Nr. 197
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Ferusprrchanschlnß Nr. 51.
Zweites Blatt.
ISS. Jahrgang
Samstag Ä3. August LSVS
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger "
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Aie heutige Kummer umfaßt 14 Seiten.
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Volttische Tagesschau.
Auch ein „Fall Lohning".
Unter dieser Ueberschrift wird dem „Vorwärts" folgendes Geschichtchen erzählt:
Auf dem Gymnasium meiner kleinen mitteldeutschen Heimatstadt genossen wir in den Oberklassen den Unterricht einer markigen und knorrigen Persönlichkeit, des Professors W. Dieser Professor W-, dessen Kvrperkrast durch die Strapazen von zwei Feldzügen wenn auch nicht gebrochen, so doch erschüttert worden war, erkrankte einmal auf einer Reise in ziemlich abgelegener Gegend lebensgefährlich Nach dem Urteile der Aerzte hatte er seine Rettung nur der hingebenden Sorgfalt und aufopferungsvollen Gewissenhaftigkeit einer Krankenpflegerin zu danken. In der Zeit einer langsamen und oft durch kleine Rückfälle wieder in Frage gestellten Genesung hatten sich allmählich zwischen dem Gelehrten und seiner Pflegerin, die ein schlichtes Kind aus dem Volke war, Gefühle entwickelt, die über Dankbarkeit und Freundschaft sehr bald hinweggingen. Professor W. hatte die Ueberzeugung gewonnen, in diesem Mädchen das Glück seines Lebens gesunden zu haben. Der schonen Hoffnung, das geliebte Atädchen, seine Retterin, eines Tages als sein Weib heimführen zu können, stellten sich indessen mannigfache Schwierigkeiten und Jntriguen — siehe Fall Löhning! — entgegen. Um die Sache aufs Bregen oder Brechen zu stellen, fuhr deshalb W'. eines Tages kurz entschlossen mit seiner Braut nach dem damals noch englischen Helgoland und lieh sich dort trauen. Bleiches Entsetzen in allen Philisterkreifen! ( Die Mütter aller sitzengebliebenen „Heiratsfähigen", die langoenährte stille Hoffnungen mit einem Schlage vereitelt sahen, fauchten vor Wut und ließen an „der Person", die den guten W. doch ganz offenbar nur durch Teufelskünste verführt haben konnte, kein gutes Haar. Der Plan deS Rachefeldzuges war bald entworfen, und es stand schon vor der Rückkehr W.s von seiner Hochzeitsreise fest, daß, er gesellschaftlich geboykottet werden müsse.
Den Gesch spielte in dieser Geschichte ein Oberlehrer F., Leutnant der Reserve, der die „peinliche Angelegenheit" in Gegenwart des Ministerialdezernenten vor versammeltem Lehrerkollegium der Anstalt zur Sprache brachte und seine Rede mit den fulminanten Worten schloß: „Und so glaube ich denn, meine Herren, daß leider ein Zusammenwirken mit dem sonst so überaus verehrten Herrn Kollegen W. nicht mehr möglich sein wird-" — Als er dies gesagt hatte, da erhob sich besagter Ministerialrat zu den ganz ruhig unD langsam herausgebrachten Worten: „Nun ja, Sperr F., dann steht ja Ihrem Austritt aus dem Lehrerkollegium gar nichts im Wege!"
Der Ministerialrat ist längst tot, auch Professor W. hat nur noch wenige glückliche Jahre an der Seite seiner- liebenswürdigen und trefflichen Frau leben dürfen; Herr F. aber zog damals seiner Wege. Wenn ich nicht irre nach — Preußen!
Franz Sigel f.
Nach einem Newyorker Telegramm ist ein alter Achtundvierziger, Franz Sigel, dieser Tage dort gestorben. Er hat ein Alter von nahezu 78 Jahren erreicht. Zu Sinsheim in Baden geboren, trat er 1844 als Leutnant in ein badisches Infanterie-Regiment ein, nahm aber drei Jahre später seinen Abschied, um sich an der Universität Heidelberg juristischen Studien zu widmen. 1848 beteiligte er sich an dem Hecker'schen Ausstand, und als dann die Revolution ausbrach, ernannte ihn die provisorische Regierung zum KriegsMlnister und zum Kommandanten ihrer Armee. Er sollte nach einem Plane RaveauL' die hessischen Truppen, die an der Bergstraße standen, in Der Front angreifen, während Vtenker und Zitz mit den pfälzischen und rheinhessischen Insurgenten bei Worms den Rhein überschreiten und den Hessen in den Rücken fallen sollten. Man hoffte, nach der Besiegung der hessischen Truppen das hessische Volk zur Erhebung zu bringen unb dann nach Frankfurt zu marschieren, um dort die deutsche Republik zu proklamieren.
Sigel überschritt am 30. Mai 1849 die hessische Grenze und bald kam cs zwischen Hessen und Badensern bei He p p e n h e i irt zu einem Gefecht- In der Nähe von Laudenbach wollten die Badenser mit einer Schwadron Dragoner zwei hessische Geschütze stürmen, gerieten aber derart unter Kartätschen- und Gewehrseuer, daß sie in wilder Flucht umkehrten und sich teilweise bis Weinheim zurückzogcn. Die Hessen erhielten dann noch von Erbach her Verstärkung und der Kampf ging zu ihren Gunsten aus. Die Badenser mußten sich zum Neckar zurückziehen, und Brentano, der im Auftrage der provisorischen Negierung die Ursachen der Niederlage zu untersuchen hatte, .verfügte die Absetzung Sigels. Letzrerer konnte sich zwar nachträglich rechtserrigen, blieb Kriegsminisier und bemühte sich. Die Armee zu reorganisieren, aber Oberbefehlshaber wurde der Pole Mie- roslawski. Unter diesem wurde Sigel Abteilungsführer. Als dann die Reichsarmee über Fürth in den Odenwald drang und die Preußen in der Pfalz nach, Süden vorrückten, mußten sich die VaDeuser vom Neckar zurückziehen. Nwich Dem Revolntionsjahre ging Sigel nach Amerika. ^Er wurde Kaufmann und dann Lehrer. Beim Ausbruch des «ezcsslvns- krieges sammelte er eine deutsche Fremdenlegion, kümpste in Missouri und wurde 1861 nach General Lyons Tode dessen Nachfolger. 1862 zeichnete er sich bei Pea-Rckge als Brigade-Kommandeur aus. Im Juni des! ebben Jahres wurde er Kommandeur eines Armeekorps. 1864 hatte er jedoch bei New-Market einen Mißerfolg zu ver
zeichnen, der ihn bewog, im folgenden Jahre den Abschied zu nehmen. Eine Zeit lang war er dann Redakteur und später städtischer Beamter in Newyork.
Siegel hat Übrigens eine Geschichte der Revolution von 1848 geschrieben, die gegenwärtig in Deutschland gedruckt wird.
Kolonialpost.
Wirkungen und Lehren Der Ermordung der Frau Wolfs. Aus Herbertshöhe wird Der „Welttorr." geschrieben: Der erbittertste Weißenfeind und eingefleischteste Kannibale, der Häuptling T o w a g t r a, Der eine bedeutende Rolle bei der Ermordung der Frau Wolff spielte, ist von einem farbigen Polizei- jungen erschossen worden. Als ihn fein wohlverdientes Los in Gestalt einer Mausergewehrkugel erreichte, soll er auf dem Kopfe eines Riffs gestanden haben. Obwohl nicht tätlich verwundet, stürzte er doch über den Abhang hinunter. Dem herzueilenden Polizeisoldaten brachte er vermittels eines kräftigen Steinwurfes eine nicht unerhebliche Verletzung im Gesichte bei. Dann führte der farbige Soldat Den tätlichen Streich, indem er mit dem Seitengewehr seinen Kopf abhieb, der gleicherweise wie der Kopf des Tokilang nach Herbertshöhe gebracht wurde und dort noch in Alkohol liegt. Ern anoerer Anstifter und Teilnehmer namens Tul befrndet sich zur Zeit in Untersuchungshaft, und es ist wohl als sicher anzunehmen, daß Über ihn Das Todesurteil gefällt werden wird. Die Paparatawaleute sind wieder auf ihre heimatlichen Plätze zurückgelehrt und werden die ihnen erteilte Lektion nicht so rasch aus dem Gedächtnis verlieren. Außerdem hat man schon an Der Errichtung einer permanenten Regierungs- ftation am Varzin begonnen, und Der Wegebau ins Innere loll energisch betrieben werden. Damit ist wohl im wesentlichen Der Friede in Zukunft in der Gegerrd des Barzins tVnnakokor) gesichert. Der bedauernswerte Vorfall wird leider unserer jungen, hoffnungsvollen und rasch empor- sttebenden Kolonie viel Eintrag thun. Eine Mahnung, und zwar eine ernste und laute, ergeht durch derartige Vorkommnisse an alle Msiedler und solche, die es werden wollen, nämlich die: Aeußerst vorsichtig int Verkehr mit Den wenig vcrtrauenswürDigen Eingeborenen zu fein und sich größter Sorgfalt bei Abschluß von Land- kaufverträgen oder Benutzung von Plätzen, Die von Eingeborenen geeignet unD bewohnt werben, zu befleißigen. — Von Neu-Mecklenburg bat man weitere Kohlenproben behufs Feststellung ihres Wertes oder Unwertes nach Her- bertshöhe gebracht.
Heer und Flotte.
Gießen, 22. Aug. Eine Aenderung drs Exerzier-Reglements für die Infanterie hat Den Kaiser neulich auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow angeordnet. Es handelt sich um den Platz der Fahne. Bei Der Entwicklung zum Gefecht verbleibt die Fahne bei Der Kompagnie, bei Der sie sich befindet. Wird die Kompagnie in Gefecht gesetzt, so geht die Fahne mit in die Feuerlinie, doch muß unter allen Umständen eine Abteilung bei der Fahne bleiben.
Berlin, 22. Aug. Ter Transportdampfer „Pisa" bat mit 31 Offizieren, 961 Unteroffizieren und Mannschaften am 20. August ab Taku die Heimreise angetreten. — Admiral v. Tiederichs, Cbef des Admiralstabes der TOtarir" u[t unter Stellung a la suite des See- offizierkvrps zinis 0D^üf^tisn 3stellt, Vizeadmiral Büchsel, Diry qema? allgemeinen Marinedepartements, zum Chef de iral stab es der Marine ernannt worde"
Potsd -----Oberst v. Ziegler, Kommandeur der h ule, der im vergangenen Jahre
während df lland bei einem Automobilunfall schiU\.L VVMvy- ------e, ist heute nachmittag an Blind
darmentzündung gestorben.
Insterburg, 22. Aug. Tie „Ostb. Volksztg." sagt in einem Artikel, betitelt: „Tie G u m b i n n e r Abschieds- feier für Oberleutnant Hildebrandt und die Generäle": Sie fei in der Lage, mitteilen zu können, Daß Untersuchung eingetcitet und mit aller Strenge ohne Ansehen der Person Durchgesührt werden würde. Tie beiden Jnsterburger Generalmajore, Willich, genannt von Poell- nitz, und Gronau, werden mit der Gumbinner Kundgebung in Verbindung gebracht. Ties sei nur dadurch möglich geworden, daß zahlreiche Blätter zwei räumlich und zeitlich ganz verschiedene Abschiedsfciern zusammenwarfen. Am 7. August verabschiedeten sich die Jnsterburger Artillerieoffiziere im Kasino im Deutschen kaufe zu Insterburg von ihrem bisherigen Kameraden/ Diese Abschiedsseier hatte einen überaus ernsten, feierlichen Charakter. Tie Reden waren durchaus würdig gehalten. Es wurde kein Lied gesungen, und die sonst übliche Tafelmusik unrerblieb. An dieser Abschiedsseier nahmen Die Generalmajore v. Poellnitz und Gronau teil. In Dieser Weise Dem scheiDenden Kameraden Lebewohl zu sagen, entsprach im vorliegenDen Zulle durchaus den überlieferten Pflichten. Am 9. August, also zwei Tage später, sand jene zweite nur in n i ch t m i l i tä r i s che n Kreisen peinlich empfundene Ab f chi e d s!f e i e r zu Gumbinnen statt, an Der weder die Jn,:erburger Brigadekommandeure noch Der Gumbinner Generalmajor Stamm teilnahmen. .
Bremen, 22. Aug. Zu Ehren Des Prinzen Albrecht von Preußen sand heute im Rathaus ein vom Senat ver- an statt et es Festmahl statt. ____________
Gutachten über Kartelle.
Auf Veraniaffung des hessischen Ministeriums Des Innern hat Die Handelskammer Offenbach ein
Gutachten über die Kartelle abgegeben, in dem sie versucht, Den schwierigen Gegenstand objektiv zu erörtern. Das Gutachten hebt hervor, Daß es sich bei Kartellverabredungen nickt blos um Die Vereinbarung von MinDestpreisen oder lediglich um solche handle, sondern sehr häufig auch allein oder gleichzeitig um Die Abwehr von ungünstigen oder gar unwürdigen Lieferungsbedingungen, sei es hinsichtlich übertriebener Ausdehnung der Kreditfristen, oder hinsichtlich der Gewährung von zu weitgehenden Garantien in Bezug auf Die Leistungsfähigkeit gelieferter Maschinen, Maschinenteile, Apparate usw., oder hinsichtlich Der Zuwendung von Vergünstigungen an Angestellte Der Kundschaft, und dgl. Andererseits betraf das Gutachten den rücksichtslosen Kampf der Kartelle gegen Die „Außenseiter".
Uns sind Fälle bekannt, in welchen der Kundschaft der Außenseiter von Den Mitgliedern des betreffenden Verbandes, wohl für gemeinsame Rechnung, Angebote zu für die Lieferanten verlustbringenden Preisen gemacht oder sonstige weitgehende Vergünstigungen gewährt wurden, um auf diese Weise die Außenseiter für Den Anschluß an Den VerbanD mürbe zu machen. Dagegen kann unseres Erachtens, die Sache lediglich vom Rechtsstandpuntt auSi betrautet, nichts eingewendet werden, da diese Kampsesart sich nur gesetzlich erlaubter und mit der Gewerbefreiheit oereinbarltcher Mittel bedient. Auch dagegen wird man vorn Rechtsstandpunkte aus nichts einwenden können, daß ein Verband für Ganzfabrikate mit dem Verband seiner Halbfabrikat- oder Roystosf-Lieseranten einen Vertrag abschließt, nach welchem den Außenseitern des Ersteren von Letzterem höhere Preise als den Mitgliedern des Ersteren zu berechnen sind. Wir halten es aber für einen gesetzlich allerdings nicht zu hindernden Eingriff in die Gewerbe- sreiheit, wenn solche Verbände sich verpflichten oder sichern, daß Außenseitern oder neu entstehendem Wettbewerb überhaupt nicht geliefert werden soll.
Eine Beschränkung der Gewerbefreiheit erblickt das Gutachten ferner in der Ausbildung Der gemeinsamen Verkaufsstellen, sofern damit eine Beschränkung Der Gütererzeugung und Der Güter ab gäbe, sowie eine Verteilung Der Gesamtlieferung nach festen, nicht überschreitbaren Anteilen vOcknüpft ist. Während einerseits für Die Mitglieder eines solchen VerbanDes der freie Wettbewerb um Die Kundschaft vollständig beseitigt, die Gewerbefreiheit von Denselben also, allerdings freuvillig, vollständig aufgegeben wird, ist andererseits die Kundschaft Durchaus in Die Hände der Vereinbarung gegeben. Erstere hat weder einen Einfluß aus Die Bestimmung der Bezugsquelle noch sonst eine Möglichkeit, sich die für ihren Betrieb erforderlichen Halbfabrikate oder Rohstoffe jederzeit in der Beschaffenheit und Menge zu sichern, wie sie solche für erforderlich hält. Wir halten Dies für einen Eingriff in die Gewerbesreiheit anderer, der zu berechtigter llnzufriedenheit schon recht vielen Anlaß gegeben hat.
Es sind uns in den letzten Jahren viele Fälle bekannt geworden, in welchen Firmen unseres Bezirkes unD auswärtige Unternehmer nicht in Der Lage waren, sich bd» spielsweise Die für Die Wetterführung ihres Betriebes er» forDerlichen Kohlenmengen am freien Markte zu verschaffen. Von ihren Lieferanten, welche erklärten, in ihren Bezügen seitens Des Kohlensyndikates beschränkt worDen zu sein, im Stiche gelassen, wenDeten sie sich an Letzteres, wurden aber von Diesem an den Großhandel verwiesen, welcher indessen die Abgabe entweder gleichfalls wegen Mangels freier Mengen ablehnte, ober aber für dieselbe Preise forderte, die man geradezu als wucherisch bezeichnen mußte. Mehrfach sind in unserem Bezirke und in der Nähe Desselben Betrrebseinstellungen nur Dadurch verhindert worden, daß den betreffenden Unternehmern von anderen Unternehmern leihweise ausgeholfen wurde.
Die Gefahr, die in der billigeren Lieferung an DaS Ausland für die weiterverarbeitenden einheimischen Industrien liegt, verkennt das Gutachten nicht. Das Schlußresultat ihrer Betrachtung faßt die Offenbacher Handelskammer wie folgt zusammen:
Unter solchen Umständen halten wir jede staatsseitige Förderung solcher Vereinbarungen für bedenklich; insbesondere sollten den betreffenden Erwerbszweigen für ihre Versendungen ins Ausland keinerlei Vergünstigungen, sei es durch Zoll- oder Steuerrückvergütung oder sei es auf tarifarischem Gebiete, gewährt und ihnen Der Kampf gegen den ausländischen Wettbewerb auf dem deutschen Markt nicht durch hoyen Zollschutz erleichtert werden. Allgemein giltige Festsetzungen in Der Gesetzgebung in Dieser Beziehung sind wohl kaum angängig; es muß vielmehr von Fall zu Fall Stellung genommen werden. Es kann deshalb auch nicht befürwortet werden, daß beispielsweise von vornherein im Zolltarif die Zölle entsprechend bemessen werden; Doch Dürfte es unseres Erachtens der Erwägung wert sein, ob eS nicht angebracht erscheint, im Zolltarifgesetz eine Bestimmung Platz greifen za lassen, nach welcher Der BunDesrat, unter Zustimmung oDer unter Vorbehalt Der e.uijouuiß Der Genehmigung Dl» Reichstages bei feiner nächsten Tagung ermächtigt roirD, Die Zölle für Waren, welche durch Vereinbarung der beteiligten Lieferanten künstlich im Preise erhöht oder hochgehatten werden, aufzuheben oder herabzusetzen.
Interessant i)i noch Die Bemerkung, warum das Gutachten nicht mit namentlichen Angaben Dient: „Die Macht der sogenannten Syndikate ist so groß und das Mißtrauen gegen den Gebrauch, welchen sie unter Umständen von ihrer Macht machen, so start, daß die auf ihre Lieferungen angewiesenen UntenicI)m^q^i0dytlid) der Bekanntgabe ihrer einschlägigen Kennug [4001 ;r ihrer im Geschäfts-Verkehr mit Den BerbändeiH g chten Erfahrungen äußerst vorsichtig sind." (Frkf. Ztg")


