichen Landbewohnern", ist es keine Kleinigkeit und keine ganz, harmlose Aufgabe, agrarische Flugblätter in die Häuser zu bringen. Aber mit mysteriöser Schnelligkeit und Promptheit ist die Aufgabe geleistet worden. Wo nur eine Spalte sich erspähen ließ, da hinein ist das Flugblatt geflogen. Es appelliert an den „Gerechtigkeitssinn der Berliner Bevölkerung", weil die Berliner Fleischer-Innung die Erhöhung der Fleischpreise an den Plakatsäulen begründen konnte, die Entgegnung darauf an derselben Stelle unmöglich gemacht wurde. Wenn man den im Flugblatt mitgeteilten Wortlaut des abgelehnten Plakats liest, dann versteht man allerdings nicht recht die Begründung der Plakatpächter, daß „polizeiliche Vorschriften" der Anheftung des Plakates entgegenstünden. "Ter Inhalt ist zwar entschieden im Ton, aber nicht beleidigender Act. Anders liegt die Frage, ob der vom „Bund der Landwirte" geführte Beweis, )aß eine Heraufsetzung der Fleischpreise ungerechtfertigt ei, Ueberzeugungskraft besitzt» Insbesondere muß anfällig erscheinen, daß als „unwahr" bezeichnet wird, die reutschen Grenzen seien gegen die Vieh- und Fleisch-Ein- uhr gesperrt — während man in agrarischen Zeitungen >och immer wieder die preußische Negierung und zumal Herrn v. Podbielski preist, daß sie „nicht die Hand bieten wollen" zu einer werteren Oefsnung der Grenzen und zum Hereinlassen von „verseuchtem Vieh". Hier steckt der Widerspruch. Eine bekannte agrarische Autorität, Oberamtmann Ring, hat erklärt, die Aufhebung der bestehenden Grenzsperren würde zwecklos sein. Also auch Herr Ring giebt die Thatsache der Grenzsperre zu. Nach den vorliegenden letzten Meldungen kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß die bayerische Negierung weitere Grenzerleichterungen sür erforderlich hält. Und von Würjllem- berg ist ein Gleiches M erwarten, wenn die Erhebungen über die Fleischteuerung den Nachweis liefern, daß es sich um eine Kalamität handelt, die mit Rücksicht auf die Volksgesundheit schleunige Abhilfe fordert. Am Ende stehen die Interessen der großen Masse doch höher, als diejenigen der Viehzucht. Ten beiden süddeutschen Regierungen wird gewiß nicht nachzusagen sein, daß sie „kein Herz" Hütten für die Landwirtschaft. Gehen Bayern und Württemberg vor, so wird Preußen nicht zurückbleiben können.
Die Zolltarifkommissiou
begann am Montag die zweite Lesung der Zolltarifvorlage. Es liegen vor Anträge des Abg. P ach nicke auf Herabsetzung der Getreidezölle und Beibehaltung der bisher geltenden Sätze und Anträge des Abg. v. Wangenheim, die verschiedene Abänderungen verlangen, darunter für Roggen, Weizen, Gerste. Hafer 7y2 Mk. Weitere Abänderungen beziehen sich auf Kartoffeln, Tabak, Hopfen, Blumen, Früchte, Federvieh, Fische, Milch, Butter, Eier usw. Tie Kommission beschloß, über die einzelnen Tarifabschnitte je eine General- distusston abzuhalten, und die Spezialdiskussion auf bestimmte, demnächst festzustellende Punkte zu beschränken. Tie Kommission nahm sodann einen Antrag Spahn (Ztr.) an, sofort den Abschnitt a des ersten Abschnitts zu beraten, das heißt, die Positionen 1 bis 72, Erzeugnisse des Acker-, Garten- und Wiesenbaues.
Stadthagen (Soz.) bekämpft in ausführlicher Rede die Getreidezölle sehr heftig. Redner wird, als Vorsitzender Rettich eine Aeußerung von ihm beanstandete, nach einem Wortwechsel mit Rettich von diesem zur Ordnung gerufen.
Bei der weiteren Debatte begründet Freiherr von Wan gen heim (B. d. L.) seine Anträge, vornehmlich die Forderung von 7t/2 Mark für Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Tie Anträge seien pie Folge der Beschlüsse der ersten Lesung, welche die Agrarzölle herabsetzte und dtx Jndustriezölle erhöhte.
P ach nicke bekämpft die Anträge im Interesse der Konsumenten und der Industrie und befürwortet seinen Antrag.
Heim (Ztr.) bekämpft die Wangenheim'fchen Anträge als zu weitgehend, weil sie prohibitiv wirken und Handelsverträge unmöglich machen. Er befürworte für die Hauptgetreidearten einschließlich Gerste gleichmäßig sechs Mark.
Staatssekretär Graf Posadowsky wendet sich hierauf gegen die Anträge Wangenheim. Der Abg. v. Wangenheim solle sich döch der Erkenntnis nicht verschließen, daß die nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung im Vergleiche zur landwirtschaftlichen prozentual im Wachsen sei. Daraus folge, daß es politisch immer schwerer werde, der Landwirtschaft einen stärkeren Schutz zu gewähren. Solche Sprunge, wie sie der Antrag Wangenheim verlange, seien wirtschaftlich unmöglich. Dazu werde eine Regierung niemals ihre Zustimmung geben. Tie jetzige Regierung werde niemals jo weitgehende Anträge wie die Wangenherrn fchen accep- tieren. Tie Regierung habe auch an ihren bisherigen Erklärungen nichts zu ändern. Sie zu wiederholen, habe er keinen Anlaß, Herr Pachnicke habe das ja schon so vortrefflich gethan, daß er es nicht besser thun könne. (Heiter- teit.) Zölle dürften, wenn es zu Handelsverträgen kommen solle, nur so hoch bemessen werden, daß sie die Differenz
Z>as <^eichenöegäuguis der Königin von Belgien.
Spa, 22. Sept. Heute mittag wurde vom Bischof von Lüttich ein Trauergottesdienst zum Gedächtnis der Königin abgehalten. Mus dem Wege, den der Leichenzug bis *ur Kirche passierte, bildeten Militär und Vereine Spalier, dahinter hatte sich eine zahlreiche Volksmenge aufgestellt. Hinter dem Leichenwagen schritt der König, auf den Arm des Prinzen Albert gestützt. Danach folgten die Minister, die Generalität und zahlreiche Würdenträger. Tie Prinzessin Clementine begab sich im Wagen zur Kirche.
Schloß Laeken, 22. Sept. Das Leichenbegängnis der Königin zog eine große Menge herbei, die nur mit Mühe an den Bahnhofszugängen und an der Kirche von den spalierbildenden Truppen in Schranken gehalten werden konnte. Ter Zug traf um 3.40 Uhr ein. Die Lokomotive trug eine umflorte belgische Fahne. Sobald der König, der Graf von Flandern und Prinzessin Clementine dem Wagen entstiegen waren, hielt der Erzbischof von Mecheln eine Ansprache an den König. Alsdann wurde der Sarg aufgehoben und in die Kirche gebracht. Die Grenadierkapelle spielte Trauerweisen. In der Kirche sprach der Erzbischof die letzten Gebete. Sodann wurde der Sarg in der Gruft beigesetzt, wo die Königin neben ihrem Sohne, dem Grafen von Heinaut, ruhen wird.
Brüssel, 22. Sept. Die Gräfin Lonvay besuchte heute vormittag mit zwei Ehrendamen die Messe in der Kirche St. Jacques und begab sich nach Schluß derselben, von der Bevölkerung ehrerbietig begrüßt, nach dem Palais des Grafen von Flandern. Am Nachmittag reiste die Gräfin nach Calais.
Soweit die offiziellen Berichte. Einer Brüsseler Meldung der Neuen Freien Presse zufolge habe sich die Gräfin Lonyay mit ihrem Vater ausgeföhnt. Dem entgegen stehen aber alle übrigen Brüsseler Meldungen. Vergebens, jo heißt es in allen übrigen Nachrichten, versuchte Prinzessin Clementine, den Vater für ihre Schwester, die Gräfin Lonyay, milder zu stimmen. König Leopold, der bekanntlich mit seiner Tochter wegen ihrer Heirat verfallen ist, blieb unerbittlich. Nach dem „Petit Bleu" verwies er sie mit einer Handbewegung aus dem Saale, wo ihre tote Mutter ruhte. Gräfin Lonyay verließ sofort das Schloß. Zwischen den beiden Schwestern herrschte das innigste Verhältnis. Prinzessin Clementine stellte u. a- der vom Vater verjagten Schwester ihren Wauen, um sich fortzubegeben, zur Verfügung. Bei der Abreise der Gräfin auf dem Brüsseler Bahnhof wurden vereinzelte Rufe: „Nieder mit dem König!" gehört.
Niemals während seiner langen Regierung ist König Leopold von seinem -Volk so scharf kritisiert worden, wie in diesen Tagen. Der Gräfin Honyay wurde von tausend und abertausend Menschen auf Platzen und Straßen gehuldigt. Einem Mitarbeiter der „Chronique" erzählte sie: „Ich betete am Sarge meiner Mutter, als gestern um 4 Uhr mir mitgeteilt wurde, daß der König mich nicht zu sehen wünsche. Ta verließ ich sofort das Leichen- zimmer." Gräfin Lonyay erwiderte auf eine Frage, daß sie den König nicht gesprochen habe; aber auch die offiziöse „Jndepeubance" behauptet, daß er an der Thür erschienen fei und sie weggewiesen habe. Alle belgischen Blätter, ohne Unterschied der Partei, flammen von Entrüstung, die sie nur mit Mühe in ruhig respektvolle Worte zwingen. Ein Führer der Sozialdemokratie sagte freudestrahlend, das Königtum sägt selbst den Ast ab, an dem es noch hängt. „Soir" berichtete folgende Aeußerung des Königs: Ich mißbillige nicht den Schritt der Gräfin Lonyay, aber damit schafft man keine M einun g s Verschiedenheiten in Familienfragen aus der Welt. Tie Begegnung der Gräfin Stephanie mit ihrer Tante Gräfin von Flandern wird von Augenzeugen als erschütternd geschildert. Bekanntlich war Stephanie als junges Mädchen der Liebling der Brüsseler Bevölkerung. Tas offiziöse „Journal de Bruxelles" erzählt, daß die Gräfin in Thränen gebadet zur Inhaberin des Hotels in Spa herangetreten fei und gesagt habe: „Ich bin tottraurig, mein Vater hat mich nicht empfangen wollen, ich reife mit dem ersten Zug nach Brüssel." ..
Hie überstürzte Art und Weise, mit welcher das Leichenbegängnis der Königin angeordnet und ausgeführt wurde, erregte allgemeines Befremden im Publikum. Ter Bahnhof war schwarz ausgeschlagen. Keinerlei Blumenschmuck war zu sehen. Das Verhalten des Königs war undurchdringlich kalt, aber sonst der Situation angemessen. Hinter dem Leichenwagen hinkte der König allein daher, hinter ihm schritten der Graf von Flandern und Prinz Albert. Hierauf folgten die Minister und etwa hundert Offiziere und die Geistlichkeit. Das war alles. Keinerlei Fürstlichkeiten waren sonst anwesend, auch nicht die Vertreter oer auswärtigen Machte.
König Leopold gedenkt sofort nach Lucheon zurückzu- ceisen. Ter König hat eine sechAmonatliche Landestrauer und eine Hoftrauer vom einem Jahre drei Wochen angeordnet. Der Kabinettschef hatte eine längere Unterredung mit dem König und verblieb während der Nacht im Palast. Tie Eröffnung des Testaments der verstorbenen Königin ist verschoben worden. „ , . .
Ter König hat aus Anlaß der Beisetzung seiner Gemahlin an die Armen von Laeken Brot verteilen lassen. Infolge des großen Menschenandranges sind bei der Ankunft und während der Ueberführung der Leiche einige Unfälle von geringerer Bedeutung vorgetommen. Im übrigen verlief die Zeremonie in würdiger Weise.
Wie der deutsche Reichsanzeiger meldet, legte der preußische Hof für die verstorbene ~rcn^
aus drei Wochen an und zwar bis einschließlich den 11. Oktober.
der Produktionskosten der betreffenden Länder ausgleichen; höhere Zölle seien vertraghindernd. Auf Grund eines einseitigen Entwurfs der Regierungen könnten die verbündeten Regierungen nicht über Handelsverträge verhandeln. Dieser in der Presse oft empfohlene Weg sei politisch ungangbar, da fremde Staaten auf Grund eines solchen Entwurfes nicht in Verhandlungen treten würden. Es fei aber auch zolltechnisch ungangbar, da der jetzige Tarif- entwurf mit dem geltenden Tarife inkommensurabel sei. Für viele Positionen würde man gar nicht wisjen, welche Sätze in Anwendung zu bringen seien, ganz abgesehen davon, daß alsdann auf dem Wege der Meistbegünstigung einzelne Staaten im Besitz der Vertragssätze auf der Basis des alten Tarifs bleiben würden. Deshalb sei nur zweierlei möglich: Entweder der jetzige Entwurf werde angenommen, ober man behalte den alten. In letzterem Falle würde die Situation für den Abschluß von Handelsverträgen eine außerordentlich ungünstige sein. — Von einer „kolossalen" Erhöhung" der Jndustriezölle, wie sie Abg. v. Wangenheim behauptet habe, könne nicht die Rede sein, da seien es Kompensationsobjekte. Ter neue Zolltarif nehme nur eine gerechtere Gruppierung der Jndustriezölle vor. Die Reichsregierung verdiene nicht den Vorwurf, daß sie diktatorisch auftrete. Ein Zolltarif wirke ja doch nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Deshalb müßte die Regierung auch erwägen, was für andere Staaten annehmbar sei. Tie Regierung könne das jedenfalls am besten beurteilen. Käme der neue Tarif nicht zu stände, so müßte der alte in Kraft bleiben.
Hierauf wird die Generaldebatte geschlossen. — Nach einer Längeren Geschäftsordnungsdebatte tritt die Kommission in die Spezialdiskussion ein und erörtert zunächst nach dem Vorschläge der Subkommission die Pos. 10 und 161 (Reis). Auf Antrag Spahn wird eine in der ersten Lesung beschlossene Herabsetzung des im Entwurf vorgeschlagenen Zolles für polierten Reis von 6 auf 4 Mk. rückgängig gemacht und der Satz der Vorlage wiederhergestellt. Cs folgt die Beratung von Pos. 23 (frische Kartoffeln). Die Vorlage hatte Zollfreiheit voraeschlagen; in der ersten Lesung der Kommission war für die in der Zeit vom 15. Februar bis 31. Juli eingeführten Kartoffeln ein Zoll von 2.50 Mk., im übrigen Zollfreiheit beschlossen worden. — Frhr. v. Wan gen he im beantragt unter Hinweis auf die Notlage des Kartoffelbaus den Satz von 4 auf 5 Mk. zu erhöhen und für die Zeit, während der nach dem Beschluß erster Lesung Zollfreiheit gellen soll, einen Zoll von 1 Mk. festzusetzen. Dieser Antrag wird abgelehnt; ebenso ein sozialdemokratischer Antrag auf Zoll- fr eih eit nach der Regierungsvorlage. Der Beschluß der ersten Lesung wird aufrecht erhalten.
Deutsches Keich.
Berlin, 22. Sept. Der Kalser trat heute abend von Station Werbellinsee aus seine Reise nach Ostpreußen an und wird morgen vormittag in Groß-Rominten eintreffen.
— Die Abreise des Grafen Jnouye, des langjährigen japanischen Gesandten am hiesigen Hose, der seinen Posten verläßt und in seine Heimat zurückkehrt, ist gestern erfolgt. Der Nachfolger Jnouye's, sein Schwager Tsuzuki, wird sein neues Amt' erst im Frühjahre nächsten Jahres antreten.
— Stadtrat ft auf f mann hat dem Stadtverordneten» Vorsteher Dr. Langerhans durch Schreiben vom 20. ds. die Erklärung zugehen lassen, daß er auf die Rechte aus bet Wahl zum zweiten Bürgermeister von Berlin verzichtet.
— An den Chefredakteur des „Berl. Tagebl.", Dr. Arthur Levy sohn, dessen Gattin nach kurzer Krankheit geworben ist, hat der Reichskanzler aus Klein-Flottbek folgendes Telegramm gerichtet: „Anläßlich des schmerzlichen Verlustes, welcher Sie durch den Heimgang Ihrer Frau Gemahlin betroffen hat, bitte ich Sie, meiner aufrichtigen Teilnahme versichert zu sein. Graf Bülow."
— Nach der „Münch. Allg. Ztg.", die es wohl wissen kann, ist man in Bundesratskreisen geneigt, den Fehlbetrag im nächstjährigen Reichshaushaltsooranschlag auf 150 Millionen Mk. zu schätzen.
— Wie verlautet, soll die den einzelnen Behörden gewährte Portvfreiheit von Postsendungen, für welche der Reichspost eine bestimmte Paufchsumme zugestanden ist, demnächst fortfallen. Es heißt, daß den Behörden besondere Marken von der Postverwaltung zum Verkauf gestellt werden sollen, da sich so eine bessere Uebersicht über die behördlichen Postsendungen darbietet. Die einleitenden Schritte zu dieser Umänderung sollen bereits geschehen sein.
Ausland.
London, 22. Septbr. „Daily Mail" meldet, die ftriegskosten über 100 Millionen Pfund würden von den beiden neuen Kolonien zu bestreiten sein. Die Minensteuer werde ca. 15 Proz. betragen. Die Emission einer 50 Millionen-Anleihe sei geplant. Die Ankündigung verursachte, obwohl amtlich noch unbestätigt, Bestürzung. Der Vertreter der Citykreise, Wernher Beit, sagte, eine Beisteuer von 1OO Millionen werde eine vernichtende Wirkung auf die Industri een in den Kolonien auSüben; sie werde der sicherste Weg sein, um Südafrika für das Britenreich zu verlieren. Der Krieg fei für die Sicherheit des Reiches, nicht aber für ba§ Wohl der Minenbesitzer geführt worden. Eine 15proz. Goldminensteuer sei gegenwärtig rein unmöglich.


