Ausgabe 
12.6.1902 Erstes Blatt
 
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yesuch wurde ober von dem Landgericht als unbegründet zurückgewiesen. Im Mai 1898 richtete Leonhard Meisinger an das Ob crlandesgericht eine Beschwerde gegen denselben Amtsrichter wegen angeblich gesetzwid- drigenVerhaltens bei der Zeugenvernehmung. Die Beschwerde wurde von dem Präsidenten des Land­gerichts emgeheird geprüft und darnach als unbegründet abgewiesen. Außerdem erhob Leonhard Meisinger bei der Staatsanwaltschaft in Darmstadt gegen eine größere An­zahl von Zeugen, die in jb'.cm Rechtsstreite seines Vaters für diesen ungünstige Angaben gemacht hatten, Anzeige wegen Verletzung der Eidespflicht. Alle diese Anzeigen, die zum Teil erhoben wurden, als der Prozeß noch an­hängig war, wurden von der Staatsanwaltschaft sorgsam geprüft, mußten aber als grundlos zurückgewiesen werden. Meisinger beruhigte sich nicht bei den Entscheidungen der Staatsanwaltschaft, sondern führte dagegen Beschwerde an den Großh. Generalstaatsanwalt. Aber auch von dieser Stelle wurden nach Prüfung der Akten die Anzeigen für unbegründet erachtet. Wiederholt hat sich Leouh. Mei­singer beschwerdeführend auch an das Justizministerium gewendet. Dasselbe konnte jedoch nach genauester Prüfung der Beschwerden zu keinem anderen Ergebnisse wie die vor­deren Instanzen gelangen. Von einer absichtlichen Unter­drückung voll Zeugenangaben kann keine Rede sein. Da aber die Zeugenprotokolle mit großer Sorgfalt und sehr eingehend abgefaßt sind, so ist auch die Annahme ausge­schlossen, daß versehentlich ein wesentlicher Punkt bei der Protokollierung übergangen worden sein könne. Der dritte Ausschuß beantragt, der Beschwerde keine Folge zu geben.

* Eine ergötzliche Szene kam jüngst auf dem Fuldaer Bahnsteig unseres Bahnhofes vor. Kam da vom Stationsgebäude her in großer Eile eine junge Dame auf den Bahnsteig gelaufen. Einen Augenblick stand sie un­schlüssig still; dann wandte sie sich an den dienstthuenden Assistenten, der vor der eingehängten Kette stand, durch die das Ueberschreiten der Geleise verhindert werden soll, mit der Frage:Wo muß ich nach Köln einstcigen?" Ter durch Dienstgeschäfte stark in Anspruch genommene Beamte antwortete, auf den Tunneleingang zeigend,unten durch". Gehorsam bückte sich die junge Dame und kroch unter der ziemlich niedrigen Kette durch, worauf sie sich wieder aufrichtete und den Assistenten fragend ansah, seine weiteren Weisungen erwartend. Daß die kleine Szene bei den Umstehenden nicht geringe Heiterkeit hervorrief, ist selbstverständlich.

** Fleischofferte für unsere Garnison. In unserer gestrigen unter dieser Stichmarke veröffentlichten Notiz hat sich ein Druckfehler eingeschlichen, der berichtigt werden muß. Tie Metzger verlangten bei der Submission für Rindfleisch nicht 1,10, sondern 1,18 Mark.

** T i e hessische Handwerkskammer hat Mr ihre demnächst stattsindende Plenarversammlung für das nächstfolgende Rechnungsjahr einen Voranschlag zur Be­ratung aufgestellt, welcher mit 23 320 Mk. in Einnahmen und Ausgaben abschließt. Tie Einnahmen aus der Staats­kasse belaufen sich aus insgesamt 9100 Mk., und jene aus den Kreiskassen auf 11 200 Mk. An Prüfungsgebühren von den Meisterprüfungen wurden 2500 Mk. in den Voranschlag eingestellt. Man nimmt also an, daß sich mindestens 100 Handwerker und Gewerbtreibende der nächsten Meister­prüfung unterziehen würden. Als Beiträge zu den Kosten der Gesellenprüfungsausschüsse sind 775 Mk. vorgesehen. Dem Beamtenpensionsfonds sollen 2000 Mk. überwiesen werden.

w. Wißmar, 9. Juni. Die Gemeinden Wißmar und Krofdorf haben je einen Bullen zu der landw. Wcmder-Aus- stellung nach Mannheim geschickt. Von Vogelsberger Vieh waren nur 20 Tiere ausgestellt, die den Kreisen Wetzlar und Biedenkopf angehörten. Von den Tieren aus dem Kreise Wetzlar erhielt nur der von Wißmar ausgestellte Bulle in seiner Klasse den 1. Preis, während die Aussteller aus dem Hinterlandkreis mehrere Preise erzielten.

4- Krofdorf, 9. Juni. Gegenwärtig werden in den ein­zelnen Gemeinden der vereinigten Bürgermeisterei die Steuer­zettel ausgetragen. Da die Kommunalkasse hier feit einer Reihe von Jahren auch die Staatssteuern erhebt, so werden sämtliche Steuersätze den Steuerpflichtigen auf einem Steuer­zettel zugestellt. Diese hat infolgedessen eine ziemlich große Gestalt angenommen, deren Anblick allein schon Schrecken ein­jagen kann. Den Steuerpflichtigen, die Einkommensteuer zu zahlen haben, wurde diesmal zum erstenmal der Steuerzettel verschlossen zugestellt.

i. Laubach, 10. Juni. Das auf uralter Sitte beruhende Ausschuß fest fand vom 8. bis 10. d. Mts. »tatt. Am Montagvormittag bewegte sich ein Festzug, an dem sich alle Schützen beteiligten, in üblicher Weise durch die Stadt, vor­angeführt wurde von Knaben der prächtig geschmückte Hammel, der erste Preis für den besten Schuß, gestiftet von Sr. Er­laucht Graf Otto Solms, auch die übrigen Preise, da­runter ein von der Gräfln gestiftetes Kleid, wurden getragen. Als der Zug unter den munteren Weisen einer Kapelle im Schloßhofe angelangt war, brachte Schützenhaiiptmann Löber ein Hoch auf das Grafenhaus aus und lud die hohen Herr­schaften zum Feste ein. Sehr beinerl'enswert war die Ant­wort, die Graf Otto mit frischer, weithin schallender Stimme gab. Er sagte, dies Fest halte vielleicht ein Fremder, der die Verhältnisse nicht kenne, für die Laubacher Kirchweih, dies sei aber ganz anders, es sei ein lokal-patriotisches Fest; wolle man Vaterlandsliebe im Volke erhalten, so sei vor allem die Liebe zur engeren Heimat zu pflegen, und gerade dies Fest bekunde die Anhänglichkeit des Laubachers an seine Vater­stadt und seine viele Jahrhunderte alte Verbindung mit dem gräflichen Hause, deshalb ziehe auch der Zug zum Schlosse und stiftete Graf und Gräfin die ersten Preise. Ein Fremder nur könne meinen, das Schloß sei nur das erste Haus und der Graf der reichste. Aber wer die Verhältnisse und die Geschichte der Stadt kenne, wisse, daß Stadt und Grafenhaus durch eine Jahrhunderte alte Geschichte zusammengehörten. Sein Hoch galt der Stadt Laubach. Auf dem Festplatz ent­wickelte sich am Ausschußuwntag ein reges Treiben, ein rechtes Volksfest, bei dem alle Stände, von der gräflichen Familie an bis herab zu den einfachsten Leuten, sich beteiligten. Den ersten Preis gewann Kaufmann Justus. Wie üblich wurde auf ihn vor feinem Hause ein Hoch ' gebracht, während der Hammel, von kräftigen Händen gehalten, alter Sitte gemäß aus dem höchsten Fenster des Hauses schauen mußte. Von den Jugendspielen am Dienstag erwähnen wir das großx Freude und Wetteifer erregende Spiel des Hahnenschlages. Auch diesmal zeigte es sich, wie tief eingewurzelt hier dies Fest ist. Solche Volkssitten sind zu pflegen.

p. a. N i d d a, 10. Juni. Tas Fest des 25jährigen I u b i-

Universttüts Uiny r i ch ten.

Halle a. 2., 10. Juni. Wie das hiesigeVolksblatt" meldet, wurde die B i b l i o t h e k der hiesigen r u s s i s ch e n S t u d i e r e n- d e n polizeilich beschlagnahmt.

Lemberg, 10. Juni. Infolge Intervention des Reichsratsabg. Glombinski wurde der Streik der S l u d i e r e n d e n an der technischen Hochschule b e i g e l e g t.

ZandWütschast.

läums unserer freiw. Feuerwehr, verbunden mit dem 5. Kreisfeuerwehrtag des Kreises Büdingen, steht nun nahe bevor, und die umfangreicheil Vorbereitungen gehen ihrem Ende entgegen. Das Fest findet am 14., 15. und 16. Juni statt. Aus dem reichhaltigen Programm heben wir die für jedermann interessanten Uebamgen der Niddaer und verschiedener benachbarten Wehren, den Festzug, zu dem gerade die Mittagszüge rechtzeitig einlaufen, das Volksfest auf der 25 000 Quadratmeter großen Festwiese (Musik: 30 Mann starke Kapelle der Schule fiir Militärmusik in König­stein) hervor. Der Zutritt zu dem Festplatz ist sür jeder­mann vollständig frei.

Friedberg, 11. Juni. Tie Zahl der die hiesige Gewerbe-Akademie besuchenden Techniker ist in der letzten Zeit so gestiegen, daß die bisher in Gebrauch be­findlichen Räumlichkeiten des alten Augustinerklosters bei weitem nicht mehr ausreichen. Tie Stadtverordneten haben daher beschlossen, als Notbehelf bis zur Fertigstellung des projektierten großen neuen Akademie-Gebäudes auf dem Schulhofe einige Baracken als Zeichensäle zu errichten und entsprechende Beträge Mr Herstellung und Einrichtung bewilligt.

Mainz, 10. Juni. Die tödliche Verletzung, die, wie ivir berichteten, der Hausbursche Keller dem Lauerer Rech in der Sonntagnacht mit einem Messer beigebracht hat, zeugt von einem gewaltigen Stoß, mit welchem die Waffe in das Herz eingedrungen ist. Tie Wunde ist etwa 16 Zentimeter lang und klafft über 5 Zen­timeter auseinander. Nach neueren Ermittelungen hat es Keller von seinen eigenen Kindern erfahren, daß sich seine Frau mit Rech in dem Schöfferhof befände. Ms denn Keller das Zimmer betrat, wurde er zunächst von seiner Frau gesehen; diese verließ dann eilig das Zimmer und begab sich in den Hof, wohin ihr Rech nach folgte. Keller begab sich nun zurück in den Hof, wo die ersten Schimpfwörter und Drohungen fielen. Von dem Hofe aus begab sich die Gesellschaft in die kleine Schösferstraße, wo sich alsdann das Drama abspielte.

Marburg, 9. Juni. Meinungsverschiedenheiten über den projektierten Umbau unseres a l t h i st o r i s che n Rathauses zwischen dem Oberbürgermeister und dem Vizebürgermeister Siebert traten in der letzten Stadtver- ordnetensitzung hervor. Jeder hatte ein besonderes Projekt in Vorschlag gebracht. Der Oberbürgermeister will den versteckt liegenden westlichen Seitanvorbau des Rathauses niederreißen und an dieser Stelle einen Erweiterungsbau aussühren, sowie zwei Häuser an der westlichen Seite des Marktplatzes niederreißen und auf diese Weise Raum schaffen, damit die Front des erweiterten Rathauses rechst imposaust in die Erscheinung tritt. Bizebürgermeister Siebert will dagegen nur das Innere des Rathauses einem Umbau unter­werfen. Es ist zu erwarten, daß das Projekt des Ober­bürgermeisters stärkerem Widerstand begegnet, da durch seine Verwirklichfung der mittelalterliche Eindruck des Marktplatzes verändert würde.

Balduinstein, 11. Juni. Pünktlich 5 Uhr gestern Nachmittag tarn der Hofsonderzug mit der Königin Wilhelmine von Holland in Begleitung der Königm Mutter hier an. Zum Empfang der Königin war bereits am Vormittag der Fürst von Waldeck eingetroffen. Er begrüßte zunächst die Königin-Mutter und alsdann die Königin Wllhelmine, indem er beide herzlich küßte und der Königin einen Blumenstrauß überreichte. Die Königin Wilhelmine wurde aus einen Trag st uhlgehoben, richtete sich aber rasch aus und ging am Arme des Fürsten von Waldeck durch den Bal)nhos. Im offenen vierspännigen Galawagen erfolgte die Fahrt zum Schloß Schaumburg, wohin der Fürst von Waldeck mit der Be­gleitung bereits vorausgefahren war. Die Königin sah sehr gut aus, grüßte liebenswürdig nach allen Seiten und war sichtlich darüber erfreut, daß eine Anzahl Hol­länder sie hochleben ließen. Schloß Schaumburg ist festlich geschmückt. Der Prinzgemahl begleitete den Ho,zug bis Koblenz und begab sich von da nach Oesterreich zur Jagd. Er soll erst in den letzten 14 Tagen des Auf­enthaltes -der Königin Wilhelmine hier erwartet werden.

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, 12. Juni. Zu dem 50jährigen I u b i l äum des G er m a u i f d) e n Museums in Nürnberg wird Professor Erich Schmidt die Glückwünsche der Akademie der Wissenschaften nnb des Berliner Museums überbringen.

Leipzig, 9. Juni. Im Prozeß Geyger-Klinger hat auf Anordnung Klingers Justizrat Dr. Broda dem Ver­treter Geygers heute nachmittag neue V e r g l e i ch sVor­schläge unterbreitet.

Badenweiler, 11. Juni. Der Dialer Eckmann, Professor am Berliner Kunstgewerbemuseum, ist beute vormittag gestorb en. Ueber Lilingers Beethoven-Denkmal schreibt der Frank­furter Komponist Beruh. Scholz u. A. folgendes: Ich maße mir kein Urteil über den Aufbau und andere künstlerische Qualitäten des Monumentes an. Meine Frage geht einfach dahin: Entspricht Klingers Beethoven dem Bilde, welches dessen Werke in mir her- vorgerusen haben? Verkörpert es mir den Mann im Geiste und im Charakter feiner Schöpfungen? Und da muß ich antivorten: Nein! Tas ist nicht der Beethoven, der mit seinem Gott ge­rungen, bis er ihn segnete und ihm den Frieden gab, das ist nicht der Mann, der sich durch tiefstes Leid zur Verklärung durchgerungen hat, der uns im Adagio der neunten Symphonie und im Bene- dictus der großen Messe Klänge aus einer höheren Welt und überirdischen Trost brachte, der im Finale der fünften den Jubel des Siegers, des Ueberivinders aller irdischen Pein, uni) im Schlußsatz der neunten den Hymnus an die Freude, das hohe Lied der Brüderlichkeit angestimmt hat! Nein, der Beethoven, wie ihnKlinger bildete, als einen mürrischen Mann, der mit geballten Fäusten dasitzt, wie einer, der jeden, welcher ihm unbequem würde, mederschlag en möchte das ist nicht der Beethoven, wie er im Herzen seiner Jünger lebt!

Die in der AnajadHu-Moschee in Damaskus durch Professor v. Soden und Dr. Viola gefundenen sehr wert­vollen Dokumente sind vom Sultan der deutschen Botschaft über­geben worden und gehen nach Deutschland werter.

in der ganzen Baumwollzone. Insekten verursachten m Teilen von Texas, Louisiana und Georgia einigen Schaden.

Kandel und Verkehr. Uolkswirlschafl.

Hamburg, 11. Juni. DieHamb. Nachr." schreiben: General­direktor Ballin hat gelegentlich der Probefahrt des neuen Post- dampfersBlücher" in der Tischrede eine abfällige Aeußerung über die Schifffahrt-Subsidien gethan, die in einigen Blättern so dargestellt wurde, als ob Ballin sich im Besonderen geaen die deutschen Schifffahrt-Subsidien gewandt habe, während thccksächlich von Schifffahrt-Subsidien im Allgemeinen die Rede war. Auf unsere Anfrage bestätigte uns Ballin, daß sich die Aeußerung gegen die von England her drohende Ueberspannung des Systems der SchifffahLts^Subsidien richte, und hat uns zu der Erklärung er­mächtigt, daß die Aeußerung in erster Linie an die Adresse der Times" gerichtet war, welche in letzter Zeit in ihrem Deut­sch e n h a ss e soweit vorgeschritten sei, daß sie durch gröblich entstellende Mitteilungen über die Subsidien, welche die beiden großen deutschen Gesellschaften seitens der deutschen^Re­gierung genießen, in England eine Bewegung schürt, die auf die Bewilligung einer großen Subvention an die englischen Schifffahrtsgesellschaften binausläuft. Diese Angelegenheit ist seit einigen Wochen in England akut ge­worden und die Aufmerksamkeit auf die Lenkung der außer­ordentlichen Gefahr, welche damit das Schiff­fahrtsgewerbe bedroht, war die Ansicht jenerAeußerung. Die Hamburg-Amerika-Linie ist, wie übrigens hier noch einmal bemerkt sein möge, nur mit zwei Schiffen an der vom Deutschen Reiche bezahlten Postvergütung beteiligt. Es sind das die beiden ReichspostdampferHamburg" undKiautschou", welche gemein- sanr mit den Schiffen desNorddeutschen Lloyd" auf der Linie nach Ostasien verkehren. Es muß immer wieder betont werden, daß die deutsche Schifffahrt durch keinerlei Re­gierungsprämien hachgebracht wurde und gefördert wird. Sie konkurriert mit den anderen großen Schifffahrtsnationen durchaus aus der gleichen Basis der eigenen Kraft. England ist vollständig inr Jrrtmne, wenn es annimmt, durch die Subsidien- politik seine Position gegenüber Deutschland und Amerika verbessern zu können. Einer Prämreirpolckik Englands, die diesem Lande wirk­lich einen entschiedenen geschäftlichen Vorsprung geben kann, mußte seine hauptsächlichsten Konlürrenten einfach folgen. Tann wäre die englische Schifffahrt lediglich in ein ihr ungewohntes unsicheres Fahrwasser gedrängt, ohne Vorsprung zu gewinnen.

Märkte.

Simbutfl a. d. L., 11. Juni. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.75 Mk., Weißer Weizen 14.60 Mk., Korn 11.44 Alk., Gerste 9.30 Mk., Hafer 8.63 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Alk.

Gerichts saal.

Mainz, 9. Juni. Schwurgericht Der Sackträger Ph- Knopp aus Dittelsheim ist der Körperverletzung und des Todt- chlags, der Handarbeiter Hch Die tz aus Worms und der Erd­arbeiter Moritz Berg aus Soest der Körperverletzung angeklagt. Sämtliche Angeklagte sind verheiratet, wohnen in Worms und sind häufig vorbestraft, Tietz nicht weniger als 36 mal. Die Angeklagten sind, besonders der Dietz und Berg, Raufbolde der gefährlichsten Art, die in Worms allgemein gefürchtet waren. Staatsanwalt Dr. Friedrich führte aus, daß nach der Krtminalstattstik sich die Verbrechen in Rheinhessen feit den letzten 10 Jahren ungeheuer vermehrt hätten. Besonders Worms stehe allen voran, die Körper­verletzungen und Sittlichkeitsverbrechen seien an der Tagesordnung. Tas Gericht verurteilte den Knopp zu 10 Jahren 1 Monat Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust, den Dietz zu 8 Monate und den Berg zu 1 Jahre Gefängnis.

Berlin, 10. Juni. Prozeß Sanden und Genossen. In Sachen der Herren Richter und Bollmann beschließt der Ge­richtshof bei Beginn der heutigen Verhandlung, die Einwände der Verteidiger gegen die Sachverständigenqualltät der beiden Herren als unbegründet zu oerroerien. 9lach der Bekundung des Zeugen Javarrdt, der früher bei der Preußischen Hnpothekenaktienbank an- gestellt ivar, ist er im Jahre 1894 vom Kommerzienrat Sander damit betraut worden, statistische Unterlagen für eine neue Wert­schätzung der beliehenen Grundstücke zu schaffen. Er erinnere sich, daß nach seinen Ermittelungen 1£ Millionen gefehlt hätten. Es sei ihm gesagt worden, daß diese Summe durch Eession von den anderen Instituten erworben würde. Eduard Sanden bestreitet das Fehlen von 14 Millionen Mark. Die Arbeiten des Zeugen Javandt sollten nur Versuchs- und Probearbeiten darstellen. Tie Verhandlung geht nun zu den Grundstücksspekulationen über, die Eduard Sanden und Puchmüller gemeinschaftlich gemacht haben. Eduard Sanden steht bei diesem Kapitel unter der Anklage der Untreue, Puchmüller der Beihilfe dazu. Eduard Sanden bestreitet, daß der Zweck der bei den Grundstücksspekulationen vorgekom­menen Manipulationen der gewesen sei, die buchmäßige Feststellung zu unterdrücken, daß sie die Gelder ihrer eigenen Bank zu Privat- spekulationen in Anspruch nahmen. Richtig sei es, daß er uni) Puchmüller als Direktoren der Bank kein Konto bei derselben haben wollten. Von einer Verheimlichung des Sachverhalts habe keine Rede sein können. Die beiden Angeklagten werden weiter beschul­digt, daß sie die Terrainspekulationen lediglich zu ihrem eigenen Nutzen vorgenommen und sehr große Gewinne erzielt haben, während die Bank geschädigt worden sei. Eduard Sanden und Puchmüller bestreiten letzteres; ebenso werden verschiedene rech­nerische Aufstellungen der Anklage und daran geknüpfte Schluß­folgerungen von den Angeklagten als unzutreffend bestritten und behauptet, daß sie auch bei verschiedenen Grundstücken sehr große Verlliste gehabt hätten. Der Staatsanwalt hebt hervor, daß diese Verluste gegenüber dem enormen Schaden der Bank minimal sei. Die Angeklagten bestreiten hierauf auch, daß sie bei dem Spekula­tionsgeschäft sich von eigensüchtigen Motiven hätten leiten lassen. Sachverständiger Geh. Äat Hecht spricht sich eingehend über eine Reihe dieser Spekulationsgeschäfte aus, die er für unzulässig und zum Teil für pflichtwidrig erachtet. Er weist auch darauf hin, daß die Grundschuldbank nach ihren Statuten in der Regel nicht Hypotheken zur zwecken Stelle erwerben dürfte. Der Vorsitzende erörtert noch das Verfahren der Angeklagen, indem er die Ver­hältnisse von Schöneberger Grundstücken im Einzelnen mit den Angeklagten durchgeht. Morgen wird die Verhandlung fort­gesetzt.

Turin, 11. Juni. Das Gericht, verurteilte sechs Höch­st ab ler, die das Jesuitenkolleg auf raffinierter Weise um 246,000 iüre beschwindelt haben, zu Gefängnisstrafen von 5 bis 17 Jahren.

New-York, 10. Juni. Das höchste Gericht bestätigte Johann Mösts Verurteilung zu einem Jahr Gefängnis.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gleich dem Schreiber dieses wird dieser Tage mancher Gießener Geschäftsmann durch eine mit 10 Pfennigen belegte Mahnung zur Erneuerung des Gewerbepatentes bedacht worden sein. Ist der geringfügige Verlust auch zu verschmerzen, so bleibt er dennoch empsindlich und hätte vermieden werden können, wenn die betr. Steuerzettel unter der Rubrik deS 1. Fälligkeitstermines den Ver­merk trügen: Gewerbepatent erneuern! Werden alle übrigen Steuern angefordert, warum diese Art Gewerbesteuer nicht? -o-

Auf der Mannheimer Versammlung des Bundes der Landwirte erzielte der L a n d es v o r s i tz e n d e für Hessen, Fritsch, demonstrative Zustimmung mit dem Ausspruch, der deutschen Regierung sollte die deutsche Landwirtschaft wichtiger sein als die amerikanische Freundschaft. Wenn es heißt: ,/Jliebcr mit den Brotwucherern!" so antworten wir:Nieder mit den Bauern­schindern!"

New-Jork, 10. Juni. Nach dem Wochenbericht des Wetter- Bureaus ick Regen ganz allgemein von Nöten, am meisten

FBAM JOSEF

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