Ausgabe 
17.5.1902 Viertes Blatt
 
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Nr. 114

tSgltch außer Sonntags.

Dem G,ebener Anzeig« werden rm Wechsel dem kesflschen £ wöroirt die Siebener Familie» hMler viermal in der Woche beigelegt.

NotaNonSdruck ru Ver­lag der Brüh l'schor Untvers.-Buch- u.Stei»- druckerei (Pie ls ch Lrbeai Nedaktwn. Lrpeditton und Druckerei:

Sch ulst raße 7.

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Arrusprkchansckilub Nr. 5L

Samstag 17. Mai 1002

153. Jahrgang

Viertes Blatt.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Ve»«gSpret-r monatlich PU oicxtel* jährlich UHL LL0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Pf.; durch die Post Mk.2. viertel» jährt. auSjcht. vestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer biS vormÜlagS 10 Uhr. AeilenpreiS: lokal 1LPU auSwärt» 20 Psg.

verantwortlich: ttr den polit u. allgem. teil: P. Wiltko: für .Stadt und ßanb" und Gerichts! aal": R.Dttt» mann; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Kepavzerte Kolosse.

Im 3. Blatt unserer Nr. 108 veröffentlichten wir unter tiefer Ueberschrist einen Artikel auS fachkundiger Feder, in dem die Frage erörtert wurde, ob es sich nicht im Interesse der Schnelligkeit und Beweglichkeit unserer Schlachtschiffe empfehle, den Tounengehalt der Linienschiffe bei den wetteren Bauten zu verrin­gern. Der Verfasser jenes Artikels neigte sich der An­sicht zu, daß eine weitere Steigerung des Deplacements unzweckmäßig sei. Aus unserem Leserkreise geht uns nun eine Zuschrift zu, die die gegenteilige Ansicht vertritt. Im Interesse der Sache geben wtt der Zuschrift gern Raum. Der Herr Einsender schreibt:

Die Wasserverdrängung der Linienschiffe aller Flotten hat im 19. Jahrhundert eine gewalttge Steigerung er­fahren, die allerdings zum Teil durch das Aufkommen der Dampfschiffe begünstigt wurde; aber besonders im letzten Jahrzehnt ist man so schnell vorgegangen, das Deplace­ment zu vergrößern. Grund dazu waren nicht nur die fortwährend steigenden Anforderungen an die Fahrge­schwindigkeit, sondern vor allem auch die Absicht, eine größere Gefechtsstärke zu erzielen, es zu ermöglichen, mehr und schwerere Geschütze auszustellen. Man sah fich auch dazu genötigt, wenn man all die modernen Hilfsmittel dem Schiffe sichern wollte; das erforderte dann fteilich wieder stärkere Maschinen. So steigerte sich auch das De­placement der deutschen Linienschiffe von den 10 0OO Tonnen derBrandenburgs-Klasse bis zu den rund 12 000 Tonnen der ,Mittelsbach"-Llasse. Aber es hätte wohl wenig Zweck, das Deplacement deshalb herabzusetzen, um schwächere und einfachere Diaschinen verwenden zu können; denn selbst eine einfache Maschine an und für sich,) überhaupt ein ganzes Linienschiff mtt all den modernen Erfindungen und Einrichtungen hübet einen so überaus komplizierten Apparat. Es ist ja aus diesem Grunde erklärlich, daß gerade die größeren Schiffe solchem Mißgeschick ausgesetzt sind, wie es neulich dem PanzerKaiser Wilhelm d. Gr." Ezestoßen ist; aber dieses Beispiel ist schließlich ebenso soll, wie der Umstand, daß die Schiffe der ,Kranden- rg^'-Klasse den Weg nach Ehina machten, ohne den ge­ringsten Schaden zu erleiden. Und gerade dieser Vergleich ich schon deshalb ohne Einfluß aus die Entscheidung der aufgeworfenen Frage, weil der Größenunterschied dieser? Heiden Schliffstypen nicht sehr beträchtlich ist, außerdem aber M'ch niemand behaupten wird, daß die älteren Maschinen der ,^randenburg''-Klasse besser seien als die der neuen ,^aiser"-Klasse. Vollständig unrichtig ist jedoch, daß be­sonders Deutschland Linienschiffe mit solch riesigen Dimen­sionen baue. Gerade «das Gegenteil ist der Fall: Die neuesten, noch aus Stapel liegenden deutschen Schlachtschiffe derH"- Klasse werden, sowett bekannt, etnxi 13 000 Tonnen und die neuesten französischen Panzer ebenfalls mehr als 13 000 Tonnen erhalten. England, Japan und die Vereinigten Staaten besitzen Schlachtschiffe von über 16 000 Tonnen, ja die beiden neuesten englischen baden ein Deplacement von 18 000 Tonnen, wenn auch die Gefechtskraft dieser Riesen der der deutschen Linienschiffe kaum überlegen ist. Und man muß zugeben, daß die Beweglichkeit der großen Panzer, im Verhältnis zu chrer Größe, keine geringe ist.

ES ist auch schon die Frage aufgeworfen worden, ob es nicht zweckmäßig sei, die Schiffe selbst kleiner zu bauen und dafür ihre Zahl zu vermehren. Es ist indessen von Fachleuten nachgewiesen worden, daß dadurch Nichts ge­wonnen ist, Denn abgesehen davon, daß bei mehreren kleineren Schiffen die Einheit der eLttung wegfiele, wäre auch bei einem großen Panzer, der mindestens dieselbe Gesechtskraft besitzt, wie etwa 3 kleinere zusammen, doch bedeutend weniger Mannschaft erforderlich.

Das Streben nach Vergrößerung des Deplacements ist a^ch bei anderen Schiffsarten zu bemerken; so bauen z. B. eine Anzahl Staaten, darunter auch Deutschland, nur noch große Torpedoboote. Dieses ständige Wachsen der Schisss- bimensionen entspringt zum Teil auch dem Wunsch, den Schiffen einen großen Aktionsradius geben und sie von den Sohlenstationen an Land möalichst unabhängig machen zu können, was besonders bei überseeischen Aktionen sehr ins Gewicht fällt.

Heer und Flotte.

Die Flotte beschäftigt sich mtt Versuchen, den Torpedo­booten euren neuen Au ßeubord anstrich zu geben und dadurch die Sichtbarkett der Fahrzeuge am Tage zu ver­mindern Statt des tief schwarzen Anstrichs, der zwei Jahr­zehnte hindurch unserer Torpedowaffe eigen war, sollen Die Boote eine graubraune Farbe erhalten Es sind beretts mehrere in Dienst befindliche Torpedoboote versuchsweise mtt dem neuen Anstrich versehen worden Die graubraune Farbe soll sich namenttich in der Ostsee und in den nordi­schen Gewässern überhaupt wenig bemerkbar machen. Einen Anstrich der für alle Meere passend ist, giebt es nicht. Unsere Kriegsschiffe sind bekanntlich graublau gestrichen, während die aller übrigen Nationen einen schwarzen Rumpf aufweisen. Diese Farbe macht nachts die Schiffe am wenigsten sichtbar. Blaugrau gestrichene Schiffe heben sich dagegen am Tuge von der Farbe des Wassers, des Himmels, der Küsten, des Pulverdampfes wenig ab. Die Engländer gaben den ersten Torpedobootszerstörern einen grauen Anstrich, und die Franzosen versuchten es vor Jahren mtt einem graubraunen Anstrich der Schiffe. In gewissen Ge­wässern und bei gewissen Beleuchtungen war graubraun besser ju erkennen als schwarz. So kehrten beide Staaten zum schwarzen Anstrich zurück. DaS aus mächtigen Find­lingen errichtete Denkmal der in China Gebliebenen er­hebt sich auf dem Kasernenhofe des 1* Seebataillons. Der deutsche Aar breitet, aus dem höchstes Felsstück thronend,

seine Schwingen aus. Am Fuße ist ein erbeutetes chine­sisches Feldgeschütz aufgestellt. Die in Gestein eingelassene Gedenktafel zeigt nach der Widmung an erster Stelle den Namen des Seesoldaten Gabel, der bei Lianghsiangsien fiel. Dann folgen die Namen von 35 Gestorbenen, darunter Hauptmann Frhr. v. Rheinbaben. Eine zweite Inschrift besagt, daß das Denkmal vom Großherzog Friedrich von Baden, Herzog Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein und ehemaligen Angehörigen des Bataillons gewidmet ist.

Kolonialpost.

Wie verlautet, ist nun festgestellt, daß der Gouverneur v. Bennigsen nicht mehr tauglich für den Tropendienst ist. Seine Pensionierung dürfte bald erfolgen. Wenn er auch in den Dienst einer Ueberseegesellschaft eintreten wird, o erfolgt feine Uebersiedelung nach tropischen Ländern nicht.

Nach Den letzten Meldungen war der Bau der Eisen­bahn Swakopmund-Windhoek in Deutsch-Südwest- afiika am 31. März mit seiner Spitze bei Kilometer 340 angelangt, während der Unterbau ungefähr bis zur Militär- tation Brakwater (Kilometer 360) fertiggestellt war. Nach einem Berichte Des kaiserlichen Gouverneurs von Teutsch- Südwestafrika ist zwischen Windhoek und Gibeon eine kündige helioar aphische Verbindung hergestellt worden. Dies beoeutet einen weiteren Schritt vorwärts in Ansehung eines beschleunigteren Nachrichtendienstes, da mit der erwähnten Maßnahme ein Anschluß an den Telegraphen Swakopmund-Windhoek geschaffen worden ist, der es er­möglicht, in kürzester Zeit von der Heimat aus Nachrichten bis nach Gideon zu befördern. Von besonderem Wert ist die Einrichtung für den Südbezirk, der bisher ganz aus )ie Telegraphenlinie der Kapkolonie angewiesen war.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 17. Mai 1902.

* Zn der Gemäldeausstellung im Turmhaus am Brand hat in dieser Woche wieder ein teilweiser Wechsel der Ge­mälde stattgefunden. 9?eu ausgestellt sind u. a. von F. Keller- Stuttgatt:Schwere Arbeit", von P. Bücken-Aachen:Heim­kehr^, von H. Pollack-Hamburg:Manöverirenbe Kriegs­chiffe bet Helgoland", von C. Nießing-Baden-Baden:Am Altrhein bei Wintersdorf" undSeufzerallee bei Baden- Baden, von V. Valentini-Berlin:Der Zweifler", von S. Lrone - München:Gut bewacht", von I. D. Holz- München:Heimkehr" undAckerpferde", von H. Kreyßig- München:Dämmerung", von F Kottejohann-Osnabrück: Landhäuser in Südtyrol", von E. Schmidt-Rostock:Inneres der Rostocker Marienkirche". Die Ausstellung ist an den Feiertagen von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags ununterbrochen geöffnet

Fleischvetkauf in den Marktlauben. Ein leistungs­fähiger auswättiger Metzger hat bei der Stadt angefragt, ob diese bereit sei, rote in anderen Städten, auf den Wochen­märkten und an anderen Wochentagen den Verkauf von Fleisch außerhalb geschlachteter Tiere zuzulaffen, und ob die städtische Behörde geneigt sei, zwei der leerstehenden Marktlauben zu diesem Zwecke zu vermieten. Eine Entscheidung in der An­gelegenheit ist noch nicht getroffen.

Der humoristische Äbeud der Wanderer, G. R.-G., am Donnerstag auf demWindhof" nahm bei reger Beteiligung seitens der Mitglieder einen recht animierten Verlauf. Auch zahlreiche Gäste waren erschienen.

* * Ter Garde-Verein Gießen wird aus Anlaß des am 31. Mai und 1. Ium stattfindenden 10jährigen Stiftungs­festes und der Fahnenweihe des Vereins ehemaliger Gardisten zu Marburg am 1. Juni nach unserer Schwesterstadt fahren, um bei der Fahnenweihe die Pathenstelle zu übernehmen.

** Kriegerkamerad schuftHassi a". In den Landesverband der Kriegerkameradschaft ,^Hassia" sind fol­gende Kriegervereine nach Erfüllung der satzungsmäßigen Pflichten aufgenommen worden: Krtegerverein Schlechten­wegen mit 24 Mitgliedern, Bezirk Herbstein; Kriegerverein Dorndiel mtt 21 Mitgl., Bezirk Groß-Gerau; Kriegerverein Reuters mit 16 Mitgl., Bezirk Lauterbach; Kriegerverein Wisselsheim mit 27 Mitgl., Bezirk Friedberg.

* Stenog raphisches. Am 31. Mai und 1. Juni findet in Wetzlar der 23. Verbandstag der Gaoels- berger Stenographen des Main-Rh ein-Gaues und von Hessen-Nassau statt. Der Verbandstag wird Samstag, den 31. Mai abends durch einen Festkommers int RestaurantZum Riesen" eingeleitet. Bei bem Sonn­tag, den L Juni, vormittags 11 Uhr, im kgl. Gymnasium stattfindenden Wett schreiben wird in 7 Abteilungen zu 80, 100, 130, 150, 170, 200 und 220 Silben geschrieben. Für die am Wettschreiben nicht Teilnehmenden ist ein Frühschoppen imRömischen Kaiser" vorgesehen. Bei der akade mischen Feier imSchützengarten", die auf mittags 12i/2 Uhr festgesetzt ist, wttd Dr. G a n 11 e r -Frank­furt a. Wt. einen Vortrag halten überDie Schnell­schrift Gabelsberg ers im Kampfe der Steno- graphie-Systeme". Nach der nach aufgehobener Fest­tafel vorgesehenen Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt findet nachmittags ein Konzert und abends ein F e st b a l l imSchützengarten" statt. Die großen Vor- berettttngen, die von ) eiten des rastlos thätigen Wetzlarer StenographenvereinsGabelsberger" getroffen worden sind, berechtigen zu der Hoffnung, daß der Verbandstag einen glänzenden Verlauf nehmen wird. Wie wtt aus Nr. 2 der Mitteilungen" deS Verbandes entnehmen, tft an Stelle des nach Alsfew versetzten Dttektors Prof. Dr. Pitz Lehrer Ziep r echt-G4eßen einstimmig zum Berbandsvorsitzenden

gewählt worden Der Verband umfaßt gegenwärttg 60 Vereine mit über 2000 Mitgliedern

* Die 17. ordentliche Hauptversammlung de8 DerbaudeS reisender Kaufleute Deutschlands fand in den letzten Tagen in der Philharmonie in Berlin statt. Sie wurde durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Gustav SB a cf ermann -Leipzig eröffnet. 71 Sektionen mit 8660 Stimmen waren vertreten. Nach dem Geschäftsbericht ist das Gesamt-Vermögen auf 2015152 Mk. gestiegen; bet Zuwachs gegen das Vorjahr beträgt 224 606 Mk. Das Vermögen des Witttven- und Waisenfonds beziffert sich auf 1 206 821 Mk., das Vermögen des Altersversicherungsfonds stieg auf 361 852 Ntk. Der all­gemeine Unterstützungsfonds ist von 309,866 Mk. auf 331 288 Mark gestiegen. Seit dem Bestehen des Verbandes sind 222 216 Mk. aus diesem Fonds zur Auszahlung gelangt. Der Verband zählt 9504 Mitglieder. Der HaushaltungSplan ür 1903 wirft 59 500 Mk. aus gegen 57 300 Mk. im Vor­jahre. In den Aufsichtsrat wurden wiedergewählt KönigS- M.-Gladdach und Gerecke-Magdeburg; neugewählt wurden Ewald-Hagen und Keseberg-Breslau. Die weiteren Punkte der Tagesordnung betrafen Satzungsänderungen. In der Hauptsache drehte sich die Besprechung darum, dem Verbände die Selbstständigkeit zu wahren und ihn nicht auf den Weg einer Versicherungsgesellschaft zu drängen.

g. Vom Jungferraub durch Ritter Holz« appel vom Vetzberg. Auf der Burg zu Tttlenburg im Nassauer Land wohnte vor mehr als 400 Jahren Graf Johann IV. von Nassau-Dillenburg. Er hatte ein liebreizendes Töchterlein, zu dem Ritter Holzappel vom Vetzberg in heißer Liebe entbrannte. Vergebens bestürmte der Vetzberger den Grafen mit Bitten, das Edelfräulein auf feine Burg heimführen zu dürfen. Nicht vermochten die Thränen der Jungfrau und das Geständnis der Gegen­liebe zu dem Edelmann auf der Burg am Lahnthal das Herz des Alten zu rühren, der sein Töchterlein für einen Grafen, aber nicht für einen wenig begüterten Edelmann bestimmt hatte. Da gute Worte nichts halfen, so suchte Holzappel von Vetzberg mit Gewalt, sich den Besitz des Edelfräuleins zu erzwingen. Er sammelte seine Alaunen, und im raschen Trab gings über die Höhe des Düns- bergs ins Dill thah Durch List gelang es, die Jung­frau von der Burg zu entführen, und heimwärts gings bergauf, bergab mtt der kostbaren Beute. Doch kaum war das Edelfräulein entführt, als der alte Graf die Frevel- that erfährt. Mtt feinen Getreuen fliegt er im Sturm ba» von, bietet unterwegs das Volk in den Dörfern auf, um dem Räuber nachzujagen. Am Fuße des VetzbergeS toerben bie Flüchtlinge eingeholt. Es entspinnt sich ein heißer Kampf. Trotz tapferer Wehr und trotz der heißen Gebete, bie die Jungfrau für ben geliebten Mann unb das Glück seiner Waffen zum Himmel senbet, mutz bie kleine Schar der Vetzberger der Macht der Dillenburger erliegen. Die Jungfrau wird zurückgeführt, und muß hinter düsteren Klostermauern ihr kühnes Wagnis sühnen.

** Auf Eis. Beim Beginn der wärmeren Jahreszeit erwächst den Hausfrauen wieder die Sorge, die Nahrungs­mittel so aufzubewahren, daß sie nicht in der kurzen Zeit die bis zum Kochen unb von ba bis zur Verzehrung ver­geht, verberben. Da ist bas am meisten verbreitete Mittel, daß man bie bedrohten Nahrungsmittel, besonders Fische ober Fleisch, auf Eis legt. Es sind aber auch damit schon unangenehme Erfahrungen gemacht worden. Personen, die solchen Fisch oder solches Fleiscy gegessen hatten, erkrankten; ja Todesfälle sind infolgedessen schon vorgekommen. Das ist auch leicht zu erklären, wenn man bedenkt, daß das Eis bei der hohen Temperatur der Umgebung stets Schmelz­wasser abgiebt unb die Fäulnis erregenden oder fonfügen schädlichen Bakterien, die bei der Temperatur des schmelzen­den Eises durchaus nicht untergeheu, gerade in den durch das Schmelzwasser feucht gewordenen Nahrungsmitteln einen guten Nährboden finden. Man handelt also richtiaer, wenn man Fleisch und namentlich die leicht zersetzenden Fische nicht direkt auf Eis legt, sondern in troefenen, kalten Räumen aufbewahrt; im Eisschrank ist ja auch der für das Eis bestimmte Raum stets von dem für die Eßwaren be­stimmten Behälter getrennt, unb man sollte sorgfältig Darauf achten, baß bie)er letztere Raum von ben feuchten Eisverbunstungen frei bleibt. Selbst in ben Fällen, wo die Feuchtigkett nicht bireft gesunbheitsichädlich wirkt, nimmt sie bem Fleisch und Fisch das schöne appetitliche Ansehen unb bie Schmackhaftigkeit.

Friedberg, 16. Mai. Die am 2. unb 3. Pfingsttage hier stattsinbenbe Versammlung des Katholischen Lehrer­vereins Hessens wird allem Anscheine nach auch von Geistlichen stark besucht werden. Dieselben sind allerdings an den zur Erörterung stehenden Verträgen (Kirchenaufsicht unb Organistenfrage) sehr interessiert.

§ Fauerb ach v. d. Höhe, 15. Mai. Jm Beisein des Verbanbssekretärs Neumann wurde kürzlich von 27 Bürgern hier eine Spar - und Darlehnskasse gegründet mit dem Zwecke, Darlehen an die Mitglieder zu gewähren, sowie für unsere Einwohnerschaft unb bie nächsten xttUvT liegenben Ortschaften bie Geldanlage zu erleichterns unb den Sparsinn zu fördern. In den Vorstand sind gewählt: 1. Gcmeinderechner Seipel als Tirekwr, Konrad^'Seipel III. als Rendant, Johannes Dieter L als Stellvertreter des Direktors. Die neue Genossenschaft ist bem Verbände ber hessischen lanb wirtschaftlichen Genossenschaften beige treten unb bei bem Registergericht angemeldet.

* Biebrich, 14. Mai. Die Gerippe zweier vorsint­flutlicher Tiere wurden in ber hiesigen Gemarkung aus­gegraben und bem Museum in Mainz käuflich nberlaffen.