Aus Stadt und Kaud.
Gießen, den 23. August 1902.
** Mikitürdien stnLchrichten. Versetzt: Stephan, Lt. der Landw.-Jnf. 1. Aufgebots (Brieg), zu den Res. Offizieren des Jnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Bidenz, Hauptnr. der Lcuidw.-Jn.f. L Aufgebots (Molsheim), zu den. Res.-Ofsizieren des 6. Bad. Jnf.-RegtS. Kaiser Friedrich UL Nr. 114; der Abschied bewilligt: Berger, Lt der Res. des Juf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl Hessisches- Nr. 116 Franken- Perg u. Ludwigsdorf, Haupün. der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots (I Darmstadt), mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 1. Großh. Hess. Ins. (Leibgarde-) Regts. Nr. 115.
** Wichtig für Eiseub a b n r eis end e. Zu § 25 oer Eisenbahn-Berkebrsordnung (Fahrtunterbrechung^ ist soeben für das reisende Publikum eine sehr wichtige Zusatz- besümmung erlassen worden: „Auf Rundreisekarten, die eine geschlossene Rundreise umfassen, ist eine zweimalige Fahrtunterbrechung gegen Bescheinigung durch den Stationsvorsteher zulässig. Ist die Rundreise durch eine Strecke unterbrochen, aus der der Reisende für seine Wetterbe- sörderung selbst zu sorgen hat, so ist auf jeder der beiden getrennten Eisenbahnstrecten eine einmalige Fahrtunterbrechung gegen Bescheinigung zulässig. Zur Unterbrechung der Fahrt auf den den Rundreisekarten aufgedruckten Ausent- haltsstationen bedarf es einer Bestätigung nicht."
* Lorsdach (Nassau), 22. Aug. Als gestern vormittag nach 8 Uhr ein hiesiger Führwertsbesitzer sich mitten im Geleise der Eisenbahnlinie Frankfurt-Limburg befand, wurden plötzlich die Schranken, die von einem entfernten Wärter bedient werden, welcher den Bahnübergang wegen einer Kurve nicht übersehen kann, geschlossen. Alle Be- mühungeil des Fuhrmanns, fein Gefährt in Sicherheit zu bringen, scheiterten, und der heranbrausende Schnellzug Nr. 21 Frankfurt-Limburg erfaßte das Fuhrwerk, baS total zertrümmert wurde. Beide Pferde wie auch der Fuhrmann wurden in einen Graben geschleudert, blieben jedoch unverletzt.
* Homburg, 22. Äug. Der Kaiser befahl die Ausführung eines Hessendenkmals, das die städtischen Körperschaften. seinerzeit wegen der Größe abgelehnt hatten, aus seine eigenen Kosten und teilte dies dem Oberbürgermeister und dem Landrat mit.
Lorsch, 21. Aug. Der „Frkf. Ztg." wird geschirieben: Ter HistorischeVereiufürdaSGroßherzogtum Hessen hat in jüngster Zeit wieder Ausgrabungen innerhalb des Klosters Lorsch vornehmen lassen, immer noch in der Hoffnung, den Sarg des im Kloster bestatteten -Karolinger-Königs „Ludwig des Deutschen" zu Tag fördern zu können. Man hat früher wohl Steinsärge aus jener Zeit gefunden, von denen man nicht weiß, wer darin begraben worden war, bei denen aber sicher erscheint, daß in ihnen der genannte König nicht bestattet wurde. Bei den neueren Ausgrabungen im zttosterbezirk wurde wieder kein Sarg gefunden, wohl aber in der Kirche die Grundmauern eines inneren. Anbaues, der möglicherweise der Beisetzung von Särgen diente. Gegenstände, die einen Schluß auf die frühere Bestimmung des Baues zuließen, wurden nicht gefunden. Von Interesse sind die römischen Funde, die innerhalb des Klosterbezirks gemacht wurden und als Beweis gelten müssen, daß schon in römischer Zeit hüM Bauten standen. — Auf der Juhöhe, dem Gebirgssattel zwischen der Bergstraße und dem Weschnitzthal, wo man schon vor Jahren vorgeschichtliche Gräber gefunden hatte, hat man jetzt auch die dazu gehörigen Ansiedelungsstatten der damaligen Bewohner gefunden.
Vermischtes.
* Berlin, 22. Aug. Tie von der Gesellschaft des Roten Kreuzes unter der Aegide der Kaiserin für die Opfer der Katastrophe auf Martinique ver- anstaltete Sammlung beträgt 71340 Francs. Dieser Betrag wurde der französischen Regierung übermittelt.
* Hamburg, 22. Aug. Heute morgen um 4 Uhr drangen Einbrecher in das in der Eckensördersttaße gelegene Hotel St. Paulihof. Infolge des von ihnen gemachten 'Lärms erwachte der dreißigjährige Hausdiener und wurde von den Einbrechern überfallen und durch Messerstiche getötet. Die Mörder konnten unentdeckt entfliehen.
♦ München, 22. Aug. Der früh 8 Uhr von München über Nürnberg-Berlin fahrende D-Zug stieß heute in der Station Weißenburg am Sand auf einen dort stehenden Güterzug. Der Materialschaden ist nicht unerheblich. Verletzt wurde von den Reisenden niemand. Vom Zug
personal wurde eine Dienstfran nicht lebensgefährlich verwundet.
♦ Rochefort, 22. Aug. Als heute vormittag der Kreuzer „Tnpleix" zu llebungen abdampfen wollte, kam der Kessel zu Schaden. Sechs Manu erlitten Brandwunden, zwei davon erhebliche.
* Kaiser Wilhelm über Pariser Damenmoden. Dem ,/Francais" zufolge machte Kaiser Wilhelm bei seiner Anwesenheit auf der „Ariadne" Madame Waldeck- Rousseau Komplimente über ihre Toilette, sprach von seinen Pariser Erinnerungen und fragte unter anderem, ob das Modemagazin, das er aus den Fenstern des,Hobel Mira- beau", Rue de la Paix, sah, immer noch Nummer eins fei. Frau Waldeck-Rousseau verneinte dies. „Also Vieux jeu", bemerkte der Kaiser lächelnd und fügte hinzu, daß unter alten Modeschöpfungen der letzten Jahre die Prinzeß- robe chm am besten gefalle. „Nicht jede Dame", bemerkte Frau Waldeck-Rousseau, ,chesitzt den Vorzug, in solcher Corsage gut auszusehen." — „O, die Kaiserin", warf der Kaiser lebhaft ein, „sieht in der Prinzeßrobe vorzüglich aus."
* Aus den Alpen. Tie Leiche des bei einer Besteigung des Seekofels verunglückten Kapuziners Pater Edmund Buchetmann wurde von 10 Führern geborgen. Der Pater hatte die Bergtour am Dienstag in Kutte und Sandalen unternommen; er wurde mit zerschmettertem Schädel und mehrfach gebrochenen Füßen aufgefunden. Ter Pater entstammt einer vornehmen Münchener Familie. — Tie beiden Brüder Fearon, welche am Dienstag von Grindelwald aus mit den Führern Samuel Brawand und Fritz Bohren das Wetterhorn bestiegen, sind verunglückt. Tie nach den Vermißten ausgesandte Expeditton fand den einen der Brüder und den Führer Brawand tot vom Blitz erschlagen. Fearons Bruder und der Führer Bohren, von denen noch keine Spur gefunden wurde, sind vermutlich abgestürzt. — Zwischen Naßfe 1 s und Poeggstein ging eine Steinlawine nieder und verschüttete zwei Wagen, die gerade die Sttaße passierten. Ein junger Mann wurde dadurch getötet, eine Dame aus Gastein schjwer verletzb — Unweit Bozen wurde der seit März vermißte Augenarzt Löschmann aus Menstein als Leiche ge- funden.
Kunst und Wissenschaft
— Der bekannte „Cavalleria"-Komponist M a s c a g n i ist seiner Direktorstelle am Konservatorium in Pesaro enthoben worden. Der Präsident des Verwaltungsrats des Konservatoriums, Professor Modi, bezeichnet den Maestro als vollständigen Neurastheniker, der von Verfolgungs- und Größenwahn heimgesuchl sei und das berühmte Konservatorium an den Rand des Bankrotts gebracht habe, lltiernanb bestreite Mascagnis Künstlergenie, aber sein Charakter sei ganz unmöglich. Sieben Jahre lang habe sich Pesaro von Mascagni beleidigen und provozieren lasten, bis es endlich Justiz übte. Pesaro, das den Maestro auch hinter den Kulissen kenne, atme nunmehr förmlich auf. Das Lehrerpersonal wie die Behörden habe er wie Schuljungen behanbelt; er habe keinen Menschen, der nicht vor ihm im Staube kroch, in Riche gelassen, kurz, er habe die ganze Stadt in unerhötter Weise lerrott- siert. Darum stände auch bei aller Achtung vor feinem künstlerischen Können heute, von den StudeMen abgesehen, kein halbes Dutzend Leute auf Mascagnis Seite. Mascagni hat übrigens aus dem gleichnamigen Roman von Hall Caine eine Oper „The eternal City“ sertiggestellt. Die Oper spiüt in Rom. Die erste Aufführung soll schon im September gleichzeitig in London und New-Dork stattsinden.
Universitäts-Nachrichten.
Bon dcu medizinischen Fatultätcn des Deutschen Reichs wurden im Winterhalbjahre 1901/02 550 D o k t o r p r o m o t i o- neu vollzogen. Arn meisten Promotionen, 73, fanden in München statt. Es folgten Leipzig mit 68 und Kiel mit 67 Promotionen. Je 31 Promotionen wurden in Berlin, Breslau und Würzburg vollzogen. Anzuschließen sind: Sttaßburg mit 28 Promotionen, Greifswald mit 26, Bonn und Halle mit je 24, Königsberg mit 21, Freiburg mis 19, Tübingen nut 17, Jena mit 16, Rostock und Göttingen mit je 15, Erlangen mit 14, Nürnberg mit 12, Gießen mit 1L Die Mindestzahl der Promotionen, 7, hatte Heidelberg.
— Einer Zusammenstellung der Frequenz an den österreichischen Universitäten im Sommeriemester 1902 ist zu entnehmen, daß an den acht Hochschulen, welche in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern bestehen,insgesamt 16 584 Hörer inskribiert waren. Davon gehörten 1138 Studierende den theologischen, 8658 den rechts- und staatswifsenschastlichen, 2470 den medizinischen und 4318 den philosophischen Fakultäten an. In den genannten Ziffern sind sowohl die ordentlichen als auch die außerordeMlichen Hörer und die Hospitanten inbegriffen. Dem weiblichen Geschlechte gehörten an den juristischen Fakultäten 29 (alle in Graz), an den medizinischen Fakultäten 11 (nämlich 2 in Prag und 9 in Krakau) und an den philosophischen Fakultäten aller acht Universitäten 327 Hörerinnen und Hospitantinnen an. — Wie die »Neue Polit. Korresp." mitteilt, hat der Oberpräsident der Provinz Posen schriftlich angeordnet, daß diejenigen Slubenlen
aller Fakultäten, die von ihm ein Stipendium beziehen, außer der Verpsiichtung, nach dem Swdium 5 Jahre in der Provinz Posen zu wirken, noch die Verpflichtung übernehmen müssen, die polnische Sprache zu lernen.
Landwirtschaft.
0 Aus der südlichen Wctterau, 21. Aug. Hier hat man bereits begonnen, Oie Lpätkartosseln auszumachen. Dieselben stehen gegenwärtig hoch im Preise, der Doppelzentner wird mit 4 Alk. bezahlt. Tie Kartoffeln gehen aus der Bahn oder per Wagen nach Frankfurt. Auch die Frühkartoffeln standen anfangs sehr hoch un Preise und leiteten in erster Zeit bis zu 8Mk. per Doppelzentner. Wenn auch die Herbstkartoffel in der Quantität gegen die vorjährige Ernte zurückbleibt, so ist bamr ihre Qualität um so besser. Daß die Kartoffelpreise so hoch und, hat wohl einen zweifachen Grund: erstens faulten die vorjährigen Kartoffeln zu febr und zweitens sind die Frühkartoffeln infolge der Trockenheit sehr klein geblieben. — Von dem Futtermangel, übet den aus anderen Gegenden geklagt wird, hat man in der Wetterau weniger gemerkt. — Ter Weizen kostet gegenroärtig 15.50 Alk. der Zentner, alter Hafer 18—19 Alk.
Sport.
X Gießen, 20. Aug. Einen wirklich stichsicheren Pneu hat ein Franzose erfunden. So einfach wie genial i|t feine Idee! Zwischen verschiedene Leinwandlagen wird Gummi eingebracht und einer seitlichen Pressung ausgesetzt, sodaß bei dem fertigen Reifen der Gummi von öen verschiedenen leinwandlagen am seitlichen Expandieren gehindert wird, sich also in einem Zustande der Zu- samnienpressung befinbet Wird em solcher Pneu punktiert, so schließt sogleich beim Herausziehen des stechenden oder schneidenden Körpers die eigene Pressung un Gummi das Loch. Die Versuche mit solchen Pneus haben vollkommen befriedigende Ergebnisse gezeitigt. (Patentbureau Rerchau u. Schilling, Berlin, 7.)
Eisenbahn Zeitung.
Berlin, 22. Aug. Nachdem die schon vor einiger Zeit bd der Staatselfenbahiwerwaltung, eingeführlen Arbeits-Aus- gl e i ch st e 11 e n sich als zweckentsprechend erroiefen haben, sind nach einer neueren Anweisung des Eisenbahnministeriums die mit dieser Einrichtung gemachten Versuche sottzusetzen. Die Eifeubahn- bireftionen, bie Äusgleichstellen bisher nicht errichteten, Haven diese Frage erneut zu prüfen und nötigenfalls nut der Einrichtung solcher Stellen vorzugehen.
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Reichsbank . . Berg.»Märkische
Bank . . . Berliner Bank . Berliner HdlSg. Darmstädter Bk. Deutsche Bk. . DiSconto-Ges. . Dresdner Bk. . National-Bk. . Lchaffhsr. Bkv.. Oest. Cred.-Akt.
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Buderus. . .
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von 1891. . Elisab. steuerst.
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Württemberg. . Bremen v. 1899 Hambg. v. 1899
Ausländische.
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Städte Anleihe.
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Pfandbriefe.
Frankf.Hypotbk.
Serie 14 do. Serie 15 Frkf.HyP.-Cred.. Lcrem 1905. do. 1906. do. tilgbare Frks. Landwtsch. Hamburger Hy-
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Franz Joseph . «aschau-Oderbg. Oesterr. Nord- wcstbahn B. . do. Südbahn (Lomb.) do.....
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