Ausgabe 
18.10.1902 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

und Industrie, die den deutschen Sparern Milliarden ge­kostet hat, als die Karre rückwärts ging, träte von neuem auf. Nicht allein im Interesse der Produzenten, nein auch im wohlerwogenen Interesse der Konsumenten ist die gute Behütung unserer Grenzen gegen die ungehinderte Ein­fuhr von lebendem Vieh geboten.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Äctifcl übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Wir ersuchen die Herren Einsender, ihre Manuskripte nur <tttf einer Seile beschreiben zu wollen.

Tie Red. d. Gieß. Anz.

Solle« wir Jude« freisinnig wählen?

Die Antwort auf diese Frage wird bei den meisten meiner Glaubensgenossen eine bejahende werden, denn sie finden es selbst­verständlich, daß sie nur freisinnig wählen, selbst wenn sie innerlich dieser Parteirichtung nicht angehören. Ich erlaube mir, auf diese von mir aufgestellte Behauptung näher einzugehen.

Die Grundbedingung eines wahren Freisinns ist Toleranz in religiöser Hinsicht, liberale Anschauung auch auf dem Gebiete des Glaubens. Wie steht es nun in dieser Beziehung mit dem Land­juden, der, ebenso wie die Bauern zu der christlichen Wählermasse, immer noch das Hauptkontingent der jüdischen Wähler darstellt? Er ist in der Beobachtung religiöser Vorschriften streng konservativ, gestaltet auch nicht dem geringsten Fortschritt irgend welchen Rau,n und ist intolerant weniger gegen seine christlichen Mitbürger als vorzugsweise gegen seinen eigenen Glaubensgenossen, der aufgeklärt genug ist, der Stimme der Vernunft auch aus dem weiten Gebiete der Religion einigermaßen Gehör zu schenken. Ja, wenn es nur bei der moralischen Abneigung verbleiben würde, dann ließe sich dagegen nicht viel einwenden, aber man folgt diesem unglücklichen, der Aufklärung huldigenden Manne auch auf das materielle Ge­biet und bemüht sich, ihn, wenn auch nicht zu schädigen, so doch jedenfalls nicht zu fördern. Tas ist der Jdeengang der auf dem Lande lebenden meist starr an ihrem Glauben festhaltenden Juden; dieser Jdeengang ist wahrhaft orthodox, aber trotzdem wählt der Landjuoe freisinnig. Solche Juden müßten, ihren Herzens- gesühlen entsprechend, konservativ wählen, aber dadurch, daß sie dies eben nicht thun und sich an die freisinnige Partei anklammern, werden beide Teile geschädigt.

Ich bestreite ben meisten Landjuden das Recht, freisinnig zu wählen, da sie von der wahren Bedeutung des Freisinns kerne blasse Ahnung haben. .

Warum wählen nun trotzdem diese Leute freisinnig? Erkläre mir, Graf Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur! Sie wählen frtilmmg, geleitet von dem Triebe einer scheinbaren Selbslerhaltiing; sie behaupten, die freisinnige Partei habe von jeher unsere Gleich- berechliguna verfochten und an ihr fänden wir immer unjcren stärksten Rückhalt. Taß die freisinnige Partei, hauptsächlich die alte Fortschrittspartei, immer für die Gleichberechtigung der Juden eingetreten, ist Thatfache, aber hätte diese Partei denn je die Gleich­berechtigung erzwungen, wenn nicht die deutschen Fürsten, ins­besondere daS eole Geschlecht der Hohenzollern, sie nicht aus freien Stücken concebirt hätten? Ohne das Entgegenkommen der deutschen Fürsten hätten wir heute ferne konstitutionellen Ver­fassungen und ganz bestimmt feine Gleichberechtigung der Juden. Wir haben also unseren Tank für die Gleichberechtigung den deutschen Fürsten, insbesondere dem Hause Hohenzollern, nicht der Fortschrittspartei auszusprechen, die aus eigener Kraft niemals etwas für die Juden hätte erreichen können.

Welches Hauptprinzip verfolgt aber im übrigen die freisinnige Partei? Tie Uebertragung der Regierungsgewalt auf den Reiche tag, also die Schwächung der Krone, die politische Schwächung des Trägers der Kaiserkrone. Nehmen mir an, die freifinntgen Grundsätze würden in unserer Regierungssphäre zur Anerkennung gelangen, sodaß also der Reichstag allein ausschlaggebend, nur sein Wille das oberste Gesetz wäre, wer bürgt uns beim dafür, daß die freisinnige Partei überhaupt je die Majorität im Reichstage erlangen würde? Wir müssen, falls wir vermögend sind, klar, vorurteilslos die Volksleidenschaften zu würdigen, mit der fest­stehenden Thatsache rechnen, daß über kurz oder lang eine anti­semitische Mehrheit im 'Reichstage erscheint, und soll diese Partei als­dann aus Grund der freisinnigen Prinzipien die Regierungsgewalt, wie in den parlamentarisch regierten Staaten ausüben, eofl als­dann der Obhut dieser Partei das Kleinod unserer Gleichberech­tigung anvertraut werden, einer Partei, die nur ihre Existenz dem Hasse gegen die Juden, nicht aber der Urteilsfähigkeit ihrer Wähler verdankt? Wir haben in Deutschland Tausende von Wählern, die davon überzeugt sind, daß der südifche Kaufmann heute ein nütz­liches und notwendiges (ilentent in der deutschen Volkswirtschaft ist, und sie wählen trotzdem antisemitisch, weil eben die (Ein­gebungen des Haffes stärker sind wie die des Verstandes. Tie erste Handlung einer solchen antisemitischen Mehrheit wäre die Auf­hebung der Gleichberechtigung der Juden, indessen, dem Himmel

sei gebankt, wie bie Verhältnisse heute liegen und wenn bet ganze Reichstag aus Antisemiten bestände, an der Gerechtigkeit unserer Hohenzollern würden alle bieie Versuche wie bie Wogen an dem Fels im Meer macht- und kranlos abprallen, denn noch ist unser Kaiser der lebendige Repräsentanl dasrocher de bronce und baS Mium cuiqae seiner erlauchten Ahnen. Unser politisches Interesse ersorbert: Unbedingte Aufrechterhaltung der uneingeschränkten Macht der Krone, Bekämpfung aller berjemgen Bestrebungen, die bie Er­weiterung der Macht ,bcr sogenannten Volksvertretung" zum Ziele Haden. Ich sage nut vollem Bewußtsein »der sogenannten Volksvertretung', beim sind die Faktoren von Lug unb Trug immer an der Geburt eines neuen Reichs­tages unbeteiligt ? Wer eine glückliche, zugkräftige, mit schönen Phrasen verbrämte Wahlparole, und sei sie innerlich noch so haltlos unb unwahr, erfindet, der ist säst immer der eigentliche Schöpfer einer Volksvertretung. Tiefem Produkte einer vielfach gefälschten öffentlichen Meinung gegenüber steht die Wahrheit, die Gewissenhaftigkeit und Gerechtigkeit, die nur von der Krone aus- strahlen, nur in ihr in politischer Beziehung ihren festesten Grund haben. Unsere Pflicht ist e5 deshalb, unter keinen Umständen frei­sinnig ober demokratisch zu wählen, sondern nur für diejenigen Parteien zu ftimmen, die unentwegt für ein starkes 'Kaisertum gegen die Parlamentsherrschaft em treten, denn nur ein wirklich regierendes Kaisertum, kein Schattenkaisertum, ist die sicherste Grundlage unserer öffentlichen Wohlfahrt. Also nochmals der Appell an meine Glaubensgenossen: Handeln wir nach ben im Vorstehenden entwickelten Anschauungen, wählen wir dement­sprechend zum Reichstage, bann haben wir unsere Pflicht gegen unser beutsches Vaterland unb uns selbst erfüllt!

Gießen, 8. Oktober 1902.

Hochfeine, stilvolle > Hof-Möbelfabrik und

> j Kunstsohreinerei von

Einrichtungen \

758 Etablissement allerersten Ranges.

Grossh. Hessischer und Kaiserlich Russischer Hoflieferant

Permanente Ausstellung von 120 Zimmer-Einrichtungs

Auf Wunsch kostenlose Unterbreitung meiner Haupt-Kollektion

Jul. Bach

Seltersweg - Blockstrasse Spezial-Abteilung für Porzellan, Glas und Haushaltungsartikel

empfiehlt

« liitaM in grosser Auswahl

Ofenschirme - Fell v°rlagen

7318 dreiteilig 5 Fell-Teppiche

Kohlenkasten Ofen-Vorsetzer Fuss-Säcke etc. etc.

Bekanntmachung.

Die Lieferung bes erforderlichen KorustrohS für das städtische Schlachthaus, ca. 100 Ctr. Maschinendrusch oder Preßstroh soll in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden. Angebote hierauf sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift bis zum 26. d. Mts. bei uns einzureichen.

Gießen, den 16. Oktober 1902. 7296

GroßherzogUche Bürgermeisterei Gießen.

______________Mecum._______________

Bekanntmachung.

Montag den 27. Oktober d. I., vormittags 10 Uhr, be­ginnt in dem Schulhausc in der Neustadt ein achtwöchentlicher Kursus der Haushaltungsschule.

Die Schülerinnen werden in weiblichen Handarbeiten, be­sonders aber im Kochen unb in ber Führung eines einfachen Haus­haltes unterrichtet. Diejenigen, welche den Kursus besuchen wollen, können sich bei der betreffenden Lehrerin, Fräulein Anthes, ober bei dem unterzeichneten Lehrer in der Stadtmädchenschule melden.

Gießen, den 13. Oktober 1902. 7231

Für den Schulvorstand:

Mecum, Bürgermeister. I. V.: Schaaf.__________

Arbeits-Vergebung.

Die Lieferung und Ausstellung einer Umzäunung au- ver­zinktem Drahtgeflecht für den Hochdruckbehälter an der Grün­berger Chaussee bei Annerod soll auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden.

Die Bedingungen, Zeichnungen usw. liegen während der Dienst- stunden auf unserem technischen Büreau zur Einsichtnahme auf, auch sind wir bereit, den Interessenten am Orte der Ausstellung am Dienstag dem 21. d. Mts., vormittags von 1011 Uhr, Auskunft zu erteilen.

Angevote sind bis zum 27. Oktober d. I., vormittags 11 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bei uns einzureichen.

Gießen, am 14. Oktober 1902. 7228

Städtisches Gas- unb Wasserwerk.

Otto Bergen.

Prenss. Renten-Ver sichernngs-Anstalt

(Vereioherungevereln auf Gegenseitigkeit)

Gegründet 1838. tu Lerltll, Katserdolstr. 2. Gegründet 1838.

Renten- und Kapital-Versicherung

auf den Lebensfall

besonders empfehlenswert zur Erhöhung des Einkommens, zur Altersversorgung und zur Sicherstellung der Mittel für Aussteuer, Studium und Militärdienst 584

Vertreter: Chr. Emil Derschow, Frankfurt a.M., Kaiseretr. 14,Kaiserpl.

Geschäfts-Empfehlung.

Den geehrten Garten- unb Dillen-Besihern von Gießen unb Umgegenb empfehle ich mich im

Anlegen von Gärten

in jeher Ausführung, sowie im Einlegen unb Einpflanzen von Rosen, im Beschneiden unb Kalken von Obstbäumen und Neu- anpflanzunaen. Auch übernehme ich Gärten in Behandluna auf bas ganze Jahr. Alle mir übertragenen Arbesten werde ich ge- roifienfjaft und fachmännisch ausführen. 7187

Karl Pfeiffer, LanWstMrtner

Klein-Linden, Frankfurterstratze 88.

Bestellungen werden in der Gärtnerei Wilhelmstraße 16 entgegengenommen.__________________________e______________

Homburg v. d. H.

1727

Niederlagen bei:

Konsum-Halle, Heuchelheim.

Gebr. Adami, Mäuaburg.

Jao. Friesleben, Bahnhofstr.

H. Belloff II., Alicestrasse.

W. Möser, Beltersweg.

Ferdinand Zimmer, Lieh.

Gegründet 1843.

Cognac

A. C. Müller, Langgöns. Aug. Seibert, Wieseck. W. Brüok, Wissmar.

CognacGreil aut Globus*

/, Fl. JL 1.80, 2.40, 3., 4., 5, aus französ.^ Wein gebrannt

V» u- 7* Fl- verhältnismässig.

Literfl. JL 180 u. 2..

^nerkanntjeinste^arKe^s

« I by* Jeglichen kiinsllicbei

^Ae in er n ^Essenzen.

Erste Taunus-Cognac-Br en nerei

Fritz Scheller Söhne

xlx Fl. JL 8.. 4., 5. 7t n. 7t FL verhältnismässig.

Bei Drüsen, Scrofeln, englischer Krankheit, Hautausschlag, Gicht, Rheumatismus, Hals- und Lungenkrankhelten, altem Husten, zur Stärkung und Kräftigung schwächlicher, blutarmer Kinder giebt es nichts Besseres als eine Kur mit meinem beliebten, ärztlicherseits viel verordneten

Lahüsens -L Leberthran

EOWge MnmrschklMg sucht in besseren Kreisen gewandte Persönlichkeit zur diskreten Vermittelung guter Geschäftsabschlüsse. Hohe Provisionen unb bei bauerndem Erfolg außerordentliche Nebcndezüge ge­währleistet. Offerten bittet man unter iRr. 04444 an die Geschäftsstelle d. Bl. gelangen zu lassen.

Ich war kahl.

(Bestandteile: 0,2 Eisenjodür in 100 Teüen ff. Leberthran)

Der beste und wirksamste Leberthran. Wirkt blutbildend, Säfte er­neuernd Appetit anregend. Hebt die Körperkräfte in kurzer Zelt. AUen ähnlichen Präparaten und neueren Medikamenten vorzuziehen. Geschmack hochfein und milde, daher von Gross und Klein ohne Widerwillen genommen. Letzter Jahresverbrauch circa 100000 Flaschen, bester Beweis für die Güte und Beliebtheit. Viele Atteste und Dank­sagungen darüber. Preis 2 u. 4 Mk., letzte Grüsse für längeren Ge­brauch profitlicher Man hüte sich vor Nachahmungen, daher achte man genau beim Einkauf auf die Firma des Fabrikanten Apotheker Labanen In Bremen. 7122

Zu haben In allen Apotheken. Hauptniederlage In Gieewen: Univ.-Apotheke zum gold. Engel; In Frankfurt: Löwen- und Eio- horn-Apotheke; In Cassel: Löwen-Apotheke.

Panzerkassen, Aktenschränke 8493

für Gemeinden und Behörden,

Kassetten und Kopierpressen

P reis würdig.

r. ixrogmann, Kassenschrankfabrik.

MS ich fahl war, kam ich ta vksitz einet ERetepirS zur Hrrstrlluug eines echten Haar» wuchsmitlUs. Är.B Haar wach» so, wie es setzt ist, in uugesähr 40 Tagen. Hundert andere Lhnliche FLlle. Ich verkaufe dieses vorzügliche Präparat. Zum Versuch sende ich Ihnen eine Dose discret gegen Einsendung von 20 Pfg. in Briefmarken, versulden Sie cs, wie ich, und überzeugen Sie sich, «chr idru Sie bitte unter Lngade dieses Blattes an

J. Craven-Bureigh, Berlin SW. 875 Leipzigerstr. 84.

'eld-Schränke

Bügel-Kursus.

Damen können Fein- unb Glanzbügeln grünblich erlernen,

Beginn Mittwoch den 15. Oktober.

Anmeldungen nimmt jederzeit entgegen 7013

_________Fm Pfeil, koctWch 50,1.

S

5

Verkaufsstelle meiner Waren bei

N. Reiss, Giessen, Mänsburg 12,

Frankfurter Schublager. 184

Trutz dkMnNttiMWgs

sind mir in der Lage, große Posten nur

w prima Ware schmWe Welbretter «TÄÄ 1.45 per Quadratmeter abzugeben. 7041

Bachenheimer & Schanmberger,

Holzhandlung, Marburgerstraße 22.

Im Sturmschritt

sich heute die Erfindungen. Im Wettlauf

Ä

der Waschmittel ist Dr. Thompsons Seifen- pulver, Marke SCH W AN, das erste allerSelfeo- pulver, unerreicht an der Spitze, well es noch heute von derselben unübertrefflichen Gute Ist

wledamals.alsesdaseinrJgeSeifenpulverwar. Zu haben in allen besseren Handlungen!

Ca

Lo Lo

Emil

Jl AHein «roß'

D r-v

W et»«'

W4t Wiltui

(atziH

Bri^ 8* P.

Istiche 5 Prrislagi flafh taid

-ich 1« r