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Erstes Blatt.
Nr. 170
ISS. Jahrgang
Mittwoch 33. Juli 1003
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener ZamUlen- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lAschen Univers.-Buch- u. Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:
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Verantwortlich: für den polit. u. allgem» Teil: P. Wtttko: für .Stadt und Land'' und „Gerichtssaal*: Curl Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 23. Juli 1902.
*• Staatsprüfung. An Stelle des verhinderten Großh. Senatspräsidenten Schäfer ist für die nächste Staatsprüfung der Großh. Ministerialrat Dr. Best in Darinstadt zum Mitglied der Prüfungskommission für das Justiz- und Verwaltungsfach ernannt worden.
** Geh eim r at Prof. Dr. Oncken hat am Mon» tag seine Vorlesungen wieder aufnehmen können, sie gestern fortgesetzt und wird in der nächsten Woche die Collegia beenden. Wie man uns versichert — und wir haben uns neulich wieder persönlich davon überzeugen können — befindet er sich verhältnismäßigsehrwohl.
*• Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 41, ausgegeben am 18. Juli d. Js., enthält: Gesetz, den Denkmalschutz betreffend. Vom 16. Juli 1902.
** Das Grohherzo gliche Regierungsblatt, Beilage Nr. 19, ausgegeben am 21. Juli d. I. enthält: 1. Bekanntmachung, die Prüfung sür Hochbauaufseher, Dammmeister und Kreisstraßenmeister im Spätjahr 1902 betreffend. 2. Bekanntmachung, den Steperausschlag zur Bestreitung der Bedürfnisse der LandjuLenschaftskasse für das Rabbinat Darmstadt II pro 1902/03 betreffend. 3. Bekanntmachung, die Aufbringung der Mittel zur Bestreitung der Bedürfnisse der Landjudcnschaft der Provinz Oberhessen betreffend. 4. Uebersicht der von den Israeliten nachstehend genannter Gemeinden des Kreises Oppenheim zu erhebenden und von Großh. Ministerium des Innern genehmigten Umlagen pro 1902/03. 5. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1902/03 genehmigten Umlagen der Kommunalbedürfnisse der Stadt Bingen. 6. Ordensverleihungen. 7. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. — Der Großherzog hat am 14. Juni dem Geh. Kommerzienrat Freihcrrn Cornelius Hehl zu Herrnsheim in Worms die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Großherzog von Baden verliehenen Komturkreuzes 1. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen erteilt. — 8. Namensveränderungen. 9. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. — Am 16. Juni wurde der Gerichtsassessor Philipp Meintzinger in Mainz zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen zugelassen. — 10. Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. — Am 30. Juni hat der Rechtsanwalt August Scheuermann in Osthofen die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Osthosen ausgegeben. —
Deutsches Reich.
Berkin, 22. Juli. Aus Drontheim wird gemeldet: Der Kaiser ging heute vormittag an Land, fuhr mit seiner Begleitung zum Dome und besichtigte ihn unter Führung des Konsuls Jensen. Nack einMndigem Aufenthalte im Dome begab sich der Kaiser und sein Gefolge zum Frühstück in die VMa des K. 'uls und kehrte um iy2 Uhr auf die ,^Hohenzollern" zurück. Heute abend gab der Kaiser im Fjieldsaeter Sanatorium ein Mahl. Für den Wiederherstellungsfonds der Domkirche spendete der Kaiser auch in diesem Jahre 1000 Kronen.
— Ter Tod der Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg, mit der jüngst das Geschlecht der Herzöge von Anhalt-Bernburg erloschen ist, ruft eine Erinnerung wach an Beziehungen, die diese Fürstin mit Bismarck zu knüpfen gesonnen war. Unterm 20. Januar 1851 erwähnt Bismarck in einem Briefe an seine Frau aus Berlin:
„Sonntag 6 Uhr aus, 7 zu Asseburg, wegen Besetzung des Ministeriums in Bernburg (was sie mir an- jgeboten) bis 9 Uhr verhandelt." Weiter heißt es dann: „Ich habe die Sache in Bernburg bisher nicht betrieben, sondern Gott überlassen; sonst ist die Stellung angenehm: Ter Herzog ist blödsinnig, und der Minister Herzog. Wenn der König es von mir fordert, so g-ehe ich hin, sonst nicht. Im ersteren Falle, Du natürlich auch da die Sachte voraussichtlich länger dauern würde, jahrelang. Sprich nur mit den Eltern warm, sonst niemand."
Aber nur kurze Zeit blieb die Sachte in der Schwebe, Und schon am 22. Januar schrieb Bismarck seiner Frau:
„Nach Bernburg gehe ich nicht, der König wollte zwar, die Minister aber nicht, weil sie mich in der Kammer nicht missen können, wie sie sagen, und gegen sie ist es nicht durchzusetzen. Es wäre recht hübsch dort, als unabhängiger Herzog (der wahre ist blödsinnig) und dicht am Harz, mit Biktorshöhe und das ganze Selkethal zu regieren, in Ballenstädt wohnend . . ."
— Wie aus Posen gemeldet wird, werden der Enthüllung des Kaiser-Denkmals am 1. September auch der Reichskanzler Graf von Bülow, Staatssekretär Gras Posa- dowsky, die Minister von Rheinbaben, Dr. Studt und voraussichtlich auch Frhr. v. Hammerstein beiwohnen.
Die ,Hoss. Ztg." schreibt:
Die „Dtsch Tagsztg." läßt sich aus Stettin melden, daß die von uns mitgeteilte Rede des Landwirtschaftsministers v. Podbielski, ,in der er zu Stolp den Agrariern so derb den Text las, gar nicht gehalten sei. Bis jetzt scheint die „Dtsch. Dgstzgt." diesem Dementi selbst keinen Glauben zu schenken. Wir können chr auch versichern, daß eine Reihe von Zeugen unserem Gewährsmann zur Verfolgung stehen und daß wir auch mit einem nicht ganz uninteressanten Vorspiel der ministeriellen Rede noch aufwarten könnten. Mit dieser Erklärung wird auch wohl die „Kreuzzig." vorläufig zufrieden sein, die behauptet, Herr v. Podbielski habe nur das Wort von den „vierspännigen Wagen, die mit 30 Ztr. Kartoffeln spazieren fahren", fallen lassen. Die beiden 'Blatter sollten bedenken, daß Herr v. Podbielski sicherlich seine guten Gründe hat, wenn er über die Vorgänge in Stolp schweigt."
— Ter preußische Minister des Innern Frhr. v. Hämmerst ein hat gelegentlich der Grundsteinlegung in Wilmersdorf, über die wir gestern ausführlich berichteten, eine Aeußerung gethan, die trotz ihrer scherzhaften Form einen Einblick in die von ihm gewünschte Handhabung der Verwaltung gewährt. Unter den dem Minister vorgestellten Persönlichkeiten befand sich auch der Gemeindevorsteher von Wilmersdorf. Herr von Hammerstein begrüßte ihn freundlich und richtete an den Ortsgewaltigen dann die Frage: „Na! Halten Sie in Ihrer Gemeinde auch die Zügel recht straff? Ich liebe es, daß man die Zügel straff hält. Man kann dabei freundlich sein, aber immer stramm!" Und hierbei ahmte der Minister die Hand- bewegung eines Rosselenkers nach, der sein Pferd fest an der Leine nimmt.
München, 22. Juli. Tie Kammer der Abge- ordneten lehnte die Mehrforderungen der Regierung sür Wissenschaft und Kunstpflege ab, darunter 400000 Mk. für die Errichtung eines Museums für Gipsabgüsse von Werken aus der christlichen Zert, und 560000 Mark für die Errichtung eines SRuseums für Gipsabgüsse von klassischen Bildwerken. Im Laufe der Debätte erwiderte der Führer des Zentrums, Daller, auf eine Bemerkung des Liberalen Hammerschmidt, die Ablehnung erfolge wegen der politischen Lage, wie auch aus sachlichen Gründen. Tas Zentrum behalte sich gegenüber neuen ähnlichen in der nächsten Session volle Aktions- fteiheit vor.
Ausland.
London, 22. Juli. Im Unterhaus erklärte Kriegsminister Brodrick, der Oberkommissar Milner berichte, daß eine seüraroße Zahlvon Buren um Einreihung in die südafrikanische Konstablertruppe gebeten habe Milner habe etwa 200 bis 300 Mann von diesen nach sorgfältiger Prüfung in die Truppe eingestellt.
Utrecht 22. Juli. Der Gesundheitszustand Krügers läßt viel zu wünschen übrig. Er erklärte gegenüber seiner Umgebung, er wolle gern sterben, da in der Transvaal-Sache doch nichts mehr zu errZeichen sei.
P a r i s, 22. Juli. Am Schlüsse der heute stattgehabten Preisverteilung in einer Kongreganistenscyule hielt Eoppee eine Rede gegen die bezüglich der Lkongreganistenschulen ergrifsenen Maßnahmen. Als das Publikum die Schule verließ, kam es mehrfach zu lärmenden Auftritten, und schließlich wurden Coppee, der Deputierte Lerolle, der
Munizipalrat Gaston Mery und ein Priester auf das Polizeibureau gebracht. Auch der Graf Urbain de Maillet wurde verhaftet, er wird zur Verfügung der Gerichts- behörde in Haft behalten.
Das Schiffsunglück auf der tzlöe.
Die Katastrophe auf der Elbe bei Nienstedten hat nun doch mehr Opfer gefordert, als nach den letzten Telegrammen angenommen werden mußte. Vom Vor- stande des Gesangvereins „Treue" in Eilbeck ist bis gestern nachmittags 4 Uhr die Zahl der Vermieten und Ertrunkenen auf 104 Personen fest gestellt worden.
Im Einklang steht damit folgende Nachricht, die uns telegraphisch aus Hamburg zugeht. Danach ist die Zahl der amtlich als vermißt gemeldeten Personen bis jetzt auf 96 gestiegen. Ob mit diesen Ziffern die Liste der Verunglückten geschlossen ist, bleibt noch abzuwarten. In Hamburg herrscht die allgemeine Ansicht vor, daß sich in der Kajüte des „Primus" Leichen nicht mehr befinden, da nach Ansicht des Wirtes vom „Primus" er mit Frau und Kind der letzte war, der die Kajüte verlassen hat.
Aus Eilbeck wird weiterhin gemeldet: Gestern abend fanden in Eilbeck VkEsammlungen statt, um eine gemein- same Hilfsaktion zu organisieren. Schon jetzt sind bei den hiesigen Zeitungen namhafte Beträge zur Unterstützung der Hinterbliebenen eingegangen, die später einem Ausschuß übergeben werden sollen.
Die Untersuchung des Unglücksfalles nimmt indessen ihren Fortgang. Wie der „Hamburgische Korrespondent" meldet, wird, da die „Hansa" als Seeschiff registriert ist, das Hamburger S e e a m t sich mit dem Zusammenstoß zu befassen haben, und als sachverständige Behörde die Ursachen des Unfalls feststellen, worauf es die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft überweist. Aus diesem Anlaß hat das Seeamt von dem mit der Hebung des „Primus" betrauten Taucher Beckendorf Bericht über die Lage des gesunkenen Schiffes, die Beschaffenheit der Stelle, wo der Zusammenstoß erfolgte, und so weiter eingefordert.
Der Führer oes gesunkenen „Primus" erklärte einem Berichterstatter, daß er, "als die Kollision erfolgte, so nahe dem nördlichen Ufer fuhr, wie er wegen des! niedrigen Wassers nur fahren konnte. Er habe einige Passagiere an der Nienstedter Brücke absetzen wollen, und habe auf diese zu gehalten. Es sei ganz unmöglich, daß man an Bord der „Hansa" sein rotes Licht nicht habe sehen können. Er habe seinen Kurs nicht geändert, dagegen habe die „Hansa" zu weit nach! Nord gesteuert. „Hansa" hätte viel früher links halten müssen, da dort ihr richtiges Fahrwasser war. Nach dem Zusammenstoß habe er viele Pasjagiere von dem Radkasten nach der „Hansa" hinübergeschoben, er sei dann durch das Gedränge ins Wasser gestoßen worden, es sei ihm aber gelungen, an einer Kette auf die „Hansa" zu klettern und er habe sich wieder auf den „Primus" begeben, um Leute zu retten. Er sei zum zweiten Male ins Wasser gestürzt, konnte aber am Bug nochmals auf die „Hansa" gelangen, bestieg dann deren Boot und rettete in Gemeinschaft mit Matrosen der „Hansa" noch etwa 30 Menschen bei dreimaliger Fahrt nach dem Lande. Decksmann Ritscher, ein älterer früherer Schiffsführer, der am Ruder auf dem „Primus" stand, bestätigt diese Angaben. Restaurateur Drechsler erklärt, daß die Kollision querab von der Nienstedter Brauerei stattfand. Nach! etwa 3 bis 4 Minuten sank das Hinterschiff des „Primus" auf den Grund. Die Ebbe ließ das Vorderschiff linksherum schojen, worauf der „Primus" nach Backbord umfiel. Dadurch- stürzten etwa 70 Personen ins Wasser. Drei Frauen, die unter dem Geländer festge- llemmt waren, seien von Drechsler durch das Geländer gestoßen und dann aus dem Wasser gerettet worden. Drechsler, der sein achtjähriges Kind im letzten Augenblicke aus einer Kammer in der Hinterkajüte holte, behauptet mit größter Bestimmtheit, daß sich im Schiff keine Person mehr befand, nur eine Frau war am Geländer festgeklemmt, und sei mit in die Tiefe gezogen worden. — Der Taucher Beckendorf hat den „Primus" schon etwas gehoben und dem Strande nähergebracht.
Reichskanzler Graf Bülow richtete, wie aus Schleswig gemeldet wird, unter dem vorgestrigen Datum an den Oberpräsidenten Frhrn. v. Wilmowski nachstehendes Telegramm: „Tief ergriffen von dem Unglücksfall, welcher in dieser Nacht vor Blankenese sich ereignete mid dem so viele Menschenleben zum Opfer fielen, bitte ich Sie, den Familien der Verunglückten mein innigstes Beileid auszusprechcn. Ihrem schleunigen Bericht über den Vorfall, sowie etwaigen Vorschlägen für die Unterstützung der Hinterbliebenen sehe ich entgegen."
Hamburg, 23. Juli. Eine zahlreich besuchte Bür- gerversammlung wählte ein Hilfskomitee zur Unterstützung der durch das Sch i f f s u n g l ü ck betroffenen Familien. Es gingen große Geldbeträge ein. Viele Familien erklärten, Vollwaisen an Kindesstall annehmen zu wollen. Fortwährend werden Leichen bei Abtona, Neumühl und Blankenese angeschwemmt. Die auf 104 angegebene Zahl der Ertrunkenen wird wohl noch steigen, da der Kapitan auf der Rückfahrt auch viele Passagiere mitgenommen hatte, die nicht Mitglieder des Vereins waren. An der Börse bildete sich ein Hilfskomitee. Busch ftellle seinen Zirkus zu einer Wohllhätigkeitsvorstellung zur Verfügung.
Der Leipziger Baukprozetz.
XXV*
Leipzig, 2. Juli.
Staatsanwalt Weber replizier«: auf die Ausführungen der Verteidiger. Er weiche nicht in einem Punkte
von seinem früheren Standpunkte ab. Bezüglich der Zubilligung mildernder Umstände erllärt Redner, daß er sich durch die Einwände der Verteidiger nicht im Geringsten bewogen fühlen könnte, von seinen Anträgen abzubehen, auch hinsichtlich Gentzsch's. Die Frage, ob zur Zeit der Konkurseröffnung der Leipziger Bank ein sachverständiger Dritter einen Ueberblick über das Treberobligo und den Vermögensstand der Bant hätte gewinnen können, müsse verneint werden. Dies bilde den Kernpunkt des Delikts in Bezug auf den betrügerischen Bankerott. Der Staatsanwalt hält schließlich alle seine früheren Anträge unter Beibehaltung der gestellten Fragen aufrecht.
Staatsanwalt Kunz stellt in seiner Replik nochmals fest, daß die Zweideutigkeit in den Kommuniques außer allem Zweifel stehe, und daß im Geschäftsbericht für 1900 die Verbindung mit der Trebergesellschaft hätte erwähnt werden müssen. An der Schuld cüler sieben Mitglieder des Aufsichtsrats bestehe nicht der geringste Zweifel. Für Fie-- biger wolle er mildernde Umstände gelten lassen, für die vier ältesten Mitglieder des Aufsichtsrats nicht. Er halte all seine ftüheren Anklagefragen aufrecht. Exner, Gentzsch und Dodel seien wegen handelsrechtlicher Untreue zu belangen. Darauf tritt die Mittagspause ein.
Nach kurzer Pause erfolgt die Duplik des Verteidigers Justizrats Dr. v. Gordon. Im speziellen Falle Bleich- röder verneine er die Zufügung einer Schädigung und eines Vermögensnachteiles. Zur Frage des betrügerischen Bankerotts will er festaestellt wissen, daß die Buchführung tadellos war und die Geschäfte nicht zum Schein geschlossen wurden. Der Verteidiger bittet zu verneinen: die Fragen bezüglich der Verschleierung, bezüglich des Kommuniques, bezüglich des Falles v. d. Heydt u. Co. und Untreue und bezüglich des Betrugs im Falle Bleichröder, indessen im letzteren Falle unter Bejahung der Verschleierung, die in dem betreffenden Briefe liege. Er bittet zu bejahen die Verschleierung im Geschäftsbericht und dem Expose und die Frage bezüglich Einheitlichkeit der Handlung. Bezüglich mildernder Umstände will er den Geschworenen nicht vorgreifen. Endlich bitte er nicht, sondern verlange die Frage des betrügerischen Bankerotts im Namen des gesuudm Menschenverstandes zu verneinen. Von dem Vorwurf der Verschleierung sei Exner allerdings nicht zu befteien.
Verteidiger Justizrat Broda stellt, nachdem Verteidd ger Dr. Drucker auf das Wort verzichtet, nochmals fest, daß Angeklagter Gentzsch weder eine Buchführung inspiriert, noch veranlaßte oder förderte. Er stehe zugleich auf dem Standpunkt, daß die Annahme des betrügerischen Bankerotts eine künslliche Konstruttion sei. Bei der wegen der großen moralischen Verschuldung des Angellagten erregten öffentlichen Meinung gelte es, genau dem Gesetze zu folgen und nicht den Regungen von Sympathie und Antipathie Folge zu geben.
Verteidiger Rechtsanwall Rosenthal weist den Vor» Wurf des Staatsanwaltes Weber zurück, daß die Verteidiger bei ihrem Versuch, die Anklage zu entkräften, in ihren juristischen Auseinandersetzungen leine Einstimmigkeit erzielten und geht Punkt für Punkt die Anklage durch, um diesen Vorwurf als ungerechtfertigt zu widerlegen. Die Verhandlung wird alsdann auf morgen vertagt.


