Ausgabe 
14.3.1902 Drittes Blatt
 
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Wr.«2

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

»52. Jahrg

Erscheint tSglich mit Aufnahme bH SanntagS.

Dieile|titr K-miIi«nbIStter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigekegt. Der ^Hejßsche Ceii6*lrt* erscheint monatlich einmal.

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Unlversitätsdruckerei tPieijch Erben), Lieben.

.-.t» s... m......m einen anderen

Standpunkt, a!3 der Vorredner. Die Verfassung ist meines Er- t tn ausZulegen, daß Baiern und Würtemberg Reservat- rechte haben, aus die zu verzichten wir nicht verlangen können. s obvLn Würtemberg auch zugegeben worden, daß man dort m dem Jbfommen keine Beschränkung des Rcservatrcchts erblickt. Vti fann oen Staaten doch nicht verwehrt werden, solche Ab- kommen mit uns abzuschließen. Die Verrechnung, die in dem Abkommen vorgesehen ijt, fiiidet mit allen Postvcrwaltungcn statt, mit denen wir Verkehr haben. Ein anderes Verfahren ist gar mcht möglich. Was die Frage anlangt, ob Würtemberg von dem Abkommen finanziellen Vortheil hat, so köniien wir natürlich beim ^Erlrags,chluß nicht wissen, ob Krisen komnien lverden, die die Verhaltnche andern Wir können nicht alle solche Abkommen erst dem Reichstag vorlegen: toir haben doch mit ausländischen Re­gierungen Verträge geschlossen, ohne den Reichstag zu befragen.

°?un-9 un5 Wenfalls nicht, die Genehmigung deS Reichstages einzuholen. *

.... ^g. Dr Hieber snat.-lib.): Ich will nicht auf alle Au-, fuhrungen des Abg. Grober eingehen-, es handelt sich ,a doch um F/;,nmt c^C mc*ne' wir müssen der würtem-

bcrgischen Regiening Dank wissen, daß sie diesen Fortschritt in ÄrCm ^^kelwswesen ermöglicht hat. Selbst wenn durch das S^°dCn Neservatrecht verletzt würde, so brauchte der Reichs- lein als die Würtemberger seilst, dec Reichstag muf; doch selbstverständlich einem solchen Ab- tommen mit Freuden feine Zustimmung geben, (WbL ©r^er nt^ ,0rlr,ann '"ich den Ausführungen des Staats- ekrotacs nur ansch ießen. Durch den Vertrag wird die S?Mt- standlgkeit der wurtembergischen Verwaltung in keiner Beziehung

D.c Selbständigkeit der Tarif-Festsetzung Würtem? t 6cm5.^lcr l°9 ausdrücklich gewahrt. Auch 'die Selbst. stand,gleit und das ist die Hauptsache der wurtembergischen

Postemnahmen wird nicht tangirt. Handelt es sich in der Be. ziehung doch nur um einen Vertrag, wie er auch mit au§IänbiMi<m ^?mF^ltungen abgeschlossen worden ist. Nun sagt man, durch ein Ausdruck der würtembergischen Staats­hoheit beseitigt. Ich meine aber: Ebenso wenig, wie bisher durch

fein.'

Beim Qtat des ReichsinvakidenfondS erklärt

Staatssekretär Freiherr von Thielmann: Die Verbündeten Regierungen sind mit der Erhöhung der Position für die an die Veteranen zu gewährenden Zuschüsse von 6 200 000 auf 7 500 000 Mark, die in einer Resolution vorgeschlagen Ivorden ist, um allen anerkannten Veteranen den Zuschuß von 120 Mt, zu gewähren einverstanden. sBeifall)

Abg. Dr. Arend, sRp.) begrüßt diese Erklärung mit Genua- thuung und hofft, daß die verbündeten Regierungen in den kom­menden Jahren die Position den Bedürfnissen entsprechend weiter erhöhen werden. Bedauerlich sei, daß der Staatssekretär im Januar gegenüber der Forderung einen so ablehnenden Stand­punkt hier vertreten habe. Er habe dadurch große Mißstimmung im Lande hervorgcrufen und der Regierung nur geschadet. Redner empfiehlt sodann wiederum Einführung einer Wehrsteuer, um au5 deren Erträgen die Invaliden zu unterstützen.

<- ®raf CtioIn lnat -lib.): Wir müssen von der Regierung die Erklärung erbitten, daß sie in allerkürzester Frist die Erhöhung der Posttwn durch einen Nachtragsetat bewirken wird. Ich wollte erst beantragen, die Erhöhung im Etat noch jetzt in dritter Lesung vorzunehmen. Dagegen sind geschäftsordnungsmäßige Bedenken geäußert worden, da der Reichstag bann noch einen Tag länger zusammen bleiben müßte. Ich würde mich mit einer Erklärung der Regierung begnügen.

Staatssekretär Freiherr von Thielmann: Ich hatte eigentlich erwartet, daß auf meine Erklärung hin noch in dritter Lesung eine entsprechende Erhöhung der Position beschlossen worden wäre Da das nicht geschehen ist, erkläre ich, daß der Einbringung eines Nachtragsetats nichts im Wege steht 9

Beim Postetat, TitelStaatssekretär" theilt

Präsident Graf Ballestrem mit, daß zu diesem Titel lick eine Anzahl Redner gemeldet hätte, die er in folgende drei Kategorien getheilt habe: 1. Redner, d,e allgemeine Bemerkungen machen wollen, 2. Redner, die über die würtcmbcrgische Postfraae unb 8. Redner, die über das Postwesen in Posen und Weilm'eußen sprechen wollen. In dieser Reihenfolge werde er das N «- theilen.

Zu diesem Titel ist folgende Resolution A i dj b i tfi . r ,Etr ) und Genossen gestellt: ®

»Den Reichskanzler zu ersuchen, das Uebereinkommen -wi­schen der Reichspostverwaltung und der würtcmbergisäien Post- verwaltung^dem Reichstag zur verfassungsmäßigen Genehmigung

Abg. Singer (Soz.) wiederholt verschiedene, bei der zweiten Lesung geäußerte Wunsche und tadelt einen Erlaß der Obcrvoit- dnektion in Posen, durch den die Beamten zu Zeichnungen für das Bismarckdenkmal in Posen aufgefordert worden seien Solche Sammlungen unter Beamten seien durchaus unstatthaft Redner bemängelt sodann, daß die Telephonistinnen eine zu lange Dienst­zeit hätteii.

Staatssekretär Kraetke: Ich bitte das Haus im Anschluk an die zweite Lesung, es bei dem Etatsansatz bezüglich der Assistenten

zwar geschah das von Seiten einiger Herren, Die über Öen Ver- dachl des Partlkutarismus erhaben find Das Wort vom preußisch- sächsischen Elsenbahntrieg kam wieder auf. Es ist Preuße» lein' schön gelungen, den Durchgangsverkehr WienBerlin und Ber­linMünchen fast ganz über Preußen zu lenken Die Reise BerlinGörlitzBreslau wird von Preußen auf dem Wege her Katheten und nicht dem Der Htzpotheiiuse geführt iHcnerkeit) Jeder, der etwas Mathematik kennt, wird wißen. wie groß der Umweg »st. Im sächsischen Landtage hat em National-Liberaler, die doch sonst milde und höflich sind, namentlich im höflichen Sachsen, sogar gesagt, das Verfahren Preußens erinnere an die schlimmsten Zeiten des heiligen römischen Reiches Da erklang die Glocke des Präsidenten, was in langer Zeit nicht vorgekommen ist. (Heiterkeit.) Wie schlimm müssen die Verhältnisse sein, wenn ein sächsischer National-Liberaler so spricht lHeiterkeit.s Gegen eine preußisch - sächsische Eifenbahngemeinschaft strauben nur Sachsen uns mit Hand. Fuß und mit ganzem Körper. Wir ver­stehen zwar den preußischen Egoismus, aber das Wort noblesse obhge verpflichtet besonders den Stärkeren. Preußen zieht 7*6 Prozent aus feinen Verkehrswegen und wird wohl dabei bleiben, wenn es auf den Bau unrentabler Wasferftraßen verzichtet sAhal links.s Sachsen bezieht aber nur 4Vi Prozent. Wenn Preußen uns entgegen kommt, wird in Sachsen Der Reichsgedanke nur noch mehr gestärkt werden.

Präsident des Reichseisenbahnamts Dr. Schulz: Ich würde es auch mit der Verfassung nicht für vereinbar halten, wenn die deutschen Bahnen erbitterte Konkurrenzkämpfe wie die amerikani­schen Bahnen mit einander führten. Aber deshalb braucht man doch nicht ganz jeden Wettbewerb auszuschließen. Denn sonst hätte man wohl von vornherein eine Finanzgemeinschaft aller deutschen Staaten eingefuhrt. Es ift auch nicht immer gesagt, daß die Güter immer Den kürzesten Weg geführt werden müssen. Die Bahnverwaltung muß vielmehr den leistungsfähigeren Weg einschlagen. Zwischen Berlin und München giebt es fünf verschie­dene Verbindungen. Wenn nicht die meisten Züge durch Sachsen gehen, fo liegt das Daran, daß die sächsischen Züge noch nicht so mit schnellfahrenden Lokomotiven ausgerüstet sind, wie die preußi­schen. So schlimm, wie Der Abg. Dr. Oertcl Die Sache hmflellt. ist sie wohl nicht.

Sächsischer Gesandter Graf von Hohenthak: Im vorigen Jahre habe ich schon gesagt, daß ein preußisch-sächsischer Eisenbahirkrieg nicht besteht. Diesen Worten habe ich nichts hmzuzufügcn, kann aber auch nichts davon weanehmen.

Abg. Graf Stolberg-Wernigerode (fonf.) konstatirt, daß in Preußen und in Norddeutschlano auf feiner (Seite die Absicht besteht, die süddeutschen Staaten zu einer Eisendahngemelnschast 'Zu zwingen.

Abg. Dr. Haffe snat.-lib): Wenn die sächsische Verwaltung nicht unterstützt werden will, fo haben wir jedenfalls keine Ur­sache, ihr unsere Gemeinschaft aufzudrängen. Ich möchte h,er den Wunsch des Verbandes reisender Kaufleute vorbringen, daß für die Beförderung der Musterkoffer der Reisenden 50 Prozent Er­mäßigung gewährt werden. Dieser Wunsch wird von 40 deutschen Handelskammern und überhaupt von den berufenen Vertretern der Kaufleute unterstützt. Nur eine einzige Handelskammer, die zu Dortmund, hat fich dagegen ausgesprochen. Ich möchte den Regierungen den Wunsch ans Herz legen.

Abg. Dr. Müller sMeiningen, freif. Vp.j ist Der Meinung, daß wir viel eher zu einer süddeutschen, als zu einer reichsdeutschen Eisenbahngemeinschaft kommen werden. Damit sei wenigstens etwas erreicht. Im Ziele sei man sich ja eigentlich einig.

Abg. Singer sSoz.) hält es nicht für gut, die durchaus noth« wendige deutsche Eisenbahngemeinschafi durch eine süddeutsche Ge­meinschaft aufzuhalten. Bezüglich der Petition des Verbandes reise,ider Kaufleute sollte man doch endlich einmal aufhören, ein­zelnen Klaffen Tarifermäßigungen zu gewähren. Im vorliegenden Falle handele es sich um die Forderung einer Ermäßigung im Interesse des Kapitals. Dieser Forderung könne er nicht zu­stimmen.

Dundesrath vorgelegt worden ist. Ich habe begründete Hoffnung, daß es möglich sein wird, den Entwurf bald nach Ostern hier sinzubringen. Die Besorgnisse, die der Vorredner an die Worte deS preußischeil Justizministers knüpfte, find, wie ich zu meiner Genugthuung feststellen kann, durchaus unbegründet. Einen Zeit­punkt, wann der Entwurf betr. Schutz der Forderungen der Bau- Handwerker eiiigebracht werden wird, kann ich aber nicht angeben und ich bitte, die Schwierigkeiten, die hier noch jetzt vorhanden find, nicht zu unterschätzen. Heber die Besetzung der Karninern für Handelssachen bin ich bereit. Erörterungen eintreten zu lassen.

Abg. Büsing (natk): Die beiden Entwürfe zum Schutz der Dauhandwerker bieten m. E. eine befriedigende Lösung nicht und können vor der Kritik nicht Stand halten. Ich wollte nur dies er­klären.

. r_*. (Pole) hält es für ungesetzlich, daß jetzt

tficlfatü polnische Namen amtlich anders gebucht werden, als sie im Geburtsregister stehen, und beklagt sich darüber, daß ein Re- gierungs -Präsident im Osten angeordnet habe, polnische Namen ahne die speziell polnischen Zeichen zu schreiben.

Abg. Beckh (Soburg, freif. Bpst begrüßt die Ausarbeitung des Entwurfs betr. Aufhebung des fliegenden Gerichtsstandes, die übrigen- im Widerspruch mit dem sonst vom Staatssekretär einge­nommenen Standpunkt stehe, wonach oer Reichstag nicht die Ini­tiative zu solchen Gesetzesarbeiten ergreifen könne.

Staatssekretär Dr. Meberding: Der Vorredner hat über­sehen, daß dem Initiativantrag des Reichstages eine Resolution gegenüber sieht, welche Die Regierungen auffordert, einen Gesetz­entwurf auszuarbeiten. Dadurch ist der Initiativantrag erledigt und die Regelung ist den verbündeten Regierungen überlassen worden, die denn auch in der Richtung vorgegangen sind.

Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antif.): Ein hessischer Richter Gcrkach hat vor Kurzem ausgesprochen, der jüdische Eid habe eine besondere Bedeutung, weil die Juden den Eid besonders heilig hielten. Damit ist der christliche Eid hinter den jüdischen geradezu zurückgesetzt. Ich habe aus Anlaß meiner letzten Rede, in der ich dies schon zur Sprache brachte, von einem Rabbiner aus Gleiwitz einen sehr entrüsteten Brief erhalten, weil ich gefagt ^te, dos mosaische Gesetz schreibe Den Ritualmord vor. Das habe ich nie gesagt und werde ich niemals sagen. Der Rabbiner beiheuert in seinem Brief auch die Heilighaltung des Eides feitens ~®.r Juden. Dabei steht statistisch fest, daß die Eidesverbrechen häufiger bei Juden als bei Christen sind. Das geht auch aus einem Artikel der Mittheilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus hervor, der ja unter der Protektion des Kollegen Rickert steht. (Heiterkeit.) Der Landrath des Plessener Kreises des Dr. Münz allen denen empfohlen, die W? des Ritualmordes glauben. Ich meine,

ihm ? b Landraths etwas gelitten haben, ich würde

Urmias mehrmonatliche Erholungsreise gönnen. bier Askussion über den Justizetat.

Ruweifen bo& Vr 0 t".ei"er persönlichen Bemerkung nach- £5? 'SL' Staatssekretär heute eine Erklärung abgegeben habe, die m,t einer früheren im Widerspruch stände.

^Präsident Gras Ballestrem: Tas ist nicht persönlich. (Hei- ich E> mi« d°r°uf. au fugen, d-ch

»riieö)""* ®rf ie"E,l"n: TaS to« persönlich. (Große Stoi^d-z ?irb b-willizt. ebenfo ebne Debatte d-r

tee 9t e i di 3 - *e h*,m-b-r U - b er w e i su n g e n, t i f Fn'b a^nm MerY' ° ®Ot M

Sn^einir fühb^Sl0 unb unter Anderem den Ge-

St r L ? meine gefammten Freunde wollen 'rneoer eine Mamlime errichtet wird Dieser Gedanke 6aietmanUflu» i^QhrPu6Meben\ ?" bct würtembergischen Kammer schwer b,e bairifrf)e Eisenbahnverwaltung

angegriffen. Ich wundere mich nur bnk hie Herren nnn süddeutschen Volkspartei nicht hier im Reichstag ihre Angriffe wiederholen. Die ganze Entwickelung der Düme treibt uns ae-

3U- etHfteitlidfjen Eisenbahnpolitik Ebenso gut wie 1 Handelspolitik und eine einheitliche Zoll- und i 13 aud) eine einheitliche Eisen- i

rin Steg6 (&ifan)ne f beUtMe «il-nbahng-mrinschast wär- ; bunAs hJ; 2ch st-S- auf einem anderen Stand-

über 'hie hMrarfe Landtage hat man auch

über die preußisch-sach,ischen Eisenbahnverhältnisse geklagt, und I

; uv bei ass ei. Dem Vcdurfmste ist Damit genügt. Ich bin bereit,

den Diainren. Die eine längere als sechsjährige Dienstzeit hinter fid) haben, hie Diäten zu erhöhen, und zwar von 4 aus 4,50, unD von 4,50 auf 5 Mart Es ist ferner Absicht der Verwaltung, in Den nächsten Jahren möglichst viele Assistenten anzustellen unb lo bas nachzuholen, was in diesem Jahre nach Lage der Verhält* Nisse unterbleiben muß. Die Reichspostverwaltung billigt Samm­lungen unter Den Beamten nicht. Als Mensch wünsche ich, daß die Sammlungen für das Denlmal des großen Kanzlers so reichlich aussallcn mögen wie möglich Als Beamter kann ich aber den Erlaß der Oberpostdirektion in Polen nicht billigen. Heber die Arbeitszeit und Besoldung Verkäuferinnen unb Telephonistin­nen werde ich Erhebungen anstellen

Staatssekretär Freiherr von Tlnelmann: Ich kann betätigen, daß auch von mir beabsichtigt wird, die Zahl der Assistcntenstellen in dem nächsten Etat so zu erhöhen, daß die Diatmzeit in Zu­kunft nicht langer als fünf Jahre Dauern wird.

Abg Dr Wicmcr (freif Vp ) hält dies Entgegenkommen der Regierungsvertretcr zwar für einen Fortschritt, aber noch nicht für genügend Die Beamten könnten immer noch entlassen werden, wahrend sie als etatsmäßige Beamten fest angestellt wären. Mit Rücksicht auf die Geschäftslage werde er jedoch jetzt auf die Stellung eines Antrags auf Vermehrung her Assistentenstellen verzichten. Redner bemängelt cs sodann, daß Beamte, die bet Der ostasiatischen Expedition als Sekretäre hmgtrt hätten, jetzt wieder zu Assistenten gemacht seien. Dies fei hoch eine unverdiente Degradirung.

Abg Werner lAntis.) befürwortet eine Aujbesserüna der Asststenten-Diaten um 75 Pf anstatt 50 Pf

Staatssekretär Krnctke erklärt eine solche Erhöhung für nicht angängig, weil dadurch ine ersten Diatare mehr bekommen würden als die angesicllten Beamten. Die Beamten der Ostasiatischen Expedition feien nur als Feldpostsekretäre ongestellt. keiner könne verlangen, daß ihm nun der Titel Sekretär verbleibe, ebenso wenig wie hie Assessoren, die in China als Auditeure jungtet hätten. Den Titel Auditeur behalten Dürften.

Abg. Schmidt-Frankfurt (Svz ) kommt wieder auf den Fall emeö. Beamten auS Frankfurt a M. zurück, der angeblich wider­rechtlich pcnsionirt sei. Direktor Wittko habe diesen Beamten für einen Querulanten erklärt, der feine Ansprüche auf Grund von Gutachten des iozialhemokrattschcn ArzteS Dr. Schreiber ausgestellt habe. Er lRednerj wisse nicht, ob Dr. Schreiber Sozialdemokrat ict. offiziell sei er es nicht. Allerdings glaube er, daß jeder ver­nünftige Mensch Sozialdemokrat werden müsse. (Großes Gelächter.»

Abg. Frhr von Waldow-Rcibenstein (fonf.) bedauert es, baß Die Postverwaltung nicht eine größere Zahl von Postassistenten etatsmaßig angestellf höbe, wie cs der Reichstag in Der zweiten Lesung in einer Resolution verlangt habe.

Nunmehr wendet Hch die Diskussion der Resolution des Cen­trums betr das Abkommenmit Würtemberg zu

Berichterstatter Frhr. von Hertling (Ctr.s. referirt über die Verhandlungen der Kommission und weist darauf hin, baß ein Antrag, ber dasselbe wolle, wie der vorliegende Antrag, in der Kom­mission abgelehn« fei.

» Durch den Antrag soll durchaus nicht

Der Inhalt des Uebcremkommens mit Würtemberg angefochten werden. ES soll nur die Frage geprüft werden, ob der Reichs- rag zu dem Abkommen seine Zustimmung zu geben hat. Die Frage hangt ab oon der Auslegung der Bestimmung der Rcichsverfassung. wonach Wu^emberg nicht zum Gebiet der Reichspostverwaltur^ gehört. Nach dem Hebereinkommen bekommt Würtemberg in Zu- lunft nicht die wirkliche Gebühr für die Beförderungen, sondern eine Pauschalsumme, die nach einem bestimmten Modus abgc- l , dadurch wird ein wichtiges Neservatrccht eines Bun- desstaates berührt, wozu die Zustimmung des Reichstages nöihia ist. DaS ijt auch die Ansicht des verstorbenen würtembergischen 2'cmljters Sarwey und anderer Staatsmänner. Ebenso hat der nat,cnal.liberale Dr. Geß in Der würtembergischen Kammer cr- ilart, er sehe in dem Abkommen eine Aenderung des würtemberai-- schen Reservatrechts Aehnlich hat sich der jetzige bairische Minister von Cro.lshcim früher geäußert. Man darf sich hier nicht auf frühere Abkommen berufen, bei denen die Zustimmung des Reichs­tages nicht emgeholt worden ist: denn damals hmidelte e§ sich nur um Den Wechsel- und Durchgangsverkehr, wobei ein Zusammen- wirken verschiedener Postverwaltungen nöthig ist. Hier aber steht der interne Verkehr innerhalb der einzelnen Postverwaltungen in ü-rage. ^as ist etwas gaiiz Neues. Sicher ist, daß in den ersten fahren nach dem Abkommen Würtemberg mehr bekommt, als es so einnchmen würde: nm diese Summe wird der Reichssäckel ge- derttch ' uuj) baju bc Genehmigung des Reichstages erfor-

Parlamentarische Berttandlnnijeu.

Aschdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

Dcutscher Reichstag.

46 4. Sitzung vom 13 März,

1 Uhr. Das Haus ist schwach besetzt.

Elm Bundesrathstisch: Dr, Nieberding u. A.

Die dritte Etatsberathung wird beim Etat des ReichSjustizamts fortgesetzt.

Abg. Baffermann InatL): Dem Bundesrath ist ber Entwurf betr. Aufhebung des fliegenden Gerichtsstandes der Preffe zuge­gangen. Ich muß meiner Befriedigung darüber Ausdruck geben, bah dieser Nothstand nun endlich beseitigt werden soll. Hoffem- lich gelangt die Vorlage nach Ostern an das Haus und wird dann nach kurzer Berathung erledigt. Dagegen hört man noch Nichts von einer definitiven Vorlage zum Schutze der Forderungen der Bauhandwcrker. Es ist das eine sehr wichtige Materie: auch der Juristentag hat sich mit der Frage beschäftigt Wie bekannt, sind zwei vorläufige Entwürfe ausgearbeitet, ich will daher im gegen­wärtigen Moment auf die einzelnen Punkte nicht eingchen. sondern nur ber Hoffnung Ausdruck geben, daß die Vorarbeiten nicht auf einen tobten Punkt gelangen, sondern eifrig gefördert werden, Leider hat sich der preußische Justizminister im Abpeordnetenhause über die Aussicht ber Vorlage sehr pessimistisch geäußert, weil sie die Bauthätigkeit erschweren würbe unb bie gegenwärtige wirth- schaftliche Lage für ein solches Gesetz nicht günstig sei. Dann noch ein Wort über die Handwerkerprozesse: diese werden augen­blicklich in den Kammern für Handelssachen von «nein Juristen und zwei Kaufleuten erledigt. Das ist ein unbefriedigender Zu­stand. Ich glaube, es wäre durchaus angebracht, daß, wenn Handwerkerprozesse vor Sonderkammern zur Entscheidung kommen, bann auch Handwerker in diesen Kammern sitzen. Ich bitte den Staatssekretär, der Frage näher zu treten, ob man hier nicht den Wünschen der Handwerkerkammern entsprechen kann.

Staatssekretär Dr. Nielierbing: Ich bestätige zunächst, daß ber Entwurf eines Gesetzes, welches bie Bestimmung hat, ben fliegenden Gerichtsstand aufzuheben, im Namen des Kaisers dem

Freitag, 14. März 1902

Gießener Anzeiger