Ausgabe 
16.8.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 191 Zweites Blatt.

ISS. Jahrgang

Samstag 1«. August 1902

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamlllen- blötter viermal in der Woche beigelegt.

Notattonsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Untvers.-Buch» u. Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

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Eichener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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verantwortlich:

für den polit. u. allgem. Teil: P. Wtttko- für Stadt und ßanb' und .Gerichtssaal": Curl Plato; für ben An­zeigenteil: HanS Beck.

Die ycuttge Mmmer umfaßt 14 Seiten.

Ausland.

London, 15. Ang. Aus Fez (Marokko) sind beunru­higende Nachrichten eingetroffen. Danach hat sich der Ai- judzi-Stamm in der Gegend des Atlas zwischen Fez und Tegla empört, den Gouverneur getötet, Frauen und Kinder wegg eschleppt. Der Bruder des Kriegs­ministers Kaid Omar ist mit Wiederherstellung der Ordnung betraut worden.

Meldungen aus Cowes besagen, daß, obwohl sich der König etwas ermüdet fühlt, was nach der Reise und den Anstrengungen der letzten Woche natürlich ist, er dennoch die Symptome einer größeren Kräftezunahme zeigt.

DemDaily Telegraph" wird aus Newyork gemeldet, daß das Syndikatfür die llebernahmeder Werte desMorganschenStahltrusts über eine andere Ver­teilung Vereinbarungen getroffen und den bisher erzielten Gewinn von zusammen 30 Mill. Dollars verteilt habe. Demselben Blatte wird weiter gemeldet, daß die Partner Morgans Mitglieder der Verwaltung der Intern- national Harvester Company seien, ferner, daß die Farmer des Westens einen Trust mit einem Kapital von 50 Millionen Dollars gebildet hatten für Speku- tationin Getreideproprsionen und Erbauung von Speichern.

V i l l e f r a n ch e, 15. Aug. Kriegsminister General Andrs gab beim Empfange der Behörden bet der Ein­weihung eines Denkmals zur Erinnerung an das

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Aug. Nach der WienerAllg. Korr." soll in hiesigen sehr gut unterrichteten Kreisen verlauten, daß anläßlich der Begegnung des deutschen Kaisers mit dem Zaren auch die Po len frage zu eingehender Er­örterung gelangt sei, da ebenso wie in Deutschland auch in Rußland die polnische Propaganda den Gegenstmrd der leb­haften Aufmerksamkeit bilde.

Zu den Kaisertagen in Posen wird auch der rumänische Thronfolger erwartet. Auf Anordnung des Kaisers werden der Gouverneur von Warschau und gegen 50 Offiziere russischer Kavallerieregimenter an der Parade teilnehmen unter Führung des Gouverneurs von Warschau.

I Die Vogesenfahrt des Kronprinzen er­reicht morgen ihr Ende. Der Kronprinz trifft am Sonn­tag in H o mb ur g v. H. ein, um dort mit seinen Eltern und Geschwistern zusammenzutreffen.

r Staatssekretär Graf Posadowsky hat heute Berlin verlassen. Er wird seinen Urlaub Anfang September unterbrechen und zudenKaisertageninPosen weilen. Spätestens am 18. September wird er wieder in Berlin eintreffen und sich an den Sitzungen der von der Zoll- tarifkommission eingesetzten Unterkommission be­teiligen.

Der Berliner Magistrat befaßte sich in seiner heutigen Sitzung mit den Empfangsfeierlichkeiten und der Ausschmück­ung der Straßen anläßlich der Ankunft des Königs von Italien. Tas Brandenburger Thor wird mit Fahnen und Laubguirlanden geschmückt, der Pariser Platz soll an vier Stellen dekorativen Schmuck erhalten. Der Platz vor dem Brandenburger Thor, wo die städtischen Behörden den König begrüßen werden, soll mit niedrigen Podien aus­gestattet werden. Die Kosten der Dekoration, die in alt­römischem Stile gehalten sein soll, werden dem Repräsen­tationsfonds entnommen.

Major Graf v. Schmettow, bisher erster Adjutant des Chefs des Generalstabes Grafen v. Schlieffen, ist zum dienstthuenden Flügeladjutanten des Kaisers ernannt worden.

Oberst Schiel wird im nächsten Monat hierher­kommen und einen öffentlichen Vortrag über seine Erlebnisse im Burenkriege halten.

Dresden, 15. Aug. Die sächsischen Behörden sind angewiesen worden, bei der Auswahl weiblicher Ar­beitskräfte sich größerer Zurückhaltung auf­zulegen. Anlaß zu dieser Verfügung hat die Wahrnehmung gegeben, daß bei dem weiblichen Personal Erkrankun­gen infolge der Anforderungen des Dienstes sehr häufig Vorkommen, namentlich stellt sich bei Telephonistinnen leicht eine Alteration der Kopsnerven, allgemeine Nervosität und Blutarmut ein; ebenso ist das Bedienen der Schreib­maschine jungen Mädchen vielfach unzuträglich. An ein und derselben Dienststelle mußten beispielsweise sämt­liche drei mit dem Schreibmaschinendienst betrauten Be­amtinnen wegen Ueberanstrengung längere Zeit beurlaubt werden, um Heilung für die im Dienst erworbene Nervosität zu suchen. Derartige üble Erfahrungen sind nicht etwa bloß mit jungen 'Mädchen gemacht worden ,die schoKschwäch­lich in den Dienst traten, sondern auch mit solchen, die -sich bei. Uebernahme der Stellung der besten Gesundheit er­freuten.

Kulmbach, 15. Aug. Bei der Reichstags-Er­satzwahl im Wahlkreise Kulmbach-Forchheim wurden 15 669 Stimmen abgegeben. Zöllner (Zentr.) erhielt 6099 Stimmen, Faber (natl.) 3946 Stimmen, Weilnboeck (Bund der Landwirte) 3520 Stimmen, Deinhard (Soz.) 1766 St-, Wölfel (bayr. Bauernbund) 306 Stimmen. Ungiltig oder zersplittert sind 32 Stimmen. Hiernach ist Stichwahl zwischen Zöllner (Ztr.) und Faber (natl.) nötig.

München, 15. Aug. Das ZentrumsorganAugsb. Postztg." übt scharfe Kritik an dem Kaisertele­gramm, in dem es eine Gefährdung der föderativen Reichsgestaltung erblickt. Es droht mit einer Jnterp ella- tion im Reichstage und erwartet von dem Telegramm eine mächtige Stärkung des Zentrums.

Jahr 1870 seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Richter sich von der Wichtigkeit der Aufgabe Rechenschaft ablegten, die die Regierung auf sich genommen habe, und von der Thatkrast, mit der die Regierung diese Aufgabe durchzu­führen entschlossen sei, um das Land auf der ebenen und glücklichen Bahn zu erhalten, auf welcher Frankreich stets an der Spitze aller Völker marschiert sei. Wir wollen, so sagte der Kriegsminister dann in seiner Rede bei der Einweihung des Denkmals, unsere Niederlage nicht verherrlichen; wir kennen und tragen noch beute ihre Folgen. Wir ehren das Gedächtnis der für das Vaterland Gefallenen. Der Soldat, den das Denkmal dar- stellt, ist der Soldat der Zukunft, der Frankreich seine materielleGröße wiedergeben wird. Er schuldet dem Lande, das zu verteidigen er geschworen hat, alles, selbst das Opfer gewisser seiner persönlicher Ueberzeugungen. (Leb­hafter Beifall.) Dieser Soldat der Zukunft wird der Rächer Frankreichs sein. Diesem Rächer bewahren wir unsere Palmen auf. (Leibhafter Beifall.) Bei dem Bankett führte Kriegsminister Andre in Erwiderung mehrerer Toaste, namentlich desjenigen des Vertreters von Belfort, aus, er rate Belfort, seine gloxreiche Fahnevon 1870nichtfrüher herauszutragen, bis an dem Tage, da dasBaterland alle seine Kinder zu den Waffen rufen werde. Der Kriegs­minister sprach sich alsdann zu Gunsten der zweijährigen Dienstzeit aus. (Der Mann scheint den Ehrgeiz zu haben, die Korbern" eines Boulangers sich zu erwerben. Sein Kriegsgeheul macht einen mehr als lächerlichen Eindruck. T. Red.)

Paris, 15. Aug. Die Regierung hat beschlossen, eine Anzahl Abgeordnete und Bürgermeister ge­richtlich zu verfolgen, weil sie dem Widerstand der Kongregationen gegen die Regierung zugestimmt haben. Zahlreiche Privatpersonen sollen gleichfalls dieserhalb vor Gericht geftellt werden. Gestern abend wurden in verschie­denen Gemeinden die Ordensschiulen ohne jeden Zwischen­fall geschlossen. In drei Gemeinden wurden die Amtssiegel wieder abgerissen und die Ordensschwestern von der Be­völkerung mit Gewalt wieder in die Schulen zurückgesührt.

B e r n, 15. Aug. Die offizielle Nachricht von der Durch/- reise des Königs von Italien durch Schweizer Gebiet im Kanton Wallis ist eingetroffen. Die Begrüßung findet am 26. August in Göschenen durch vier Bundesräte und einige höhere Offiziere statt. Eine Ehrentompagnie wird ausgestellt. Der König reist sodann über Zürich weiter.

Wien, 15. Aug. In Aussig begannen heute die Ver­handlungen des von etwa 130 Delegierten besuchten Par­teitages der deutsch-österreichischen Sozial­demokratie. Aus Deutschland sind die Abgg. Fischer und Kaden erschienen. Die weibliche Arbeiterschaft ist durch sechs Frauen vertreten. Popp eröffnete die Verhand­lungen und erklärte den vielfach ausgedrückten Vorwurf, daß die Thätigkeit der Parteileitung im letzten Jahre zu ruhig gewesen sei, als ungerecht. Die Partei könne nicht fort­während von Demonstrationen leben und müsse auch eine intensive Thätigkeit nach Innen entfalten. Kaden über­brachte Grüße von den Genossen Deutschlands, die gleich den österreichischen einen schweren Kampf führen, weil alle Regierungen bestrebt sind, den freiheitlichen Gedanken in der Bevölkerung zu unterdrücken. Abg. Fischer verwies auf die in Deutschland bevorstehenden Reichstagswahlen, die einen Entsch^idungskämpf für die künftige Gestaltung der politischen Verhältnisse im Deutschen Reiche bedeuten. Tie deutschen Sozialdemokraten haben stets den Mut und die Kampfesfreude der österreichischen Brüder bewundert und wünschen den Beratungen den besten Erfolg.

Innsbruck, 15. Aug. Auf dem aus Anlaß der Denkmalsenthüllungsfeierlichkeiten in der Sachsenklemme veranstalteten Festmahle hielt der Statthalter eine Rede, in der er aussührte, von überall her seien die Tiroler zusammengekommen, um durch Denkmäler aus Stein und Erz das Andenken der helden­mütigen Vorfahren zu ehren, die alle für die Fahne, der sie Treue schwuren, kämpften. Mögen die Tiroler nie ver­gessen, daß ihre Väter so lange Heldenthaten vollbrachten, als sie einig waren, und daß in der Einigkeit die Stärke liegt, daß er derselbe Gott, derselbe Kaiser, dasselbe Vater­land ist, dem sie heute wie damals ihre Kraft zu weihen gewillt sind. Die Regierung und der Kaiser will nicht nur ein einheitliches Land Tirol, sondern auch! die Einigkeit der Tiroler, damit sie in gemeinsamem Zusanmenwirken aus der glorreichen Vergangenheit stets neuen Mut und neue Kraft für die schweren Ausgaben der Zukunft schöpfen. Der Statthalter erhob sein Glas auf.eine frohe, glückliche Zu­kunft und schloß mit einem Hoch auf das Land Tirol.

K o n st a n t i n o p e l, 15. Aug. Tie heute fällige fünfte Rate für Lorando und Tubini ist nicht b ezahlt worden; auch mit der vierten Rate ist die Pforte noch im Rück­stände.

Tientsin, 15. Aug. Die Ueberg abe £ient- sins an die chinesischen Behörden wurde heute vollzogen.

Aus Stadt und Lanö.

Gießen, 16. August 1902.

** Personalien. In den Ruhestand wurde versetzt der Bahnmeister in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn-Ge­meinschaft Konrad Bischoff zu Lauterbach mit Wirkung vom 1. Oktober d- I. an.

* * Das Großh. Regierungsblatt Nr- 53, aus­gegeben am 14. August d- I., enthält: Gesetz, die Wohnungs­fürsorge für Minderbemittelte betreffend. Vom 7. August 1902. Nr. 54 desselben Blattes, ausgegeben am 15. August d. I-, enthält das Gesetz über die öffentlichen Spar­kassen. Vom 8- August 1902.

* Mariä Himmelfahrt feierten gestern unsere katho­

lischen Mitbürger, ein Fest, das in den Werken der älteren Kunst eine große Rolle spielte. Die großartigste und er­habenste Darstellung dieses Themas in der italienischen Kunst hat Tizian um 1518 für die Kirche Santa Maria Gloriosa de'Frari in Venedig geschaffen. Aber auch Perugino, Dürer und Rubens haben erhabene Darstellungen dieser Legende geschaffen. Der Feiertag der katholischen Kirche brachte es mit sich, daß gestern zahlreiche katholische Blätter nicht erschienen sind. Aber während z. B. dieKöln. Volks­zeitung" in ihren gestrigen Ausgaben sehr ausführlich über den Düsseldorfer Kaisertag berichtet, sind in Mainz und Bingen leine Zeitungen zur Ausgabe gelangt.

* O mnibusfa h rt en. Wie man uns mitteilt, fahren morgen, Sonntag, von 3 Uhr ab die Omnibusse viertelstünd­lich nach Wieseck.

* * An den König von England hatte anläßlich der Krönung ein Gießener, Heinrich Cr., ein Glückwunsch­schreiben gerichtet. Aus dem Zioilkabinet des Königs ist nun folgende Antwort eingetroffen:Buckingham Palace, 14. Aug. 1902. The Private Seoretary is commanded to thank Herr Heinrich Cr... for hie kind letter of con- gratulation upon the occaeion of Hie Majeetye Coronation. (Buckingham Palast. Auf Allerhöchsten Befehl dankt das Prioat-Sekretariat Herrn Heinrich Cr... für das freundliche Glückwunschschreiben zur Krönung Seiner Majestät.) Das Schreiben ist mit dem königlichen Wappen versehen und das Couvert mit demselben Wappen verschlossen.

- t. Rödgen, 15. Aug. Auf der hiesigen Feldmark wurde heute eine tote Brieftaube gefunden, die auf dem Ringe die Bezeichnung 1902 G. R. 26 trug. Der Kopf der Taube fehlt.

e. Bad-Nauheim, 15. Aug. Zur Erholung von. den Anstrengungen der Londoner Krönungsfeierlichkeiten ist gestern hier ein treuer Gast unseres Kurortes eingekehrt: Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein. Nach den amtlichen Zählungen war gestern die Gesamt- fr e q u e n z 18 757 Kurgäste, gegen 16 765 int Vorjahre, also 1992 Personen dieses Jahr mehr. Auch die Zähl der Bäder ist um 2606 höher, nämlich, 227 399 gegen 24 793.

k. Friedberg, 15. Aug. Ter am Donnerstagabenb durch Huftritte eines Pferdes schwerverletzte zweijährige Knabe des Gärtners Tropp ist gestern nacht im Hospital seinen Verletzungen erlegen.

k. Friedberg, 15. Aug. Ein äußerst schwerer Unglücks fall ereignete sich gestern abend gegen 6 Uhr in der Spitalgasse. Ein Fuhrknecht der Brauerei Steinhäußer kam mit einem mit Steinen beladenen schweben Fuhrwerk die Gaffe herunter und befand sich gerade hinten an dem Hemm- rverk, um zuzuschrauben, als das Kind des hiesigen Gärtners Tropp aus einem Hof heraus direkt unter die Pferde lief. Das eine der Pferde war blind, erschrak, warf das Kind nieder und trat ihm auf den Unterleib. Eine Frau, die zu­gesehen hatte, rief dem FuhrmannHalten" zu, und diesem gelang es auch, die Pferde sofort zum Stehen zu bringen, sonst wäre das bedauernswerte Kind auch noch überfahren worden. Die hinzueilenden Eltern brachten das schwer ver­letzte etwa zweijährige Kind sofort in das hiesige Hospital. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

k. Schwalheim bei Friedberg, 15. Aug. Von hier nach der Kreisstraße FriedbergDorheim wird in aller Kürze mit dem Bau einer Kreisstraße begonnen werden. Hier­durch erhält unser Dorf die langersehnte direkte Straßen­oerbindung mit dem benachbarten Friedberg, nach welcher Stadt sich aller Verkehr richtet. Seither führte nur ein Feld­weg nach der obigen Kreisstraße, der bei ungünstiger Witte­rung völlig ungangbar war. Die neue Straße führt über die Wetter, sodaß der Bau einer Brücke erforderlich ist. Die­selbe wird 10 Meter breit, erhält drei steinerne Pfeiler und Eisenkonstruktion. Außer unserem Dorfe werden auch der berühmte Schwalheimer Germaniabrunnen und Rödgen und Wisselsheim dadurch eine nähere Verbindung nut Friedberg erhalten.

Darmstadt, 14. Aug. Zu den Enthüllungsfeierlich­keiten des Alicedentmals, welche im Voranschlag mit 3000 Mark vorgesehen sind, genehmigte heute die Stadtverord­netenversammlung auf Ersuchen des Land es aus­schuss es einen Beitrag von 3000 Mk., sowie 350 Mk. zur Schmückung der Wilhelmstraße. Wie dieN. H. V." mit­teilen, wird Frl. Dr. EllaMens ch bei der am 12. Sept, stattfindenden Enthüllung des Alice-Denkmals zu Darm­stadt die F e st r e d e halten.

Isenburg, 12. Äug. Wie wir neulich! berichteten, mußte ein vom Fürsten Isenburg in Verwahrung genommenes, angebliches Ziaeunerkind den Zigeunern wieder übergeben werden, oa die Anklagekammer genügende Beweise für einen Kindesraub nicht für vorhanden erklärte. Nun haben sich, am Tage der Urteilsfällung einige Anhalts­punkte ergeben, die jedenfalls vieles unaufgeklärt erscheinen lassen. Von den angeblichen Eltern ist nur der Vater ein Zigeuner, die Mutter eine Böhmin im Alter von ungefähr 44 Jahren, die seit 10 Jahren verheiratet ist. Sie behauptet, weder ihren Lor- noch Zunamen zu kennen. Sie sprechen sehr schlecht «deutsch, dagegen tschechisch und rumäniscy, wäh­rend das Kind fließend deutsch und fast gar nicht tschechisck». spricht; auch ist das Kind entschieden in einem besseren Hause erzogen. Es hat fünf Wochen mit den fürstlich und prinzlich Jjenburgischen .Kindern gespielt, gegessen und ge­schlafen und niemals auch nur eine Bemerkung gemacht, wie man sie beiStraßenkindern" nur zu oft hört. Die Zigeuner erklären das Kind für fünfjährig, und feine körper-