Zweites Blatt.
Samstag 13. September 1902
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Krupp'schen Werken, nämlich des Gruson-Werkes Magdeburg, des Gußstahlwerkes zu Essen und der Germania-Werst zu Kiel. Die vor dem Bau ausgestellten Panzerplatten zeugen m ihren Schußverletzungen von der Durchschlagskraft moderner Geschütze und welcher Widerstand diesen entgegengesetzt werden muß. Schiffs- und Festungsgeschütze, zerlegbare, aus Maultiere verpackte Gebirgsgeschütze, zahlreiche Modelle unserer , schweren Kriegsschiffe, eine 62 Mtr. lange Schiffswelle, schwere Geschosse usw. füllen den Bau im unteren Telle, während oben in übersichtlicher Weise die Wohlsahrtseinrichtungen der Krupp'schen Werke ausgestellt sind. — In dem nebenstehenden Pavillon der Köln-Rottweller Pulverfabrik sehen wir, wie wenig dazu gehört, um Tod und Verderben in Leben und Eigentum zu bringen. — Der nächste Bau birgt die Erzeugnisse der Hörder Bergwerks- und Hüttenvereins, Eisenbahnmaterial, darunter eine 74 Mtr. lange Eisenbahnschiene, mächtige Eisenträger, große Schmiedestücke, gewalzte Kesselbleche bis 24 Mtr. Länge. — Der von dem deutschen Betonverein errichtete Centaurenbrunnen, flankiert von zwei mächtigen Siegessäulen, soll stehen bleiben, um als Schmuck der neugeschaffenen Anlage zu dienen. — Der Pavillon des Bochumer Vereins birgt Schiffswellen und sonstiges Schiffsbaumaterial, Eisenbahnwagen und Lokomotiven und ein im Turm angebrachtes Glockenspiel, das viertelstündlich seine herrlichen Melodieen hören läßt. Der folgende Bau dient der Ausstellung der polygraphischen Gewerbe, Buch-und Steindruckerzeugnisse sowie der dazu ersorderlichen Maschinen in allen denkbaren Ausführungen und Größen. — Der gewaltigste, in seinem Aeußeren an den Franksurter Bahnhof erinnernde Bau nächst der Hauptindustriehalle ist die Maschinenhalle, ganz aus Eisen und Glas erbaut. Die Halle bedeckt ca. 20000 Quadratmeter Fläche, ist angefüllt mit den besten Erzeug-
Düfseldorf.
(Von unserem L.-Korrespondenten.)
Den 11. September.
Zu den schönsten Städten Deutschland gehört die im Flachlande des Niederrheins gelegene Kunst- und Industriestadt Düffeldors. Noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts eine Mittelstadt, hat sie sich im Laufe des Jahrhunderts, besonders im letzten Viertel desselben, zu einer Großstadt mit ca. 220 000 Einwohnern entwickelt; an Schönheit der Bauwerke, Straßen, Plätze und Anlagen wird sie vielleicht nur von dem, übrigens durch die landschaftlichen Reize der Umgebung begünstigteren Dresden übertroffen. Gegenwärtig ist Düsseldorf Ausstellungsstadt, und dieser Umstand, wie die Schönheit der Stadt selbst führen ihr täglich tausende von Besuchern zu, die sehen, hören und auch lernen wollen. — Das Ausstellungsgelände, das etwa 2 Kilometer in der Länge mißt und mit einem Aufwand von mehreren Millionen Mack zum Teil durch künstliche Uferauffüllung erst dem Rhein abgenommen worden mußte, lehnt sich an den Hosgarten, den größten und schönsten Park des Rheinlandes, an und wird nach Norden durch die große Rheinbrücke abgeschlossen. Die Rheinbrücke selbst stellt sich als ein Ausstellungsobjekt ersten Ranges der Gutehoffnungshütte Oberhausen dar und ist allabendlich durch tausende elektrische Lämpchen in ihren Umrissen erleuchtet, gleichwie die übrigen Hauptgebäude der Ausstellung und die Riesenfontainen, was besonders von der Mitte des, abends mit lampionsbeleuchteten Dampfern befahrenen Rheinstromes einen feenhaften Anblick gewährt. Die Ausstellungsleitung ist fortgesetzt bemüht, den Besuchern neue Ueberraschungen zu bieten durch Monstre-Konzerte der Düsseldorfer und Kölner Kavallerie-Kapellen, Feuerwerk u. dergl.
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Weidner erzielt; ihm folgen die Abgeordneten Ulrich, Molthan und Wolf. Sämtlichen Sitzungen des 31. Landtages haben
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Em englischer Feuerwerker erhielt für 12 Feuerwerksabende allein 60 000 Mk., darauf wurde das Feuerwerk einem Deutschen übertragen. Andererseits muß betont werden, daß die Leiter des Ganzen sehr gewiegte Geschäftsleute sind, die im wahrsten Sinne des Wortes „Kapital" aus dem Unternehmen schlagen wollen, und dieses Ziel zweifellos erreichen. Bereits in der ersten Septemberwoche, als der zweimillionste Besucher in Sicht war, konnte mitgeteilt werden, daß „man heraus ist", d. h. daß die Ausstellung nicht nur ohne das sonst übliche Defizit abschließt, sondern noch einen netten Ueberschuß erzielt, wenn der besonders in den letzten vier Wochen beobachtete starke Zuzug noch bis zum 20. Oktober, dem unwiderruflichen Schlußtermin, anhält. Die Einrichtung, daß auf bestimmte Nummern der Lose schon vor der Ziehung Geldprämien gesetzt werden (der Inhaber des Loses Nr. 1 000 001 erhielt z. B. am 30. August baar 1000 Mk. ausgezahlt) hat einen regen Absatz der Lose zur Folge. — Einzelne Unternehmungen werden zwar nicht auf ihre Kosten kommen, aber das beeinträchtigt finanziell nicht die gesamte Ausstellung. Schaustellungen von ftaglichem Wert hat die Ausstellungsleitung nach Möglichkeit ferngehalten und dem sogen. Vergnügungspark einen im Vergleich zur Berliner Ausstellung von 1896 recht bescheidenen Platz am Südende zugewiesen. An einem „Clou" fehlt es gänzlich, denn selbst die am meisten angestaunten Wunderwerke der niederrheinischen und westfälischen Groß-Eisenindustrie werden nach Schluß der Ausstellung der Praxis.nutzbar gemacht. Betritt man die Ausstellung durch das Haupteingangsthor, so fällt der Blick sofort auf den Palast des größten Repräsentanten deutscher Industrie: Friedr. Krupp in Essen. Dieses Stück Ausstellung soll mit einem Aufwand von 3 Mill. Mark zustande gekommen sein: -s birgt die Erzeugnisse drei
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** Hofnachrichten. Der Großherzoa, die Prinzessin LuHwig von Battenberg nebst Töchtern und Söhnen, und die Prinzessin Elisabeth begeben sich am Sonntagnachmittag mit Sonderzua nach Friedberg, um den Manövern der Großh. Hess. (25.) Division anzuwohnen; das Grvßh. Hoflager wird für die nächste Woche dorthin verlegt. Nach Ablauf der Woche gedenkt der Großherzog nach Birst ein zu reisen und am Dienstag zweitnächster Woche nach'Jagdschloß Wolfs- g art en zurückzukehren.
** P e r s o n a l i e n. E. B a st i a n, Prokurist der Bayerischen Boden-Kreditanstalt in Würzburg, wurde zum Direktor der Hypothekenbank in Darmstadt ernannt.
"Thätigkeit der Hess. Landtagsabgeordneten
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e. „Schaffner, wo ist mein Kind?!" Ms gestern abend am Bahnsteig . . des Frankfurter HauptbahnhofeS der Befehl ertönte: „Thüren schließen!" stürzte eine junge Frau, die Orangen gekauft hatte, weinend herbei: „Ähaff- ner, wo ist mein Kind?! Ich kann mein Kind nicht mehr finden!" Ter Schaffner mochte die Frau nicht richtig verstanden haben, denn er antwortete abwehrend: „Ich hob siwwe Kinner und will kans mehr." Aber aus den ÄÄrgen- fenstern rief es: „Net abfahre! Tie Fraa sucht ihr Kindche! Wo is Kindche?" — „Ich stürze mich unter die Räber, wenn der Zug abfährt!" schrie die junge Mutter. — ,^Halt! Net sterze!" brüllte da ein biederer Wetterauer. ,^Hier hinne in der Eck hob ich an Säugling gefunne! Is das Ihne Ihr Kindche, Madamche?" „Mein Kirid! Gerettet!" jitbette die Frau und ,/Se Hot ihr Kindche gefunne!" jubelten auch die Mitreisenden, und „Msahren!" schrie der Warm mü der roten Mütze.
** Weihnachtspakete für Angehörige der o st asiatischen Besatzungsbrigade haben sich die Rhedereien der Reichspostdampfer bereit erklärt, frei nach Schanghai und Tientsin zu befördern. Die Pakete (bis zu 10 Kilo) müssen der Firma Matthias Rohde u. Co. in Hamburg postfrei (auch das Bestellgeld ist bei Absendung zu bezahlen) zugesandt werden. Flüssigkeiten, entzündliche Sachen u. dergl. sind ausgeschlossen; Waffen sind gestattet, wenn eine behördliche Bescheinigung beigebracht wird, daß die Gegenstände für die deutschen Streitkräfte bestimmt sind. Die Verpackung hat recht dauerhaft zu geschehen. 'Die Adressierung hat nach folgendem Schema zu geschehen: (Absender: Friedrich Moller, München,' Karlstraße" "6^ an die Spediteure
Herrn Matthias Rohde & Co., Hamburg für den Gefreiten Eduard Moller,
2. Ostasiatisches Jnfant.-Regt., 7. Kompagnie.
Die letzten Termine für die Expedition von Hamburg aus sind der 26. September (für Tientsin und Nordchina) und der 20. Oktober (für Schanghai).
c. B ad-Nauh eim, 12. Sept. In den Jahren 1901 und 1900 war die Frequenz unseres Bades zurückgegangen, durch die vorzügliche Kur in diesem Jahre ist schon jetzt der Rückgang der beiden Sommer überwunden. Die Gesamtfrequenz betrug 1901: 19 883 und 1900: 21662, gestern, tum II. Sept., betrug die Frequenz bereits 21 713 Kurgäste. ES sind z. Z. noch 2407 Kurgäste hier anwesend und die Frequenz ist um 2485 Kurgäste hoher wie zur selben Zeit im vorigen Jahre. Tie Zahl der abgegebenen. Bäder beträgt 280 347, darunter eine große Zahl Freibäder an unbemittelte Kurgäste, die auch in der Stadt eine billige Aufnahme fanden. Unter den Kurgästen befindet sich die Herzogin von Anhalt, die in jedem Jahre hierher zur Kur kommt.
I. Nidda, 11. Sept. Die diesjährigen Manöver spielen sich in unserer nächsten Nähe ab. So fand heute in unmittelbarer Nähe von Geiß-Nidda die Verteidigung und Erstürmung des Geiß der gs statt. Das von dem 118. Regiment (Worms) zurückgeschlagene 117. (Mainz) verfolgte dieses bis an den Echzeller Wald. Für Freitag, den 12. September, vereinigen sich beide Regimenter zu gemeinsamem Vorgehen gegen die westlich und südwestlich gelegenen Gießener und Darmstädter Fußtruppen. Die Dörfer der Umgebung sind auch entsprechend stark mit Einquartierung belastet. Doch fast überall finden die Truppen gastliche Aufnahme. Manche Ortschaften sollen seit der „Franzosen- und Russenzeit" keine Soldaten beherbergt haben. Man kann sich denken, daß in diesen Orten unsere Soldaten gut ausgehoben sind. Tie Einquartierungstage sind hier wahre Festtage. Auch das freundliche Ver-
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Aus Stadt und Zand.
Gießen, 13. September 1902.
** Zur Fleischteuerung. Der Landwirtschafts- -Ninister von Podbielski eröffnete gestern mittag die Provinzialtierschau in Düsseldorf. Bei dem Frühstück dielt der Minister eine Ansprache, in der er ausführte, öaß von einer Vieh not in Deutschland, soweit Rinder und Schafe in Fraae kommen, überhaupt keine Rede sein könne. Das Anziehen der Schweinepreise sei eine vorübergehende, alljährlich im Sommer eintretende Erscheinung. Wenn diese diesmal mit besonderer Schärfe hervortrete, so tragen der Futterreichtum im Laufe des Sommers, andererseits auch die Klagen eines Teile s d er Presse über Fleischmangel, die manche Landwirte zur Zurückhaltung veranlaßte, mit Schuld daran (?). Von einer erweiterten Oeffnung der Grenze für die Einfuhr von Schweinen könne aus diesen Gründen, andererseits wegen der Seuchengefahr, keine Rede sein. — Dagegen liegen wiederum mehrere Kundgebungen vor, nach denen die Fleischteuerung immer größere Dimensionen annimmt. Aus Wiesbaden wird geschrieben: Mit der Fleischnot und Fleischteuerung hat sich auf Veranlassung des Magistrats die Schlachthaus-Deputation beschäftigt. Diese hat den Antrag gestellt, unter Hinweis auf das von ihr beschaffte Material an den Reichstag und den Bundesrat Vorstellungen zu richten, die Grenzsperre, in erster Linie für Sck)weine, aufzuheben oder mindestens zu mildern. Die Versammlung beschloß einstimmig, sich dieser Eingabe an zu s ch li e ß e n. — Die Solin g er Handelskammer hat ebenfalls in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, im Hinblick auf die jetzigen hohenFleisch - preise bei den zuständigen Reichs- und Landesbehörden geeignete Schritte zu thun, um wenigstens eine zeitweise Aufh ebung des Vieheinfuhrverbotes zu erlangen. Die Kammer ging von dem Gedanken ans, daß sie als Vertreterin der gewerblichen Interessen eines hochentwickelten Jndustriebezirkes sich nicht der Verpflichtung entziehen tonne, auch ihrerseits für baldige Behebung der gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Fleisch Versorgung ein» Autreten. Am härtesten wird durch die Fleischnot die industrielle Arbeiterschaft getroffen, die ohnehin unter dem wirtschaftlichen Niedergange das Meiste zu leiden habe, und die allgemeine Erhöhung der Fleischpreise, her- vorgerusen durch den Mangel an Schlachtvieh, sich in diesen Kreisen besonders fühlbar mache. — Aus München wird uns im Anschluß an unsere gestrige Notiz noch gemeldet: Mit Rücksicht auf die zunehmenden Klagen über den Mangel an geeignetem Schlachtvieh sind seitens bes Staatsministeriums des Inneren bereits vor einiger Zeit eingehende Erhebungen über den Stand der Fleisch- versorgung eingeleitet worden. Das Ergebnis dieser Erhebung liegt nun zum größeren Teile vor und unterliegt der erforderlichen Sichtung und Würdigung. — Die Münchener Gastwirte beschlossen vorgestern in stürmischer Versammlung, die sofortige Oeffnung der Grenze für Schlachtvieh zu verlangen. Zugleich wurde beschlossen, den Preis für den Mittagstisch in den Wirtschaften, die bisher 40 Pfg. verlangten, auf 50 Pfg. zu erhöhen. In den anderen Wirtschaften werden die Spcfte- vreise ebenfalls entsprechend erhöht. — In Berlin und Den Vororten fanden vorgestern abend 17 Protest-Versammlungen gegen die Fleischteuerung, einberusen von her Leitung der Berliner Sozialdemokraten, statt.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 8KZ
zeigsnteil: Hans Beck.
nur zwei Abgeordnete beigewohnt, nämlich die Abgeordneten Molthan und Wolf.
Tie 15. Generalversainmlung des Evangelischen Bundes findet in Hagen i. W. vom 6. bis 9. Oktober statt.
** Die prächtigsten Farbentöne weisen zur Zeit die Blätter vieler unserer Bäume und Pflanzen auf. Bis vor wenigen Wochen noch entzückte uns.das schöne, saftige Grün der Blätter; jetzt verschwindet dieser Farben- ton immer mehr, das Laub färbt sich gelb, braun und braunrot. Aber das Auge des Naturfreundes haftete auch auf diese Farbentöne bewundernd. Tas grüne Laub ist bei den meisten Bäumen verhältnismäßig früh dem Tode geweiht. Sehr interessante Untersuchungen über die durchschnittliche Entwickelungsdauer der Vegetation veröffentlicht die württembergische statistische Landesanstalt. Vom Ausschlagen bis zur Laubverfärbung verstreichen z. B- bei den Roßkastanien und den Birken 168, bei den Buchen 164 und ßei den Eichen nur 158 Tage. Die Zeit vom Ausschlagen bis zum völligen Ergrünen muß man, je nach dem Standort der Bäume, auf 8 bis 2d Tage schätzen: in vollem Grün zeigen sich also die Laubbäume nur etwa in einem Zeitraum von zwei Fünfteln des Jahres.
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Nr. 215
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamiiien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotattonsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:
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