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17.4.1902 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 17. April LSVS

ISS. Jahrgang

Erstes Blatt

SietzenerAnzeiger

VezugSpretsr monatlich 7bPs., viertel^ jährlich Mk. 2.20; durch Aoholc- u. Zweigstellen' monatlich 60 Pf.; durch die Post Mk. 2. viertel- jährl. ausfchl. Destellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr.

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General-Anzeiger *' ässs.'S.

v -*< für den poht. u. aQgem.1

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Nr. 89

Erscheint tSgttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Selstschen Landwirt die Siebener Zamtllen- Wärter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scheu Univers.-Buch- u.Slein- Druckerei (Pietsch Erben) ILedaktton, Expedition und Druckerei:

Schul st raße 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

AernsprkchanschlußNr.51.

Tie Selbsthilfe der Landwirtschaft.

Tie Zeitungskorrespondenz des Generalverbandes länd ücher Genossenschaften für Deutschland zu Neuwied schreibt:

Auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Selbsthilfe hat der Bauernstand schon seit langem in weitverzweigter Lbätig- keit eine Energie entfaltet, die Helle Bewunderung verdient. Tie ländliche Genossenschaftsbewegung Deutschlands steht der aller übrigen Kulturländer voyan; sie ist ein so stolzes Zeugnis deutscher Bauernkraft und Bauernzähigkeit, daß jeder Volksgenosse etwas davon wissen muß.

Wolkenbruchartig kam über den Bauernstand die neue Zeit und fand chn gänzlich ungerüstet. Die Naturalwirt­schaft wich der Geld- und Kreditwirtschast. Dampf und Elettrizität wurden Knechte des Menschen; sie verbanden ferne Länder; sie verbilligten durch Massenproduktion alle Waren und schufen neue Bedürfnisse. Neben der Landwirt­schaft blühten Industrie uno Handel empor. Geld und Kredit waren die ersten Bedingungen des Mitkommens in dem anhebenden Wettlaufe der wirtschaftlichen Kräfte.

Geld aber hatte der Bauer bisher wenig gebraucht; sein Kreditbedürfnis zu befriedigen, fehlten die geeigneten Stellen. Dadurch geriet er in große Bedrängnis. Der Wucher streckte seine gierigen Klauen nach den deutschen Dörfern aus.

Ta war es Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der den schützenden Wall baute in den nach ihm benannten Vereinen. Er erkannte, daß der Einzelne in seiner Vereinzelung ohn­mächtig ist, dem Umschwung der Dinge zu begegnen, daß er mutlos und untüchtig werden muß. Er nahm einen möglichst eng begrenzten, ländlichen Bezirk, gewöhnlich den eines Kirchspiels, zur Grundlage für eine Genossenschaft, der die unbeschränkte Haftpflicht einen soliden, kapitalkräf­tigen Unterbau verlieh. Diese Spar- und Darlehnskassen sind mit der Zeit kleine Torfbanken geworden. Sie haben sich dann in Konsequenz des Gcnossenschaftsgedankens unter­einander verbunden, und wenn wir hören, daß die Zentral- Darlehnslässe für Deutschland, die Geldausgleichstelle für alle dec Raiffeisen-Organisation angeschlossenen Vereine, im Jahr 1901 einen Jahresumschlag von ca. 453 Millionen Mark gehabt hat, so redet diese Zahl eine beredte Sprache. Tie Zeit wird kommen, da jedes Dorf seine Kreditverhält- niffe selbständig in der Hand hat und nicht wie vordem der Stadt zinspflichtig ist

Mit der Befriedigung des Kreditbedürfnisses Hand in Hand ging sofort der genossenschaftliche Bezug von Wirtschaftsartikeln (Futter-, Düngemitteln, Ma­schinen, Saatgut 2C.). Die freibeweglichen Raiffeisen-Vereine wirkten von vornherein zugleich auch als landw. Konsum­vereine, was wohl die einfachste Lösung sein dürfte und praktischer, als neben einem Spar- und Darlehns-Verein noch einen besonderen landw. Konsumverein zu schaffen. Wenn auch auf dem Gebiete des gemeinsamen Bezugs, der den Konsumenten direkt mit dem Produzenten verbinden soll, noch viele Arbeit zu thun ist, besonders aufklärender Art, daß der Bauer je mehr und mehr die Vorteile dieses Weges begreift undbei der Stange" bleibt, so sind anderer­seits doch schon herrliche Erfolge erzielt worden. Oder ist es nicht eine achtunggebietende Erscheinung, daß in der Bezugsvereinigung deutscher Landwirte" die gesamte deut­sche Landwirtschaft, soweit sie organisiert ist, dem Ring der Thomasmehlfabrikanten gegenüber gestellt werden tonnte?

Allein längst sind auch die vorgenannten beiden Arbeits­gebiete nicht mehr die einzigen; den Kredit- und Ankaufs- Genossenschaften sind die Verkaufs- und Produktivgenossen- jchaften zur Seite getreten und nehmen einen immer breiteren Raum ein.

Tie Tabakbauern der Pfalz haben sich (innerhalb der Raiffeisen-Organisation) zu einer großen Verkaufs-Ge­nossenschaft zusammengethan, desgleichen die Hopfen- bauern Bayerns. In den Weingegenden Deutsch­lands finden wir Winzervereinigungen in hoffnungsfrohem Emporblühen. Immer größer wird die Zahl der Mol­kereigenossenschaften. Die genossenschaft­liche Milchversorgung der Städte 'ist in Angriff genommen und wird unter viel Kampf und Kampfgeschrci mutig fortgesetzt. Ueber ganz Deutschland hin arbeitet die G e n o s se n s ch a f t für Viehverwertun g". Obst­bau-und Obstverwertungs-, Hühnerzucht- und Eierverkaufs- genossenschasten sind hier und da und dort entstanden. Kurz, wohin wir schauen, Leben, Bewegung, Regsamkeit! Tas erfreulichste jedoch ist die deutsche K o r n h a u s b e w e g u ng. Sie erscheint in Hessen und Pommern zur Zeit am meisten gefördert und erfolgreich. Ter letzte Bericht der (Raiffeisen- schen) Filiale Cassel, die aus diesem Arbeitsgebiete bahn­brechend gewesen ist, über die Entwickelung der fünf hessi­schen Kornhäuser zeigt, welch großen Vorteil für die betref­fenden Gegenden diese Kornhäuser gebracht haben, läßt aber zugleich ahnen, ja mit Sicherheit vorausschen, wie die Kornhausdewegung in ihrer weiteren Ausbreitung den ganzen Getreidehandel auf gesundere Bahnen lenken wird zum Segen des Produzenten.

Es mag jemand zum ländlichen Genossenschaftswesen stehen, wie er will und die Zahl der Nörgler, "Neider und Feinde ist Legion des Eindrucks kann fick niemand ent­ziehen, wie auch darin zum Ausdruck kommt, daß der deutsche B a u e r n st a n d, wenn auch an Zahl nicht mehr der größte, so doch an innerer Kraft und Äebensenergie der erste im Vo lks g anze n ist.

Wie sehr die deutschen Bauern denjenigen ehren, welcher sie auf den gekennzeichneten Weg führte, davon werden die auf den 10. Juli angesetzten Denkmals-Feierlich­keiten in Heddesdorf-Neuwied Zeugnis ablegen. Ter Kaiser hat mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß dem hochverdienten Begründer des ländlichen Genossen­schaftswesens, Friedrich Wilhelm Raiffeisen, ein Denkmal errichtet werden soll, und sich sehr über die oorgclegten photographischen Entwürfe des schönen und würdigen Denk­mals gefreut. Bildhauer Arnold Künne hat nach seinen Entwürfen das Standbild und die Seitcnbilder nunmehr vollendet, »und die Modelle befinden sich auf dem Wege zur Gießerei

Die Zoütariskommission.

Berlin, 16. April.

Die Zolltarifkommisjion nahm gemäß der Regierungs­vorlage Position 106, Federvieh, an. Tanacy zahlen Gänse 70 Psg. pro Stück oder 24 Mk. pro Doppelzentner, Hühner uno sonstiges Federvieh 6 Mk. pro Doppelzentner. Die Anträge Müller-Sagan uno Gradnauer auf Erl)altung der bisherigen Zollfreiheit, sowie ein Antrag Wangenheim und Gen. aus 16 Mk. pro Doppelzentner für jegliches

Federvieh wurden abgelehnt. Die Zolltarifkommission nahm Position 107 (Fleisch) gemäß dem Antrages Gamp an. Danach werden die Sätze für frisches, auch gefrorenes, für einfach zubercitetes und für zum feineren! Tafelgenuß zubereitetes Fleisch auf 45 bezw. 60 bezw. 120 Mark pro Doppelzentner erhöht. Ferner wird Sch w ein er speck besonders tarifiert mit 36 Mk. pro T-oppelzentner. Außerdem sollen diese Sätze vertragsmäßig nicht mehr' als um 20 Prozent ermäßigt werden dürfen. Beim Schweinespeck bleibt jedoch eine Bindung ausgeschlossen. Tie gleichzeitig beratene Position 111 (Fleis chextrak t! usw.) wird nach der Regierungsvorlage mit 30 Mk- für! den Doppelzentner angenommen. Position 112 (Würste)' wird aus Antrag Wangenheim von 45 aus 70 Mk. erhöht.

Gras Posadowsky erklärte die Kommissions­besch l ü s s e über Vieh- und Fleischzölle für un­annehmbar. In der Debatte wurde auch das Bor-f ü re-Verbot berührt. In der Begründung des An­trages aus Zollfreiheit des Federviehs hebt Bebel das' Dar nieder liegen der deutschen Geflügel­zucht hervor. Tas Geflügel sei eine wichtige Krankenkost! und ein Volksnahrungsmittel, v. Wan gen heim meint, Deutschland müsse den Bedarf an Federvieh selbst decken. Ohne Schutzzoll sei eine Vervollkommnung der deutschen Geflügelzucht unmöglich. Tas ausländische Federvieh! bringe die G e f g e l ch o le r a ins Land. v. Kardorfß sagt, die deutsche Geflügelzucht fei zurückgegangen, weil: überall das ausländische Federvieh die Märkte zu billigem Preisen überschwemme. Ministerialdirektor Wermut be­merkt, auf absehbare Zeit hinaus sei die Einfuhr auslän- dischen Geflügels noch unentbehrlich. Auch sei. Geflügel eine wichtige handelspolitische Position. Deshalb möge mau sich mit dem Satze der Regierungsvorlage begnügen. Nahezu ein Drittel unseres Geflügelbedarfs müsse heute aus dem Auslände eingeführt werden. Fischbeck führt! aus, wenn man durch exorbitante Zölle das österreichische und russische Federvieh von den deutschen Märkten aus­schließe, würden Gegen maßregeln nicht ausbleiben. Gerade der kleine Bauer und der ländliche Arbeiter würden durch die Verteuerung der russischen Magergans geschädigt, da sie sich durch Fettmachung derselben einen1 Nebenverdienst zu verschaffen suchten. Herold spricht sich für die Regierungsvorlage aus, deren Zollsatz genüge. Nach weiterer Debatte folgt die gemeldete Abstimmung. In der Debatte über die Fleischzölle bemerkt An tritt!' (Soz.), die Agrarier wünschten einen Zollkrieg mit Amerika. Das Verbot des mit Borsäure konservierten Fleisches fei; eine Heuchelei der Regierung. Ter Vorsitzende Rettich rügt letztere Bemerkung. Gras Posadowsky' erklärt, das Borsäureverbot beruhe auf jahrelangen Stu-' dien. Tas Reichsgefundheitsamt habe sich einstimmig da­für ausgesprochen. Tie Regierung habe dabei nicht den geringsten Einfluß auf das Reichsgefundheitsamt aus- geübt. Bei dem Verbot handle es sich durchaus nicht um eine protektionistische Maßregel. Bezüglich des Wurst­zolles liege keine Ursache vor, über den Zollsatz der Vor­lage hinauszugehen. Bebel behauptet, das Borsäure­verbot sei überstürzt. Graf P o s a d o w s k y bestreitet das entschieden. Tie Wurstindurstie mußte bald wissen, welche Stosse sie zur Konservierung des Fleisches gebrauchen dürfe.

Nach der Abstimmung sagt Bebel, es müsse Klar­heit geschaffen werden, ob eine Verständigung mit der

Krau ooer Klaulein?

Auf Grund einiger Zuschriften an uns aus unserem Leserinnenkreise, die Bezug nehmen auf unfern Artikel in Nr. 85, 4. Blatt, unter dieser Ueberschrist, sehen wir uns veranlaßt, noch einmal auf dieses belanglose Thema zurückzukommen.

Nachdem bereits die französischen Frauenrechtlerinnen bor nicht langer Zeit der Deputiertenkammer eine Pe­tition eingereicht hatten des Inhalts, die Titulatur Made­moiselle aufzuheben zu Gunsten der alleinigen Bezeichnung Madame, glaubten auch ihre deutschen Gesinnungsgenossin­nen hinter diesem Vorgeyen nicht zurückbleiben zu dürfen, und so kam es, daß der BerlinerVerein Frauenbildung Frauenstudium" eine Versammlung abhielt, in der die Frage, ob gegenüber der Bezeichnung Herr dem Weibe in der Anrede der Titel Fräulein oder Frau zukommen, zur Erörterung stand.

Das Referat über dieses mit Frauenbildung und Frauenstudium allerdings in keinem ersichtlichen Zusam­menhänge stehende Thema hatte ein weiblicher Toktor der Rechte, Fräulein Rafchke übernommen, welche die Sache sehr gründlich an fing, indem sie bis auf Germanen und die Cherusker zurückging und sogar darüber hinaus noch die Schöpfung der Welt in den Kreis ihrer Er­örterungen zog. Zur Gegenwart übergehend, betonte sie die Thatsache, daß das neue Bürgerliche Gesetzbuch nur noch von Frauen spreche (einmal freilich von Weibsbil­dern bei Erwähnung einer gewissen Klasse weiblicher Wesen), die preußischen Rechtsbücher dagegen noch von Frauenspersonen reden, während die Bezeicynung Manns­person aus ihnen verschwunden sei. Tie städtische Be­hörde Berlins habe den allgemeinen Titel Frau bevor­zugt, indem sie mit dieser Anrede eine Lehrerin bei ihrer Beförderung zur Oberlehrerinauszeichnete", trotz­dem diese unverheiratet war. Tie Bezeichnung Fräulein, einer Verkleinerungsform, der eine gewisse Geringschätzung cmhafte (?) entspräche nicht der Würde und Stellung eines geschlechtsreifen und zu denkender Selbständigkeit herangewachsenen weiblichen Wesens. (!) Man sage ja auch nicht Herrlein zu einem jungen Mann. (!) Ein Weib als nicht verheiratet kenntlich zu machen, sei nicht nötig. Ge­setzlich stehe auch nichts rm Wege, daß jedes Fräulein

sich Frau nenne; letztere Seibflvezeiu-nung biete auch noch den weiteren Vorteil, daß sie unverehelichte Mütter von mancher schweren Pein befreie.

Tie Versammlung nahm schließlich einen Antrag an, wonach jede in ihrem Kreise dafür wirken soll, daß künftig­hin die erwachsene roeibliaje Person mit dem einzig rich­tigen Titel Frau bezeichnet werde.

Sollten die Ausführungen des Fräulein Dr. Raschle und der daran sich anschließende Versammlungsbeschluß außerhalb der Gruppe der radikalen Frauenrechtlerinnen, die diese ganze Frage aufgeworfen und zu einer himmel- stürzenden gestempelt haben, wirklich Anklang oder auch nur ein die Kuriosität überschreitendes Jnterv,se in unserer Frauenwelt finden? Wir bezweifeln das sehr entschieden, denn die Mehrzahl unserer Frauen ist ganz gewiß nicht so thöricht, mit solchen durchaus giciajgiltigen Trugen ihre gute Zeit zu vergeuden. Die Gründe, welche Fräu­lein, oder, wie wir nunmehr sagen müssen, Frau Raschke für ihre Forderung vorgebracht hat, find zudem recht fadenscheiniger Natur. Ein Konflikt zwischen Volksüber­zeugung und Spratt)gebrauch, der eine solche Forderung rechtfertigen würde, und wie ibn Frau Ra fache als vor­handen voraussetzt, liegt in Wirklichkeit gar nicht vor, denn mit Ausnahme jener Frauenrechtler, die es fertig gebracht haben, ein solches Thema überhaupt zur Dis­kussion zu stellen, hat in Deutschland gewiß noch keine unverheiratete Person die Anrede Fräulein als Zurück­setzung empfunden. Im Gegenteil würden zum mindesten gewiß alle heiratsfähigen und heiratslustigen Mädchen sich dafür bedanken, auf einen Titel zu verzichten, der keinen Zweifel darüber zuläßt, daß sie nochzu haben" sind. Was aber jene unverehelia;te Mütter anbelangt, denen durch die Einführung der einheitlichen Bezeichnung Frau manche Sorge abgenommen werben soll, so kann die Fürsorge für solche Personen feinen Grund bieten, um das anständige Mädchen seines jungfräulichen Titels zu berauben. Ueberdies hieße, eine derartige Verschleier­ung des Thatbeftandes befürworten, dem Leichtsinn ge­radezu Vorschub leisten. Daß in der juristischen Amts- fvracyc lediglich von verehelichten und unverehelichten Frauenspersonen die Rede ist, trifft zu, und der Wunsch nach Beseitigung dieser Bezeichnung lafc sich zur Not rechtfertigen. Ein Bedürfnis nach Abschaffung der Unter­

scheidung zwischen verheirateten und unverheirateten weib­lichen Personen ist aber nicht vorhanden, und überdies ist die Bezeichnung Fräulein so tief im Sprachgebrauch eingewurzelt, daß es eine höchst naive Auffassung ver­rät, zu glauben, daß es gelingen werde, durch die Agitation eines beschränkten Kreises, sie über den Haufen zu werfen. Tie Frauenbewegung selbst aber, deren berech­tig ten Kern wir niemals verkannt haben, kann durch soltt)e Auswüchse wie die Fräuleinfrage nur dis­kreditiert oder lächerlich gemacht werden.

Nene Rechtschreibung. Das vom Kgl. Preuß. Kultusministerium hrrausgegebuie amtlicheRegelheft für' die neue deutsche Rechtschreibung, wie solche yon allen deutschen Staaten, sowie Oesterreich und der Schweiz angenommen worden ist und künftig nicht nur in den Schulen, sondern auch im Verkehr sämtlicher Reichs­und Staatsbehörden zur Anwendung kommen wird, ist soeben int Verlage der Weidmannschen Buchhandlung in Berlin erschienen. (Preis 15 P,g.> Derselbe Verlag oeröfsentlicht gleichzeitig ein ausführliches Wörterbuch für dte deutsche Rechtschreibung nebst 233 o r ter Har­un g en und Verdeutschung der Fremdwörter, von Professor Dr. Gustav Gemß. 8. (280 S.) Gebunden 1.50 Mk. Das narchi den neuen, von den Regierungen des Teutschen Reiches festgesetzten Regeln für die Rechtschreib­ung, denen sich auch Oesterreich und die Schweiz ange­schlossen haben, ausgearbeitete Wörterbuch läßt es sich in erster Linie angelegen sein, die Schreibweise der in der deutschen Schriftsprache vorkommenden Wörter und Rede­wendungen im weitesten Umfange vorzuführen und zwar in durchaus übersichtlicher Weise. Ten Fremdwörtern sind gute deutsche Uetwrfltzuugen be.g-geb.n, sowie Hinweise auf ihren Ursprung, der in vielen Fällen ihre Schreibweise erklärt. Da bei deutschen Wörtern ihre Herkunft angegeben ist und auch die sogenannten Lehnwörter nebst den Rück- lehnwörtern »and Rückfremdwörtern behandelt werden, so bietet das Buch wichtige Ausblicke auf die Entwicklungsge­schichte unserer Mutter!prache. Die Ausstattung des Buches ist eine vorzügliche, besonders ist-der grche und scharfe Druck hervorzuheben, der, wie das Papier, alle hygienischen An­sprüche erfüllt.