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13.6.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 1»« Zweites Blatt. 18». Jahrgang Freitag I». Jnni 1»»»

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EM W General-Anzeiger *

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MWs

tz«rnsprechanschlußNr.51. V V zetgenteil: Hans Beck.

Die yeutige Yummer umfaßt 10 SeiLm-

Diewahren" Kouvernemcntalen.

Rechter Hand, linker Hand", alles vertauscht". Früher sprach inan in der Opposition spöttisch vomChor der Landräte", von denregierungsfrommen" Konservativen, diemit dreimaligem Hurrah" jegliche der Regierung wünschenswerte Maßregel begrüßen; früher wurde in der entgegenkommenden Parlamentsrede eines konservativen Abgeordneten die Tentzenz erblickt, sich nach oben Hili zu empfehlen, eine Ministerkandidatur aufzustellen. Heute giebt d-ie Rechte nach links diese Anspielungen reichlich zurück.Auf der linken Seite sitzen die echten Gouverne- mentalen, befinden sich die Stützen der Regierung. Dort herrscht jetzt das mehr oder minder verhüllte Sehnen, in die Regierung hineinzugelangen." So ertönt es aus der konservativen und der agrarischen Presse. DieKreuz- Ztg", die jüngst im Geiste bereits Sozialdemokraten die Hand nach Minister-Portefeuilles ausstrecken sah, ist zwar hiervon abgekommen, aber sie hält jetzt mindestens die Links-Nationalliberalen und die Führer der Freisinnigen Vereinigung für verdächtig desBuhlens" um die Gunst und die Dankbarkeit der Regierung. Man habe, so schreibt das konservative Hauptorgan, oft Dr. Barth als Minister- kandidaten genannt und dürfe sich also nicht wundern, daß er jetzt für seine Zukunft sorge . . . Fast sei das Auf­treten des Dr. Barth im Reichstag zur Unterstützung der Brüsseler Zuckerkonventiongouvernementaler Paroxis- mus" zu nennen. Malitiös spricht dieKreuzztg." von augenblicklichen" Portefeuille-Inhabern.

Das eigentliche Ziel dieser Pfeile ist weniger das gegnerische Parteilager, als das Lager der Regierung. Und eine höhere Stelle soll wohl darauf aufmerksam gemacht werden, mit welchen Hilfstruppen die Regierung ihre Er­folge erringt, und wie die erprobten Getreuen vor den Kopf gestoßen werden, die doch unentbehrlich sind zum Kampf .gegen dieUmsturzmächte". Bei den zahlreichen persönlichen Beziehungen, welche die konservativen Parla- Sentarier zu den leitenden Männern haben, gelangt der nmut über diesunnatürliche" Bundesverhältnis ge­sprächsweise noch drastischer und unverhohlener zum Aus­druck, als in der Presse. Nebenbei sucht man auch dem Zentrum, das aus seine Machtstellung stets etwas eiser- «ist, klarzumachen, daß es durch die Konkurrenz aus nken mehr und mehr seiner Bedeutung und seines Wertes für die Regierung beraubt werde. Ein solcher Hin­weis, oft wiederholt, pflegt nicht ganz ohne Wirkung zu sein.

Tie Behandlung, die zur Zeit den Agrariern von der Regierung zuteil wird, ist eine sehr verschiedene. Graf Bülow, Staatssekretär Frhr. v. Thielmann sinddes trockenen Tones satt" und bergen ihren Verdruß über die Opposition der Rechten in der Wirtschaftspolitik nicht. Staatssekretär Graf Posadowsky scheint mehr bekümmerten Herzens und möchte einen Bruch mit den Konservativen vermeiden; der preußische Landwirtschaftsminister thut, was er vermag, seinen ehemaligen Parteikollegen zum Guten zuzureden, freilich mit wenig Glück; Frhr. o. Rhein - baben endlich, der preußische Finanzminister, tritt in die Spuren Miquels, dessenSchüler" er ist. Wie weiland der 1848 er Reichsfinanzminister v. Beckerath, streut er, um mit Wilh. JordansTemiurgos" zu reden,Rosen selbst in die dürren Reichsfinanzen" und findet immer Gelegen­heit, den Agrariern etwas Angenehmes und Erfteuliches zu sagen. Wir halten Frhrn. v. Rheinbaben für den kommenden Mann", dann, wenn einmal Friede und Ver­söhnung mit den Agrariern geschlossen werden soll. Außer­dem: Frhr. v. Rheinbaben ist eine sehr energische Natur, er hat scharfe Zusammenstöße mit der äußersten Linken gehabt, was ihm nicht nur bei den konservativen Parteien Synrpathieen verschaffte. Preußische Ministerkandidaten unter den Nationalliberalen und in derFreisinnigen Bereinigung" giebt es nicht. Im Ernst zweifelt wohl auch dieKreuzztg." nicht daran, daß die leitenden Stellen nach wie vor mit Männern vonsehr gemäßigten" Anschau- ungen besetzt werden.

Die Koienvorlage im preußischen KerreuHause.

Beratung und Beschlußfassung über die geschäftliche Behandlung der Polenvorlage.

Herr v. Koscielski führt aus, die Polen seren ganz harmlose Menschen; niemand halte sie für staatsgefährlich, Erst der ministerielle Hhpnotiseur bringe den Harmlosen diesen Glauben bei. Bei einem Hundert- millionenschjwindel brauche man nicht an Paris zu denken, der preußische Finanzminister klage über die schlechte Finanzlage. Wie reime sich das zu­sammen mit der Vorlage? Und selb,ft wenn die Finanz^ läge besser wäre, gäbe es sicher eine bessere Verwendung für die vielen Millionen. Eine übermäßige Machitentfalt- ung führe zum Größenwahn, und wer diesem Uebel verfalle, komme im Krankenhaus auf dieselbe Sta­tion, auf der der preußische Staat sich jetzt befinde. Tie Polen halten fest an ihrem Programm, so schließt Redner: Sie bleiben Polen, sie lassen sich durch keine noch so feingesponnene Bemühungen verleiten, den Rechitsbvden zu verlassen, wenn auch das Märchen vom RechtMaat vor ihren Augen verschwindet. Ministerpräsident Graf Bü­low entgegnet, er habe nichts vom Magnetiseur an sick^ Tie Regierung sei genötigt gewesen, Teile des polnische Landes in sich aufzunehmen; aber Preußen könne als ein Staat, der zur Förderung deutscher Interessen und zum Schutze des 7Tuischtums berufen sei, einer fremdsprach­lichen Bevölkerung Autonomie nicht gestatten. Preußen könne nicht ruhig mit ansehen, daß die Bemühungen, die lyrf die Losreißung polnischer Landesteile von Preußen

gerichtet seien, ruhig fortgesetzt würden. Er, der Minister­präsident, werde dahin wirken, daß die Ansiedelungskom­mission praktisch in kaufmännischer Weise verfahre, und so hoffe er, daß die 250 Millionen fruchtbringend wirken würden. Es werde nicht daran gedacht, die polnischen Lands­leute zu vertreiben, aber es dürfe nicht geduldet werden, daß die Deutschen im Osten der Monarchie durch Schikanen und Boykott zum Wegzüge gezwungen würden. Auch sein, des Redners, Nachfolger werde keine andere Polenpolitik treiben könne, bis die Polen sich in loyaler Weise zum preußischen Staat stellten. (Bravo!) Oberbürgermeister Witting-Posen begrüßt die Vorlage mit Freuden, bittet aber, der polnischen Presse keine so große Bedeutung beizu­legen. Tie Polen könnten sich nicht beklagen; sie befänden sich in einem rapiden wirtschaftlichen Aufschwünge und würden von den preußischen Beamten gerecht behandelt. Das Wortbild von den Kaninchen scheine ihm, dem Redner, nicht zutreffend; die Deutschen ch Polen thäten in dieser Beziehung vollständig ihre Schuldigkeit (Heiterkeit). Nötig sei die Förderung der Volksschule, Aufbesserung der Be­amten und Hebung allgemeiner kultureller Einrichtungen.

Fürst Hatzfeld t- Drachen berg schildert die groß­polnische Agitation, die sich auch in Schlesien bemerkbar mache und der Sozialdemokratie in die Hände arbeite. (Hört, hört!) Graf Hoensbroech tritt für energische Aktionen in der Polenpolitik ein. Mit Liebe und Versöhnung predigen locke man keinen Hund vom Ofen. Ministerpräsident Graf Bülow bemerkt noch, daß auch Katholiken angesiedelt werden sollten, sobald für deutschgesinnte Seelsorger ge­sorgt sein werde. Herzog Ern st Günther zu Schles­wig-Holstein betont, man klage über den Kasten­geist in Posen; er glaube, daß dieser ein Hinder­nis in der preußischen Polenpolitik sei. Bei dem schweren Dienst der Beamten in Posen empfehle sich eine Besser­stellung und die Auswahl der tüchtigsten Kräfte. Ober­bürgermeister Delbrück-Danzig erörtert die.Berfassungs- frage und bemerkt alsdann, der Rückgang des Deutschtums in den Städten hänge hauptsächlich mit dem wirtschaftlichen Rückgänge des Mittelstandes zusammen. Tie Regierung werde hier eine schwere Aufgabe haben. Graf Droste verurteilt durchaus die großpolnische Agitation, kann aber der Vorlage nicht zustimmen, weil sie der Gerechtigkeit nicht entspreche. Wenn die Polen unrecht thäten, müsse man sie dem Strafrichter übergeben. Fürst Herbert Bis­mark bezeichnet die Energie der Polinnen als ge­fährlich, die, wenn sie deutsche Männer heirateten, für die polnische Erziehung ihrer Kinder sorgten. Der Regie­rung empfehle er den Spruch: Halte fest, daß Dir niemand Deine Krone nehme. Die Vorlage geht an eine besondere 15er Kommission, die sofort ge- wählt wird.

Komische Tagesschau.

Bismarck und Bülow.

Man schreibt uns aus Berlin, 12. Juni:

Die Auseinandersetzung zwischen dem Grafen Bülow und dem Fürsten Herbert Bismarck im Reichstag erinnert an das Wortgefecht der beiden Herren vom 19. März 1901. Auch dieses fand im Reichstag statt, galt jedoch der aus­wärtigen Politik und klang versöhnlicher aus, als das gestrige über die Wirtschaftspolitik. Fürst Bismarck führte damals den Anteil, den Deutschland an der chinesischen Frage zu nehmen habe, auf ein bescheidenes Maß zurück, und Graf Bülow gab zu, daß Ostasien niemals der Angel­punkt der deutschen Politik werden dürfe, deren Schwer­gewicht in Europa liege. Zum Sckstnß bemerkte der Sohn des Altreichskanzlers, das deutsche Volk könne sich zur Leitung der auswärtigen Politik durch den Grafen Bülow beglückwünschen, und er begab sich, um dieses Vertrauens­votum zu bekräftigen, nach Beendigung seiner Rede zum Reichskanzler, mit dem er vor versammelten Parlament herzlichen Händedruck tauschte. Gestern war das Bild ein anderes. Die Worte wurden auf beiden Seiten nicht ver­söhnlicher, sondern immer entschiedener, der Händedruck unterblieb, und den Zuschauer überkam das Gefühl, als sei eine Entfremdung zwischen den Partnern wenn nicht vorhanden, so doch zurückgeblieben. Der Auseinandersetz­ung lag allerdings die Brüsseler Zucker-Konvention zu Grunde, aber Fürst Bismarck ließ deutlich durchblicken, daß seine Kritik der Wirtschaftspolitik der Regierung überhaupt galt. Die Konservativen überschütteten geradezu den Sohn des Altreichskanzlers mit Beifall ob sie es thäten, um dem Grafen Bülow demonstrativ ihr Mißfallen zu bezeigen, oder ob sie den Fürsten Bismarck ermuntern wollten zur Uebernahme einer führenden Rolle in den im Herbst auf der ganzen Linie einsetzenden Kämpfen um den Zoll­tarif und späterhin um die Handelsverträge, läßt sich zurzeit nicht entscheiden. In taktischer Hinsicht könnte es den Konservativen wohl erwünscht sein, den Träger des Namens Bismarck an ihrer Spitze zu sehen, und es ist möglich, daß Fürst Bismarck durch den Zwischenfall min­destens in dem Entschluß bestärkt wird, bei den Neuwahlen zum Reichstag sich wieder um sein Mandat zu bewerben. Der Sohn des Altreichskanzlers gehört der konservativen Reichstagsfraktion nicht an, er zählt sich zur Gruppe derWilden".

Das Trmkgelderunweseu beschäftigte am Samstag die Münchener Abgeord­netenkammer. Den Anlaß dazu gab eine Petition des Münchener Kellnerinnenvereins, in der gebeten wurde, den Kellnerinnen des Hofbräu Hauses einen festen Lohn zu gewähren. Abg. Lerno nannte die Trink­gelder eine männliche Mode, die noch viei thö- richter als die Mode der Frauen sei. Er wies auch darauf hin, daß die Verkäuferinnen der Kon­

sektionsbranche, welche die Launen der gnädigen Frauen auszuhalten haben, niemals ein Trinkgeld be­kämen. Das Publikum habe überhaupt die Neigung, da ein Trinkgeld zu geben, wo die Gegenleistung verhältnismäßig am geringsten sei. Als ein nobler Trinkgeldgeber erwies« sich der Abg. Dr. Heim, er meinte:Zu meiner Studentew- zeit wurde man, wenn man zwei Pfennig gab, schpn al^ Lord angesehen und bei fünf Pfennig als Baron betitelt. Heute steht man mit solchen Trinkgeldern wie ein knotiger Teufel da, und es ist üblich, 1015 Pfennig zu geben, wenn man mehr genossen hat, wohl auch 20 Pfg. Dieses Unwesen steigert sich und wird nahezu Kalamität. Für einen Mann vom Mittelstände, der mit seiner Familie in eine Wirtschaft geht, ist das schon eine Auslage. Es bildet sich schon eine förmliche Taxe für die Trinkgelder heraus; 10 v. H. heißt es, soll man wenigstens geben. Dabei weiß man, daß die Mädchen keine Zahlung haben, und maax ist doch heutzutage auch Gemütsmensch." Ein Ministeriab- rat bemerkt, die Kellnerinnen des Hofbräuhauses hätten erklärt, sie seien mit ihrer Lage sehr wohl zufrieden. Dar-, auf erwidert Dr. Heim: Wenn die Kellnerinnen des Hof- bräuhauses noch mehr hätten erklären sollen, hätten sie es auch unterschrieben. Die Regierung wird doch nicht glauben, daß sie mit einer solchen Erklärung bei uns irgend welchen Eindruck hervorruft; ganz im Gegenteil! Neulich hat ein Kollege von der Mitte des Hauses gesagt, wenn unseren Staatsbeamten nahe gelegt werde, sie sollten erklären, das Wasser läuft den Berg hinauf, so seien sie bereit, zu erklären, es läuft schon wieder drüben hinunter." Der Ansbacher Realschullehrer wird durch seinen Witz und seine Schlagfertigkeit nachgerade der Schrecken der bayerischen Regierung.

Deutsches Deich.

Berlin, 12. Juni. Der Kaiser begab sich heute morgen zu Pferde vom Neuen Palais nach dem Born­stedter Felde, wo das Regiment Garde du Korps und das Leib-Huiaren-Regiment aufgestellt war. Der Besichtigung der beiden Regimenter wohnten auch die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, der österreichische General von Mauchenheim mit seinen Offizieren, drei russische Offiziere und Andere bei. Der Besichtigung folgte ein Feuer-C^erzieren, wozu das Leib-Jnsanterie-Bataillon, die Unteroffizierschule und eine Batterie der Garde-Feld-Ar­tillerie herangc'ogen war. Der Kaiser führte darauf das Regiment Gard, ou Corps nach der Stadt zurück und nahm an dem Frühstück beim Offizier-Korps des Regiments teil. Hierzu waren auch die hier weilenden österreichischen Gäste geladen, die heute vom Kaiser Ordens-Auszeichnungen er­halten haben. General von Mauchenheim wurde das Groß­kreuz des Roten Adlerordens verliehen. Heute abend traf Prinz Leopold von Bayern im Neuen Palais ein.

Nach einer Meldung aus Detmold wurde dort heute nacht dem erbgräflich Lippe-Biesterfeld'schen Paare ein Sohn geboren.

Ter Unterstaatssekretär im Finanzministerium Wirkt. Geh. Oberfinanzrat Lehmann ist nach kurzer Krankheit plötzlich gestorben. Der Verstorbene erreichte ein Alter von nur 52 Jahren. Sein Hinscheiden erfolgte eben so unerwartet wie das seines Vorgängers, des Unterstaats- sekretürs Lehnert. Ter tgeimgegangene wurde unter den­jenigen Persönlichkeiten dieser Tage genannt, die als Nach­folger des an den Abschied denkenden Eis en bahn Ministers v. Thielen in Betracht kommen. Lehmann war im Novem­ber 1901 zum Unterstaatssekretär ernannt worden. Bis 1891 gehörte er erst als Assessor.der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. und dann als Direktor dem Eisenbahn­betriebsamt in Braunschweig an. Seit April 1900 war Lehmann auch Treuhänder der Deutschen Hypothekenbank.

TerReichsanzeiger" widmet dem am 9. ds. in Koblenz verstorbenen früheren Unterstaatssekretär im Justizministerium N e b e - P f l u g st ä d t einen ausführ­lichen Nachruf, welcher das reiche Wissen, klare Urteil, die umfassende Geschäftskenntnis und die echt patriotische Haltung und milde Gesinnung des Verstorbenen hervor- yebt, die ihn hervorragend zu der ihm gestellten beson­deren Aufgabe befähigten, an der Verschmelzung der ver­schiedenen preußischen Rechtsgebiete zu einer Einheit mit­zuarbeiten. Ter Nachruf besagt weiter: An den umfassen­den gesetzgeberischen Arbeiten des Justizministeriums seit der Gründung des Reiches nahm er hervorragenden Anteil. Vier Justizministern war er ein treuer und zuverlässiger Berater, das Muster eines preußischen Beamten in selbst­loser Hingabe an seinen Beruf. Unauslöschlich ist die dank­bare Erinnerung an ihn.

Der frühere japanische Premierminister Graf Mat-- s u k a t a ist auf einer Rundreise zum Studium der Volks­wirtschaft und des Finanzwesens heute vormittag hier eingetroffen. Er stattete dem Staatssekretär des Aeußeren v. Nichtyofen einen Besuch ab. Graf Matsukata hält sich in Deutschland bis zum 21. Juni auf und begiebt sich bann zu den Krönungsfeierlichkeiten nach London. Später nach Oesterreich und Rußland.

Der englische Militär attachee in Berlin, Oberst Waters, hat sich nach London begeben, um während der Festlichkeiten anläßlich der Krönung des englischen Königs­paares den Offiziersdeputationen, welche deutsche Regi­menter zur Teilnahme an den Festlichkeiten dorthin ent­senden, als Führer zu dienen. Das englische Hofmarschchl- amt hat für die deutschen Offiziere das Hotel Belgravü- als Quartier gemietet.

Im Lieberschen Wahlkreise wird die Zen­trumspartei in die Wahlbewegung für die Kandidatur Dahlem eintreten.

Der Brüssel Korrespondent des LondonerDuily