Ausgabe 
13.12.1902 Viertes Blatt
 
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153* Jahrgang

Viertes Blatt

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Tie .Personen und ihre Handlungen sind von überzeugen-

finbeiu

Samstag 13. Dezemver 1OOS vezug»pret»r monatlich 7& IM., viertel*

der Echtheit. , ... ,

Alice Salomon: soziale Frauenpflich­ten. Fünf Vorträge, gehalten in deutschen Frauenver­einen. (Berlin. Verlag von Liebmann.) Was wir Frl. Salomon hoch anrechnen, das ist ihr warmes Herz, ihr riefes Gemüt. Bei ihren Vorträgen werden wir an em Wort des alten Mystikers David von Augsburg aus dem 13. Jahrhundert erinnert:Alle Armen, alle Siechen, alle herzlich Beschwerden, allen Jammer, der ist und war und noch künftig wird in der Welt, den sammele in Deines Herzens Spital und erbarme Dich darüber". Dabei ist die Verfasserin eine durchaus moderne Forscherin. Alle Probleme, die sie behandelt, hat sie durch und durch studiert. Tie einschlägigen Gesetze sind ihr wohl bekannt.

Was ihr darin nicht gefällt, das spricht sie offen, aus, und sie begründet ihre Anschauungen. Die National­ökonomen sollten nicht achtlos an diesem Büchlein vor­übergehen. Die Verfasserin steht mitten im praktischen Leben und hat ein offenes Mge für Schäden. Erst dann, wenn man sich entschließt, die Frauen zur gesamten Kul­turarbeit heranzuziehen, wird em wahrer Fortschritt statt­finden, das ist der Grundton der ganzen Schrift. Die fünf Kapitel handeln von sozialer Hilfsthätigkeit, Frauen in der öffentlichen Armenpflege, vom Kinder- und Ar­beiterinnenschutz, zuletzt von der Macht der Käuferinnen. Tas Buch verdient weiteste Verbreitung, die darin ver­tretenen Anschauungen verdienen ernsteste Berücksichtigung.

K i n d e r l u st, ein Jahrbuch für Knaben und Mädchen von acht bis zwölf Jahren, achter Jahrgang herausge­geben von Frida Schanz, ist ein stattliches, gediegenes Kinderbuch in schönem Buntumschlag, mit 12 farbigen Vollbildern, zahlreichen Holzschnitten nach Werken beliebter Maler und erläuternden Abbildungen. (Preis 5.50 Mk., Verlag von Velhagen u. Klasing, in Bielefeld.) Dieser Jahrgang bringt wieder Neues in Erzählungen, Märchen und Gedichten, Beschäftigungen und Unterhaltungen mit trefflichen Bildern, zumeist von ersten Künstlern, in bunter'Folge zu einem wunderhübschen Kinderbucke ver­einigt, das geeignet ist, Hellen Jubel in der Kinderwelt zu erwecken und den Beifall der Eltern und Erzieher zu

ungebrochene Kruste aus dem Boden. Unser Doot, Ruder, Kleider, alles war schneeweiß, und auf dem Boden ver­gossenes Wasser bildete sick zu weißen Kügelchen. Tao ganze Umgegend war eine entsetzliche Wüste."

Tas hatte jedoch andere Mühsal zur Folge, da wir kein > Zelt bei uns hatten, und morgens beim Erwachen mußten ! mir uns aus dem Schnee graben; aber er lieferte uns i Wasser, sodaß wir diesen nie vorher von einem Menschen , betretenen Teil der Wüste Gobi durchqueren konnten."

lieber seine Erfahrungen bei Lhassa sagte Sven Hedm: Im Sommer machte ich zwei Versuche, Lhassa zu er­reichen. Ich brach mit zwei Begleitern, vier Pferden und fünf Maultieren auf; über die Größe der Gefahr täuschten wir uns nicht. Als mongolische Pilger zogen wir ruhig dahin, ohne zu ahnen, daß die einzelnen Schäfer und Aakiäger uns scharf bewachten, und durch berittene Boren unsere Ankunft in Lhassa anzeigten. Unbehelligt näherten wir uns unserem Bestimmungsort und kamen an schwarzen Zelten vorbei, deren Bewohner argwöhnisch aber reundlich waren. So kamen wir bis auf eine Tagereise an Lhassa heran, wurden in einer dunklen Nacht aber plötzlich von bis an die Zähne bewaffneten Tibetanern umringt, die uns bei jedem Versuch, uns zu bewegen, zu töten drohten. Unter ihnen befanden sich viele Lamas und ein alter, sehr freundlicher Priester. Ich mußte meine chwarze Brille abnehmen, und sie waren sehr uberra-cht, daß ich dunkle Augen hatte, denn sie hielten mich für einen Engländer, der blaue Augen haben mußte. Nach fünf Tagen strenger Gefangenschaft kam der tibetanische Gouver­neur mit 67 hohen Würdenträgern angeritten. Sie be­standen auch darauf, daß ich Engländer wäre; der Dalai Lama hatte eine Botschaft gesandt, daß ich gut behandelt und kostenlos mit allem, was ich brauchte, versehen, aber getötet werden sollte, wenn ich weiter nach Lhassa zu kommen versuchte. Dann ließen sie uns frei, und be­gleiteten uns bis zur Grenze von Naktchu. Trotzdem machte ich von anderswoher mit meiner Karawane einen zweiten Versuch, wurde aber drei Tage vor Lhassa von 500 gut bewaffneten Reitern aufgehalten. Auch diesmal ließ meine Behandlung nichts zu wünschen übrig, und die Truppen folgten uns zehn Tage, um einen dritten Versuch zu verhindern. Ich bin überzeugt, daß kein Euro­päer, aud) nidjt verkleidet, in Lhassa eindringen wird, da die Wachsamkeit jetzt natürlich noch größer ist. . ."

Die Stätte des alten Lob Nor ist nur eine aus­getrocknete Senkung. Die Einöde ist schrecklich, man sieht , kein Zeichen organischen Lebens. Am nördlichen Ufer ent­deckte id) zerstörte Tempel und Häuser mit hohen Türmen. Ich fano vier Dörfer, in einer geraden Linie nur wenige , Meilen von einander entfernt. Da waren Ueberrefte breiter Straßen, und einige Tempel müssen, nach den Ruinen zu i schließen, sehr schöne Bauten gewesen fein. Unter den Ruinen sand ich Wagenräder, eiserne Aexte, große Thon- krüge und viele 1600 Jahre alte Manuskripte, in gewöhn­lichem Chinesisch. Die gebleichten Ueberrefte riesiger Wäl­der erhöhten noch den Eindruck der Einsamkeit. Viele tote Bäume standen aufrecht, die meisten aber lagen au der Erde. Sie waren so spröde wie Glas. Zweifellos gab es vor 1600 Jahren eine große Poststraße von Peking nach Kaschgar, wahrscheinlid) die längste der Welt."

In Osttibet entdeckte Hedin einTotes Mee r". ^,Es ist sehr ausgedehnt, aber nicht sehr tief. Ich besuhr sein Wässer in meinem kleinen zusammenlegbaren Boot bei schrecklichen Stürmen, in denen wir fast unser Leben verloren. Es enthält unglaublich viel Salz und eine

Vermischtes.

Bromberg, 11. Dez. Wie die Blätter melden, wurde in Lekno (Kreis Wongrowitz) die Frau des Arbeiters Bialecki mit ihren drei Kindern tot im Zimmer aufge­funden. Nach derOstdeutschen Rundschau" wird vermutet, daß em Giftmord vorliegt. Die Speisereste wurden be- chlagnahmt. t

* Ser tapfere Leutnant und der alte Es Eine kleine Geschichte, die den Vorzug hat, nebenbei auch wahr zu sein, hat sich, in diesen Tagen in Wien ereignet. Ein Oberleutnant und ein alter Herr in Zivil stehen auf! derElektrischen", als plötzlich der Mann im sch-var-en Rock das Gleichgewicht verliert und dein Helden im bunten Rock aus die Zehen tritt.Pardon!" auf der einen Seite, auf der anoern Seite:Könnten's eh' schpn auj- passen, alter Esel Sie!" Und nun geschieht das Unfaß­bare: Ter alte Herr hat dem jungen Oberleutnant,^ine runter". Ter greift flugs zum Säbel und hätte die That gewiß mit Blut gerochen, wenn ihm nicht andere Fahrgäste in den Arm gefallen wären. Ter zweite Mt spielt auf dem benaclcharten Polizei-Inspektorat. Der alte :oerr will zuerst sprechen und wird angeherrscht zu warten, bis man ihn frage. Als dann die Reihe zuletzt an ihn kommt, legitimiert er sich als Feld mar schall- Leutnant in Pension. , , , , , .

Eine Pariser Entführungsgeschichte wird von dort gemeldet: Tie Pariser Blätter besprechen sehr ausführlich einen Vorfall, der eigentlich rein privaten Charakter hat. Tie Tochter des früheren Senators Le Play, ein achtzehnjähriges, schönes, blondes und elegantes Mäd­chen, ist am Samstag nachmittag, als sie mit ihrer Gesell­schafterin und Freundin in der menschenleeren Avenue de. Villiers von der Musikstunde kam, von dem jungen Medi­ziner Mareile und drei seiner Bekannten auf ein bereit- stehendes Automobil gehoben und entführt worden. Tr. Mareile war mit Fräulein Le Play verlobt. Ihr Vater hatte aber die Verlobung aufgehoben. Ter ehemalige Se­nator ist der Sohn eines berühmten Oekonomisten. Die Entschwundenen wurden zuerst in Brüssel gesucht. Sie scheinen sick) aber in London zu befinden. Bisher konnte nicht konstatiert werden, ob die Entführung gegen den Willen des jungen Mädchens erfolgt ist.

* Kuriose Unterhandlungen werden zur Zeü zwischen derAllg. Fleischerzeitung" in Berlin und dem Vor­stand des dortigen Tierschutzvereins gepflogen. Der Vor­stand hatte ein Flugblatt verbreitet, in dem der Bevölkerung der vermehtte Genuß von Pferdefleisch empfohlen wird. Um ; nun zu ermitteln, ob die Herren selbst Pferdefleisch essen mögen ober bloS ihren lieben Mitmenschen den Genuß em- ' pfehlen, sandte nun dieAllg. Fieischerzeitung" an die Vor- t standsmitglieder, Regierungsrat Dr. v. Seefeld, Rechtsanwalt [ Beyer, Rentier Lernhardt und Rendant Stephan eine Em- : ladung zu einem Pferdefleischessen. Diese; Einladung nun

Von den furchtbaren Mühsalen und Gefahren feiner Reise durch Zentralasien erzählte Dr. Sven Hedin, der . jetzt in England weilt, einem Vertreter von Reuter einige j sehr interessante Einzelheiten. Während seiner drei Jahre und drei Tage dauernden Reise durch Mittelasien ist er

Jahr gänzlich von jeder Verbindung mit der Welt wgeschnitten gewesen.

Ter schwerste Teil der Expedition^, erzählte er, waren meine Erfahrungen in Tibet. Während meiner zweiten Reise von Charklik nach Ladakh, die acht Monate dauerte, verlor ich infolge der großen Höhen fast meine ganze Karawane. Selbst in den Thälern waren wir höher als aus dem Gipfel deS Montblanc. Tas bloße Atmen war schwer, und vier meiner Gefährten starben nur, weil sie nicht atmen konnten. Als wir abends zu unserem Lagerplatz tarnen, sand man zwei dieser ergebenen Be­gleiter steif und tot auf ihren Kamelen; die anderen starben allmählich von den Füßen auswärts ab, und sie waren bis zum Ende nicht bewußtlos. Diese Erfahrung war gräßlich und schmerzvoll, und die schlimmste, die ich je hatte. Ich war nicht derart angegriffen, konnte aber nicht gehen und mußte den ganzen Tag unbeweglick) im Sattel bleiben. Selbst das Auf knöpfen des Rockes be­reitete dem überarbeiteten Herzen, das buchstäblich dem Brechen nahe war, akute Schmerzen und Spannung. Auch die armen Tiere litten sehr. Von 45 Pferden verlor ich 44, und von 39 Kamelen blieben 30 auf diesen schrecklichen Höhen. Meine einzige Sid)erheit war, vom Morgen bis zum Aufschlagen des Lagers am Abend feinen Augenblick den Sattel zu verlassen. Während dieser einen tibetanischen Reise von 1000 Meilen bliesen eisige Winde uns den ganzen Tag ins Gesicht. Meine früheren Erfahrungen mit den Sandwüsten der Takhla Makan-Wüste waren schlimm, aber eher möchte ich sie zehnmal ertragen, ehe ich wieder durck; Tibet ziehe. ... Tie schwerste Wüstenreise war die von Hangikul zum Cherchen Daria. Die Entfernung betrug 180 englische Meilen, aber es war ein ungeheures Sand- meer, mit Dünen von 300 bis 400 Fuß Höhe, und wir gebrauchten drei Wochen dazu. Tie Entfernung war doppelt so groß wie bei meiner Expeditton im Jahre 1895, als ick) bis auf zwei Mann und ein Kamel meine ganze Karawane verlor. Während dieser letzten Reise fror das Quecksilber fast, das Thermometer zeigte 33 Grad unter Null, aber im ganzen war das Wetter günstig. Ich hatte nur vier muyammcdanische Begleiter, sieben Kamele unb ein Pferd bei mir, und bis auf ein Kamel tarnen wir alle durch. Natürlich trafen wir keine Seele: wir waren die ersten lebenoen Wesen, die diese Wüste durchquerten Bier Kamele waren mit Eisblöcken beladen, denn es gab tein Wasser und zwei trugen unseren Holzvorrat. Hätte das eme oder andere nachgelassen, so wären mir nicht mit dem Leben davongekommen. Meine Leute waren mutig unb waren mir überall hin gefolgt, aber als Tag um Tag die Sanbdünen höher wurden und die Kaniele bei jedem Tritt einen Fuß tief sanken, verloren meine Begleiter den Mut. Wir waren nur halb durch, als sie sagten, wir würden nie lebend herauskommen. Im geheimen teilte idi ihre Meinung, besonders, da das Eis und Holz fa t verbraucht war. Plötzlich trat ein Wechsel ein; wir waren überglücklich bei dem Herannahen schwerer Schneesturme.

Gefallene, die ehrlich für ihr und ihres Kindes Existenz ringt, zum Weibe nimmt, das ist mit psychologischer Fein­heit erzählt, und aus einemSkandal" ist so nicht nur eine höchst, reizvolle Novelle, sondern auch ein ethisches Dokument herausgeholt. Es würde uns zu weit fuhren, auf alle sieben Stücke des Buches einzugehen. WerTie von der Kohls" gelesen, der hat ein taufrisches Bild ber­gischer Waldpoesie in sich ausgenommen und wer über Tie Katzenmusik" gelacht, der weiß, wie es mit dem ber­gischen Volksbrauch des berüchtigtenRappelns" bestellt ist.

-Ter deutsche Verein für das Fortbildungsschulwesen hat gelegentlich seiner letzten Generalversammlung be­schlossen, für die jungen Leute, welche in den verschiedenen Fach- und Fortbildungsschulen als Schüler vorhanden sind, eine eigene Monatsschrift herauszugeben. Am 15. November ist bereits die erste Nummer erschienen; die Schrift trägt den TitelDer deutsche Jüngling". Mas sich der Verein als Ziel gesetzt, kommt schon in der erschienenen Nummer klar zum Ausdrucke. Tie Erzählung, welche dieselbe enthält, ist hübsch geschrieben und bietet in nicht aufdringlicher Weise kemhafte Lehren. Tas Werk erscheint im Winter- und Sommer Halbjahr je ein Bano zu fünf Heften. Der Band kostet 75 Pfg. Den buchhänoler- ijchen Vertrieb hat der Verlag von H. Herross in Witten­berg übernommen.

Martin Langen, Geben undNehmen, Schau­spiel in fünf Auszügen, geh. 2.50 Mk. Verlag Albert Langen, München. Em ernstes unb tiefes Werk ist dieses Schauspiel. In einer Reihe von knappen und mannig­fachen Bildern giebt es eine umfaftenbe Darstellung unserer Zeit unb der Frage, bie sie vor allem bewegt, ber sozialen Frage. Beide Parteien werden uns sowohl in ihren Vorzügen als Schwächen gezeigt, und auf beiden Seiten kommen die verschiedenen Alterationen in ihrer Stellung zu der einen großen weltbewegenden Frage zum Wort. So zeigt der uiajter uns mehr als nur den heute bestehenden Zustand. Lebendig tritt es uns vor Augen, baß biefer Zustand ein Ucbergang ift: Wir lernen ver­stehen, wie unsere Zeit geworden ist, unb fühlen, wohin sie, nebelhaft ! nc:b, treibt, lieber bas Schauspiel schrieb Bjc..... großes Problem toas

soziale) uno oeyandell. ^er Replitwecysel

zeugt von eimr unparteiischen und feinen Intelligenz.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger ö

iäbrhd) Mk. 2.20; durch Adkole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch die Post Aik. 2. viertel« jährt, ausschl. Bestell g. Annahme von Anzeigen für die Taqesnummer dis vormittags 10 Uhr. Zeitenpreis: lokal l2Pf* auswärt- 20 Pfg.

Verantwortlich fÜT\ den volit.u. allgem.Tetk i.B.: Fr. Hannemannr für,Stadt u. Land' unb tSerichtssaatt: Curt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

V?r. 293

Erscheint täglich außer Sonntag-.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel nut dem hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag de, Brüh l'scheu Unwers.-Buch- u.Stein- druckerel (Pietsch Erbens Redaktion, Orvebition und Druckerei:

Gchnlstraße 7.

Adresse für Deveschen: Anzeiger Gießen.

FrrnsvrrchonlchtußNr 51.

WeihnachLs-olttteratur.

Björn st jeme Björnson hat nach feinem stillen /mb tiefen DramaLaboremus", bas ber äußerlichen Bühneneffekte fast vollstänbig ermangelte, jetzt ein neues Stück,A u f Stör Hove" geschrieben, bas ebenso lies und fein, aber zugleich von pulsierendstem dramatischen Leben erfüllt ist. Die jugendliche Frische unb Kraft, bie aus biefem Werke bes halb Siebzigjährigen spricht, wirb seine Freunbe ebenso sehr begeistern, wie sie die folge- richtige Weisheit des stetig fortschreitenden Denkers zur Bewunderung hinreißen wird. Bjömson gehört nicht zu den Dichtern, bie mit einem Problem spielen. Hat er einen großen, fruchtbaren Gedanken erfaßt, so läßt er den Gedanken unb ber Gebaute ihn nicht los, bis er ihn mit strenger Logik bis an seine äußerste Grenze verfolgt hat. Sold) ein zu Ende gedachter Gedanke liegt dem neuen wuchtigen DramaAuf Stör Hove" zu Grunde. Es ist bie strenge Verurteilung ber Schädlinge in der menschlichen Gesellschaft, mögen sie noch so interessante Menschen sein, unb sich noch so genialisch geberben. Unb -war stellt Björnson in seinem Drama bas Problem von ber individuellen Gerichtsbarkeit auf: Hat em Mensch das Recht, einen anderen in den Tob zu jagen, wenn dieser Mensch die stille Arbell ber Nützlichen, bie am großen Werk bes Fortschrittes schaffen, stört? (Das Drama ist bei Alb. Langen, München, er dienen, unb kostet geh. 3 Mk., geb. 4 Mk.) . t ,,

Neu erschienen ist bei der Baebekerschen Buchhandlung in Elberfeld: Grieth, Tie von ber Kohls und anbere bergische Geschichten von Walther Schulte vom Brühl. (Geh. 2 Mk., fein geb. 3 Mk.) ^esmal hat ber bekannte Autor, von dem wir gewöhnlich einen stark- bändigenMilieu Roman" erwarten, seine lebensvolle Schilderungskuust in kleiner Münze, in einem Bande No­vellen uiib Plaudereien, ausgeprägt, eie alle fuhren uns in das bergische Milieu, in Die Heimat ber Solinger unb Remscheider Stahlwarcn, welche ber Tick)ter vor Jahren in seinem treff-ichen Kaufmannsroman:Ter Marfd)all- stab" litterarifch entdeckte unb mit Glück cinfüljrte. Mit einem liebevoll ausgemalten Klein stob ttdyll:Grieth" beginnt bas Buch. Wie ein rechter Kerl, seiner ganzen Sippe unb Dem ganzen twinstäblischtzn Vharifäertum zum Trotz, eine im Jugenddraug unb in Vertrauensseligkeit

T.'-UJKE

Drei Jahre im Innern Astens.