Nr. 290
Erscheint täglich außer Sonntag«.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Lietzener Familien- blätter viermal in der
Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl 'schen Unioers.-Buch- u.Stein- druckere, (Pietich Erbens Redaktion, Eroedittoa und Druckerei:
Schulftratze 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Sieben.
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152. Jahrgang
Erstes Blatt.
GietzeimAnzeiger
''J' General-Anzeiger w **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
vezu gdpretsr monatlich 7bPi., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost A!t.2.— viertel- jährt. auSschl. Vestellg. Annahme von Anzeigen lür die Tagesnummer bt« vormittag« 10 Uhr. ZeilenvreiS: lokal 12Ps^ auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich für den volil. u. allgern. Teil t.V.. Fr.Hannemann; für,Stadt u. Land' und „Kcrichtssaal': Curt Plato; für den Anzeigenteil : Han« Beck.
Bekanntmachung.
GS wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 deS Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Ausschlages von Fünf vom Hundert, pro Monat November 1902 für den LieferungSverband Gießen pro 100 Kg. betragen:
Hafer Mk. 16.90, Heu Mk. 7.20, Stroh Mk. 5.30.
Gießen, am 9. Dezember 1902.
Großherzogliches Kreisamt Gießen- _______________________Dr. Breidert.________________________
Bekanntmachung.
Betr.: Milzbrand.
Der Milzbrand in dem Gehöft des Wilhelm Jung V. in Klein- Linden ist erloschen. Die Stallsperre ist auf- gehoben.
Gießen, den 8. Dezember 1902.
Großherzoglicg - Äreisamt Gießen-
Dr. B r e i d e r t.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Ausführung der Gewerbeordnung.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß auf Grund de? Ortsstatuts vom 27. Juni 1892 am 7., 14. und 21. Dezember l. IS., als den drei Sonntagen vor Weihnachten, die Beschäftigungszeit der Handlungsgehilfen rc. und die Verkaufszeit für das gesamte Handelsgewerbe bis 7 Uhr abends ausgedehnt werden kann.
Ferner wird zur Kenntnis der Jntereffenten gebracht, daß in Ausführung des ReichSgeseheS über die Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900 die Vorschriften über die Mindestruhezeit und Mittagspause der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe keine Anwendung zu finden haben und die Läden und offenen Verkaufsstellen bis abends 10 Uhr offengehalten werden dürfen an folgenden Wochentagen vor Weihnachten: 9. bis 13., 15. bis 20., 22. bis 24. Dezember, sowie am Tage vor Neujahr: Mittwoch den 31. Dezember l. Js.
Gießen, den 30. November 1902.
Großherzogliches "rolizeiamt Gießen.
Hechler.
Ariefe Kaiser W löelms 1.
„Neue Briefe von Kaiser Wilhelm I." veröffentlicht die -Gartenlaube". Wir geben die nachfolgenden Briefe wieder:
Ihrer Durchlaucht der Fürstin Bismarck, Berlin, 1. 4. 74. Nicht wissend, ob der Fürst gerade heute im Stande ist, ohne Aufregung Briefe zu lesen, so sende ich Ihnen, gnädige Fürstin, durch diese Zeilen meine innigsten Wünsche zum Geburtstage Ihres Gemahls, die siezu aelegentlicher Stunde ihm aussprechen wollen. Diese Wünsche können ja nur auf schnelle und dauernde Herstellung gerichtet sein, damit dem Vaterland und mir recht bald die schöpfende und festigende Thätigkeit wiedergegeben werde, dessen Mangel nur zu sehr in dieser Mnterperiode nach allen Richtungen
(fühlbar war) und gar Manches unerwünschte Vorfällen (ließ)! Diese Genesungs-Wünsche können auch Ihnen und Ihrer Familie ja nur das Liebste sein, was wir vom Himmel erflehen! Ihr treu ergebener Wilhelm.
Seiner Durchlaucht dem Fürsten Bismarck. Berlin, 4. 5. 78. Wahrend ich von Tag zu Tag hoffen konnte, Sie %u- rückkehren zu sehen, ist Ihr Unwohlsein so stöhrend ein» getreten, daß ich wohl noch länger auf Ihr Eintreffen leider verzichten muß! Denn daß Sie sich schonen, in Geduld tragen, was die Krankheit verlangt und was ich vor Allem selbst verlangen muß, ist so überaus nothwendig, damit Sie gekräftigt und gesundend, mir und dem Lande Ihre Kräfte wieder ganz widmen können. Bei der treuen Pflege und erprobtem Aerztlichen Beistände, welche Sie umgeben, hoffe ich bald gute Nachricht von Ihrem Befinden zu erhalten'! Das erflehe ich von Gott der Sie mir zur Seite gestellt hat, und dadurch eine Zeit schuf wie sie Preußen noch nie sah! Mit niemals erlöschender Dankbarkeit Ihr Wilhelm.
Ihrer Durchlaucht der Fürstin Bismarck in Berlin, hiebei 'e»in Päckchen, sig: Ftin: B. Eoblenz, zum 6t. Nov. 1878. Sie betreten heute, gnädigste Fürstin, eine Feier und Festtag, der meine ganze Theilnahme in Anspruch nimmt, und weshalb ich Sie ersuche, dieselbe Ihrer Tochter aussprechen zu wollen. Jcb fasse sie in dem Wunsche zusammen, daß sie einer zufriedenstellenden Zukunft entgegen gehen mögen, ein Wunsch, den alle wohlmeinenden Herzen tbeilen müssen, die dem Lebenslauf der Gräfin gefolgt sind.!! Gewiß wäre es mir vergönnt worden, dem TrauunaS-Akte beizuwohnen, wenn ich in Berlin anwesend hätte sein können, um Ihnen und der ganzen Familie meine Gefühle bei dieser schönen Feier mündlich auszusprechen und Ihnen und der Braut ein Andenken auszuhändigen, was ich hiermit nun auf diesem Wege zu thun erlauben darf. Möge der Name auf dem Armband, welches ich Sie von mir anzunehmen bitte, Ihnen beweisen, daß ich aus Erfahrung weiß, welche Gefühle der Eltern Herz ergreifen, wenn man die einzige Tochter scheiden flehet! Die Zweige auf dem A-rmband für Komtesse Marie sollen Myrtenzweige vorstellen u. sprechen daher für sich selbst! Mit den Gefühlen der treuesten Verehrung verbleibe gnädige Fürstin Ihr treu ergebener Wilhelm.
An den Fürsten Bismarck schreibt der Kaiser einen Brief vom 6. Februar 1888:
Unmöglich kann ich den heutigen Ehren u. Friedlichen- Siegestag vergehen lassen, ohne Ihnen u. mir Glück- (und) Dankes-Wunsch zum heutigen Reichs Tags Ereigniß, ans- zusprechen, der in seiner Erscheinung und Wichtigkeit, einzig dastehet, da alle Partheiung verschwand, und Ihnen den allgemein anerkannten Ruhm zollte!
Möge nur Ihre Gesundheit von der zu großen Leistung nicht leiden!!
Ihr .
Den 6. 2. 88. dankbarer König
10 Uhr Aibds. Wilhelm.
Volitilche Tagrsschau.
Der bedingte Strafaufschub in Hessen.
Das neueste Regierungsblatt veröffentlicht folgende landesherrliche Verordnung, die Handhabung des bedingten Strafaufschubs betreffend:
Ernst Ludwig von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc. rc.
Nachdem Wir cs für zweckmäßig befunden haben, die Handhabung deS bedingten Strafaufschubs einer einheitlichen Regelung zu unterwerfen, haben Wir verordnet und verordnen, wie folgt:
§ 1. Das Ministerium der Justiz wird ermächtigt, solchen zu Freiheitsstrafen gerichtlich verurteilten Personen, hinsichtlich welcher bei guter Führung während einer in jedem einzelnen Falle festzusetzenden Frist (Bewährungsfrist) eine Begnadigung in Aussicht genommen werben kann, Strafaufschub zu gewähren (bedingter Strafaufschub).
§ 2. Von dem bedingten Strafaufschub soll vorzugsweise zu Gunsten solcher verurteilten Personen Gebrauch gemacht werden, welche zur Zeit der That das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hatten.
§ 3. Gegenüber Personen, die früher bereits zu Freiheitsstrafe verrteilt worden sind oder die Strafe ganz oder teilweise verbüßt haben, soll der bedingte Strafaufschub nur in besonderen Fällen Platz greifen.
§ 4. Die Höhe der erkannten Freiheitsstrafe soll die Gewährung des bedingten Strafaufschubs nicht grundsätzlich ausschließen.
§ 5. Ueber die Bewilligung des bedingten Strafaufschub- ist eine Aeußerung des erkennenden Gerichts k>erberzuführen. Ist die Verurteilung durch ein Schöffengericht erfolgt, so genügt die Aeußerung des Vorsitzenden des Schöffengerichts.
§ 6. Die Bewährungsfrist (§ 1) soll auf weniger als die Dauer der Verjährungsfrist, und zwar bei Strafen, die in zwei Jahren verjähren, mindestens auf ein Jahr, bei Strafen, die einer längeren Verjährung unterliegen, auf mindestens zwei Jahre bemessen werden.
§ 7. Nach Ablauf der Belvährungsfrist hat das Mini, sterium der Justiz zu prüfen, ob der Verurteilte zu begnadigen ist.
Erscheint der Fall als zur Begnadigung geeignet, so ist dieselbe nach den bestehenden Vorschriften herbeizuführen.
§ 8. Die gegenwärtige Verordnung tritt mit dem 1. Januar 1903 in Kraft.
Das Ministerium der Justiz wird beauftragt, die zur Ausführung dieser Verordnung erforderlichen Anweisungen zu erlassen.
Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und bei* gedrückten Großherzoglichen Siegels.
Darmstadt, den 3. Dezember 1902.
(L. S.) Ernst Ludwig.
Dittmar^
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 10. Dezember 1902.
Gedenket der hungernden Vögel!
•* G edenktage. Am 10. Dezember 1889 starb Ludwig Anzengruber, einer der hervorragendsten deutsch- österreichischen Dramatiker. Zuerst erregte er 1870 Aufsehen mit dem „Pfarrer von Kirchfeld", dem „Der Meineidbauer" und viele andere Dramen folgten. Von den Romanen ist namentlich „Der Sternsteinhof' zu erwähnen. Anzengruber ift Realist stark volkstümlicher Art. Seine Stoffe sind dem mittelösterreichischen Bauernleben entlehnt.
an der Berliner akademischen Hochschule für bildende Künste der Menzel-Preis zur Verleihung. Er wurde dem Maler Hermann Albrecht zu Zerbst, einem Akademie-Schüler deS Direktors Adolf v. Werner zuerkannt. Der Preis beträgt rund 5400 Mark.
„M ichelang eloundRolla" betitelt sich eine neue Oper von Crescenzo Buongiorno, die zur ersten Aufführung von dem Königl. Theater in Cassel soeben erworben wurde. Die Oper, deren Text nach C. Lgfonts Drama von Ferd. Stiatti bearbeitet ist, erscheint im Musikverlag I. Schuberth L Co., Leipzig. Erst nach der Aufführung Ende Januar in Cassel geht die Oper in Italien Anfang Februar in Szene.
Arthur Fitger, der Bremer Maler-Dichter, boft endete kürzlich ein Drama, das er eben einigen Freunden vorgelesen hat. Der Stoff soll Verwandtschaft mit Maeterlincks „Monna Vanna" haben.
Mascagni's Leiden in Ameri k a. Aus Newyovt 8. Dez., wird berichtet: Mascagni kehrte aus Massachusetts hierher zurück und verlangte 50 Polizisten, unter deren Schutz er ein Konzert dirigierte. Er befürchtete Belästigungen durch die Musiker-Union.
Der arme Heinrich, Gerhart Hauptmanns Drama aus der deutschen Sage, sand, wie man uns aus Berlin meldet, bei der Erstaufführung im Deutschen Theater daselbst eine äußerst beifällige Aufnahme. Unzählige Male mußte der Autor vor den jubelnden Zuschauern ericheinen.
Das teuerste litterarische Werk, das bis jetzt geschrieben worden ist, ist die „Amtliche Geschichte des Sezessionskrieges, die auf Deranlassung der Regierung der Vereinigten Staaten verfaßt und im Februar d. I. beendet worden ist. Man hat dafür 11200 000 Mark ausgegeben. Das Werk umfaßt 110 Bände. Den größten Teil der Kosten brauchte man für den Ankauf von Dokumenten, die sich in den Händen von Privatpersonen befanden, für da? Druckpapier, das von großem Werte ist, uni>_ für Schriftsiellerhonorare. — Tas umfangreichste litterarische Werk der Welt befindet iich im British Museum in London. Es zählt 5020 Bände. Sie umfassen das Studium des Himmels, d"r Erde, be$ Menschen, der Natur, der Geschichte, der Philosophie us'V. Geschrieben wurden sie unter der Regierung des chinesischen Kaisers Kang-hi, von 1662 bis 1722.
Die Wirkung der Kälte auf das Seelenlevcn.
Ueber die Einwirkung, welche Kälte und Wärme auf das Seelenleben des Menschen auSüben, giebt ein Artikel in der „Köln. Ztg." folgenden Aufschluß: Bei Kälte vermindert sich die automatische Regsamkeit unserer Sinnesorgane und demzufolge die Anzahl aktueller sinnlicher Eindrücke und kleiner Erlebnisse. Dies bewirkt naturgemäß auch eine geminderte geistige Arbeit, um die Empfindungen und Vorstellungen in Beziehung zu unserm bisherigen seelischen Besitz au bringen. Besonders auffällig ist die Minderung oct Geruchsreize. Anderseits treten unter dem Einflüsse heftiger Külte bei sehr feinfühligen Personen Vorsteflungsverbindungen auf, die von einer Berührung mit Eisen und anderen Metallen mit Steinwänden, Glas und Porzeflan, mit polierten Flächen usw. abhalten, dagegen eine Berührung mit Holz, Stroh, Tuch stoffen u. dgl. Erstreben oder wenigstens nicht scheuen; ferner kommt das Spitze, Scharfe, Rauhe, Glatte, Holprige usw. bei starker Kälte viel bestimmter zum Bewußtsein und erzeugt Vorempfindungen der Berührung; man denke z. B. die spitzen Stäbe eines Eisengeländers, die scharfe Schneide eines Fleischermessers, die Stacheln des entblätterten Rosenstrauches, die glatte Fläche der Eidbahn, die Unregelmäßigkeiten des gefrorenen Erdbodens. Die Kälte verengt die Mutgefäße und verhindert somit, daß die Organe von einer größeren Blutmenge durchflossen werden, sie hemmt den Dtemrytbmus und sie ruft ein Muskelzittern hervor, das in jedem Augenblick neue Muskelstellungen mit sich bringt. Damit ift ein wesentliches Hindernis für das ruhige Erzeugen und Festhalten der Vorstellungen gegeben. Der Frierende ist der Arbeit mit genauen Vorstellungen abgeneigt, er berücksichtigt vornehmlich die sich unmittelbar aufdrängenden Reize und gelangt nicht zu einer ausgiebigen Verknüpfung der Reize mit solchen anderer Sinnesgebiete und der Gesamtheit seiner früheren Erfahrungen. Der Frierende unterläßt i. B. beim Wahrnehmen der verschiedenen Geräusche von ber Straße her sich die zugehörigen Gesichtsbilder zu vergegenwärtigen, beim Anblick der uns bekannten Bücher im kalten Dioliothek'zimmer denken wir nicht an ihren Inhalt; im russischen Feldzüge von 1812 trat bei den sranzösischen Soldaten ein auffälliger Verlust des Namen- redächtnisses ein, sie vermochten die gewöhnlichsten Dinge
Hans Hubers „Boecklin-Stimßhonie" (Nr. * in E-moll) erzielte bei einer Erstausführung im dritten Symphonie-Konzerte der Königl. Kapelle zu Dresden unter Hofkapellmeister Hagens Leitung einen schönen Erfolg. Dir drei ersten Sätze sind absolute Musik, jedoch von ausgeprägt modernem Charakter. Der vierte Satz, eine symphonische Dichtung für sich, behandelt in freier Variationenform eine Anzahl Bilder des berühmten Malers, so „Meeresstille", , Flötende N: mphe", „Tie Nacht", „Liebesfrühling" usw. Das Doecklin-Thema des ersten Satzes tau auch im letzten wieder auf und entspricht in seiner s:r ;:gen Herbheit dem Wesen ded Meisters.
Am gestrigen Geburtstage Adolf von Menzel's kam
nicht mehr zu benennen. Der Frierende hat namentlich große Abneigung g gen das Hervorrufen von Erinnerungen und abstrakten Begriffen, vornehmlich weil die Kälte ihn zwingt, sich der Außenwelt zuzuwenoen und sich gegen die Kältereize zu verwahren. Erst recht kommen natürlich die Einflüsse der Kälte zur Geltung bei verwickelten seelischen Thätigkeiten, beim Schildern von Ereignissen, Zuständen, und ebenso beim Sichversenken in solche Schilderungen: der Schauspieler vermag sich bei der Probe im ungeheizten Theatersaal nicht in seine Rolle zu vertiefen; der frierende Hörer in einer kalten Kirche folgt höchstens mit Ueberwindung der Predigt; dem Kaufmann gelingt das Anpreisen im kalten Laden schwerer. Ein Reisender, von dem Ribot in dem Buche: „Les maladies de la memoirc" berichtet, empfand bei längerer Beeinflussung durch Kälte jedesmal ein Schwächung seines Gedächtnisses, die bewirkte, daß er nicht mehr rechnen und auch die geringste Rechnung keine Minute behalten konnte. Eine verwandte zerstörende Wirkung der Kälte zeigt sich darin, daß den Frierenden die schönste Winter- landschaft, die herrlichste Musik und ebenso allerdings das Unästhetische zimlich gleichgiltig läßt und daß seine Teilnahme an moralischen Fragen recht gering ist. Charakteristisch ist das Verhalten der Eskimos und der Zustand von Teilnahmlosigkeit, von Trägheit und träumerischen Wesen, von dem Nansen „In Nacht und Eis" berichtet, daß er ihn und die Besatzung der Fram während des Sttllliegens im Winter und Frühjahr 1895 befallen habe.


