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unselige Beairmen sei Versündigung an dem Andenken der Königm und zugleich schnödeste Ungerechtigkeit gegen den König, der sich unsterbliche Verdienste um die Wohlfahrt Ungarns erworben habe. Schließlich drückt Jokai den Wunsch aus, der König möge in Mitte seiner treuen Unterthanen erscheinen, und sagt, ganz Ungarn werde seine Leibwache fern.
— Abgeordnetenhaus. Ministerpräsident v. Szell erklärte in Beantwortung der Interpellation Visontai über den Mädchenhandel, daß bezüglich des vom Interpellanten erwähnten Falles des Transportes von 40 ungarischen Mädchen, die unter Vorspiegelung ehrlichen Erwerbs zu unsittlichen Zwecken nach Hamburg gebracht seien, strenge Untersuchung eingeleitet worden sei, auch werde die demnächst ins Leben tretende Neuorganisation der Grenzpolizei künftighin solche Fälle unmöglich machen.
Aus mtb &nib.
Gießen, 18. November 1902.
- Einberufung des Landtags. Das Regierungsblatt Nr. 74, ausgegeben Darmstadt, 15. November, ver- öffenllicht folgendes Edikt, die Einberufung des 32. Landtages betr., vom 12. November 1902:
„Ernst Ludwig von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc. rc. Nachdem Wir beschloßen haben, Unsere getreuen Stände, traft dieses, auf Montag den 24. November einzuberusen, jo verkünden Wir solches hierdurch öffentlich und gesinnen an Unsere getreuen Stände, daß Sie sich an dem genannten Tage in Unsere Haupt- und Residenzstadl Darmstadt zur Ausübung Ihrer verfassungsmäßigen Rechte vereinigen und die Vorlagen entgegennehmen, welche Wir an Sie werden gelangen lassen. Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Grobherzoglichen Siegels. Gegeben Darmstadt, den 12. November 1902. (L. b.) E r nst L u d w i g."
** Ein Meteor. Zn vielen Orten Oberhessens ist am Sonntagnachmittag zwischen 5i/< und öy2 Uhr im Freien ein intensives, blitzartiges Aufleuchten beobachtet worden, das Wohl von einem ungewöhnlich hellen Meteor, einem Nachzügler des Mitte November fälligen ,Lenviden- schw armes" ausgeaangen ist. Ein Beobachter will auch das Meteor selbst erblickt haben; es schien sich im Fluge zu teilen.
** Tie Wanderer, Gießener Radfahr-Gesellschaft, leierten am Samstagabend auf dem Windhof ihr diesjähriges Stiftungsfest durch ein Festmahl, das mit humoristischen Borträgen und Musik verbunden war. Ter erste Vorsitzende Aug. Wehn überreichte bei dieser Gelegenheit dem zum Ehrenvorsitzenden ernannten Wilh. Hornberger das kunstvoll ausgeführte Tiplom zu dieser -Ernennung, indem er in längerer Rede hervorhob, welche großen Verdienste Herr Hornberger um den Radfahrsport und ganz besonders um den Verein der Wanderer G. R. G. sich erworben hat. — Tas Winterfest des Vereins wird am 18. Zanuar k. I. in Sterns Saalbau abgehalten.
n. Gr o ßen-Linden, 17. Nov. Tas Kalkwerk in unserer Gemarkung wird in aller Kürze eine bedeutende Vergrößerung erfahren. Der Besitzer Haas- Gießen erbaut im Laufe dieses Winters einen zweiten Ringofen, der ea. 30 Klafter Kalksteine fassen soll. Tie seitherige Schienenverbindung mit unserer Haltestelle wird eine Aenderung erfahren, statt wie seither Pferde zum Ziehen zu verwenden, wird in Zukunft der Kalk mittels einer kleinen Lokomotive na'ch dem Bahnhof befördert.
** Eine ungewöhnlich große Kälte hat uns in den letzten Tagen überrascht. Das Thermometer stand heute morgen y28 Uhr noch auf 7 Gr. R- unter dem Gefrierpunkt. Damit scheint es, als ob der Winter diesmal that- sächlich früh und strenge einseßen wird. Bemerkenswert war heute in den Morgenstunden die selten klare Lust, die sogar auf dem Monde die Berge und Meere schärfer als gewöhnlich hervortreten ließ. — In den nördlichen Gegenden herrscht der Winter bereits unumschränkt. <Shon im Oktober verzeichneten die nördlichen schwedischen Stationen und die Gegenden am Weißen Meere sehr st r e n g e Wintertemperaturen bis zu 15 Grad unter Null und die ätteften Leute konnten sich nicht erinnern, jemals in letzterer Gegend so stüh im Jahre harten Winter erlebt zu haben. Nach einer in der „Nowoje Wremja" enthaltenen Abhandlung des Meteorologen Gribojodoff erwartet man auch, daß die Newa bei Petersburg Heuer ungewöhnlich früh zusrieren dürfte, aus folgendem Grunde: In Archangelsk am Weißen Meere werden bereits seit 90 Jahren reguläre meteorologische Beobachtungen angestellt. In dieser ganzen Zeit ist im ersten Drittel des Oktobers das Quecksilber nie tiefer als bis —11 Grad Celsius gesunken; Heuer dagegen hatte man am 9. Oktober bereits —17 Grad. Tags darauf fror der Kanal vom Ladogo in den Onegasee zu und nun begann auch schon die Eisbildung auf dem riesigen Ladogasee, von lvelchem das Zufrieren der Newa abhängt. Nach den Beobachtungen der Station Sviritsch am Ladogasee, die im „W. $." jüngstens veröffentlicht wurden, fror die Newa 1898 zu, als die Summe der täglich um 7 Uhr morgens, 1 Uhr mittags und 9 Uhr abends gemessenen Kältegrade 56 betrug. In den Jahren 1893, 1900 und 1901 stellten sich diese Summen auf 53, 134 und 106 Grad. Nachdem nun schon am 10. Oktober (russsichen Stils, 23. Oktober neuen Stils) von Sviritsch gemeldet wurde, daß die seit Beginn der ersten Eisbildungen beobachtete Kältesumme 39 Grad betrage, rechnet man Heuer in Petersburg auf ein sehr frühes Zufrieren der Newa. Letztere fror am spätesten im Winter 1711/1712 zu (8. Januar neuen Stils), am frühesten 1706 (am 12-, nach neuem Stil 25. November). Heuer glaubt man, daß das Zustieren noch früher erfolgen werde. Wie aus dem hohen Norden ferner berichtet wird, scheint es nunmehr feststehend, daß vom Eismeer bis gegen das südwestliche Zentralasien hin sich eine Kältezone erstreckt, und demnach Nordosteuropa ein sehr strenger Frühwinter bevor steht, während unsere Gegenden ungefähr in der Mitte zwischen dem kalten Nordosten und dem roamicn Südwesten liegen und demnach bald an diesem, bald an jenem Wintertypus tei,l- nehmen dürften.
~ Mechanisches Theater. Man schreibt un8: Einen Kunstgenuß eigener Art kann man sich verschaffen, wenn man einer Vorstellung im .Mechanischen Theater' auf Oswalds Garten beiwohnt. Hier ist wirklich alles Kunst. Die Malerei erhebt sich über das gewöhnliche Niveau, die Mechanik an den einzelnen Figuren ist ebenfalls sehr fom- plizirt, und cS gehört cm hervorragendes Talent dazu, die Figuren daS ausführen zu lasten, was man von ihnen ver- langt Wenn man das Ganze richtig bezeichnen soll, so möchte man sagen, eS ist nut einem schönen verkörperten Märchen zu vergleichen. DaS, was wir aus Gullivers Reifen
Namen aiufgehalten haben, was vermuten läßt, daß er schon mehr auf dem Kerbholz bat Das Amtsgericht Herbstein nahm den Thatbestand noch gestern abend zu Protokoll, heute vormittag traf der Oberstaatsanwalt von Gießen ein und nachmittags fand die Sektion der Leiche statt. 9!ach >er ärztlichen Feststellung sind dem Opfer mehrere heftige Schläge mit einem stumpfen Instrument beigebracht worden; ferner weisen Kopf und Hals mehrere tiefe Stiche auf, wonach einer die Schlagader durchschnitten hat und deshalb den Tod herbeiführen mußte; zuletzt hat der Unhold seinem Opfer die Kehle durchschnitten.
Mainz, 17. Nov. Ein rätselhafter Vorfall hat sich hier am Freitag zugetragen. Ter 13jährige Knabe Winkler, der angeblich von einem andern Jungen in den Unterleib gestochen worden fein wollte, hat nicht einen Stich in den Unterleib, wie es ursprünglich hieß, sondern deren drei aufzuweifen. Nachträglich gab er bei seiner Vernehmung an, daß er das Messer verkehrt in der Hand gehabt hätte, als jemand aus seiner Familie gegen ihn gestoßen ei und ihm dadurch das Messer in den Leib getrieben habe. Taß dies einmal vorgekommen sein könnte, wäre glaublich, aber woher dann die drei Stiche kommen, ist rätselhaft. .Ta der Zustand des Jungen thatsachlich lebensgefährlich ist, wird die eingeleitete Untersuchung auch eine um so strengere sein, damit das Tunket, das jetzt noch über die Ursache des Vorfalles schwebt, gelichtet wird. — Sarah Bernhardt, deren hiesiges Gastspiel mit so großem Beifall aufgenommen wurde, begab sich nach Schluß ihres Gastspieles mit ihrem gesamten Personal in den Ratskeller, woselbst daS Souper eingenommen wurde und von hier sofort zur Bahn. „Haben Sie die Sarah auch gesehen^ ist das neueste Schlagwort.
MainL, 17. Nov. Tie von der hiesigen Handelskammer auf Veranlassung des Kreisamts Mainz angestell- ten Erhebungen über die Lage des hiesigen Arbeitsmarktes sind abgeschlossen. Im allgemeinen sind darnach in dem laufenden Jahre ungünstige Verschiebungen in den Verhältnissen des hiesigen Arbeitsmarktes — von einzelnen Ausnahmen abgesehen — nicht eingetreten und dürften auch für den kommenden Winter, außer dem regelmäßigen Ruhen gewisser, von der Jahreszeit abhängiger Gewerbe, nicht zu befürchten sein. Andererseits ist aller- dings auch auf eine Abnahme der Arbeitslosigkeit, soweit solche vereinzelt vorliegt, in nächster Zukunft nicht zu rechnen, und demgemäß nicht auf die Möglichkeit, daß etwa eine erhebliche Zahl von Arbeitskräften aus eingeschränkten Gewerbebetrieben in anderem Betriebszweigen Slufnahme finden könnten. Im übrigen ist bei Beurteilung vorliegender Frage zu berücksichtigen, daß die meisten in unserem Bezirke vertretenen Gewerbe, .. .e sie von der auffteigenben Richtung der Konjunktur nicht ? stark wie diejenigen anderer Bezirke beeinflußt wurden, -o auch von dem Niedergang weniger heftig in Mitleiben-
in Liliput als Kinder so gern und oft gelesen, La vor unseren Augen il)<
auch die Reise über Land und Meer. Hier kor
verschiedensten Gegenden und Städte der Erde kennen lernen, man erlebt Löwen- und EtSbärenjagden, Schiffsuntergänge, man sieht Szenen aus der Schlacht von Sedan u. s. w. Ganz verblüffend sind die Produktionen der kleinen Seil» schwenker-Automaten; dieser Mechanismus muß wohl von allen der komplizirteste fein. Wer sich einen reinen, ungetrübten Genuß verschaffen will, der scheue das geringe Eintrittsgeld nicht, er findet mehr, als er erwartet. Die Vorstellung füllt viel schöner aus, als man das erzählen kann. — Es muß auch erwähnt werden, daß das Theater geheizt ist.
Leihgestern, 16. Nov. Tas neuerbaute stattliche Schulhaus wurde heute nachmittag in feierlicher Weise seiner Bestimmung überaeben. Nachdem im Frühjahr 1900 die hiesige Schule dreiklassig geworden war, entschloß sich die Gemeinde zum Neubau, der im vorigen Jahre begonnen wurde. Bei der heutigen Einweihung versammelten sich kurz nach 3 Uhr zum Festzug die Vertreter der Großh. Kreisschulkommission, Regierungsrat Tr. Wagner, Kreisschulinspektor Drof. Tr. Lucius, Baurat Stahl, Kreisarzt Medizinalrat Tr. Haberkorn, Kreisstraßenmeifter Rohrer, der Ortsoorstand, die Lehrer mit ihren Klassen, der Äriegerberein, die beiden Gesangvereine und der Turnverein. Vor dem Schulhaus angekommen, spielte die Musik: „Nun danket alle Gott", wonach der Gesangverein ,Liederkranz" das Weihelied vortrug. Nunmehr übergab Baurat Stahl nach kurzem Tankeswovte an alle die, welche zur Herstellung des Neubaues mitgewirkt, den Schlüssel an den Regierungsrat Tr. Wagner. Tiefer hielt ebenfalls eine Ansprache, in ib.er er dem Wunsch Ausdruck gab, daß der stolze Neubau allezeit eine Pflanzstätte echter Volksbildung, wahrer Gottesfurcht, Zucht und Sitte fein möge. Ten Schlüssel überreichte er dem Bürgermeister und dieser dem Vovsitzenden des Schulvorstandes, Pfarrer Dekan Strack, der bte Weihe des Neubaues vollzog. Darnach fangen der Gesangverein „Eintracht", der gemischte Chor und die erste SchulUasse. Als Tekan Strack das Gebäude zur Besichtigung öffnete, spielte die Musik: „Ich bete an die Macht der Liebe." Tie innere Einrichtung des Schulhauses entspricht allen Anforderungen der modernen Schulhygiene.
Ilbeshausen, 17. Nov. Zu dem gestern von uns telegraphisch gemeldeten Raubmorde wird uns noch geschrieben: Ter Arbeiter Zinn t ritz, früher im Basaltwerk Ilbeshausen thätig, wurde heute Sonntag mittag, vermutlich von einem Kollegen ermordet, an der Jlbeshauser Grenze, Staatsstraße nach Grebenhain, mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Im dringenden Verdacht, den Mord begangen zu haben, steht ein Kroate, der flüchtig ist. Ter vermutliche Mörder ist ca. 20 Jahre alt, 170 Ctm. hoch, von schmaler Konstitution, blasser Gesichtsfarbe, trägt grünlichen Hut, schwarzen Anzug, schwere silberne Uhrkette mit schwerem Silbermünzenbehang in Größe von Fünsmarlstücken, moderne deutsche Schnürstiefel, spricht kroatisch und geht etwas nach vorn gebeugt. Dem Morde muß ein starkes Ringen vorausgegangen sein, wie die Spuren unmittelbar an der Staatsstraße zeigen. Ter Mörder hat sein Opfer in ein nahes Gebüsch geschleppt. Neben der Leiche lagen der entleerte Geldbeutel und die llhrkopsel. Zinntritz, ca. 50 Jahre alt, war mit feinem jüngeren Kollegen auf dem Wege nach Greben- Hain begriffen, um dort Arbeit zu suchen. Beide hielten sich in der verflossenen Woche in der Löfslerschen Wirtschaft zu Ilbeshausen auf. Zinntritz soll ca. 200 Mk. bei sich getragen haben. — Aus Grebenhain wird uns ferner geschrieben: Offenbar ist der Raubmörder durch die unerwartete Dazwischenkunft der Gewerbeschüler an der Beseitigung der Spuren seines scheußlichen Verbrechens verhindert worden; bic Leiche lag hinter den ersten Fichten- bäumchen an der Straße, jedenfalls sollte sie in der kleinen, nicht ganz stockwerkhohen Fichtenschonung von ihm verborgen werden, wo ein baldiges Auffinden nicht zu befürchten war. Alle Umstände, unter welchen die That begangen wurde, zeugen von der Raffiniertheit des Verbrechers. In Bebra soll sich der Mörder unter anderem
schäft gezogen worden sind, und daß bte nachtonigen öttt- ungen des letzteren wohl mehr in den Gefchästserträg- nissen, als in dem Umfang der Arbeiterbeschäftiguna ihren Ausdruck gesunden haben. — Ter Bericht spricht sich bann im einzelnen aus über Verkehrswesen, Nahrungs- und Genußmittel, Holz- und Holzwarenindustrie, Industrie der Steine und Erden, Baugeschäft, Kohlen- und Eisenindustrie, sowie Metallverarbeitung, Chemische Industrie, Textilwaren, Papierindustrie und Buchgewerbe und Leder- und Lederwarenindustrie.
Weisenau bei TZairu, 17. Nov. In der Brauerei zum schwarzen Bären von Gebr. Riffel wurden heute nachmittag infolge Explosion eines Bierfasses der Braumeister und ein Braubursche getötet und ein anderer Brau- bursche schwer verletzt.
r. Frankfurt a. M., 17. Nov. Tie 1. Hauptversammlung des deutschen Vereins zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten findet hier in der Zeit vom 8. bis 10. März 1903 statt. Ein Organisationsausschuß ist Bereits in der Bildung begriffen. Oberbürgermeister Tr. Adickes-Franksurt hat seine Mitwirkung zugesagt.
Frankfurt, 17. Nov. Die große Notstandsvorlage des Magistrats, die in der letzten Stadtverordnetensitzung von sozialdemokratischer Seite wieder reklamiert wurde, ist nun der OeffenUichkeck zugänglich gemacht worden und steht zur Debatte. Es ist eine ungemein gründliche und umfassende Arbeit des Oberbürgermeisters Dr. Adickes, der Ursachen und Wirkungen der Arbeitsnot kritisch prüft und baß Wesen der städtischen Hülfsmaßregeln und Konsequenzen klar legt. Im vorigen Winter wurde seitens der Stadt bereits Hervorragendes geleistet; so wurden rund 360 000 Mk. für Bahnbetriebsmittel, 772 000 Mk. Zusatzkredite für öffentliche Hoch- und Tiefbauarbeiten, 30 000 Mk. für Kleider-Lieferungen seitens hiesiger Gewerbetreibender bewilligt. In diesem Jahre greift eine bessere Organisation Plag, man weiß die Steigerung deS Zuzugs und das Herabdrücken der Arbeitslöhne zu vermeiden und hat vor allem größere Mittel bereitgestellt. So hat das Hochbauamt 800 000 Mk. für Bauten, daß ElektrizitätS- unb Bahnamt 605 000 Mk. für Beschaffungen unb Umbauten, baS Tiefbauamt für Lieferungen, Erb-, Kanalbau unb anbere Arbeiten 2 242 100 Mk. unb 25 000 Mk. für gewerbliche Kleiber, Mützen unb Stiefellieferungen zur Verfügung. Für eigentliche Notstanbsarbeiten sinb 40 000 Mk. für Erd- und Steinschläger-Arbeiten während strengen Frostes vorgesehen. Außerdem sind Bestimmungen über Beschäftigung Arbeitsloser während des Winters und eine Arbeitsordnung für die Notstandsarbeiten der Vorlage angehestet.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Auf Antrag der Handelskammer zu Friedberg wurde für Bad-Nauheim ein zweiter Vertreter, sowie für den Amtsgerichtsbezirk Laubach em neuer Vertreter genehmigt. — Der 11jährige Sohn des Porte- seuillers Reitz in Offenbach spielte mit seinen Geschwistern im Hofe mit Feuerwerkskörpern. Eine Rakete ging los unb fuhr dem Knaben in den Mund, wodurch ihm der Kopf auseinandergerissen und er sofort getötet wurde.
* * Der Alldeutsche Verband hat zur Erinnerung an die Anwesenheit der Burengenerale in Berlin zwei Postkarten anfertigen lassen, die zu Gun st en seiner Burensammlung vertrieben werden sollen. Tie, wie wir aut eigener Besichtigung bestätigen können, vorzüglich, ja künstlerisch ausgeführten Karten stellen bar 1. Die Generale un Reichsiage inmitten einer Griwpe bekannter Abgeordneter (Fürst BiSmarck, Dr. Arendt, Dr. Hasse, Gras Schwerin rc.). 2. Die Ansprache llhr. Tewets aus dem Festmahl des Alldeutschen Verbandes im Ratjcr- hof. Tie Karten können bei Entnahme von mindestens 10 Siück gegen 10 Psa. siir das Stück bei der Geschäftsstelle des Alldeutschen Verbandes, Berlin W. 85, Lützow'tr. 85 b, bezogen und im Einzel- tauf für 15 Pfg. in den Buchhandlungen gefordert werden.
Vermischtes.
• Aus dem Münchener Studentenleben liegen uns heute zwei Nachrichten vor. Die erste lautet: In eine schreckliche Lage kam am Sonntag früh ein Student, der in angetrunkenem Zustande in einen Lagerplatz geriet Er wurde von einem Hunde angegriffen, der ihm die Kleider buchstäblich vom Leibe riß, außerdem erhielt er von einem Unbekannten Messerstiche in den Kopf, in die Brust unb m die Beine. In bewußtlosem Zustande wurde er aufgefunden unb in die Chirurgische Klinik gebracht. — Zu einem größeren nächtlichen Skandal kam eS am Sonntag früh gegen 3 Uhr auf dem Stiegelmayerplah. Etwa 100 Studenten zogen, jeder mit einem Literkrug versehen unb mit dem Krugbeckel klappernd, auf dem Platz im Gänsemarsch unter Absingung von Stn- dentenliedem fortwährend im Kreise herum. Der £ärm, den sie verursachten, war schon am Bahnhofplatz vernehmbar. Zahlreiche Passanten hatten sich angcsammelt und erhoben laut Einspruch, doch konnten sie, da die Ruhestörer rocit in der Ueberzahl waren, nicht dagegen vorgehen. Auch ein Schutzmann war am Platz, doch hütete er sich, irgendwie emzugreifen.
• Die Affäre Humbert. Dem »Petit Parisien" zufolge ist festgestellt, daß die Humberts zwei Millionen auf die Reise mitgenommen haben. Thatsächlich wurden sie gegenwärtig in spanischen Schlössern gesucht Mehrere Pariser Blätter publizieren seit einigen Tagen kapitelweise eine Schilderung der Flucht der Familie Humbert wodurch im Publikum vielfach die Meinung entstanden ist diese Erzählungen würden mit dem Knalleffekt der Ergreifung der Humberts endigen, ganz wie die lange, romanhaft arrangierte Erzählung beS ,Matm" von ben Umtrieben der Madame Humbert damals ihren Schlußeffekt in der Ccffnung deS eisernen Schrankes hatte.
• Paris, 17. Nov. Auf eine schreckliche Weise ist Baron Frank umgefommen, der im Schlosse LaudeS, am Westabhange des Mont Suresnes wohnte. Vermutlich hat er vorgestern Abend im Bett liegend die Petroleumlampe umgeworfen, wodurch das Schloß in Flammen gesetzt wurde. Franck wurde als Leiche und gänzlich verkohlt aufgefunden. Das Schloß ist fast ganz niebergebrannt.
• New-P ort, 18. Nov. Nachrichten au5 Honolulu vom 11. Nov. zufolge meldet eine drahtlose Depesche von Hawai, daß der Vulkan Kilauea auf dieser Insel in der größten Eruption seit den letzten zwanzig Jahren begriffen fei.
* New-Port, 17. Nov. In Sioux City sind die Fabrikanlagen bc5 Armour Pocking Company niedergebrannt Der Schaden wird auf 900000 Dollars geschätzt


