Ausgabe 
18.9.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 819

rftehtt täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem VeMschen Landwirt die Stehener Zamilten- Hatter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck il Ver­lag der Brü h l'scheu Untoerst-Buch- u.Slein- druckerei (Pietsch Erben) Rebofllon, Lrpedttio« und Druckerei: vchulstraße 7.

Ildrefse für Depeschenr Anzeiger (Sieben.

yernsprkchanschlußNr.bl.

Zweites Blatt. 182. Jahrgang -Donnerstag 18. September LAOS

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

VezagSpreiSr monallich7bPs viertel jährlich Mk. LL0; durch Abhole. u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk. 2.viertel- iährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bie Lagesnummer biS vormittags 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal ILPf, auswärt» 20 Psg. verantwortltchr für den polit. u. allgem. Lett: P. Wittko: für ,©labt und £?anb* und .GerichtSsaal'r Cutt P lato; für den An- zeiganteil: HanS Beck.

3>it Heutige Flummer umfaßt 8 Seite«.

Politische Tagesschau.

Der westdeutsche Baoenttag,

6er kürzlick vomBund der Landwirte" in Düsseldorf veranstaltet wurde, ist fortgesetzt Gegenstand lebhafter Preß- erürterungen. Auch Blätter, die dem Bund nicht eben wohl­wollend gegenüberstehen, urteilen, daß die bündlerische Agitation die Zentrums-Gefolgschaft auf dem platten Lande äu dezimieren drohe. Demgemäß giebt Abg. Dr. Dertel in derDeutschen Tagesztg." dem b a y e r i s ch e n Flügel der Agrar-Parte: und dessen Hauptführer, dem Abg. Dr- Heim, der vonGärungen" im Lcmdbund gesprochen hatte, in ruhigen Worten anheim, zu berücksichtigen, daß, wer im Zusammenhänge mit dem angekündigten Rücktritt deS Frhrn. v. Wangenheim vom Bundespräsidium vonGärungen" spreche, wider besseres Wissen handele. Die leitenden Männer desBundes" rechnen vielleicht mit der Möglichkeit deSUmfalls" der bayerischen Zentrumsmänner in dem Sinne, daß Dr. Heim und Gen. den bekannten Getreide- zoll-Kompromißantrag als nicht weitgehend genug verwerfen werden.

Durch das Prisma parlamentarischer Taktik betrachtet sehen sich die Dinge anders an. Tie Machtsphäre des Land­bundes und die Zugkraft seines Programms ist unleugbar auf dem Londe sehr bedeutend: im Reichsparlament, bei dessen gegenwärtiger Zusammensetzung, ist seine Bedeutung doch nicht besonders wesentlich. Deshalb bewahrt das kluge Zentrum der bündlerischen Agitation gegenüber denMut der Kaltblütigkeit". Das Zentrum braucht wegen der Erobe­rung der katholischen Bauernvereine einstweilen nicht be­sorgter zu sein, als die Konservativen wegen der Eroberung ihrer Gefolgschaft. Man weiß, daß ein großer Tell der Konser­vativen alle agrarischen Forderungen sich nicht zu eigen macht. Man erinnert sich auch, daß der Abg. Dr. Oertel im Parlament, als Mitglied der konservativen Fraktion, es den offiziellen Bündlerführern v.Wangenheim, Dr. si cke, Dr. Hahn überläßt, der Regierung entgegenzutreten.

Der gemäßigte, einem Ausgleich der Interessen zwischen Landwirtschaft und Industrie geneigte Tell der Konser­vativen und deS Zentrums hat im Parlament sichtlich Ober­wasser. Durch die Düsseldorfer Vorgänge wird sich der Reichstag in seiner Mehrheit nicht beeinflussen lassen, und bei den Neuwahlen zum Reichstag wie Landta g werden sich schließlich wohl auch die Konsumenten rühren. Der unparteiische, objektive Beobachter darf behaupten, daß es den Erfolg der agrarischen Agitation überschätzen heißt, wenn man glaubt, daß sie die bestehenden Politischen Parteien zersplittern wird.

Zur FleifchteueruugLfrage.

In Mannheim sprach dieser Tage in einer Birte- Versammlung Herr Hermann aus Darmstadt Über die all­gemeine Lage des Wirtsgewerbes, hauptsächlich die Orga­nisation desselben. Es wurde nachstehende Resolution an­genommen:L Die von ca. 360 Wirten besuchte Versamm­lung richtet an daS Bürgermeisteramt die Aufforderung, bei der Großh. Staatsregierung mit allem Nachdruck für Aufhebung der Sperre von Schlachtvieh und Fleischwaren hinzuwirken. 2. Die Versammlung richtet an die Großh. Regierung die Bitte, ihren Vertreter im Bundesrate dahin anweisen zu wollen, für Aufhebung der Grenzsperre von Schlachtvieh und Fleischwaren einzutreten. 3. Die Ver­sammlung beschließt, gezwunaen durch die allgemeine Er­höhung der Fleischpreise, sowie auch dem Preise für Wurst­waren im Verhältnis zu den von der Metzger-Innung fest­gesetzten Preisen, ebenfalls einen Preisaufschlag eintreten zu lassen und dem Publikum dies in geigneter Weise zur Kenntnis zu bringen."

Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung hat einen Antrag angenommen, der den Magistrat ersucht, mit den Stadtverordneten bei der Regierung um Maß­nahmen zur Abstellung der Fleischnot vorstellig zu werden. Der Magistrat der Stadt Forst ist dem Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung, bei dem preußischen Land- Wirtschaftsminister wegen Aufhebung der Grenzsperre für Schlachtvieh vorstellig zu werden, nicht beigetreten, hat ihn vielmehr beanstandet, da er in dem Beschlüsse ein Ueberschreiten der Befugnisse der Stadtver­ordnetenversammlung angenommen hat.

lieber die Ankunft der Bureugeneräle in Berlin

gehen die widersprechendsten Meldungen durch die Dresse. Bald heißt es, bie Generäle würden schon in einigen Tagen dort eintresfen, bald wird diese Meldung dahin abgeändert, daß die Berliner Reise der Buren überhaupt noch zweifel­haft sei, jedenfalls aber in nächster Zett noch nicht bevor­stehe. Wie dasB. D." erfährt, liege die Ang »legen heit zur Zeit folgendermaßen: Tas Burenhilfsckmnttee, das von vornherein die Reise der Burengeneräle nach Berlin in die Wege geleitet hatte, war darauf bedacht, den Saal der Philharmonie zu einer Versammlung zu gewinnen, in welcher die Generale über den Transvaalkrieg sowie über ihre Europamission sprechen fotlten.

gesehenen Zwischenfällen, denen der Aufeiithalt der Gen^ räle in England und Holland ausgesetzt war, hi^t es schwer, den Zeitpunkt zu bestimmen, an welchem die Buren in Berlin eintreffen und in dem bezeichneten Saale sich vorstellen konnten. In vergangener Woche war indes der Plan so weit gediehen, daß die bezeichnete Versammlung am nächsten Montag stattsinden sollte. Vor einige-nj-tagen lief aber bei dem Hilfskomitee die Nachricht eüi? baß die Reise der Generäle nach Berlin nochmals v e.cj sib e n werden müsse, da gerade am nächsten Montag sm. die GerreräLe in Holland verschiedene Errrpsan^ vvrgefeveri

seien. Nunmehr hat sich ein Vorstandsmitglied des Ber­liner Burenkomitees nach Holland begeben, um die An­gelegenheit endalltig zu regeln.

Wie derNat.-Ztg." mitgetellt wird, ist die deutsche Regierung entschlossen, etwaige anti-englische Kundgeb­ungen auf deutschem Boden anläßlich der bevorstehenden Anwesenheit der Buren-Generäle nicht zu dulden. Ihr zu­folge gilt der Besuch als sehr wahrscheinlich, nur stehe der Zeitpunkt noch nicht fest.

Unseres Erachtens lag die Besorgnis vor. anti-englischen Demonstrationen ebenso nahe bei dem Aufenthalt der eng­lischen Generale in Berlin. Ist aber den Manöver- gäften deS Kaisers die leiseste Unbill zugefügt worden? Tie Herren haben sich, wie u n s Berliner Privatmeldungen versichern, vollkommen unbelästigt in der Reichshauptstadt bewegen und die Sehenswürdigkeiten besichtigen können wie jeder andere Fremde. Hurrarufe sind allerdings nicht ertönt, aber es sind aus dem Ff einen Häuflein Neugieriger, die vor dem Hotel de Rome mit langer Geduld Pvsto faßten, auch keine MißfallenSäußerungen laut geworden. Lord Roberts und seine Begleiter genossen eine schwei­gende Beachtung. Kommen die Buren-Generale nach Berlin, so wird ihnen aller Voraussicht nach ein anderer, wesent­lich sympathischerer Empfang zu teil werden. Es ist kaum nötig, an dasTaktgefühl" der Buren-Generale zu appel­lieren,daß sie anti-englischen Kundgebungen in keiner Weise Vorschub leisten werden." Solcher Anregungen be­darf es gar nicht, zumal ja, wie der ,^8oss. Ztg." aus dem Haag berichtet wird, öffentliche Vorlesungen der Buren-Generäle in keinem Falle zur Ausführung kommen. Daß die Bevölkerung die Führer der tapferen Männer, denen im südafrkanischen Kriege sich die Bewunderung zu­wendete, bei ihrem Erscheinen herzlich, vielleicht stürmisch begrüßt das wird man wohl nicht als eine antienglische Temonstration auf fassen können. Und sind etwa in Eng­land die gegen Deutschland gerichteten Demonstrationen verhindert worden? Niemand hat daran gedacht, erregten Versammlungsrednern ins Wort zu fallen. Noch mehr: in England selbst sind die Buren-Generale mit Sympathie­kundgebungen von der leicht beweglichen und leicht ge­rührten Menge geradezu überschüttet worden. Tie irischen Elemente, die daran teilnahmen, hatten dabei zweifellos die Absicht derDemonstration". Bon einem Einschreiten der Behörden wurde nichts berichtet. Die Regierung wird nicht englischer fein wollen, als man es in England ist. Macht sich der Enthusiasmus Luft bei dem Besuch der Buren-Generäle, so ist das ein frischer Ausdruck der Em­pfindungen, dem man am besten nicht sich entgegenstellt, weil dadurch gerade Opposition geweckt wird, liebet Imb­un gen richten sich selbst, außerdem ist die allgemeine Stim­mung England gegenüber seit dem Friedensschluß allent- hchben ruhiger, maßvoller geworden.

Amsterdamer Depeschen sprachen von einem Bruch zwischen Reitz, Krüger, Leyds und den Generälen. Nach oer ,Hranks. Ztg." soll dies eine irrige Kombination sein. Die verantwortlichen Buren im Haag sollen bereits vor An­kunft der Generale die versöhilliche Politik adoptiert haben, welche Botha, Tewet und Telarey jetzt ebenfalls betreiben. Der Verkehr zwischen den Generälen, Wessels, Reitz, Leyds u. s. w. sei der heEchste. Am Freitag gehen die Generäle nach Antwerpen, Samstag nach Brüssel. In der folgenden Woche ist beabsichtigt, die Hauptstädte der noch nicht be­suchten Provinzen Hollands zu bereisen, worauf sie wahr­scheinlich nach Deutschland gehen werden.

Pelletans Rückzug.

Wie zu erwarten war, ist dem französischen Marine­minister, oer uns recht lebhaft an den famosen Operetten» General Bombardon in Jacques Offenbachs,/GrvßHerzogin von Gerolstein" erinnert, vor seinen eigenen Worten bange geworden. In einer neuen Rede, die er jetzt in Diserta gehalten hat, erklärte er feierlich, daß es ihm fern liege, Politik zu treiben, und daß seine Auslassungen unrichtig verbreitet worden seien. Ob diese Einkehr ganz freiwillg geschehen ist, kann bezweifelt werden im Hinblick auf die Pariser Blättermeldung, woonach auf einen Schritt des italienischen Botschafters bei dem französischen Minister des Auswärtigen Delcasss Ministerpräsident Eombes sich beeilt hat, seinem redefrohen Flottenminister überaus scharfe .Vor­stellungen wegen seiner Rede in Ajaccio zu machen. In­folgedessen mag Pelletan eingesehen haben, daß es an­gebracht und nützlich fein müßte, friedlichere und be­sonnenere Töne anzuschlagen. Auf einem Bankett im repu­blikanischen Klub hielt der Marineminister eine Rede, in der er aus führte, daß er nicht gern über Politik spreche, denn man lege ihm Worte in den Mund, die er nicht gejagt habe. So habe er auf Corsica von Italien gesprochen, und da habe man ihm, einem der ältesten Freunde Italiens in Frankreich, der zur Zeit der zwischen beiden Ländern bestehenden Spannung erklärt habe, daß ein guter Teil der Schuld daran auf Frankreich falle, ihm, der schon zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges in Italien stets für ein Eingreifen Frankreichs gewesen wäre, ihm habe man eine aggresive Haltung gegen dieses Land zugeschrieben. Von Politik zu sprechen, fei also gefährlich. Er wolle indessen erklären, daß die Regierung die Verwirklichung ihres republikanischen Programms entschieden weiter betreiben werde. Die Republik müsse eine solche der Arbeiter fein, daher eine sozialistische und nicht kollektivifche. Die Zeit des KollEivismus sei noch nicht gekommen und werde niemals kommen. Pelletan berührte alsdann die religiöse Frage und hob hervor, der gegenwärtige Kamps setze ihn nicht in Erstaunen; er habe nichts gegen die Religion; man müsse, so denke er, der Religion alle Freiheiten ge­währen, mit Ausnahme derjenigen, die Freiheit eines an­deren zu verkümmern. Was die Freiheit des Unterrichts

betreffe, so sei er der Ansicht, daß die Kongregationen, die nicht gewöhnliche Vereinigungen seien und von ihren Mit­gliedern das völlige Aufgeben ihrer Freiheit, ihres Willens und ihrer Persönlichkeit verlangen, kein Recht hätten, den Unterricht für sich zu beanspruchen.

Tie französischen Regierungsblätter, und das ist be­zeichnend, veröffentlichen letzt ausführlich alle für Pelletan ungünstigen Auslandstimmen. Es scheint, daß trotz der obigen freundlichen an die Adresse Italiens gerichteten Worte Pelletans der Minister Delcasss noch nicht versöhnt ist. Von der gesamten Presse des In- und Auslandes wird diese Entschuldigungsrede als noch kläglicher bezeichnet als die ersten Reden. Tas konservattve Wiener Vaterland schreibt: Wenn Pelletan nichts anderes zur Abschwächung der Provokation Italiens vorzubringen wußte, so hätte er besser geschwiegen.

Auch die englischen Blätter behandeln diese Bankett­ansprachen mtt sarkastischer Geringschätzung und erllären sie für zu lächerlich und albern, um internationale Ver­wickelungen herbeizuführen.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Sept. Nach einer Meldung aus Cux­haven wurden die Flottenmanöver, die wegen stür­mischen Wetters abgebrochen werden mußten, wieder aus­genommen. Tie Garnison wurde alarmiert. Nach einem heftigen Feuergefecht durchbrach heute mittag zwischen 12 und 1 Uhr der Kaiser auf der ,Hohenzollern" an der Spitze des Angriffsgeschwaders die Sperren und nahm die Elbe. Tie Manöver find beendet; die Flotte wird nach der Kritik a-upgelöst. Die Flotte mit der Kaiseryacht ,Hohenzollern" kehrte um 2 Uhr 30 Min. zurück irnb ankert in der Grödener Bucht. Wir lesen ut dem unzuver­lässigsten Berliner Blatt, derDtsch. Warte": Die Prin­zessin Alice von Großbritannien, Tochter der Herzogin von Albany und Schwester des jugendlichen Herzogs Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha, ist schon feit längerer Zeit ein ständiger Gast bei unserem Kaiserhofe. Wenn die Prinzessin mit ihrer Mutter in Potsdam in der Villa Jugenheim anwesend ist, fährt sie saft täglich nach dem Neuen Palais, falls dort das Kaiservaar anwesend ist. Ganz besonders hat die Kaiserin für die liebliche Prinzessin Sympathien und zeichnete sie schon bei manchen Gelegen­heiten aus. Auch am letzten Sonntag nachmittag stattete die Kaiserin in Villa Jugenheim einen längeren Besuch ab. Vielfach ist darum das Gerücht verbreitet, daß die Prin­zessin Alice als die zukünftige Braut für den Kron­prinzen bestimmt sei.

Tie heute beendeten Sitzungen der Zentrums­fraktion über den Zolltarif, an denen 78 Abgeord­nete teilnahmen, ergaben, tote bieGermania" mel­det, eine weitgehende Übereinstimmung in der gesamten Auffassung deS Zolltarifs und der allgemeinen Lage. Tie Fraktion stellte sich auf den Standpunkt, daß im allgemeinen an den Beschlüssen der Zolltarif­kommission f e st z u h a l t e n sei. Der Antrag über die Verwendung der Mehrbeträge aus den Zöllen zur Be­gründung einer Witwen- und Waisen-Bersorg- ung wird von den Vertretern des Zeuttums bei der zweiten Lesung in der Kommission wieder eingebracht werden. Beim Beginn der zwetten Lesung der Zolltarifkom­mission deS Reichstages am 22. d. Mts. wird der Mit­gliederbestand ungefähr derselbe sein, wie am Anfang der ersten Lesung. Die einzelnen Fraktionen gedenken wegen der Wichtigkeit der Beratung ihre ersten Kräfte ba#u zu entsenden. Wie heute verlautet, soll die Subkom- rn i s s i o n am Donnerstag zusammen treten, um der zweiten Lesung der Zolltarifkommissivn die Wege zu ebnen. Die Beratungen dürften aber insofern keinen großen Wert haben, als die entscheidenden FraktionKsitzungen der Kon­servativen und Deutschen Reichspartei erst am Samstag stattfinden werden.

Norderney, 17. Sept. Ter Minister des Innern, Frhr. v. Hammer st ein folgte einer Einladung des Reichskanzlers Grasen v. Bülow zu Tisch.

Gnesen, 17. Sept. Ruchlosigkeiten werden gegen die Plakate, auf denen sich die Ansprache des Kaisers gedruckt befindet, verübt. Fast sämtliche in der Stadt Gnesen an den Plakatsäulen angebrachten Plakate sind, obgleich sie ganz oben Angebracht sind, abgerissen oder mit einem Stock oder Schirm durch st osten.

Posen, 18. Sept. Was ist hier gegentlich des Ab»- bruches der Kaisertribüne am Berliner Thor aus- gegraben worden? Nach verschiedenen Berliner Zeit­ungen fand maneine Blechbüchse, gefüllt mit Tynarnit und Kugeln und dabei eine Lun re". Nach derPosener Ztg." war es einekleine Quantität einer harmlosen Ma­terie, welche die Installateure der elektrischen Beleuch­tungsanlagen an den Obelisken gebraucht hatten". Nach denPosener Neuest. Nachr." war es am Samstag ein mit Pulver gefülltes Loch". In der nächsten Nummesr desselben Blattes hatte sich dasmit Pulver gefüllte Loch" inkleine Bleistückchen" verwandelt, die dort gefunden wur­den. Nach einem anderen Blatte war es nichts weiter als einPöstchen Schrotkörner, die einem Monteur entfallen waren und in die Höhlung hineingerollt sind". Nach der Posener Morgenztg." war estatsächlich" ein Loch mit Pulver gefüllt. TiePosener Morgenztg." schreibt unter dem Titel: Eine neue Tatarennachricht:Wahr ist nur, daß in dem gegrabenen. Loch Pulver gefunden wurde." Nach einer d'eutschen Posener Provinzzeitung waren es Pulver und Schrotkörner" zusammen. Nach auswärtigen Blättern hatte man in dem Loche allerhand ominöse Gegen­stände gefunden. Was war nun wirklich in dem Loche?