LS». Jahrgang
Erstes Blatt.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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bie^oft '1HL2.— viertel- iäljrl. auSfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Taqesnummer biS oormmags 10 Uhr. 3eilenpreifl: total 12Pf* ausivärls 20 Psg.
Deranlworllich fflri den polit. u. adflem. Teil i.V.: Fr. Hannernann; für „Stabt u. ßanb* unb .GerichtLjaal': Curt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck.
Nr. 295
»rscheint täglich außer SonntagS.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit den, hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in der Woche be,gelegt.
Rotationsdruck u. Verlag bet B r ü h l'scheu Unioerf..Bnch- u.Stem- druckerei (Pietsch Erben! Redaktion, trvebitwn und Druckerei:
Schulstraße 7.
Ndresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«.
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Dienstag Ltr.Dezemster LSOT
Bezugspreis»
O monatlick7bPs.,otettel^
▼ . sährlich Mk. 2.20; durch
XSK Abhole- u. Zweigstellen
Sy\r monatlich 6o Ps.; durch
Beifall lohnte den Redner für seinen fesselnden
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Germaniabildes die Inschrift
1818 in dieser Form überflüssig, gaben aber doch die (»rund- ,'ion unterzogt wird, und daß man Den Sei tage für die staatliche Regelung der Jndenverhältnisse.! überall ein gleiches Grundgehalt gewährt.
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Frei durch Ablösung Nr. 21.
Am Schluß des Jahres 1903 wird durch Abzug der unverwendet gebliebenen Zählmarken von den ursprünglich gelieferten festgestellt, in welchem Umfange die preußischen Staatsbehörden die Post in Anspruch genommen haben und welcher Betrag zukünftig als Portobauschsumme von der preußischen Staatsregierung an die Reichspostverwaltung zu zahlen ist. Dieses Verfahren ist außerordentlich praktisch und einfach und unterscheidet sich von dem bisher üblichen Ermittlungsverfahren höchst vorteilhaft dadurch, daß die zeitraubenden umständlichen Portoaufzeichnungen durch Portobücher und Portogegenbücher ganz in Wegfall kommen.
Dezember 1902.
2. Bekanntmachung, die Einführung der Städteordnung Bad-Nauheim betreffend.
Durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 3. l. M. ist auf den An- trag des OrtSvorstandeS zu Bad-Nauheim die Städte- ordnung für die Gemeinde Bad-Nauheim für anwendbar erklärt worden. Dies wird hiermit unter dem Anfügen
Napoleon Wellington an und glaubte schon den Sieg errungen zu haben, als er von dem im entscheidenden Augenblicke anrückenden Blücher umgangen und geschlagen wurde. Wegen seiner kühnen Tapferkeit kennt man ihn nur als „Marschall Vorwärts".
- Das Großh. Regierungsblatt Nr. 80, auS- gegeben am 15. Dezember d. I., enthält:
1. Bekanntmachung, daS SelbstdiSpensieren der homöopathischen Aerzte, sowie die Einrichtung und den Betrieb homöopathischer Apotheken und Dispensatorien betr. Vom
Wirksamkeit zu treten haben.
Darmstadt, den 4. Dezember 1902.
Großherzogliches Ministerium deS Innern.
Rothe.
G r a e f.
zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Bestimmungen über die Zusammensetzung und die Wahl der Stabt- verordneten-Versammlung alsbald, die übrigen Bestimmungen mit dem Tage deS erstmaligen Zusammentritts der neu zu wählenden Stadtverordneten - Versammlung
empfehlen möchten.
s. Lich, 14. Dez. Der Fürst von SolmS-Lich-Hohen- solms veranstaltete am Freitag ein großes Treibjagen; eS wurden zur Strecke gebracht: 80 Hasen, 3 Füchse, 10 Fasanen und eine Anzahl Raubvögel. — Der Knecht deS Fuhrunternehmers PH. Heller verunglückte am Bahnhof beim Holzeinladen; er trug einen komplizierten Beinbruch davon.
§ Rockenberg, 15. Dez. Zum Beigeordneten wurde unser Mitbürger Gastwirt Bellinger gewählt. Heute abend trat heftiger Schneefall bei unS ein.
§ Grünberg, 15. Dez. Unser Mitbürger Johannes Hofmann V. und seine Gattin Gertrude feierten am SamS- tag in voller Rüstigkeit das goldene Ehejubiläum.
k. Harbach bei Grünberg, 15. Dez. Der Landwirt Heinrich Stark verunglückte beim Wasierholen am Dorf- brunnen. Er glitt auf dem Eise aus und schlug mit dem Kopf auf den Rand deS Brunnens. Schwer verletzt wurde er nach Hause gebracht. Aerztliche Hilfe mußte sofort herbeigeholt werden. — Ein alter Mann von 80 Jahren verletzte sich im Rücken ebenfalls schwer durch einen Fall an ge-
*• Zählmarken bei der Post. Vom 1. Januar Ende Dezember 1903 muffen die preußischen Staatsbehörden alle abgehenden Postsendungen, welche mit dem Aversio- nieningsvermerk versehen sind, mit besonderen Zählmarken bekleben. Diese werden in der Reichsdruckerei hergestellt und von dieser in erforderlicher Anzahl den preußischen Staatsbehörden unmittelbar geliefert. Zählmarken werden ausgegeben, zu 2, 3, 5, 10, 20, 25, 40 und 50 Pfennig; sie entsprechen in Bezug auf Größe und Farbe den gleichwertigen Postfreimarken, tragen indes im Mittelfelde an Stelle des
Zur Polenpolitik.
Man schreibt uns aus Berlin, 15. Dezember:
„Tie Regierung wird Sorge tragen, daß der Deutsche in der Ostmark nicht unter die Rüder kommt." Tiefe Worte sprach Graf Bulow in einer um Fahr und Tag zurückliegenden Polendebatte. Ein ander Bild: Herr Wit- t i n g, der frühere, um die Zett deS Kaiserbesuchs in Posen vielgenannte Oberbürgermeister dieser Stadt, erklärte unlängst, beim Abschiedsmahl auf dem Städtetage der Provinz: „Das Deutschtum g e h t im Osten offenkundig zurück. Um es zu retten, müssen andere Verwaltungs-Organisationen geschaffen werden. Kaiser und Kanzler erkennen das auch scharf und klar." Tiefem letzteren Hinweis wohnt um so größere Bedeutung bei, als bekanntlich der Reichskanzler in der Spatsommerfrische auf Norderney Herrn Witting einem Verbleiben im Osten, und Zwar an hoher Stelle im Regierungsdienst, geneigt zu wachen suchte, allerdings vergeblich. Tie Mehnung seitens Wtttings kann natürlich für Kaiser und Kanzler kein Anlaß sein, in der Polenpolitik den Weg nickt zu beschreiten, den sie scharf und klar als unumgänglich erkennen: die Schaffung einer neuen Verwaltungs-Organisation für die Ostmark. Tie ftraae ist, worin diese Aenderung wohl bestehen wird? Nickt unwahrscheinlich ist die Annahme, daß es sich um Maßregeln handelt nach Art des in den Reichslanden außer Kraft gesetzten Diktaturparagraphen, wodurch also dem Oberpräsidenten gewisse außerordentliche Vollmachten gegeben werden würden zur Abwendung von Gefahren für die öffentliche Sicherheit, zur Unterdrückung landesver- räterischer Zettelungen in der polnischen Presse usw. Zweifellos würden diese Vollmachten gegen die Polen schärfer zur Anwendung gebracht werden, als s. Zt. in Elsaß-Lothringen. Vielleicht aber irrtet bie fRegierungerft Verlauf und Ergebnis der Neuwahlen ab che fie ben imrt> schriftlichen Aufwendungen zu Gunsten des ^eutichtums eine politische ?lbwebrmaßr''gel zur Seite itcllt.
Aus und Land.
Gießen, den 16. Dezember 1902.
•* Gedenktage. Vor 160 Jahren, am 16. Dezember 1742, mürbe ?n Rostock Gebhard v. B lucker geboren, ber Sieger an be* Kotckcw'*, wobei Macdonaid 1813 geschlagen worben war. Ar ber Eck'acht bei Waterloo 1815 griff
ereffanien Vortrag.
1 Die hiesige Alieeschu le wird im Oktobe- n. Js. auf eine 25jährige Wirksamkeit zurückblicken. Sie hat, wie und geschrieben wird, während dieser Zeit eine stattliche Anzahl junger Mädchen auS Gießen, Oberheffen und den benachbatten preußischen Gegenden in weiblichen Handarbeiten, Kochen und Bügeln herangebildet. Die meisten Handarbeitslehrerinnen OberhessenS sind aus unserer Alice- schule hervorgegangen; einige haben auch in größeren Städten der Rheinprovinz feste Anstellung gefunden. Nachdem infolge neuerer Ministerial-Vorschriften in den hessischen Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern nur solche Handarbeitslehrerinnen angestellt werden dürfen, die eine staatliche Prüfung bestanden haben, wird die Aliceschule hierfür einen besonderen Kursud einrichten, wobei mehr als bisher auch Wett auf den Unterricht im Deutschen und Rechnen gelegt wird. Diese Prüfungen werden in jeder Provinz jährlich einmal, und zwar für Oberheffen in Gießen abgehalten. Die hiesige staatliche Prüfungskommission besteht aus dem Kreisschulinspektor Prof. Dr. LneiuS als Staats- kommiffar und mehreren Vorstandsmitgliedern derAliceschule. Für junge Mädchen, welche die Staatsprüfung als Handarbeitslehrerin ablegen wollen, wird eS votteilhaft sein, den entsprechenden Unterricht in der Aliceschule zu besuchen. Wie alljährlich veranstaltet die Schule auch in diesem Jahre am Donnerstag und Freitag eine Ausstellung von Schüler- arbeiten, deren Besuch wir den beteiligten Kreisen und allen Uebttgen, die sich für die Leistungen der Schule interessieren,
** Im „Verein für jüdische Geschichte und Sitteratur" sprach gestern abend der Provinzial-Rab- biner Tr. Hunt aus Harburg vor zahlreich erschienenem Publikum über: „Tie hessischen Judenlandtage." Diese Judenlandtage, welche in den verschiedensten Ländern des Teutschen Reiches, so auch in Kurhessen und HessewDarm- stadt im 17., 18. bis zum 1. Dezennium des vorigen Jahr- hundetts stattfanden, dürfen nicht mit den im 14. und 15. Jahrhundert in Mainz, Bingen und Erfurt stattge- habten Gemeindetagen verwechselt werden. Letztere verdanken ihre Einberufung der eigensten Jnittattve der Gemeinden, behandelten also nur die religiösen und sozialen Einttchtungen der betr. Gemeinden und wurden von einem Rabbiner ober e-inem Delegierten desselben geleitet. Die hessischen Judenlandtage, welche alle 3 Jahre an einem bestimmten Orte innerhalb des Landes, wie in Melsungen, Cassel, Wieseck und Grvß-Gercm stattfanden, wurden vom Landeöherrn berufen und von einem fürstlichen Rate geleitet. Zu diesem Landtage mußten sämtliche jüdischen Familienhäupter erscheinen; wer ohne triftigen Entschul- digungsgrund fehlte, wurde mit 5—50 Gulden Strafe belegt. Tie soziale Lage der damaligen Juden war yne äußerst mißliche. In jeder Erwerbsthätigvett waren sie beschränkt, Handwerk durften sie nicht treiben, mit Zunst- artikeln nicht handeln, sogar das Hausieren war ihnen verboten und Städte durften sie mir an Meßtagen besuchen. Rur der Viehhandel war ihnen gestattet. Trotzdem mußten sie hohe Steuern und Zölle enttichten. Ta gab es Schutzgelder, Kttegsgelder, Pferde- und Maultier gelber, , Abzugsgelber, Einzugsgelder, ic. Tie Juden glichen einem Schwamm, der eine Zeitlang mit Wasser getränkt wurde, um dann in den Händen der unteren und oberen Staatsbeamten bis zum Fürsten hinauf ausgepreßt zu werden. Tie hessischen Judenlandtage, deren erster im Jahre 1626 ab* gehalten wurde, regelten das religiöse, gesellschaftliche und bürgerliche Leben der Juden, setzten die Steuerlast der einzelnen Familienhäupter fest und ordneten das Armen- unb Schulwesen. W als bie Lehre der Neuzeit auch auf bie Juden ihre Anwendung fand und diese Staatsbürger wurden, als Wahrheit, Freiheit und Humanität zu ihrem Rechte gelangten, wurden die hessiscken Judenlandtage anno 1818, in dieser Form überflüssig, gaben aber doch die G
nanntcm Dorfbrunnen.
X Aus dem oberen Vogelsberg, 13. Dez. Ein so reges Geschäft in Christbäumen ist in hiesiger Gegend noch nie dagewesen. Sogar eigene Fuhrwerke aus weitester Gegend bis vom Main sind hierher gekommen, um Christbäume zu holen, und zwar zu einem Preise bis 10 Dfg. pro Stück Ter Grund zu diesen billigen Preisen ist ber, baß biese Bäumchen infolge der Berührung der zu ladenden Bahnlinie am Saume des Oberwaldes, doch meggefjauen werden müßten. Den Händlern ist es natürlich sehr angenehm, solche billigen Bäume zu bekommen, und sie machen riesige Geschäfte. Tagtäglich sieht man auf ber Staatsstraße vom Oberwald kommend, über Hartmannshain nach Gedern viele Wagen mtt Christbäumen beladen fahren.
•» Darmstadt, 15. Dez. Zu dem von unS gemeldeten Mord undSelbstmord erfähtt der „Darmst. Tägl. Anz." noch: Die Frau ist die von ihrem Mann gettennt lebende Ehefrau eines ArzteS in Frankfurt; der junge Mann besucht noch die Schule und ist Pttmaner der Wöhlerschule daselbst. Beide Leichen sind nach Eberstadt verbracht worden.
fc. Mainz, 15. Dez. In Kostheim ließ eine Mutt« ihre drei Kinder einen Augenblick allein. Ms sie zurück- kehrte, fand sie bas jüngste, 1 Jahr alte, in einem Stuhl sitzende Kind in Hellen Flammen. Obwohl das aus bis jetzt unaufgeklärte Weise entstandene Feuer rasch erstickt wurde, hatte das Kind doch, so schwere Brandwunden erlitten, daß es bald darauf starb.
() Aus dem Kreise Wetzlar, 14. Tez. Waren bie Lehrerbesolbungsverhültnisseim hiesigen Kreise schon vor dem Besolbungsgesetz vom Jahre 1897 sehr ungleich, so sind sie nach biefem noch viel ungleicher geworden. Viele Gemeinden gewähren allen chren Lehrern, auch den jüngeren, ein Grundgehalt von 1200 Mark, während wieder andere, oft zu derselben Bürgermeisterei gehörig, ihre Lehrerstellen nur mit 1050 Mk. dotiert haben. Durch diese Ungleichheit kommt es, daß das Höchstgehalt der Lehrer zweier Nachbarorte mtt gleich hohen Lebensmittelpreisen bis 500 und 600 Mark variiert. Eine ebensolche Verschiedenheit besteht auch in den Organistenbesoldungen. Viele Gemeinden haben aus freien Stücken 150 Mk. dafür festgesetzt, wahrend wieder andere mit wett mehr kirchlichen Tiensten ihren Lehrern nur 100 Mark ober wohl gar nur 60 Mark gewähren. Eine solche Verschiedenheit in der wirtschaftlichen Lage haben aber Tausende von preußischen Volksschullehrern aufzuweisen. Sicherlich werden die davon Bettoffenen nicht mit besonders großer Freude ihres Amtes walten. Der am 27. und 28. Dezember er. zu Magdeburg abgehaltene Lehrertag wird hoffentlich dahin wirken, baß bas Lehrerbesolbungsgesetz von 1897 balb einer Revision unterzogen wird, und baß man ben Lehrern in Preußen.
Politische Tagesschau.
Ernüchterung.
AuS Berlin, 15. Dezember, wird uns wetterhin geschrieben:
Daß die Annahme ber Zollvorlage in der Oeffent- l ich kett mit befonberer ftreube begrüßt worden ist, mit der Jubelstimmung, der sich die Zollmehrhett am Sonntag hingab, daS läßt sich kaum behaupten. Tie Annahme wichtiger Handelsverträge, z. B. desjenigen mit Rußland, fand in ber Aera Cav r iv i, bie man jetzt gerne als eine „glücklich überwundene" bezeichnet, eine ganz andere, bei weitem lebhaftere und beifälligere Aufnahme. Der Unterschied ist nicht etwa darin begründet, daß damals nicht zu ben Mitteln gegriffen worben war, burch Zurecht- biegen der Geschäftsorbnung unter allen Umftänben bie Minderheit zum Schweinen zu bringen. Es ist nicht die politische Verstimmung die Ursache ber lauen Mfnabme, fonbem bie Empfinbung, baß mit diesem nicht hinreichend geprüften Gesetzwerk ein Sprung in 5 Dun lle gethan ist. Bei den Handelsverträgen war eine klare Situation geschaffen; hier sind die Folgen nickt abzusehen und abzu- schätzen. Wie die minder populäre Errungenschaft des Zolltarifs, die Erhöhung von Nahrungsmittelzöllen, wirken wird, davon kann man sich allenfalls ein Bild machen, aber man kann diesem Tableau einstwetten nicht ein zweites, befriedigenderes an bie Seite stellen, daß Jnbustrie unb Hanbei bei biefem Tarif ebenso ihre Rechnung finben werden wie die Landwirtschaft. Der Verbraucher vollends, von dem in diesen heißen Jnteressenkämpfen auffällig selten die Rebe gewesen ist, hat am mindesten Anlaß sich beseeligt zu fühlen.
Es ist charakteristisch, daß bereits jetzt, unmittelbar nach dem Siege, in einem Organ der triumphierenden Mehrheit, in ber konservativen „Kreuzztg.", Ernüchterun g zum Ausdruck kommt. Die „Kreuzztg." fühtt heute abend aus, wenn auch jeder über die Thatsache ber Beenbigung des Streites an sich Befriebigung empfinden werde, „so vermögen wenigstens wir einer gleichen befriebigung über das für ben Schutz der Lanbwirtschaft erzielte Ergebnis der Zollberatung nicht Raum zu geben". Ein bemerkenswertes Eingeständnis. Ta dach unleugbar bie Lanbwirtschaft immer noch am besten abgeschnitten hat beim neuen Zolltarif, so läßt sich ermessen, ob bie anberen nicht so Begünstigten etwa mehr Veranlassung zur Zufriebenheit haben. „Tie Regierung", schreibt bie „National-Ztg", „hat eine kaum zu überschätzenbe Verantwortlichkeit übernommen; wir warten ab, wie sie ihr gerecht werben wirb." Tie „Voss. Zig." ist ber Meinung, baß bie Beruhigung ber gewerblichen Kreise ausbleiben werbe. Aus ben Jubel biefer Dezember Woche könne eine bebenkliche Ernüchterung folgen. — Diese Ernüchterung macht, tote man gewahrt, schon letzt sich bemerklich. Blinder Eifer schadet nur. Und jetzt lebt selbst bie „Kreuzztg." ein, baß dies hastige zum AL- chlußbringen „n icht der Bedeutung eines bie Grün trag en der wirtschaftlichen Existenz unseres Volkes unb seiner sittlichen Kräfte maßgebend berührenden, ja bedingenden Gesetzentwurfs entspricht." Zu dieser Erkenntnis hatten „bie Zollkompromißler ein paar Tage früher kommen sollen.


