Ausgabe 
20.1.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

gHofem auf, die aber jetzt wieder im Abnehmen begriffen sind. Auch vereinzelte Fälle von Scharlach, verbunden mit Diphteritis kommen vor. Die Erkrankungen nahmen im all­gemeinen einen günstigen Verlauf. Mit der Jeldbereinigung in unserer Gemarkung wird zugleich ein künstliches B c - wässernngs- und Entwässerungssystem der Wiesen eingeführt. Da sich durch das eine Wiesenthal das zweite hat ebenfalls mehrere Quellen ein kleiner Bach, dessen Bett zu diesem Zweck reguliert worden ist, hinzieht, so fehlt eS an Wasser nicht. Auch ist dafür gesorgt, daß das auf ben Feldern ablaufende sowie auch das aus den Drainierungs- anlagen kommende Wasser den Wiesen zufließt, die mit neuen Grabenanlagen versehen worden sind. Darin sind größere Zementschleußen mit Zinkschiebern sowie kleinere Holzschleußen __ der VolkSwitz nennt sie Maulwurfsfallen aufgestellt. Ueber die Rentabilität der Anlage wird viel gestritten, doch wird wohl auch hier, wie überhaupt bei der ganzen Bereinigung, bei richtiger Handhabung der Erfolg nicht ausbleiben. So große Vorteile die Bereinigung auch bietet, so muß doch auch ein Nachteil hervorgehoben werden, der darin besteht, daß sämmtliche Hecken aus der Gemarkung verschwinden und da­durch den kleinen fleißigen Gehilfen des Landwirts, unseren lieben Sängern, jede Gelegenheit zum Nisten entzogen wird.

M. Schlü ch tern, 19. Jan. Der Mitteldeutsche Viehhändler-Verein hielt heute hier seine erste Wander-Versammlung ab, die sich einer regen Be­teiligung erfreute. Dem Verein traten an diesem Tage 30 neue Mitglieder bei, fobafr ihre Zahl jetzt auf 2üu an gewachsen ist. Eröffnet wurde die Versammlung durch den Vorsitzenden Adolf Gu lenst ein-Frankfurt. Der Verein bezweckt, seinen Mitgliedern Schutz und Rat, sowie Unterstützung zu gewähren. Der Vorsitzende wies auf die Lage der Viehhändler hin. Wie bedrängt die Viehhändler seien, beweist die in einzelnen Regierungsbezirken, wie Köln, Wiesbaden usw. erlassene Quarantäne-Verordnung, derzufolge der Händler genötigt ist, ein von auswärts bezogenes Tier fast acht Tage im Stalle stehen zu lassen, damit es einer zweimaligen kreistierärztlichen Untersuch­ung unterzogen werden kann, resst, must Für die beträcht­lichen Futterkosten wird der Viehhändler nicht entschädigt Und er kann auch dem Landwirt das Vieh deshalb nietet teurer verkaufen. Ein weiterer Schrecken ist das Verbot des Hausierhandels, was für den Kleinhändler den Ruin bedeutet. Ein Mitglied des Vereins hielt die Quarantäne nicht ein, das Höchster Schöffengericht verurteilte es zu acht Tagen Gefängnis. Der Prozeß wurde auf Kosten des Vereins weitergefuhrt, was die Freisprechung des An­geklagten bei der Wiesbadener Strafkammer zur Folge hatte. Die Regierung legte jedoch Berufung ein, der Verein erlangte aber auch beim Kammergericht in Berlin ein obsiegendes Urteil, die Kosten fielen der Staatskasse nr Der Redner führte dann noch einen anderen Erfolg des Vereins an: Auf der Station Wächtersbach wurden im Winter öfters offene Viehwagen von der Eisenbahn­behörde zur Benutzung hergegeben, was für die Tiere äußerst schädlich war. Seitdem der Verein eine Eingabe machte, dürfen auf der Main-Weserbahn derartige Wagen während des Winters für den Viehtransport nicht mehr verwendet werden. Eine längere Debatte entspann sich über dieStallrevisionen". Man wlll höheren Ortes vor­stellig werden, daß die Kosten der Stallrevisionen der Staat übernehme, indem er den Kreistierärzten ein festes Gehalt zusichere. Weiter wurde seitens des Vereins der Beschluß gefaßt, die Aufhebung des Hausierverbotes zu erlangen. Ferner soll die Verk-ehrsinspektion Fulda inter­pelliert werden, die morgens zur Verladung kommenden Tiere schon mit dem ersten Eilgüterzug zu expedieren, da der Mveite erst mittags um 2 Uhr von Schlüchtern ab­geht. Vom 1. Mai ab wird die Eisenbahnverwaltung zur Erleichterung des Viehtransstortes ein Viestransportkurs- buch herausgeben.

** Kleine Mitteilungen aus Heffeu und den Nachbarstaaten In Darmstadt starb im 68. Lebensjahr der Kais. Regier- ungs- und Medizinalrat Dr. E Vix. Mit dem Verstorbenen ist ein bedeutender Arzt, der vielen gemeinnützigen Be­strebungen seine hervorragende Kraft lieh, dahingegangen.

Gerichtssaal.

M. Gießen, 18. Jan. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat Müller, die Anklagebehörde vertrat Gerichls- asseffor Jöckel. Tie Händlerin Wwe. Walldorf ist der falschen Steuerbcklaratton bezichtigt. Mangels Beweises wird sie frei- gesprochen. DerSackräger Bindewald hat sich auf dem Markt­platze zu Grünberg in unanständiger Kleidung gezeigt und ist des­wegen des groben Unfugs angeschuldigt. Es war nicht festzustellen, ob Der Angeklagte sich des Zustandes feiner Kleidung bewußt war und ob das Publikum als solches abgesehen von dem einzigen Belastungszeugen daran Aergernis genommen hat. Entsprechend dem Amrag der Anklagebehörde sprach das Gericht den Angeklagten frei. In einer in der Berufungsinstanz anhängigen Privalllage- fache wird für die Tauer der Verhandlung die Oeffenllichkeit aus­geschlossen; die Verhandlung wird Dienstag fortgesetzt. Der Mühlenbesitzer Ludwig Forth von Lisberg ist berUebertretung des § 368 Ziffer 9 des St.-G.-B. angefchuldigt, weil er unbefugt vor beendeter Gmte über Wiesen gegangen ist. Dem Angeklagten stehl das Recht der Wasserbenutzung eines an seiner Mühle vordei- stießenden Baches $u. Als das Wasser ausblieb, ging der Ange­klagte den Bachlauf entlang, um nach dem Hindernis des Wasser­ablaufs zu suchen. Hierbei beging er die erwähnte Uebertretung. Er behauptet in der heutigen Verhandlung einmal, daß das Recht, dem Wasser nachzugehen, mit seinem Recht, das Wasser zu benutzen, naturgemäß verbunden sein müsse, und andererseits, datz er in dem durch den Vorbesitzer gestärkten guten Glauben gehandelt habe, daß ihm das Recht, über die am Ufer liegenden Wiesen zu dem genannten Zwecke zu gehen, zustehe. Die letzte, durch andere Zeugenaussagen unterstützte Behauptung erscheim demGericht glaub» roürbig. In dem einen Fall, in dem er beim Ausbleiben des Masters die Wiesen betreten hat, wird er frei gesprochen. In dem anderen, in dem er nach wiederhergestelltem Wasserlauf aus Neu­gier den Bach entlang über die Wiesen ging, wird er zu einer kleinen Geldstrafe verurteilt. Verteidiger: Rechtsanwalt Mendelsohn.

N. Gießen, 18. Januar. Kriegsgericht. Die erste Ver­handlung richtet sich gegen den Musketier Scharf von der 4. Kompagme des Jni.-Regiments Nr. 116. Die Anklage lautet auf Betrug und Unterfchlagimg. Als Scharf einige Zeit vor seinem Diensteintritt stellenlos war, wurde er von dem Schneidermeister Zapf in Stellung genommen. Er arbeitete bei ihm in der Zeit von Ende Januar bis zum 10. März. Ter Meister kaufte ihm in dieser Zest einen Anzug und em Paar Stiefel, und zwar, wie Zapf behauptet, unter der Bedingung, daß er die 55 All., die diese Sachen gekostet, abverdienen sollte. Nachdem Angeklagter die Stiesel er­hallen hatte, verschwand er. Ter Meister erstattete nun Anzeige wegen Betrugs und Unterschlagung. Ter Vertreter der Anllage beantragt Freisprechung. Einmal gehe aus den Zeugenaussagen nicht mU Sicherheit hervor, daß eine Abmachung in dem Sinn, daß 21ngeflagter Anzug und Stiefel abverdienen muffe, gemacht worden sei. Die Möglichkeit, daß Angeklagter den Anzug in der That abbezahlt, sei vorhanden; doch ließe fleh bei der mangelhaften Buchführung des Klägers nichts genaueres darüber feststellen. Ferner aber fei der Betrag durch den Lohn, den der Angeklagte für die

Zeit, in der er gearbeitet, zu fordern hätte, gedeckt. Dem Antrag gemäß erkennt das Gericht auf Freisprechung.In dem folgenden Fall richtet sich die Anklage gegen den Musketier Heinrich Klipper aus Auleiidiebach wegen Ungehorsams. Seine FuHrungszeugniste lauten sehr ungünstig. Er ivird als trunf- und händelftichtig be­zeichnet und hat schon mehrere Disziplinarstrafen erhalten. Ani 1. Januar kam Klipper, nachdem er sich am Nachmittag in ver­schiedenen Wirtschaften Herumgetrieben hatte, gegen 9 Uhr in die Kaserne. Unter dem Einftuß übermäßigen Alkoholgenusses begann er, auf der Stube Skandal zu machen. Ter Stubenälteste, Unter­offizier Schreiber, gebot ihm Ruhe und befahl ihm, zu Bett zu gehen. Der Unteroffizier mußte deck Befehl mehrere male wieder­holen, ivas durch Zeugenaussagen fcftgeftcUt wird. Bald daraus verließ Älipper unter dem Vorwand, austreten zu wollen, das Zimmer. Er überstieg die Kasernenmaiier und besuchte noch ver- schiedeiie Wirtschaften m der Stadt. Als er 1« nach 3 Uhr in be­trunkenem Zustand wieder aus dem Weg über die Maner zur Kaserne zurück wollte, ivurde er von dem Musketier Geisel der 10. Kompagnie, der als Nachtposten in der städtischen Kaserne stand, bemerkt. Ter Posten rief ihn an. Darauf versuchte sich Klipper der Verhaftung durch Flucht zu entziehen. Ter Posten verfolgte ihn, holte ihn ein und veranlaßte seine Verbringung nach der Wache. Er hatte sich derartig hezecht, daß er am nächsten Morgen unfähig war, an der Jnstruktionsstunde teilzunehmen. Ter Vertreter der Anklage be­antragt für das ,,Verharren im Ungehorsam" (§ 97 des Mstitär- strasgesetzbuche), fernem Stubenältesten gegenüber, 3 Wochen strengen Arrest, fürUngehorsam in Dienstsachen" (§ 92 des Militärstraf­gesetzbuches), 14 Tage strengen Arrest. Für feinBeharren im Ungehorsam", dem Posten gegenüber, weil er auf mehrmaliges Anrufen nicht stand, werdeii 8 Wochen Gefängnis, und weil er sich durch feine Trunkenheit unfähig gemacht hatte, am nächsten Morgen den Dienst initzumachen, nach § 191 des Militärstrafgesetzbuches 10 Tage strengen Arrest beantragt. Als Gesamtstrase werden 2 Monat 14 Tage Gefängnis beantragt Straferschwerend kommt die schlechte Führung des Angeklagten in Betracht. Tas Gericht s hließt dem sich m Anträge an und erkennt auf 2'1 onate 14 Tage Gefängnis. Die nächste Anklage richtet sich gegen einen Musketier der 2. Kompagnie, Ernst Bischoff aus Nieder-Sulzbach wegen 1 Gehorsamsverweigerung vor versammelter Mannschaft". Seme Führung wird als schlecht bezeichnet; er hat mehrere Disziplinär strafen erhalten. Am 28. Dezember wurde der Angekagte beim Exerzieren wiederholt zurückgeschickt, weil er nicht den richtigen Abstand von feinem 33orbennann hielt Der Unteroffizier ließ ihn sedesmal halten und seinen Abstand abschreiten. Als er zum drittenmale zurückgeschickt wurde, erklärte er dem Unteroffizier: Ich habe meinen richtigen Abstand, lind schritt den Abstand nicht ab. Im Gegensatz zu sämtlichen Zeugenaussagen behauptet der An­geklagte, daß er den Abstand abgeschrftten habe. Der Vertreter der Anklage beantragt fürGehorsamsverweigerung vor ver­sammelter Mannschaft" 2 Monate 14 Tage Gefängnis. Straf­erschwerend wirken die Vorstrafen des Angeklagten und fein hart­näckiges Leugnen. Das Gericht erkennt dem Anträge gemäß auf 3 Monate Gefängnis.

Paris, 19. Jan. Matrosen des Torpedobootes Nr. 74 deser- tierten in Algier und gaben an, daß sie von chren Vorgesetzten arg mißhandelt worden seien. Sie sind gestern zu Gefängnisstrafen von 36 Monaten verurteilt worden. Das Urtell wird als sehr- hart angesehen.

London, 18. Jan. Dr. Krause stand gestern und heute vor dem Zentral-Kriminalgerichtshof unter der Anklage/ den Hin­gerichteten Eornelins Broeksma zur E r m o r d u n g des ehemaligen Präsidenten der südafrikanischen Liga, Forster, a n g e ft i f t e t zu haben. Die gleichzeitige Anklage wegen Hochverrats wurde be­kanntlich früher fallen gelassen. Am Schluß der gestrigen Ver­handlung machte der Verteidiger geltend, daß Broeksma schon tot war, als der Brief Krauses an ihn, der die angebliche Anstiftung zum Mord enthielt, in Johannesburg vom Preßzensor angehallen wurde. Der Verteidiger wies dann an der Hand einer Anzahl Fälle nach, daß niemand eine Person, die tot ist, zum Begehen irgend einer Handlung anstisten kann. Der Lord-Oberrichter gab heute zu, daß die Frage, ob Anstiftung zum Mord vorliege, den Geschworenen nicht vorgelegt werden könne; dagegen bliebe der Versuch zur Ansttstung zum Mord als strafbare Handlung übrig. Der Verteidiger suchte dann nachzuweisen, daß Krause an eine Be­seitigung des Forster auf gesetzmäßige Weise, z. B. durch kriegs­gerichtliches Erschießen, gedacht habe. Die Jury erklärte Krause für schuldig. Auf die Frage des Oberrichters, ob er etwas zu sagen habe, erklärte Krause: Ich bestreite, daß ich je versuchte, irgend jemand zum Mord anzustiften, oder daß ich je Mord im Sinn hatte. Ich denke, Forster ist einer der Leute, deren Verhalten am meisten zur Herbeiführung dieses schädlichen Krieges beigetragen hat. Der Lord-Oberrichter verurteilte Krause bann zu 2 Jahren Gefängnis.

Miidel miö yerkrijr. DöUiswirtschast.

Märkte.

ko. Frankfurt a. M., 20. Jan. (Orig.-Telegr. deSGießen. Anz.") Amtliche Notterungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 16.5016.75, Kurhessischer Älk. 16.7517.00, La Plata Mk. 17.7518.00, Kansas Mk. 00.0000.00, Roggen (hiesiger) Mk. 14.2500.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.7516.50, Kleie Mk. 00.0000.00, Hafer Mk. 15.5015.75, Mais Mk. 00.00 bis Alk. 00.00, Weizenmehl 0 Mk. 25.5026.00, 2. Qualität Mk. 23.50 bis Mk. 24.00, 3. Qualität Alk. 21.5022.00, Roggenmehl 0 Mk. 22.5023.00, 1. Qualität Mk. 21.2521.50, Weizenkleie Mk. 8.50 bis Mk. 00.00, Roggenkleie Mk. 9.500.00, Maiskeime Mk. 9.50 bis Mk. 10.00, Frankenpfälzer Rieb Mk. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

ic. Frankfurt a. M., 20. Januar. (Telegr. Orig.-Bericht deS Gieß. Anz."). Amlliche ykitierungen der heutigen Viehmarkt­preise. Zum Verkaufe standen 414 Ochsen, darunter 127 aus Oesterreich, 34 Bullen, darunter 0 aus Oesterreich, 869 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 269 Kälber, 340 Schafe und Hämmel, 1247 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht. Ochsen 1. Qualität 6769 Mk., 2. Qual. 5963 Mk., 3. Qual. 5356 Mk.; Bullen 1. Qual. 54 bis 56 Mk., 2. Qual. 5052 2)lt; Kühe 1. Qual. 58-60 Mk., 2. Qual. 5557 Mk., 3. Qual. 4345 Alk, 4. Qual. 3234 Mk., 5. Qual. 30-31 Mk. Kälber: 1. Qualität7880Psg.,Lebendgewicht 46-48 Pf., 2. Qual. 6972 Pfg., Lebendgewicht 4042 Psg., 3. Qual. Schlacht­gewicht 5862 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 5860 Psg., 2. Qual. 5256 Pfg., 3. Qual. 4650 Psg.; Schweine 1. Qual. 67 Pfg., Lebendgewicht 5300 Pfg., 2. Qual. .66 Pfg., Lebendgewicht 52 Psg., 3. Qual. 58 bis 60 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gedrückt, Ueberstand sehr bedeutend.' bei Kleinvieh mittelmäßig. Markt: alles verkauj^^

^Neueste Aietvuugen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 20. Jan. Tic jüngste Krankheit des Kron­prinzen war ans folgenden Zwischenfall mit seinem Korps zurückzufuhren. Prinz Wilhelm, so wird der Kronprinz auf Wunsch des Kaisers von feinen Kommilitionen genannt, weigerte sich dem Befehl des Kneip Präses,in bi e ß an ne zu steigen", nachzukommen. Er beantwoitete besten kategorische Aufforderung: Prinz Wilhelm, steigen Sie in die Kanne" mit e.nem ver­nehmlichen Nein. Diese Auflehnung gegen den Kneip-Präsrs hatte zur Folge, baß der Kronprinz die Kneipe verließ.

Berlin, 20. Jan. Die Polizei in Leipzig, wo sich Frau v. Bennigsen zurzeit aufhalt, hatte die hiesige Kriminal­polizei verständigt, daß zwischen den beiden Schuldigen ein Brief­wechsel stattfiude und baß Falkenhagen in Berlin we.le. Als dieser gestern früh in ziemlich angeheitertem Zustande aus den Amorsälen ins Zeutralhotel zurückkehtte, empfingen ihn Kriminal beamte, die bereits mehrere Stunden auf ihn gewartet hatten, und brachtea ihn zur Revierwache. Bon dort aus wurde er zum Polizeipräfidium eskortiert und unter sicherer Bedeckung fand gegen Morgen um 8 Uhr seine Ueberführung nach Hannover

statt. Gleichzeitig wurde hn Zentralhotel eine Haussuchung t» seinem Zimmer vorgenommen und der aufs äußerste körn» promittierende Briefwechsel zwischen ihm und Frau v. Beunigsen mit Beschlag belegt. Die Rigorofität, mit der die Polizei i® diesem Falle des Duells vorgeht, ist vielleicht auf ein Gerücht zurückzuführen, das wisten will, daß FaUenhagen bei de» Duell uncommentmäßig gehandelt und vor dem Kom­mando geschossen habe.

Stuttgart, 20. Jan. Ueber den Brand im Königs yoftheater w,rd noch gemeldet: der König besuchte mit dem Branddirektor um 3 Uhr den 1. Rang, besten Anblick jeder Beschreibung spottete. Tie eine Waud gegen den König!. Privat- garten branutc zuerst nieder. Um 4 Uhr brannte auch daL Masch nengcbäude nieder. Auf der Brandstätte erschienen u. a. der Minister des Innern und der Kriegörninister. Mau nimmt an, daß der Brand durch elekttischen Kurzschluß entstanden ist, da das elekirische Licht, nachdem der Brand entdeckt war, voll' ständig verjagte. Von anderer Seite wird noch folgendes ge­meldet: Das Feuer brach kurz nach Mitternacht auf dem Schnür- boden aus und verbreitete sich in unglaublich kurzer Zeit über den ganzen Tachstock, sodaß der Schloßplaß und die benachbarte« Stadtteile taghell beleuchtet waren. Da bat Theater durch eine über die Straße führeude Pastage mit dem König!. Residenz- schlöffe verbunden ist, war lauge Zeit große Gefahr vorhanden, daß das Schloß ebenfalls von den Flammen erfaßt würde. Auf dem Balkon und dem Dache waren neben den Feuerwehrleute« Soldaten in angestrengtester Thätigkeit, um ein Uebergreisen der Flammen zu verhindern. Auch der König!. Marstall und die kath. Eberhardkirche waren lange in großer Gefahr. Von dem Inventar des Theaters konnte nur der kleinste Teil gerettet werden.

Obermoschel (Pfalz), 20. Zau. Zm Hause des Kauf­manns Kasimir Schmidt wurde besten Fran, 4 Kinder und die Magd durch Kohleuoxidgas vergiftet aufgefunden. Schmidt ist als der vorsätzlichen Vergiftung verdächtig verhaftet worden.

Washington, 19. Jan. Renter-Meldung. Der ametfr konische Konsul in Ganten telegraphiert: Eingeborene ernt ot> beten einen französischen Missionar in Ranhuing (Kwanktmg). 250 Meilen nordwestlich von Ganton.

Frankfurt a. M., 20. Jan. Zwischen derftröci franyaise" und dem Frankfurter Fußballklub wird anj 9. Februar im Palmengarten ein Wettspiel ftattfinben^ Es ist das erste Mal, daß eine französische Gesell,' schäft in Deutschland spielt-

Frankfurt a. M., 20. Jan. (Amtlich) Soweit die eisenbahntechnische Untersuchung des am 6. Dezember auf dem hiesigen Hauptbahuhof stattgehabten Unfalls, bau dem die Lokomotive des Luxuszuges Nr. 54 in den Warte^ saal fuhr, ergeben hat die gerichtliche Untersuchung ist noch nicht abgeschjlossen scheint der Unfall dadurch ent-, standen zu sein, daß das Lokomotivpersonal die für da^ Einfahren von Zügen gegebenen Sicherheits-Vor­schriften, die für den hiesigen Hauptbahnhof durch baS| Einsetzen von Sicherheitsmessern besonders verstärkt sind, außer Acht gelassen hat.

Stuttgart, 20. JaM Das Hofcheater ist mit Millionen Mark versichert. Die Baupflicht trägt der Staate London, 19. Jan. DerStandard" meldet auss Shanghai: Nach glaubwürdigen Berichten aus Peking ist Tungfuh iang am 15. Januar in Schleusia (Provir^ Kauu) im Jamen des Gouverneurs hingecichtetworden.

Paris, 20. Jan. Als Waldeck-Rousseau sich gestern nachmittag zu einer Sitzung begab, die der So-- zialist Rouanet für Bekämpfung der Tuberkulose veranstaltet hat, versuchten etwa hundert Nationalisten eine Mani­festation gegen ihn zu inszenieren. Sie hatten sich in einem Eas<- in der Äcähe des Oitzungs-Lokales versammelt und beabsicytigten nach Schluß der Sitzung den Wagen, Waldeck-Rousseaus mit Pfeifen und Sch mäh rufen zu em­pfangen. Die Polizei räumte indes das (Safe mit Gewalt^ wobei es zu einer Schlägerei kam. 6 Nationalisbeu! wurden verhaftet. Die Verletzten blieben im Cass ein» gesperrt- Einige, denen es gelungen war, zu entwischen^ riefen, als der Wagen Waldeck-Rousseaus schließlich schien,Nieder mit Waldeck". Sie zogen sich aber eins derbe Abfertigung aus der Mitte des Publikums zu.

Sofia, 20. Jan. Ein hiesiges Blatt berichtet über; einen vor längerer Zeit in der Staatsdruckerei verübtem Betrug. Arbeiter der Staatsdruckerei entwendeten undoecr äußerten zahlreiche Druckbogen und Stempelmarken. Dep Fiskus soll um 10 Millionen g eschädigt sein. Doch scheint die Ziffer übertrieben zu fein. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommeni.

Thur, 20. Jan. Hier wurden gestern bei Jesuiten sowie im Jesuitenkollegium Haussuchungen Vorgenom« men. Zahlreiche Papiere wurden bechlagnahmt. Eine An« zahl Jeuiten wurden von den Untersuchungsrichter geladen.

Calcutta, 20. Jan. Etwa 6000 Mann, die verschie» denen indichen Regimentern angehören, gehen demnächst nach Südafrika ab.

Washington, 20. Jan. Präsident Roosevelt empfing am Samstag in besonderer Audienz den Geheim­rat Goldberger aus Berlin, der vom deutschen Bot­schafter von Holleben persönlich vorgestellt wurde. Dev halbstündige (Änpfang nahm einen liebenswürdigen Der« lauf. Präsident Roosevelt besprach die industrielle und kommerzielle Entwickelung beider Länder, betonte warm­herzig dieFreundschafimitKaiserundReich und Die große Freude, die über den bevorstehenden Besuch des Prinzen Heinrich im ganzen Lande herrsche. Wie aus New-2)ork telegraphiert wird, sind Einladungerx für den Prinzen Heinrich aus so vielen Städten ein» gelaufen, daß deren Berücksichtigung ganz unmöglich ist. Die Wafhingtoner Diplomatie i|t von der politischen Be- deutung dieses Besuches überzeugt-

Telephonischer Kursbericht*

3*/t% Reichsanleihe 3»/. do. . .

31/,0/. Konsole . . .

3% do ....

3*Hessen . . .

3% Hessen ....

496 Oesterr. Go'drcnte 4,,96 Oesierr. bilberrente 496 Ungar, v-oldrente .

40/ Ital.en Rente , .

4i,9a Portugiesen . .

»/ Pertogieten . . .

196 Ö. Türken . . « Türkenlose .....

4% Cmeah. Menopo 1-Anl 4H',56 äussere Argenfinor

Frankfurt a. JA., 20. B-/q Mexikaner 4V2 / Chinesen Electric, bot uckert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstadt r Bank . Dreed ner Bank . . Ber iner Handelsgea. Oesterr Staatebahn . Lorn barden ... Gottharibahn . . . LtroraHÜtte . . . . Bochum . , « , , flarpener .

. 101.70 !

. 90.40!

. 101.70 |

. 90.40.

. 100.25

' 102'75

100.95

. 100.90

. 100.80

. 40.85

. 27.00

. 27.60

. 106.80

42.36

Januar.

. . 27.10 . . 88.15 . . 122.50

' 205*50 . . 186.70 . . 132.10 . . 138.90 . . 146.50 . . 142.20 . . 20.50 . . 168.60 . , 198.00 . . 186.2Q . . 165.70