Ausgabe 
23.8.1902 Drittes Blatt
 
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Nr. 197

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hesfischeir Landwirt die Siebener Kanrillen- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der B r ü h l'scheu Unioers.-Buch- u. Stein­druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulst ratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Frrnsprechanschluß Nr. 51.

Drittes Blatt.

153. Jahrgang

Samstag 23. August LN92

Ä DezugSpreisr

W4 W monatlich75Ps.,viertel-

GletzenerAmelgerN w General-Anzeiger »

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WM .Is ..... - eigsnteil: Hans Beck.

Aar Berufswahl.

Der DeiltscheTechnikerverband forderte jungst in einem auch uns zugegangenen Rundschreiben zur VorsichtbeimErgreifeneinestechnischenBe- rufes auf, da die Erlangung von technischen St l tun gen infolge des anhaltenden wirtschaftlichen Niederganges außer- ordentlich schwierig sei, und eine große Zahl von Tech­nikern sich gegenwärtig außer Stellung befinde. Der Hin­weis ist letzt, wo die Frage der Berufswahl vielfach in Familien erwogen wird, dankenswert; er wird voraus­sichtlich mancher jungen Mann zu reiflichsterUeberlcgung ver­anlassen. Andererseits darf aber wohl darauf aufmerksam gemacht werden, daß die wirtschaftlichen Aussichten für Techniker aus der M a s ch i n e n b r a n ch e zur Zeit keines­wegs ungünstig find, sofern diese Techniker Neigung und Befähigung zum Eintritt in den Mariue-Jngenieur- Dienst haben.

Der Bedarf an Marine-Ingenieuren steigt fortgesetzt. Tas hat seinen Grund einmal darin, daß gemäß dem im Flottengesetz niedergelegten Schiffsbauplan in kurzen Zwischenräumen immer neue Schiffe in Dienst gestellt wer- den, und dann darin, daß die Bedienung der modernen Kriegsschiffsmaschinen einen ganzen Stab von Ingenieuren erfordert. Für die alteren Panzerschiffe genügte zumeist ein leitender Ingenieur; die Schiffe derBrandenburg"- Klasse beanspruchen drei, die derKaiser"-Klasse vier, die modernen Geschwader-Flaggschiffe gar fünf leitende In­genieure, weil die Maschinenanlagen immer gewaltiger und komplizierter werden. Der Fall ist heutzutage nicht selten, daß kleine Kreuzer und Kanonenboote mit einem Ober­maschinisten als leitendem. Ingenieur über See gehen, weil der Marineverwaltung approbierte Ingenieure nicht in der wünschenswerten Anzahl zur Verfügung stehen.

Ist also hieraus eine günstige Berufsaussicht für Ma- schinentechniker ersichtlich, so darf nicht unerwähnt bleiben, daß durch die vor einigen Jahren erfolgte Neuordnung der Bestimmungen über die Ergänzung des Maschinen- personals der Marine die betreffenden Ausbildungs- undAvancementsverhältnisse eine Aenderung er­fahren haben. Die Heizer, Oberheizer, Maschinisteu-Maaten und Maschinisten können heute nicht mehr auf Grund eines entsprechend langen Vordienftes und einer einfachen lleber- gangsprüfung in Jngenieurstellen aufrücken. Heute ist für diejenigen Maschinisten, die Ingenieure werden wollen, neben der langjährigen praktischen eine gründliche theoretische Durchbildung, und zwar durch Besuch der Marine-Ingenieurschule, vorgeschrieben. Das Bestehen einer Abschlußprüfung, an Bedeutung analog der Seeoffizier-Berufsprüfung, giebt die Befähigung zum Ma­rine-Ingenieur und damit den Offizierscharakter.

Ta die meisten Maschinentechniker aus dem Civilstande eine technische Lehranstalt absolviert haben, besitzen sie eine schätzenswerte Vorbildung für den späteren Besuch der Ma­rine-Ingenieurschule. Dre Praxis des maschinellen Kriegs- schiffsdienstes können sie freilich nur an Bord erlernen, und tn dieser Hinsicht ist darauf aufmerksam zu machen, daß nur vollkommen gesunde und kräftige junge Leute den schweren Anforderungen des Dienstes gewachsen sind. Besonders in den Tropen greift die Thätigkeit im Maschinenraum den Körper an. Andererseits ist die Besoldung der Marine- Ingenieure so bemessen, daß sie, auch wenn sie verhältnis- mäßig früh den Marinedienst zu quittieren sich veranlaßt sehen, der Existenzsorgen überhoben JinD.

Zu den Berufen aber, die durch eine glanzende Außen­seite viele verlocken, um sie dann bitter zu enttäuschen, ge­hört tn erster Linie auch der Buchhandel. Gewiß er­scheint vielen, namentlich geistig regsamen jungen Männern der Buchhandel als ein schöner und idealer Beruf, und wer wollte leugnen, daß er es an sich auch ist wenn nur die

wlrffchafllichen Verhältniffe nicht gerade in diesem Berufe so traurig wären! Bei recht hohen Anforderungen an die physische Leistungsfähigkeit eine Arbeitszeit von 10 bis 11 Stunden ist Regel, doch dehnt sie sich in vielen Fällen bis zu 15 Stunden aus und an Bildung und Wissen seiner I Jünger, bietet der Buchhandel nur ein recht geringes peku­niäres Entgelt. Gehäller von 75, 80 und 90 ML sind die Regel für junge..Leute, die eben ihre Lehrzeit beendet haben, ja auch Gehalter von 60 und 40 (!) Mark werden angeboten und leider! angenommen. Ein Gehalt von 100 bis 125 Mk. ist für den Buchhandlungsgehilsen in mittleren Jahren das Durchschnittliche, und über 150 Mk. kommen auch in späteren Jahren nur wenige, besonders Bevorzugte uird hervorragend Tüchtige hinaus. Nament­lich empfiehlt cs sich ungenügend vorgebildete junge Leute vor dem Eintritt in den Buchhandel zu w a r n e n, während junge Leute mit guter Vorbildung immer eher noch Aus­sicht auf Fortkommen im Buchhandel haben. Auch körper­lich nicht ganz gesunden Menschen, namentlich Lungem tranken und 9cervösen, ist entschieden vom Buchhcurüel aozu- raten, da den ersteren der sehr gefährliche Bücherstaub und letzteren die vielen lleincn aufreibenden Arbeiten des Buchhändlers leicht gefährlich werden können. Verschlechf- tert wird die Lage der Duchhandlungsaehilfen noch durch die von vielen Firmen getriebene Lehclingszüch^erei. Besonderer Vorliebe erfreut sich in letzter Zeit der Buchf- handel auch von jungen Mädchen, aber auch bei diesen erscheint Vorsicht sehr geboten. Die eigentlich buchhäud- lerischen Arbeiten, siitd dem weiblichen Organismus wenig zuträglich und die mehr kausmänuischen Posten, wie die der Buchhalterin, Kassiererin, der Maschinenschreiberin wer­den wie überall, so ganz besonders auch im Buchhandel recht schlecht entlohnt. So sei es denn allen Eltern Dringeich empfohlen, bevor sie ihre Kinder in den Buch,- handel Eintreten lassen, eingehend zu prüfen, ob diese auch körperlich entsprechend widerstandsfähig, genügend vorge­bildet und, wenn möglich, auch genügend mit finanziellen Mitteln ausgerüstet sind, um es im Buchhandel zu etwas bringen zu können.

Kus Stadt und Kand.

Gießen, 23. August 1902.

rp. Promotionen an der Landes-Univer­sität vom 1. Juli 1901 bis 30. Juni 1902. 1. Li een- tiateu der Theologie: Friedrich Wilhelm Thomas, Diakonus in Gera, Adolf Buchner, Präsident des Ober­konsistoriums in Darmstadt, honoris causa, Pfann- müller, Pfarramtskandidat aus Darmstadt, Friedrich Niebergall, Pfarrer in Kirn. 2. Doktoren der Rechte: Die Gerichtsaccessisten Schönenberg aus Darmstadt, Wolf aus Alzey, Bölsing aus Garbenteich, Mattes aus Worms, Schmidt aus Lauterbach, Esselborn aus Darmstadt. 3. Dok­toren der Medizin: Die approbierten Aerzte Richter aus Wildungen, Moumalle aus Wiesbaden, Levy aus Gießen, Bergenthal aus Schmallenberg, Hill aus Mühlheim cu M-, Hubert aus Deutz, Schopp aus Nieder-Hilbersheim, Meyer aus Geseke, Brühl aus Dermbach, Bischoff aus Wiesbaden, Viehausen aus Fischlaken, Ostermann aus Barmen, Siegler aus Worms, Kölle aus Gießen, Dilger aus Wehen, Brauckmann aus Werl, Treiber aus Kirchheim, Rüther aus Bleiwäsche, Becker aus Gonsenheim, Causs aus Mainz, Weber aus Mönchhof, Schultz aus Herxheim, Helwig aus Obertopfstadt, Dillmanu aus Ober-Ingelheim, Linken­held aus Gießen, Ulgmer aus Niederbiel, Kutscher aus Schtvetz, Anna aus Reinheim, Schmidt aus Mainz, Wagner aus Darmstadt, Rixen aus Otzenrath, Krombach aus Gießen, Blum aus Frankfurt a. M-, Heinsberger aus Bochum, Spiegelhoff aus Hüthum, Cur sch mann aus Gießen. 4.Dottorender Tierheilkunde:Adam

Olt, Professor an der Tierärztlichen Hochschule in Han­nover, Ist. phill, honoris causa, Zalewsky aus Königsberg i. Pr., Eichler aus Köfeln, Nieberle aus Blaubeuren, Ubbels aus Bremfter, Rüther aus St. Johann, Gmeiner aus München, Str aut | trau f aus Kurnir, Hobstetter aus Potsdam, P a u l Martin, ordeutlicljer Professor der Tieranatomie an der Universität Gießen, Dr. phil, honoris causa, Logemann aus Wehringshausen, Faller aus Simmern. 5. Doktoren der Philosophie: Hoernecke, 28er g bau» beflissener aus Sulzvach, Frisch, cand. phil- ans Wiesbaden, Gaumer, cand. djem- aus Palermo, Heiß, Baupraktikant aus Radolfszetl, Zehrlaut, cand. chem- aus Reutlingen, Fedor G n a u t h, Präsident des Großh. Ministeriums der Finanzen in Darmstadt, honoris causa, Friedrich Schwarz, cand. phil. aus Mainz, Schulz, cand. chem- aus Reitwein, Stoenig, cand. phil- aus Herrnhaag, Freiherr von Behr, cand. chem. aus Weiß-Pom usch Brand, cand. phil. aus Lützen, Nehb, cand. phil. aus Bingen, Karl Salemann, kaiserlich russischer Staatsrat, Direktor des asiatischen Museums in St. Peters­burg, honoris causa, Kraus, Lehramtskandidat aus Heides­heim, Hommel, cand. chem. aus St .Petersburg, Wohlfahrt, cand. chem- aus Forchenberg, Mehring, cand. chem. aus Hamiover-LmDen, Northosf, ccuid. occ- aus Wahlstedde i. W., Schumacher, cand. chem- aus Krefeld, Molz, cand. phil. aus Bingen a. Rh-, Koch, Pfarr- und Lehramtskandidat aus Wetterfeld, Bartels, Kreistierarzt aus Goslar, Scheffer, cand. agr. aus Snudern. 6. Zum fünfzigjährigen Dok­tor j u b i l ä u m wurde erneuert das Diplom eines Doktors der Rechtswissenschaft: dem Justizrat und Notar Dr. Kärl Anton Braden in Mainz; das Diplom eines Doktors der Medizin: dem Dr. Ludwig Thudichum aus Büdingen, z. in London; das Diplom eines Doktors der Philo­sophie: dem Geh. Hofrat und Professor Dr. Georg Schaefer in Darmstadt, dem Geh. Hofrat und Professor Dr. Eugen Diehl in Darmstadt, dem Rektor a. D. Dr. Wil- helm Sommerlad in Frankfurt a. M

Aus dem R o d g a u, 20. Ang. Der gestrige Tag war für viele unserer Landwirte ein schwerer Un­glückstag. Gegen Wend überzog zwischen 6 und 7 Uhr ein furchtbares Gewitter unsere Gegend, das allenthalben bedeutenden Schaden anrichtete. Ein Hagelschlag, wie er hist in gleicher Stärke noch feiten erlebt wurde, ging nieder. Tie Hagelkörner zeigten durchweg die Größe kleiner Vogel-- eier und bedeckten vollständig den Boden. Tie Feldfrüchte haben hierunter sehr schwer gelitten. Ter Hafer ist stellen­weise wie ausgedroschen, auch Dickwurz und Gemüse sind stark zerschlagen. Den schwersten Schaden dürften jedoch Die Obstbäume erlitten haben, denn es steht sehr zu be­fürchten, daß die Aepfcl, wie vor zwei Jahren, Derart zerschlagen sind, daß sie als haltbares Tafelobst nicht ver­wendet werden können. Das Gewitter war von stetem> wellhin leuchtenden Blitzen begleitet, richtete jedoch, soweit bis jetzt bekannt, keinen Brandschaden in hiesiger Gegend an.

Offenbach, 20. Aug. Einen gefährlichen Sturz machte gestern nochMittag gegen 6 Uhr ein Ibjähriges Mäd­chen aus dem zweiten Stock eines Hauses in der Glocken­gasse. Dabei siel es auf ein unten spielendes dreijähriges Mädchen, das, wie durch ein Wunder, ohne Verletzungen davonkam. Tas ältere Mädchen erlitt verschiedene erheb­liche Wunden am Kops; a.ucj, ist es nicht ausgeschlossen, daß innere Verletzungen entstanden sind .

verlangen von der Darmstadter Möbel-Fabrik, Darmstadt, Offerte nebst Katalog und Preisliste. Bedeulendstes und größtes Einrichtungshaus Mittel- und Süddeutschlands für alle Stände. 160 Zimmer - Einrichtungen wohnungsfertig, einschließlich Küche. Sehenswürdigkeit 1. Ranges. Spezialität: Brautausstattungen in jedem Genre und Preis. Konkurrenzlos in Auswahl, Form, Gediegenheit und Preis. 8789

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(Nachdruck verboten)

Das Unglück der Sommerwirte. Hundskehle. Zn den Zelten. Thielschers neueste Leistung. Die fertigen Linden.

In welcher Weise die Ungunft des Sommers unsere Gartenwirte in Berlins Umgegend geschädigt hat, beweist das Fallissement so mancher angesehenen Lokale von bestem Ruf. Wer nicht ganz fest sitzt und den fabelhaften Ausfall dieses Regensommers auf die guten Einnahmen früherer Jahre verrechnen kann, muß bch den hohen Betriebs­kosten, die zum großen Teil bleiben, auch wenn keine Menschenseele als Gast kommt, Kopf und Kragen zusetzen. Tie Fähre vom Bahnhof Wannsee zumSchwedischen Pa­villon" am Südwestufer, die sonst fortwährend in Anspruch genommen ist, habe ich dieses Jahr verschiedentllch als einziger Passagier benutzt. Sogar die sandigen Grunewald- wege, die den Reuen so schnell auffaugen, sangen an grund­los zu werden. "Jetzt ist auch Der Wirt von ,Zunde- k e h l e", der Besitzer der größten und vornehmsten Grune- waldwirffchaft, in Konkurs geraten. Und er war bis vor Beginn seines entzückenden Neubaus, der sich, tote eine Burg mit Zinnen und Wrmch^en am Hundekehlersee erhebt, ein vermögender Manu. Einen mittelmäßigen Sommer hätte er in seinem riesigen Etablissement, das vorzüglich geleitet war, wohl noch überstehen können; aber diese Aus­fälle Tag für Taa diese unendliche Reihe verregneter Sonn­tage, die ihm wicht so viel Hunderte von Mark Einnahme brachten, als er sonst Tausende, ja Zehntausende gehabt hatte, haben den tüchtigen Mann zum Ruin bringen müssen. Es soll auch in denZelten" kriseln. Unkontrolllerbäre Gerüchte schwirrten durch Berlin. Kisteumacher, der Wut! des schönen Gartens an der Spreehinter den Zelten" !

verspricht durch Anschlag an den Litfaßsäulen 500 Mark demjenigen, der die falschen Gerückfte über seine Verhält­nisse in die Welt gesetzt hat, und bezeichnet diese Gerüchche als unlautere Konkurrenz-Manöver. Es ist wohl möglich, daß er Recht bat; aber wer in diesem Jahre als Gartemvirt den Stab in Die Hand nehmen und aus seinem Besitztum hinauswandetm muß, trägt selbst kaum Schuld daran. Aller­dings sind dieZelte" durch ihre wuirdervolle Lage im Herzen Berlins rwch unendlich besser daran als die Wirt­schaften in den Bororten. DieseZelte", die heute statt­liche Häuser zum Teil von großem architektonischem Ge­schmack sind, waren im 18. Jahrhundert wirkliche Zelle, damals noch vor den Thoren Berlins gelegen und bil­deten im Sommer den Tummelplatz aller Stände, etwa wie heute noch in kleineren Städten die Schhtzenwiese hoch und niedrig, arm und reich vereint. Als die Zellbesitzer später, während der beginnenden Entwicklung Berlins, ihre Zelle in feste Läufer verwandeln woMen, stießen sie auf harten Widerstand seitens der Krone. Friedrich Wilhelm III.

hätte durchaus keine Neigung, in der Nachbarschaft seines Tiergartens" einen Stadtteil entstehen zu lassen, bis dann endlich doch die Belvilligmtg erteilt wurde. Speziell ,Kistenmachers Garten" wurde als Ruhesitz von einem wohll)abend gewordenen Berliner Schneidermeister erbaut, weshalb Friedrich Wilhelm IV. diese BesitzungNähnadels- ru-h" getauft hatte, toas dem armen reichen Schneider viel Neckerei und Aerger eingetragen haben soll.

Gute Geschäfte haben bis heute die Theater gemacht von denen die nur im Sommer spielende Mo-rwitzvper am Sonntag mit SonetanasVerkaufte Braut" geschlossen hat. Dafür ist der Sitz der heiteren Muse mit dem Dreigestim Thie lscher-Helmerding-Paul- müller wieder in Aktion getreten: das Thalia- t§eaUr" in der Dresdener Straße §at seine erste Pve-

ImieteEr und feine Schwester" gehabt, in der das Ensemble mit Guido Thielscher voran einen to eiter en Schrill zur Clownerie macht. Das Stück behmidE die Schicksale einer kunstbegeisterten Briefträgerschwester, die am Theater allerlei Jntrigueu erle6t Aber der fabelhaft intelligente Bruder weiß alle Schwierigkeiten zu besiegen; und wie er an Stelle des mitverschworcnen Kapellmeisters! zuletzt anß Podium steigt, damit sie fürihr Lied" Be­gleitung bekommt, ist der Gipfel der Kunst jen)eit, der Jubel und die Begeisterung der Berliner diesseits der Rampe mal wieder erreicht.Thielscher als Kapellmeister!" Tas muß man natürlich sehen, so wie man es gesehen hat, als er Den berüchtigtenkleinen Cohn" in allen Lagen suchte, dessenBegräbnis-Postkarten" noch, immer auf den Straßen ausgeschrien werden. Man sieht, wie furchtbar genügsam der gute Berliner ist, von dem mandraußen" immer das Gegenteil behaupten hört. Wie dem Wenzel in der ^er­kauften Braut" darf man ihm die Worte in Den Mund legen: Seid ohne Furchst! Ich bin kein Bär, nur der We. . . Wenzel!"

Ter Berliner Bär hat sich thatsächlich alle Unarten seiner Nasse längst abgewöhrck und ist hübsch zahm ge­worden. Er brummt nicht einmal mehr. Und wenn so geschieht's zu unrechter Zeit. Man sieht es wieder an der nun ziemlich vollendeten Umgestaltung der finden", die als Projell ebenso viel Opposition hervorriefen, als s. Z. die Turchlichtung des Tiergartens. Nun die verbreiterten Trottoirs, die auskömmlicheren Fahrwege, der von allem Budenkram gesäuberte prächtige Mittelweg fertig sind, ift man des Lobes voll, obgleich noch die neuen Baumreihen an den Fußsteigrändem fehlen. Wer Heuer naciji Berlin kommt, wird sich wundern, was für einen eleganten und vornehmen Eindruck Die neuenLinden" gegen früher Her­vorrufen. Jetzt sind sie wirkllch eine Prachststraße. A. R.