Ausgabe 
14.11.1902 Zweites Blatt
 
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etwaigen Wechsel in der Person des erbberech­tigten Thronfolgers die Regentschaft so­lange bestehen bleiben soll, bis ein an der aktu­ellen Ausübung der Regierung nicht behinderter erb­berechtigter Thronfolger die Regierung an­tritt, führt in der Begründung aus: Die Vorlage er­folge, um alle Zweifel über die Auslegung des Regent­schaftsgesetzes zu beseitigen, die zwar nutzt von fetten der Regierung beständen, aber andererseits neuerdings geltend gemacht worden seien. Die politische Lage des Herzogtums habe sich seit der letzten Thron erledigung nicht geändert. Auf eine durch neuerliche Vorkommnisse veranlaßte An­frage des herzoglichen Staatsministeriums sei von maß­gebender Stelle des Reiches kein Zweifel darüber gelassen worden, daß nach der dortigen Auffassung in den that- sächlichen Verhältnissen keinerlei Aenderung eingetreten sei, die den Bundesrat veranlassen könnte, eine andere, als im Bundesratsbeschluß von 1885 gekennzeichnete Stellung in der Thronfolgerfrage einzunehmen. Ebensowenig sei dem herzoglichen Staatsministerium eine Thatsache be­kannt gemacht worden, die zu dem Schlüsse berechtige, daß seitens des Hauses Braunschweig Schritte geschehen seien, um eine Entscheidung bezüglich der schwebenden an die letzte Thronerledigung im Herzogtum sich knüpfenden Fragen herbeizuführen. Die Annahme sei also berechtigt, daß in absehbarer Zett eine Aenderung in den Verhält­nissen des Herzogtums nicht eintreten werde.

Ausland.

Dublin, 13. Nov. In Waterburg wurden 11 Mit­glieder der irländischen Liga zu 500 Pfund Schaden­ersatz an einen von der Liga boykottierten Kaufmann verurteilt.

London, 13. November. Das chinesische Bureau des Auswärtigen Amtes erklärte nach einer Shanghaier Meldung der »Daily Mail", daß die Räumung Shanghais durch die verbündeten Truppen einschließlich der deutschen binnen Kurzem stattfinden werde. Die von Deutschland errichtete permanente Kaserne werde vollendet und dann von der deutschen Negierung an eine deutsche Firma vermietet werden.

Dersingham, 13. Nov. Kaiser Wilhelm, König Eduard, der Prinz von Wales und der deutsche Botschafter Graf Wolff-Meternich begaben sich heute vormittag nach Flitcham zur Rebhühnerjagd. Sie nahmen nach dem das Frühstück im Zelt ein. Das Wetter, in den letzten Tagen ungünstig, ist nunmehr herrlich.

Brüssel, 13. November. In der heutigen Kam mer- sitzung wurde beschlossen, eine Delegation an den König zu entsenden, um ihm zum Tode der Königin zu kon­dolieren. Hierauf gab der Abg. Denis im Namen der sozialdemokratischen Partei eine Erklärung folgenden Inhalts ab: Wir neigen uns vor dem Tode und bedauern die ver- lasiene Gattin und Mutter, an deren Sarge nicht einmal ihren Töchtern zu fnieen und zu beten erlaubt war." Er sprach hierauf von der bekannten Angelegenheit der Prinzessin Stefani und fuhr fort:Der König hat die größte Gleichgiltigkeit bei dem ganzen Vorfall gezeigt und unser menschliches und unser republikanisches Gefühl erlaubt uns nicht, uns an der Delegation an den Monarchen zu beteiligen." Die Rechte der Kammer verhielt sich bei dieser Erklärung durchaus schweigend und auch die Minister er­widerten nichts.

Paris, 13. Nov. Kammer. Bei Eröffnung der heutigen Sitzung wurden im Saale von der Wandelhalle her Schüsse vernommen, was eine leichte Erregung hervor­rief. Die Unruhe legte sich, als man erfuhr, daß der Ur­heber des Zwischenfalles ein Feldwebel in Uniform war, der auf Einlaß zur Tribüne wartete und plötzlich unter dem Rufe:Es lebe das Vaterland!" vier Revolver­schüsse abgab. Der Feldwebel wurde verhaftet. Er war im Niarinelazaret von Marseille angestellt und hatte dort eme leichte Strafe erhalten. Er giebt an, nach Paris ge­kommen zu fein, um sich zu rächen, und wenn man ihn nicht zurückgehalten, hätte er alle Nationalisten ge­tötet, denn er sei em guter Republikaner. Der offenbar geistig Verwirrte wurde ins Depot geschickt.

Madrid, 13. Nov. Die Verhandlungen zwischen Sa- gafta und Römers Robledo zerschlugen sich. Infolgedessen ist die Kabinetsbildung vollständig gescheitert. Sagasta begab sich heute mittag ins Schloß. Als er es wieder verließ, bestätigte er den Kampf mit Schwierigkeiten.

New - Pork, 13. Nov. Oberst Blake von der irischen Burenbrigade ist hier eingetroffen, um eine Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten zu unternehmen. Er äußerte in einer Rede die Ansicht, der Zweck der Reise Chamberlains nach Südafrika sei, die Stimmung unter den englischen Kolonisten zu verbessern, aber nichts für die Buren zu thun. Üiiir wenig Buren hätten den Treueid geleistet, und zwar gezwungen.

Aus Ztudt und &anik

(liegen, 14. November 1902.

* Gedenktage. Zu Ajaccio wurde am 15. November 1784 Jerome Bonaparte geboren. Er widmete sich dem Seewesen und heiratete in Nordamerika die reiche Kaufmanns­tochter Elisabeth Patterson. Durch den Frieden zu Tilsit erhielt Jerome das neugeschaffene Königreich Westfalen. In üppiger Pracht lebte er in Kassel mit seiner zweiten Gemahlin aus dem Hause Württemberg. 1813 sioh er nach Paris. Nach der Thronbesteigung Napoleons 111. verbrachte er als eventueller Kronerbe den Rest seines Lebens im Genuffe seines neuen Glückes mit seiner dritten Gemahlin, einer Italienerin.

** Gin Eisenbahnmalheur. (Amtlich.) Gestern mittag führ der Güterzug 7547, von Friedberg kommend, anstatt in das für ihn bestimmte Gleis 76, infolge eines Mißverständnisses in das daneben gelegene Gleis 75, das noch mit Wagen besetzt war. Ter Gülerzug 7547, der vorher vor dem Einfahrtssignal zum Halten gekommen war, be­fand sich in langsamer Fahrt, trotzdem war es dem Loko- motiv- und Zugpersonal wegen des starken Gefälles von 1:150 nicht möglich, ihn rechtzeitig vor der Wagenaoteilung zum Stehen zu bringen, sodaß ein Auffahren nicht vermieden werden konnte. Hierbei en l gleisten die beiden letzten Wagen der Abteilung und die Maschine des Kiaes 7547 und wurden unerheblich beschädigt. Ter

Schaden beträgt nach überschläglicher Schätzung 150200 Mark. Verletzungen von Personal kamen nicht vor. Infolge der Entgleisung trat eine kurz dauernde Sperrung des Einfahrtsgleises ein, sodaß die beiden Mtt- tagsschnellzüge von Frankfurt a. M. von der Haltestelle Großen-Linden ab in falschem Gleis fahren mußten.

Justus von Lrebig. Zu Ehren von Liebigs lOOjährgen Geburtstage soll in Darmstadt, wie man uns mitteilt, am 12. Mai n. Js. eine große aka­demische Feier stattfinden, die von der Technischen Hoch- chule und von der Stadtverwaltung gemeinsam veranstaltet wird.

* Dynamit-Attentat auf die Eisen bahn? Mir berichteten gestern von einem anonymen Schreiben, wonach im Bezirk Köln ein Dynamitattentat auf die Eisen­rahn geplant sei. Wie nun derRheing. Anz." berichtet, it auf einem Teil der rheinischen Eisenbahnstrecken das Personal zur Ueberwachung der Schienengleise verstärkt und scharfe Kontrolle angeordnet worden. Es soll dies mit der Entdeckung eines größeren Dynamit-Dieb- tahls am Niederrhein zusammenhängen. Ebenso ist auch auf der Strecke Gießen-Wetzlar-Köln das Personal am verflossenen Sonntag zur Ueberwachung der Schienen­gleise in außergewöhnlicher Weise verstärkt worden, so daß fast alle 200 Schritt ein Posten stand.

Die sozialdemokratische Fraktion will den vorgestern von uns erwähnten Vorfall, der zwei rus- ische Studenten an der Darmstädter Techni- chen Hochschule betrifft, zum Gegenstand einer Jnter- rettation im Landtag machen. Auch außerhalb Darm- tadts wird russischen und polnischen Studenten nicht ohne weiteres die Immatrikulation zugestanden. In Berlin werden deren Pässe zunächst dem Polizeipräsidium von der Unibersitätsbehörde in Verbindung, und nachdem diese den betreffenden Bewerber als politisch keiner Umtriebe ver­dächtig anerkannt hat, erfolgt erst Immatrikulation. Die Berliner Universitätsbehörde hat dies Verfahren feit der «ekannten Demonstration bei den Vorlesungen des Pro- essors Schiemann eingeführt, also seit Beginn des dies­jährigen Sommersemesters. Im Anschluß an diese Affaire teilte es sich nämlich heraus, daß Berlin thatsächlich als ein Herd polnischer und russischer Bestrebungen anzu- ehen sei. Es erfolgten damals aus diesen Gründen etwa 30 Ausweisungen, und man war genötigt, zu obiger Maß­regel zu greifen, da die von der Universität aus erfolgende Prüfung des Passes bezw. der Papiere keine Gewähr dafür rot, Individuen von der Universität fernzuhalten, die rerartigen Umtrieben huldigten, für diese unter ihren Mit- tudierenden Propaganda machten, und die schließlich dazu ühren würden, die Hochschulen zu einer Brutstätte für olche Bestrebungen herabzuwürdigen. Die Maßregel mußte )aher im Einverständnis mit den Staatsbehörden auf allen Berliner Hochschulen eingeführt werden. Daß man in Darmstadt die gleiche Vorsicht handhabt, ist u. E, wie gesagt, aus verschiedenen Gründen nur zu billigen.

§§ Darmstadt, 13. Nov. Der schon einmal im April liefe» Jahres wegen U e b e r s ch r e i tu n g des gesetz­lichen Züchtigungsrechtes von der hiesigen Straf­kammer zu einer Geldstrafe von 40 Mk. verurteilte 21jährige Schulverwalter Peter S. aus Lindenfels, zur Zeit in Beedenkirchen, hat sich heute wegen des gleichen Deliktes zu verantworten. Er war von Oktober v. I. ab an Stelle des erkrankten Lehrers Hensel nach Langstadt berufen worden und traf dort die ihm übertragene Klasse, welche ca. 66 Schüler im Alter von 10 bis 14 Zähren ent­hielt, in so disziplinär vernachlässigtem Zustande an, daß es ihm kaum gelang, sich Gehorsam und Ruhe zu verschaffen, da die Kinder durch längeres Kranksein des früheren Lehrers und öftere provisorische Verwaltung der Lehrer- steile sich alle möglichen Freiheiten erlaubten und kaum glaublichen Unfug und Allotria trieben, nur um den Lehrer zu ärgern. Obwohl nun dem S. mit Rücksicht auf seine Vorstrafe von seinem Vorgesetzten jedes Züchtigungsrecht verboten worden war, ließ er sich doch zu einer ganzen An­zahl Überschreitungen hinreißen, die ihm sowohl von seinem Vorgesetzten, dem Kreisschulinspektor wie von dem Pfarrer als dem Vorsitzenden des Schulvor­standes in Anbetracht der vernachlässigten Disziplin ein schärferes Vorgehen empfohlen worden war. S. hat in ein­zelnen Fällen die Mädchen und Knaben stark in die Wangen gekniffen und durch Herumdrehen der Hand starken Schmerz verursacht; mehrere Knaben hat er geschüttelt und gegen die Wand geworfen, einer ist bei dem Schütteln zur Erde gefallen und S. hat wiederholt nach ihm getreten; einem Mädchen hat er das Ohrläppchen blutig gerissen, einem an­deren die Nase gedrückt, daß sie wiederholt blutete, einem weiteren drückte er die Kehle blau, die meisten schlug er trotz des Verbotes mit einem, wenn auch kleinen Stock, und zwar nahm er alle diese Züchtigungen aus geringfügigen Ursachen vor, weil meist die Kinder Rechenaufgaben nicht zu lösen vermochten oder beim Singen nicht richtig Atem holten. Nach verschiedenen Zeugenaussagen soll S. auch unsolid gelebt haben und oft nach Mitternacht erst aus dem Wirtshaus gekommen, einmal sogar geführt worden fein. Ter Kreisschulinspektor stellt ihm sonst ein gutes Zeugnis aus; auch der Gerichtshof ließ mit Rücksicht auf die große Erregung, in der sich S. durch die fortwährenden Aerger- nisse mir den renitenten Schülern befand, Milde walten und verurteilte chn wegen Ueberschreitung des Züchtigungs­rechtes in sieben Fällen in eine Geldstrafe von 110 Mark, eventuell 22 Tage Haft. Ter Staatsanwalt hatte drei Mo­nate 11 Tage Gefängnis beantragt. Wegen fahrlässiger Tötung wurde der bisher gutberufene Fuhrknecht Hrch. Graf aus Göllheim, welcher schon sieben Jahre in der Brauerei Toreger in Worms bedienstet ist, in eine Ge­fängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt. G. fuhr im September d. I. mit seinem Bierwagen, welcher mit einer Leinwanddecke überspannt war, auf der Landstraße von Schönberg nach Bensheim a.B. Dabei kam das Hinterrad zu nahe an eine an einem Baum stehende Letter, auf welcher der Schreiner Hrch. Korb Obst abmachte; die Leiter fiel um, zerbrach und Korb fiel herab und erlitt so schwere Schädel­verletzungen, daß er alsbald starb. Ta G. bisher sehr gut berufen war, wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt.

. Darmstadt, 13. Nov. Die Stadtverwaltung hat ein Gesuch an die Reichsregierung gerichtet, bamit die in Hessen zu errichtende Reichsbank st eile hierher gelegt werden soll. Soweit bekannt, dürfte diese Frage im Schooße der maßgebenden Persönlichkeiten erledigt sein. Bekanntlich hat die Reichsbank schon vor Monaten das in der Rhein­straße, Ecke der Kasinostraße gelegene Merck'sche Wohnhaus für 80 000 Mk. käuflich erworben. Wie nun bestimmt ver­lautet, sind die Pläne zu dem Um», resp. Neubau eines im­posanten Geschäfts- und Wohnhauses fertiggefteUt und sogar die Arbeiten, welche zu ca 400 000 Mk. veranschlagt sind, seiner Karlsruher Firma in General-Entreprise Übertragen

worden. Auch die hessische Landeslotterie-Tirek« tion hat mit Rücksicht auf die beschränkten, in verschiedenen Gebäuden untergebrachten Räume sich zu dem Ankauf eines eigenen Heims entschlossen. Es ist hierzu das Goldschmidt'sche Anwesen Ecke der Bismarck- und Wendeistraße, für 105 000 Mark erworben worden. Das Haus soll Wohnung deS Lotterie-Direktors werden, während auf dem ausgedehnten Terrain ein großer Bau für Bureau-Räume mit ZiehungS- faal 2C. errichtet werden soll. lieber den hiesigen Bahn» Hofsumbau werden jetzt nähere Details von den Berat­ungen der Sachverständigen bekannt. Darnach ist die Tiefer- legung der bisherigen Geieise um eine entsprechende Erhöh­ung des unteren Teils der Rheinstraße geplant, weich' letztere bann über die Bahn wegführen würde. Die ganzen Perron- Anlagen würden dann weiter nach Norden verschoben. Mit großer Freude werden die jetzt bald beendigten. Reinig­ungsarbeiten des Daches des bisherigen Main-Neckarbahn- hofes begrüßt. Eirka 15 Jahre lang ließ man Rauch, Ruß 2C. sich ansammeln, bis endlich die Vereinigung außer mancherlei anderen Annehmlichkeiten auch dieses fiele mystische Halbdunkel in eine erfreuliche Helle gerückt hat. Die Kosten der Reinigung werden zudem durch Ersparnis an Licht bald doppelt ersetzt fein. Wie wir hören, muß in allernächster Zeit an eine bedeu­tende Vergrößerung unseres elektrischen Werkes gedacht werden, da z. Zi. alle Maschinen mit höchster An­spannung ihrer Kräfte arbeiten und bei einem unter Um» tänden gar nicht zu verhindernden Versagen irgend eines wichtigen Faktors unglaubliche Kalamitäten entstehen könnten. Der Großherzog beabsichtigt, im Laufe der Woche dem Werke einen Besuch abzustatten.

Mainz, 13. Nov. Wegen einer vor längerer Zett begangenen Unterschlagung wurde derGehilfe eines hiesigen Rechtsanwaltes verhaftet, gegen eine Kaution von 10 000 Mark aber wieder auf freien Fuß ge­setzt. Auch andere Personen sollen in diese Unterschiag- ungsgeschichte verwickelt sein, doch ift die Untersuchung Darüber noch nicht abgeschlossen. Infolge einer anonymen Denunziation kam die Unterschlagung an den Tag.

Mainz, 13. Nov. Vor einigen Tagen fand hier eine Konferenz von Vertretern verschiedener kaufmännischer Ver­eine, des Vereins der Kaufleute und anderer Interessenten tatt, um über eine wünschenswerte Reform der Be­stimmungen über die Sonntagsruhe eine Besprechung zu halten, die späteren Beratungen als Grundlage bienen ,oll. Allseitig sprach man sich dahin aus, daß eine Ab­änderung der Bestimmungen über die Handhabung der kaufmännischen Sonntagsruhe dringend notwendig erscheine. Nach eingehender Beratung tarn die Versamm- ung zu dem Beschlüsse, daß unter keinen Umständen an der Trennung der Geschäftszeit an Sonntagen, wie dieselbe heute bestehe, festgehalten werden könne, sondern daß das Offenhalten der Geschäftsräume ohne Unterbrechung statt­zufinden habe. Als Geschäftszeit seien die Stunden von 1/211 Uhr bis 1 Uhr festzusetzen, unter Berücksichtigung der­jenigen Geschäfte, für die das Gesetz besondere Ausnahmen gestatte (Spezereiwarenhändler, Ntetzger, Bäcker usw.). In Engros-Geschäften, Fabriken usw., mit Ausnahme der an der Schiffahrt interessierten Geschäfte, soll eine Beschäftig­ung an Sonntagen überhaupt nicht gestattet sein. Ferner sei zu erstreben, daß für das ganze Großherzoa- tum Hessen eine einheitliche Sonn t a gSruhe eingeführt werde.

t Mainz, 13. Nov. Auf der Strecke Mainz-Worms wurde gestern gegen Abend unfern des Bahnhofes der Station Osthofen an einem Uebergang ein Weichen­wärter von einem Güterzug überfahren. Dem Unglücklichen, der sofort tot war, wurde der linke Fuß sowie der Unterleib von dem Zug abgerissen. Ter Ueber­fahrene wurde erst einige Zeit nach dem Unfall von zwei Arbeitern auf der Strecke gefunden.

Mainz, 13. Nov. Ter Finanzausschuß der Stadt­verordnetenversammlung lehnte den Antrag, das Oktroi auf Kohlen aufzuheben, ab, beschloß jedoch, daß die städtische Behörde Kohlen an kaufen und zu ungefähr 87 Pfg. pro Zentner an Unbemittelte abgeben soll.

Fulda, 11. Nov. Die gestrige Sitzung der Stadtver­ordnetenversammlung beschäftigte sich mit der Aufheb­ung der städtischen Flei sch st euer. Tie zur Prüfung dieser Frage eingesetzte Kommission legte das Ergebnis ihrer Beratungen in zwei Anträgen vor, welche dahin gingen, in erster Reihe die städtische Fleischsteuer vom L April 1903 ab ganz aufzuheben und zur Deckung des dadurch im Stadtsäckel entstehenden Defizits von etwa 30000 Mk. eine Erhöhung verschiedener Steuerarten eintreten zu lassen, zweitens, im Falle der Ablehnung dieses Antrages den Magistrat zu ersuchen, die Nleischsteuer-Ordimng berart umgeändert zur Vorlage zu bringen, daß die einheimi, scheu Gewerbetreibenden gegenüber der auswärtigen Kon­kurrenz mindestens gleich günstig gestellt werden und daß für den durch Abänderung der Ordnung entsteheiiden f> nanziellen Ausfall die Einführung einer Steuer aus Wild, Geflügel und sonstige Fleischdelikatessen in Erwägung ge­zogen werden möge. Die Stadtverordnetenversammlung be* ,chloß, die ganze Angelegenheit der Etatskommission zu überweisen. _____________

Drude Feier.

N. Gießen, 14. Nov. 1902.

Ter Fackelzug zu Ehren Herrn Pros. Tr. Drude, der drei ehrenvolle 9tufc nach anderen Universitäten, der letzte nach Leipzig, ausgcichlagen hat, gestaltete sich zu einer der imposantesten Ovationen, die je Gießener Dozenten dargebracht worden siiid. Vollzählig erschienen die Korpora­tionen um 8 Uhr an Oswalds Garten, mit ihnen eine Anzahl Nichtinkorporierte. Unter Vorantrttt eines Musikkorps be­wegte sich der Zug durch die Neustadt, Marktstraße, Markt­platz, Seltersweg, Südanlage, Gartenstraße, Ludwigsptatz, Ludwigs- und Goethestraße und nahm an der Ecke Stephan- ftraße vor dem physikalischen Institut Ausstellung. Ein L<- lei Prof. Tr. Trüdes, Stud. Schuchmann, sprach diesem, der im Kreise seiner Familie und Freunde auf dem Balkon erschien, in bewegten Worten den Tank der Studentenschaft aus und schloß nut einem dreifachen Hoch auf den verehrten Lehrer. Waren die Worte dieses Redners infolge des dichten Rauches und des starken Wttides nur den in aller- nächsler Nähe Stehenden vernehmlich, so waren die Tankes- roortc Prof .Tr. Trubes um so deutlicher verständlich. Seine Erwiderung flang aus in ein Hoch auf die Alma Mater Ludoviciana. Während der Rede wurden Böllerschüsse ge­löst, rur Seite des Instituts sprang Feuerwerk auf, und mit einem Schlage erglühte das ganze Institut im herr­lichsten Rot, das sich mit dem hellen Lichte der Fackeln