Ausgabe 
11.1.1902 Drittes Blatt
 
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Nr. 9

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätier viermal in der Woche beigelegt.

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Drittes Blatt.

152. Jahrgang

Samstag 11 Januar LNO8

GietzenerAnzeiger

*u' General-Anzeiger w

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich 75Pf., viertel- lährlich Mk. 2.20; durch Abhole- n. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.viertel- lährl. ausschl. Bestellg. lnnahme von Anzeigen ir die Tagesnummer vormittags 10 Uhr« aeilenptei§: lokal 12 Pf, auswärts 20 Psg. verantwortlich: ür den polit. u. allgem. Teil: P. Witiko; für Stadt und Land" und Gerichtssaal":R.D i t t- mann; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

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Ans Stadt und Zand.

(Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß, Arrz." gestattet.) Gießen, 11. Januar 1902.

** Vier Jahreszeiten. Eine schöne musikalische Unterhaltung bietet zur Zeit das Tamen-OrchesterHam- monia" (7 Damen, 3 Herren), das in denVier Jahres­zeiten" konzertiert. Aus den Programm-Nummern seien besonders die Leistungen des Virtuosen Protge hervorge­hoben. Auch an humoristischen Piecen fehlt es nicht, so daß ein Besuch der Konzerte empfohlen werden kann- (Näheres siehe im Inserat.)

** Für die Buren, insbesondere für ihre Frauen und Kinder sind bei derOrtsgruppe Gießen des All- Deutschen Verbandes" weiter eingegangen: Von Herrn Pfarrer Deichert 10 Mk. aus der Gemeinde Oppen­rod (die erste Sanrmlung ergab 32.40 Mk.); 2 Mk. aus der Gemeinde Großen-Buseck (die erste Sammlung ergab 80 Mark); von Herrn Pfarrer Gußmann 17.50 Mk. Weih­nachtsgabe seitens der Konfirmanden des Kirchspiels Kirchberg; von Herrn Lehrer H. Struch 32.60 Mk. aus der Gemeinde Ruppertenrod; von Herrn A- Kretschmar 1 Mk; von Frau S- B. hier 1 Mk.; zusammen: 64.10 Mk. Dieser Betrag ging an die Hauptsammelstelle nach Berlin ab- Der Gesamtbetrag beläuft sick) jetzt auf 2404.89 Mk. Von Berlin aus werden die Beträge durch Geistliche, Lehrer, Konsuln und andere Vertrauensmänner an die Notleidenden verteilt. Zur Linderung des furchtbaren Elends genügt die bisher zusammengebrachte Summe von co- 400 000 Mk. aber bei weitem nicht, weshalb weitere Gaben dringend erwünscht sind- Für die Ortsgruppe Gießen nimmt Herr Hof- und Universitäts-Buchhändler August Frees weitere Gaben gern in Empfang.

** F r ü h l i n g s b o t e n. Vor einigen Tagen berichteten wir, daß infolge des milden Wetters eine Fledermaus, aus ihrem Winterschlaf erwacht, lustig in der Dämmerung umherflatterte. Auch die Staare scheinen den Frühling für gekommen zu halten, des öfteren kann man sie in Feld und Wald ihre Lieder singen hären, und aus Fried­berg meldet man sogar, daß ein Pärchen eifrig in den letzten Tagen damit beschäftigt war, Material zum Nestbau Msammenzutragen. Auch sonst macht sich die milde Witterung überall in Wald und« Flur- bemerkbar. Nicht allein, daß Stachel- und Johannisbeersträucher treiben, auch im Wälde schlagen die Weiden- und Haselbüsche aus und beginnen zu blühen- So brachte man uns gestern ein blühendes, in schönstem Grün prangendes Gänseblümchen, das neben einer völlig geöffneten Blüte noch eine im Auf­blühen begriffene Knospe hatte.

t Saasen, 8. Jan. Der Holzsetzer Wagner von hier, der beim Holzaufsetzen im Walde mit dem Ein­schlagen eines Pfahles beschäftigt war, verletzte sich durch einen Axthieb erheblich, indem die Axt von dem Pfahle abglitt und ihm tief in den Fuß eindrang. Er mußte sich in ärztliche Behandlung begeben-

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Allgemeiner Deutscher Versicherungs- Verein in Stuttgart. Im Monat November 1901 wurden 1919 Schadenfälle reguliert. Davon entfielen auf die Haftpflichtversicherung 1191 Fälle und zwar 608 wegen Körperverletzung und 583 wegen Sachbeschädigung; auf die Unfallversicherung 672 Fälle, von denen 7 den sofortigen Tod und 8 eine teilweise Invalidität der Verletzten zur Folge hatten. Von den Mitgliedern der Kapitalversicher­ung für den Todesfall sind 56 in diesem Monat gestorben. Neu abgeschlossen wurden im Monat November 7284 Ver­

sicherungen. Bon den vor dem 1. September 1901 an ge­meldeten Schäden der Unfallversicherung (incl. der Todes­und Jnvaliditätsfälle) sind nur 271 noch in Behandlung.

Aus der Konkurs-Statistik. Die amtliche Sta­tistik über die im Jahre 1901 im Deutschen Reich beendeten Konkursverfahren giebt einen interessanten Aufschluß über die in Konkursen für die Gläubiger pp. entstandenen Kapital­verluste. Die Statistik berechnet die gesamten aus­gefallenen Beträge für die einzelnen Bundesstaaten wie folgt: Preußen 77 874 605 Mk., Bayern 109H1014 Mark, Sachsen 19 833 877 Mk., Württemberg 6 066 297 Mk., Baden 4 168 184 Mk., Hessen 1984 963 Mk., Mecklenburg-Schwe­rin 2 321 574 Mk., Sachsen-Weimar 799 751 Mk., Mecklen- burg-Strelitz 130 271 Mk., Oldenburg 812100 Mk., Braun­schweig 1 125168 Mk., Sachsen-Meiningen 202 643 Mk., Sacksert-Altenburg 2 823925 Mk., Sachsen-Koburg-Gotha 446 290 Mk., Anhalt 702 224 Mk., Schwarzburg-Rudolstadt 105 070 Mk., Schwarzburg-Sondershausen 63 785 Mk., Reuß ältere und jüngere Linie zusammen 639 952 Mk., Schaum- burq-Lippe 36 677 Mk., Lippe 163 021 Mk., Lübeck 339 023 Mart, Bremen 4 007 265 Mk., Hamburg 7 567 041 Mk., Elsaß- Lcthringen 3 868 714 Mark. Auffallend sind bei dieser Aufstellung die besonders hoch zu nennenden Konkurs­verluste im Königreich Sachsen, Sachsen-Altenburg und in den Hansestädten. Die nächstjährige Statistik wird für Sackisen, infolge Zusammenbruchs der Leipziger Bank und der Dresdener Kreditbank usw. ein noch bedeutend trüberes Bild entwerfen. Für Preußen, welches in dieser Statistik ein verhältnismäßig günstiges Resultat zeigt, geben die Daten freilich nur ein Durchschnittsbild von einer Reihe ganz verschiedener Gebiete. So hat allein die Provinz Brandenburg mit der Reichshauptstadt Berlin Konkurs- verlupe in Höhe von 18 216 640 Mk., also ca. 1/4 der ge­samten, auf das Königreich Preußen entfallenden Konkurs- Verluste, zu verzeichnen. Für das ganze Deutsche Reich stellen sich die in Konkursen ausgefallenen Beträge auf 147 083 761 Mark, was gegen das Vorjahr die erfreuliche Verminderung von 19 081198 Mark (11,6 Prozent) bedeutet. Sehr interessant ist die Berechnung der Konkursverluste in den einzelnen Bundesstaaten, auf den Kopf ihrer Be­völkerung. Hierbei sind wegen der enormen Höhe der Verluste besonders die Hansestädte mit Ausnahme von Lübeck und das Herzogtum Sachsen-Altenburg zu beachten. Für Berlin, wo natürlich gleichfalls eine Konzentrierung von Handel und Industrie zu berücksichtigen ist, entfallen auf den Kopf seiner Bevölkerung 5,61 Mk. Die diesbezüg- licyen Berechnungen für die einzelnen Bundesstaaten geben das nachstehende Resultat: Preußen 2,26 Mk., Bayern 1,78 Mark, Sachsen 4,72 Mk., Württemberg 2,80 Mk., Baden 2,23 Ml., Hessen 1,74 Mk., Mecklenburg-Schwerin 3,82 Mark, Sachsen-Weimar 2,20 Mk., Mecklenburg-Strelitz 1,26 Mark, Oldenburg 2,03 Mk., Braunschweig 2,40 Mk., Sachsen- Meiningen 3,19 Mk., Sachsen-Mtenburg 14,48 Mk., Sachsen- Koburg-Gotha 1,95 Mk., Anhalt 2,22 Mk., Schwarzburg- Sondcrshausen 1,30 Mk., Schwarzburg-Rudolstadt 0,69 Mk., Reuß 3,06 Mk., Schaumburg-Lippe 0,85 Mk., Lippe 1,18 Mk., Lübeck 3,52 Mk., Bremen 17,81 Mk., Hamburg 9,85 Mark, Elsaß-Lothringen 2,25 Mark.

Wteratur.

D e r n e u e d e u t s ch e Z 0 l l t a r i f" (Wien, Frehtag u. Berndt) betitelt sich eine volkstümliche graphische Dar­stellung, in der W- Berndt durch Farbendrucktafeln die wichtigestn alten und neuen Zollsätze nebeneinanderstellt; die Einfuhr und Ausfuhr, die Handelsintensitüt Deutsch­lands im Verkehr mit allen Staaten kommen ferner zur Anschauung. Eine gute Ergänzung zu diesem Heftchen bietet die in demselben Verlage erschienene KarteDer Welt­

verkehr". Wie ein Spinnennetz ziehen sich die Dampfer- linien von Erdteil zu Erdteil; rote und blaue Punkte geben uns an, in welchen Orten das Deutsche Reich bezw- Oester­reich-Ungarn ihre amtlichen Vertreter zur Unterstützung der Handeltreibenden haben- Eine interessante Nebenkarte läßt uns auf einen Blick erkennen, welche Sprachen den stolzen NamenWeltsprachen" wirklich verdienen- Tie Flaggen der bedeutendsten Staaten der Erde sind als hübscher Schmuck und interessante Zugabe zu begrüßen-

In prächtiger Gestalt ist die beliebte Familicnzeitschrift U e b e r L a n d u n d M e e r" in das neue Jahr eingetreten, dem das siebente Heft manchen fesselnden Beitrag in Wort und Bild widmet- Wir nennen die humorvolle Zeichnung Prosit Neujahr" von O- Meyer-Wegner und das doppel­seitige KunstblattDas Bohnenfest" nach dem berühmten Gemälde von Jordaens- Um zunächst bei dem künstlerischen Schmucke zu bleiben, erwähnen wir alsdann die Bilder, mit denen Hans Bohrdt, der treffliche Marinemaler, feine Schilderung einer Sturmflut auf Neuwerk begleitet, den reich illustrierten Artikel, dec die landschaftlichen Schön­heiten von Paraguay preist, und die Wiedergaben der Wandgemälde, mit denen Hugo Vogel den Sitzungssaal des sächsischen Provinziallandtages in Merseburg geschmückt hat. Im erzählenden Teil gesellen sich zu dem RomanDie Wacht am Rhein" von C- Viebig, der mit seiner dramatischen Spannung auf die Leser eine fortreißende Gewalt ausübt, die HumoreskePrinzeßchens Marotte" von Klaus Rittland und eine chinesische NovelleDas Mh- King" von M- v. Ekensteen. Erwähnt seien endlich noch die illustrierten Notizblätter, die die bemerkenswerten Er­scheinungen der Gegenwart verzeichnen- So entwickelt auch dieses neueste Heft der Famckienzeitschrift (jährlich 26 Hefte zu je 60 Pfg., Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) in Wort und Bild Vielseitigkeit und Mannigfaltigkeit-

Auf die englische Kunst und auf den englischen Ge­schmack der neueren Zeit hat niemand einen so starken/ tiefgehenden Einfluß geübt wie EdwardBurne-Jones- Wie John Ruskin durch seine Schriften die ästhetische Bildung seiner Nation in neue Bahnen geleitet, so hat auch der ihm geistesverwandte Burne-Jones seinen Lands­leuten ein neues künstlerisches Ideal geschaffen, das sie mit um so größerer Begeisterung aufnahmen, als sie darin das Spiegelbild ihres Wesens zu erkennen glaubten- Von der Nachahmung der italienischen Malerei des 15- Jahr­hunderts ausgehend, hat sich Burne-Jones, im Gegensatz zu den anderen englischen Präraffaeliten, zu einer Selbst­ständigkeit hindurchgerungen, die auch in Deutschland die höchste Achtung vor seiner vornehmen, ganz im Seelenleben wurzelnden Kunst hervorgerufen hat- In wie hohem Grade er dieser Schätzung auch außerhalb Englands wert ist, lernen wir erst aus einer soeben erschienenen Biographie des Meisters von dem in London lebenden, mit der mo­dernen englischen Kunst innig vertrauten Kunstschriftsteller O- v. Schleinitz kennen, die den 55. Band der be­liebten, von H- Knackfuß herausgegebenen Künstler- Monographien (Brelefeld und Leipzig, Velhagen u- Klasing, Preis 4 Mk.) bildet. In 113 Abbildungen nach Gemälden und Zeichnungen wird uns der größte und jeden­falls auch am meisten charakteristische Teil eines künst­lerischen Lebenswerkes vorgeführt, dessen gewaltiger Um­fang bisher nur den nahen Freunden des Meisters be­kannt war- Eine ungewöhnliche reiche Phantasie ist hier mit einer Gestaltungskraft gepaart, die auch der Lösung der kühnsten Aufgaben gerecht geworden ist.

Bei Katarrh, Husten, rauhem Halse, .Heiserkeit, Verschleimung.

lOjähr.überrasch.Erfolged.Apothekcr Albrechts Aepfelsäurc-Paftillen. In d Apotheken u. bess. Trog, a 80 Pfg. Haupt-Depots: Kirfch- u.Aniversitäts-Apotheüe, Drog. Hust. Herhard.

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em dessen

Htaudercien aus der Kaiserstadt.

(Nachdruck verboten.)

Zur Geschichte des Schauspielhauses. Außenstudien, auch am Opernhause. Der stille Goethebnnd. Karneval in Berlin.

Das Königliche Schauspielhaus am Gendarmen­markt wäre in diesen Tagen just hundert Jahre alt ge-

Marum sollen denn die alle verkauft werden?" Sein kleiner Verstandskasten hatte die Vorstellung gefaßt, daß er hier eine Ausstellung zum Zwecke der Veräußerung an Liebhaber oder vielleicht denkmalsbedürftige Provinzstädte vor sich habe.

Die Kun st rede des Kaisers, die dieser nach Vollendung der Siegesallee den Bildhauern gehalten, wollte derGoethebund" unter Sudermanns Führung zum Ausgangspunkte großer Versammlungen machen, um Stellung für oder wider die darin betonten Kunst-An­schauungen zu nehmen- Schließlich scheint man sich die Sache jedoch anders überlegt zu haben; denn es dringt nichts mehr darüber an die Oeffentlichkeit- Nack)dem der Goethebund" so ausgiebig geschwiegen, als es Zeit war, die Rechte der deutschen Schriftsteller bei den verflossenen Reichstagsverhandlungen über die Verlagsgesetze zu wahren, braucht er sich allerdings um eine Frage, die durch die beabsichtigt gewesenen Versammlungen auch nicht gelöst wer­den konnte, nicht in Unkosten zu stürzen-

Berlin hat momentan auch Lustigeres im Kopf- Die Narren rüsten an allen Ecken und Enden zum Berliner Kar­neval. Freilich, es ist nur ein nüchterner Weißbier-Karne­val, der gegen die übersprudelnde Lust des Südens recht dürftig wirkt und gegen den rheinischen Uebermut erst recht nicht ankommt- Aber hier und dort findet Der närrische Prinz doch eine fidele Gemeinde, die über eine kräftige Dosis .Humor verfügt! Sind doch Rheinländer die Hülle und Fülle in Berlin- Auch Wolzogen, der unter­nehmende Ueberbrettler, plant etwas auf diesem Gebiete. Er will Münchener Karnevalsfreuden in seinemBunten Theater«" heimisch machen- Ter Raum wäre auch gar nicht übel dazu. Aber die Köpenicker Straße ist weit, vielleicht zu weit für das karnevalsfreudige Publikum, das für den bloßen Eintritt ein Zehnmarkstück opfert- A. R.

worden, wenn nicht schon 1817 Feuersflammen es ver­nichtet hätten. Zu einem richtigen Jubiläum war also noch keine Veranlassung; denn das heutige Haus ist erst am 26. Mai 1821 mit einem Prolog von Goethe,^' /Iphigenie" und ein Ballet eines Mj

/^Iphigenie" und ein Ballet eines Prinzen von MecklenburgD i e R 0 senfe e" folgten, eröffnet worden- Der Fremde betrachtet mit hohem Genuß den herrlichen Platz, auf dem diese berühmte Schmkelsche Schöpfung, vom Deutschen und französischen Dom" flankiert, steht. Denn der äußere Eindruck der architektonischen Wirkung ist ent­schieden gewaltig, zumal die Hauptfassade, die nach Osten liegt, befriedigt, solange man nicht hineingegangen ist zu seinem Plätzchen im zweiten oder dritten Rang- Tie große, weitvorspringende Freitreppe, die zu der von sechs jonischen Säulen getragenen Portika führt, sieht ebenso vornehm wie praktisch aus- Und der Schmuck des Giebelfeldes darüber, sowie die verschiedenen Greffen, Panther, Tichterrosse rc. auf bem First geben eine prächtige Silhouette- Wehe aber, wenn man bei ausverkauftem Hause hmein muß in den großen griechischen Tempel! Tie Eingänge sind nämlich unter der großen, breiten Treppe, tue einen ungeheuer­lichen Platz fortnimmt, sonst aber keinen ersichtlichen Zweck weiter hat-' Im achtzehnten Jahrhundert stand an der Stelle des heutigen Schauspielhauses dasFranzösische Hof­theater", in dem fast ausschließlich französische Truppen itzre Stücke aufführten- Demnächst wird Coguelin, der

I berühmteste Schauspieler des heutigen Paris, an derselben 1 Stelle ausnahmsweise zum Wort kommen, wo seine Lands­leute ehemals die unbestrittenen Herrscher waren- Erst Jfflands Regiment bringt den Uebergang zumNatio­naltheater", wie das Schauspielhaus zu Anfang des vorigen Jahrhunderts genannt wurde- Daß es auch einer der be­rühmtesten Opern unseres Musiffchatzes zur allerersten Aufführung verhalfen hat, verdient in seiner Geschichte wohl erwähnt zu werden- Am 18. Juni 1821 erlebte darin WebersFreischütz" seine Premiöre vor einem ausver­kauften Hause unter Anwesenheit mancher Berühmtheiten, u- a. E. Z. A. Hoffmanns, des Verfassers der un­heimlichen Geistergeschichten, R e l l st a b s, Heinrich Heines usw- Es war das eigentlich der Tag, an dem in diesem Nationaltheater" erst wirtlich der Sieg der deutschen Kunst errungen wurde- Denn wenn auch die Franzosen Abschied von Berlin genommen hatten, so machten sich die Italiener um ihren allmächtigen Meister Spontini herum um so breiter-

Die Lagerräume für die Bühnen-Ausstattung sind, nebenbei kwmertt, beim Opernhaus ebenso unpraktisch untergebracht wie im Schauspielhaus- Wenigstens ist es nur dadurch erklärlich, daß man bei beiden Häusern, wenn man näher herankommt, so viele vorhanglose, halbblinde Fenster sieht, die Einblicke in wahre Rumpelkammern ge­währen- Die Bemerkung aus Kindermund ist gar nicht so übel, die eine naive Parellele zwischen dem neuen Mar- stall und dem kurz zuvor besichtigten Schauspielhaus zieht- Die Pferde haben es gut!" sagt die Kleine-Die haben so feine rote Gardinen- Warum haben die Schauspieler denn keine?"

Drollia berührte mich auch die Benterkung eines nied­lichen Bürstchens von außerhalb, das beim Anblick der Denkmalsreihen der .Siegesallee erstaunt fragte: