Ausgabe 
19.4.1902 Zweites Blatt
 
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m. Mainz, 18. April. Die Genickstarre bei den Mannschaften des 1. Bat. 87. Jnf.-Regts. dahier ist er­loschen.

sc. A l z e y, 18. April. Aus einem Grundstück beiBiebeln- heim wurde in einer Tiefe von nur 3 Meter ein mensch­liches Skelett gesunden. Man glaubt hier einem bis jetzt ungesühnten Verbrechen aus der Spur zu sein.

sc. Bad Ems, 18. April. Der König von Schweden trifft am 15. Mai zur Kur hier ein und zwar unter dem Jruognito Graf v. Hagä.

* * Kleine Mitteilungen aus Hoffen und den Nachbarstaaten. In Mainz ist der ödjährige Gürtler Friedrich Selinger gestorben, der sich mit Salzsäure vergiftet hatte.

Vermischtes.

* Berlin, 18. April. Im Vororte Steglitz wurden heute Vormittag durch Einsturz des Gerüstes emes Neubaues ein Klempnergeselle getötet, ein Maurermeister und em Dachdecker schwer verletzt.

* Duisburg, 18. April. Die Frau des verhafteten Fabrikanten Terlinden ist gestern verhaftet und ins Ge­richtsgefängnis eingeliefert worden.

* Elberfeld, 18. April. Die Kriminalpolizei nahm letzte Nacht eine aus 8 Personen bestehende Falschmünzer­bande fest, welche seit längerer Zeit falsche Einmarkstücke in Umlauf gebracht hat. Die zur Herstellung erforderlichen For­men, sowie eine Menge falscher Stücke wurden beschlagnahmt.

* Crefeld, 18. April. Heute erfolgte auf der Strecke Crefeld-Uerdingen ein Zusammenstoß zwe ier Güter­züge. Der Materialschaden ist sehr groß. Sieben Wagen wurden vollständig zertümmert, ein Bremser verletzt. Die Verkehrsstörung ist wieder beseitigt.

Martig ny (Wallis), 18. April. Zwei Touristen Arthur Jmer von Lausanne und ein dort wohnender Ameri­kaner, die vor einigen Tagen eine Tour über den Anselpaß machen wollten und seither vermißt wurden, sind in der Schlucht oberhalb Bonavau todt aufgefunden worden

* Konstantin opel, 18. April. Da in Al exandrien neuerdings zwei Pcstfälle constatirt sind, wurde für Pro­venienzen aus Alexandrien eine fünftäge Quarantäne fest­gesetzt.

* Ueber die letzten österreichisch-ungari­schen Duelle wird gemeldet: Gelegentlich der Abstim­mung über die Resolution betr. die tschechische Gewerbe­schule in Budweis kam es, wie bekannt, zwischen den öster­reichischen ,Abgg. Walz und Dr. Steinwender zu einem scharfen Wortwechsel. Der Abg.* Walz ries dem Abg. Stein­wender, welcher den Präsidenten zur Vornahme der Ab­stimmung zu bewegen suchte, die Worte zu:Schämen Sie sich! Sie gehen immer mit den Christlichsozialen!" Dr. Steinwender erwiderte :Was wollen Sie? Ich werde Ihnen die Zeugen schicke n." Abg. Walz acceptierte mit den Worten:Ich stehe Ihnen zur Verfügung." Dies die Genesis der Duell-Affaire. Die Gegner und chre Sekun­danten trafen sich in einem dem Wiener Parlamentsgebäude benachbarten Lokal. Als Waffen wurden Säbel gewählt- Die Kämpfenden gingen mit solcher Vehemenz gegen einander los, daß die Zeugen wiederholt an die Wand gedrängt wurden. Im ersten Gang erhielt Abg- Walz einen flachen Hieb auf die Stirnquartfeite und im zweiten einen flachen Hieb auf den rechten Arm. Im dritten Gange versetzte Abg. Walz dem Abg. Dr. Steinwender eine Rückenquart, die eine Lappenwunde aus der Wange und am Kinn bewirkte. Daraus wurde die Kampfun­fähigkeit des Abg. Steinwender festgestellt und das Duell für beendet erklärt. An Ort und Stelle wurde von den Zeugen ein Protokoll ausgenommen dahingehend, daß die Angelegenheit in streng ritterlicher Weise zum Austrag gekommen sei. Die beiden Gegner schieden versöhnt. Dr. Steinwender ist gezwungen, das Zimmer zu hüten- Seine Verletzung ist.keine schwere. Aerztlichem Ausspruch zufolge dürste er zu Beginn der nächsten Woche soweit hergestellt sein, um den Sitzungen des Parlaments bei­wohnen zu können. Die Sekundanten des Dr. Steinwender waren zwei alte Herren derSilesia", die des Abg. Walz die Abg. Dr- Erler und Dr. Sylvester. Aus Budapest wird solgendes gemeldet: Zwischen dem Grafen Andor Festetics jun. und Michael Lang, dem Sohne des Geh. Rates Ludwig Lang, fand ein Säbelduell statt, bei dem Graf Festetics am rechten Ellbogen verwundet wurde. Aus Großwardein kommt folgende Nachricht: Der vormalige Husaren-Oberleutnant, Finanzbeamter Ujfa- lussi hatte mit dem Leutnant des 37. Landwehr-Jnfan- terie-Regiments Uhde ein Säbelduell wegen eines Wort­wechsels. Uhde erhielt einen Flachhieb, sein Gegner hin­gegen eine schwere Verletzung. Die Gegner versöhnten sich.

Gerichtssaal.

Vom Schöffengericht Friedberg wurde dieser Tage der Re- bacteur Vetters von dersozialdem.Mitteld. Sonnt.-Ztg." wegen Beleidigung des Stationsvorstehers Kiefer in Friedberg zu 150 Mk. Geldstrafe verurteilt. Vetters hatte dem Beamten in einem Artikel vorgeworsen, er bevorzuge bet Einstellung von Arbeitern und Hilfsackreitern diejenigen kacholischen Glaubens. Der Wahr­heitsbeweis mißlang.

Marburg, 18. April. Wegen Körperverletzung mit einer Waffe hatte sich vor der hiesigen Strafkammer der Bäcker Heinrich Reinhard aus Allendors a. Lumda zu verantworten, zugleich auch, weil er ohne polizelliche Erlaubnis mit einer Pistole ge­schossen habe. Am Abend des 3. November n. I. war der An­geklagte, ein junger Bursche, mit seinem Bruder und noch einigen Burschen aus Allendors in Nordeck in der Spinnstube. Abends gegen 10 Uhr verließen sie diese, um nach Hause zu gehen. In /einem der letzten Häuser, bei Krieb, wo ebenfalls Spinnstube ge­halten wurde, kehrten sie nochmals ein. Zugleich auch kamen mehrere Nordecker Burschen, die wegen eines unwesentlichen Vor­ganges mit den Allendorfer Burschen Streit anfingen, wobei ein Bursche, namens Rösser, es namentlich auf den Angeklagten abge­sehen hatte. Dieser verließ das Haus, um sich auf den Heimweg zu machen. Draußen aber wurde er von Rösser umhergestoßen und bedroht Bei diesem befand sich noch eine größere Anzahl Nordecker Burschen. Indessen erschien der Nachtwächter aus der Blldfläche. Reinhard lief nun wieder fort. Auf der Straße außer- -balb des Dorfes blieb Reinhard stehen, um auf die anderen Allen- oorfer zu warten. Jetzt kam Rösser abermals auf ihn $u und stieß ihn herum, weil er dte übrigen Allendorfer $u seiner Hilfe herbei­gerufen habe. Reinhard zog ein Taschen-Te>chin hervor und gab einen Schreckschuß ab, worauf ihn die Burschen Rösser und Lemmer auf einen Steinhaufen stießen. Nun schoß Reinhard noch etwa zweimal, wobei er mit Schrot den Rösser unbedeutend im Gesicht und am Halse verletzte. Das Urteil lautete, da der Gerichtshof Notwehr annahm, auf Freisprechung.

Frankfurt a. M., 18. April. Auf dem hiesigen sog. Bagatell­gericht hatte sich heute ein. Ämt sricht er^mit einer Unmasse kleiner Forderungsklagen herumzuplagen. Schließlich kam eine solche über 2,50 M. an die Reche. Als sich die Parteien ßaxmdft einigen wollten und immer längere Plaiüoyers vom Sta-

I per ließen,. erklärte der geplagte Richter:Set solcher Bagatelle wäre es eigentlich am Besten, ich bezahlte Alles selbst! Sprach's und griff resignirt in die Tasche. Die Parteien schmnnzel- ten, das Publikum schmunzelte. Der Richter aber zog sein Taschen­tuch, trocknete sich die amtssorgengefaltete Stirn und sprach :tfafjren Sie fort 1" Allgemeine Enttäuschung..

Kunst und Wissenschaft.

Prof. Harrrack's SchriftDas Wesen des Christentums" und die bann aufgestellte Lehre von der Verkündigung Jesu bildete derTarrnst. Ztg." zufolge den Gegenstand einer Besprechung vvn Mitgliedern und Freunden derN ieder-Wüllstädter Kon­ferenz" die am 16. in derRosenau" in Frankfurt a. M. statt­fand. Das Thema, sowie der dafür bestellte Referent, Ober- konsistorialrat a. T. W a a s, haben gewiß beide an ihrem Teil da­zu beigetragen, daß die Versammlung reckt gut besucht war. Es waren die Konserenzmitglieder fast zur Hälfte sowie einige Gäste erschienen. Der Ordner der Konferenz, Pfarrer Wissia rn Bad- Nauheim, war amtlich am Kommen verhindert; an seiner Stelle leitete Kirchenrat K a l b h e n n von Burggräfenrode die Verhand­lungen, die nach gemeinsamem Gesang mit Gebet und einer ein­gehenden Besprechung von Matth. 16, 1328 durch Pfarrer Lic. theol. Dr. Bert aus Weisenau eröffnet wurden. Ueber das oben genannte Thema hatte Oberkonsistorialrat a. D. Waas folgenbe Leitsätze ausgestellt, die zugleich den Gedankengang seines klaren und fesselnden Vortrags zeigen:

I. Harnack's Untersuchungen über die Verkundigimg Je,u wollen fein und sind historische Untersuchungen, aber nicht voraussetzungslose Untersuchungen.

II. Der stark in Zeitirrtümer verflochtene Jesus der Harnack- schen Schrift kann nicht das Licht der Welt und Gegenstand des Glaubens sein. ,

i II. Zur Verkündigung Jesu gehört wesentlich der Hinweis auf seine Wunder. (Matth. 11, 46, 20 ff.) Harnacks ablehnende Haltung gegenüber dem Wunder, die damit zusammenhängt, daß er nicht hoch genug von den geheimnisvollen Kräften denkt, die in den Tiefen der in sich und von Ewigkeit her von Gott, dem Vater, einigen Person Jesu ruhen, beeinträchtigt seine Darstellung der Verkündigung Jesu.

IV. So gut vieles ist, was Harnack über die Grundzüge und Hauptbeziehungen der Verkündigung Jesu sagt, so hat bei ihm die Person Jesu weder in der Verkündigung Jesu noch neben ihr den ihr zukommenden Platz. In ersterer Beziehung verweist Harnack den Sohn ganz aus dem Evangelium Jesu hinaus, wäh­rend in Wirklichkeit der Sohn der H a u p t i n h a l t des Evange­liums Jesu ist. Was aber die Bedeutung der Person Jesu neben seiner Verkündigung betrifft, so tritt hier die Person Jesu bei Harnack so sehr zurück, daß Jesus nur als der von dem zeitlosen Evangelium überragte Träger desselben erscheint.

V. Tod und Auferstehung Jesu ist nach Harnack kein Bestandteil der Verkündigung Jesu, der Glaube an die Heils- bedeu tung des Todes und der Auferstehung Jesu gehört vielmehr erst dem apostolischen Zeitalter an. Auch auf diesem Punkte findet eine Verkürzung der Verkündigung Jesu und eine Verkennung der Thatsache statt, daß das Evangelium und dasjenige der Apostel wesentlich ein und dasselbe ist."

Aus der sich anschließenden eingehenden Besprechung heben wir nur das hervor, daß nachgewiesen wurde, wie Professor Harnack durch die Weise, wie er willkürlich mit Büchern und Stellen der hl. Schrift umgegangen ist, den Standpunkt des Historikers, den er in biejer Frage einnehmen wollte, verleugnet hat, und daß anteilig betont wurde, wie die Leugnung der so gut bezeugten leib­lichen Auferstehung Jesu weder historischen Sinn, noch religiöses Verständnis für die einstige Verklärung der Menschheit nach Leib, Seele und Geist verrät.

Otto Scholdcrer. Im Frankfurter Kimstverein gelangt am 29. d. M. der künstlerische Nachlaß von Otto Scholderer zur Ver­steigerung. Der mit einem Porträt des Künstlers und mit einem warm empfundenen Nachruf von A. Spier ausgestattete Katalog ist soeben uns zugegangen. Er enthüll 116 verschiedene Nummern an Oelgemälden und Studien, und zwar Landschaften, Stillleben, Porträts und Genrebilder. Die öffentliche Ausstellung im Kunst­verein beginnt am morgenden Sonntag.

Universitäts-Nachrichten.

Marburg, 18. April. Professor Dr. K. Brand i ist zum or­dentlichen Professor für mittelalterliche und neuere Geschichte an der Universität Göttingen ernannt worden. Er scheidet schon mit Beginn dieses Semesters aus dem Lehrkörper aus und siedell nach Göllingen über.

Mit dem Sitze in München hat sich ein Komitee zur Errich­tung eines Pettenkofer-Denkmals in der bäuerischen Residenz gebildet und in Halle will der Bund der Landwirte dem Prof. Märker ein Denkmal setzen.

Kandunttschast.

Eine neue agrarische Gründung ist unter dem Namen Getreidemarkt, G. m. b. H.", am 15. April in das Handels­register des Amtsgerichts I Berlin eingetragen worden. Das Stammkavital der Gesellschaft beträgt 122 000 Alk. Geschäftsführer sind der Rittergutsbesitzer Dr. Rösicke-Görsdorf, Prof. Dr. Ruhland- Berlin, Direktor Telge-Steglitz und Direktor Plaskuba-Berlin. Der Gegenstand des Unternehmens ist: 1. Gründung einer Zeitung, welche die Bildung der Getreidepreise und der Preise aller sonstigen landwirtschaftlichen Produkte und sowie alle mittelbar ober unmittelbar bamit zusarnmenhängenben Fragen auszuklären hat; 2. weitere Maßnahmen zur Regulierung der Getreibeprelse.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

Gießen, 19. April. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr.Pfd. 1,101,20 Mk., Hühnereier 1 Stck. 56 Pfg., Gänseeier 1012 Pfg., Enteneier 67 Pf., Käse pr. Stück 57 Pf., Käsematte 2 Stck.0O Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,801,00 Mk., Hühner pr. Stück 1,001,50 Mk., Hahnen pr. Stück 1,201,80 Mk., Enten pr. Stück 2,402,60 Mk., Gänse pr. Pfd. 0000 Pfg., Ochsensleisch pr. Pfund 6676 Pfa. Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfuiid 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 64-66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,003,80 Alk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,508,50 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Äepfel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Urnhei^iehen fellgeboten werden.

Gottesdienst in der Synagoge Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde.

Dienstag, den 22. und Mittwoch, den 23. April 1902:

Passahfest.

1. Tag. Vorabend: 7^ Uhr. Morgens: 8^ Uhr Predigt. Nachmittags: 4 Uhr.

2. Tag. Vorabend: 81R Uhr. Morgens: 880 Uhr. Nach­mittags: 4 Uhr. Abends: 815 Uhr.

Famitien-Nachrichten.

Gestorben: Georg Becker, Lehramtsaccessist, Arhellgen. Frau Gertrud Jacobis geb. Kirchhöfcr, Jnbustrrelehrerin i. P., Darmstadt.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 19. April. Die Kommission des preuß. Ab­geordnetenhauses zur Vorberatung der Lex Ad ick es setzte am Freitagabend ihre Beratungen fort Zu § 9, der be­stimmt, daß die umzulegenden Grundstücke in einer Masse zu vereinigen und die bei der Umlegung überflüssig werden­den öffentlichen Wege und Plätze aber vorweg auszuscheiden sind, lagen verschiedene Anträge vor, die aber abgelehnt wurden. Angenommen wurde dagegen die Regierungs-Vor­lage mit folgendem Zusatz: Durch die Ueberweisung werden die Gemeinden und die sonstigen Wege-Unterhaltungspflich- tigen für die Einwerfung der öffentlichen Wege und Plätze abgefunden." Der Zusatz entsprach einem Zentrumsantrage. Schließlich wurde noch § 10 unverändert nach der Vorlage angenommen. Mittwoch wird die Vorlage weiter beraten.

London, 19. April. Die Erklärung, die im Unter­hause der erste Lord des Schatzes, Balfour, abgab, hat neue Hoffnungen erweckt. Man meint, wenn die Burenführer Pretoria verlassen haben, um srch mit ihren Kommandanten zu besprechen, handelten sie nur im Ein­klänge mit dem Gesetze der Buren, das den Führern be­waffneter Streitkräfte im Kriege die Pflicht auferlegt, von einem Friedensschluß die im Felde stehenden Burger zu befragen. Daß dieses Plebiscit günstig ausfallen werde, wird nicht bezweifelt. Ein Abgeordneter, der Südafrika kennt, erklärte sogar, der Frieden sei nunmehr that- sächlich gesichert. Selbst weniger optimistische Kreise räumen ein, daß die Friedens-Aussichten niemals günstiger gewesen seien als gegenwärtig. Jedenfalls haben die Buren­führer die britischen Bedingungen nicht rundweg verworfen und das ist immerhin schon eine bemerkenswerte That­sache.

Brüssel, 19. April. Der Advokat Spaak, ein Schwiegersohn des Abg. Janson, wurde zu 14 Tagen Ge­fängnis verurteilt, weil er sich weigerte, an dem Dienst der Bürgergarde »eilzunehmen. Alle Offiziere sind in den Kasernen auch des Nachts konsigniert. Der Gouverneur der Provinz Brabant schickte ein Rundschreiben an alle Bürgermeister, in dem ihnen das Ergreifen strenger Maß­regeln gegen die Störer der Arbeitsfreiheit zur Pflicht ge­macht wird. Die gestrigen verschiedenen Meetings waren äußerst stark besucht. In einem derselben, an dem über 5000 Personen teilnahmen, erklärte Vandervelde, das Volk solle sich vor die Thür des Königs be­geben und um Gerechtigkeit schreien.

Brüffel, 19. April. Aus B urenkreisen wird ge­meldet: Kitchener habe die Buren-Deputierten von Klerksdorp nach Pretoria berufen, um ihnen die letzten Bedingungen Englands vorzulegen, welche auf das Einwirken des Königs festgestellt worden seien. Die Bedingungen Englands seien jedoch nicht derart, daß sie den Frieden her­beiführen könnten und die Abreise der Burenführer von Pretoria muffe als Bew eis des Abbruches der Ver­handlungen betrachtet werden. Sobald die Führer zu ihren Kommandos zurückgekehrt feien, würden die Vor­bereitungen zur Winter-Kampagne beginnen.

Amsterdam, 19. April. In der Umgebung der Königin beginnt die Unruhe, da die Krankhell einen nor­malen Verlaus nimmt, einer h o ssnu ng so ollen Stimmung Platz zu machen.

Telephonischer Kursbericht.

Frankfurt a... 19. April 1902.

378% Reichsanleihe . . 3% do. . . . 37,% Konsols . . . . 3% do......

3*/g% Hessen .. . . 3% Hessen . . . . . 4% Oesterr. Goldretne . . 4%% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . .

4% Italien. Rente . . .

4*/2% Portugiesen . . .

3°/ Portugiesen, . . . .

1% C. Türken . . . .

Türkenlose ...... 4% Griech. Monopol.-Anl. 4/2% äussere Argentiner

101.70

92.25

101.70

92.15

100.15

102*50

101.65

101.20

100.90

43.60

28.55

1LL20

44.60

3u/q Mexikaner 47s7o Chinesen . Electric. Sohuckert Nordd. Lloyd . , Kreditaktien , . Diskonto-Kommandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatobahn Lombarden , , Gotthardbahn . . Laurahütte . . , Bochum . , « » Harpener ...

Tendenz: fest.

. 26.20 . 89.90 . 111.20

212*70 . 189.50 . 137.60 . 139.30 . 153.70 . 141.70 . 17.50 . 167.50 . 203.75 . 198.50

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