Ausgabe 
21.4.1902 Drittes Blatt
 
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Ser jetzt neunjährige Prinz Heinrich 43., sein um zwe. Jahre jüngerer Bruder Heinrich 45., der von einem Vorder- mann aus der Seitenlinie Reuß-Köstritz mit der Nummer 44 zurückgesetzt wurde. Daß sämtliche Fürsten und Prinzen von Reuß als einzigen Vornamen den Namen Heinrich tragen, beruht auf einem Familiengesetz, das im 12. Jahr­hundert der Ahnherr des Hauses, Erkenbert, Herr v. Weida, zu Ehren des Kaisers Heinrich VI. (11901197) erließ. Die Numerieruny der Regenten begann *m 15. Jahrhundert, die der übrigen männlichen FanrllicÄangehörigen erfolgte 100 JaLre spater Nachdem die beiden Linien sich um die Hälfte des 16. Jahrhunderts geteilt hatten, begannen so­wohl die ältere als auch die jüngere Linie wieder mit Nr. 1-, wobei Reuß ä. L- die Gepflogenheit annahm, das Ver­fahren zu komplizieren, indem jeder Vater seine Söhne wieder von 1 ab numerierte. Im 17. Jahrhundert fiel der Brauch, uyrd es wurde zur Abwechselung wieder durch­gezählt: und da man sich int Fürstentum Reuß doch mit etwas beschäftigen muß, begann vom Beginn des 18. Jahr­hunderts ab eine neue ^rumerierung, die seither fortläust. Da die ältere Linie stets nur wenige männliche Repräsen­tanten besaß, ist sie bis nun mit dem oben erwähnten Erb­prinzen erst auf XXIV. angelangt. Nach dem für die Linie geltenden Famrliengesetz soll erst wieder mit 1 begonnen werden, wenn die Zahl 100 erreicht ist. Dieser Fall dürfte, da das Haus nur zwei männliche Mitglieder zählt, voraus­sichtlich in mehreren Jahrhunderten ein treten. Was die jüngere Linie betrifft, macht sie, einer Bestimmung des Hausgesetzes vom L Januar 1701 entsprechend, zu Beginn eines jeden Jahrhunderts mit der NumerierungSchicht", und so konnte man bei demPrinzenabschluß" wnstatieren, daß das 18. Jahrhundert der Welt 17 Heinriche geschenkt hatte, während das 19. nur 47 aufweisen konnte. Der 1. Heinrich des 20. Jahrhunderts steht noch aus.

Die Enthüllung des Rosenberg-Denkmals.

Hannover, 20. April.

Der Kaiser, der Kronprinz und Prinz Heinrich sind gestern Abend mit Gefolge in Hannover eingetroffen. Der Kaiser begab sich heute Vormittag in Begleitung des Kron­prinzen mit Gefolge zu Wagen vom Schloß nach der Garnison- ürche. Am Kirchenportal empfingen General v. Stünzner und die Geistlichkeit den Kaffer. Um halb 11 Uhr begann der Gottesdienst, an dem die Generalität und die hier ein» getroffenen Deputationen der Kavallerie-Regimenter teilnahmen. Die Predigt hielt Militär-Oberpfarrer Rocholl. Von der Garnisonkirche begaben sich die Herren nach dem neuen Pro- vinzialmusem im Maschpark, das unter der Führung des Vorsitzenden des Provinzialausschusses Fürsten zu Jnnhausen und Knyphausen und des Landesdirektors Lichtenberg besich­tigt wurde. Um 12 Uhr trafen der Kaffer und der Kron­prinz mit Gefolge bei dem Denkmal des Generals der Kavallerie Rosenberg ein. Am Denkmal waren bereits zahlreiche aktive und ehemalige höhere Kavallerieofsiziere ver­sammelt, unter letzteren Mmffter v. Podbielski. General- Feldmarschall Graf Waldersee und General v. Stünzner empfingen den Kaffer. Der Kaffer begrüßte die Anwesenden und nahm unter dem Baldachin Aufstellung.

Graf Waldersee hielt eine Ansprache, in der er auSführte: Sln dem hier aufgestellten Denkmal sei die ganze deutsche Kavallerie beteiligt und der Block sei ein Geschenk des Kaisers. Die Stadt Hannover wolle in dankenswerter Weise das Denkmal übernehmen. General Rosenberg sei ein vorbildlicher Reitergeneral gewesen. Die Kavallerie verdanke ihm viel für die Entwicklung.

Während die Hülle des Denkmals siel, präsentierten die Truppen und der Kaiser salutierte. Der Kaiser nahm hier­auf den Parademarsch über die Känigsulanen sowie über die übrigen Truppen der Garnison Hannover ab, welche in den Straßen Spalier gebildet hatten. Majestät empsing nach be­endetem Vorbeimarsch militärische Meldungen und verließ mit dem Kronprinzen unter Hurrcch rufen des Publikums den Festplatz.

Der Kaiser und der Kronprinz nahmen um 1 Uhr an dem Festmahl der Kavallerieofsiziere inKastens Hotel" teil. Zu demselben waren die Spitzen der Provinz und der Stadt Hannover erschienen. Im ganzen waren 180 Personen an­wesend. Graf Waldersee brachte einen Trinkspruch auf den Kaiser und den Kronprinzen aus, und führte aus, er glaube, der Kaiser wolle den ftischen Reitergeist pflegen und fördern. Redner sprach die Ueberzeugung aus, daß der Kavallerie trotz der Vervollkommnung der Feuerwaffen noch herrliche Tage bevorstehen können, die Gelegenheit dazu würde mit Freuden ergriffen werden.

Der Kaiser erwiderte:

Ich begrüße am heutigen Tage die gesamte Reiterei des deutschen Heeres. Fürwahr über das Grab des Generals hinaus hat feine Persönlichkeit eine so gewaltige magische Anziehungskraft bewiesen, daß sie aus allen Gauen des deutschen Reiches und den. Kontingenten meiner Verbündeten die Reiter zusammengezogen hat, so daß unsere deutsche Reiterei heut zum er st en Male eine einzige große geschlossene Masse hat zeigen fÖmien. Wir wollen uns eine Lehre aus dem heutigen Tage nehmen. Wie der General nur seine Dienste und nur seine Pflicht lärmte, so mögen Sie es auch thun. Das höchste, was einem Offizier in seinem Dienste im Leben erblühen kann, ist die eigne volle Befriedigung in der Ausfüllung seiner Stelle. Wir fonntn, -urückblickend über das Leben des Geiierals o. Rosenberg, ein Ge­denkwort schreiben, das für uns aber auch zu gleicher Zeit bis in alle Zukunft gelten soll: ,Liel erkannt, die Kräfte gespannt!" Das sei auch maßgebend für unsere Reiterei. So mögen wir auch aus dem heutigen einfachen Denkmal Sinnbild und Vorbild schöpfen. Aus märkischem Granit ein Block trägt die Züge des Generals in Erz geprägt. So mögen auch Sie das Stuck Granit unseres Heeres, das sich Reiterei nennt, hegen, pflegen und krystallisieren lassen, so daß jeder, der darauf beißt, die Zähne verliert. In diesem Sinne erhebe ich mein Glas und trinke auf das Andenken des Generals, auf die deutsche Reiterei und den hervorragendsten Vertreter derselben, den General Feldmarschall Grafen von Waldersee. Hurrahl"

Um 4 Uhr reiften der Kaiser und der Kronprinz von Berlin ab.

Politische Tagesschau.

Das preußische Abgeordnetenhaus

erledigte am Samstag die erste Lesung bc5 Gesetz-Entwurfes betreffend die Aendcrung der Vorschriften über die Kom­petenz-Konflikte zwischen Gerichts- und Ver­waltungs-Behörden. Die Vorlage wurde an die Justiz-Kommission verwiesen. In zweiter Lesung wurde alsdann der Gesetzentwurf gegen die Verunstal tun g lands ch aftlich hervorragender Gegenden an

die Kommission zurückverwiesen. Alsdann erledigte das Haus Petitionen.

Für die dritte Beratung des Etats int Abgeordneten-- hause beantragt die nationalliberale Fraktion die Wieder­herstellung des von den Konservativen und dem Zentrum in der zweiten Lesung verworfenen Etats-Titels für den Umbau des Bahnhofs in Homburg v .d. H. Auch von anderer Seite werden daraus bezügliche Anträge vor­bereitet.

Tie Budgetkommission des Abgelordnetenhauses ge­nehmigte die Mehrkosten der Bahn von Friedrichs­dorf nach Friedberg mit 450000 Mk.

tzme neue MlutthaL im deutschen ZZismarck- ArchtpeL.

Tie friedliche Entwiaelung unserer Inselgruppe in der Südsee ist abermals durch einen traurigen Zwischenfall unterbrochen worden. Auf der zum Bismarck-Archipel ge­hörigen Insel Neu-Pommern haben sich Eingeborene zur Ermordung der Angehörigen eines deutschen Ansiedlers hinreißen lassen, wofür sie alsbald in der nachdrücklichsten Weise gezüchtigt worden sind. Am 3. d. M. wurde Frau Hedwig Wolff mit ihrem Säug­ling in ihrem Hause in Paparataba von den Eingeborenen durch Axthiebe ermordet, während Wolfs sich von Hause entfernt hatte. Fräulein Coe, die zu Besuch bei Wolsf weilte, floh in die Küche, wo der Koch sich die Eingeborenen durch Drohungen fern hielt. Nach Abzug der Mörder rettete sich Fräulein Coe durch den Busch nach der Missionsstation Takabnr. Die Leichen der Erschlagenen wurden aiti * April auf der katholischen Mission Vumapvpe beerdigt. Die Ver­folgung des schuldigen Stammes wurde sofort energisch be­trieben. Alle Pflanzungen des Distriktes wurden zerstört und das Paparatava-Gelände von den Eingeborenen ge­säubert, auf seiten der Eingeborenen wurden etwa 3 0 L e u t e getötet und zehn gefangen genommen. Die Polizei­truppe hatte keine Verluste. Eine weitere Ausbreitung der Unruhen ist nicht wahrscheinlich. Der stellvertretende Gouverneur Hahl ist schwer am Fieber erkrankt. Wolfs, der auf so schreckliche Weise Frau und Kind verloren hat, ist Pflanzer und Besitzer der überfallenen Plantage Papa- ratava. Von einem Assessor gleichen Namens, der als Richter dort stationiert ist, wurde die Pvlizeitruppe ge­führt, als sie blntigst 'Vergeltung übte für die Ausschreit­ungen der Eingeborenen. Der stellvertretende Gouverneur Zahl ist sonst in Ponape stationiert; für die Dauer der Beurlaubung des Gouverneure bon Bennigsen wurde er mit >er Verwaltung der Südsee-Jnseln beauftragt. Hoffentlich wird es ihm vergönnt sein, «den schweren Fieberansall bald zu überwinden und seine ftühere Gesundheit wiederzu­erlangen.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 21. April 1902.

** Dienstnachrichten. Durch Entschließung des Ministe­riums der Jusüz wurden beauftragt: der Gerichtsaffeffor Denk in Mainz mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Anitsrichters bei dem Amtsgericht Bingen, die Gerichts- assesioren Glückert in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts am Landgericht der Provinz Starkenburg, Würth in Darmstadt mit Wahr­nehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts bei dem Amtsgericht Darmstadt I und Friedenreich in Alzey mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Mainz, der Ge- richtsaeeessist Gaus in Eppelsheim mit Wahrnehmung olcher bei den Amtsgerichten Alzey, Pfeddersheim und Wörrstadt. In den Ruhestand wurde versetzt am 16. April der Gefangenwärter am Haftlokal in Beerfelden' Schäfer I. auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner ' angjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom Dienstantritt eines Nachfolgers an. Ernannt wurde der Bahnwärter bei der Main-Neckar-Eisenbahn Emig zum Weichensteller bei dieser Bahn. In denj .Ruhestand wurde versetzt am 7. April der Bahnwärter in der Hessisch-Preu ßisch en Eisen­bahngemeinschaft Frühling zu Büdinger-Wald, mit Wirkung vom 1. Mai an.

** Reichspost personalnachrichten. Der Vor­tragende Rat im Reichspostamt, Geh. Ober-Postrat K o b e l t, )er, wie gemeldet, am 1. Juli Ober-Postdirektor in Darm- tadt wird, ist e,in geborener Hesse und stand ursprünglich im fürstlich Thum und Toxischen Postdienst, aus dem er 1868 in den Dienst der Norddeutschen und später der Reichs- wst übernommen wurde. Nachdem er längere Zeit Post- inspektor in Potsdam gewesen war, wurde er 1883 Postrat in Frankfurt a. M. 1886 kam er als kommissarischer Hilfs­arbeiter zum Reichspostamt, wo er 1888 Ober-Postrat und tändiger Hilfsarbeiter und 1890 Geh. Postrat und Vor­tragender Rat wurde. Seit 1895 ist er Geh. Ober-Postrat. Versetzt sind: Der Postmeister Huesker von Alten­beken nach Nidda, der Postverwalter Fleckenstein von Neu- Isenburg nach Schliz, die Postassistenten Diemer von Butz­bach nach Heppenheim und Joseph von Lauterbach nach Neu- Isenburg, Knodt von Gießen nach Groß-Gerau, Mättner von Dortmund nach Butzbach, Markwort von Mannheim nach Osthofen, Nickel von Homberg nach Freiburg (Breisg.), Stein von Frankfurt nach Alsfeld, Stock von Frankfurt nach Büdingen. Etatsmä ßig angestellt sind: die Postwärter Klaus und Küchle in Friedberg und Schäfer in Alsfeld als Postassistenten, die Postassistenten Erb in Gießen, Flath und Lott in Bad Nauheim, Schmidt in Fried­berg Angenommen sind: als Postanwärter: Reitz in Butzbach, die Vizefeldwebel Ruppel in Lauterbach und Weitzel in 'Nidda, der Sergeant Lotz in Gießen. Als Tele- graphengehülfinnen: Emilie Goes und Elisabeth Mandel in Darmstadt. Als Postagenten: der Gastwirt Brück in Wißmar, der Landwirt und Posthülfstelleninhaber Rupp in Alten-Buseck (Kr. Gießen). Die Po stas sistenten - irüfung bestand der Postgehülfe Poths in Alsfeld. I n den Ruhestand tritt: der Postmeister König in Nidda.

Schlitz, 20. April. Der Kaiser wird auch in diesem Jahre wieder seinen ehemaligen Schulkameraden und Jugendfreund Grafen v. Görtz-Schlitz nebst Familie be­uchen und voraussuhtlich mehrere Tage hier veriveilen. Der genaue Zeitpunkt der Ankunft des Monarchen wird erst noch mitgeteilt werden.

Darmstadt, 19. April. Die Zweite Kammer tritt am Freitag und Samstag zusammen, um die Re­gierungsvorlage über den Lotterievertrag zwischen Hessen und den thürin gisch-anhaitischen Staa­ten und einige kleinere Vorlagen zu erledigen. Zu einer längeren Session wird es voraussichtlich erst nach Pfingsten kommen.

Kassel, 18. April. Der Generaldirektor der Trebergesellfchaft Adolf Schmidt bereitet der

Justizbehörde allerlei Schwierigkeiten, indem er sich weigert, sich in den verschiedenen hier infolge des Treberkraches schwebenden Zivilprozessen als Zeuge vernehmen zu lassen. Er erklärte, daß er nur Auskunft in dem gegen ihn schweben­den Verfahren wegen betrügerischen Bankerottes geben werde. Letzterer ist übrigens noch nicht abgeschlossen. Schmidt erklärte, selbst im Falle seiner zwangsweisen Vor­führung in den betreffenden Zivilprozessen sein Zeugnis verweigern zu wollen. Es würde bei dieser Sachlage fteilich überflüssig sein, auf feiner Vernehmung zu bestehen, da ein Zeugnis-Zwangsverfahren bei einem schon in Haft Be­findlichen wirkungslos, vielleicht auch bei Schmidt mit Rück­sicht auf die Auslieferungsbestimmungen nicht möglich ist. Die betreffenden Prozesse erfahren aber durch Schmidts Verhalten eine arge Verzögerung. Einer dieser Prozesse, in welchem aus diesem Grunde von vornherein auf Schmidts Zeugnis verzichtet wurde und der von der Zivilkammer des Landgerichtes heute verhandelt wurde, illustrierte ine Art, in welcher die Gelder der Treberverwaltung vergeudet werden, recht lebhaft. Es handelte sich um eine Klage, welche der intimste Freund Schmidts, Ingenieur Larsen, der Er­finder der vielgenanntenrotierenden Retorte"/ gegen die Trebergesellfchaft wegen rückständigen Gehaltes angestrengt hatte, den er als Vorstand der Generalvertretung der Ge­sellschaft zu Kopenhagen glaubte beanspruchen zu können. Der Vertreter der beklagten in Konkurs befindlichen Ge­sellschaft legte hier eine im Bureau gefundene Liquidation Larsens aus dem Jahre 1900 vor, die einen dreimonatigen Aufenthalt Larsens in Kassel aus dem Jahre 1900 zum Zwecke der Besprechung der Uebernahme des Repräsen­tantenpostens in Kopenhagen betraf. In dieser Liquidation waren nun eingestellt für das Bewohnen einer Villa auf Wilhelmshöhe 1800 Mark und für die Aufenthaltskosten 2400 Mark, insgesamt mit weiterenKleinigkeiten" 5000 Mark. Diese Summe ist auch auf Anweisung Schmidts an der Kasse der Gesellschaft bezahlt worden, ohne daß eine wirkliche Leistung dafür stattgefunden hätte. Larsen soll übrigens nach Ausbruch des Treberkraches die Erklärung Äeben haben, er betrachte sich nicht als Beamter der schäft und werde deshalb keine Ansprüche gellend machen. Trotzdem hat er jetzt die erwähnte Klage ange­strengt, deren Verhandlung übrigens zwecks weiterer Be- weiserhebung auf später vertagt wurde.

Universitäts-Uachrichten.

Ter Tübinger llniversitätsprosessor und Vorstand des chemischen Instituts Dr. Freiherr v. Pechmann wurde in seinem Bette tot aufgefunden. Man spricht von Selbstmord durch Ver- giftung. - . --

Kunst und Wissenschaft.

^Mechtshausen, 19. April. Der Kaiser ließ Wilhelm Busch folgendes Telegramm zugehen: Dem Dichter und Zeichner, dessen köstliche Schöpfungen voll echten Humors unvergänglich im deutschen Bolle leben werden, spreche ich meinen aufrichtigen Glücke wünsch zum 70. Geburtstage aus. Möge demselben em schöner Lebensabend beschieden sein, in Dankbarkeit für die vielen fröhlichen Stunden, welche sie ihm bereiten. Wilhelm IL R.

Gerichtssaal.

Nürnberg, 19. April. Die Strastammer verurteilte den Rechtsanwalt Max Schweitzer wegen mehrerer Unterschlag­ungen von Klientelgeldern zu sieben Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt erklärte, daß gegen Schweitzer noch weitere An» zeigen vorliegen.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers^.

Berlin, 20. April. An dem Festmahl zu Ehren des Prof. v. Leyden nahmen Kultusminister Dr. Studt, Mi- nisterialdireetor Althoff, Oberpräsident von Bötticher, der Oberbürgermeister, die Geheimräte Prof. Waldeyer und Fraenkel, sowie andere hervorragende Persönlichkellen und zahlreiche Damen, im Ganzen über 400 Personen, teil. Der Kultusminister brachte das Hoch auf den Kaffer aus, den Förderer von Kunst und Wissenschaft. Geheimrat Waldeyer eierte den Jubilar, dieser dantte tief bewegt für alle Ehrungen md toastete auf die Berliner Universität. Der Kultusminister prach sodann Leyden die Glückwünsche der Unterrichtsver­waltung aus und schloß mit einem Hoch auf ihn, dessen Name heute in der ganzen Well gefeiert werde. Leyden erwiderte dankend. Hunderte von Glückwunschtelegrammen ind ihm aus allen Ländern zugegangen.

Wien, 20. April. Nach hier auf Umwegen eingetroffe- nen Privatmeldungen aus Novibazar sollen von einem rüheren Studenten, einem Nihilisten, auf den wrtigen $oub erneut drei Revolverschüsse ab­gefeuert worden sein, von denen zwei trafen. Die Ver­wundungen seien jedoch ungefährlich.

Budapest, 20. April. Gestern abend ist der Han- öelsminister Horanszky geftorbejn. Als fein Nachfolger wird der Abg. Hieronyrni genannt.

Balmoral, 21. April. Lucas Meyer und Reitz trafen gestern abend aus Pretoria hier ein. Heute vormittag traten sie mit einer englischen Eskorte die Reise nach dem nördlich gelegenen Silberminenfels an, wo sie auf ein Burenkommando zu stoßen glauben.

Newyork, 21. April- DerNewyork Herald" meldet aus Managua: Die Mllglieder der konservativen Partei, Gegner des Präsidenten, sprengten Mittwoch Nacht die dor­tigen Baracken in die Luft. 150 Personen tour- )en getötet.

Die Beerdigung findet Montag den 21. Aprll, nachmittags 5 Uhr, vom Sterbehause, Katharinengasse 11, aus statt.

Todes-Anzeige.

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere innigst geliebte Braut, unsere unvergeßliche Schwester, Schwägerm und Tante

grtiilria Frieda Mohr

im 26. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden zu sich zu rufen. Um stille Teilnahme bitten

Die trauernden Hinterbliebenen.

Gießen, Pforzheim, Heidelberg, den 20. April 1902.