Ausgabe 
17.4.1902 Erstes Blatt
 
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Die Kniee waren um-

unterm

schnallt mit Schellen. Eine große Menge Zuschauer um­schloß den Kreis, in dem das Volksschauspiel vvr sich gehen sollte Der Führer der Tänzer begann mit folgender An­sprache:Ehrenverte, vorachtbare, fürsichtige, wohlweise Herren Schultheißen, Bürgermeister und Rath. Ich und meine Gesellen wünschen den Herren einen guten Tag. Hier sind wir gekommen auf diesen Platz und Plan einen ehrlichen Schwerttanz wollen wir fangen an." Dann for­derte er seine Gesellen auf:Laßt Eure Schellen klingen wie die Engel im Himmel singen!". Auf ein Zeichen des Trommelschlägers begann der Tanz in zierlichen Wend­ungen und begleitet vom Klange der Schellen. Dabei kreuzten sich die Schwerter kunstvoll. Nach dem Tanze wandte sich der Anführer in einem zweiten Spruch an die Zuschauer, indem er sie zum Spenden eines Trinkgeldes! aufforderte:Ein Kopfstück oder vier so komme ich mit meinen Gesellen zum Bier ein Kopfstück oder neun so komme ich mit meinen Gesellen zum kühlen Wein." Darauf

Politische Tagesschau.

Es wirdfortgewurstelt"!

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt 16. April:

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, den 17. April 1902.

** Befihwechsel. Der Viehhändler Hermann NebHut

wandte sich der Sprecher an die anwesenden Weiber mit der Aufforderung, eine Stiege Eier oder drei zu holen, auch ein Stück aus der Seiten (Speck).Und sagt, die Katz' hätt's gethan so wird die Katz belogen und der Hausvater betrogen." Hierauf wurden das Trinkgeld eingesammelt und die Gaben der Weiber: Eier, Speck und Bratwürste, entgegengenommen. Unter derbem Humor wurden die Vor­räte verzehrt. Bis zur einbrechenden Nacht dauerte die Volksbelustigung. Glücklicherweise verlief sie diesmal un­blutig, was nicht immer der Fall war, denn das ungeschickte Handhaben der Waffen erforderte bisweilen seine Opfer.

Darmstadt, 16. April. Die Hofhaltung des Prinzen Ludwig von Battenberg wird vom 25. ab während der Sommermonate nach Schloß Heiligenberg verlegt werden; Prinz Franz Josef und Familie, welche vom 3. bis 12. d. M. im Prinz Emil-Garten Wohnung genommen hatten, sind zu längerem Aufenthalt nach Baden-Baden abgereist.

fc. Gonsenheim, 16. April. 60 Jahre, seit dem 15. April 1842, dient das jetzt 74jährige Dienstmädchen Susanna Ludwig aus Budenheim in dem früher Adjunkt Seib'schcn Hause hier. Geheimrat Provinzialdirektor v. Gagern über­reichte der Jubilarin gestern die ihr vom Großherzog ver­liehene goldene Verdienstmedaille des Ludwigsordens. Susanna Ludwig ist noch in bester Gesundheit und will von einem otium cum dignitate noch lange nichts wissen.

Worms, 15. April. Ter Voranschlag für das Rechnungsjahr 1902/03 der Stadt Worms schließt mit einem Defizit. Nach dem dem Voranschlag beigegebenen Vor­wort haben die Anspannung der Anschläge für die Ein­nahmen, sowie die Ausnützung der Ausgabekredite in den letzten Jahren zum Zweck der Vermeidung einer Steuer- erhöhuug den Rest aus dem Vorjahre um nahezu Mark 30 000. gegen das Vorjahr herabgcmindert. Eine weitere Belastung ist dem Voranschlag durch die im Etatsjahr 1901/02 gleichzeitig erfolgte Neuregelung der Gehälter der städtischen Lehrer und der städtischen Beamten entstanden, sowie durch die Zinsverpflichtung der Stadt bezüglich der 1901 er 31/2 Millionen-Anleihe. Da indes der noch vorhandene Anlehensrest noch ein Zinserträgnis von etwa Mk. 40 000. erwarten läßt, die in der Einnahme ein­gestellt wurden, so wird die Zinsenlast erst später in volle Erscheinung treten. Ter erste Abschluß des Voranschlags ergab eine Ausgabe von Mk. 2 434 338.42, und eine Ein­nahme von Mk. 2 387 283.42, somit einen Fehlbetrag von Mk. 47 055.-x-. Diese Fehlsumme soll aufgebracht wer­den durch Erhöhung der Preise für Leuchtgas mit Aus­nahme des Gasautomatengases und durch Umlagen im Betrage von 26 155. Mark.

werde.

Gras Posadowsky erwidert, er könne heute eine bindende Erklärung nicht abgeden, erst müsse die zweite Lesung abgeschlossen sein. Weiterhin erklärte der Staatssekretär, die K 0 m m i si 0 n s b e s ch l ü s s e über die Vieh- und Fleischzölle seien unannehmbar. Darüber lasse er keinen Zweifel, da in diesem Falle Han­delsverträge ausgeschlossen seien.

Gras Kanitz bemerkt, die Absicht, Handelsverträge zu verhindern, bestehe bei der Kommissionsmehrheit nicht. Der Bundesrat in corpore müsse seine Stellung zu den Beschlüssen festlegen. Es sei nicht opportun, daß einzelne Mitglieder des Bundesrates Erklärungen abgäben. Graf Posadowsky bezeichnet als dringendes Bedürfnis Deutschlands, einen brauchbaren Zolltarif zu schaffen. Dr. Heim (Ztr.) hält die Bindung der Viehzölle für not­wendig. Ohne Bindung .kein Zolltarif. Spahn, Gras Schwerin und Ganrp erklären, die Kommission sei zur Weiterberatung verpflichtet. Nächste Sitzung morgen-

(Ä soll also doch^ die unfruchtbare Arbeit am Zolltarif­entwurf fortgesetzt werden! Tas ist das Resultat der Ge- schästsordnungsdeüatte in der heutigen'Kommissionssitzung. Nach der Erklärung des Grasen Posadowsky besteht die Regierung aus der Durchberatung des Entwurfs, obwohl die Beschlüsse der Mehrheit bezüglich der Viehzölle in jedem Stadium" ebenso unannehmbar sind wie be- züglick) der Getreidezölle. Ein Teil der Konimissionsmit- glieder, die Abgg. Bebel (Soz.), Fischdeck (freis. Vp.), Tr. Heim (Ztr.) und Dr. Paasche (nl.), drückten mit Recht den Wunsch nach einer baldigen Entscheidung aus. Leider fand der Vorschlag des Dr. Paasche, gleich in die zweite Beratung der bisher erledigten Positionen einzu­treten, nicht die genügende Unterstützung. Anders würde es gekommen sein, wenn die Regierung zugestimmt hätte, durch dies Mittel eine klare Situation herbeizufüyren. Man hatte offenbar auf mehreren Seiten erwartet, daß der Regierung damit gedient sei, und man war erstaunt, daß die Regierung, wenigstens bis auf weiteres, vorzieht, die Tinge in der Schwebe zu lassen. Dies Erstaunen dürfte in weiten Kreisen geteilt werden. Ein solches Maß von Opitimismus ist unmöglich bei den leitenden Staats­männern anzunehmen, daß sie eineradikale Umkehr"" der Kommissiynsmehrheit durch den Einfluß der Zeit er­hoffen. Man hat doch wahrlich bei den preußischen Kanal­projekten erfahren, was bei der Politik desFortwur­stelns" herauskommt! Tie Kommissionsmehrheit wird um so starrer chren Standpunkt festhalten. Zum Glück ist das Zustandekommen einer Tiätenvorlage für die Zoll­kommission ausgeschlossen, wegen Nichtbewilligung all­gemeiner Reichstagsdiäten. Tenn daß für derartige zweck­lose Arbeit obendrein Geld ausgegeben wird, das möchte doch wohl manchemSteuerzahler"" als ein schier ver­schwenderischer Luxus erscheinen.

Regierung hinsichtlich der gefaßten Beschlüsse möglichslan^ heraopängenden Bändern, sei. Sei dies nicht der Fall, so solle die Kommission jetzt Schicht machen, damit nicht leeres Stroh gedroschen

erwarb für 25 500 Mk. das Haus Westanlage 58, das bisher dem Bauunternehmer Gg. Pfaff u. Gen. gehörte.

** Verb and .d er Handelsgärtner Deutsch - land s. Die Verbandsgruppe Großh. Hessen des Verbandes der Handelsgärtner Deutschlands sendet uns folgendes Rundschreiben mit der Bitte um Aufnahme: Die Erklär­ungen des Staatssekretärs Frhrn. v. Richthofen in den beiden letzten Sitzungen der Zolltarifkommission, daß Zölle aus Gemüse, Blumen usw. in Rücksicht aus das Ausland, besonders Italien, für die Reichsregierung unannehmbar seien, hat in den Kreisen der deutschen Hanöelsgärtner eine gewaltige Erregung hervorgerufen. Mit der Landwirtschaft hat die deutsche Gärtnerei zu den wiederholten Versprech­ungen der Reichsregierung, die heimische Produktion schützen zu wollen, Vertrauen gehabt, und jetzt sollen die Interessen der Gärtner den Interessen des Auslandes geopfert werden. Daß die Reichsregierung über die schwierigeLage der deutschen Gärtner auch heute noch nicht genügend u n t e r r i ch t e t ist, hat sie durch die B e g r ü n d u n g zu den gärtnerischen Positionen des Zolltarifs be­wiesen, trotzdem die zahlreichen gärtnerischen Vereinig­ungen an Aufllärungsarbeit das Möglichste geleistet haben. Ganz ohne Berücksichtigung sind bei dieser Frage auch die Interessen der mit der Gärtnerei und ihren Bedürfnissen in Verbindung stehenden zahlreichen industriellen Betriebe geblieben. Man will deshalb in gärtnerischen Kreisen immer noch nicht glauben, daß die Negierung verantworten will, daß nur den Interessen Italiens wegen ein zahlreicher Erwerbsstand und dessen Existenzbedingung preisgegeben wird. Man hofft auch, daß die Mehrheit des Reichstages ein derartiges Unrecht nicht zugeben wird, und man ist namentlich sehr enttäuscht darüber, daß sich in der Zoll­tarifkommission eine Mehrheit für Zölle auf Blumen und Bindegrün nicht hat finden lassen, trotz­dem man berechtigt war, eine solche bestimmt zu erhoffen. Man wird es in den gärtnerischen Kreisen an einer aus­gedehnten Agitation nicht fehlen lassen, um alles zu ver­suchen, damit die Kommission in der zweiten Lesung des Tarisentwurfs zu anderen Beschlüssen gelangt.

** EinSchwerttanz" in Lollar im Jahre 1650. Germanische Sitten und Gebräuche erhielten sich lange beim Volke auf dem Lande. Einem Reste aus der Zeit der germanischen Volksspiele begegnen wir in den bis zum 17. Jahrhundert üblichenSchwerttäuzen", wenn auch vielfach abweichend von der ursprünglichen Form. Ein solches Volksspiel, das am 24. November 1650 in Lollar stattfand, ist uns überliefert worden. Veranlassung dazu bot die Vermählung des Erbprinzen Ludwig von Hessen (nach­maliger Landgraf Ludwig VI.) mit der Prinzessin Marie Elisabeth von Holstein-Gottorp, welches Ereignis überall im Lande festlich begangen wurde. Am genannten Tage zog Jung und Alt von Lollar hinaus in die Feldgemarkung; voran Bürgermeister und Rat der Gemeinde. Auf einem freien Platze angekommen, sollte hier der Schwerttanz be- ginnen. Gewöhnlich bestand die Zahl der Tanzenden aus 16 bis 20 Personen. Die Tänzer trugen blanke Schwerter in der Hand: ihre Hüte waren geschmückt mit bunten Bän­dern oder weißem Tuch. Dabei waren sie bekleidet mit einem Weißen Hemd. Ihre Arme waren umwunden mit

Vermischtes.

* Eine tiefsinnige Frage geht in Berlin von Mund zu Mund:Können Sie mir fünf Wochentage ohne a in deutscher Sprache nennen?" Der Gefragte zieht zu­mal wenn er Sprachkenner ist die Stirne in ernste Falten, grübelt eine Weile und bekennt endlich sein Unvermögen. Der Fragesteller aber erwidert triunrphierend:Nichts leichter als das: Vorgestern, gestern, heute, morgen und übermorgen". So dringen große Wahrheiten in die breiten Schichten der Bevölkerung . . .

* Die neueste Mode in der sashionablen Ge­sellschaft L0nd0ns ist das Tabak-Schnupfen. Dieses Mal sind es aber nicht, wie früher, die alten Herren, die diesem Vergnügen fröhnen, sondern die jüngeren, diesmarten". Sie schnupfen mit ausgesuchter Eleganz, ihnen fehlt aber offenbar die Würde, mit der unsere Vorväter das zu thun pflegten. Der Londoner Sachverständige in Schnupf­angelegenheiten ist Mr. Evans, der Besitzer einer schon über zweihundert Jahre alten Schnupftabakfabrik, die in Havmarket im Westend eine Niederlage besitzt. Dieser Herr ist natürlich prompt von einer der Londoner Tageszeitungen interviewt worden. Er bestätigte, daß jetzt bedeutend mehr Leute schnupfen, als in den letzten Jahrzehnten, der Unter­schied gegen früher liege mir darin, daß man damals große Schnupftabakdosen benutzte und daß man jetzt die kleineren oorzieht. Der alte Schnupfer pflegte ein viertel Pfund Tabak mit sich herum zu schleppen, während der moderne eine kleine Dose führt, die nur einige Gramm enthält und bequem in der Westentasche getragen werden kann. Früher liebte man ferner einfachen, aber starken Tabak, während er jetzt sehr leicht und stark parfümiert sein muß. Die Nasennerven der heutigen Generation scheinen also empfindlicher zu fein, als die unserer Voreltern, denn niesen will man doch offenbar heute geradeso wie damals; vor hundert Jahren konnte das nur .mit einem schärferen Tabak erreicht werden. Mr. Evans produzierte dann einige in gelbem Leder gebundene Konto­bücher, und zeigte, daß seine Firma vom Jahre 1764 an Schnupftabakkontos mit Königen und Peers gehabt habe. Uebrigens zeigen diese Bücher, daß die Schnupftabakpreise sich feit jener Zeit kaum verändert haben. EinSchnupf­tabakdosenfabrikant", der ebenfalls interviewt wurde, erzählte, daß die feinsten Dosen vor hundert Jahren aus einer Art Papiermache bestanden haben, das aus Kartoffelschalen her- gestellt wurde; diese Dosen standen in dem Rufe, das Aroma am besten zu erhalten. Die modernen Behälter werden aus feinem Holz verfertigt.

* Aus den Erinnerungen eines Ariisten-Veterans, die er derBert. Artisten-Ztg." giebt, verdient folgende weiter ver­breitet zu werden. Der Mann erzählt:Ich stellte mich einmal in einer aübaycrischen Stadt dem Redaklionsgewal- tigen vor. Er erwiderte knurrend meinen Gruß, musterte I mich mißtrauisch und fragte mürrisch:So fingen wollen's

hier? Wo sind S' denn her?"Aus der Provinz Bran­denburg," erwiderte ich unbefangen.So", schrie er wütend, will der Herr Preiß unsere schöne bayerische Trommelfell ruiniren? Der da draußen" in diesem Augenblick brüllte nämlich auf dem nahen Hofe ein Stück Hornviehist a Nachtigall gegen so ann preißischen Spatzenkräher!" Flegel", schrie ich erbost und warf die Thür ins Schloß. In der Rezension, die das Blatt des groben Menschen über die Vorstellung brachte, waren meiner Person folgende Zeilen gewidmet:Auch ein süßlicher Schmachtlappen, ein wasch­echter Preiß, machte sich anheischig, uns was vorzusingen. Das ist keine Kost für einen gesunden Bayernmagen. Ich bekam Kopf- und Leibweh davon. Und trotzdem üerflieg sich die Geschmacksverirrung so weit, daß der fade Krähmeier beklatscht wurde."

Universitäts-Nachrichten.

Die Kieler Jnristeufacultät hat an das preußische Abgeord­netenhaus eine Petition gerichtet, in der die Ablehnung einzelner den Geist des Universitätsstudiums und das Ansehen der akademi­schen Lehrer bedrohenden Bestimmungen des Gesetzentwurfs über die j u r i st i s ch e n P r ü f u n g e n und die Vorbereitung zum höheren Justiz di en st gefordert sind. Als solche be­zeichnet die Faeultät die Gestaltung der praktischen Hebungen zu Zwangsübungen, die Zmischenzeugmsse und vor allem die in Aus­sicht genommenen Controteommissare.

Akademische Nachrichten. Man schreibt aus Magdeburg: Der hiesige Frauenarzt, Dr. Biermer, früher langjähriger Assistent des Prof. Fritsch in Bonn, ist als dirigirender Arzt des Elisabethinerinnen-Krankenhaus nach Breslau berufen worden.

Nach einer imReichsanz." veröffentlichten Zusammenstellung der D 0 e t 0 r - I n g e n i e u r - P r 0 in 0 t i 0 n e n an Technischen Hochschulen wurden im Winterhalbjahr 1901/02 an der Technischen Hochschule zu Dresden 5, an der Technischen Hochschule zu Darm­stadt 2 Promotionen vorgenommen.

In Italien hat die Frauenbewegung, insofern sie auf die Eröffnung des Un iversitätsstudlums für Frauen ab­zielt, später begonnen, als in den anderen Eulturlandern, fand aber von Seiten der Behörden jegliche Förderung und macht deshalb reißende Fortschritte. Im Jahre 1900 waren an den italienischen Universitäten 250 Frauen und Mädchen ordentlich immatrikulirt. 1613 Mädchen besuchten die Gymnasien und 3900 Mädchen die Real- und Fachschulen. Inzwischen haben alle diese Zahlen noch erheblich zugenommen. Seit dem Jahre 1877 bestanden das italienische Staatsexamen 257 Frauen und Mädchen, und zwar 140 in Philologie, 37 in Philosophie, 20 in Mathematik, 30 in Natur­wissenschaften, 24 in Mediein und 6 in Jurisprudenz. Don diesen 257 Damen scheint aber keine einzige von ihrer Gelehrsamkeit und ihrem Titel zum Erwerb ihres Lebensunterhaltes Gebrauch zu machen. Es handelt sich durchweg um Damen aus wohlhabender Familie, die bei ihren Universitätsstudien Bildung, aber kein Brod suchten. In Erwägung dieses Umstandes lassen auch die italienischen Prüfungseommissionen eine Dame, die sich nach regelrechten Stu­dien dem Staatsexamen unterwirft, niemals durch fallen. (Das ist der Gipfel der Galaiiterie!)

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berlin, 16. April. In der heutigen Sitzung des Aufstchts- rates der Dortmunder Union wurde der Halbjahrabschluß per 31. Dezember 1901 vorgelegt. Derselbe weist bei 155 634 Mk. Gewinnvortrag nach Abzug der Schuldzinsen und Generalunkosten einen Verlust von 497 955 Mark auf. Der entsprechende Zeitraum des Vorjahres ergab für den 31. Dezember 1900 bei einem Ge- winnvortrag von 895590 Mark einen Gewinn von 3 344 595 Mk. Die Halbjahresbilanzziffern haben nur vorübergehende und rela­tive Bedeutung, da erst bei der Jahresbilanz die Inventur und die verschiedenen Abrechnungen Berücksichtigung finden können. An, unerledigten Aufträgen lagen Ende Dezember vor 69 025 Tonnen im Verkaufswerte von 9 546 744 Mark, die sich bis Ende Februar auf 105 527 Tonnen im Verkaufswerte von 13 374 587 Mark er­höhten. Tie Bestände werden dis »um 1. Mai auf die normale Höhe herabgesetzt sein. An Stelle des am 1. Juli ausscheidenden Kommerzienrates Brauns wurde Regierungs- und Baurat Mathies-- Berlin als Generaldirektor gewählt.

Mannheim, 16. April. Die Aktiengesellschaft für Eis eir­und Bronzegießerei vormals Karl Flink schließt in 1901 mit 64132 Mark Betriebsverlust ab, den der Vorbesitzer deckt (i. Vorj. 109 974 Mark Reingewinn, 5 Proz. Dividende).

London, 16. April. DemEvening Standard" zufolge wurde die heute aufgelegte Anleihe bereits zehnfach ge­zeichnet.

New-Aork, 16. April. Die Firmen Morgan u. Eo., Baring und Magoun u. Co. in New-Aork, Drexel u. Co. in Philadelphia und Kidder rmd Peabody u. Co. in Boston sind ermächtigt wor­den, Anmeldungen auf die neue englische Anleihe ent­gegenzunehmen.

Die Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Schriftgießerei- und Maschinenbau in Offenbach genehmigte alle Vorschläge der Verwaltung und setzte die Dividende auf vier Prozent fest. Der bisherige Verlauf oes neuen Geschäftsjahres wurde als etwas besser bezeichnet.

Argentinische Werte. Die Kurse der argentinischen Werte haben sich in den letzten Tagen gebessert. Auch das Agio, das schon bis 146.60 gestiegen war, ist etwas zurückgegangen. Es heißt, daß das Gesetz, welches ein Fallen des Agios unter 127 pCt. ver­hindern sollte, zurückgezogen wird.

Bergwerksünternehmungeu in Deutsch-Südwestafrika. Wie die SwakopmunderDeutsch-Südwestafrikanische Ztg." be­richtet, ist mit dem DampferGertrud Woermann" am 5. Februar eine _Minenexpedition in Swakopmund eingetroffen. Sie ist von der Firma Ä. Goerz u. Cie., Johannesburg, entsandt und besteht aus den Ingenieuren Herren Kuntz, Stockreither, Cronin, ferner Herrn I. Cost-Budde als kaufmännischem Mitglied und 5 Pro­spektoren, Herren Hinspeter, Fischer, Schiller, Hamplon und Gadow. Mit 6 Wagen und der erforderlichen Anzahl eingeborener Arbeiter bricht die Expedition in diesen Tagen von Jakatswater aus nach dem zu untersuchenden Gebiete, zwischen Swakop und Kuiseb und weiter nach Süden hinaus, auf. Für die Erforschung und Unter­suchung des Gebietes ist zunächst etwa ein Jahr in Aussicht ge­nommen. Herr Ingenieur Kuntz war bereits vor etwa 1V2 Jahren einmal im Lande und hatte damals namentlich die nördlichen Ge­biete bereist.

Bau! für Rheinland und Westfalen. Die General­versammlung hat die Herabsetzung des Grundkapitals um 1666800 Mark durch Abstempelung und Zusammenlegung der Aktien be­schlossen. Tie Aktionäre haben ihre Aktien in der Zeit vom 17. Juni bis 17. Juli d. I. einzureichen; erfolgt die Einreichung nicht innerhalb des angegebenen Termins, so werden die Aktien für kraftlos erklärt. Das abgelaufene Geschäftsjahr hat nach Auf­zehrung des laufenden Gewinnes und der Reserve von 1 Mill. Ack. einen Fehlbetrag ergeben. Selbstverständlich giebt es für 1901 keine Dividende; für 1900 wurden 3 pCt., 1899 6h, pEt. und 1898 7 pCt. gezahlt.

Die Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation hebt in ihrem Geschäftsbericht hervor, daß die Gesellschaft von dem wirt­schaftlichen Rückgang weniger betroffen worden fei, weil dank der bestehenden Handelsverträge sich der Absatz über die ganze Welt erstrecke, sodaß der Ausfall in Deutschland durch den Mehrabsatz in anderen Ländern ausgeglichen werden konnte. Die Dividende wurde mit 16pCt. wie im Vorjahr festgesetzt.

Märkte.

Limburg a. d. L., 16. April. Frucht markt. Durch­schnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.55 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10.75 Mk., Gerste 9.46 M., Hafer 8.31 All., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Formau vorzügliches Schnupfenmittel! 2203