Nr. 113 Erstes Blatt. ISS. Jahrgang Freitag 1«. Mai 1»O»
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U General-Anzeiger " M-'L.
■SB Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen s“
tzerasprrchatlschlußNr.Sl.~ V flP _________________________________________^cnleit: Hantz Beck.
thun und ich sie mit dem Ausdruck des Bedauerns zurüL- ziehe. Ich trage selb stv er stündlich auch die Kosten der gegen mich deshalb anhängig gewordenen Untersuchung und gebe hundert Mark als Sühne für die Stadtarmen zu Händen der Armenkasse. Ich bitte den Herrn Bürgerin elfter und die Herren Stadtverordneten, dies als eine Erkläriung ent- gegenzunehmen, die ich vorbehaltlos aus gewissenhafter Erwägung freimütig und ehrlich abgebe." — Die Erklär- ung, welche hierauf Bürgermeister Mecum abgab, lautet: „Meine Herren! Ich habe lebhaft bedauert, daß Herr Stadtverordneter Löber mich in der Sitzung am 6. März gezwungen hat, die Würde unserer Versammlung durch eine Strafanzeige zu wahren. Daher nehme ich, die heutige Erklärung des Herrn Stadtv. Löber gerne entgegen und setze das Einverständnis her Versammlung dafür voraus, brauche wohl kaum zu versichern, daß ich bei meinen frü- hereü Aeußerungen über Herrn Löber nur meiner Pflicht g.-gen die Stadt diente und persönliche Beweggründe mir ganz ferne lagen. Ich wollte nur der dringenden Forderung Ausdruck geben, die ich nach den mir gdwvrdenen Berichten für verletzt hielt, daß die Vertreter der Stadt alles meiden, was zu einer ungesunden, das Gedeihen unseres Gemeinwesens schäldi- genben Entwickelung der Bodenpreise beitragen fann. Aus Seit Mitteilungen des Herrn Löber und einer Offerte, die er mir für die Stadt gemacht hat, entnehme ich gern, daß, auch er meiner Ansicht über eine gesunde städtische Bodenpolitik beitritt und den Bodenwucher verwirft. Damit fallen alle Erörterungen, die über diesen Punkt gepflogen sind und deren Wiederholung der Stadtvervrdnetenverisamm- [ung für alle Zukunft erspart bleiben möge. — Die so erzielte Einigung wurde durch Handschlag bestätigt.
Stadtv. Dr. Schäfer spricht darauf feine Äenugthuung darüber aus, daß diese Angelegenheit in einer der Würde der Versammlung entsprechenden Weise Erledigung gefunden habe; er betrachte es nunmehr als eine Verpflichtung der Vetsammluna, auf die Sache nicht mehr zurückzukommen.
Seitens des Grvßh. Kreisamtes ist der StadtGieß en angesonnen worden, zu den 11000 Mk. betragenden Kosten für die Verbreiterung der Kt-e isstr a ße Gie ßen- Heuchelheim ein Achtel gleich 1375 Mk. beizutragen. Die Stadt hat das Ansinnen f. Z. mit der Begründung ab- gelehnt, daß die Verbreiterung der Straße nur dadurch notwendig geworden sei, daß ein Teil derselben der Bieberthalbahn überlassen wurde und daher die Kosten der Verbreiterung von dieser aufzubringen seien; die Stadt Gießen habe nur das zur Verbreiterung erforderliche Gelände zu stellen. Nach langer Debatte, an der, sich die Stadtv. Dr. Schäfer, Heichelheim, Schwall, Huhn, Helfrich und Schaffftaedt beteiligen, wird beschlossen, die angesonnene Beitragsleistung abzulehnen.
Gegen die Korrektion der Kreisftraße von Gießen nach Gleiberg, die gelegentlich der Feldbereinigung ausge^ führt werden soll, und zu der die Stadt nur das Gelände zu stellen, einen Beitrag aber mangels eines wesentlichen Vorteils nicht zu leisten hat, hat die Versammlung nichts einzuwenden.
Zur Verlegung der Kreisstraße Gie ßen->Krofdorf, die von der Schützenstraße aus in gerader Linie auf die lleberfilhrung der Eisenbahn Lollar-Wetzlar geführt werden soll, soll die Stadt Gießen mit einem Achtel der Kosten (22 OOUj gleich 2750 Mk. herangezogen werden. Die Versammlung beschließt Ablehnung des Ansinnens, weil die Straßen-Verlegung und die damit verbundene Verkehrserleichterung nicht von besonderem Vorteil für die Stadt sei.
Das Baugesuch des Architekten I. Stein für die Step Han st raße wird befürwortet, desgl. das Gesuch des Sattlermeisters Aug. Kilbinger, der auf seiner Werkstätte in der Kaplansgasse ein drittes Stockwerk in Holzfachwerk errichten will. Weiter befürwortet wird das Baugesuch des Eis en b a h n f is kus für die Stellwerke 2, 3, 4, 5, 7 Md 14. Nachdem in der vorigen
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 15. Akai 1902.
Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi und Grüneberg, die Stadtverordneten Brück, Emme- lrus, Euler, Flett, Dr. Gafsky, Dr. Gutfleisch, Hanau, Hau- bach, Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Orbig, Petri, Pirr, Dr. Schäfer, Schaffftaedt, Schmoll und Wallenfels. Entschuldigt: die Stadtv. Faber, Loos, Dr. Fuhr, Schiele.
Bürgermeister Mecum giebt bezüglich des Stadtv. Dr. Fuhr der Hoffnung Ausdruck, daß derselbe bald he- ttefen möge, um wieder an den Verhandlungen teilnehmen au können. — Die weitere Mitteilung des Bürgermeisters, daß am heutigen Tage der 100 0 st e Student immatrikuliert worden sei, wird von der Versammlung mit einem „Äravo" entgegengenommen; der Bürgermeister drückt hierbei die Hoffnung aus, daß sich die Universität für die Folge ebenso entwickeln möge, wie in den letzten Jahren. — Zu dem in voriger Sitzung gefaßten Beschluß auf Abschluß der Haftpflichtversicherung der Stadt mit der Oberrhein. Vers.-Gesellschaft in Mannheim wird mitgeteilt, daß Stadtv. Dr. Gutfleisch, dem Der Vertrag vor her endgültigen Annahme nochmals zur Prüfung vorgelegt wurde, bekundet hat, daß die Rechte der Stadt ausreichend gewahrt seien. — Der Gastw irte-Verein für Gießen und Umgegend hat oie Stadtverordneten-Per- sammlung zur Teilnahme an dem am 26., 27. und 28. Mai d. I. in Gießen stattfindenden Delegiertentag des Rhein- Main-Gastwrrte-Ve rbandes eingeladen. Der Bürgermeister ersucht die Stadtverordneten, der Einladung Folge zu leisten, namentlich die am 27. Mai norm. 10 Uhr im Cafe Leib stattfindende Hauptversammlung zu besuchen, in der u. a. die Dienstzeit der Angestellten des Gast Wirtgewerbes und die Bedürf n iss rage, welche Gegenstände die Stadtverordnetenversammlung demnächst beschäftigen werden, zur, Verhandlung stehen. — In einer gleichzeitig an den Reichstag und das Großh. Mi- nisterium gerichteten Eingabe der Bürgermeisterei Mainz wird Einspruch dagegen erhoben, daß von dem der Annahme des Zolltarifs folgenhen 1. April ab Oktroi auf Mehl, Hülserifrüchte, Backwaren, Fleisch und lebendes Vieh von den Städten nicht mehr erhoben werden dürfe. Die Eingabe bezeichnet diele Bestimmung als einen Eingriff in die Rechte der Städte, Dessen Folge eine erhebliche Erhöhung der direkten Steuern sein würde. Die Einladung der Stadt Mainz zum Beitritt zu dieser Erklärung wird vom Bürgermeister befürwortet. Stadrv. Krumm spricht sich dagegen aus, weil er es als Inkonsequenz bezeichnen müsse, wenn die Stadt Steuern für sich erhebe, während sie die Zölle bekämpfe; Stadtv. Dr. Gut fleisch hat auch Bedenken gegen einen zustimmenden Beschluß; auf seinen Aittrag wird die Eingabe an die juristische und die Finanzkommission verwiesen.
In einer in den „G.N. N." erschienenen Plauderei wird bemerkt, daß ein erheblicher Teil der Kanalisationsarbeiten an die Firma Holzmann in Frankfurt vergeben sei; in einer Versammlung der Gießener Jnftalla- teuce sei ähnliches mitgeteilt worden. Bürgermeister M ecu in konstatiert demgegenüber, daß mit Holzmann keinerlei Verhandlungen stattgefunden; die Bohrversuche seien auf Veranlassung der Stadt durch das Sielbauamt auAgeführt worden.
Stadtv. Löber gab hierauf folgende Erklärung ab: Infolge reiflichen Nachdenkens unb vielfacher Besprechung mit meinen Mitbürgern bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, daß ich in der öffentlichen Sdadtverordneten- Sitzung vom 6. Mrz d. I. mich von der Aufregung über die gegen mich erhobenen Anschuldigungen zu unziemlichen, die Würde des Stadtv or stand es verletzenden Aeußerungen habe hinreißen lassen. Ich fühle mich daher verpflichtet, die Erklärung abzugeben, daß mir diese Aeußerungen leid
Der Morgan'sche Schifffahrtstrust
war Gegenstand einer interessanten Debatte in der italienischen Kammer. Der Abgeordnete Pantaleon i richtete an die Regierung die Anfrage, ob sie sich über die Wirkung, welche der unter Führung Morgans ins Leben tretende Schiffahrtstrust auf die B e f ö r b e r u n g von Auswanderern, welche aus Europa und insbesondere aus Italien nach den Vereirrigten Staaten gehen, klar sei. Des weiteren fragt Pantalevni an, ob die italienische Regieruiig glaube, daß die amerikanische Regierung ein Gesetz erlassen werde, wonach die Beförderung von Auswanderen auf Schisse, welche die amerikanische Flagge ftihren, beschränkt werden. Unterstaatssekretär Baceelli regte die Vergünstigungen dar, welche naturgemäß den vereinigten Kapitalisten und dem amerikanischen Handel durch die Gründung des Trusts erwachsen würden, und welche deutlich das Recht seines JNstehentretens darthaten, selbst ohne daß man eine allzu merkliche Wirkung infolge der übertriebenen künstlichen Erhöhung der Preise erwarten müßte. Was die Beförderung italienischer Auswanderer betrifft, fuhr Baceelli fort, so wird der Trust, wenn er dieselbe betreiben will, sich die dazu nötigen Erlaubnisscheine für seine Schiffe zu beschaffen haben und sich daher ben PreiZbeschränkungen, welche unsere Behörde für die Beförderung von Auswanderern festzusetzen befugt sind, unterwerfen müssen. Doch erscheint eine solche Eventualität nicht nahe bevorstehend, denn wahrscheinlich wird die Be- jöroerung auch weiterhin nur von derjenigen der verbündeten Linien besorgt werden, die dieselbe bisher ausgeführt hat Ich halte es nicht für wahrscheinlich, daß die Verein. Staaten im Begriffe sind, infolge der Gründung des Trusts es zur Vorschrift zu machen- daß die Beförderung von Einwanderern nach den Vereinigten Staaten durch amerikanische Schiffe zu erfolgen habe, denn jedes zum Trüst gehörendes Schiff.wird nach wie vor seine Nationalflagge und nicht die amerikanische führen. Die italienische Regierung wird indessen ihr Augenmerk auf die Wirkungen Dieser Trust- blldung gerichtet halten uno nicht verfehlen, wenn nötig, nach Maßgabe der ihr zur Verfügung stehenden Mittel die nattonalen Interessen wahrzunehmen.
Politische Tagesschau.
Agrarische Wahlvorbereitungen.
Die Deutsche Tageszeitung fängt jetzt schon an, die vächste Reichtagswahl inS Auge zu fassen, da fte mit der Möglichkeit rechnet, daß die Wähler schon wesentlich früher als im nächsten Sommer an die Urne gerufen werden. Ob damit auf eine Reichstagsauflösung angespielt werden soll, ist eine offene Frage; das Blatt läßt sich nicht näher darüber aus. Das Organ des Bundes der Landwirte empfiehlt, schon jetzt der Kandidatenfrage näher zu treten und vor allem darauf zu sehen, daß die Kandidaten die Gewähr der „Zuverlässigkeit" bieten. Das genannte Blatt fügt dann noch hinzu:
Der Bund der Landwirte denkt bekanntlich nicht daran, die Zirkel der politischen Parteien zu stören (1), aber er muß setostverständlich und pflichtgemäß von den Kandidaten, die er unterstützen soll, verlangen, daß sie in agrarischen Dingen unbedingt zuverlässig seien. Bon dieser Forderung darf bei den nächsten Wahlen durchaus nicht abgewichen werden, weil sie von besonderer Bedeutung für die Landwirtschaft sind. Selbst wenn es gelingen sollte, den Taris vorher zu erledigen, so würde doch die Entscheidung über bie Handelsverträge und damit über das thalsächliche Schicksal der Landwirtschaft dem nächstdn Reichstag vötbehalten bleiben. Tes- balb muß die Landwirtschaft gerüstet sein und auf ihren berechtigten Forderungen an die Kanoidaten unbedingt bestehen, roenn sie sich nicht an der Pflicht der Selbsterhaltung versündigen will.
Kirchöerg an der Lafin.
(Original ar HM des „Gieß. Anz-")
Zu den ältesten Kirchen in Hessen, den Schottenkircheu, zählt man dazu Kirchberg an der Lahn. Iren, auch Schotten genannt — da Irland bis ins Mittelalter als Niederschottland bezeichnet wird — waren die ersten Glaubensboten, die für die Ausbreitung des Christentums in Deutschland thätig waren. In ihren langen weißen Gewändern, die von dem ledernen Leibgurt gehalten wurden, den Krummstab in der Hand, durchzogen sie die deutschen Gaue. Wo sie hin- kamen, waren fie die Bringer der Kultur. In kirchlicher Beziehung unabhängig von Rom, waren sie in Kunst und Wissenschaft hoch gebildet. Ihr Baustil, ihre Glocken, ihre Musikinstrumente und kirchlichen Gefäße erregten die Bewunderung ihrer Zeit. Daber waren sie gute Anroder', Pflanzer und Fischer. Schon im 6. Jahrhundert waren schottisch-irische Missionare unter den Alemannen thätig. Anfangs des 8. Jahrhunderts entstand auf einer Rheininsel unterhalb Straßburgs die berühmte Schottenabtei Hohenau, die sich ganz besonderer Fürsorge der Earxrtingi* scheu Kaiser erfreute. In einer Schenkungsurkunde des Abtes von Hohenau vom 21. Juni 810 wird unter anderen auch die „Lahnkirche auf dem Hofe, welcher der Wisicher heißt", erwähnt. Die hier genannte Kirche, die in her Wisicher" d i. Wiesecker Gemarkung lag, kann keine andere als die zu Kirchberg fein. Noch heute befindet sich bei der Kirche ein Bauernhof. Auf den „Kirchberg", die Anhöhe vor der Kirche an der Lahn, wird schon rm 10. Jahrhundert die Gerichtsstätte, das Centgericht, verlegt. Bor dieser Zeit befand sich die alle „MallMte" auf dem Alten
berg bei Ruttershausen. Die Verlegung der Gerichtsstätte vor der Kirche an der Lahn war erwünscht, da die Mitwirkung eines Priesters bei Eröffnung des Gerichts notwendig war. Durch die Errichtung der Gerichtsstätte auf dem Kirchberg gewann auch die Kirche an her Lahn, zu der mtt der Zeit 14 Orte zu beiden Ufern der Lahn gehörten. Es entstanden neben der Muttertirche eine Kapelle, ein Bein haus, eine Wohnung für den Hauptgeistlichen, sowie für die beiden Hilfsgeistlichen, ein Opfermannshaus, das Haus eines Pfarrhofmanns, eine Herberge und ein oberhalb gelegenes, noch bis 1584 bestehendes Leichenhaus.
Durch die Wiesecker Gemarkung ging die Gaugrenze, sodaß ein Teil der Gemarkung zum Unterlahngau, ein anderer, so auch Kirchberg, zum Oberlahngau gehörte. In kirchlicher Beziehung gehörte Wies eck wie auch Gießen und Schiffenberg zu Trier. Die Kirche an der Lobn, die der Schottenabtei Hohenau unterstand, sammelte Die im Oberlahngau liegenden Orte zu einer kirchlichen Gemeinschaft zusammen. Wann und von wem die Kirche an der Lahn gegründet"worden ist, läßt sich nicht feststellen. Die irischen Glaubensboten kamen das Lahnthal herauf. Sie schlossen sich anfangs an die im Trierschen Gebiete bestehenden kirchlichen Stationen an, und da im Lahnthal bereits im 4. Jahrhundert die Kirche in Dietkirchen bei Limburg bestand, so erklärt es sich, daß sie gerade diesen Weg nahmen. Der Schotte Wendelin *og das Lahnthal hinauf und blieb dann in Butzbach, ftältan, der Apostel unter den Thüringern, nahm denselben Weg. Möglicherweise, daß er der Gründer Der Kirche an der Lahn gewesen ist. Bei seinem Zuge nach Thüringen auf der alten Frankenstraße über Wetter schien ihm der Platz an der Lahn in
der Nähe der Gerichtsstätte für die Grafschaft Buchesto zur Errichtung einer Kirche besonders geeignet zu fein. Mit dem Aufhören der Selbständigkeit Der Schottenabtei Hohenau etwa um 1104 horte auch die Selbständigkeit der Kirche an der Lahn auf. Als im Jahre 1179 der Kirchen- bann über alle Hetzer der abendländischen Christenheit ausgesprochen wurde, war auch Trier zur Ausrottung der Hetzer an der Lahn, die auch als Waldenser bezeichnet wurden, thätig . 1193 finden wir schon Wismar, eine Filiale von Kirchberg, unter Mainz; denn in diesem Jahre bestimmt Mainz den Novalzehnten von Wismar an das Kloster Schiffenberg. Um diese Zeit wird wohl auch Kirchberg zu Mainz gekommen fein. Die Glaubensrichtung der Schotten, die besonders in Der Abendmahlslehre abwich, erhielt sich trotz der Verfolgung unter den Lahnbewohnern; denn als das Stift Schiffenberg 1323 von Trier an den Deutschen Orden übergeben wurde, bemerkt der Bischof, das Stift liege inmitten einer „verkehrten Nation", mit der die Anhänger der schottischen Lehre bezeichnet werden. Wann die jetzige Kirche zu Kirchberg erbaut worden ist, läßt sich nicht feststellen. Es findet sich in Stein eingemeißelt ein Stern, das Wappen von Zieaenhain, dem die obere Burg Staufenberg gehörte. Die gleichfalls vorhandene Jahreszahl 1498 kann nur das Jahr der Renovation andeuten, da die Kirchenglocken auf die Jahre 1321, 1380, 1432 weisen. Das Kirchspiel Kirchbergs, zu dem anfangs 14, dann 8 Orte gehörten, erhielt lange feinen Umfang; noch zur Reformation waren in Kirchberg 3 Priester thätig. Heute sind noch Daubringen, Lollar, Mainzlar, Ruttershausen, Staufenberg nach Kirchberg eingebaut


