Heer und Flotte.
Am 22. und 23. Sept., nach Beendigung der Manöver des 18. Armeekorps, findet unter Leitung des kommandierenden Generals vom 18. Armeekorps, von Lindequist, Lei Birst ein im Kreise Gelnhausen noch eine interessante Angrnfsubung mit schwerer Artillerie, verbunden mit Scharsichießen, statt. An diesem Angriff, bezw. dem Scharfschießen sind beteiligt: ein Bataillon Infanterie, ein Feld- Artillerie-Regiment und ein Regiment schwerer Feldhau- bitzen. Angriffsobjekt wird wohl der im Kreise Büdingen liegende sogenannte „Galgenberg" jein, der L Zt. durch Pioniere befestigt wird. Als militärische Zuschauer sind eine größere Anzahl Offiziere geladen. Den Angriff leitet Generalmajor v. Viebahn, Kvwrnand. der 50. Jnf.-Brig., die Verteidigung ftchrt Oberst Frhr. Rüdt v. Collenberg, Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 115. Das Regiment schwerer Feldhaubitzen wird formiert aus den Fun-Artillerie-Regimentern Nr. 3 und 9. Stad und L Bataillon Feldhaubitzen-Regiments stellt das Fuß-Art.-Regt. Nr. 3, das 2. Bataillon des Fuß-Art.-Regt. Nr. 9. Die Formation des L Bataillons hat am 15. d. M. in Mainz begonnen, die Formation des 2. Bataillons findet vom 17. September ab in Hanau a. M. statt. Die geladenen militärischen Zuschauer nehmen während der Uebungstage im Kurhotel zu Bad Orb Quartier.
Ausland.
Haag, 17. Sept. Prinz Heinrich der Niederlande, der Gemahl der Königin Wilhelmina, ist zur Fortsetzung seiner Kur nach Aachen zurückgekehrt.
Paris, 17. Sept. Der Generalgouverneur von Mada- gascar erstattete gestern Bericht über die Ansiedelung von Buren in Madagascar. Danach soll die Zahl der Buren, die sich dort niederzulassen gedenken, ziemlich beträchtlich sein. Es werden bereits große Vorbereitungen zum Empfange getroffen. Man glaubt nicht, daß die Einwanderungen diplomatische Schwierigkeiten machen werden. Die französische Regierung wird die Ansiedelung unter der Bedingung gestatten, day die Buren französische Unter- thanen werden.
— Der^Kövig von Portugal wird in den ersten Tagen des Oktober zu einem sechswöchentlichen Aufenthalt hier eintrcf, en. Der König Wirch alsdann voraussichtlich auch dem König Eduard einen Besuch abstatten.
Peking, 17. Sept- Der ameritamsche Gescutttte Conger übergab denr Auswärtigen Amte am 2. August 1902 einen geschriebenen Brief Dr. Canrights, der als Missionar in Chengtusu in der Provinz Szerschwan thätig war. Dieser flieht eine Schilderung von der Niedermetzelung der eingeborenenChriftenim Juli 1902. über die bereits bereits telegraphisch berichtet würbe. Canright sagt darin, daß elf Christen durch Boxer getütet wurden. Die chinesischen Beamten weigerten sich, gegen die Feindseligkeiten Maßregeln zu ergreifen. Die Missionare wurden damals durch Soldaten bewacht. Nach einem jüngst aus- gegebenen Telegramm Canrights verschlimmerte sich die Lage noch,
Washington, 17. Sept. Die Regierung hat ein in äußerst scharfem Tone gehaltene Note in Bukarest über» reeichen lassen, welche gegen die gegenüber den rumänischen Juden getroffenen Maßnahmen protestiert. Amerika sieht in dem Verhalten der rumänischen Regierung eine Verletzung des Berliner Vertrages und wird die Protetz- uote allen Unterzeichnern desselben zustellen.
Kolouialpost.
Für die Konstruktion geeigneter Maschinen zur exportfähigen Bereitung der Produkte der Oelpalme setzt das Koionialwirtschaftliche Komitee einen Geldpreis von 1500 Mark aus. Zu Versuchen der sich bewerbenden Fabriken sind dem Komitee durch das Auswärtige Amt, Kolonialabtellung, genügende Mengen Oel- palmensrücyte zur Verfügung gestellt.
Ueber die Expedition des Oberstleutnants Pavel nach dem Tschadsee berichtet das „Kol.-Bl.": Aus dem von Oberstleutnant Pavel über (einen Zug nach dem Tschadsee erstatteten vorläufigen Bericht, datiert Ga- rua, 8. Juni 1902, ist zu entnehmen, daß die von dem Kominanoeur der kaiserlichen Schutztruppe befehligte Expedition am 26. März von Garua abmarschiert ist, die Ngollo- und Lebelebaberge unter Gefechten durchquert, Ditao am 21. April uttd den Tschadsee am 3. SDlai erreicht hat. Der Rückmarsch wurde den Logo entlang über Karnak-Logon nach Mama genommen. Dte Wiederankunft in Garua erfolgte am 7. Juni- Dem Sultan wabern von Jo la wurden in den Ausläufern der Mandaraberge westlich von Nlarua zwei Niederlagen beigebracht, ohne daß es jedoch gelungen roäre, ihn gefangen zu nehmen. In Dikoa wurde eine sranzüsifche Garnison — Kapitän Tangevill mit einem weißen Unteroffizier und 50 Spahis — vorgesunden. Diese wohnte der feierlichen Hissung der deutschen Flagge bei und zog hierauf auf französisches Gebiet ab. Weitere französische Garnisonen in Kusseri und Gulfei zogen beim Nahen Der Expedition gleichfalls ad. Die Engländer verhindern von Englisch-Bornu ans den Handel mit Deutsch-Bornu, indem sie den von Norden tommenben Handelslarawanen den Uebcrtritt auf deutsches Gebiet verwehren. Sie haben ferner durch allerlei Versprechungen den Sultan Gentail veranlaßt, mit seinem Volle aus Dikoa auf englisches Gebiet uberzusiedeln. Von Seiten Pavels wurde hiergegen energischer Protest bei den englischen Behörden eingelegt. Dikoa und Garua erhielten deutsche Garnisonen, und zwar Dikoa 50 Mann unter Oberleutnant v. Bülow und Garua 50 Mann unter Oberleutnant Dommil. Obersileulnont Pavel trat am 8. Juni b. I. von Garua aus den Rüctmarsch zur Küste an und ist Mitte August in Duala eingetroffen. Das Hinterland von Kamerun i|t nun thatsächlich in Besitz genommen, lieber das weitere Ergebnis der Expedition, über die politische und wirtschaftliche Lage des ^schadsee- gebietes wird jiä) ein Urteil erst gewinnen lassen, wenn der von Oberstleutnant Pavel in Aussicht geftetlte euigehende Bericht hier vorliegt.
AuS einem Bericht des Gouverneurs von Teutsch-Süd- westafrila, datiert Wliidhoek, den 17. Juli 10, geht hervor, daß Die bisher bestehende Heliographenlinie naaj Gideon nunmehr bis Kcetmanshovp ausgedehnt worden ist. Bon jetzt ab ist mithin über Wilidhoek eine telegraphische Ver- dindnng bis nach dem zuletzt genaniiten Orte hergestellt.
Aus H1M unb ^unb.
Gießen, den 18. Sept. 1902. Mitteilungen aus bent Publikum werden gern entgegengenommen und annernennt honoriert.
•• Personalien. Ter Regierungsassesior Haberkorn, welcher mit Aushilfeleistung bei der Provinzial-Direktion und dem Kreisamt Gießen beauftragt wurde, ist hier eingetragen und hat den Dienst bei genannter Behörde abgetreten.
— Während deS AufenthalleS des Großherzogs iu Friedberg ist der TislriktSkommandeur des Gendarmeriekorps Oberhessen, Oberstleutnant Frhr. v. Norm an n, nach Friedberg abgereist. Er trifft voraussichtlich am SamStag hier wieder em.
v. Personalien der Handelskammer. Ter Posten eines Sekretärs der Großh. Handelskammer Gießen, welcher dem Herrn Vogel seinerzeit nur provisorisch übertragen worden war, ist nun definitiv besetzt. Die Kammer hat die Stellung einem ersten Fachmanne, dem Herrn Dr. Knipp er, einem geborenen Oberhessen, übertragen, der schon gegen Ende dieses Monats das Amt übernehmen wird. Dr. Knipper war zuletzt zweiter Sekretär der Handelskammer zu Halle a. d. Saale und vorher in Diensten der Aeltesten der Kaufleute zu Berlin thätig. Die Doktorarbeit unseres neuen Handelskammersekretärs, die das Verbot resp. die Beschränkungen des Börsen-Terminhandels zum Gegenstände hat, und die seinerzeit in den Schmoller- schen Sammelhesten für Sozialpolitik Aufnahme gefunden, hat weitere Kreise auf Dr. Knipper aufmerksam gemacht.
* • Marktbericht. Die Marktberichte des „Gieß. Auz." haben von jeher die größte Anerkennung gefunden und der ländlichen Bevölkerung in vielen Fällen neue Absatzgebiete erschlossen. Es liegt deshalb im Interesse der Landbevölkerung, den „Gieß. Anz." wiederum rechtzeitig zu abonnieren, um eine verspätete Zustellung nach dem 1. Oktober zu vermeiden. Bei der großen Auflage des Gießener Anzeigers — sie ist bei weitem die höchste von allen Zeitungen in Ober- Hessen — haben selbstverständlich anch Inserate den größten Erfolg.
* * ßu den Landtagswahlen. Die Centrumspartei hat nach dem „Mainz. Journ." die Aufstellung der Kandidaten in den für sie in Betracht kommenden Wahlkreisen meist vollzogen. In den Wahlkreisen Ober-Ingel- heim-Finthen und Bingen-Stadt kandidiren die bisherigen Centrums-Abgg. Dr. Frenay und Redakteur Pennrich wieder. Im Wahlkreise Dieburg-Groß- Umstadt, den bisher der antisemitische Abg. Ohl vertrat, hat das Centrum den Verwalter Uebel-Dieburg aufgestellt. Im Wahlkreise des nationalliberalen Abg. Heid en reich, in Wald-Michelbach-Fürth kandidirt für das Centrum der Pfarrer Blum-Ober-Abtsteinach. Die Proklamirung des Kandidaten für den früher vom verstorbenen Abg. Wasserburg und während der letzten Legislaturperioden durch einen Sozialisten vertretenen Wahlkreis Offenbach-Land, für welchen Bürgermeister Lammert in Bürgel allerseits vorgeschlagen wird, soll in den nächsten Tagen endgiltig erfolgen. Aus Offenbach wird uns noch gemeldet, daß von der national- liberalen Partei und dem Centrum Oberbürgermeister Brink als Kandidat aufgestellt worden sei. Bezüglich der Kandidatenfrage in der Stadt Mainz, sowie der Stellungnahme der Centrumspartei in anderen Wahlkreisen steht die Entscheidung noch aus. Auf dem am 12. Oktober in Mainz stattftndenden allgemeinen hessischen Katholikentag wird seitens der Centrums-Parteileitung auf Grund des in den nächsten Tagen erscheinenden Rechenschaftsberichts der Centrumsfraktion des hessischen Landtags die Stellung der Partei zu den Landtagswahlen näher dargelegt.
• * Schloßfreiheit - Lotterie. Bei der heutigen Ziehung flel ein Gewinn von 20 000 Mk. auf Nr. 4411 (nach Offenbach), zwei Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 3971 (nach Darmstadt), Nr. 20156 (nach Bensheim), zwei Gewinne von je 3000 Mk. auf Nr. 14760 und 18709 (beide nach Mainz), Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 8220 (nach Mainz), 472 (nach Worms), 10553 (nach Mainz), 20187 (nach Mainz), 20566 (nach Mainz), 21234 (nach Karlsruhe); Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 1486 3290 4230 6142 7061 10806 13900 18129 22792 24097; Gewinne von je 500 Mk. auf Nr. 2141 2529 8443 6007 6369 6593 7231 7546 8454 9477 11416 13439 15061 17900 18694 19761 20986 22962 23206 23591 28791 24229. (Ohne Gewähr.)
* * Stadttheater. Das Mitglieder-VerzeichniS des hiesigen Stadttheaters für die bevorstehende Saison gelangt in den nächsten Tagen zur Verteilung. Es verzeichnet außer den vorjährigen Mitgliedern (Herren: Faber, Gerlach, Ram- seyer, Zober; Damen: Frl. Feige, Frau Jenny) folgende neuengagierte Kräfte: Marga Brücker vom Obcrschles. Volkstheater in Königshütte, Sophie Egard vom Stadttheater in Wesel, Adelheid Mannstäbt von Wiesbaden, Lina Schmidt vom Stadttheater in Beuthen, Lieschen Sieg vom Stadttheater in Heidelberg, Käthe v. Stahl-Bünau vom Stadt- theater in Elbing, Johanna Steinert von Gera, Martha Swoboda vom Residenztheater in Dresden; Herren: Hans Sättige vom Stadttheater in Düsseldorf, Fritz Becker vom Hoftheater in Oldenburg, Willy Brosch vom Stadttheater in Freiberg i. Sachsen, Oskar Heypertz von Köln, Christian o. Stahl vom Stadttheater in Elbing, Otto Steinert vom Hoftheater in Detmold, Fritz Töpfert vom Stadttheater in Bremerhaven, Konrad Wallmüller.
V. Vom Bahnhofsumbau. Tie Einrichtung einer Zentralweichenstellung auf unserem langgestreckten Bahnhöfe, welche in ihrem wesentlichen Teile der Firma Zimmermann & Buchloh-Berlin zur Ausführung übertragen war, ist nach zweijähriger Arbeitzeit nunmehr beendet. Aus 13 Stellwerken wird nunmehr die gesamte Weichenstellung auf unserem ca. 9 Kl. langen und ziemlich breiten Bahnhof besorgt. Wir erfahren übrigens, daß der gleichen Firma die Zentralweichenstellung auif den Stationen der Strecke Gießen-Fulda übertragen wurde, und daß die bisher in Gießen beschäftigten Monteure vorerst in unserer Provinz weiter thätig bleiben werden.
** Vom Arbeitsmarkt. Das Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Industrie, soll, wie wir der „Franks. Ztg.^ entnehmen, neuerdings an die Großh. Kreisämter em AuSschreiben gerichtet und um eingehende Berichte über die derzeitige Lage des Arbeits- markteS sowie über die Produktions- und Arbeitsverhält- nific und die Lebenshaltung der Industriearbeiter ersucht haben. Dabei soll, dem genannten Blatt zufolge, hauptsächlich ermittelt werden, ob und in welchen Industriezweigen Arbeiterentlassungen eingetreten, ob Feiertage oder Kürzungen der tägi.chen Arbeitszeit eingeführt sind und ob eine Zu- oder Abnahme der Arbeitslosigkeit für den kommenden Winter im Vergleich zum Vorjahr zu gewärtigen ist. Ferner wünscht daS Ministerium Bericht darüber, wieweit in günstiger Sage befindliche Industrien im stände sein werden, den au6 anderen Betrieben wegen
ArbcitSmangel ausscheidenden Arbeitern Beschäftigung zu gc* währen, und welche Maßnahmen jetzt schon in Vorschlag gebracht werden können, um einer etwaigen Arbeitsnot zu begegnen.
g. Aus dem Manöver der 25. (hessischen) Ti Vision schreibt man uns aus Friedb erg vom 17. Sept.: Heute Mittwoch ist großer Ruhetag. Am Montag fand das Haupttrefsen zwischen Södel, Wölfersheim, Rockenberg ynd Melbach statt. Tie 49. Brigade zog sich dabei südwestlich zurück. Abends wurde Biwack bezogen und zwar lagen bei Dorheim, Schwalheim, Rödgen die 115er, 116er und Tragoner. Tie Feldwachen ftanoen etwas nördlich. Dienstag früh wurde das Gefecht wieder ausgenommen; obige Regimenter marschierten mir den 168ern nördlich über Rödgen die Wetter hierauf nach Steinfurt zu, es galt die Brücken über die Wetter für ein angenommenes nach ruckendes Armeekorps gegen bü 50. Brigade zu verteidigen, welche von Osten heranrückte. Ein lebhaftes Gefecht entspann sich bei Steinfurt, der feindliche Infanterie-Angriff wurde abgeschlagen, da die Artillerie eine sehr gute Stellung hatte. Auch die feindliche Kavallerie griff ein, wurde aber ebenfalls zurückgedrängt und von unserer Kavallerie vollständig zurückgeschlagen. Tas Gefecht war beendet, und die ganze Tivision hat in der Gegend Obermörlen, Bad-NaUt-eim, Friedberg, Ober-Nosbach heute Quartier. Morgen beginnt der gemeinsame Angriff gegen die 21. Tivision, die südöstlich liegt. Bei günstigem Wetter ist Tienstagabeud Divisions- biwak zwischen hier, Assenheim bis nach Altenstadt zu. Hier und in Nauheim liegen heiue je ca. 4000 Mann im Cuariier. Im Hotel Trapp (Friedberg) liegen: der Tivisionstomman- beur Frhr. v. Gall, Oberst v. Schmidt, Kommandeur der Kov.-Brigade und Oberstleutnant Frhr. v. Zedlitz- Gießen.
)(. B a fi n b a u Butzbach- Lich. In der am 11. d. M. zu Gießen im Hotel Prinz Karl abgehaltenen Vertreterversammlung der an dem Bahnbau beteiligten Gemeinden wurde daS von den Gemeinoen Eberstadt, Birklar, Sich, sowie von Fürstlich Licher und Gräflich Laubacher Seite aufgestellte neue Projekt, demzufolge die Bahn bei Münzen berg das Wetterthal verlassen und von dort über Eberstadt, Hofgill, Muschenheim und Birklar nach Lich weitergeführt werden sollte, endgiltig verworfen, da sich diesem Plane infolge der starken Steigung allzugroß» technische Schwierigkeiten entgegenstellen würden. Es bleibt also das bereits abgesteckte Projekt, nach dem die Bahn mit kleinen Abweichungen fast ausschließlich das WeUer- thal benutzt, bestehen. Auch daS wunderschön gelegene Arnsburg mit seiner idyllischen Ruhe wird nicht belästigt, indem es von der Bahn in großem Bogen umgangen wird. Tamit ist das größte Hindernis aus dem Wege geräumt, allen Sonderwünfchen Rechnung getragen, und es wird mit dem Bahnbau, nachdem die Prüfung durch den Landespolizeikommissar stattgefunden und ministerielle Genehmigung erfolgt, baldigst begonnen werden.
'* Zum Eisenbanunfall in Lollar. Der Materialschaden, der durch das Auffahren des Schnellzuges auf einen im Geleise stehenden leeren Wagen verursacht worden ist, beträgt nach den neuesten Feststellungen nur etwa 3000 Mark, nicht 15 000 Mk., wie von verschiedenen Blättern gemeldet wurde. Der Beamte, desti zuerst die Schuld an dem Unfall zugeschrieben, und der deshalb zunächst vom Außendienst fort versetzt wurde, hat jetzt seine frühere Thätigkeit im äußeren Dienste wieder aufgenommen. Es ist daher anzunehmen, daß die vorläufige Untersuchung zu feinen Gunsten ausgefallen ist.
*• Der Bankiertag in Frankfurt wird, wie wir hören, van der hiesigen Handelskammer nicht beschickt iverden, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß eine Einladung an die hiesige Handelskammer nicht ergangen ist. Dagegen ist in Privathandelskreisen das Interesse an dem Bankiertag sehr groß und es ist anzunehmeu, daß einzelne Herren aus der hiesigen Geschäftswelt an dem Bankiertage teilnehmen werden.
** Es wirb immer unheimlicher! Nun sind auch schon im nördlichen Bayern, unb zwar im oberen Maingebiete, starke Erberschütterungen aufgetreten. Wie aus dem Fichtelgebirge gemelbet wird, wieber- yolten sich bie Erberschüiterungen bei sechssekunbiger Dauer mehrfach unter heftigen Stößen. Die Temperatur ist bort auf ein Grab gesunken.
G. Frieb b erg, 17. Sept. Der Großh erzog, Prinzessin Elisabeth unb bie übrigen hohen Gäste fuhren heute vormittag 8.20 Uhr mittels Extrazug über Gießen nach Romrod und kehrten um 4 Uhr naajm. roieber hierher zurück. Am Bahnhof stand trotz des Regens eine zahlreiche Menschenmenge, bie ben Großherzog lebhaft begrüßte, wofür er durch Schwenken seines Hutes batikte. Er trug grauen Tuchanzug, gelbgrünen Paletot und schwarzen Hut. Nach lurzem Aufenthalt in Friedberg fuhren bie hohen Herrschaften nach Bad Nauheim (s. o.). Morgen begeben sich bie hohen Herrschaften roieber ins Manöver.
r. Hungen, 18. Sept. Ein Unhold der gefährlich st en Art wurde gestern nachmittag hier fest genommen. Ein in der Brikettfabrik bet TraiS-Horloff beschäftigt gewesener Bergmann, der erst heute morgen wegen Körperverletzung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, überfiel eine alte kränkliche Frau, mißhandelte und vergewaltigte sie. Ter rohe Patron wurde dann später m einer Wirtschaft in TraiS-Horloff entdeckt und versuchte nun zu fliehen. Er wurde aber eingeholt unb verhaftet.
d. Groß-Eichen, 17. Sept. Der Fischereipächter Georg Philippi 11 von hier fing jetzt seit zwei 'Monaten den dritten Fischotter an ein und derselben Stelle. Ter Fangplatz liegt direkt am oberen Ende eines Wehres, baS zur Wadenhäuser Mühle gehört. Ta gerade gegenüber die Ilsbach liegt, so scheint diese Stelle ein bevorzugter Wechsel der Jischotter zu jem. Der gefangene Otter, der eliuafl leichter rote seine beiden Vorgänger i|t, war em Muttertier. Vorhandene Zeichen ließen auf zwei Junge schließen, ivelche kurz vor dem Fange gesäugt zu haben schienen. Daß sich der Pächter der Fischbach den Otternfang so angelegen sein läßt, verdient volle Anerkennung. Tie früheren beiden Otter- balge verwertete er das Stück |iir 14 Mk., außerdem erhielt er noch 12 Mk. Prämie aus der Staatskasse. Somit bringen ihm die drei Otter einen Betrag von 60 Mk. em. Ter Nutzen für die Fischpächter der hiesigen und auch der Nachbarbäche ist aber gewiß noch wett größer.
rg. Vom oberen Vogelsberg. Am nächsten Sonntag treffen hier der Großherzog unb der Fürst von ^lienburg-Birstein zum Beiuch em. Von Bierstern auS, wo der Graßherzsg schon am S-am-tag cmlrifft, geht bie Fohttt über ixe £mc Fischborn, WujiwiUenroch, Lichen-


