Ausgabe 
16.10.1902 Erstes Blatt
 
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VoMMe Tagesschau.

Hessische LetUral»Geuoffettschaftskaffe für Haudwerker.

In Mainz fand dieser Tage eine Versammlung des ^Vereins selbständiger Gewerbetreibender" statt in der der Äenossenscyastsdirekwr und Beamte bei der hessischen Hand­werkskammer Otto Paech einen Vorttag hielt üoer die Frage: ,L3ie ist die genossenschaftliche Organisation des Handwerks im Großherzoatum Hessen am praktischsten und vorteilhaftesten durchzu- sühren?" Seit Jahrzehnten habe man erkannt, daß man nur durch Zusammenschluß die Interessen des Handwerks besser vertreten könne. Las ^rndwerk müsse sich noch besser organisieren; das Genossenschaftswesen biete ihm die beste Gelegenheit hierzu. In Teutschland bestünden jetzt schon 22 000 Genossenschaften; die Landwirtschaft habe es richtig erfaßt, sich das Genossenschaftswesen zu Nutzen zu machen; denn zwei Drittel dieser 22 000 Genossenschaften seien landwirtschaftlich. Die Organisation allein genüge aber nicht, das Kapital sei auch hier ausschlaggebend. In Hessen gäbe es noch 40 000 selbständige Handwerksbetriebe; nehme man das Durchschnittsvermögen eines jeden Hand­werkers nur zu 3000 Mk. an, so betrage dies ein Gesamit- vermögen von 120 000 000 Mk. Diese Thatsache dürfte nicht aus dem Auge gelassen werden, der hessische Handwerker- stand sei kapitalkräftig genug zur Gründung von lebens­fähigen Genossenschaften. Ein wichtiger Teil des Genossen­schaftswesens sei der Einkauf von Rohmaterial, der Zwischen­handel habe sich ungemein ausgebildet, denn je mehr Zwischenhandel, um so teurer sei das Rohmaterial. Hier empfehle sich die Bildung von Ro h sto ff b e zu g s!ge- nossenschaften. Solche bestünden bereits 150 für Schuhmacher und 40 bis 50 für Schneider, die alle mit gutem Erfolge arbeiteten. Ferner seien es die Werk-Ge­nossenschaften, welche dem Handwerk von großem Nutzen seien. Diese Genossenschaften kaufen Ma- schinen und lassen diese zu billigen Ratenzahl­ungen an die Handwerker ab. Auch werden Maschinen ge­meinsam von den Handwerkern beschafft, z. B. Holzbearbei­tungsmaschinen. Damit habe man sehr gute Erfahrungen gemacht; es werde viel Arbeitslohn gespart und der Hand­werker unabhängig gemacht. Auch die Schaffung von Ver- kaufsg eno ss en schäften müsse erstrebt werden. Zu dieser Art gehöre die Schreinergenossenschaft. Was die Ge­nossenschaft der Landwirtschaft besonders groß gemacht habe, sei die Schaffung einer Zentralkasse. Die Hand­werker müßten sich zusammenthun, um eine solche Kasse zu gründen. öei idas erforderliche Kapital vorhanden, dann sei auch die Regierung bereit, eine Summe der Zentralkasse zu überweisen. Aber ecksh müßten die Handwerker zeigen, was sie könnten, ehe die Regierung die nötigen Mittel bereitstelle. Die Handwerkskammer bringe dieser Ange­legenheit großes Interesse entgegen. In einer jüngst statt­gehabten Sitzung von Meistern seien bereits 25 000 Mk. zu diesem Zwecke gezeichnet worden. Tie Zentralkasse sei derart gedacht, daß Aktien in der Höhe von 200 Mk. ausgegeben werden. Die Aufgabe der Handwerksmeister sei, Propaganda zu machen für diese Aktiengesellschaft, jeder müsse in seinen Kreisen wirken, um das Unternehmen zu stände zu bringen An der Organisation der Landwirte müsse man sich ein Bei­spiel nehmen. ,Helfen ©ie", so schloß Redner seinen Vor­trag,eine Zentralstelle ins Leben zu rufen, in der Gesamt­heit sind Sie stark, sie wird dem gesamten Handwerk von Vorteil sein, gründen Sie eine Kasse, Ihnen zur Ehre, dem Handwerk zum Nutzen, dem Vaterland zum Wohl."

Zur Zollvorlage.

Tie zur nochmaligen Aussprache über die Zollvorlage am Mittwoch in Berlin zusammengetretenen Vorstände der westfälischen, badischen, bayerischen, schlesischen, ost- und westpreußischen, nassauischen, hessischen, Trierer und elsaß-lothringischen Bauernvereine, ausgenommen der Rheinische Bauernverein, stimmten einer Resolution zu, in der sie bedauern, daß die von ihnen ge­stellten Forderungen zum Schutze der heimischen Landwirtschaft keine Aussicht aus Realisierung haben, sie müßten aber um so entschiedener daran festhallen, daß we n i g st e n s die K v m m i s s i o n s b e s ch l ü s s e bestehen bleiben, wenngleich dadurch der Landwcrtschaft kein aus­reichender Schutz zu teil wird. Insbesondere sind die Mindest zolle für Getreide, Vieh und Fl.eisch aufrechtzuerhalten Tie Vereine erwarten daher die Zustimmung des Reichstages und der verbündeten Regier­ungen. Ter Rheinische Bauernverein hatte folgende Reso- lutton befürwortet: 1. Wir stehen nach wie vor aus dem Standpunkte, daß die in der Eingabe der christlichen Bauernvereine vom Juni 1901 im Interesse der Gesundung des deutschen Bauernstandes als notwendig bezeichneten

und begründeten Zollsätze für Getreide, Vieh und sonstige Produkte der Land- und Forstwirtschaft unter genereller Aufstellung eines Toppellanss weder die Interessen anderer Berufsstände schäbigem noch den Abschluß langfristiger Handelsverträge verhindern würden. 2. Wir sprechen fest die Erwartung aus, daß der Reichstag und die verbün­deter! Regierungen den Wünschen der Bauernvereine nach Möglichkeit entgegenLrmmen werden.

Tie Abgg. Frhr. v. Langenheim, Rösicke und Hahn brachten im Reichstage die von ihnen bei der zweiten Beratung der Zollvorlage in der Kommission namens deS Shtnbed der Landwirte eingebrachten, aber abgelehnten Anträge auf Erhöhung landwirtschaftlicher Zölle usw. ein.

Eine Kanzelrede des Präsidenten Krüger.

Nach dem zu Ehren der Buren veranstalteten Gottes­dienst im Dom zu Utrecht bestieg Präsident Krüger die Kanzel und hielt folgende Ansprache:

Freunde, Brüder und Schwestern! Ich muß damit be­ginnen, zu sagen, daß Ihr mich vielleicht nicht gut ver­stehen werdet. Ich sprecye niü)t Hollandscy, sondern hol­ländisch-afrikanisch, auch bin ich kein Sprachenkundiger oder Litteraturverständcger; von Suojekt ober Cbjeft und anderen Dingen weiß ich nichts; aber ich sage euch denn auch: merkt nicht auf die Worte, sondern auf die Sache, über die ich rede. In erster Linie will ich über unsere Generalkomman- danten etwas sagen, die bis zum äußersten für Freiheit und Recht gekämpft haben. Die Ursache, weshalb sie die Waffen niedergelegt haben, war der Wunsch, unser Volk zu erhalten, das nicht ausgerottet werden darf. Sie kommen hierher als Bettler, so hat einer der Redner gesagt. Gewiß, sie kommen nach Europa, um eine Unterstützung für Frauen, minder und Gebrechliche zu bitten. Sie haben nicht ge­zaudert, Bettler zu werden, daß die Gefangenen besucht, die Hungrigen gespeist und die Turftigen getränkt werden können.Und wahrlich", sagt der Herr,wer dies thut, hat es an mir gethan." Generale, arbeitet in Eurer Er­niedrigung zu Bettlern, arbeitet in Eurer Pflicht weiter, und handelt in allem nach dem Wort Gottes, der Euch dann seinen Beistand verleihen wird. Ihr Niederländer habt stets eine offene Börse für uns gehabt, habt stets alles gethan, um die.Hungrigen zu speisen und die Nackten zu kleiden. Haltet diese Sympathie stets warm und fahrt fort, zu Helsen. Was Ihr an den Armen thut, thut Ihr am Herrn. Sagt nicht allein, daß Ihr Sympathie mit uns habt, sondern zeigt diese aurb, auf daß nicht dereinst, wenn der Herr die Schüfe und die Lücke scheiden wird, zu Euch gesagt werden wird:Den Hungrigen habt Ihr nicht zu essen gegeben, den Durstigen nicht zu trinken, die Nackten habt Ihr nickst gekleidet und Ihr in die ewige Verdammnis geworfen werdet." Endlich, ich könnte auch noch über die Politik sprechen, aber das iht mein Plan nicht. Nochmals sage ich Euch. Brüder, Generale, fahrt fort mit Eurer herrlichen Arbeit, übertragt diese Arbeit Euren Kindern und gedenkt stets bei allem, was Ihr thut, daß sie, die in Thränen säen, mit Freuden ernten werden."

Aus Hlaöl unö Land.

Gießen, den 16. Oktober 1902.

** Gedenktage Am 17. Oktober 1649 starb zu Paris der Klaoierkomponist und Pianist Fr öd Sri c Francois Chopin. In seinen elegisch-weichen und graziösen Klavierpoesien und Liedern ist er neben Franz Liszt der völlig originelle Begründer eines harmonisch-neuen und lebensvollen Klaoierstiles. Volkstümlich ist er durch seinen einzigartigen, Todestrauer und Grabesruhe, Weltfrieden und Aufcrslehungsfreude verkündendenTrauermarsch" ge­worden. Am 1. März 1809 war Chopin zu Zelazora Wola bei Warschau geboren.

Abgabe der Steuererklärungen. Wie aus den amtlichen Bekanntmachungen ersichtlich ist, geht die Frist zur Abgabe der Steuererklärungen pro 1903/04 für die Steuerpflichtigen der Stadt Gießen am 31. l. Mts. zu Ende, worauf wir auch an dieser Stelle ausdrücklich Hinweisen möchten, um unsere Leser vor Unannehmlichkeiten zu be­wahren. Da zuweilen die Meinung geäußert wird, eine Steuererklärung müsse erst auf erfolgte Aufforderung durch die Steuerbehörde abgegeben werden, so fei dem gegenüber darauf hingewiesen, daß diese Ansicht eine irrige ist und schon öfters Hinterzlehungsstrasen herbeigeführt hat. Nach den ein­schlägigen gesetzlichen Bestimmungen hat der Steuerpflichtige eine Aufforderung der Steuerbehörde zur Abgabe neuer Steuererklärungen nicht abzuwarten, vielmehr dann solche abzugeben, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen

vorliegen. (GinkommenSverbefferung, die eine Versetzung in eine höhere Klaffe bedingt, Zunahme der Zinsen um 100 Mack und mehr rc.) Nachdem durch die neuen Steuergesetze die Strafe der Steuerhinterziehung vom früheren achtfachen auf den zwanzigfachen Betrag derjenigen Jahressteuer erhöht worden ist, deren Hinterziehung unter­nommen wurde, dürste für die Steuerpflichtigen alle Veran- laffung vorliegen, die Abgabe der Steuererklärungen nicht zu versäumen bezw. letztere mit der größten Genauigkeit aufzu­stellen. Eine besondere Vorsicht ist für das Publikum dringend geboten, zumal die Steuerbehörden von der in den ersten Jahren der Deklarationspflicht geübten milderen Praxis künftig abzusehen genötigt sind, nachdem anzunehmen ist, daß die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen sich mittlerweile eingelebt haben. Nach den vor einiger Zeit dprch die Blätter gegangenen Notizen wurden Hinter­ziehungsstrafen bis zu einer Höhe von über 500000 Mack verhängt. In allen Zweifelsfällen ist es jedenfalls bringend geboten, vor Abgabe der betr. Erklärungen bei dem Steuer- fommiffariat die erforderliche Auskunft einzuziehen.

** Tie Mondfinsternis am 17. Oktober. Der Vollmond vom 22. Llpril, der erste nach dem Lsterooll- mond, brachte uns eine Mondfinsternis, die für einen Teil

von Teutschland besonders dadurch merkwürdig war, daß

17. DEL morgenS

Uhr

17,9 Min.

4

8

49,9

9

48,9

5

6

7

7

16,9

18,7

3,4

48,2

des MondeS mit dem der Erde

des Mondes mit dem der Erde

Erste Berührung Halbschatten Erste Berührung Kernschatten

Beginn der Totalität

Mitte der Totalität

Ende der Totalität

Letzte Berührung des MondeS mit dem Kernschatten der Erde

Letzte Berührung des Mondes mit dem Halbschatten der Erde

das Nachtgestirn vollständig verfinstert aufging. Wo man bei ungehinderter Aussicht gutes Wetter hatte die zweite Bedingung ist anscheinend nur an wenigen Orten erfüllt gewesen da konnte man für kurze Zeit den tiefroten Mond gleichzeittg mit der Sonne, und natürlich ihr genau gegenüber, am Horizonte erblicken. Tiefe auffallende, durch die rein geometrische Schattenbctrachtung nicht erklärbare Naturerscheinung wird durch den gekrümmten Gang der Lichtstrahlen in unserer Atmosphäre verursacht. Tie Strahlenbrechung hebt Sonne und Mond für uns empor, und sie ist es auch, die über die Erde weg Sonnenlicht zum Monde hingeführt hat, das ihn auf geradem Wege nicht hätte erreichen können; infolge des zweimaligen Turch- gangs durch die Atmosphäre ist es stark gerötet, d. h. eS sind vorzugsweise die brechbareren Sttahlen durch Absorp­tion verloren gegangen. Tie Erscheinung, welche uns für den Morgen des morgenden 17. Oktober bevor steht, kann als Umkehrung des im Frühjahr aufgetretenen Phänomens gelten. Um das zu zeigen, geben wir nach mitteleuropäischer Zeit die Hauptdaten der Finsternis an, die als sogen, taut»* chrone Daten für das ganze Sichtbarkeitsgebiet gelten.

Erste Berührung des Mondes mit dem

Frankfurt a. M., 15. Okt. Gestern war Jahn- Feier in der PaulSkirche, genau 50 Jahre nach dem Todestage Friedrich Ludwig JahnS. Wie im Vorjahre iy Anwesenheit WUH. Jordans am Platze von Ernst Moritz Arndt, so wurde jetzt dock, wo Jahn in der ^National­versammlung seinen Sitz hatte, dieses Mal auf Veranlassung des Gauausschusses der Frankfutter Turnerschaft eine Gedenk­tafel angebracht. Pfarrer Werner hiell die Festrede. Nach einem Vortrag des PaulskirchenchoreS dankte der 1. Vor­sitzende I. Schmidt namens der Frankfutter Turnerschast allen Förderern des Weckes. Gesang der vereinigten Turner- gesangsttegen und Orgelspiel schloffen die Feier. Der Text der Gedenktafel lautet:

Hier saß in der Nationalversammlung Fttedttch Ludwig Jahn, geboren 11. August 1778, gestorben 15. Oktober 1852.Deutsch­lands Einheit war der Traum meines erwachenden Lebens, das Morgenrot meiner Jugend, der Sonnenschein der Mannes­kraft und ist jetzt der Abendstern, der mir zur ewigen Ruhe winkt."

Auf dem Frankfutter Fttedhos erfolgte gestern nach­mittag die Enthüllung deS von Freunden des Künstlers ge­stifteten Denkmals für Al exander Barthel, den vor Jahresfrist dahingeschiedenen Heldendarsteller unseres Schau­spielhauses. Eine kleine Völkerwanderung bewegte sich nach dem Grabe BatthelS, das im vordersten Teil des FttedhofS, unweit der Leichenhalle, seinen Platz hat. Viele Frauen und Mädchen befanden sich unter der Menge; die Mitglieder der

(von W. Fred). Wie schon die Auszählung deS Genannten ergiebt: eine glänzende Form, in der diese reichhaltigste aller deutschen zllmstzeitschriften wiederum auf dem Plan erscheint, neue Freunde werbend. BruckmannSKunst" sei eine Empfehlung an unsere Leser aufS neue gewidmet. Handelt es sich doch um ein Unternehmen, auf das, neben seiner relativen Billigkeit, mehr alS je das Wort zutrifft, daß der Zahlende schließlich der Empfangende bleibt. In diesem Falle durch die reichen Anregungen und den viel­fältigen Genuß, der ihm, stets sich erneuernd, aus dieser Kunsttevue großen Stiles wird.

Ter Mecklenburger Volksmund in Fritz Reuters Schriften. Sammlung und Erklärung Volks- tümlicher Waldungen und sprichwörtlichen Redensarten im mecklenburgischen Platt von Tr. Karl Friedr. Müller (Prof, in Kiel). Leipzig, Max Hesses Verlag. 8 Okt. (VIII and 132 S.), drosch. Mk. 1.80. Leser und Verehrer Reuters seien auf dies soeben erschienene Derk auftnerksam ge­macht; es enthält über 1600 volkstümliche Wendungen und sprichwörtliche Redensarten aus Reuters Werken. Ter Ver­fasser weist in allen fällen, wo dies erforderlich erscheint, die Vorstellung und den thatfächlichen Vorgang nach, denen die Redensarten ihre Entstehung verdanken; so weiß er daS Verständnis der Reuterschen Schriften zu fördern. TaS Buch wird in erster Linie allen Reuter-Lesern willkommen [ein, die mit dem plattdeutschen Dialekt nicht genügend vertraut sind.

Zur Sprache Fritz Reuters. Ein Beittag zur Kenntnis der mecklenburgischen Mundart. Von Pros. Tr. Karl Friedr. Müller. Leipzig, Max Hesses Verlag. 8Oll (50 S.), 80 Pfg. Auch diese zweite nji desselben Ver­fassers wird allen Reuter-Freunden i. .klommen sein: sie behandelt die bei Reuter vorkommenoen, überaue- zahl­reichen srenck)sprachlichen Worte und bietet eine uber- roschende Fülle intece[ianter Belehrung in anregender Form.

In Max Hesses Verlag in Leipzig erschien bereits die zweite Auflage des Wörterbuchs der deut­schen Rechtschreibung von Mathias. Bekanntlich wird binnen kurzem in Teutschland und den deut sch sprechen­den Gegenden Oesterreichs und der Schweiz, eine neue deutsche Rechtschreibung zur Einführung gelangen. Wieder einmal werden All und Jung ihre Hand und ihr Auge an eine neue Gestaltung der deutschen Schrift gewöhnen müssen. Zur Besetttgung des Wirrwarrs, den die verschie­denen sogenannten deutschenRechtschreibungen" in den letzten Jahrzehnten hervorgerufen haben, beizutragen und nach seinen Kräften dafür zu sorgen, daß wir nun endlich wirklich einmal zu einer einheitlichen, allgemein ange­wandten deutschen Rechtschreibung gelangen, ist der der ziemlich allgemeine Wunsch. Aber nicht allgemein ist die Lust, sich zur Erlernung der neuen deutschen Recht­schreibung in ein trockenes und langatmiges Regelbuch zu vertiefen. Lieber werden viele zu einem handlichen Buch greifen, das sie praktisch und in kurzer Form über die neue Rechtschreibung belehrt. Ein solches praktisches Hand­buch bietet sich in dem vorliegenden Wörter buck). Es ent­hält ein v-kphabetisch geordnetes Verzeichnis der deutschen Worte und der bet uns gebräuchlichsten Fremdworte in der neuen Rechtschreibung. Besondere Vorzüge des Buck)es sind seine handliche Form und sein praktischer, übersichtlicher Truck.

Von dem im Verlage von E. A. Seemann in Leivzig erscheinenden LieferungSwerkH u n d e rt M e i ft e r der Gegenwart, einer Sammlung farbiger Faksimiles nach Gemälden moderner Künstler mit begleitendem Text, ist daS zweite Heft ausgegeben. Es emljält, wie das " erste, dem es in jeder Hinsicht gleichwertig ist, fünf solcher farbigen Faksimiles nach Originalen Berliner Künstler. Ta ist eins nach einem großen Meisterwerk von kleinstem Umfang von Adolf o. Menzel, das die mit sitzenden, speisenden, trinkenden und ilanierenden Männern, Frauen, Kindern

von allen Rassen und Nationen, aufwartenden Kellnern im bunten Gedränge dicht gefüllte Halle des englischen Re­staurants an der Älußensette des Hauptgebäudes der Pariser Weltausstellung von 1867 in erstaunlicher Lebendigkeit, im hellen flimmernden Licht des Sommertages schildert. Tas zweite in der gleichen täuschenden Uebereinftimmung mit dem Original ausgeführte Blatt ist die Kovie des in der Tresdener Galerie befindlichen Menageriebildes von Paul Meyerheim mit seiner Fülle von Tier- und Menschen­gestalten. Es folgt die Kopie von Hans Hermanns meisterhaftem Bilde aus niederländischer Natur und nieder­ländischem LebenAn der Scheldemünduna"; dann Max Liebermanns, für seine ungemein packende Natur auf- fassung wie der malerischen Behandlung sehr bezeichnende geniale LelstudieSchulmädchen" in einem von Sonnen­strahlen durchblitzten Laubgange, die auf dessen Boden und auf die beiden Gestalten helle Flecken und Streifen rocrfciL Tas fünfte ist Skarbinas Winterabend am Lützowplatz". Tie komplizierten Beleuchtungseffekte, durch die zahlreichen Straßenlaternen in der feuchtkalten Sinter* lüft auf dem schneebedeckten Boden wie auf den Haus­fronten am jenserttgen Kanalufer sind so überzeugend wahr herauSgebracht, wie die meist nur als dunkle Silhouetten erscheinenden Menschengestalten, Wagen und Gespanne. Tie Reproduktion der jedem dieser Originalbilder eigentüm­lichen Farbenstimmung und Malweise ist vortrefflich ge­lungen. Tie beigegebenen kurzen Texte von Tr. M. Osborn charakterisieren jedes dieser Kunstwerke und seine 'Maler treffend und sind fesselnd geschrieben. Ter Einzelpreis der Lieferung ist Mk. d., während bei Bezug aller 20 Liefe­rungen Die Lieferung nur auf ML 2 zu stehen kommt.

* Emile Zola hat ein Vermögen von 4 Mil­lionen Francs hinterlassen, das zum großen Teil in Terrains an der Seine, bei feinem Landsitze in Meudon und in Grundstücken festgelegt ist.