Ausgabe 
21.8.1902 Erstes Blatt
 
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Aufgänge zum Denkmal, an einer Bällufbrode vorbei, ans deren Mitte ein Kopfrelief in eine Muschelschale nnb von ihr in ein tiefer liegendes Bassin Wasser sprudelt. Der Kaiser legte zunächst am Denkmal einen Kranz nieder. Dann geleitete er bcr Regen hatte unterdessen ausgehört die Großherzogin n Baden zum Denkmal. Ihnen folgten die Kaiserin cu.i Arm des Kronprinzen und die anderen Fürstlichkeiten. Die Damen waren saft alle in Hellen Roben erschienen. Unter den Ehrengästen neben dem Kaiserzelt befand sich der englische Botschafter Sir Frank Lascelles. Der Kaiser verweilte einige Minuten vor dem Denkmal, in eifriger Unterhaltung mit der Großherzogin.

Nachdem hieraus der Main - Taunus - Sängerbund a capella eine Hymne vorgetragen hatte, hielt Bürger­meister Jamin von Cronberg eine kurze Ansprache. Er übernahm Denkmal und Anlagen in den Schutz der Stadt und brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Es folgte die Nationalhymne und zahlreiche Deputationen legten Kränze am Denkmal nieder. Der Ztaiser urtterhiett sich mit einigen Herren, namenttich auch mit Prof. Uphues. Zum Schluß führte das 80. Regiment Parademarsch vor dem Kaiser aus. Die Fürstlichkeiten begaben sich sodann zum Frühstück ins Schloß Friedrichshof. An der Familieutafel waren 11, an der Marschalltasel 16 Gedecke serviert. Der Kaiser saß Zwischen dem Grvßherzog und der Großherzogin von Baden, die Kaiserin dem Kaiser gegenüber.

Der Großherzog von Baden hat u. a. dem Kommerzien­rat Kannmrgceßer in Wiesbaden, dem Landrat Tr. v. Meister und dem Bildhauer Uphues das Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen erster Klasse verliehen. König Eduard verlieh dem Kommerzieirrat Kannengießer das Ehren-Ritt er kreuz des Viktoria-Ordens. Prinz mrd Prin­zessin Friedrich Karl von Hessen schenkten dem Ztommerzien- rat Kannengießer, der sich um die Errichtung des ltaiser Friedrich-Denkmals sehr verdient gemacht hat, das Bild Kaiser Friedrichs.

Die kaiserliche Familie ist um 2 Uhr 30 Min. nach Homburg zurückgekehrt. Ter Großherzog und die Grvs> Herzogin von Baden verließen Cronberg bald nach 3 Uhr 19 Minuten

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TerDaily Telegraph" schreibt über die Feier t n Homburg. Ein angenehm berührender Vorgang hinsicht­lich der Beziehungen zweier Völker, deren überlieferte Freundschaft vor kurzem ourch Zwistigkeiten gestört wurde, die aber im Interesse beider Länder niemand aufrechtzu­erhalten wünschen kann, spielte sich in Homburg ab. Tie Ansprache Kaiser Wilhelms werde nachhaltigen Eindruck Hervorrufen. Im Hinblick auf ein Ereignis, wie das gesttige, sei es schwieriger als jemals zu verstehen, daß Leidenschaft, Vorurteil und gegenseitige Beschuldigungen für bf.n Augenblick die freundschaftlichen Traditionen ge)äi)rbeii konnten, die jeder vernünftig denkende Mensch als wesent- /»iches Interesse zweier großer Völker ansehen müsse. Daily Chrvnicle" sagt:Alle Engländer bewun­dern d e u K a i s e r. Die Bewunderung wird erhöht durch den, der Kaiserin Friedrich gezollten Tribut.

Aas Kesundveten und der preußische Kultus­minister.

Unter dieser Ueberscl>rist druckten wir am Samstag einen Artikel aus der ,Molksztg." ab, der sich mit dem überall Aufsehen erregenden Verhalten des Pfarrers Horst in Mansbach (Hessen-Kassel) gegenüber dem von uns vor kurzem in einem größeren Aufsatze geschilderten Gesund- beten befaßt. Danach sei auch, der ehemalige Hofprediger D. Stöcker, der seinerzeit im riteich-stag in schärfster Weise sich gegen die von Amerika herubergekommene Art des Gesundbetens ausgesprochen, dem Pfarrer Horst in einer längeren Apologie beigesprungen, habe dessen Standpunkt vollauf verteidigt und die Entscheidung der vorgesetzten Be­hörde, die aus Sttafversetzung, .Verurteilung in sämttiche Kosten und Androhung der Amtsentsetzung bei weiterer Bethätigung lautete, entschieden mißbilligt. Uns schien dieser Sachverhalt unglaubwürdig und wir fügten darum zum Schlüsse eine dementsprechende Bemerkung bei. Unb wir hatten Recht mit unserem Zweifel an dieser Dar­stellung. DieVolksztg." hat den an den Kultusminister Tr. Studt eingereichten Rekurs des Pfarrers Horst nicht getrennt von dem Aufsatz, den Stöcker in der Zettschrift Reformation" über die Angelegenheit veröffentticht hat. Pfarrer Horst ist es, berbie verschiedenen Stellen der heiligen Schrift als das Gesundbeten befürwortend cmführt und fügt hinzu:

Wenn die Herren im Kirch,enregnneni diesen Glauben an den Gott der Bibel, der aufs Gebet hin Kranke gesund

wirken zwisclZen Haus und Schule, als notwendiges Er­fordernis einer guten Erziehung, stattzufinden hat. Mit besonderem Nachdruck betont der Verfasser, wie ungeheuer wichttg der Einfluß des weiblichen Geschlechts auf die Er­ziehung ist, da diese im ersten Stadium des Kindesalters ausschUeßlich in den Händen der Mutter liegt. Er erblickt daher ein Hauptübel unserer heutigen Erziehung in der überaus mangelhaften Vorbildung des weiblichen Geschlechts für diese wichtige Lebensaufgabe und fordert eindringlich Reform der Vttidcheuerziehung in der Familie wie in der Schule.

Blätter zur Pflege persönlichen Lebens, herausgegeben von Dr. Johannes Müller. 3.Aufl., erste öffentliche Ausgabe, 8.12. Tausend. Leipzig, Verlag der Grünen Blätter. Großoktav XII und 288 Seiten, broch 4 Mk. Wenn Bücher ihre Schicksale haben ,so gilt das von dem vorliegenden in besonderer Weise, denn es tritt als Erwachsener auf den Plan. Das Buch ist bisher nur als Handschrift gedruckt gewesen und unter der Hand durch persönliche Beziehungen üerbreitet worden. Erst der große Anklang, «den es so gefunden, hat den Herausgeber ver- anlaßü die drttte Auflage der Öffentlichkeit zu übergeben. Auch sonst ist es eigenttttnlich Der Herausgeber hat nur einen Mitarbetter, Dr. Lhotzky, der ungefähr die Hälfte zu dem Inhalt beigetragcit hat. Es sind zwei ganz ver­schiedene Menschen und doch auf einen Grundton gestimmt: Persönliches Leben. Es ist ein ernstes Buch für denkende MensckM, für solche, die ihr Leben uld ein Problem cm» »finden, das sie lösen müssen. Hier ftndet ihr Sinnen Ver- tandnis unb ihr Sorgen Rat. Tas Buch ist ein Wegweiser ür menschenwürdiges Leben. Gleich der erste Aufsatz rollt >ie ganze Frage auf:Die Bestimmung des Menschen". Das Schicksal der Menschheit" leuchtet ui die Diese, und Menschwerdung" führt auf die Höhe. Es ist unmöglich, die Fülle der Anregungen, die das Buch bietet, hier auf- «lzählen. 9hir ein Aufsatz fei noch für alle genannt, die er augeht: Warum ist das Leiden in der Welt ? Wer das Buch einmal in die Hano genommen, der wird eS nick loslassen, und etwas davon haben.

macht, für überspannt halten, so ist das ihre Sache. Sie haben aber fein Recht, einen Pfarrer zu verurteilen, wett er glaubt und lehrt, was die Bibel klar bezeugt."

Stöcker meint nun in dem citierten Aufsatz derRe­formation", man ersehe aus dieser Rechtfertigung, daß der Pfarrer Horst zu denjenigen Christen gehöre, die es für frömmer hielten, in KrcmchettsMlen keinen Arzt zu rufen. So habe er auch offenbar dieErweckten" in seiner Ge­meinde gelehrt, und man müsse diese Auffassung für einen Irrtum erklären und es mißbilligen, daß ein Pfarrer sie vortrage. Stöcker erzählt auch, Pfarrer Horst habe einmal einen Amtsbruder besucht, und als er auf dem Tische kirch­liche Zeiffchriften gesehen, seine Verwunderung darüber aus­gesprochen, weshalb der Amtsbruder sie lese; er, Horst, lese nur die Bibel. Aus diesem allein zieht Stöcker den Schluß, Pfarrer Horst habeeine nicht nüchterne Auffassung von der Gebetshcilung" und fei nichtohne einen Auslug von Schwärmerei". Trotzdem meint Stöcker, das genüge nicht, um das verurteilende Erkenntnis des Konsistoriums zu rechtfertigen, und er meint, er würde sich nicht wundern, wenn der Kultusminister als Berufuiigsinstanz das Urteil aufheben sollte.

Tas, was bis jetzt von der ganzen Angelegenhett uns zu Augen gekommen ist, ist noch nicht klar und erwiesen genug, das Verhalten des Pfarrers Horst objektto beurteilen zu tonnen, insbesondere ist nicht zu ersehen, inwieweit er die Bahn der sog. christlichen Wissenschaft betreten hat. Sobald man klarer schauen kann, werden wir auf die Sache zurück ko mm en.____________________

Politische Tagesschau.

Ter Krieg auf den Philippinen

ist allem Anschein nach noch lange nicht beendet, trotzdem er den Amerikanern schon enorme Opfer an Menschenleben ge­kostet hat. Nach einer amtlichen Washingtoner Staristik ver­loren die Amerikaner in der Zeit vom 4. Februar 1899 bis zum 30. Aprtl 1902 in 2561 Gefechten an Toten 139 Offiziere und 4016 Mann, an Verwundeten 190 Offi­ziere und 2707 Mann. Ferner wurden anderweitig gelötet und verwundet 282 Offiziere und 4188 Mann. Insgesamt also 1 1 5 2 2 Tote und Verwundete!

Trotz dieser gewaltigen Opfer sind die Amerikaner noch ange nicht Herren auch nur der Hauptinsel der Philippinen­gruppe, Luzon. Selbst auf Luzon befinden sich nur die Küstenstriche in amerikanischem Besitz, im Inneren steht die Herrschaft, soweit sich dort überhaupt Garnisonen befinden, auf sehr schwachen Füßen, sodaß jeden Augenblick die Flamme der Empörung von neuem ewporschlagen kann.

Bedeutend schlinimer für Amerika steht es auf der nächst­größten Insel des Archipels, auf Mindanao, die hauptsäch­lich von den mohamedanischen Moros bewohnt ist. Auf dieser Insel, deren Bevölkerung auf 6-800000 Köpfe ge­zählt wird, hatten auch die Spanier niemals ein volles Suzeränitätsrecht ausüben können, vielmehr hatte sich die Mehrzahl der Bewohner unter der Herrschaft eingeborener Fürsten die Unabhängigkeit zu bewahren verstanden Die Moros, die als sehr kriegerisch geschildert werden, haben auch die amerikanische Annektion nicht anerkannt, obwohl man ihnen gegenüber vorläufig gelindere Satten aufzuspannen für geraten gehalten hatte. Trotzdem war es zu Reibungen ge­kommen, namentlich hatte der Sultan von Nauli die Amerikaner mehrfach angegriffen. Die Reibungen scheinen nun zu dem Ausbruch eines hellen Krieges führen zu sollen. Aus Washington wurde bekanntlich gemeldet: General Chaffee hatte telegraphisch mitgeteilt, daß ein Feldzug gegen die Moros in Mindanao notwendig sei, um den zunehmenden Widerstand gegen das amerikanische Regime zu brechen; in­folgedessen ist der General angewiesen worden, nach Gut­dünken zu handeln.

Die Verlustliste der amerikanischen Truppen wird dadurch aller Voraussicht nach in der nächsten Zukunft noch ganz er­heblich anschwellen. Vielleicht wäre der Feldzug gegen die Moros auch ein Signal für Luzon, den Kampf ivieber in größerem Maßstab aufzunehmen. Wie wenig diese Insel, und zwar in nächster Nähe von Manila, noch immer pazifiziett ist, beweist folgende Laffan-Meldung:

Ein amerikanischer Polizeiinspektor mtt 30 Mann hatte in der Umgegend von Manila einen Zusammenstoß mit einer starken Schar Insurgenten. Bei dem sich entwickelnden Kampf wurde der Inspektor verwundet und vier seiner Leute getötet Später er­hielten die Amerikaner Verstattung und nahmen 5 der Insurgenten gefangen; die Filipinos verloren außerdem bei dem Zusammen­stoß 6 Tote.

Kolonialpoft.

Vom Tschadseegebiet. Wie wir gemeldet haben, ist Oberstleutnant Pavel zu Duala Mitte August vom Niger aus eingetroffen. Er wird dort etwa bis Ende dieses Monats bleiben und sein Material verarbeiten. Hierzu wird geschrieben: Dem Vernehmen nach hat Oberstleutnant Pavel sich während seines Aufenthalts in Dikoa und im Tschadsee- gebiet alle Eingriffe, die von französischer und englischer Seite in unsere Sphäre gemacht worden sind, von beiden Seiten bestätigen lassen. Schon daraus ist zu erkennen, daß seine Berichte zu den interessantesten au§ unserer ganzen Kolonialgeschichte gehören werden. Aus ihnen wird man endlich Sicherheit schöpfen über die Vorgänge in den Tschadseeländern und besonders in unserer dortigen Interessensphäre während der letzten beiden Jahre. Der Oberstleutnant scheint vielerlei Material mitgebracht zu haben, das er der Post auf dem Niger nicht anoertrauen mochte. Äiachdem es durchgearbettet ist, wird er es mit den deutschen Postdampfern versenden oder selbst mitbrmgen. Danach werden wir auch erst erfahren, wie die Besetzung unserer Ein­flußsphäre fast bis an ihre Nordgrenze erfolgt ist, welche Gründe das rasche Vorrücken der Schutztruppe dahin ver­anlaßten, und wie groß die an mehreren Otten dort gelaßene Besatzung ist.

Die Zusammenstellung der Aus- und Ein­fuhr in Südwest-Asrika für das Jahr 1901 zeigt eine günstige Entwicklung. Nach beiden Richtungen hm ist eine ansehnliche Steigerung eingetreten. Die Ausfuhr ist von 900000 Dll. auf ll/4 Million hinauigegangen. Die Zu­nahme fällt hauptsächlich der Guano-Ausfuhr zu, die von einer englischen Gesellschaft am Kap Croß betrieben wird. Auch die Ausfuhr von Sttaußenfedern hat um 12 000 Mk. zugenommen; sie betrug 72 000 Mk. Die Einfuhr von Waren ist von fast 7 Millionen auf mehr als 10 Millionen hinauf­

gegangen. Von den eingefühtten Waren frommen für 8«/, Millonen aus Deutschland, fast P/3 Millionen aus dem Kaplande und 205 000 Mk. aus England. Somit ist ba5 Reich mtt über 80 Prozent daran beteiligt. Die Zoll­einnahmen des Schutzgebietes sind in einem Jahre um 135 000 Mk. gewachsen.

Ans Studt und Lund.

Gießen, den 21. August 1902.

- DaS Amtsblatt Großh. Ministeriums der Justiz Nr. 2 7 vom 1. August d. Js. enthält ein AuS- schreiben an die Großh. Justizbehörden, betreffend die Kosten der Rechtshilfe in Angelegenheiten der freiwilligen Gerichts» barfeit einschließlich der Grundbuchanlegung. Nr. 2 8 des­selben Amtsblattes vom 4. August d. Js. enthält ein AuS- schreiben an die Großh. Justizbehörden, bett, die Ausführung der Gerichtsvollzieherordnung.

- In Amerika verstorbene Hessen. In Buffalo, N.-Y., starb Herr Georg Fritz im Alter von 82 Jahren und am 12. Juli folgte ihm seine 77jährige Lebensgefährtin in die Ewigkeit nach. Beide waren aus Nonnenroth im Kreise Gießen gebürtig, wo sie sich Ende 1849 verehelichten. In Winona, Minn., starb Herr Michael Knopp un Alter von 83 Jahren. In West-Bridgewater, Pa., starb Frl. Kath. Walters, 78 Jahre all.

k- Von der Rabenau, 20. Aug. Wie häßlich es in mancher Familie zugeht, beweist wieder einmal folgender Fall aus dem Dorfe R. Am letzten Sonntag wollte der ehemalige Landwirt K. mit Frau und Sohn nach einem benachbarten Orte eine Spazierfahrt machen, wozu sie das Pferd ihres Schwiegersohnes L. benutzen wollten. Dieser jedoch plante selber eine Spazierfahrt. Da nun seit einiger Zett eine Spannung zwischen dem älteren und dem jüngeren Ehepaare besteht, lehnte der Schwiegersohn das Anliegen ab. Ter alte K. und fein Sohn führten um Mittag trotzdem das Pferd aus dem Stall, um es eiiuufpannen. Flugs eilte L. herbei und es entstand eine arge Rauferei um den Gaul, der entsetzlich hin und her gezertt wurde. Schließlich bekam L. sein Tier wieder in seine Gewalt und die beiden K. mußten als Unterlegene den Kampfplatz verlassen. Doch soll der junge K. mit hatten Fäusten seinen Schwager übel zu gerichtet haben.

k. Friedberg, 20. Aug. lieber dem in der Juden­gasse befindlichen Römerbad wird gegenwärtig ein 9leubau errichtet. In genannter Gasse war am Montag Abend infolge von Unvorsichtigkeit ein Zimmerbrand ent­standen.

k. Rodheim v. d. H., 20. Aug. Am 14. September v. Js. brannte wie wir damals meldeten die zweite Kirche hier total nieder. Die Kirche war im Jahre 1734 von der hiesigen evangelisch-lutherischen Gemeinde erbaut worden. Zur Zeit ist die Kirche im Wiederaufbau be­griffen und steht in ihren einfachen, aber doch schmucken Formen im Rohbau fertig da. In aller Kürze iverden die 9lrbeiten zum inneren Ausbau der Kirche vergeben und in Angriff genommen werden. Im Laufe des nächsten JahreS gedenkt man bereits das neue Gotteshaus einzuweihen und seiner Bestimmung zu übergeben.

Frankfurt a. M., 20. Aug. In der Stadtverordneten- Versammlung benachrichtigte der Magisttat die Stadtverord­neten von einer Kreditüberschreitung bei dem Bau des neuen Schauspielhauses in der Höhe von 216 869 Mk. Stadto. Armbrüster benutzte diese Gelegenheit, eine vernichtende Kritik an dem neuen Hause zu üben, und die Behauptung aufzustellen, der Theaterbauausschuß habe Ersparnisse auf Kosten der soliden Ausführung erzielen wollen und habe Berliner Schundpreisen zugesttmmt und das Frank­furter Kunstgewerbe unterdrückt. Diese Vorwürfe wurden allseitig zurückgewiesen. Armbrüster hatte sich s. Zt. selbst ohne Erfolg an den Submissionen beteiligt und hatte die höchsten Preise verlangt. Ein Mitglied dec Theaterbau­kommission teilte mtt, daß die Frankfurter Offerten durch­schnittlich 60 Prozent teurer gewesen wären als die aus- roärtigen, und der Magisttat bemerfte, die Ueberschreitungen wären noch viel bedeutender, wenn man die Frankfutter Offerten acceptiert hätte.

Kassel, 20. Aug. Aus dem ehemaligen Friedhof ist anläßlich des heuttgen 100. Geburtstages des letzten Kurfürsten von Hessen, Friedrich Wilhelm I., dessen Grabstätte prachtvoll geschmückt und das Ziel zahlreicher Be- sitcher. Früh 8 Uhr fand eine Andacht an der Grabstätte ohne Ansprache mit Choralmusik statt. Deputationen der althessischen Ritterschaft, ehemalige Angehörige kurhessischer Regimenter, Offiziere wie Mannschaft, Altheffen, Jungheffen, Hasfia, Vertreter der hessischen Rechtspattei legten Kränze mit rot-weißen Schleifen mit Widmungen am Grabe des Kur­fürsten nieder. Persönlich erschienen die Angehörigen des Fürstenhauses, die Söhne des letzten Kurfürsten, Fürst Karl und die Prinzen Philipp und Heinrich von Hanau, sowie Landgraf Alexis von Heffen. Am Nachmittag fand eine zahl­reich besuchte Versammlung der hessischen Rechtspartei statt. In derselben sprachen Rechtsanwalt Julius Martin» Kaffel, Pfarrer Hopf-Melsungen, der Herausgeber der »Hess. Bl.", unb der hochbetagte Schriftsteller Adam Trabctt aus Wien, ehemaliges Mitglied der kurhessischen Ständekammer. Die Versammlung nahm folgende Resolution ein­stimmig an:

Tie zur Feier des 100. Geburtstages des Kuttürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen versammelten Mitglieder und Freunde der hessischen Rechtspartei fühlen sich an diesem Tage eins mit allen, die in Liebe und Dankbarkeit der hessischen Vergangenheit gedenken, und rechten heute mit Niemandem, der dem Grade unserer Stammes- sürsten seine Huldigung darbringt. Tarüber hinaus müfjen wir aber auch heute, und gerade heule, den Protest gegen das unserem hessischen Fürstenhaus und Vaterland im Jahre 1866 angethane Unrecht und der festen Zuversicht erneuten Ausdruck geben, die der Kurfürst selbst mit den Worten besiegelt hat:Für mich selbst hoffe ich nichts mehr, für mein Land noch alles/

Vermischtes.

* Braunschweig, 20. Aug. Beim Entleeren einer Düngergrube wurden fünf Arbeiter durch giftige Gase be­täubt. Einer ist tot, einer schwebt in Lebensgefahr und drei sind leicht erkrankt.

* Schwerin, 20. Aug Infolge Genusses giftiger Pilze starben der Schriftsetzer Wagner, fein elfjähriger