Kunst und Wissenschaft.
Paris, 15. April. Der Bildkauer Jules Dalou, der Schöpfer des vor drei Jahren enthüllten Kolossaldenkmals der Republik, ist heute morgen gestorben.
— Die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft ernannte den Botschafter White zum Ehrenmitglied. Die Verkündigung wird am 23. April bei der Jahresversammlung in Weimar erfolgen, die mit einem Nachruf auf die Kaiserin Friedrich eröffnet werden wird.
— Prof. Josef M. Olbrich in Darmstadt ist von einer- englisch ° amerikanisch - österreichischen Mtienaesellschaft, die das Metternich'sche Bad Königswart bei Marienbad in einen Kurort größter: Stils umwandelrr will, eingeladen worden, sämtliche neu anzulegenden Baulichkeiten nach seinen Ideen auszuführen. Da sollen Hotels, Restaurants, Cafts, Theater, Kasino, Korrzerthalle, Tanz- und Vcrsammlungssäle, Ausstellungs- und Unterhaltungs- Etablissements, Wohnhärrser, hydropathische Anstalten errichtet werden. Ferner sind Gas-, Wasser-, elektrische Licht- und Kraftwerke, Tramways, Straßen usw. anzulegen. Prof. Olbrich soll sich bereits entschlossen haben, diesen Antrag, der ihn in seine engere Heimat zurückberuft (der Künstler ist von Geburt Deutschböhme) cmzunehmen.
— Die Leipziger Studenten in Holland. Ein ausverkauftes Haus bereitete am Dienstag der Räuber-Ausführung der Leipziger Studenten in Utrecht einen äußerst roartnen Erfolg. Die durch die Studenten prächtig gegebenen Räuberszenen wurden auf offener Bühne stürmisch applaudiert. Zu Beginn der Vorstellung wurde stehend gesungen: „Die Wacht am Rhein" und „Wilhemus van Nassauen". — In letzter Minute entschloß man sich, wegen der Unruhen nicht nach Antwerpen zu gehen, dafür aber morgen in Amsterdam zu spielen.— Ter deutsch-holländische F e st- kommers gestaltete sich zu einem Verbrüderungsfest zwischen deutschen und holländischen Studenten; sowohl an Kaiser Wilhelm wie an Königin Wllhelmina wurden folgende Depeschen abgesandt: „Deutsche und niederländische Studenten bringen Ihrer Majestät ehrerbietigste Huldigung dar."
— Ausgrabungen in Pompeji. Im letzten Heft des Be° ,richts der Wissenschaftlichen Akademie zu Rom findet sich eine interessante Betrachtung des Prof. Sogliano über die Ausgrabungen in Pompeji. In den 60er und 70er Jahren wurde offenbar gar nicht darnn gedacht, daß eines Tages die Ausgrabungen sich auch über die Mauern Pompejis hinaus würden ausdehnen muffen. Jetzt, da diese Notwendigkeit aus wissenschaftlichen Gründen sich immer mehr aufdrängt, sieht man erhebliche Schwierigkeiten vor sich. Wer in früheren Jahrzehnten Pompeji besucht hat, weiß, daß ein stattliches Bauernhaus sich gerade im Zentrum des Stadtgebiets, über der vom Seethor nach dem Sarnothor führenden Hauptstraße, dem Tecumanus Minor, erhob, neben dem der Osteingang zu den Ausgrabungen sich befand. Die letzteren hatten hier Halt gemacht und sind heute zwar im Norden und Süden neben diesen: Hause weiter vorgerückt, haben das Besitztum aber noch immer respektiert, das heute natürlich doppelt so viel wert ist als vor dreißig Jahren. Ebenso wenig wie dieses sind andere Privatgrundstücke in und bei dem Stadtgebiet rechtzeitig angekauft worden; ja man hat es mit angesehen, daß auf dem Gebiet der antiken Stadt eine immer anwachsende neue Ansiedelung und ein Wallfahrtsort mit vielbesuchter Madonnenkirche entstanden sind, wovon vor 25 Jahren noch keine Spur vorhanden war. Die Erforschung der südwärts und ostwärts von Pompeji auslaufenden Landstraßen mit ihren Grabmälern wird dadurch unmöglich gemacht. Und ebenso sind den späteren Ausgrabungen unnötige Hindernisse dadurch bereitet worden, daß die ausgegrabenen Erbmassen in nächster Nähe der Stadtmauern, wo- nicht innerhalb der letzteren, abgeladen wurden, sodaß sie zum zweiten Mal entfernt werden müssen. Die Gleichgiltigkeit, mit der man der Entstehung neuer Besitzrechte am Grund und Boden in dem alten. Stadtgebiet zngesehen hat, hat dahin geführt, daß jetzt die interessanten und reiche:: antiken Villen am Fuß des Vesuvs, wie die von Boscoreale, und die Hafenvorstadt von Pompeji in den Händen vonPrivatleuten sind, die dort auf eigneFaustNackgrabungen veranstalten. Umsonst ist die frühereLandstraße von Torre-Annunziata nach Scafati, die dicht im Süden von Pompeji hinlief, verlegt und eine Strecke von ihr seitens der Provinz 1878 abgetreten worden; die neu entstandenen Gasthöfe und Wirtschaften haben Zeit gehabt, zu ihren Gunsten Servituten zu schaffen, deren Beseitigung schwere Mühe und Opfer erheischen wird. ($rft die De Pctrasche Verwaltung hat — seit 1893 — einen Wandel geschaffen und neben der kräftigen Förderung der Ausgrabungen die allmähliche Beseitigung der privaten Mllbesitzrechte an: Gebiete der alten Stadt nicht aus den Augen gelassen. Was nicht minder wichtig ist, ist die Ausstellung eines wissenschaftlichen Planes für die Ausgrabungen neben dem technischen. Die Arbeiten sollen nunmehr auf die Lösung der großen historischen Fragen des Ursprunges, oer Entwickelung und Ausdehnung Pompejis gerichtet werden, wozu Nachforschungen längs des Sarno-Flusses, an: Meer und längs der von Pompeji aus- laufenden Straßen, insbesondere aller Gräberstraßen, notwendig sind, lieber die Anwesenheit der Etrusker, über die Beziehungen zum übrigen Italien und zum Auslande, über die Geschichte der Gegend nach der großen Katastrophe des Jahres 79 und über vieles andere kann nur so Aufschluß erlangt werden. Die Zeit ist vorüber, in der man die verschüttete Vesuvstadt nur als eine Fundstelle interessanter Museums-Objekte betrachten durste.
Gerichtssaal.
Leipzig, 15. April. Tas Reichsgericht verwarf die Revision des Gerichtsresercndars Karas und 7 Mitangeklagter, sämtlich Polen, welche vom Landgericht Posen am 9. Novbr. 1901
wegen Geheimbündelei zu Gefängnisstrafen bis 4 Monaten verurteilt worden waren.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers»
München, 16. April. Aus Anlaß des 7 0. Geburtstages Wilhelm Busch's fand gestern abend im Künstlerhaus ein Festmahl statt, an dem Prinz Rupprecht teilnahm. Erste Kräfte der hiesigen musikalischen Welt trugen Lieder und Konzertstücke vor. Kunstmaler Prof. Stieler hielt eine warmempfundene Ansprache, in der er Busch als Philosophen und Künstler feierte. Einige kleine von Busch gedichtete, in Musik gesetzte lustige Szenen wurden aufgeführt. An Busch wurde eine Adresse mit den Unterschriften der Festteilnehmer und ein Glückwunschtelegramm abgesandt.
London, 16. AprU. Die „Daily Mail" erfährt, iu den Friedensverhandlungeu fei eine Stockung eingetreteu. Das Ministerium lehnte absolut und einst.mmig das dringende Ersuchen der Burenführer um Waffenstillstand während der Verhandlungen ab. Man erwarte nicht, daß dies zum Weggang der Burenfuhrer von der Konferenz führen werde. Aber die Frage der Amnestie und Kitcheners Verbannuugs- Proklamation drohten einen Stillstand herbeizuführen. Milner kam auf Weisung der britischen Regierung von Johannesburg nach Pretoria, um festzustellen, was die Buren als unreduzierbare Mindestforderungen aufstellteu. Die Grundzüge der Burenforderungen, die gelegentlich in Pretoria aufgestellt wurden, find folgende: Sie erklärten sich zu allgemeiner Uebergabe bereit und find mit dem Verlust der Unabhängigkeit einverstaudeu, verlangten aber den Wiederaufbau und die Wiederausstattuug der Farmen, Amuestierung der aufständischen Kolonialburen unter denselben Bedingungen wie die der Burghers, Zurückziehung der Verbannungsproklamation und Beachtung der von der englischen Regierung in Ausficht genommenen Frist, innerhalb welcher in den Burengebieteu wieder eine repräsentative Regierung eingesetzt werden soll. Schließlich solle England die gesetzliche Verpflichtung der Regierung übernehmen.
London, 16. April. Ueber die bei den Friedens- Verhandlungen aufgetretenen Schwierigkeiten wird gemeldet: Milner ließe weniger mit sich reden als früher. Er sei verantwortlich für die Schwierigketten, welche während der Verhandlungen entstanden sind. Die Buren verlangen eine Entschädigung von 5 Millionen Pfund. Außerdem fordern sie die Einsetzung einer verantwortlichen Regierung und die Anerkennung aller Schulden, welche von beiden Republiken gemacht worden sind. Zn der Hauptsache drehen sich aber die Verhandlungen um die Frage betreffend eine verantwortliche Regierung.
London, 16. April. Ter gestrige Kabinettsral faßte noch keine definitive Beschlüsse. Es werden weitere Mitteilungen von Kitchener erwartet und man glaubt, daß das Kabinett heute wieder zusammentreten wird.
London, 16. April. In Kreisen, die in nahen Beziehungen zum Hofe stehen, wird versichert, daß vor einigen Tagen eine hohe holländische Persönlichkeit nach London gekommen sei, um zu Gunsten der Buren einzuwirken. Der König habe aber die nachgesuchte Audienz abgelehnt unter Hinweis darauf, daß solche Verhandlungen nicht ohne Mitwirkung der Kabinetts-Mitglieder gepflogen werden könnten. Die betreffende Persönlichkeit sei darauf unverrichteter Sache wieder abgereist.
Loudon, 16. April. Eveuing Post berichtet aus Neu- York: Tie amerikanischen Firmen Morgan, Barmg und Magoun haben es unternommen, 125 Millionen der neuen englischen Anleihe zu zeichnen.
London, 16. April. Nach der „Times" wird die neue Anleihe sofort zur Zeichnung aufgelegt, und zwar zum Kurse von 93'/,. „Standard" bestätigt diese Meldung und fügt hinzu, daß die Hälfte der Anleihe bereits privat untergebracht ei, wovon 5 Millionen von führenden New-Yorker Bankhäusern übernommen seien.
B r ü s s e l, 16. April. Die Erklärung der Regievung, Laß ie nicht die Initiative zur Auflösung der Kammer dem Könige Vorschlägen könne, scheint die Lagezuver schlimmer n. Die Stadt war gestern abend wie ausgestorben. Aus polizeiliche Empfehlung hin schlossen um diese Zeit die Läden. Jeder Verkehr stockte aus Angst vor Gewalt- thaten der Streikenden. Selbst die Droschkensührer wollen heute in den Ausstand eintreten. Das internationale sozia
listische Bureau erlieHI gestern einen Aufruf an die Solkda- rität aller internationalen Arbeiter zum Zwecke motialU scher und materieller Unterstützun-g der belgischen Genossen. Tie Polizei nahm wenige Verhaftungen vor. Die Zahl der Streikenden wächst noch immer. Tie meisten Arbeitgeber der Brüsseler Metall-Industrie unterstützen die Aus- standsbewegung ihrer Arbeiter und zahlen hohe Löhne. — Tie Advokaten aller Parteien gründeten ein Komitee, um arreftierte Manifestanten ohne Entgelt vor Gericht zu verteidigen.
Amsterdam, 16. April. Das Amtsblatt veröffentlicht folgendes Bulletin: Die Königin ist seit einigen Tagen unwohl und hütet das Bett. Die Ursache ist allgemeines Krankheitsgefühl und Erhöhung der Temperatur.
Wien, 16. April. Der Spiclerprozeß gegen die Mitglieder des Jockeyclubs fand in der gestrigen Comite- sitzung ein Nachspiel, indem der Klubpräsident, Graf Collo- redo-Mansfeld, der Vizepräsident Fürst Auersperg, der Renndirector und ein Teil des Vorstands, soweit er der Sitzung beiwohnte, ihre Mandate niederlegten.
Petersburg, 16. April. Zu der Ermordung des russischen Ministers Ssipjägin wird gemeldet: Gegen 1 Uhr mittags übergab ein in Adjutanten- Unisorm gekleideter Unbekannter dem Minister bei dessen Ankunft im Vestibül des Reichsrats-Gebäudes ein versiegeltes Kouvert mit dem Bemerken, er habe es im Auftrage des Großfürsten Sergius zu überbringen. Im selben Moment feuerte er vier Schüsse auf den Minister ab und traf ihn tätlich. Gestern abend fand im Ministerium eine Totenmesse für den verblichenen Minister statt, welcher der Zar, die Zarin, sämtliche Großfürsten, die Minister, der deutsche Botschafter Graf Alvensleben, sämtliche Tevarte- mentschess und idie Beamten der Ministerien beiwohnten. Tie Leiche war zwischen tropischen Gewächsen aufgebahrt. Tas Zarenpaar war tief bewegt. Nack) Beendigung der Messe begab sich der Zar und die Zarin in ihre inneren Gemächer, wo die Witwe Ssipjägins längere Zeit verweilte.
Washington, 15. April. Bezüglich der Untersuchung gegen Maier Waller in Manila, wegen der gegen ihn erhobenen Anklagen unerhörter Grausamkeit gegen Filipinos und bezüglich Wallers Freisprechung wies der Kriegssekretär General Chaffee an, wenn die Blättermeldungen über die Untersuchung gegen Waller richtig feien, den General Smith, auf dessen Instruktionen hin Waller gehandelt haben soll, vor das Kriegsgericht zu stellen.
Washington, 16. April. Ter amerikanische Geschäftsträger in Berlin Jackson telegraphierte an den Staatssekretär Hah, der deutsche Kaiser ersuchte ihn, bei Entgegennahme der Dankadresse der Havard-Universität, nochmals seinen Dank für alle dem Prinzen Heinrich in den Vereinigten Staaten bewiesene Freundlichkeit in Washington amszudrücken.
Telephonischer Kursbericht.
Frankfurt a. M.. 16. April 1902.
378% Reichsanleihe . . 101.75 8% do. ... 92.16 37,0/0 Konsols .... 101.75 3% do.....91.90
372% Heesen .... 100.10 3% Hessen ..... —.— 426 Oesterr. Goldreine . . 102.50 47,56 Oesterr. Silberrente 101.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.10 4°/, Italien. Rente . . . 100.90 47a% Portugiesen . . . 43.50 3<V Portugiesen. .... 28.55 1% C. Türken .... — lückenlose......111.50
4% Griech. Monopol.-Anl. 44.20
4xj2% äussere Argentiner —.—
Tendenz
3u/o Mexikaner . . 47g A Chinesen . r Electric, tiel.uekert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien , . . Diskonto-Komm andit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Ber iner HandeJsges, Oesterr. Staatdbahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . , . Laurahütte . . . . Bochum.....
Harpener . . . .
: ruhig.
. 26.30 . 90.10 . 109.75
212'00 . 189.40 . 137.50 . 139.00 . 153.50 . 141.70 . 17.40 . 157.50 . 203.50 . 198.50 . 170.00
ä 12 und 16 Pfg. für 2 getrennte Portionen ergeben eine wohlschmeckendere und feinere Fleisch- oder Kraftbrühe als alle ähnlichen Präparate. Stets frisch zu haben bei 2700 Seltersweg.
Wnlliche freiwilliflt Versteigerung zu Krofdorf.
Am 19. April 1902, nachm. lUhr anfangend sollen zuKrosdors 1. in der Wohnung der Eheleute Maurermeister Earl Schleenbecker, 2 zweispännige Wagen, 1 Handwagen, Kellen, Pf erd e- und Ehaisengeschirr, Maurerrüststangen, Klammern, Dielen und anderes, hieran anschließend, alsdann
2. in der Gastwirtschaft von Eduard Moos: eine vorzüglich gelegene große Hosrcüte, zweiBauplätze, ein Steinbruck eine Backsteinkaute, Aecker, Wiesen, alles beleget: in der Gemarkung Krofdorf-Gießen, öffenllich freiwillig an den Meist- bietenden gegen Barzahlung oder Gewährung von Zahlungszielen verkauft werden. 2970
Gießen, bei: 12. April 1902.
Namens des Gläubigerausschusses Emil Fischbach.
AuWsslMg.
Die Rechnungen über Lieferungen und Arbeiten für die Universitätsinstitute, einschließlich der Kliniken, aus dem ab- gelaufenen Rechnungsjahr — 1. April 1901 bis dahin 1902 — sind, soweit dies noch nicht geschehen, alsbald bet den betreffenden Instituten einzureichen. 3073
Gießen, 16. April 1902. Großh. Unioersitäts - Rentamt. ______Weimer._______ Donnerstag den 17. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neuenweg 28 dahier:
1. eine Ladeneinrichtung,
2. eine Schreibmaschine und eine Ladentheke,
3. verschiedene Hausgeräte zwangsweise gegen Barzahlung.
Gießen, den 16. Aprck 1902. 01697 Seipel, Gerichtsvollzieher.
Städtischer Arbeitsnachweis Gicher. Gartenstraste 2.
Angebot der Ärbeitnchmer: 1 Bauschlosser, 3 Hausburschen, 1 Taglöhner, 1 Dienstmädchen von auswärts, 2 Bureaugehilfen oder Bureaudiener.
Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Schuhmacher, 3 Lauffrauen, 1 Laufmädche::, 3 Dienstmädchen.
Stöbt. Schlachthaus.
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