Ausgabe 
14.3.1902 Zweites Blatt
 
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wecken so bei den Leuten die Meinung, als ob cs sich.um ein Werk der unter uns wohl vertrauten inneren Mission der evangelischen Kirche handle. Daß es in Wirklichkeit eine amerikanische Sekte ist, deren Art von deutschem Wesen sehr verschieden ist und die darum auch in scharfem Gegensatz zu unserer grunddeutschen evangelischen Kirche steht, daß sie ihre Anhänger zu besonderen Gemeinschaften sammeln, daß sie, wie sie aus dem alttestamentlichen Gesetz den Sabbath und die Speisegebote erneuern, auch die Abgabe des Zehnten von aller Einnahme wieder einführen, verraten sie nicht. Die Rechenkunststücke, mit denen sie die buchstäbliche Erfüllung des Alten Testaments im Neuen erweisen wollen, befriedigen wohl die Neugierde, sind aber zur Förderung einer rechtschaffenen Gottesfurcht völlig wertlos. Wir meinen, ganz unbeschadet der durch den Besuch des Prinzen Heinrich in Amerika er­weckten sehr erfreulichen Freundschaft für Amerika bleiben wir doch besser bei unserer deutschen Art!

** Dummejungenstreiche. Ein hiesiger arbeitsscheuer Tag- lühner beschädigte ohne jede Veranlassung die Einfriedigung einer der Stadt gehörigen Hofraite in der Marburgerstraße. Er wurde zur Anzeige gebracht. Ebenso wurde ein Real- gymnasiast angezeigt, der in der Nacht vom 12. auf den 13. an einem Hause in der Nordanlage im zweiten Stockwerk aus Mutwillen eine Fensterscheibe zertrümmerte.

** Die Kaiser Friedrich-Quelle. Herr I. Weisel, der hiesige Generalvertreter der Offenbacher Kaiser Friedrich-Quelle, teilt uns unter Bezug auf eine in unserer Nr. 59 abgedruckte Briefkastennote der'Zeitschrift des allgem. deutschen Sprach­vereins" mit, daß von ihm weder Anpreisungstafeln noch irgend welche Schriftstücke, die englischen Text enthalten, verbreitet worden seien. Er hat uns das ganze ihm zur Verfügung stehende Reklamematerial vorgelegt und wir haben darin kein englisches Wort vorgefunden. Die Kaiser Friedrich-Quelle treibt aber eine starke Ausfuhr nach England und verbreitet dort auch englische Plakate u. dgl. Ein solches mag also zufällig dem Veranlasser jener Briefkastenbemerkung in die Hände gefallen sein.

0 Mendorf a. d. Lda., 13. März. Gelegentlich eines Vortrags des früheren Burenkämpfers Butz aus Pretoria fand hier eine Sammlung zu Gunsten der notleidenden Buren statt, die 60 Mark einbrachte; in Londorf waren am Abend vorher 26 Mark gesammelt worden.

r. Von der Rabenau, 12. März. In voriger Woche ver­anstalteten die Ortsgruppen Londorf und Geilshausen des Flottenvereins Lichtbildervorführungen über den deutsch-fran­zösischen Krieg 1870/71. Der Ueberschuß der Einnahmen, 30 Mark, sowie der Reinertrag au§ einer nach einem Vor­trage des früheren Burenkämpfers Vutz veranstalteten Samm- : lung, die 36 Mark ergab, wurde an die Burenzentrale in ; München abgesandt.

ö Freiensteinau, 13. März. -Die Schüler der hiesigen

Meiningen, Tapezier.

* Neapel, 13. März. Gegen den ftüheren Ab­geordneten und jetzigen Bürgermeister, sowie zwei Schöffen, den Direktor der Straßenbahn und den Direktor der Gaswerke wurde wegen Beteiligung an der bekannten Beste chungsaffaire die gerichtliche Untersnchung ein­geleitet.

* Einen lustig en Beitrag zum KapitelGe­sundbeten" erzählt ein Leser derTgl. Rdsch.": Frau von X. begiebt sich vor ungefähr einem Jahre zu einer Gesund­beterin und klagt ihr Leiden. Man erklärt ihr, daß öftere Gebete notwendig seien, um sie wieder herzustellen. Sie hatte sich eine in Liste einzutragen und etwa 20 Mk. zu zahlen. Gewissensbisse, die sie sich machte, da sie alles hinter dem Rücken ihres Mannes gethan, veranlaßten sie endlich, diesem ein Geständnis abzulegen. Als vernünftiger Mensch verbat sich dieser Mann für die Zukunft solcheScherze" und damit war die Sache abgethan. Es ist nun noch nicht lange her, da erhielt Frau X. eine Rechnung über ungefähr 300 M. Sie hatte vergessen, das Weiterbeten abzubestellen, und so war allmählich die Schuld bis zu dieser Höhe erbeten worden. Um allen Erweiterungen aus dem Wege, zu gehen, hat man dieSchuld" bezahlt. So wahrhaft geschehen zn Beginn des Jahres 1902!

* Mathilde S erao unter der Anklage^des Betrugs. Aus Neapel schreibt man:Mathilde Serao, die in ganz Europa bekannte Verfasserin trefflicher Romane und Novellen, deren neuestes Buch,Riccardo Joannes Leben und Abenteuer" (Verlag von Alb. Lungen in München) be­sonderes Aufsehen erregte, da sie darin das großartige und vornehme Betrüger-Leben ihrer Heimatstadt Neapel mit Leidenschaft und Anschaulichkeit schildert, wurde durch die im vergangenen Jahre vorgenommcnen Erhebungen des Senators Saredo über die Gemeindeverwaltung Neapels arg bloß­gestellt. Vor einigen Monaten ließ sich ihr Mann, Edoardo Scarfogtio, der Herausgeber des verbreiteten BlattesJl Mattino", von ihr von Tisch und Bett scheiden, und dieser Tage hat der Staatsanwalt gegen die unglückliche Frau An­klage wegen Betrugs erhoben. Sie wird beschuldigt, im Jahre 1897 den Stadtpolizisten Giuseppe Foti zu einem Dar­lehen an sie unter der Vorspiegelung veranlaßt zu haben, daß sie seine Beförderung zum Gefteiten durchsetzen werde. Das Darlehen bezifferte sich auf 200 Lire. In demselben Jahre soll sie ein Darlehen von 2000 Lire von einem ge­wissen Giuseppe de Simone erlangt haben. Sie hatte ihm die Ernennung zum Museumsdiener versprochen. Als dir Ernennung ausblieb, zahlte sie die 2000 Lire bis auf 350 Lire zurück. Die Verschwendungssucht ihrer Angehörigen, stürzte sie ins Unglück."

* Vcrh aftung eines Fälschers. In EincinaE ist Heinrich Herr le aus Landstuhl verhaftet worden angeblich wegen Fälschungen im Betrage von 10000 Mk.

MrivelMts-Nachrichten.

WürzbrrrK, 13. März. Prof. Dr. Hoffa hat die ihm «17 flcßotene Profehur für orthopädische Ehrvurgie an der ihrweqiwt Berlin angenommen.

ersten Schulklasse veranstalteten unter der Leitung ihreS Lehrers Sterner am Sonntag einen wohl gelungene» l.nterhaltungsabend, zu dem die Eltern und Kinderfreunde zahlreich erschienen waren. Das Programm war recht reich an Abwechselungen. Vorträge von Gedichten, der Gesang chöner, sinniger Lieder, Aussagen von Sprüchen aus dem Kinder- und Familienleben wechselten in bunter Reihenfolge mit einander ab. Hervorgehoben zu werden verdient die Ge- wandhcit und Sicherheit, mit der die Kinder auftraten. Auf Wunsch der anwesenden Lehrer von Radmühl und Fleschen­bach fand am Mittwoch in ihren Orten dieselbe Aufführung nochmals statt. An beiden Tagen wurde eine Sammlung veranstaltet, deren Ertrag zur Gründung einer Schülerbibliothek verwendet werden soll.

b Mainz, 13. März. Aus einer rheinhessischen Land­gemeinde wird folgender wohl einzig dastehender Fall mitge- tellt: Nachdem die Fortbildungsschule durch die vorgeschriebene Prüfung geschlossen worden war, spendete der Vorsitzende des Schulvorstandes den Schülern ein Faß Bier. Nach Leerung des Fasses leerten dann die leistungsfähigen Schüler noch ein zweites Faß auf eigene Kosten.

Wiesbaden, 13. März. Der Ingenieur Kühne, der in Bierstadt ein Elektrizitätswerk zu errichten beabsichtigte, ist der Bierst. Ztg." zufolge unter dem dringenden Verdachte des Betrugs verhaftet worden. Gleichzeitig mit ihm ein Geschäftsinhaber in Frankfurt.

fc. Hauan, 13. März. Am hiesigen Gymnasium wurde über 35 Schüler, die sich an verbotenen Verbindungen beteiligt hatten, das verschärfte conailium abeundi und drei Stunden Carcer verhängt. Die Regierung machte das Zu­geständnis, daß die im Abiturientenexamen stehenden Betei- igten das Examen ablegen dürfen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Schreinermeister Franz Kleinhans in Neu-Isenburg hat sich in seinem Holzlager erhängt. Am Montagabend vurde in Frankfurt a. M. ein Dienstmädchen, das für einen Lotteriekollekteur Mark 900 von der Post geholt hatte, überfallen und beraubt. Der Räuber, ein noch junger Mensch, hatte dem Mädchen im Hausflur aufgelauert. Er entkam unerkannt mit seiner Beute.

Vermischtes.

* Göttingen, 12. März. Der Ingenieur S. vom EssenwerkKarlshütte" bei Delligsen konnte einer Duell- orderung wegen Beleidigung nicht gerecht werden, weil seine Satisfaktionsfähigkeit nicht nach­gewiesen war. Er hat sich deshalb vor einigen Abenden in der Nähe seiner Wohnung erschossen.

* Freiburg i. Br., 13. März. Prinz Friedrich von Meiningen, der Kommandeur des hiesigen Artillerie- Regiments, soll kürzlich am Schalter einer staatlichen Stelle das folgende ergötzliche kleine Erlebnis erlebt haben. Es war nötig, Namen und Stand anzugeben und der jedenfalls jugendliche Schalterbeamte interpellierte den Prinzen, der Zivil trug:Wie heißen Sie?" .Friedrich, Prinz von Mei­ningen."Was sind Sie?"Offizier." Der Prinz las dann auf dem ausgehändigten Schriftstück zu fernem uud seiner Gemahlin großem Vergnügen: Friedrich Prinz aus

Tie Blockhaus-Linie wurde verstärkt und die englischen Kolonnen operieren jetzt auf Wolvehock zu.

Wie verlautet, begeben sich die in Amerika weilen­den Buren-Delegierten nach Südafrika, um einen genauen Einblick in den gegenwärtigen Stand der Kriegs- Operationen zu gewinnen.

der Sozialisten bestände darin, mit Hilfe der Liberalen zu­nächst das allgemeine Stimmrecht zu erringen. Das all­gemeine Stimmrecht werde von der Regierung abgelehnt. Vandervelde (Sozialist) sagt: Die Erklärungen des Mi­nisters kämen für die Arbeiter einer wahren Kr ie gs- erHarting gleich (Beifall links.) Ausseele (Soz.) ruft, der Mincher habe gesagt, es werde Blut fliesten. Der Ministerpräsident ruft:Das ist falsch. Sie wollen die Re­vision der Verfassung mit Mitteln erlangen, deren sich Strastenräuber bedienen." (Lärm links. Ruse: Zur Ordnung.) Ein für chter licher Tumult entsteht. Alle Sozialisten erheben sich. Smeets (Soz.) stürzt aus den Tisch des Präsidenten zu, schlägt mit Fäusten darauf und verlangt, daß der Ministerpräsident zur Ord­nung gerufen werde. Andere Sozialisten drängen mit erhobenenFäuftenauf die Mini st ersitze zu. Die Saaldiener werfen sich ihnen entgegen. Die gemäßigten Liberalen suchen die Sozialisten, die vor den Bänken der Minister in drohender Haltung stehen, zu be­ruhigen. Der Präsident erhebt sich und erklärt die Sitzung geschlossen. .

Nach derVlaamsche Gazet" giebt es in Belgien, im Bistum Brügge: 418 Frauenklöster und 40 Männer­klöster. Im Bistum Gent: 408 Frauenklöster und 45 Männerklöster. Im Bistum Namur: 114 Frauenklöster und 21 Männerklöster. Im Bistum Luik: 142 Frauenklöster und 32 Männerklöster. Im Bistum Mechelen: 627 Frauenklöster und 94 Männerklöster. Im Bistum Dvornik: 242 Frauen- klöster und 38 Attrnnerklöster. Insgesamt also: 2221 Klöster (1951 Frauen- und 270 Männerklöster). Der Wert des von den Klofterleuten bewohnten und verwalteten Eigentums ist katastermäßig geschätzt auf 612 517 000 Franken. Der Wert desjenigen, in Gebäuden und Grundbesitz bestehenden Eigentums, das an dritte vermietet oder verpachtet ist, wird katasternräßig auf 117 411000 Fr cs. geschätzt. Das Material, die Möbel, Kunstwerke usw. stellen den bei ver- schiedc.ien Gesellschaften abgeschlossenen Brandversichen- uugeu zufolge einen Wert von 365 418 000 Franken dar.

Paris, 13. März. Das Finanzministerium macht be­kannt, daß der Reinertrag des Tabakmonopvls im abgelaufenen Jähre 333 872 825 Frcs. und derjenige des Zündhölzchen-Monopols 23 800 000 Frcs. ergeben hat.

Madrid, 13. März. Das Kabinett Saga st a hat seine Demission eingereicht.

Rom, 13. März. Ein Geschwader, bestehend aus drei Schlachtschiffen und drei Kreuzern, wird zur Krön­ungsfeier des Königs Eduard nach England abgehen.

Wien, 13. März. Abgeordnetenhaus. In der fortgesetzten Debatte über das Budget der Landesverteidig­ung erklärt Svozll, die Tschechen seien keineswegs Feinde einer tüchtigen Armee, aber die Grundlage einer tüchtigen Armee sei die Zufriedenheit der Völker. Die Regierung halte an dem Wahne fest, daß Oesterreich eine deutsche Mission habe und vergesse, daß Oesterreich ein Völkerstaat sei. Unter der gegenwärtigen Heeresleitung gelange die Armee nicht zur entsprechenden Tüchtigkett. Redner bringt eine Reihe von Beschwerden vor und findet es sonderbar, daß die Grenze gegen Rußland, welches nie gegen Oester­reich Krieg geführt habe, stark befesttgt sei, während die böhmisch-deutsche Grenze keine Festung habe. Des Redners Partei sei keine Feindin Oesterreichs, sondern nur eine Feindin eines deutschen Oesterreichs. Landesverteidigungsminister Gras Welsershetmb er Harte, die Einführung der zweijährigen Dien st zeit brächte neben großen Kosten viele Bedenken. Unter den gegen­wärtigen Verhältnissen könne von einer Verminderung der Wehrpflicht nicht die Rede sein. Der Minister wies die gegen das Heer und die Gendarmerie erhobenen Vorwürfe zurück, darunter den, daß das Wehrsystem die Entwickelung des Handels hemme. Dies geschehe vielmehr durch den inneren Hader der Völker OestereichD.

Gegen den Jesuitenpater Collevei aus Venedig, welcher bei einer in Dignano (Istrien) gehaltenen Fastenpredigtunflätige Aeußernngen" gegen die italienische Königs familie gethan hatte, ist von der Bezirkshauptmannschaft in Pola Strafanzeige er­stattet worden; außerdem wurde dem Pater die Abhaltung weiterer Predigten untersagt.

New York, 13. März. Das Staats d e par t>e m e ntt nahm keine Notiz von den Ankündigungen eines Jour­nalisten Witte gegen den deutschen Botschafter v. H 0 l l e b e n, da Beweise gänzlich fehlen. (Vgl. unser heutiges Morgen­blatt.)

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 14. März 1902.

LU. Ablehnung. Als Direktor der Frauenklinik und ord. Professor der Gynäkologie (an Prof. Dr. Löhleins Stelle) ist der ord. Prof. Dr. v. Herff in Basel berufen worden, hat aber den Ruf ab gelehnt.

** Erlaubniserteiluug. Der Kaiser hat dem Eisenbahn- Stationsvorsteher 1. Klasse Baßmann zu Kiel die Erlaub­nis zur Anlegung des demselben verliehenen Ritterkreuzes 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erieilt

** Gedenktag. Gestern waren 10 Jahre vergangen, seit Großherzog Ludwig IV. die Augen schloß. Das Ge­dächtnis des Verewigten, der die hervorragendsten Herrscher­tugenden in sich vereinigte und durch seine Leutseligkeit sich die Herzen aller, mit denen er in Berührung kam, im Fluge eroberte, wird in Hessen unauslöschlich fottleben. Ins­besondere werden die Veteranen der hessischen Division den gestrigen Tag seinem Gedächtnis gewidmet haben. War er doch in unserem großen Kriege ihr Führer, der oft mit eigener Lebensgefahr unter dem Donner der Geschütze ihnen voran­ging, das Vorblld eines Soldaten und echten Deutschen. Der Großherzog und die Prinzessin Heinrich von Preußen begaben sich vormittags in das Mausoleum auf der Rosenhöhe und legten an der Ruhestätte ihrer Eltern Kränze nieder.

** Parlamentarisches. Die Abgeordneten Molthan, Dr. Schmitt und Genossen haben in der Zweiten Kammer zu dem Finanzgesetz den Anttag eingebracht: Dem Attikel des Jinanzgesetzes folgende Fassung zu geben:An Ein­ommensteuer kommen die in den Art. 13 und 46 des Ge- etzes vom 12. August 1899, die allgemeine Einkommensteuer betreffend festgesetzten Beträge zur Erhebung. Dagegen wer­den an Vermögenssteuer die in Attikel 13 des Gesetzes vom 12. August 1899, die Vermögenssteuer betreffend, festgesetzten Bettäge nur bet Vermögen von 3000 Mark bis 15 000 Mk. erhoben, während bei Vermögen über 15 000 Matt eine Erhöhung dieser Beträge um 36*/lt Prozent, somit der Steuersatz für je 1000 Matt Vermögen von 75 Pfg. eintritt.

* Brotrevifiov. Gestern fand durch die Schutzmannschaft eine Brotrevision bei verschiedenen hiesigen Bäckern statt. Bei zwei Bäckermeistern wurden Brote beschlagnahmt. Die beiden Bäckermeister wurden zur Anzeige gebracht, da sich Brote mtt erheblichem Mindergewicht in ihren Verkaufsstellen vor- fanben.

** Verhaftung. Ein durchreisender Handwettsbursche ver­übte in angetrunkenem Zustande in mehreren Straßen rnhe- störenden Lärm. Er mußte deshalb ins Hastlokal gebracht werden.

** DieAdventisten vom siebenten Tag", von denen wir neulich berichteten, entfalten in der That eine sehr rührige Propaganda in unserer Stadt. Ihre Abgesandten gehen von Haus zu Haus, laden zu ihren Versammlungen ein, sammeln Beiträge und bieten Schriften zum Vettauf an. In der üb­lichen Att verschleiern sie dabei chre wahren Absichten. Sie reden immer nur von derHamburger Mission" und er-

Dom Burenkrieg.

Nach im Haag eingetroffenen Meldungen wurde die Kolonne Kekewich bereits am 4. März von dem Kommando Deloreys bei Doorn laagte Überfällen und vollständig zersprengt. Die Kolonne Green- fells dürfte, nachdem die Kolonne Methuen geschlagen worden ist, den Rückzug angetreten haben, wird aber jedenfalls von Delarey verfolgt. Wie aus Amsterdam ge­meldet wird, thut sich in der Umgebung des Präsidenten Krüger überaus zuversichtliche Stimmung kund über den weiteren Fortgang des Krieges, die genährt wird, durch neu eingetroffene Depeschen, über deren Inhalt je­doch Stillschweigen beobachtet wird.

Im englischen Unterhaus erklärte Kttegsminister Brodttck, er nehme an, daß General Methuen und Oberst Townsend freigelassen seien, obgleich das in dem betreffenden Telegramm nicht ausdrücklich gesagt sei. Die Untersuchung gegen Kruitzin ger sei ver­schoben, weil die Prüfung der Zeugenaussagen noch nicht beendet sei. Healy fragt, ob die Regierung ebenso hochherzig sein und Kruitzinger frei lassen werde. Tie Frage wurde vom Minister bezeichnenderweise nicht beantw ortet!

Man darf sich also darauf gefaßt machen, daß Eng­land seinen Barbarismus so wett treibt, den unbegreif­lichen Edelmut der Buren mit einer himmelschreienden Gewallt hat zu vergelten. Methuen hat fid) übrigens während seiner Dienstzeit als Militärattache der englischen Botschaft in Berlin im Februar 1887 die Rettungsmedaille am Bande verdient. Ter damalige Oberstleutnant Methuen nahm hervorragenden Anteil an der Rettung eines Ar­beiters Pieper in Charlottenburg vom Tode des Ertttnkens, wobei er sich einer erheblichen eigenen Lebensgefahr aus- setztc. Er ist ein Mann von großem Reichtum und ele­ganter Erscheinung, ein Liebling der besten Londoner Ge­sellschaft.

Nack) Telegrammen aus Heilbronn bestätigt es sich, daß Dewet und Stein in der Nacht vom 9. März die Haupt­linie wenige Meilen nördlich von Wolvehock, also nur eine kurze Strecke südlich von der Transvaal-Grenze über­schritten habe, und auf dem Marsche nach den: Westen sind, offenbar um sich mtt Delarey zu vereinigen.