Ausgabe 
15.9.1902 Zweites Blatt
 
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Lektion Oberhesfen i. geiahtem Beschluß mhaidpGwß-Krben :r-Gießen slellvertr. als SchnftMrer

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers.

Mainz, 15. Sept. Der Lokomotivführer Dietz kam beim Abspringen von der Maschine unter deren Räder und wurde schwer verletzt. Im Hospital mußten ihm beide Beine amputiert werden. Dietz führte bei der letzten Anwesenheit des Kaisers hier die Maschine deskais erlich en Sonderzuges.

Hanau, 15. Sept. In der Nähe der Station Main­kur ging gestern das Pferd eines Wagens durch, in dem sich ein junger Landwirt und dessen Braut befanden. Das Pferd raste gegen die geschlossene Eisenbahn­barriere und durchbrach dieselbe. Im selben Augenblicke kam ein Schnellzug an und erfaßte den Wagen. Das Pferd wurde sofort getötet, die Insassen des Wagens kamen mit dem Schrecken davon.

Berlin, 15. Sept. Die liberale Fraktion der Char­lottenburger Stadtverordneten hat beim dortigen Magistrat beantragt, bei den zuständigen Reichsbehörden wegen Oeffnung der Grenze für fremdes Vieh vor­stellig zu werden. Einen gleichen Antrag stellte die Bremer Bürgerschaft.

Berlin, 15. Sept. Tie Ankunft der Buren- Generale Botha, Tewet 'und Delarey soll in der nächsten Woche erfolgen. In dem Hotel Prinz Albrecht, in dem die

wiesen ist. Weitere Maßregelungen von Jngenieren dürsten bevorstehen.

* Konstantinopel, 14. Sept. In HodeiSda ist die Cholera ausgebrochen, lieber die dortigen Provenienzen wurde eine zehntägige Quarantäne verhängt.

* New -Port, 14. Sept. Große Waldbrände wüten in den Staaten Washington und Oregon. Die Stadt Elexa wurde zerstört. Der Himmel ist meilenweit von den Rauchwolken verfinstert. Die Schiffe können die Rhede von Seattle nicht verlassen. Der Brand der Oelfelder in Texas konnte lokalisiert werden.

* Madras, 14. Sept. Ein Eisenbahnunglück, wobei ein Zug mit der englischen Post mit einer durch Hochwasser beschädigten Brücke in den Fluß stürzte, er­eignete sich bei Mangapatnan am 12. d. 9)L, früh 3 Uhr. 25 Personen wurden gerettet, darunter alle Passagiere 1. Klasse. Bisher sind 5 0 Leichen gefunden, darunter 8 Europäer. Mehrere Schwerverwundete wurden ins Hospital gebracht. Ein Teil der Post ist noch nicht geborgen.

Dr. Otto Heinrich Böckler, der frühere Redakteur derStaatsbürgerztg.", wurde in Wien auf Verlangen des Berliner Landgerichts verhaftet; er wird nach Berlin cuis- geliefert. Dr. Böckler, der seit einem halben Jahr in Wien lebt, wurde Ende August d. I. infolge der Klage des Ber­liner Redakteurs Hildesheimer gegen den Verleger derStaats- bürgerztg.", Bruhn, wegen eines Artikels über die Komtzer Mordaffaire vom Wiener Bezirksgericht Josefstadt als Zeiige vernommen. Böckler erklärte danials, sich des Artikels nicht mehr entsinnen zu können. Ursprünglich war Hildesheimers Klage auch gegen Dr. Böckler gerichtet. Von anderer Seite wird aus Wien telegraphiert, daß gegen Böckler ein rechts­kräftiges Urteil des Landgerichts zu Berlin vorliegt, nach dem Böckler zu einer scchsmonatlichen Gefängnisstrafe ver­urteilt ist. Außerdem liegen gegen ihn noch vier Haftbefehle vor wegen öffentlicher Beleidigung durch die Presse bezw. wegen Aufreizung gegen eine Religionsgenossenschaft.

* Wegen seiner Errettung bei dem Bomben- attentat in Selzthal hat der Großindustrielle Max v. Gut­mann 300000 Kronen für wohlthätige Zwecke gespendet, darunter bestndet sich auch eine Stiftung für Witwen und Waisen von Forstleuten. Bekanntlich wurde der Begleiter Gutmanns, Oberförster Sobotka, von der Bombe getötet. ,

Dlleskastcn der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

91. 91. Freundlichen Tank für Uebersenduiig des Zeitungs­blattes! Es dürfte nicht ohne Belang fein, daß jene von uns wiedergegebene kurze Bemerkung derVosj. Ztg." die einzige, eine Meinung äußernde Preßstirnme zu dein Aufsätze des Herrii Professors Dr. Biermer war, die uns vorlag. Getreu unserer unparteiischen Haltung glaubten wir sie ruieöergeben zu sollen in der Erwartung, daß sich daran eine wertere Preßerörterung knüpfen würde, die indeß, soweit wir die Presse verfolgt haben, ausgeblieben zu sein scheint. Die Tonart des Herrn Professors Dr. Biermer und ein von ihm gewählter Vergleich lassen uns ver­muten, daß er eine leider vorgekommene Miphelligkert, die wir als längst beseitigt glaubten anjehen zu dürfen, nachlrägt. Wir hallen es für angenresjen, aus das Persöirliches berührende Gebiet ihm nicht zu folgen, und wollen zur Sache noch folgendes bemerken: Wir waren und sind der Auffassung, daß die Zeuungs- notizen. die Herrn Prof." Bieriner Veranlafiung zu seinem Aufsage über z,bie Handwerkerinnungen als Kartelle" gegeben haben, un­vollständig und ungenau sind. Die Berichterstatter machen wohl kaum einen Unterschied zwischeii einemJnnungsbeschluß" und einem Beschluß der Jnnungsrneister, ein Unterschied, der dem größeren Teile des Publikums und vielleicht auch manchem Bericht- erstaller nicht ohne weiteres verständlich ist, und für den praktischen Wert der Notiz, daß die Metzger Preisaufschlag beschließen, and) nur sehr untergeordnete Bedeutung hat. Es handelte fid) also wohl um ungenaue Referate über durchaus gesetzliche und erlaubte Beschlüsse der EJnnungsmeister". Daß sich nach der Gewerbeordlruiig die Innungen von Preisfestsetz­ungen sernzuhalten haben, ist übrigens den hiesigen Innungen schon lange bekannt und von ihnen auch streng beobadjtet worden. Schon vor Jahren sind die Meister einer hiesigen Zwangsinnung zum Zwecke der Regulierung der Preise zusainmengetreten und haben ihre diesbezüglichen Beschlüsse und Verhandlungen sehr scharf geschieden. Der Schluß von den Gießener Innungen auf die Innungen anderer Städte liegt aber sehr nahe und so setzen wir zu Gunsten anderer Städte voraus, daß sie sich in der Frage der ErhöhtNig der Fleischpreise von Gesetzesverletzungen ebensowohl serngehalten haben, wie die gleick)en Körperschaften in Gießen. Liegt aber eine Gesetzesverletzung oder Konrpetenzüberfchreitung auf Seiten der Innungen nicht vor, so braucht man auch nicht die Aufsichtsbehörden gegen sie in's Feld zu rufen, zumal es uns aus­geschlossen scheint, daß diese ihrer Pflicht in Bezug auf Kontrollierung der Jnnungsbeschlüsse nicht genügt oder ihr Aufsichtsrecht ver- nackjläfsigt hätten.

Herrn Prof. Dr. W. W. in Fr. Was Sie uns in Ihrem Briefchen sagen, stimmt mit unserer Auffassung durchaus überein. Wir ivissen leider nur zu gut, daß, um einen Ausdruck Leo Bergs in Hardens neuesterZukunft" zu ivählen, derartige vonHöhen- wahn" strotzende oberflächliche Hyperpalriotismen iveder geschmack- noch charaktervoll sind. Für Ihre freundlichen Worte und Ihr andauerndes Interesse amGieß. Anz." besten Dank 1 Persönliche Aussprache bei Ihrer jüngsten Anwesenheit in Gießen wäre uns besoiiders angenehm gewesen. Indes war unser leitender Redakteur vom 6. bis 14. d. Alts, verreist.

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Universilüls Nachrichten.

DerReichsanz." widmet dem Professor Summier einen Nachruf, in dem es heißt, daß mit {einem Hinscheiden die deutsche Geschichtsforschung einen schweren Verlust erlitten habe. Als Leiter der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae historica wußte er die Gesamtausgabe der Quellen der deutschen Geschichte des Mittelalters durch eigene Forschung und leitend und anregend im Verkehr mit seinen Mitarbeitern in fruchtbarer Weife zu fordern. Auch auf den verwandten Gebieten der Geschichls- künde betätigte er tiefes Wissen und seine imgewöhnliche Arbeits­kraft im Dienste verschiedener gelehrter Körpersd)asten betätigt, und eine umfassende litterarische Produktion bezelck)net den Erfolg seiner Studien.

Handel und Umkehr. Volkswirtschaft.

41/, PCt. Obligationen der Teutsch-Luxemburgtschcu Vergwerks» und Hütteu-Aktien-Gesellschaft. Die Darmstädter Dank legt nunmehr 5 650 000 Alk. 41/, prozentige zu 102 rückzahl- | bire Obligationen dieser Gesellschaft zum Preise von 99 pCt. plus Stückzinsen ab 1. Juli a. c. zur öffentlichen Zeichnung auf. Wie «ls dem Prospekt ersichtlich, sind dieselben aus das bei Bochum ge­legene Bergwerkseigentum, nämlich die Zechen Tannenbaum, Prinz-Regent und Eulenbaum hypolhekarisck) eingetragen. Für die : SMriebigung der auf das Bergiverk Taiinenbaum voreingetragenen auch 802 000 Alk. (aus ursprünglich 1500 000 Mk.) unb bie auf i Bergwerk Prinzregent noch aushaflenden 1225 000 Alk. (aus ur­sprünglich 1 500 000 Alk.- 4 pCt. Obligationen ist burd) Reseroier- ung eines entsprechenben Betrages 4',,prozenliger Obligationen Vorsorge getroffen. Die Zeche Eulenbanm war bisher unbelastet. Lex Erwerbswert der den 4' »prozentigen Obligationen verpfän­deten Zechen betrug 16 383 538,15 Alk. Dieselben stehen nad) den .bei der Errichtung der neuen Gesellschaft vorgenommeneil außer- oiDentlidjen Abschreibungen nod) mit 12 573 425,23 Alk. zu Buch. !$x;e Beteiligung der Gejellsd)aft bei dem Kohlenjyndikat beträgt ' gegenwärtig 847 000 Tonnen und wird fid) vorn 1. Oktober er. ei iva auf 907 000 stellen; die Beteiligung beim Koksjyndikal beträgt 33)000 Tonnen. Für die Einnahmen sind selbstredend die in der I Zeit der Hochkonjunktur erzielten Ueberschüsse nicht maßgebend.

Dagegen war in der Zeit vom 8. Mai 1901 bis 30. Juni 1902 (letzte Abrechnungsperiode) das Netto-Ergebnis ohne Berücksichtigung der Steuern etwa 1520 000 Mk. oder etwa 110 000 Mk. pro Mo­nat. Ter Betriebsüberschuß pro Jul 1902 betrug 105 000 Mk., derjenige pro August etwa 100 000 Alk., was einem Jahresergebnis von etwa 1 200 OÖO Mk. entspricht. Tie Zinsen aus die fämtüdjen vorangesührten Obligationen erfordern etwa 850 000 Alk. Tas Aktienkapital besteht aus 17 100 000 Mk. Vorzugsaktien und 7 095000 Mark Stammaktien, außerdem besteht nod) eine bprozentige Lbli- gationen-Anleihe, roeldje jedoch nur auf das in Luxemburg belegene Hülteneigentum der Gesellschaft fundiert ist.

Märkte.

fo. Frankfurt a. M., 15. Sept. (Telegr. Oria.-Bericht des Gieß. Anz."). Amtliche 9lotierungen der heutigen Viehmarkt- preise, yum Verkaufe standen: 482 Cd)jen, 172 aus Oester­reich, 48 Bullen, 3 aus Oesterreich, 833 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oesterreich, 235 Kälber, 283 Sdjase und Hämmel, 1024 Schweine. 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht Ochsen 1.Qualität 6971 Alk., 2. Qual. 6567 Alk., 8. Qual. 6063 Alk.; Bullen 1. Qual. 60 bis 62 Alk., 2. Qual. 5558 Alk.; Kühe 1. Qual. 6566 Alk., 2. Qual. 5961 Alk., 3. Qual. 5254 Alk, 4. Qual. 4345 Alk., 5. Qual. 0000 Alk. Kälber: 1. Quatität8082Pkg., Lebendgewicht 50-00 Pf., 2' Qual. 7576 Psg., Lebendgewicht 4547 Psg., Schlacht­gewicht 6265 Psg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 6466 Pfg., 2. Qual. 6062 Psg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 6900Psg., Lebendgewicht 54 Psg., 2. Qual. 68-00 Pfg.,Lebendgewid)t 5354 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg., Lebendgewicht 00-00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh gut, bei Kleinvieh gut. Alles verkauft.

tc. Frankfurt a. 911., 15. Sept. (Ong.-Telegr. desGießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmark tpre if e. Weizen Alk. 15.5015.75, Kurhessischer Ack. 15.7516.00, La Plata All. 16.7517.75, Kansas Alk. 16.7517.75, Roggen (hiesiger) Mark 13.7514.25, Gerste (Wetterauer) Alk. 15.5016.00, Franlen- setder Alk. 15,7516,25, Hafer Ack. 14.5015.00, Mais Alk. 12.7500.00, Weizenmehl 0 Alk. 25.2525.75, 2. Qualität Alk. 23.25 bis Ack. 23.75, 3. Qualität Ack. 21.5021.75, Roggenmehl 0 Alk. 23.0023.50, 1. Qualität Alk. 21.2522.00, Weizenkleie Alk. 8.75 bis Alk. 0.00, Noggeulleie Alk. 9.5010.00, Ölaisfeime Alk. 10.00 bis Ack. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Ack. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

Gerichtssaal.

Gießen. 18. Sept. Ferien st rafkammer vom 12. Sept. 1902. Den Vorsitz führte Gr. Landgerichtsdirektor Dr. Güiigerich, als Beamter der Staatsanwaltschaft war Gr. Staatsanwalt Neuß aegemeärtig. Der Knecht Konrad Graulich von Gießen war durch Urteil des Schöffengerichts Gießen L Js. wegen Tierquälerei zu 5 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Dagegen hatte er Berufung eingelegt, weil er unschuldig sei; aber auch die <L>taatsanwaltfchau hatte das erstinstanzliche Urteil angefochten, weil sie der Ansicht ivar, daß die Strafe zu niedrig fei. In der heutigen Hauptver- Handlung wurde folgendes festgestellt: Der Angeklagte fuhr aus der Ehaussee nad) Lollar einen mit 2526 Zentnern beladenen Wagen mit zwei Pferden. Wie darauf eines der Pferde von dem Straßen- roärter Seipp von Lollar am Zügel gefaßt wurde, weil er auf Dem Bankett fuhr, hob er die Peitsche und fuhr ihn an:Wenn Du das Pferd nicht losläßt, sollst Du einmal sehen" Alsdann peitschte der Angeklagte die Pferde 6-8 Mal, sodaß sie mit dem schwer beladenen Wagen die ansteigende Chaussee etiva 300 Aleler davongaloppierten. Hieran mußte jeder fühlende Alensch Anstoß nehmen. Der Straßenwart war durch diese Quälerei gleichfalls aufgebracht. Tas Gericht mußte deshalb den Angeklagten verur­teilen und erkannte deshalb auf eine Geldstrafe von 10 Alk. Bernhard Baumann, z. Z. in Londorf und Bernhard Eidmann in Groß-Umstadt hatten gegen das Urteil des Gr. Amtsgerichts iDrtenberg vom 31. Juli 1902 Berufung eingelegt, weil dieses Urteil ijroar für fie anf Freisprechung vom Feldfrevel lautete, sie ober mit den notwendigen Auslagen belastete. Aber aud) die »Straffammer verurteilte unter Verwerfung der Berufung die An- ieflagten zur Kostentragung, da die Angeklagten keineswegs einen Äeweis ihrer Schuldlosigkeit in fraglichem Falle erbracht, sondern (ine Reihe Zeugen gegen sie ausgesagt hätten und die Zuziehung «ines Verteidigers bei der Einfachheit des in Betracht kommenden Kalles, wo es sich nur um That und nicht um Rechts- firagen handelte, nicht geboten war. In der Strafsache gegen Wilhelm Maar II von Homberg an der Ohm war Sie Berufung vor dem Termin zurückgenommen worden. Km Termin selbst nahm Johannes Wolf 1V von Büdingen die Be- wufung, welche er gegen das Urteil des Gr. Feldgerichts Büdingen ocom 30. Juli 1902 eingelegt hatte, zurück.

(Schluß folgt)

Leipzig, 14. Sept In dem Landesverrats-Prozeß Qetfer aus Wolfenbüttel lautet die Anklage auf Verrat militärischer Geheimnisse, speziell Weitergabe von Plänen der Festung Metz und der umliegenden Fortsan eine Nachbarmacht". Die Anfangs Eftober stattsindende Verhandlung, zu roeld)er das preußische Llriegsministerium und der Große Generalslab Vertreter entsenden, ul dem 2. und 3. Strafsenat des Reichsgerichts zugeiviesen worden.

Kandwirtschast.

Johannesburg, 14. Sept. Reuter-Meldung. Unter den Pferden und dem Rindvieh ist die ölotzkrankheit ausgebrodjen und hat einen sehr heftigen Grad angenommen. Der ftädlische Thierarzt ist der Ansicht, daß drei Jahre noihivendig sind, um die Krankheit in Transvaal auszurotten. Er furdjtßt, die Krankheit habe sich im Lande eingenistet und werde die Farmer im Anbau des Landes behindern.

Ankömmlinge nbsteigen werden, veranstalten der alldentschs Verband uni) der Bnrenhilfsbnnd ein Festdiner zu Ehren der Generale. Ter Burenhilfsbund beabsichtigt außerdem, den drei Buren-Generalen aus den ihm noch zur Verfügung stehenden Mitteln eine Ehrengabe von 200 000 ML zu über­reichen.

Düsseldorf, 15.- Sept. Eine stark besuchte Versamm­lung des Bundes der Landwirte beschloß nach Refv» raten der Wgg. v. Wangenheim und Dr. Oertel unter Zu­stimmung von Abgesandten aus Hessen und Nassau die entschiedene Ablehnung des Zoll-KoMpromisseS der Zolltarif-Kommission. Es wurde eine Ver­schmelzung des Bundes und der christlichen Bauernvereine befürwortet. Ter Sekretär des rheini­schen Bauern-Vereins sprach sich dagegen aus.

Aladrid, 15. Sept. In Fitero brachen wegen ört­licher Angelegenheiten Ruhestörungen aus. Mehrere Personen wurden verwundet.

Malaga, 15. Sept. In einem Anfalle geistiger Störung erschoß gestern ein Gendarm sieben Perso­nen und verwundete mehrere. Von anderen Gendarmen wurde der Rasende niedergeschossen.

Rom, 15. Sept. Die Untersuchung in Sachen der Ermordung des Grafen Bonmartini gestaltet sich immer dramatischer. Gestern wurde die Gattin deS Er­mordeten in der Villa ihres Vaters, des Professors Murri, verhaftet und trotz angeblicher Krankheit in das Gefängnis abgeführt. Die Anklage lautet dahm, daß sie der Geliebten ihres Bruders die Schlüssel ihrer Wohnung übergeben und Mitwisserin, wenn nicht Anstifterin der Ermordung ihres Gatten sei.

Wien, 15. Sept. Trotz aller Berliner Dementi wird in hiesigen wohl unterrichteten Kreisen an der Version fest- gehalten, daß der Rücktritt des deutschen Botschafters Fürsten Eulenburg unmittelbar bevorsteht und daß zu dessen Nachfolger Fürst Lichnowski ausersehen sei.

Bozen, 15. Sept. Bei einer von einer größeren Ge­sellschaft unternommenen Bergpartie auf den Eisenstein stürzte der Italiener Chiochetti aus Moena in eine 400 Meter tiefe Schlucht und war auf der Stelle tot.

Budapest, 15. .Sept. In Velfo Viso richtete ein starker Orkan großen Schaden an. Die Dächer von 26 Wohnhäusern und 18 Stallgebäuden wurden abgerissen, zahlreiches Vieh getötet.

Älew-Pork, 15. Sept. Hier herrscht eine außer­ordentlich starke Kälte. In verschiedenen Orten wurde mehrere Grad Kälte verzeichnet, in anderen fiel Schnee. Die Kälte erstreckt sich bis nach dem nördlichen Texas und macht eine baldige Beendigung des Bergarbeiter-Ausstandes not­wendig, da die Kohlenpreise fortwährend steigen. In vielen Ortschaften ist es unmöglich, Kohlen zu erhalten.

Telephonischer Kursbericht«

Fran ki art

3>/2°/0 Roichsanleihe . . 102.30 3/o do. ... 92.75 d1/,0/ Konsols .... 102.20 d0/u do ..... 92.40 3/g0/1 Hessen .... 100.30 3% Oberhessen . . . 99.70 45L Oeeterr. Goldrente . . 103.50 4'/a% Oeeterr. bilberrente 101.45 456 Ungar, üoldrente . . 101.80 4U/ Italien. Rente . . . 103.40 4',56 Portugiesin . . . 50.00

°/ Portugiesen.....30.90

156 C. Türken ..... Türkenluee..... 123.00

4°/o Uriech. Monopol -Anl. 44.50 4'i,% äussere Argentiner.

a. m., 15. September 1902.

3u/o Mexikaner , . , , 26.70 41/» /o Chinesen .... 92.75 Electric, tio: uckert ... 90.00 Nordd. Lloyd . . . ,<

Kreditaktien .... 217.90 Diskonto-Kommandii. , . 188.80 Darmstädter Bank . . . 188.80 Dresdener Bank .... 145.00 Berliner Handelsges. . . 158.40 Oeeterr. Staatabahn . . . 153.80 Lombarden . . « , . 21.50 Gotthard bahn ..... 177.60 Laurahütte ...... 201.00 Bochum . ...... 183.50 Harpener......167.30

Tendenz: fest.

Bekanntmachung.

In das hiesige Handelsregister wurde heute eingetragen und zwar 1. in Abt. A: Die FirmenApparate-Fabrik Gießen R. Welkoborsky" undTheodor Wehner" zu Gießen sind erloschen; 2. in Abt. B: Bezüglich der FirmaBank für Handel und Industrie Depositenkasse Gießen: Die durch Ge­neralversammlung vom 21. April 1902 beschlossene Erhöhung des Grundkapitals um weitere höchstens 16667000 Mk. ist um weitere 2000000 Mk. erfolgt. Das Grundkapital beträgt 132000000 Mk. Die Erhöhung erfolgt durch Ausgabe von Inhaber-Aktien zum Betrage von je 1000 Mk. Bezüglich der FirmaApparate-Fabrik Gießen, G. m. b. H. zu Gießen: Der Sitz der Gesellschaft ist nach Frankfurt a. At. verlegt.

Gießen, am 12. September 1902. 6372,

Großherzogliches Amtsgericht.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Rohroerlegungsarbeiten erfolgt am Dienstag dem 16. d. M., vormittags von 5 bis 10 Uhr, die Absperrung der Wasserleitungen in der Nord- anlage vom Wallthor bis zur Wetzsteinstraße, und in der Wallthorstraße vom Wallthor bis zum Asterweg, was wir den betr. Anwohnern genannter Straßen hierdurch zur Kenntnis bringen.

Gießen, den 14. September 1902.

Städtisches Gas- und Wasserwerk.

2). 93.: Frahm. 6374

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