Monats prophezeit Herr Falb Landregen. Gegen Ende des Monats sei ein Rückgang der Temperatur wahvschein- lich. Hoffentlich fällt er auch mit dieser Vorhersage herein. Aehnlich wie der Mai, sagt Herr Falb weiter, dürfte auch der Juni verlaufen. In der ersten Woche herrsche ausgebreitetes Regeuwetter bei verhältnismäßig niedriger Temperatur; namentlich dürfte sich der 6. Juni als ein kritischer Termin erster Ordnung bemerkbar machen, und zwar wahrscheinlich schon vom 3. ab. Zu dieser Zeit seien selbst Schneefälle in den höheren Regionen nicht ausgeschlossen. Nach diesem Termin werde es ziemlich trocken. Doch träten zahlreiche Gewitter ein, die allerdings die Trockenheit stellenweise empfindlich unterbrechen dürften. Vom 21. Juni an, einem kritischen Termin dritter Ordnung, seien wieder ausgebreitete Regen und unmittelbar zuvor zahlreiche Gewitter zu erwarten. Es werde verhältnismäßig kühl. Auch im Monat Juli dürfte die Temperatur meist unter der normalen, das ist, unter derjenigen sein, welche der Jahreszeit am betreffenden Orte entspricht. Gewitter seien daher während des ganzen Monats verhältnismäßig selten und häufiger in Oesterreich als in Deutschland. Der 5. Juli sei em kritischer Termin erster Ordnung. Um diese Zeit seien Gewitter, in den Hochgebirgen Schneefälle zu erwarten. Vom 16. ab seien namentlich in den Alpenländern die Gewitter zahlreich, am häufigsten um den 20., einen kritischen Termin dritter Ordnung. In den Zwischenzeiten bliebe es ziemlich trocken. In den letzten Tagen des Monats aber würden die 'Niederschläge stellenweise sehr ergiebig. Die Temperatur steige. Im Monat August seien normale Temperaturen wahrscheinlich. Die erste Woche verlaufe ziemlich trocken. Der 3. August sei ein kritischer Termin erper Ordnung, welcher jedoch wegen der Trockcnheitstendenz nur schwach zur Geltung kommen dürste. Um den 10. seien ausgebreitete und ergiebige Niederschläge zu erwarten. Darauf werde es sehr trocken und warm. Der kritische Termin des 19., zweiter Ordnung, werde nur stellenweise stärkere Meder- schläge bringen. Erst vom 25. an sei eine größere Ausbreitung der Niederschläge zu erwarten; zu dieser Zeit seien auch die Gewitter zahlreich. — Die Aussichten ;ind also für den Sommer, wenn Herr Falb recht hätte, nicht gerade verlockend. Zum Glück hat er bis jetzt meist nicht recht gehabt; nur das darf vorläufig für uns immer noch ein Trost sein. Seinen Sommerrelfeplan nach Herrn Falbs Prognose einzurichten, dürfte jedenfalls niemand zu raten sein.
() Gleiberg, 22. Mai. Das sog. Reisbreifest, das in jedem Jahre durch das Pflegeamr des Frankfurter Waisenhauses für die Pfleglinge demselben abgehalten wird, fand heute auf dem Gleiberg statt.
§ Kirchgons, 22. Mai. Das neunte Bundesfest des Wetterau-er Turnerbundes wird in Verbindung mit der Fahnenweihe des hiesigen Turnvereins „Vorwärts" am 28., 29. und 30. Juni in unserem Ort begangen. Als Festplatz dient der schöne Wiesengrund am östlichen Dorfende. Tie Einwohnerschaft nimmr regen Anteil an den Vorbereitungen zum Feste. Viele Vereine aus der Umgegend Haben ihr Erscheinen zugesagt.
—r. Eber st ad t, 22. Mai. Unser im März neugewählter Bürgermeister H. Gör lach IX. wurde am dritten Psingstfeiertage durch den Provinzialdirektor Geheimrat v. Bechtold in sein Amt eingesührt. Morgen wird er auch in seiner Eigenschaft als Standesbeamter bestätigt werden.
r. Wetzlar, 22. Mai. Der Oekonomiekommissar Brase hier ist als Hilfsarbeiter in das preußische Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten berufen worden.
§ Herchenhain, 21. Mai. Ein von hier gebürtiger Arbeiter stürzte in Kcrülstoß so unglücklich vom Rade, daß er sich erhebliche Verletzungen am Kopfe zuzog.
h. Sichenhausen, 22. Mai. Die Bohrarbeiten des Frankfurter Tiefbauamtes unweit unseres Ortes nehmen ihren ungestörten Fortgang. Es handelt sich hauptsächlich um die Feststellung der Qualität des B a s a l t s e l s e n s,. auf dem die Thalsperre errichtet werden soll. Voraussichtlich wird bei Errichtung der Sperre ein Teil des Dorfes Sichenhausen verschwinden.
—i— Feldkrücken, 22. Mai. Am 15. und 16. Juni begeht unser Kriegerverein das Fest der Fahnenweihe. Zahlreiche Vereine haben ihr Erscheinen zugesagt.
§§ Gedern, 22. Mai. Gegenwärtig wird zwischen dem Hof „Zwiefalten" und hier eine telephonische Verbindung hergerichtet.
O. Ober-Ohmen, 22. Mai. Eine hiesige Witwe wurde seit einiger Zeit durch Postkarten und Briefe voll des unflätigsten Inhaltes belästigt. Dem Gendarmen Dörr von Ruppertenrod gelang es, die Verfasserin in einer Frau aus Großen-Eich^n zu ermitteln. Tie Briefschreiberin, die auch noch andere anonyme Schriften verfaßte, wurde zur Anzeige gebracht und sieht ihrer empfindlichen Bestrafung entgegen.
() Ruppertenrod, 22. Mai. Tem Haushofmeister des Grohherzogs Kratz von hier, dessen Sohn, der als Zahlmeisterapplikant bei der Marine stand, bekanntlich seinen Angehörigen durch einen jähen Tod an der Küste von China entrissen wurde, ist ein neuer Schmerz nicht erspart geblieben. Der Vater hatte um die Herfendung der Leiche seines Sohnes nachgesucht, um ihn in heimatlicher Erde zu bestatten. Diie Genehmigung wurde auch gegeben. Jetzt aber erhielt der schwergeprüfte Vater die Nachricht, daß die Leiche seines Sohnes in das Meer versenkt morden ist.
m. Büdingen, 22. Mai. Fürst Bruno zu fysen- burg-Büdingen, der vor einiger Zeit in der Schweiz einen Schlaganfall erlitten hatte, ist fair bollständig wieder genesen.
§ Aus dem Vogelsberg, 22. Mai. Infolge der Kälte und Nässe der letzten Zeit hat man geglaubt, die Aussichten auf eine Obsternte seien vernichtet. Dem ist aber nicht so, wie eine aufmerksame Untersuchung der abgeblühten Obstbäume ergiebt. Es sind recht viele Frucht- an sätze erhalten geblieben, worüber man sich eigentlich wundern muß. Tie Apfelbaumblüte beginnt jetzt erst; die Aepselbäume zeigen einen sehr reichen Blütenansatz.
b. Mainz, 22. Mai. Der wegen We chsel fälsch - ung jüngst verhaftete Fabrikant Krauter von hier ist gegen Stellung einer hohen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden.
Worms, 21. Mai. Die seit dem 18. August v. I. aus Hannover verschwundene sechsjährige Elise Cassel ist am Samstag bei der verdächtigen Zigeuner- b an de in der Nähe von Frankenthal gefunden worden. Die Bande, bei der man das entführte Kind vermutete, hat sich in den letzten Tagen in der Gegend von Hohen-Sülzen herumgetrieden. Ein Einwohner von dort, der das Kind bei der Bande gesehen, und den Fahndungserlaß gelesen hatte, fuhr chr nach und veranlaßte ihre Festnahme in Frankenthal. Die ganze Bande wurde ver
haftet; sie war schon einmal wegen Kindesraub in Untersuchung, mußte aber damals mangels Beweise frei- gesprochen werden.
fc. Frankfurt a. M., 22. Mai. In einem Prozeß, den die Stadt gegen die Familie Zeitmann führt, die sich weigerte, ihr Haus an der Ecke der Gallusgasse und Roßmarkt (die sogenannte Zeitmannsche Ruine) abbrechen zu lassen, betragen die Kosten 80 000 Mark. Davon trägt laut Vergleich die Stadt zwei Drittel, die Familie Zeitmann ein Drittel. — Gestern abend erschoß sich der 22 jährige Kommis Georg Dauth aus Niederrad aus dem Mainseld dahier. Was den aus achtbarer Familie stammenden, lebenslustigen jungen Mann in den Tod getrieben hat, ist unbekannt.
Wiesbaden, 21. Mai. Ein hiesiges Blatt, dem wir die Verantwortung für die Wahrheit überlassen, berichtet: Die Szene spielt im „Nassauer Hof". Einige Hotelgäste, im Smoking, die Zigarette iin Munde, ftrciten sich über die beste Regierungssorm. (Auf welche dummeu Gedanken kommt man nicht bei deni schlechten Wetter!) Einer enthusiasmiert sich leidenschaftlich für die Republik. Ein hoher distinguierter, alter Herr hört lächelnd zu. — „Sie sind gewiß ein Monarchist", herrscht ihn der Freund der republikanischen Negierungsform an. „Dürfte ich vielleicht Ihren Grund wissen?" — „Gewiß", antwortet der hohe distinguierte, alte Herr, indem er noch immer lächelt, „ich habe einen sehr triftigen Grund — ich bin der König von Schweden!"
Gelnhausen, 21. Mai. Der seit vorigem Jahre flüchtig gegangene, von der Staatsanwaltschajt wegen Sittlichkelisvergehens steckbrieflich verfolgte ftühere Frhr. v. Stumm'schc Rentmeister I e s ch l e von Ramholz bei Schlüchtern wurde in Zürich verhaftet und an die deutschen Behörden ausgeliefert.
Keutjcher JelJmlag
Chemnitz, 22. Mai.
Die Deutsche Volksschullehrer-Veriamuttung wurde Dienstag unter großer Beteiligung und im Bei;ein zahlreicher Vertreter hier eröffnet.
Der Vorsitzende des ^eucjchen Lehrervereins, Claus- n itz er-Berlin, begrüßte die Versammlung und richtete die Mahnung an die Versammelten, alle wnfessionellen, politischen und Standesunterschiede draußen zu lassen, und daran zu denken, daß sie in erster Linie Lehrer und Erzieher des deutschen Volkes seien Man teilt uns mit, daß 103 000 deutsche Lehrer durch 294 Delegierte vertreten seien.
Ten ersten Vortrag hielt Universitätsprofessor Dr. R e h m k e - Greifswald über „Universität und Volks- schullehrer." Die deutsche Lehrerschaft wünscht, daß das Semtnarabgangszeugnis ohne weiteres znnsi Besuch der Universität bereajrigt. Auf Grund des Lehrplanes der Seminare ist man berechtigt, auch diese als höhere Schulen zu bezeichnen, obgleich sie keine fremden Sprachen im Lehrplan ausgenommen haben. Aber auch ohne deren Studium könne man reif werden für den Besuch der Universität, denn auch die Lehrerschaft braucht Leute, die selbständig sind und nicht einfach mit bent erworbenen Seminarschulgut programmmäßig weiter wirtschaften. Wer nicht nur Schule halten, sondern auch Schule leiten will, muß frei dastehen, frei über seine Berufspflichten urteilen können, und drese Freiheit giebt ihm nur die wissenschaftliche Bildung. Die Universitäten müssen es sich zur Ehre rechnen, in diesem Sinne in den Dienst der Volksschule zu treten.
Den zweiten Vortrag hielt Lehrer P r e tz e l-Berlin über „D i e Bedeutung der Volksbildung für die Volks sittlich keil". Bildung ist Cmporbtldung aller Ziräfte der Natur; sie schließt die Entwickelung der intellektuellen, ästhetischen unb unmoralischen Eigenschaften in sich. Welche sittlichen Schäden soll die erhöhte Volksbildung nach Ansicht der modernen Bildungsgegner herbeigesührt haben? Diese sagen, Uuzuftiedenheit mit den bestehenden Verhältnissen, Auflehnung gegen die Autoritäten, Abnahme der Religiosität, Lockerung des Familienlebens, Ausbreitung der Unsittlich keil, Zunahme der Kriminalität in jeder Gestalt. Abgesehen davon, daß Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen und unter Umständen Auflehnung gegen Autoritäten oft einen sehr sittlichen Hintergrund haben, treffen die Behauptungen der Bildungsgegner nicht zu. Die sittlichen Schäden müßten dort im geringsten Umfange vorhanden sein, wo man die Bildungsseuche ferngehalten hat. Das ist aber keineswegs der Fall. Norwegen ist wohl das Land mit der besten Volksschulbildung, babei rühmen alle Kenner Norwegens die sittliche Tüchtigkeit der dortigen Bevölkerung; der Rückgang des Alkoholismus in Norwegen ist eine sittliche That ersten Ranges. Ein Gegenbild zu Norwegen bildet Belgien. 'Dort sind unter 1000 Erwachsenen noch jetzt 269 Analphabeten. Tie Kriminalität ist in Belgien eine viel höhere wie in Norwegen. Auch in Rußland ist der sittliche Tiefstand der Bevölkerung notorisch. Nun'sagt man, die Zahl der Verurteilungen in Deutschland habe in den letzten Jahren zugenommen. Auf die schweren Verbrechen trifft das nicht zu. Diese haben entweder abgenommen oder sind konstant geblieben. Die Zunahme der Verurteilungen mit der Steigerung der Volksbildung in Verbindung zu bringen, ist eine Perfidie. .Neben der Volksschule und der Fortbildungsschule muß auch für die Erwachsenen Gelegenheit geschafsen werden, sich toeiter zu bilden durch Volksbibliotheken usw.
Nach längerer Debatte gelangten folgende Leitsätze zur Annahme:
1. Die von Gegnern der Volksbildung ausgestellte Behauptung, daß durch gesteigerte Bildung die Sittlichkeit des Volkes geschädigt werde, widerspricht ebensowohl den Thatsachen wie den Lehren der Psychologie. Dagegen muß es als unzweifelhaft gelten, daß in unseren Kulturverhältnissen eine höhere geistige Bildung die Vorbedingung und eine Stütze des sittlichen und legalen Handelns ist. 2. Alle der Hebung der Volksbildung dienenden Veranstaltungen, vornehmlich die Volks- und Fortbildungsschule, üben um so mehr auch auf die sittliche Entwickelung des Volkes einen günstigen Einfluß aus, als sie nicht etwa einseitig die Vermehrung verstandesmäßig angeeigneten Mssens erstreben, sondern abwehrend und aufbauend die Entwickelung sittlicher Persönlichkeit - direkt fördern.
Zum Schluß sprach noch Lehrer A g a t h - Ripdorf über gewerbliche Kinderarbeit. Auch die Kinderarbeit in der Landwirtschaft werde später gesetzlich werden müssen. Es gelangte eine Resolution zur Annahme, in der u. a. zwecks Herbeiführung einer baldigen Regelung auch der land- wirtscbaftlichen Kinderarbeit amtliche Erhebungen gewünscht werden.
Ten ersten Vortraa am Mittwoch hielt Hauptlebrer H. Wolgast-Hamburg Wer „Die Bedeutung der
Kun st für die Erziehun g". So gern das Kind Bilder und Puppen hat, noch stärker ist sein Drang, das, was in ihm lebt, selb,st zu malen unb zu gestalten. Die bisherige einseitige Verstandes«-' und Willensausbildung droht zu einem Hindernis der Entwicklung zu werden. Leider aber findet man die Freude an der Kunst bei den ärmeren Klassen meist als Zerrbild. Ter Mensch muß daher künstlerisch erzogen werden und zwar in unseren Schulstuben. Tas Fundament unserer gesamten Arbeit ist die Anschauung. Das echte Kunstwerk ist aus der Volksseele entstanden und muß national empfunden werden. Daher ist das echte Kunstwerk für ein Kind besonders geeignet, das deutsch ist nicht im politischen Parteisinne, sondern im Sinne des deutschen Denkens und der deutschen Auffassung. Daher sind die Volkslieder eine so vorzügliche Kost für daH Kind. Tie Landlehrer sind bei der künstlerischen Erziehung der Kinder oft im Vorteil. Tie herrliche Watur haben sie aus erster Hand. Aus Schülervorstellungen, Betrachtungen von Kunstwerken in den Museen wird die Schule nicht verzichten können. Hat nun aber der Lehrer einiges kunstleri- jches Empfinden in die Kinderseele gepflanzt, bann zerstört das Erwerbsleben mit rauher Hand die ersten Blüten. Der Fortbildungsschule steht Dividieren mit Brüchen höher wie Empfinden jur edle Musik. Tie Kunst wird in den Seminaren viel zu wenig gepflegt. Wir brauchen im nächsten Jahrzehnt ein energisches Arbeiten an uns selber und ein leife vorsichtiges Versuchen an der Jugend. Es muß allmählich ein Geschlecht heranwachsen, gleich fähig zum Genuß wie zur Arbeit.
'Rach längerer Debatte wurden die vom Referenten vor> geschlagenen Thesen abgelehnt, dagegen nachstehende Resolution Ries-Frankfurt a. M. angenommen:
„Tie deutsche Lehrerversammlung begrüßt die neuen kunstpäoagogifchen Bestrebungell mit Freuoe und ist überzeugt daß Schule und Leben eine innere Bereicherung und Veredelung daraus schöpfen werden. Sie hält aber zur Zeit die neu aufgetauchten Probleme noch nicht für genügend geklärt, um jetzt schon bindende Beschlüsse fassen zu tonnen."
Nach kurzer Pause sprach Lehrer F. Wolgast-Kiel über das Thema: „Wie stellen wir uns zur Ein- führ ung des Hausyaltungsunterrichts in oe m Lehrplan der Mädchenschulen?" In vielen Familien herrscht ein sozialer Notstand, verursacht durch Die fehlende Wirtschaftlich leit der Frau. Oft zwingt kärglicher Lohn deS Mannes die Frau zur Lohnarbeit, 16 Pvoz. der Frauen müssen der Lohnarbeit im Hauptberuf nach- getjen, 15 Proz. im Nebenberuf. Der HauShaltungsunter- richt ist wahrscheinlich kein Allheilmittel gegen die soziale Not. Zur tätigen Hausfrau gehört viel Mehr wie Kochen und Reinmachen. Tie Frau deS Meinen Mannes muß mit dem Verdienst des Mannes auskommen, sie muß rechnen, gut mit ihrer Zeit umgehen können. Ist denn überhaupt oie Volksschule oer geeignete Ort, um die Kinder im Kochen und Reinmach en zu unterrichten? Ich behaupte: sJtein. Das Vormachen nutzt gar nichts, weil damit fein anschaulicher Unterricht verbunden ist. Tie praktischen Vorgänge am Kochherd und in der Küche am heimischen Hero werden durch den Unterricht in der Schule nicht ersetzt werben. Dazu kommt, daß die praktische Anwendung des gelernten Stosses auf Jahre hinausgeschoben werden muß. Welche anderen Unterrichtsgegenstälide soll man streichen oder emengen, um Platz für den Haushaltungsunterricht zu schaffen? In London ist dieser Unterricht eingesührt, aber die Hamburger Kinder sind durchschnittlich ein Fahr den Londoner Kindern in der Schule voraus. Ten Sinn für Ordnung unb Reinlichkeit muß die Schule hegen und pflegen, wollte sie damit warten bis zum tzaushaltungsunterricht, dann wäre es zu spät. Dagegen ist der hauswirtschaftliche Unterricht in o b l ig a t o r i s ch e Fortbildungsschulen, die auch für Mädchen ein geführt werden müssen, zu verlegen, ©üb» Deutschland ist darin schon vorangegangen.
Nach weiterer Diskussion wurden folgende Leitsätze angenommen:
1. Die allgemeine Einführung des Haushaltungs-» Unterrichts in den Lehrplan der Mäbchenschulen ist abzu-, lehnen, weil durch diesen Unterricht die Ausgabe der Mädchenschule als einer allgemeinen Bildungsanstalt nicht gefördert wird, der Unterricht keinem allgemeinen Bedürfnis entspricht unb bie hauswirtschastliche Unterweisung Iber Mädchen zunächst Pflicht des Hauses ist.
2. Wo in großen Städten unb Jnbustnebezirken die sozialen Verhältnisse dem Hause bie hauswirtschaftliche Unterweisung unmöglich machen, ist sie im Interesse der Erhaltung des Familienlebens der Fortbildungsschule zu überweisen.
3. Wo diese fehlt, muß bie Ueberweisung in besondere Kurse unter Anlehnung an bie oberen Klassen der Volkse schule erfolgen.
Der erste Vorsitzende schloß sodann mit Dankesworten die Hauptversammlung. Ter nächste Lehrertag findet in Königsberg j. Pr. statt.
Vermischtes.
* Berlin, 21. Mai. lieber eine SittlichkeitL» Affäre, welche die Kriminalbehörden beschäftigen soll, berichten Berliner Blätter. Danach ist ein noch nicht 13 Jahre altes Mädchen, Else Danker, während eines Geschäftsganges von einer Kupplerin verschleppt worden. Das Mädchen, das von der Gelegenheitsmacherin 4 Wochen festgehalten wurde, ist in dieser Zeit verschiedenen Männern zugeführt worden. Nach Angabe des „Berl. Tagebl.", das zugleich mitteilt, das Kind sei an den Folgen dieser Lebens- weise schwer erkrankt und schwebe in Gefahr, dauernd krank zu bleiben, sind die Namen einiger der Herren, die den Umgang mit dem Mädchen pflogen, der Behörde bekannt und ein 67jähriger Mann namens Eisenhauer sei schon verhaftet worden. Gleichzeitig wird jedoch auch erwähnt, daß daS Mädchen, Tochter sehr achtbarer Eltern, leichtsinnig war und einen Hang zum Herumtreiben hatte.
* Berlin, 21. Mai. Juwelen im Werte von 17 000 Mk. wurden von Einbrechern in der Nacht zum 2. Feiertage in dem Goldwarengeschäft von Greve in bei Friedrichstraße 30 gestohlen. Alle minderwertigen Sachen ließen sie liegen, die Goldwaren dagegen und die Brillanten nahmen sie mit. Von den Einbrechern fehlt noch jede Spur.
* Neuß, 22. Mai. Aus Anlaß des Eisenbahn» Unglücks sind der Kölner Eisenbahndirektionspräsibent, ein Beamter der Düsselborfer Staatsanwaltschaft und mehrere Herren auS bem Elsenbahnministcrium hier eingetroffen. Es ist nunmehr festgestellt, daß bas Unglück herbeigesührt wurde durch ein Mißverständnis zwischen dem Stationsassistenten und dem Weichensteller, der bie Weichen


