Ausgabe 
22.11.1902 Drittes Blatt
 
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Samstag 22. November 1002

Drittes Blatt

Corrrsbericht von «Joseph Mers, Bmkaeschäft, Gießen, Nenenbäuen 41

152. Jahrgang

England und Holland

sind auf OembTauen Wasser" bekanntlich von altersher Rivalen, und wenn die Rivalität gegenwärtig nicht so drastisch in Erscheinung tritt, wie in früheren Zeiten, Jo liegt das daran, daß Englands See-Interessen über die­jenigen Hollands gant außerordentlich hinaus gewachsen sind. In einem freundschaftlicheren Verhältnis als zu Alt- England steht Holland aber zu den englischen Kolonien, und das gilt naturgemäß in der Hauptsache von den diesen Kolonien benachbarten überseeischen Besitzungen HollandA. So von Australien und Niederländisch-Indien. Auf Anregung der Regierungen von Queensland und Neu- Südwales wird jetzt eine regelmäßige Schiffsverbindung zwischen Sydney-Brisbane und Singapore über Niederlän- disch-Indien in die Wege geleitet. Ter Verkehr,soll durch Dampfer der holländischen Packetfahrtgesellschast. bewerk­stelligt werden. Auch wollen diese Australsiaaten große Erzschmelzbetriebe auf niederländischem Gebiet einrichten, weil sie dort asiatische Bahnarbeiter einstellen können, was in Australien infolge der scharfen Einwandwungsgesetze meist überhaupt nicht möglich ist. In Alt-England, das dem Verkehr mit seinen Kolonien am liebsten ganz für sich in Beschlag nähme, wird man die Entwicklung der Be­ziehungen zwischen Australien und Ni"derländrsch-Jndien wohl mit gemischten Gefühlen betrachten.

Nr. 275

rlftelnt tLgklch anbei Sonntag».

ftern «Siebener Anzeiger Derben im Wechsel mit dem Keltischen Landwirt

: die Lietzener Kamillen»

Hättet viermal in der Wache beigelegt.

Noiiilivnsbruck u. 93er* lag der Brüht 'schen dnivers.-Buch- u.eiem« drucke reisPielsch Erben) ötebafnon, üipebuion und Druckerei:

Ochul st ratze 7.

Adresse füx Depeschenl Anzeiger ©leben.

Dernlvrechanlckiliist Ar 51.

Gerichtssaal.

Hannover, 20. Nov. Folgen der verabsäum­ten Klebepflicht. Ein Zimmergeselle hatte von 1891 bis 1895 bei einem Meister gegen Lohn gearbeitet und es waren für ihn in vier Quittungskarten zusammen 188 Beitragsmarken verwendet. Im Jahre 1895 gab er seine Stelle bei seinem Meister auf und verrichtete seit dieser steit nur noch Reparatur- und Flickarbeiten gegen Tage­lohn bei verschiedenen Auftraggebern. Obwohl er in dieser Beschäftigung als Tagelöhner ebensogut verstcherungspflich- tig war, wie in seiner früheren Thätigkeit als Geselle, unterblieb dennoch die Markenverwendung bis zum Jahre 1901, wo ihn ein Kontrollbeamter der Versicherungs- Anstalt ermittelte und dafür sorgte, daß Marken für ihn verwendet wurden. Nach den bestehenden gesetzlichen Be­stimmungen konnten aber die rückständigen Beitragsmarken nur für zwei Jahre, also für 1899 und 1900 eingezogen werden, die rücksländigen Marken für die Jahre 1895 bis 1898 waren verjährt. Im September 1901 wurde der Zimmermann infolge eines Augenleidens dauernd erwerbs­unfähig und stellte nun Antrag auf Invalidenrente. Er glaubte, die Rente könnte ihm nicht versagt werden, weil er insgesamt sieben Qnittungskarten mit 286 Beitrags­marken beibrachte, und die Wartezeit für Inva­lidenrente doch nur .200 Wochen beträgt. Er hatte aber übersehen, daß die bis zum Jahre 1895 verwendeten 188 Beitragsmarken dadurch erloschen waren, daß er in den Jahren 1895 bis 1898 keine Beitragsmarken ver­wendet hatte, denn nach den Bestimmungen des früheren Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes von 1889 er­losch die aus einem Versicherungsverhältnis sich ergebende Anwartschaft, wenn in vier Kalenderjahren nicht min­destens 47 Beitragsmarken verwendet wurden und nach

Oyim. Kriegsschiffe zur «Geltendmachung des Standpunktes stehen Deutschland an Ort und Stelle zur Verfügung.

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vonuglld), insbesondere ist die Wirkung bei Folgeerscheinungen der Darmträgheit eine ganz emin-nte. ,,SäntiS Magenbitter ist erhältlich^-n den Apotheken, Drogerien/Colonial- u. Delikatcst-Eeschäften, große Flasche Mk. 2.^0, Herne

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Vertreter m Gießen: CH. Ludwig DhomaS, Bahn­hofstraße 37. Telephon 375.

7415 Dr. W. Knecht A Co., Frankfurt a. M.

Eine alte Rechnung.

Aus Berlin, 20. November, wird uns geschrieben:

Ter Entschädigungsanspruch Deutschlands an Ve­ne zue la unterliegt nun seit fast drei Jahren der diplo- -matischen Behandlung, und noch immer fehlt es an An­zeichen, daß mit der Beitreibung der Forderung Ernst ge­macht werden soll. Amtlicherseits wurd» vor einiger Zeit darauf hingewiesen, daß ein energisches Vorgehen gegen Venezuela unzeitgemäß sei. solange dort revolutionäre Zu- fände herrschten. Nun scheint aber dieOrdnung" im siidamerikanish-freistaatlichen Sinne wiederhergestellt zu »sein, und zwar hat, Zeitungsmeldungen zufolge, der würdige Präsident Castro wieder einmal die Oberhand Gehalten. Es bleibt allerdings die Möglichkeit offen, daß die noch nicht veröffentlichten amtlichen Nachrichten aus Venezuela anders lauten, der Augenblick zum Einschreiten Deutschlands also noch nicht als gekommen erachtet wird. Möglich ist ferner, daß die in Seehandelskreisen verbreitete Auffassung zutrifft, derzufolge Teutschland ein gemeinsames Vorgehen mit der englischen Regierung anstrebt, da auch zwei englische Eisenbahng-'sellschaften in Venezuela durch Präsident Castro schwer geschädigt und mit ihren Ersatz­ansprüchen abgewiesen worden sind. Ta das Oondoner Auswärtige Amt bereits im Mai d. I. sich bereit erklärt }at die Forderungen der G's^llschaften zu unterstützen, ist -richt zu ersehen, was dem beschleunigten Vorgehen Teutsch- lands und Englands gegen Venezuela entgegenstehen könnte - es müßte denn die Rücksichtnahme auf die Vereinigten Staaten fein. Bei Deutschland kommt solche ober wohl »schwerlich in Betracht: es handelt sich für die Reichs- legierung einfach um die völkerrechtlich begründete Haft- barmachung der Inhaber der venezolanischen Staatsgewalt. Tie Vereinigten Staaten und ihre Monroe-Doktrin haben -mit der Sache gar nichts zu thun, wenn auch Präsident Castro und die Newyvrkergelbe" Presse das Gegenteil glauben machen wollen. Falls die englische Negierung in Rücksicht auf die- -nordamerikanlsche Empfindlichkeit Vene- ruela schonend zu behandeln geneigt sein sollte, so kann das -für Teutschland keine Veranlassung sein, ein Gleiches zu

dem jetzt giftigen Jnvalidenversicherungsgesetz von 1899 erlischt die Anwartschaft, wenn während zweier Jahre nach )em auf der Quittungskarte verzeichneten Ausstellungs­tage nicht mindestens 20 Beitragsmarken beigebracht wer­den. Der Rentenantrag wurde also abgelehnt, und der Zimmermann war durch seine eigene Schuld um eine jährliche Rente von mindestens 180 Mark gekommen. Er hätte rechtzeitig fordern müssen, daß seine Arbeitgeber die schuldigen Beiträge entrichteten; er selbst hätte für die Zeit, in der er keine versicherungspflichtige Beschäftigung verrichtete, freiwillig fortversichern müssen. Dieser Fall zeigt wiederum, daß die Versicherten ihrer Markenverwen­dung mehr Interesse entgegenbringen müssen. Jeder, der aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung ausscheidet, muß sich freiwillig weiterversichern, wenn er die bereits erworbenen Ansprüche nicht wieder verlieren will. Es fint> dazu in zwei Jahren nur 20 mal 14 Pfg. gleich Mk. 2.80 erforderlich! Wer das nicht behalten kann, merke sich wenigstens, daß er sich beim Aufgeben einer versicherungs­pflichtigen Beschäftigung sofort bei der Ortsbehörde, bei der Versicherungs-Kontrollstelle oder zuständiger Kranken­kasse zu erkundigen hat, was zu thun ist, um die wohl­erworbenen Ansprüche zu sichern.

ValiNsche Tagesschau.

Sinnesänderung der Regierung.

Aus Kolonialkreisen schreibt man uns:

Cs erregt einiges Erstaunen, daß der Gesetzentwurf jlbeT die ostafrikanische Eisenbahn, über den die Kommissionsberatung seit längerer Zeit abgeschlossen ist, in diesem Jahre, wie es heißt, nicht mehr auf die Tages­ordnung des Reichstags gesetzt werden soll. Dies Er- fiaunen wird verstärkt durch eine Notiz derKol. Zeit­schrift, wonach die Bahnlinie Dar-es-Sala am-Mro­tz oro nunmehr auch seitens der Regierung als unzweck- inäßig angesehen nn.d einer Route von Dar-es-Salaam süd­lich nach dem Nyassasee, ausführbar ohne Zinsgarantie seitens des Reichs, der Vorzug gegeben wird. Diese Sinnesänderung der Regierung müßte um so überraschen­der erscheinen, als gerade von amtlicher Stelle ans Jahre Hindurch, zuletzt aufs eindringlichste durch den Reichs- ^anzle r, der erstgenannten Bahnlinie das Wort geredet ist, sogar entgegen der Auffassung namhafter Afrikaforscher. Iluf die parlamentarischen Ehaneen kolonialer Bahnbau- jirojekte überhaupt könnte dieser Wechsel in der Stellung­nahme der Regierung kaum günstig einwirken.

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Zu haben in Gießen aus dem Fabriklager bei Herrn Ernt! Hor*»t, Riegelpfad. 17b

vezag«pret»,

Giehener Anzeiger«

w General-Anzeiger v '*z .=ä

Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Kunst und Wissenschaft.

Magdeburg, 20. Nov. Aus Anlaß der 300. Wiederkehr des Geburtstages Otto von Guerickes fand heute mittag unter Be­teiligung der Svitzen der weltlichen und geistlichen Behörden, so­wie von Vertretern der Lehrerschaft und Burger im hiesigen Rat- hause eine Guericke-Jeier statt. Tie Gedächtnisrede hielt Professor Tr. Blath. Am Abend ging das Trümvelmannsche Schausviel: .Die Zerstörung Magdeburgs" erstmalig in Szene,- dessen Ertrag zum Besten eines Denkmals für Otto von Guericke bestimmt ist.

Beim Einkauf von KnBterioh-Thee und -Bonbons achte man auf den Rn^on. Siehe heutige Annonce. 7315,

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Dsenb.-Dirstein.

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Reichsbank . .

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Bank . . .

Berliner Bank.

Berliner HdlSg.

Darmstädter Bk.

Teulsche Bk. .

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Dresdner Bk. .

National-Bk. .

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Industrie -Aktien

Maiuz.Brauerci Farbw. Höchst.

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Bergwerk . . Buderus. . .

Pfandbriefe.

Frankf.Hyvotbk.

Serie 14

do. Serie 15 Frkf.Hyp.-Cred.»

Lerein 1905. do. 1906. do. tilgbare ^rks Landwlsch. Hamburger Hy­potheken.Bank Ser. 141-250 do. unkündbar bis 1910 do. Serie 46 bis 190 .

do. Serie301 biS 310. Meining. Ser. 8 do. dbg. . Preuß. Boden- Crcdit . . . Rhein Hypoth.«

Bau! 1907er do.

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Westdeutsche. . do.....

Preuß. Hypoth.- Akt.-Bk. abg..

Lisenb.-Priorit.

Dux-Bodenbach von 1891. .

Elisab. steuerfr. Franz Joseph . Kaschau-Oderbg. Oesterr. Nord» westbabn B. . do. Südbahn

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Naab-Ocdcn'og.

Ebf. . . . Rudolfbahn. .

Jtal. staatl. gar.

E.B. . . . Livorncser . . Sard. Scc. stfr.

gar. . . . Gonhardbahn . K.irSl Kiew. stfr.

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Warschau Wien stfr.. . .

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Bad. Tblr. 100

Bayer. Thlr.100

Gothaer Präm.»

Pfdbr. I. . . do. II. . .

CülN'Mindener

Madrider . .

Meingr. Präm.»

Pfdbr. Thlr. 100. . . .

Oesterr. v. 1860 do. v. 1854

Oldenb.Thlr.40

Türk. Frs. 400

Unverzinsliche pr. Stück u. HJtf.

Ansbacher st. 7

Augsburg, st. 7.

Brfchw.Thlr.20

Fmnldr.Thlr.10

Mailänd.FrS.45

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Oesterr. st. 100 von 1864. .

Pappcnh. st. 7

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Württemberg. . Bremen v. 1899 Hambg. v. 1899

Anslundischk.

Bosnier. . .

Gnech. E.B. von

1890 . .

Griech. Monov Italiener Rente

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Oester.Silberrte Oester. Goldrtc. Portug. Staat.

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Rum. am. Rtc. Rumüu. u.1890 Gold »Russen v.

1880 .

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Russen v. 1902 Serben v. 1895 Spanier. .

Cours

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Cours 13. 11.

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20. 11.

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