Nr. 218
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Zweites Blatt. 152. Jahrgang Mittwoch 17. SeptemberLSVS
Gießener Anzeiger
*'jr General-Anzeiger "
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Metzen
vezngSpreiSr monallich75Ps., viertel- jährlich Mk. 2.20; drrrch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Dik. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr, ZetlenpreiS: lokal 12Pf.
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Die heutige Yummcr umsaßt 8 Seiten.
Gießen, den 15. September 1902.
Betr.: Die Einführung deS Instituts der Kreisgeometer; hier: die Beaufsichtigung der Thätigkeit der Feldgeschworenen durch dieselben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
a« die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Nach pos. 6 der Bekanntmachung vom 19. Juli d. Js., Reg.-Bl. Nr. 44 vom 24. Juli ds. Js., gehört zu den Funktionen der Kreisgeometer die Beaufsichtigung der Thätigkeit der Feldgeschworenen.
Wir weisen Sie unter dem Anfügen hierauf besonders hin, daß durch diese Beaufsichtigung die Bestimmungen der §§ 9 und 10 der Feldgeschworenen-Jnstruktion vom 23. Februar 1833 nicht berührt werden.
________________Dr. Brerdert.
Bekanntmachung.
Betr.: Schweinerotlauf zu Ruttershausen.
Der Schweinerotlauf in Ruttershausen ist erloschen. Die angeordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben.
Gießen, den 16. September 1902.
Großherzogliches Kreisamt Gießen- Dr. Breidert.
Aorn sozialdemokratischen Parteitage.
Wir tragen zunächst nachfolgende Schilderung der Kon - ferenz der Genossinnen nach, die wir den „Münch. N. Nachr." entnehmen:
„Es sind durchweg intelligente, interessante Gesichter. Tin einziger Tituskopf ist darunter, die Genossin Köhler auS Sachsen, wo die schönen Mädchen bekanntlich auf den Bäumen wachsen. In billardgrünem Tuchkostüm, mit kummetgroßem, weißem HLckelkragen, vertritt diese „vaterlandslose" Sozialdemokratin in der sinnigen Farbenzusarn- menstellung ihrer Toilette das sächsische Vaterland, den gepriesenen Hort der Sozialdernokrutie. Da ist ferner die ast schon matronenhaft dreinblickende Vertrauenspersvn der ozialdemokratischen Frauenkonferenz für ganz Deutschland Fräulein Baader aus Berlin; ferner Frau Zietz auS Hamburg mit den harmlosen, sanften, verträumten Augen, die urplötzlich ganz anders dreinblicken, wenn der Breite, redegewaltige Mund sich öffnet zu einem Hagelschauer stachlichter Bosheiten über den Polizeiverstand, der den Frauen ihre spärlichen politischen Freiheiten durch gesetzwidrige Auslegung und Anwendung des staatlichen Aufsichtsrechts illusorisch machen möchte, lieber allen aber steht als Ober- und Uebergenossin Klara Zetkin, die Chefeuse des ganzen: Schwerter auf den Lippen, Dolche in den Blicken, Unruhe in allen Gliedern, eine rabiate Miterweckerin des Weibes zmn proletarischen Klassenbewußtsein. Man muß sie gesehen haben und gehört, im hellHakisarbenen Beigekostüm mit schwarzem Aufputz, das angegraute, dunkelblonde Haar energisch emporgekämmt und a la Zweispitz touffiert." Diese ruhelosen, fanatischen Augen, die schmalen Lippen säuerlich gekniffen, — wenn sie schweigt — und dieser herbe Zug um die Mundwinkel! Mit kalter Energie und mit Schlagfertigkeit führt sie das Regiment, keinen Widerspruch duldend, spöttische Ungeduld auf den scharfen Zügen, sobald ein „männlicher" Genosse das Wort verlangt. Wie bügelte sie — ach nein! — wie säbelte sie den unglücklichen Hoffmann aus Hamburg zusammen, der — sonderbare Logik! — es versuchen wollte, unter dem Präsidium einer Zetkin, wider den Stachel zu löcken und eine Lanze zu brechen gegen die von der Frauenkonferenz ganz folgerichtig begehrte Ausstellung von auch weiblichen Vertrauens- Sersonen bei der politischen Organisation des Proletariats. Üt funkelnden Augen und sprungbereit lauerte die Zetkin auf ihr Opfer; ein Schluck aus der Rotweinflasche, um die Stimmritze zu befeuchten, und dann zermürbte sie den sächselnden Hamburger Genossen, daß es eine Art hatte."
Aus der Begrüßungsversammlung und der vorbereitenden Sitzung ist wenig von Belang zu melden. Interessant war, daß ein englischer Genosse hier hervorhob, die englischen Sozialdemokraten teilten mit den Genossen aller Länder das Gefühl des Ab scheues und des Entsetzens über die Art und Weise, in der die englische Regierung im Burenkriege nicht nur gegen die Feinde, sondern auch gegen deren Frauen und Kinder gewütet hat. Bei der Festsetzung der Tagesordnung wurde der Antrag, der dahinging, die Versicherung der Parteiangestellten aus Kosten der Partei bis zum Zulu n f t s st a a t e zu vertagen, unter allgemeinem Gelächter von der Tagesordnung abgesetzt. Trotzdem wurde der Gedanke noch hier nachher in der Diskussion berührt. Ein Leipziger Genosse meinte, die Parteiangestellten möchten sich doch gefälligst aus eigenen Mitteln versichern.
Wie immer, begann auch dieses Mal der Parteitag mit dem Geschäftsbericht der Parteileitung, den der Abg. Auer erstattete. Auer ist immer witzig und manchmal bissig. Diesmal aber machte sein Witz etwas den Eindruck der Müdigkeit. Tas mochte wohl daran liegen, daß er am Eingänge seiner Darlegungen hervorheben mußte, daß bezüglich der Parteipresse zwar gerade kein umfangreicher Rückgang, wohl aber ein Still st and der Entwickelung eingetreten sei. Auch über die nicht besonders günstige Lage der Finanzen klagte Auer und erwähnte, daß die Partei im Laufe der letzten Jahre monatelang ein Defizit von 7 5 000 Mark gehabt habe, und daß nur besonders günstige llmstände
einigermaßen die Bilanzierung ermöglicht hätten. Noch deutlicher in dieser Beziehung wurde Genosse Ger i sch, der rundweg erklärte, es sei ganz unmöglich, daß man so weiter wirtschaften könne. Tie finanziellen Verhältnisse seien derart, daß sie ein solches Weiterwirtschaften nicht zuließen. TeshaL wendete er sich mit großer Schärfe gegen die Gründungspläne, die überall in der Lust schwebten oder schon aufgetaucht seien. Die Diskussion war ziemlich scharf. Auer, Bernstein, Heine, Dr. David und andere pflegen bekanntlich ihre Ansichten nicht in der parteioffiziösen „Neuen Zeit", sondern in den „Sozialistischen Monatsheften" zu veröffentlichen. Tas gab den Anlaß zu einer scharfen Attacke gegen diese Herren. Die Attacke unternahm vor allen Dingen Hofsmann, der selbst einen Verlag sozialdemokratischer Schriften hat, ferner Genosse Zubeil, und zuletzt Bebel selbst, der mit großer Lebhaftigkeit die Genossen stets mit dem vertraulichen und väterlichen „ihr" anredete. Abg. Heine sprach dagegen von „reiner Maulkorbgesetzgebung" und „bureaukratischer Engherzigkeit. Wer der Partei eine Schablone aufzwingen wollte, der betreibe ihre geistige Verarmung. Auch Bernstein setzte sich mit den Angreifern auseinander. Ihn hatte vor allen Dingen ein Aufsatz des jungen Liebknecht geärgert, den er als „einen jungen Mann, den Erben eines großen Namens" nannte. Genosse Dr. David behauptete unter großem Lärm, daß Bernstein in der That mundtot hätte gemacht werden sollen, und daß er deswegen die „Soz Monatshefte" hätte gründen müssen. Er warf dem Parteitage die Malice ins Gesicht: Tiefe geistige Arbeit scheint Ihnen wohl unbequem zu sein! Zum Schlüsse tauschten die Genossen Heine und Hoffmann noch einige recht unfreundliche Bemerkungen aus, dann wurde die interessante Auseinandersetzung vertagt.
Zu Beginn der Dienstag-Sitzung wurden die von der Prüfungs-Kommission geprüftes 205 Mandate für gültig erklärt. Genosse Böh le-Straßburg sprach sich gegen die Gründung eines neuen Blattes in Mülhausen aus. Genosse Leidecker wendete sich scharf gegendieAkade'miker und verurteilte den Streit, der schon so lange in der Partei herrsche. Er meinte, man zollte den gutsituierten Parteigenossen ein bischen auf den Pelz klopfen, damit sie die Partei unterstützen. Abg. Kolb-Karlsruhe regte an, man solle dem Parteivorstande etwas an die Hand gehen, damit er die Mitglieder zu Unterstützungsbeiträgen nötigen könne. Abg. Rollwagen verteidigte den Augsburger Antrag, der hauptsächlich bezwecke, daß die Abgeordneten Mitarbeiter der Parteiorgane werden. Genosse Kautsky wies den Vorwurf zurück, als ob er die Mitarbeiter der „Neuen Zeit" vertreten wolle, und verteidigte den jungen Liebknecht, der ein tüchtiger Mann sei. v. Vollmar erklärte, daß der Streit kein Ende nehmen werde und die Sache Überhaupt nicht besser werde, wenn kein regeres Interesse an der „Neuen Zeit" eintrete. Genosse Stadthagen wendete sich gegen die Monatsschriften. Genossin Zetkin brach eine Lanze für die „Neue Zeit". Genosse.Ulrich meinte, man solle wegen des guten Don^s nicht so empfindlich sein. Schließlich wurde die.Weiterberatung aus nachmittag vertagt.
Aus der Tagesordnung der Nachmittagssitzung stand die Beratung der Polen frage. Eine Resolution von Rosa Luxemburg verurteilt die Absonderung der „polnischen sozialistischen Partei. In der Diskussion traten Heidelmanw-Breslau und Dr. Winzer für die Resolution Luxemburg ein, eine Verständigung mit den Polen sei nicht mehr möglich. Abg. Ledebour sprach dagegen. Abg. Bebel hält für das beste eine Verständigung mit den Polen. Nach Schluß der Debatte gelangte vorerst der Antrag zur Annahme: Finanzielle Verpflichtungen, welche von der bestehenden oder neu zu begründenden Parteipresse eingegangen werden, sind von dem Parteivorstande unter keinen Umständen zu übernehmen.
Vermischtes.
* Metz, 16. Sept- Oberstleutnant Ludwig vöm hier garnisonierenden Infanterie-Regiment 9tr. 98 wurde gestern nach der Manöverübung bei Dieuze während der Kritik vom Schlage gerührt. Er verstarb alsbald.
* Karlskrons (Schweden), 16. Sept. Bier Offiziere von dem hier ankernden dänischen Uebungs-Geschwader sind heute Nacht bei der Rückkehr von der Stadt nach dem Schiffe auf noch unaufgeklärte Weise ertrunken. Die Schiffswache sagt aus, daß sie nur einen Notschrei gehört habe. Die Leichen der ertrunkenen Offiziere konnten geborgen werden.
* Paris, 16. Sept. .Ein Provinzialblatt versichert, Beweise dafür zu haben, daß der frühere Justizminister Humbert an^den Betrügereien seiner Enkelin, der Frau Humbert, beteiligt gewesen ist. Das Blatt wirft Waldeck- Rousseau vor, die Angelegenheit erstickt zu haben, um mehrere seiner politischen Freunde, welche dabei kompromittiert seien, zu retten und fordert den Untersuchungsrichter aus, seinen Direktor zu vernehmen.
* Rockitzan (Böhmen), 16. Sept. In der Ortschaft^ Mauth brach nachts ein großes Schadenfeuer aus, welches zahlreiche Häuser einäscherte. Das Feuer wurde von einer Irrsinnigen angelegt, die dabei ums Leben kam.
* Charkow, 16. Sept- Im Dorfe Meresa sind 114 Bauern Höfe niedergebrannt. Ter Schaden wird aus mehr als 200000 Rubel geschätzt.
*Newyork, 16. Sept. Im Staate Washington sind infolge von Waldbränden viele Menschen um
gekommen. Bis jetzt sind 38 Leichen aufgefunden worden. Außerdem werden noch viele Pflanzer und sonstige Landbewohner vermißt. Auch der in den Nutzholzbeständen angerichtete Schaden ist bedeutend.
• New-Park, 16. Sept. Der Bankier NicholaS Fish, früher Legationssekretär in Berlin und ChargS d'Affaires in der Schweiz, wurde hier in einem ftagwürdigen Hause von einem Privatdetektiv getötet.
* Tiflis, 16. Sept. Gestern brach im physikalischen Observatorium Feuer aus, durch das die meisten Jnstrn- mente vernichtet oder beschädigt wurden.
* 2742 Liter Tinte, davon 110 Liter farbige, sind während des letzten Etatsjahres in den Berliner städtischen Bureaus verschrieben worden. Dazu wurden 3360 Groß Stahlfedern und 225 Stück — Federposen, sowie eine Million und 103 753 Bogen Schreib- und Briefpapier, 68 375 Bogen Löschpapier usw. gebraucht. Für die Versendung der Briefschaften waren 622 348 Couverts erforderlich. Aber auch mit der Druckerschwärze wurde nicht gespart: es sind zu den Drucksachen des Magistrats nicht weniger als 11421379 Bogen Papier und 95 421 Couverts verwendet worden.
* Cholera. Eine Drahtmeldung des Gouverneurs von Ki au tsch o u besagt: Die Cholera läß tallgem ein nach. In den Nachbardörfern sind nur noch vereinzelte Fälle eingetreten. In Tsingtau beträgt der Krankenbestand acht Chinesen aus den Nachbardörsern. Zwei Soldaten sind Rekonvaleszenten.
* Ein Duell mit seltsamem Ausgan g wurde kürzlich in der Nähe von Marseille ausgefochten. Zwei Herren traten sich mit der Pistole in der Hand gegenüber und schossen im Avancieren. Bei diesem Vorgehen stolperte einer der Duellanten über eine Baumwurzel. Der Gegner glaubte, der Aermste ■ sei tätlich getroffen, warf sein Mordinstrument weg und eilte entsetzt tief in den Wald hinein. Dort fanden ihn die Sekundanten in trostloser Verfassung, weinend aus einem Baumstunrpf. Man redete dem gestürzten Gegner gut zu und feierte bald darauf die Versöhnung der Unversöhnlichen!
* Gegen das Ueberyandnehmen der schwe- renSäbelrnensnren hat die Universität Göttingen einen Aufruf veröffentlicht. Die „Hochschul-Nachr." bemerken hierzu: „Um dem Pistolenunfug zu steuern, der lange Zeit in der Studentenschaft grassiert, und den gesunden und korrekten Ehrbegriff in einer Weise verzerren half, daß sehr oft nicht nur nichtsnutzige Baga> teilen und schmutzige Weibergeschichten, ja, sogar unter alten Herren Rechtsfragen „ausgeschossen" wurden, führten in den 80 er Jahren die Korps und später alle größeren Korporationsverbände bekanntlich für schwere Ehrbeleidigungen eine schwere Säbelforderung ein, d. h. eine Säbelmensur mit sehr wenig oder ohne Bandage. Daraus resultierte aber einerseits eine Entwertung der früheren Säbelmensur „ohne" ober „mit" Bandage; andererseits werden zahlreiche an sich unzulässige Pistolenforderungen in solche Säbelforderungen ehrengerichtlich „abgeschwächt". Das ist ein Hauptgrund des Ueberhandnehrnens der Säbelmensur. Der andere besteht darin, daß im Gegensatz zu der in allen Korporationsverbänden nunmehr ziemlich allgemeinen Bestimmungsmensur, die mit dem Schläger ausgefachten wird, für die Kvntrahage-Mensur, die auf Grund „kommentmäßiger" Beleidigungen stattfindet, der Schläger in Hinsicht auf die Beleidigung vielfach nicht mehr als genügend erachtet wird. Das Ganze läuft somit auf eine bereits des öfteren erörterte Kommentfrage hinaus, d. h. man revidiere oder besser man handhabe den Komment in einer Weise, daß inkommentmäßige oder frivole Beleidigungen mit Ehrenstrafen geahndet werden und dann genügt für die iommentmäßige Beleidigung oder den wasfensröhlichen Tusch — es sei beispielsweise nur an das Kontrahieren nach den S.C.-Kommersen in Heidelberg erinnert — der studentische Schläger vollauf. Als es auf deutschen Hochschulen noch „dumme Jungens" gab, war man im Austragen von Ehrenhändeln vernünftiger, seitdem aber bereits der krasseste Fuchs sich mit den Allüren eines unantastbaren Diplomaten umgiebt, werden größere Dummheiten gemacht als Anno dazumal." Viele werden diesen Ausführungen beistimmen. Nur die Furcht, vielleicht furchtsam zu erscheinen, führt die jungen Leute oft zu übertrieben scharfen Forderungen aus Säbel und Pistolen wegen Beleidigungen, die unsere Väter ruhig mit dem Schläger, der eigentlichen Waffe des Studenten, erledigten, wahrlich ohne darum schlechtere Menschen zu sein.
* lieber die Ermordung des Grasen Bon- martini in Bologna wird weiter aus Rom gemeldet: Das Bologneser Verbrechen verwickelt sich immer mehr. Der Freund des jungen Murri (dies ist der richtige Name, nicht Mirri), von dem es hieß, daß er zum Mörder geworden sei, um die Wiedervereinigung der Gräfin Bon-, martini mit ihrem Gatten zu verhindern, hat sich der Polizei gestellt und ist, nachdem ein Verhör seine völlige Schuldlosigkeit ergab, entlassen worden. Heute nachmittag verhörte dafür die Polizei den jungen Dr. Naldi, auf dem- der Verdacht lastet, den Grafen im Verein mit dem Sohn des Prof. Murri aus Habsucht ermordet zu haben- Der Senator Murri beabsichtigt infolge der Ermordung feines Schwiegersohnes die Praxis niederzulegen und Italien zu verlassen. Die Liebe des Mörders Tullio Murri zu seiner Schwester geht aus einem vorjährigen Brief des ersteren an eine Veroneser Freundin hervor, worin er bekennt, daß er möglicherweise zum Mörder werden könne. Man fahndet noch nach einem dritten Helfershelfer. Es wird versichert, der Advokat Murri sei aus Serbien zurückgekehrt und auf einem Bahnhof bei Bologna von feiner Mutter in Empfang genommen worden. Unter den vielen Kränzen, die dem Grafen Bonmartini zu teil wurden, befindet sich


