Nr. 89
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FkrnsprechanschlußNr.51.
Drittes Blatt.
153. Jahrgang
Samstag 15. Febrnar 10058
siehenerAnzeiaer
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bezugspreis: rnonatUch7bPs.,vierteljährlich Mk. 2.20; durch Adhole- xi. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk. 2.— viertel- lährl. auSschl. Beslellg. Annahme von Anzeige» für dxe Tagesnummer b>S vormittag- 10 Uhr. ZeilenprexS: lokal!2Pf^ auSwärts 20 Psg.
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Aestauratiou und Nevolvtiou
Leipzig, Teubner, geb. 1.25 Mk.) betitelt Dr. Richard vchwemer in Frankfurt a. M. ein ebenso eigenartiges Wie interessantes, dem großen Vorkämpfer unserer Einheit und Grüße, dem Nibelungendichter Wilhelm Jordan gewidmetes Werkchen, das er als Skizzen zur Entwicklungs- geschichtc der deutschen Einheit kennzeichnet. Nachdem er uns durch sorgsame Quellenforschung an dem Gespinste des Geschehens zurückgeführt hat, um hier diesen, dort jenen Einschlag genauer zu mustern, leitet er mit dem stchern Gang des Gelehrten den Leser, ohne das schwere Gepäck der Quellenangaben und Jahreszahlen mitzuschleppen, sicher unb leicht durch ein halbes Jahrhundert deutschen Lebens, indem er mit geistvoller Auffassung und ruhiger Hand die großen Richtlinien der geistigen und politischen Entwicklung hinzeichnet und das genußfrohe Auge bald den lachenden Reizen einer blumigen Landschaft, bald dem majestätischen Ernst einer großartigen und finsteren Ge- »irgswelt zuwendet. In anregender tnapper Darstellung luten und rauschen an uns die Wasser des großen ge- chichtlichen Stromes vorüber, belebt von buntbewimpelten Schiffen, welche die himmelhochjauchzeirden Hoffnungen und die herben Enttäuschungen eines edlen Voltes an uns vor
übertragen. Ein nachdenklicher, treubesorgter Geist, dem das Streben nach gerechtem Ab wägen zur Natur geworden ist, tritt uns überall wohlthuend entgegen.
Wir geben nach Schwemers Darstellung die Leidensgeschichte der edlen Männer wieder, die im vorigen Jahrhundert den ehrlichen Versuch gemacht haben, deutschnationale Olefinnung und korrekten Katholizismus zu vereinen. In den .itämpfen des Tages wird man sich dieser Musterbeispiele mit stutzen erinnern. Dr. Richard Schwemer schreibt:
„W e s s e n b e r g, der Vortämpfer für Deutschlands kirchliche Einheit, hatte das Schicksal, das nun einmal unausbleiblich das Schicksal derjenigen sein sollte, die deutschnationale Gesinnung hegten und bekannten: das Schicksal der Verunglimpfung und der Verfolgung. Er wurde aus seiner Stellung als Konstanzer Bistumsverweser, wo er viele Jahre hindurch eine unendlich segensvolle Thätigkeit entfaltet hatte. Derb rängt — er mußte sich zurückziehen und mußte den Dingen, die er nicht ändern konnte, ihren Gang lassen. Ebenso mißliebig als Wesfenberg war Hermes in Bonn, das wissenschaftliche Haupt der deutsch- katholischeu Theolagie, ein Mann von tiefer Gelehrsamkeit, erfüllt von echtem katholischen Ideal, freilich auch ein Vertreter des schönsten Erbes der Aufklärung, des Geistes der Toleranz. Sein Gönner war der Erzbischof von Köln, Graf Spiegel, der ein lebhaftes Bewußtsein von der Selbständtgkeit einer deutsch-kathol. Kirche hatte. 1818 hatte er an Stein geschrieben, er gehe von der Ueber- zeugung aus, daß man bei Wiederherstellung der katholischen Kirche Deutschlands sich ebenso sehr hüten müsse, sie uneingedenk ihrer früheren Leiden, ihrer Jahrhunderte langen schamhaften Ausbeutung als reichster Goldgrube der römischen Kurie, den Ansprüchen, und Einwirkungen Roms widerstandslos zu überliefern, als den Regierungen gegenüber zu einer bloßen Staatseinrichtung herabzuwürdigen; er wolle ihre Sewständigkeit nach beiden Seiten hin gewahrt wissen. Er billigte zugleich nachdrücklich das gemeinschaftliche Verfahren der oberrheinischen Regierungen, „denn man müsse der Kurie gegenüber an dem festhalten, was die centum gravamina der deutschen Nation darlegten, die coneordata prineipum bezielten, was die Väter zu Konstanz und zu Bafel lehrten." Es war der korrekte Ausdruck des Epifkopalismus. . . . Gerade in der neuesten Zeit hatten sich die Dinge sehr zu Roms Gunsten verändert. Der deutsche Kirchenstaat, b. h. die große Zahl geistlicher Fürstentümer, deren so manches mit dem Kirchenstaat an Macht unb Be
deutung wetteifern konnte, war in den Umwälzungen der Revolutionskriege verschwunden, und damit war die Grundlage dahin, auf der allein die deutsche hohe Geistlichkeit dem Papsttum gegenüber den Anspruch aus Selbständigkeit wirklich durchsetzen konnte. Auch die Zusammensetzung dieser Geistlichkeit wurde in diesem Wandel der Zeiten eine andere. Früher war sie eine Repräsentation der deutschen Aristokratie gewesen, und als solche schon bis zu einem gewissen Grade selbstbewußt. Jetzt wurde das anders. Aehnlich wie im Anfänge des 13. Jahrhunderts erfolgte eben in den ersten Jahrzehnten des 19. eine allmähliche, aber völlige Umwand lnug des deutschen Klerus im römischen Sinne, und Männer wie Wessenberg, Hermes, Spiegel kämpften daher, wie wir jetzt erkennen, von vornherein auf einem verlorenen Posten. Spiegels Tod (18351 brachte den Umschwung: der offene Kampf gegen die Hermesianer begann, und der Kölner Kirchenstreit brach aus. Daß der Umschwung allerdings so rasch und so plötzlich kam, das kam daher, daß der preußische Staat aufs neue den Männern der Kurie Handlangerdienste geleistet hatte, indem er nämlich — zur eigenen höchsten Ueberraschung der päpstlichen Politiker, die ihren Mann kannten — zum Nachfolger Spiegels den ehemaligen Münsterer Generalvikar Droste v. Vische- ring vorschlug, einen Mann, der schon seit Jahren in offenem Kampfe mit der Regierung stand, unb dem die Kirche eben schlechtweg als das Gottesreich, der Staat als etwas Sündhaftes galt. Dieser Niedersachse war förmlich wie geschaffen zu einem Sturmbocke gegen alles moderne Wesen unb gegen den modernen Staat. Die Wahl Drostes erwies sich bald als einer der verhängnisvollsten Mißgriffe. Droste hatte allerdings erklären müssen, daß er sich in der Frage der gemischten Ehen an die frühere Vereinbarung halten werde, kaum aber war er im Besitze seines Amtes, so that er grabe das Gegenteil und suchte sich bamit zu rechtfertgien, daß er bei jenem Versprechen vorausgesetzt habe, baß die Vereinbarung mit dem Breve des Papstes Pius VIII. vom Jahre 1830 im Einklänge stehe, was aber, wie «r nachträglich gesehen, thatsächlich nicht der Fall sei. Und nun fügte die Regierung zu dem ersten Fehler den zweiten hinzu: sie ließ den Erzbischof wegen Widersetzlichkeit gegen die Staatsgesetze verhaften und nach Mindetl abführen. Diese übertriebene Härte zeigte, daß der damalige Staat durchaus nicht lernen zu können schien, die Kräfte dieser neu geschaffenen Organisation der römischen Kirche richtig einzujchätzen unb sich selbst in das richtige Verhältnis zu ihr zu setzen. Uni) das kam erstens von der uns bekannten Geringschätzung der Macht des Papstes, die bei den Protestanten nun einmal unausrottbar zu sein schien, es kam vor allem aber von der UeVerschätzung der Staatsmacht als solcher, die ja überhauvt nicht gewohnt war, sich Gesinnungen irgend welcher Art gegenüber, sie mochten politische ober religiöse sein, Schranken aufzuerlegen. Das Staatskirchentnm hatte die Regierer daran gewöhnt, bie Geistlichen als Beamten anzusehen und ihre Angelegenheiten wie die weltlichen zu reglementieren. Welch einen Gesinnungszwang hatte die preußische Regierung bei dem unglückseligen Agendenstreit ausgeübt! Schon in protestantischen Kreisen regte sich infolge dieser Eingriffe der Staatsgewalt der laute Ruf nach einer würdigeren Kirchen- Verfassung, wie viel größer war die Empörung in katholische Kreisen, als der Staat jetzt offenbar den Versuch machte, mit den Bischöfen ebenso kurzen Prozeß zu machen wie mit feinen evangelischen Pfarrern! Eine ungeheure Erregung bemächtigte sich des katholischen Volkes. Es zeigte sich jetzt die Wirkung der stillen Arbeit der vergangenen Jahre. Es war in der That politische Gegnerschaft, aus der diese neue Partei einen großen Teil ihrer Nahrung sog; es letzte in ihr bas alte spröde Sonberwesen des Deutschen wieder auf, seine Abneigung gegen starke Staats
gebilde und gegen das Eingreifen ihrer Organe in feine engeren Verhältnisse, der dem deutschen Wesen ureigne unb unausrottbare Panikularismus. Em besonderer Vorteil war es endlich für die Kirche, daß eben, weil sie selber in allen Farben schillerte, deshalb auch ihre Beurteilung so verschieden und niemals recht zutreffend war, und sie daher auch von den entgegengesetzten Fehlern ihrer Gegner profitieren konnte .
Aus Stadt und Land.
Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten sl nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß, -luz." gcfmttct.)
Gießen, 15. Februar 1902.
** Vier Jahreszeiten. Vom Sonntag ab tritt die Leipziger Sänger- unb Spezialtitäten-Geselljchaft, Direktion W- Enge, in ben Vier Jahreszeiten auf. Tas Programm ist sehr reichhaltig. U. a. treten Frl. Gertrud Aanonie, Exentrie-Soubrette, Frl. Lola Vieorelto, Walzer- sängerin, Frl. Wally Kella, Kostümsoubrette unb Kinder- Tarstellerin, ferner bie sächsischen Gesangs- und Spiel- Tuettisten Brothers Enge aus. Am Schluß jeder Vorstellung wirb bas überall mit größtem Beifall aufgenommene urkomische Theatre en miniature (Zwerg-Theater) gegeben. Ta die Gesellschaft nur lurzc Zeit hier gastiert, empfehlen wir den Besuch angelegentlich. — (Alles 'Nähere siehe im Inserat.)
** Ein Unter st Ützungs-Verein der Berufs- Arbeiterinnen d e r I n n e r e n M i s s i o n ift am 26. November 1901 in Berlin begründet worden. Er will Anregung geben und Hilfe leisten, daß die BcrusS- Arbeiterinllen sowohl von der staatlichen Jnvalioen-Ver- sicherung Gebrauch machen, als auch sich durch eigene Versicherung eine jährliche Rente für die Tage der Krankheit und des Alters sichern. Ganz besonders weitdet er sich an die Vorstände, welche solaje Berufsarbeiterinnen beschäftigen, mit der Litte, auch diesen gegenüber die Versorgungspflicht in entsprechender Weise zu übernehmen, wie sie für die männlichen Arbeiter der Inneren Mcsswn schon anerkannt ist. Nur wo die zunächst Beteiligten diese ihre Pflicht erfüllt haben oder zu erfüllen ernstlich bestrebt sind, kann der llnterstützungs - Verein seinerseits weitere Mittel barreichen, um Not abzuwenben Sein Kapital ist übrigens gegenüber ben borliegenben Bedürfnissen noch sehr gering. Anfragen ober Anträge sind zu richten an den Vorsitzenden P. Fritsch-Berlin W.,Genthinerstraße 38. Die Dekanatssynode Gießen hat die von ihr in ben £'anbgemeinben stehenbeit DetanatScmgestellten Krankenschwestern bereits an ben Verein an geschlossen-
** Telegramm mit bezahlter Antwort- Gegenwärtig werben bie von ben Eisenbahn-Telegraphen- Stationen bei ber Bestellung von Telegrammen mit bezahlter Antwort ausgefertigten Antwortscheine von ben Reichs-Telegraphen-Anftalten zur Bezahlung ber Antwort- Telegramme nicht angenommen. Dasselbe geschieht bei ben Eisenbahn-Telegraphenstationen mit den von den Reichs-Telegraphen-Anstalten ausgestellten Formularen. Daraus entstehen Unzuträglichkeiten für bas Publikum, insbesonbere bei ben Formularen des Bahntelegraphen, weil bie Eisenbahn-Telegraphenstationen in ber Annahme von Telegrammen an Orten, wo sich eine Reichs- Telegraphen-Anstalt befinbet, beschränkt sind- Um biesen Uebelstanb zu beseitigen, Hal sich ber Minister der öffentlichen Arbeiten, einem Vorschlag bes Staatssekretärs des Reichspostamts entsprechenb, bamit einverstanben erklärt, baß bie Antwortformulare gegenseitig als giltig anerkannt unb unter Beschränkung auf ben Ort ber Ausfertigung auch von ben Anstalten ber anderen Verwaltung bei der
Maudcreien aus der Kaiserstadt.
(Nachdruck verboten.)
Berliner -Krankenhäuser. — Vom Gesundbeten. — „Das Gluck" nnb ,Fiese Grubeuer", zwei rührende Novitäten. — In der silbernen Puuschterrine.
k* ist eine alte Weisheit, baß die beste Krankheit nichts nütze sei, und wer in Berlin das Vergnügen bat, ln cjnem ber üb erfüllten Krankenhäuser mit bem häufig medjjclnben unb daher mangelhaft geschulten Pfleger-Personal unb dem von seiner Privatpraxis stark in Anspruch genommenen Oberarzt usw. längere Zeit zubringen zu müssen, ber kann ein Lied davon fingen. Man sollte glauben, baß bie Haupt stabt mit ihren zahlreichen Preß- Organen aller Parteischattierungen bie in letzter Keit gerügten Uebelstände schneller wie überall in bas Licht der Öffentlichkeit rücken müßte: bas ist aber burchaus nicht der Fall. Es hat nicht jeder den Mut, Lärm zu schlagen wenn er auch empfunden hat, vernachlässigt und unzulänglich behandelt worben zu fein, und so kommt es baß mancher alte Schlendrian sich jahrlang erhält und breit macht, ohne baß an leitender Stelle nur die geringste Ahnung darüber vorhanden ist. Kommt bie Sache endlich an ben Tag, bann wird allerbings grünblich Abhilfe ae- schafsen wie z. B. jetzt in Groß-Lichterfelde, wo das Krankenhaus für den Kreis Teltow unter Leitung des Bis- marck-Arztes Prof. Dr. Schweninger den Zuschuß ber Stadt Kchoneberg gesperrt erhalten hat, bis in den peinlichen porfommniHen, die verschiedentlich zur Drache gekommen sind, Wandel geschaffen worden ist.
Hand in Hand mit bergt, traurigen Unzulänglichkeiten entwickeln sich natürlich die mystischen Eharlatanerieen
des ,,G e s u n b b e t e n s" usw., gegen bie bas benfenbe Berlin jetzt so energisch Front macht. Aber es ist nicht halb so verwunderlich, baß so viele Leute darauf hereinfallen, wenn man bie Begleiterscheinungen erwähnter Art dabei mit in Betracht zieht. Da es sich meist um Patienten sogen, „besserer" Kreise hanbelt — schon der edleren Münzsorten wegen, die bei den Kollekten usw. zusammenkommen — so darf man nicht vergessen, daß diese vielfach die widersprechendsten ärztlichen Heilmethoden von den verschiedensten Spezialisten an sich erfolglos haben probieren lassen unb gegen alle berufenen Vertreter ärztlicher Kunst mißtrauisch geworden sind. Ehedem schor diese guten Lämmer der Schäfer Ast in Radbruch; Heuer besorgt das die Gesundbeterin Frl. Ida Schön, unb steht sich anscheinend nicht schlechter dabei wie ber wunderthätige Mecklenburger Nackenhaar-Tiagnostiker. In England ist übrigens seinerzeit bie böse Geschichte mit bem zu kurzen Bein passiert, bas burch die geheimnisvolle Kraft der Mrs. (N)by, die das Geschäft seinerzeit begründet hat, zu seiner gehörigen Länge ausgedehnt werben sollte. Tie Sache ließ sich auch vorzüglich an. Mrs. Edby betete unb bas Bein wuchs. Nun mußte sie doch eines Tages eiligst verreisen. Um aber das famose Resultat nicht wieder in Frage ^u stellen, betete sie auch unterwegs für das zu kurze Bern weiter. Tas hatte endlich die normale Länge erreicht. Ta aber Mrs. Eddy davon nicht unterrichtet werden konnte, und in ihren Verlängerungsbemühungen nicht bie geringste Pause eintreten ließ, so wuchs bas unselige Bein weiter unb weiter, unb war schließlich um vieles länger als es anfänglich zu kurz gewesen war. Man erkennt aus b:?fer luftigen Schnurre unschwer, wie man jenfeit des Kanals unb auch in Amerika über ben Unfug denkt- Tas wirb aber nicht Hinbern, baß ber geschäftstüchtigen Dame noch viele, viele Dumme ins Netz laufen, wenn sie's auch
I nicht mehr in den Aulen ber Berliner Gymnasien auf- | spannen darf.
Ein guter Geschäftsmann, in einem besseren Sinne bes Wortes, ist Alsreb Capus, ein geistvoller 'Pariser, ber mit einem guten Schuß beutscher Sentimentalität sein „Glück" gemacht hat- „Das Glück" lautet nämlich ber Titel seiner Komöbie, bie unlängst in passabler Uebersetz- ung über bie Bretter bes „Lessing-Theaters" ging- ES ist die alte rührselige Geschichte ber verlassenen ersten Liebe, zu ber man reumütig zurückkehrt, wenn man klug geworden ist. Ein Zufall will es, daß auch ein deutscher „guter Geschäftsmann" am selben Tage sentimental kam unb Glück babei hatte. Es ist das ber oftgefungene, vielfach verbammte, grausame Komponist bes „Schunkelwalzers": Lubolf Walbmann, ber ein Rührstück „Liese Ör üben er" in ber Reichenberger Straße am „Saison- Theater" herausbrachte; auch nach einem guten alten Rezept gearbeitet, das etwa lautet: Rezipe, ein unsinnig verliebtes Pärchen, einen jtol^en, reichen Bauer, ber den armen Karl nicht zum Eidam will, einen schuftigen, alten Amtmann, eine Portion Aktienschwindel, eine gute Dosis Feldzugsromantik, Edelmut unb Treue, rühre gut um unb zerteile es zu vier Portionen. Die Wirkung tritt sicher nach dem letzten Löffel voll ein. In der „si 1 b e r n en Punschterrin e", bem kleinen Tienstags^Labaret ber Steglitzer Straße, hat man den „Serenissimus" von „Schall unb Rauch", der die Vorstellung durch seine unfreiwilligen Witzchen würzt, einen Schutzmann nach- gebildet, der die Aufführung überwacht und bei vorkommen- ben Anzüglichkeiten forsch unterbricht, was manchmal ganz luftig wirkt. Manchmal freilich auch nicht, ba biefem Schutzmann sehr häufig der Witz ausgeht, der überhaupt nicht just bas Hauptgewürz in bem Gebräu ber blechernen — pardon: silbernen „Terrine ift! A. R.


