Nr. 144 Zweites Blatt.
152. Jahrgang
Montag 23. Juni 1902
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Iir Heutige Hlummer umfaßt 10 Ketten» Der Horso der MahlrechLsvorlage.
-tt- Gießen, 23. Juni.
Wenn ein Parlament einen Beratun gsgegenstand 17 Tage lang in ausgedehnten Debatten nach allen Seiten hin erwägt, so sollte man erwarten können, daß Anerkennung sür die mühevolle Arbeit seiner Mitglieder berechtigt sei und ihnen nicht versagt werde. Doch es kommt in erster Linie darauf an, was geleistet, ünd nicht wie lange gearbeitet worden ist, und das Wort „multum, non multa“ nutz als Maßstab für die zu erteilende Zensur auch hier seine Giltigkeit haben. Für das, was schließlich in diesen letzten 17 Beratungstagen der zweiten hessischen Kammer herausgekommen ist, kann unserem Landtage keine gute Note ausgestellt werden, wenn auch anerkannt werden soll, daß man im allgemeinen dort fleißig war „in diesen Tagen der Heuernte", um mit dem Abg. Weidner zu reden. Tie erste Lesung der Wahlrechtsvorlage ist am Freitag beendet worden, und das Resultat ist — ein lächerliches Mäuschen, wie weiland der alte Spötter Horaz von einem hochtrabend beginnenden Gernegroß sagte, lieber den Anblick des Schattens, der von der strotzenden Regierungsvorlage übrig geblieben ist, müssen wir mit Vergils Aeneas klagen: „Ich war starr und mir hob sich das Haar und die Stimme versagte". Hatte man sich bei der Generaldebatte über die Geschäftsordnung hinweggesetzt, und schon die einzelnen Artikel des Entwurfes kurz und klein gezupft, so lief man in den Spezialdebatten doch noch immer'wiederum . das Ganze im Kreise herum, wie ein Kätzchen um heißen Brei. Es fehlte die starke Hand, der übersichtliche Blick einer bedeutenden führenden Persönlichkeit, die man ja auch im Reichstag nicht mehr antrifft nach dem Tode vezw. Rücktritt der großen Parlamentarier, der Miquel, Bennigsen und Hammacher, der Windthorft, der Bamberger, der Liebknecht re., — vom größten unter allen ganz zu schweigen, — die wir alle um so schmerzlicher vermissen in diesen Zeiten der wirtschaftlichen Kämpfe, wie man sie in Deutschland niemals gesehen hat. Heute so und morgen so! Das ist die Devise, mit der die stärkeren unserer politischen Parteien unserer Regierung begegnen. Ob die Eigenschaften, die zur Aufstellung dieses Waylsprnches führten, allerdings genügen werden, den gordische!: Knoten der Wahlrechtssrage zu lösen, scheint uns wenig wahrscheinlich. Wie sehr die Negierung auch sich bemüht, die goldene Mittelstraße zwischen den Parteien zu wandeln, das Beste aus allen Sonderwünschen zu einem einheitlichen guten Ganzen zusammenzuziehen, die Starrköpfigkeit der Unentwegten läßt es zu keinem verständigen Ende führen. Die Generaldebatte hat zwar zu der Annahme des Artikels 4 der Vorlage geführt, in dem die Ersetzung des indirekten Wahloerfahren s durch das direkte ausgesprochen wird. Tie große Mehrheit, mit der das Prinzip der direkten Wahl angenommen wurde (40 gegen 5 Stimmen), könnte nun bei jedem Naiven die Meinung erwecken, als ob damit das Zustandekommen der Reform sichergestellt sei. Wie wenig aber ist dies der Fall! Ein Teil der Bauernbündler und Nationalliberalen wandte sich gleich zu Anfang der Spezialdebatte scharf gegen die geplante Vermehrung der zehn städtischen Mandate auf Id, und machte von der Ablehnung ihre eudgiltige Zustimmung Mn ganzen Gesetz abhängig. Die Herren Weidner, Brauer, Leun, Köhler-Langsdorf usw. redeten unausgesetzt von einer Bevorzugung der Städte und einer L^rnachlässigung des Landes. Für die dringenden Bedürfnisse des Landes geschehe nichts; man habe die hessische Viehzucht arg geschädigt durch die Verweigerung von Mitteln zur Teilnahme an der Mannheimer Ausstellung; die ganze seitherige Gesetzgebung sei nur im Interesse des Handels und der Industrie gewesen, während das Land Not leide; namentlich an dem Vogelsberg sei ungeheuer gefehlt worden; in landwirtschaftlicher Hinsicht sei das Land im Rückstand; usw. usw. Unser gutes Gießen haben diese Herren ganz besonders auf dem Strich, uns wollten jic um keinen Preis einen zweiten Abgeordneten geben. Tie Abgg. Reinhart (nl.) und Dr. Schmitt (Ztr.) ivandten dagegen mit aller Ruhe ein, das Haus habe stets die agrarischen Wünsche erfüllt, und H essen habe mehr sür die Landwirtschaft gethan, als irgend ein anderer deut- sche-r Staat. Wenn man den inzwischen riesig gewachsenen Städten nicht gerecht werde, dann drücke man deren Bewohner zu hessischen Staatsbürgern zweiter Klasse herab. Im Laufe von zehn Jahren habe sich die Ausgabe für die Landwirtschaft um 300 Prozent vermehrt; im letzten Budget seien 921640 Mark bewilligt worden. Aber alles gute Zureden, auch von dem im allgemeinen sehr reservierten Regierungstisch aus, war umsonst, selbst ein unerfreulicher Kompromißantrag Wolf, der die von der Regierung den Städten Gießen und WormS zugedachten zweiten Abgeordneten wieder entzog, fiel durch, und mit besonders gutem Appetit und Wohlbehagen dürften am letzten Donnerstag die Fraitionsgenosten des Herrn Weidner ihr Mittagessen verzehrt haben, war es ihnen doch gelungen, den „unheilvollen" Einfluß der Städte zu bannen, hatten sie doch wieder einmal das Land gerettet! Doch Scherz bei Seite! Ist es nicht geradezu beschämend für eine Volksvertretung, wenn eine Regierung Rechte gewähren will, die die Kammer früher oft und energisch verlangt hat, und das Parlament, anstatt fest zuzugreifen, irrt dann weltenweit davon ab? Es war eine eUrsache Forderung der Gerechtigkeit, daß die Städte im Verhältnis zur Einwohnerzahl vertreten sein sollen. Eine Vermehrung um fünf Abgeordnete ist sogar sehr bescheiden. Wenn andererseits verlangt wurde, daß die auf historischer Grundlage lohenden Privilegien für Friedberg, Alsfeld, und Biugen
Wegfällen, so war dies nicht unbillig. Springt doch das Mißverhältnis in die Augen, wenn Alsfeld mit 4500 Einwohnern so stark vertreten ist, wie Gießen mit 26 000. Einer aufstrebenden Stadt mit solcher Bedeutung in wissenschaftlicher und industrieller Beziehung, wie es urff er Gießen ist, gehört eine stärkere Vertretung, und wir können uns nur damit einverstanden erklären, wenn Dr. Gut- fleisch den Kompromißantrag Wolf verwarf.
Tie Kammer hat dann auch den Regierungs- bezw. Ausschußantrag mit 22 gegen 19 Stimmen, und endlich autf)\ den Antrag Köhl er-Langsdorf auf Wiederherstellung bezw. Beibehaltung der alten Einteilung mit 23 gegen 16 Stimmen ab gelehnt. Also man will nicht 55 und auch nicht die alte Zahl von 50 Abgeordneten. Was man eigentlich will, ist also n>och im Zeitenschoße verborgen.
Auch die im Artikel 6 festgelegten Kautelen, die Steuerrückstandsklausel, die Ansässigkeit tm Großherzogtum, dann bei der Wahlpflichteinfügung in § 9a und ff. die Strafbestimmungen re. re. fanden nicht die Gunst der Kämmermehrheit, und auch an den folgenden Bestimmungen, die meist aus dem alten Gesetz mit herübergenommen worden waren, setzte die Kritik so vielstimmig als unklar ein. Tie Steuerklausel der Regierungsvorlage in Art. 7, Position 11 (zwei Monate Rückstand) wurde mit allen gegen vier Stimmen abgelehnt, ebenso der Ausschußantrag „mit mehr als zwei Zielen", dagegen ein Antrag Reinhart-Leun, die Steuer-Rückstandsklausel auf ein ganzes Steuerjahr auszudehnen, einstimmig angenommen; die Abstimmung über Artikel 9b, der als Strafe für die Nichtausübung der Wahlpflicht die Zahlung eines weiteren Ziels der direkten Staatsoder Gemeindesteuer an die Staatskasse festsetzt, ergab ein Resultat von 22 gegen 17 Stimmen, dürfte also, da diese Bestimmung eine Verfassungsänderung bedingt und daher eine Zweidrittel-Mehrheit erfordert, als abgelehnt zu betrachten fein. Im Gegensatz zur Regierungsvorlage wurde ferner beschlossen, für die Ausübung des Wahlrechts statt einer dreijährigen nur eine einjährige hessische Staatsangehörigkeit festzusetzen. Dann wurde der Artikel 14 über die Wählbarkeit der Beamten abgelehnt und dafür mit 26 gegen 11 Stimmen ein Antrag der Ausschuß->Minderheit angenommen, wonach der Wortlaut des seitherigen Art. 15 des Wahlgesetzes bestehen bleiben soll. Bei Artikel 26 über die Wahlhandlung wurde der sozialdemokratische Vorschlag, die Wahlen am Sonntag vorzunehmen, abgelehnt, dagegen der Eventualantrag, die Wahlhandlung in die Zeit von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends zu verlegen, angenommen, während die Regierung die bisherige, auch bei den Reichstagswahlen festgesetzte Zeit von 10 bis 6 Uhr beizubehalten verlangt hatte.
Ter langen Reden kurzer Sinn ist also, daß man einen wunderlichen, in allen Parteifarben bunt stimmerndenMisch,- masch in die zweite Lesung schleppt, wenn nicht die Regierung die ganze Vorlage jetzt zurückzieht, mit der sie sich in vielen Einzelheiten nicht mehr einverstanden er- klären kann; von ihrem ursprünglichen gesunden Kinde ist wenig mehr als ein krüppeliges Gerippe übrig geblieben. Das Land aber hat gesehen, daß ein großer Teil feiner Abgeordneten, sofern er sich nicht offen und ehrlich gegen das geheime und direkte Wahlrecht ausgesprochen hat, der Ueber- tragung der Grundsätze des Reichstagswahlrechtes in unser Land int Grmrde feindselig gesinnt ist. Man hat in unserem Landtage mit dem geheimen uni) direkten Wahlrechte nur kokettiert. Tas hait der Abg. Wolf auch ziemlich unverblümt ausgesprochen.
Hoffen wir, daß es, trotz der Zerfahrenheit, die sich hier im ganzen wie im einzelnen zeigt, der Regierung docy noch gelingt, glücklich an allen dieseit Hindernissen vorbei zu kutschieren!______
Das Kaiserpaar in den Rheinländer,.
Ruhrort, 21. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin trafen heule nachmittag von Essen mittels Sonderzuges hier ein und fuhren, von einer Husarenabteilung eskortiert, zu dem Denkmal Kaiser Wilhelm 1. am Hafen, wo em in Rot und Gold gehaltenes Prunkzelt errichtet war. Bürgermeister Käwel hielt eine Huldigungsansprache, auf die der Kaiser dankte. Danach begaben sich Ihre Majestäten nach der neuen Schifferbörse. Der Kaiser zeichnete sich als erster m das Goldene Buch der Stadt cm. Hieraus unternahmen Ihre Majestäten eine kurze Rundfahrt im Hafen. Eine aus Anlaß des Besuches vom hiesigen Wafserbauinspek- tor bearbeitete Festschrift, die den Ruhrbrter Hafen, seine Entwickelung und Bedeutung schildert, wurde den Majestäten überreicht. Um 4 Uhr 25 Minuten traten Ihre Majestäten auf dem Salondampfer „Auguste Viktoria" die Fahrt rheinabwärts nach Wesel an. Die Ufer des Rheins waren überall geschmückt und von Menschenmassen belebt.
Wesel, 21. Juni. Bei aufklarendemWetter trafen der Kaiser und die Kaiserin um 6 Uhr im Weseler Hafen ein. Hier fand kleiner Empfang statt. Die Stadt ist reich geschmückt. Die Majestäten begaben sich zu Wagen, begleitet von einer Eskorte Jäger zu Pferde, unter Glockengeläut durch das Spalier nach der erneuerten Willibrordi -- Kirche, die unter Führung des Presbyteriums besichtigt wurde. Pfarrer Wardenberg hielt eine Ansprache, in der er der Befriedigung darüber Ausdruck gab, daß der Kaiser neulich das große Wott von der ^Bereinigung der Evangelischen wiederholte, das zuerst im Jahre 1538 auf der Weseler Synode errungen war. Der Kaiser und die Kaiserin, in deren Begleitung sich die Minister v. Rhembaben und Hammerstein befanden, schritten bann zu Fuß nach dem alten Rathaus, um in dessen Kaisersaal unter einem Thronhimmel Aufstellrmg zu nehmen. Hier waren versammelt die Ver
treter der Stadt, sowie eine Abordnung der Königin Wil» helmina von Holland unter dem Vize-Admiral Zeegers Beckens. Bürgermeister Dr. Fluthgraf hielt eine Huldigungsansprache, in der er zunächst dem Danke Ausdruck gab für den Besuch und dann auf die Zeiten hinwies, als das Vaterland gebrochen darniederlag und elf Schillsche Ofsiziere in todesmutiger Eingabe für ihren König und in dem festen Glauben an die Befreiung des Volkes freudig ihr Herzblut vergossen, Zeiten, in denen die Liebe und die Treue zum angestammten Landesfürsten tiefgehende unausrottbare Wurzeln geschlagen habe. Redner dankte für das vom Kaiser der Stadt geschenkte Bild, erneuerte im Namen der Bürgerschaft das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue, und schloß mit der Bitte an den Allmächtigen, den Kaiser, den Schutz und Schirm des deutschen Reichsgedankens, den mächtigen Hort des Friedens und mit ihm die Kaiserin und das ganze landesherrliche Haus zu segnen, zu erhalten und zu bewahren. Der Oberbürgermeister entbot dann dem Kaiser den Ehrentrunk mit der Bitte, den aus dem durch Hand und Lippe Kaiser Wilhelms I. geweihten Pokal, dem kostbarsten Besitztum der Vesalia hospitalis, entgegennehmen zu wollen.
Der Kaiser erwiderte:
„Im Namen der Kaiserin und in meinem eigenen Namen spreche ich der treuen Stadt Wesel unseren herzlichsten, innigsten Tank aus sür den Empfang, der uns hier bereitet worden, und für den Patriotismus, der uns aus Ihren Augen, Herzen und Kehlen entgegengeschlagen ist. Wenn ich gekonnt, hätte ich schon früher meine Schritte zu Ihnen gelenkt, denn in der Geschichte unseres Hauses und Landes hat Wesel einen hpchklingenden Namen. Schwere Drangsal und bittere Jahre änderten an der Anhänglichkeit der Bürgerschaft nichts. Fest verwachsen mit Brandenburg und Preußen ist es ein Stück alten Preußentums, was wir hier sehen. Im vorigen Jahre entriß mir Gottes Ratschluß meine vielgeliebte Mutter, auch in diesem Jahre legt sich der Schatten der Trauer aus diesen Tag, denn soeben hat es Gott gefallen, des Königs von Sachsen Majestät abzuberufen, den letzten großen Heerführer aus großer Zeit, und den letzten Ritter des Großkreuzes des Eisernen Kreuzes, der mit hat aufrichten helfen das Deutsche Reich. Ein edles deutsches Herz hat aufgehört zu schlagen, dem Deutsch über alles ging. Ein Vorbild aller Regententugenden, ein Vater seines Vaterlandes und seines Volkes, ein milder Herrscher voll segensreichen Wirkens ist dahingesunken. Es ist immer gut, daß wir Menschen daran erinnert werden, daß auch uiis ein Ende beschjeden ist. Der Blick auf die Kirche de§ heiligen Willibrod hat mich mit Hoher Freude erfüllt. Ich danke Gott, daß sich an dieser geweihten Stelle wieder Jubelpsalmen zu seiner Ehre erheben, und baute Gott, daß die Erinnerung an die große Zett der Reformation in so würdiger Weise wieder hergestellt worden ist. Nun ergreife ich meinen Pokal und wünsche von ganzem Herzen, daß Gottes ©nabe Wesel und unser Land bewahren möge vor schwerer Prüfung wid Drangsal, und daß es mir vergönnt sei, den Frieden so zu erhalten, baß auch Sie an Ihrem Teil bavou profitiren können, unb baß sich die Stabt in Ruhe entwickeln und vergrößern kann- Ich trinke auf das Wohlergehen unb Bestehen der Stabt Wesel unb ihrer Bürgerschaft."
Nach der Ansprache trank der Kaiser aus dem be> rühmten Pokal den Ehrentrunk und verabschiedete sich hierauf vor der im Saale versammelten Gesellschaft, die aus den Spitzen der Zivil- und geistlichen Behörden der Stadt und des Kreises bestand. Der Kaiser trug Uniform des Garde- Regiments z. F., die Kaiserin hatte Trauerklcidung angelegt.
Nach der Vorstellung im Rathause fuhr das Kaiferpaar zum Berliner Thor, wo der Vorbeimarsch der hier garni° sanierenden Truppen: Infanterie-Regiment 9lr. 56 und die Artillerie-Regimenter Nr. 7 und 43, vor dem Herrscherpaar stattfand. Die Majestäten begaben sich dann zum Bahnhöfe und fuhren 7 Uhr 22 Min. nach Wildpark ab.
Wesel, 22. Juni. Bei dem Festmahl, das die Stadt Wesel heute gab, begrüßte Oberbürgermeister Fluthgraf die Gäste und brachte ein Kaiserhoch aus. Der Finanzminister dankte und betonte gegenüber den anwesenden Herren von der holländischen Abordnung die Teilnahme des deutschen Volkes an der Krankheit der Königin Wilhelmina. Der Minister schloß mit einem Hurra auf die Königin.__________
Zum Thronwechsel in Sachsen.
Sibyllenort, 21. Juni.
Heute mittag fand die feierliche Einsegnung bet Leiche des Königs Albert durch Kardinal Kopp statt. Das Sterbezimmer, in dem die Leiche aufgebahrt war, war in eine Kapelle umgewandelt. Große Kandelaber brannten am Sarge. Dieser war von herrlichen Blattpflanzen und vielen Kränzen umgeben. Um 12 Uhr betraten, geführt vom Ches der königlichen Vermögensverwaltung, Generalleutnant v. Minkwitz, die Allerhöchsten Herrschaften das. Sterbezimmer, voran König Georg, die Königin-Witwe führend, dann Prinz Albrecht von Preußen als V e r t r e t e r des Kaisers, der Kronprinz von Sachsen, ferner Prinz Johann Georg, die Erbprinzlich Meiningenschen Herrschaften u. a. Es nahmen ferner teil der Oberpräsident von Schlesien, der Regierungspräsident von Breslau, die Geistlichkeit, sämtliche anwesende höhere Beamte und das gesamte Schloßpersonal. Tie Damen knieten am Sarge nieder. Nach Verrichtung der Weihegebete hielt Kardinal Kopp eine längere Gedächtnisrede, in der er Leben, Dhaten und Charakter des Entschlafenen schilderte und mit einem Gebet für den König Georg und sein Haus schloß. In demselben Zuge, wie die Herrschaften gekommen waren, verließen sie das Sterbezimmer. Nur die Königin allein blieb am Sarge in stillem Gebet zurück.
Am Nachmittag rückten die Truppen, die zur Trauer-» Parade kommandiert waren und aus zlvei Schwadronen der Leibkürassiere und einem Bataillon des 11. Infanterie- Regiments bestanden, vor das Schloß unb nahmen Parade- aufstellung. Während bie Truppen präsentierten unb die Musik den Choral „Was Gott thut, das ist wphlgethaich


