Ausgabe 
18.1.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

von der Regierung keine Antwort gegeben. In Be- -nntwortnng einer anderen Frage erklärt Marquis of Lcms- 4>owne, Lynch, werde, sobald er landen sollte, verhaftet werden.

Lemberg, 17. Jan. Die Statthalterei hat die Sta­tuten des jüngst gegründeten Vereins zum Schutze Les polnischen Gewerbes und Handels, die die Lösung der Handelsbeziehungen zu Deutsch- Lnnd fordert, nicht bestätigt.

Blättermeldungen zufolge wurde in Podwoloczyska der Agent Horowitz, dessen Sohn bei der Festungs- tülene dient, wegen Spionage verhaftet.

Konstantinopel, 17. Jan. Ein heutiges Jrade des Sultans genehmigt den Bau der B a g dadb ah n.

Börsenrundschau.

Die neuen deutschen Anleihen, der billige Privatdiskont, dann wieder der neueste amerikanische Getreideschwindel und andererseits die Steigerung der afrikanischen Goldshares riefen diese Woche an der Börse die entgegengesetztesten Strömungen hervor. In erster Linie war es die Uebernahme der 300 Millionen 3proz. Reichsanleihe und Konsols, die anregend auf das Geschäft wirkte. Unseren Lesern teilen wir aus dem Prospekt, dessen Veröffentlichung unmittelbar bevorstehend, oder wenn diese Zeilen in die Oeffentlichkeit ge­langen, bereits erfolgt ist, mit, daß der Emissionskurs für beide Anleihen 89,80 Proz. beträgt und daß bei der Zeichnung eine Kaution von 5 Proz. in baar oder in Effekten hinterlegt werden muß. Die zugeteilten Beträge können vom 8. Febr. ab voll abgenommen werden, spätestens muß jedoch die Hälfte des zugeteilten Betrages zu diesem Termin, ein weiteres Viertel am 22. Febb. und das restliche Viertel am 15. März abgc- nommen werden. Der billige Privatdiskont erleichtert ^das Geldgeschäft von Tag zu Tag sehr; auf der anderen Seite macht sich jedoch auch das Mißverhältnis zum offiziellen Zins­fuß bemerkbar und es wird mit Sicherheit darauf gerechnet, daß die Reichsbank in nächster Zeit schon zu einer Herabsetzung des Diskonts schreitet, zumal dem In­stitut in den letzten Tagen wieder erhebliche Mittel zugeflossen sind. Auf eine Aenderung der Diskont-Politik der Bank von England kann man nicht warten. Vorübergehend übte der Zusammenbruch eines Getreidespekulations­hauses in Chigago einen Druck auf die Kurse aller Werte aus, da die Newyorker Börse auch infolge des Rück­gangs des Zuckerpreises wie des Preises des Kupfers sehr beunruhigt war. Man ist und bleibt in optimistischer Stimmung, wenn es auch Tage gegeben hat, an denen das Geschäft sehr still, ja nahezu leblos war. Das Hauptinteresse konzentrierte sich wieder auf Hüttenaktien. Es lagen sehr zuversichtliche oberschlesische Eisenberichte und die Meldung derKölnischen Zeitung" vor, daß die rheinisch­westfälischen Bandeisenwerke ihre Preise für Flußbandeisen erhöht haben. Deutsche Reichsanleihen und preu­ßische Konsols schloffen fest. Die badischen Staatsanleihen haben eine Kurssteigerung erfahren, desgleichen die 3proz. bayerischen Eisenbahnobligationen. Die italienische Rente ist, wie wir voraussagten, bis 101,10 werter avanciert. Auch Portugiesen schlossen etwas höher und die rumänische Rente ist ebenfalls gestiegen. Argentinier haben sich gleichfalls er­holt. Banken sind um Bruchteile gebessert. Die Deftaudationen bei der Prager Filiale der Oesterreichischen Kreditanstalt haben den Aktien des Instituts vorläufig weiter keinen Schaden ge­bracht, doch befürchten wir einen Rückschlag, wenn erst die Bilanzziffern des abgelaufenen Jahres detalliert bekannt werden. Jndustrieaktien hielten sich nahezu durchweg recht fest. Schuckert-Mtien haben in einer Woche 6 ein halb Prozent gewonnen, die Aktien der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft 9 Prozent.

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befurdlichenOriginal-Nachrichteu ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Auz." gestattet.)

Gießen, 18. Januar 1902.

* * Eraeummg. Der Gerichtsaccessist Ferdinand Kirn­berger aus Mainz ist zum Großh. Regierungsassessor er­nannt worden.

* * Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Feld­geschworenen AßmuS zu Schwickartshausen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" verliehen.

* * Wechselstempelsteuer. Im Oberpostdirektionsbezirke Darmstadt wurden im Dezember v. I. an Wechselstempel­steuer 17 337.30 Mk. vereinnahmt, zusammen mit den Vor­monaten des laufenden Rechnungsjahres 158 998 Mk. oder 5034.40 Mk. mehr als im entsprechenden Zeiträume des Rechnungsjahres 1900.

* * Zu der 25jährigen Jubelfeier der Gießener Ruder­gesellschaft sind von außerhalb sehr zahlreiche Besucher zu erwarten; die Tellnahme an der akademischen Feier sowie an dem Festessen wird eine sehr rege werden. Bei dem abends stattfindenden Balle werden dann auch die Damen zu ihrem Rechte gelangen. Wir hören, daß verschiedene Ueber- raschungen geplant sind. Auch die Beteiligung an dem Balle verspricht sehr zahlreich zu werden.

* * Promenaden-Konzert- Es ist in verletzten Zeit bei den Promenaden-Konzerten die bedauerliche Wahr­nehmung gemacht worden, daß die von Besuchern dorthin mitgenommenen Hunde während des Konzerts von ihren ,Begleitern unbeachtet und unbeaufsichtigt bleiben, sich in den Anlagen umhertummeln und letztere erheblich be­schädigen. Wie wir hören ist die Schutzmannschast an­gewiesen worden, unnachsichtlich in solchen Fällen vor- zugehen und eventuell die in den Anlagen hernmlaufen- ben Hunde einfangen zu lassen-

* * Konzert. Morgen findet in der Südanlage Pro­menadenmusik mit folgendem Programm statt: 1. Ouver­türeFrau Luna" von Lincke; 2. Krönungsmarsch von Meyerbeer; 3. Carlatta-Walzer von Millöcker; 4. Fantasie über KoschattVerlassen bin i" von Reindel.

* * Bier Jahreszeiten. Morgen, am 19. Januar, findet in den Vier Jahreszeiten großes Extra-Konzert statt. Das humoristische abwechselungsreiche Programm wird allen Besuchern gewiß ein paar heitere Stunden bereiten. (Näheres siehe int Inserat.)

* * Das Kaiserpanorama, das gewiß bei der Gießener Einwohnerschaft noch in guter Erinnerung steht, eröffnet am morgigen Sonntag seine diesjährige Saison im Lrden des Herrn Walther, Ecke Lindenplatz, nut einer

lehrreichen Serie von Bildern aus Tyrol. Gewaltige Gletscher und Bergriefen, u. a. die Besteigung des Groß - Glöckners und Groß-Venediger, Wasserfälle und Felsenschluchten, reizend gelegene Dörfer urrd Städte ziehen am Auge des Beschauers vorüber und zeigen ihm Tyrol in seiner ganzen Pracht und Schönheit. Das Panorama ist täglich geöffnet von Morgens 10 bis abend 10 Uhr.

* * Blutige Köpfe gab es heute morgen gegen 5 Uhr am Hauptbahnhof. Zwischen zwei jungen Leuten kam es vor dem Bahnhofseingang zu einer Schlägerei, bei der der Angreifer übel zugerichtet wurde. Nicht zufrieden mit diesem Erfolg seiner Thütigkeit begab er sich mit blut- überströmnten Gesicht in den Wartesaal, um hier die Rauferei fortzusetzen, wurde aber von den Bahnbedienste­ten an die Luft gesetzt.

* * Schlägerei. Gestern abend gerieten zwei Ar­beiter in einer Wirtschaft an der Neustadt nach einem Wortwechsel in Streit, in dessen Verlauf der eine seinen Gegner mit einem Bierglas derart auf den Kopf schlug, daß dieses in Stücke ging. Der Geschlagene erlitt schwere Verletzungen. Der Thäter wurde verhaftet.

* * Ruhestörer. In der letzten Nacht machten vier junge Leute, die den sog. Notstandsarbeitern angehören, auf dem Neuenweg ruhestörenden Lärm. Einer von ihnen, der der Haupträdelsführer zu sein schien, mußte in Haft aenommen werden-

** Krankenkasse für Handlungsgehilfen. Die Kommission zur Förderung der Errichtung einer besonderen Krankenkasse ür Handlungsgehilfen und -Lehrlinge beiderlei Geschlechts sielt gestern abend wieder eine Sitzung ab. Es wurde der jetzige Stand der Sache besprochen und der Beschluß gefaßt, an die Handelskammer das Ersuchen zu richten, für b e- chleunigte Erledigung ihres Antrages einzutreten und eine Anmeldefrist-Verlängerung zu beantragen. Ferner sollen auch vom Detaill.- und Kaufmännischen Verein entsprechende Eingaben an die Bürgermeisterei gerichtet werden. Die Gründung der beantragten besonderen Kasse stützt sich, wie gestern wieder besonders hervorgehoben wurde, auf das Ge- etz, so daß eine Nichtgenehmigung ausgeschlossen erscheine.

b. Heuchelheim, 17. Jan. Unser seitheriger Bür­germeister I. Kreiling IV. hat im Laufe dieses Monats ein Amt, dem er 18 Jahre lang seine Kräfte gewidmet jat, niedergelegt. Ihm zu Ehren beabsichtigen die Bewohner Heuchelheims (siehe Inserat) eine kleine Festlichkeit zu ver­anstalten, zu der alle Freunde des Genannten eingeladen werden.

§ Butzbach, 17. Jan. Ein hier beschäftigter Schlosser­gehilfe stahl in der Vorwoche aus dem Gerberei-Anwesen des Herrn Grüninger eine Kuhhaut im Werte von ca. 16 Mk. und verkaufte die Haut abends einem anderen Gerber hier unter falscher Vorspiegelung für 12 Mk. Hierbei gab sich der Bursche für eine andere Person aus, so daß der Käufer nicht den geringsten Verdacht schöpfen konnte, weil er den jungen Menschen gar nicht kannte. Durch ein Zeichen an der Kuhhaut ist nun die Sache herausgekommen, worauf der etwa 17 Jahre alte Bursche zur Anzeige gebracht wurde.

Laubach, 17. Jan. Dieser Tage wurden durch den Kreis­arzt Dr. Drescher in Schotten die beim hiesigen Bahnbau be- chäftigten ausländischen Eisenbahnarbeiter einer Impfung unterworfen. Doch fehlt dem wohl infolgedessen entstandenen Gerücht, von einem hier vorgekommenen verdächtigen Blattern­falle die Begründung.

w. Nidda, 17. Jan. Heute wurde hier unter großer Beteiligung von hier und auswärts der in Oberursel an­sässig gewesene Arzt Dr. Poths bestattet. Er war im besten Mannesalter von 45 Jahren an einem Schlaganfall gestorben. Die Ueberführung hierher geschah auf Veran­lassung seiner Mutter und Geschwister, die hier wohnen. Auch eine Abordnung des CorpsHassia" war erschienen und legte einen Kranz am Grabe nieder. Die Gradrede hielt Pfarrer Werner über den Text:Er ist der Herr, er thue was ihm wohlgefällt". Der Verstorbene stammte von Echzell, besuchte das Gymnasium zn Büdingen und studierte in Gießen und Marburg.

Ulrichstein, 17. Jan. Der flüchtig gewordene Schwindler, der hier als Arzt praktizierte, ist nicht, wie es hieß, in Galizien geboren und mosaischer Religion. Er ist vielmehr aus Paderborn in Westfalen; längere 3eit soll er Schüler einer ausländischen Jesuitenschule gewesen sein. Als Kaufmann verheiratete er sich kurz hintereinander zweimal, was ihn nicht abhielt, sich während dieser Zeit viermal zn verloben- Wegen des ersteren Vergehens (Bigamie) kam er ins Zuchthaus- Eine ans dieser letzten Zeit an ihn gerichtete Adresse führte hier zu seinerEntdeckung", die erst erfolgte, als man vorher ihm eine solenne Abschiedsfeier hier veranstaltet hatte. Mit jedem Tage wächst die Angabe der Zahl der durch .ihn geschädigten Geschäftsleute und Wirte, sowohl hier wie in Schotten, Ruppertenrod und anderen umliegen­den Orten.

Darmstadt, 17. Jan. Gestern nahmen der Groß- herzog und der Großfürst Sergius von Rußland am Frühstück im Offizierskasino des Großh. Artilleriekorps teil; heute sind die allerhöchsten Herrschaften einer Einladung zum Frühstück beim 1. Großh. Inf.- (Leibgarde-) Regiment Nr. 115 gefolgt und werden morgen nachmittag einer solchen zum Thee bei dem Königl. preußischen Gesandten, Prinz zu Hohenlohe-Oehringen, Folge leisten. Prinz und Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe werden am Dienstag am Großh. Hof zum Besuch erwartet.

Mainz, 17. Jan. Seit einigen Tagen war der hiesige Kreisamtsgehilfe Jacob, der am Kreisamt Alzey thätig war, verschwunden. Eine Revision hat ergeben, daß der Ver­schwundene eine Masse von Unterschlagungen verübe und auch sonst seine ihm obliegenden Arbeiten vernachlässigt hat. Heute Mittag wurde er in einer Mansarde seiner Woh­nung, wo er sich versteckt hielt, verhaftet.

Vermischtes.

e Durch ein Erdbeben 600 Menschen getödtet. Eine in Laredo (Texas) eingetroffene Depesche aus Mexiko meldet, in Chilpancingo (Provinz Guerrero) seien durch ein Erdbeben 600 Personen umgekommen. Auch in anderen Teilen Mexikos wurden Erdbeben verspürt, die im Allgemeinen 55 Se­kunden dauerten. Die Meldung, daß in Chilpancingo 600 Personen umgekommen sind, fand eine anderweitige Bestätigung noch nickt. In der Hauptstadt erlitten nur einige Häuser R»ffe, sonst ist kein weiterer Schaden vorgekommen.

Kunst und Wissenschaft.

Peter Roseggers VorredezuMorresVolks» ftüd: ,,s' Null erl". (Zu seiner Aufführung am Montag, den 20. Januar, mit Otto Beck al§ Null-Anerl.)

In d' siebzig Jahr geh' i schon um, Hab' mi mein Lebtag plagt. Dem Kaiser bient, dem Bauern dient, War fleißig, unverzagt.

Do jetzt, weil mi die Kraft verläßt Wird d'Arbeit nimmer schön, Trum muß i um den letzten Rest Fürs Leben betteln gehn.

Wer andern Leuten s' Brot anbaut. Den hungern's dafür aus Js do dc Welt a Narrenhaus!

Der alte Einleger singt's, der Null-Anerl. Eine Null auf der Welt! Aber wenn vor die Null ein Einser kommt, o giebt's schon zehn. Und so ist jetzt einer gekommen, der die Null aus ihrem elenden Nichts heraus auf die Bühne hob, die Welt vor Augen! Dieser Eine ist Karl Morre, der in seinem Volksstück,,s' Nullerl" eine Gestalt und eine Frage auf die Bühne gestellt hat, die bisher dort noch nicht gesehen worden ist. Der Null-Anerl ist wohl eine der rührendsten Gestalten, die das Volksstück je auf die Bretter gebracht hat. Der Charakter ist meisterhaft durchgeführt, eit dem Pfarrer von Kirchfeld ist bei uns in Graz noch nie­mals so viel über ein Theaterstück gesprochen worden, wie über bas Nullerl. Das Armenwesen auf dem Lande hat aber auch noch eine andere, weniger edle Seite, als die, welche das treuherzige, gemütliche und ergebene Nullerl vertritt. Da ist noch der Jammerer Hans, der sich tranf macht, nur damit sie ihn ins Spital geben sollen, weil er ich da immer noch Wohler fühlt, wie als Einleger bei den Bauern. Da ist der Kraller Hias, der, wie der komische Ge­meindediener berichtet, eineGeizebuck nicht ordnungsmäßig gestohlen hat." Trotzbem man ihn laufen lassen will, möchte er doch lieber sitzen, er will es wenigstens ebenso gut haben im Winter, wie die Diebe. Als Gegensatz zu diesen müh­seligen Einlegern, die ihr Dach und Fach ergaunern müssen, 'teht die alte Magd Agerl, die in der warmen Stube nach Herzenslust schlafen kann, weil sie einen fleißigen Sohn hat, der bei dem Bauer für sie arbeitet. Und als Gegensatz steht auch die lebfrische Gabi und der junge Knecht Stoffel, »essen überklassische Einfalt uns nicht wenige Thränen kostet, als das Nullerl denn man lacht sich bei diesem Stoffel die Augen voll Wasser. Die Wahrheit und Wirkung dieser Ge­stalten für sich und chre ungesuchte Tendenz tritt so sehr hervor, daß nur die Fabel des Stückes und das übrige Theatralische daran stark zurücksteht, so prächtig, ergreifend und humorvoll sich manches auch geben mag. Nicht vergessen möchte ich die eingelegten Lieder im Volkston, die, an und ür sich schön, im Stück eine ganz eigenartige Stimmung erzielen und somit eines der vielen trefflichen Mittel zum Zweck sind. Morres Volksstück ,,s' Nullerl" wirkt durch eine Innigkeit. Ein Etras, als wäre es der Geist Ferdinand Raimunds, weht durch das Stück. Es heimelt uns eigen­artig an, und mild versöhnend, mit aller herben Not wirkt immer wieder das gute Null-Anerl.

Universltäts-Uachrichten.

Berlin, 17. Jan. Ter Historiker an der hiesigen Universität, Professor Scheffer-Boichhorst, ist nachts g e st o r b e n.

München, 17. Jan. Der bekannte Kliniker, Universitätspvo-- sessor und Krankenhausdirektor Geh. Rat Dr. v. Ziemssen ist an Lungenentzündung sehr bedenklich erkrankt. Nach derAtlg. Ztg." soll Prof. Dr. Karl G a r e i s in Königsberg (bekanntlich früher in Gießen) an Stelle des verst. Geheimrats Dr. Sicherer nach München berufen werden.

"Eisenbahn-Zeitung.

Die Direktion der Maiu-Reckarbahu wird vom 1. Ok­tober 1902 aufgehoben und die Bahn durch die preußisch-hes­sische Eisenbahndirektion Mainz, der ein badisches Mitglied bei­tritt, unter Oberaufficht der Centralstelle der vreußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft mitverwaltet. Die Betriebseinnahmen werden dermaßen verteilt, daß die Anteile Badens für die auf badischem Gebiet liegenden Strecken ermittelt und nebst einem als Ersatz für alle sonstigen Betriebseinnahmen bestimmten Zuschläge Baden zugewiesen werden, während der Restbetrag der preußisch- hessischen Gemeinschaft bleibt. Der Zuschlag beträgt jährlich so viel Prozent des badischen Anteils an den Verkehrseinnahmen, als bei der preußisch-hessischen Gemeinschaft alle Betriebseinnahmen abzüglich der Verkehrseinnahmen und der statutenmäßigen Pen­sionskassenbeiträge von den Verkehrseinnahmen in - jedem Rech­nungsjahr ergeben. Die gesamten Ausgaben werden mit Aus­nahme der 100 000 Mk. übersteigenden Neueinrichtungen auf badi­schem Gebiet von der preußisch-hessischen Gemeinschaft Getragen. Die Tariffestsetzung bleibt beiden Reichen auf ihren Strecken Vor­behalten, oas gesamte Dienstpersonal wird von der betriebsleitenden Verwaltung übernommen und untersteht den preußisch-hessischen Dienstvertragsbestimmungen. Entlassungen wegen Vereinfachung der Verwaltung werden nicht stattfinden.

Gerichtssaal.

e. Gießen, 16. Jan. (G ew e r b e g eri ch t.) Den Vorsitz führt Beigeordneter Wolff. Der Glasermeister Bernhard Wolff hier klagt gegen den Glafergesellen Karl Wolf hier auf Wieder­aufnahme der Arbeit, bezw. Entschädigung. Der Kläger bringt vor, daß er mit dem Austritt des Beklagten aus dem Arbetts- verhälMisse ohne Einhaltung der Kündigungsfrist einverstanden ge­wesen sei, weil ihm dieser mitgeteilt habe, er beabsichtige, sich selbst­ständig zu machen. Er habe dies jedoch nicht gethan, vielmehr hier anderweit Arbeit genommen. Der Beklagte bestreitet, dem Kläger die letztere Mitteilung gemacht zu haben, er will vielmehr nur ge­sagt haben, er habe anderweit Arbeit und möchte deshalb alsbald austreten. Damit sei der Kläger einverstanden gewesen. Da Zeugen bei der Unterredung nicht zugegen gewesen sind, müßte einer der Parteien seine Behauptungen beschwören. Der Kläger erklärt jedoch, daß er nicht wünsche, daß wegen des Streites ein Eid geleistet werden solle, er nehme deshalb die Klage zurück. Be­klagter ist einverstanden.

Beuthcn, 17. Jan. Die Strafkammer verurteilte den Amts» sergeanten Laischer aus Tachlowitz wegen widerrechtlicher Verhaftung zweier Personen zu 6 Monaten Gefängnis. Einer der Verhafteten hat eine ganze Nacht im Ge'ängnis zugebracht und ist erst am anderen Tage entlassen worden.

Handel uilbVerbehr. Volkswirtschaft.

Hamburg, 17. Jan. Die Generaldirektoren der Hanrbura- Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd, Ballin und Wiegano, treten Ende d. M. eine gemeinsame Reise nach Nordamerika an.

Neue 3 prozeutige Reichsanleihe und Preußische Konsols. Laut nunmehr veröffentlichtem Prospekt werden die neuen Anleihen am nächsten Mittwoch den 22. Januar zur Zeichnung aufgelegt. Der Zeichnungspreis stellt sich auf 89,80 Proz. zuzüglich halbem Schlußnotenstempel und laufenden Stückzinsen. Die Zuteilung erfolgt nach dem Ermeffen der Zeichnungsstellen bald nach Schluß der Zeichnung. Die Rentabilität der neuen An­leihe berechnet sich zum Emisfionskurse von 89,80 Broz. auf 3,33 Proz! Nach ihrer Fundierung sind die Anleihen Preußens unb des Reichs von erstem Rang und dürfen sich denen der bestakkre- bierten Staaten zur Seite (teilen.