Ausgabe 
10.12.1902 Drittes Blatt
 
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Nr. 290

Erscheint täglich auher Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem kesstschen Landwirt die Siebener Familien: blätter viermal in der Woche beiqelegt.

-Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl 'schen Unioers.-Buch- u. Stein­druckerei lPietichErden) Redaktion. Lxveditton und Druckerei:

Schulstraße 7.

Adresse für Deveschen: Anzeiger Gießen.

FkrnlvrkchanlchlußNr 51. DSUBBHOi

Drittes Blatt. 152. Jahrgang Mittwoch 10. Dezember LS«S

monatlich75Ps.,oiettel» «SW V CNr _ jährlich Mk. 2.20; durch

GietzenerAnzeigersr

W General-Anzeiger °

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

politische Tagesschau.

Eiseubahn-Frachtverkehr Lei Frost.

Cm Rundschreiben des preußischen Ministers der öffent­lichen Arbeiten vom 6. Dezember hrtt folgenden Inhalt:

Der plötzlich eingetretene starke Frost hat auf den natürlichen und künstlichen Bin neu Wasserstraßen eine Be­hinderung des Weitertransportes großer Gütermengen herbeigeführt. Soweit diese der Eisenbahn zur Erreichung ihres Bestimmungsortes zugeführt werden, kommen für die Eisenbahnbeförderung auf oen preußisch-hessischen Staats­eisenbahnen widerruflich im Wege der Frachterstattung die­jenigen Frachtsätze (seien dies regelmäßig gebildete oder Ausnahmefrachtsatze) zur Anwendung, welche zwischen der ursprünglichen Versandstation und der eigentlichen Bestim­mungsstation bestehen, sofern diese sich niedriger stellen, als Die tarifmäßigen Frachtsätze von der Umschlag- zur Bestimmungsstation. Diese Frachtberechnung findet auch bei denjenigen Gütern statt, die von einer Eisenbahnstation nach einem Wasserumschlagsplatz befördert sind, hier zur unmittelbaren Weiterbeförderung zur Wasserstraße verladen wurden oder verladen werden sollten und demnächst auf preußischen Staatsbahnlinien nach der eigentlichen Bestim­mungsstation Beförderung finden. Es obliegt den Ver­sendern, der Eisenbahnverwaltung den erforderlichen Nach­weis zu erbringen."

Von dieser Maßregel sind seitens des preußischen Mi­nisters gleichzeitig die Bundesregierungen mit Staatsbahn­besitz mit dem Änheimstellen in Kenntnis gesetzt worden, sich diesem Vorgehen anzuschließen. Die Eisenbahn­kommissare sollen die Direktionen der Privatbahnen er­suchen, in gleichem Sinne vorzugehen.

Es ist beabsichtigt, von den Transportinteressenten die­jenigen Schädigungen abzuwenden, welchen sie sonst durch die höhere Gewalt des plötzlich und unerwartet ein­getretenen Frostes erleiden würden, wenn sie die Güter auf der ursprünglichen Versandstation mit der Eisenbahn nach der eigentlichen Bestimmungsstation verfrachtet hätten. Beispielsweise sollen für Baumwollentransporte, die auf der Wasserstraße von Hamburg nach Schlesien oder Sachsen (falls dies beitritt) laufen sollten, in Lauenburg aber der Eisenbahn zur Beförderung übergeben werden, die direkten Ausnahmefrachtsätze von Hamburg nach Schlesien (rc.) zur Berechnung kommen (nicht etwa die Einheitssätze des Ham­burger Ausnahmetarifs auf Lauenburg übertragen werden). Ebenso sollen die direkten Frachtsätze von Kattowitz nach Stettin oder Berlin im Reklamationswege Anwendung finden, wenn sie billiger find als die Frachtsätze Kattowitz Cosel bezüglich der Frachtsätze der neuen Aufgabestellen (z. B. Brieg) nach Stettin oder Berlin. Auch sollen bei­spielsweise für den Fall des Beitritts von Bayern die direkten Kohlentarife von Dortmund nach Würzburg An­wendung finden, wenn sie billiger sind als die Bahn- srachtsätze von Dortmund nach Ruhrort zuzüglich der Fracht­sätze z. B. CoblenzWürzburg. Es ist Sache der Fracht- interessenten, den Nachweis glaubhaft zu führen, daß der neu aufgegebene Transport von der ursprünglichen (Wasser­ader Eisenbahn-) Versandstation stammt. Die Königliche Eisenbahndirektion zu Essen wird die ausländischen be­

teiligten Verwaltungen auf fordern, sich diesem Verfahren anzuschließeu.

Arbeiter-Uaruheu in Rußland.

lleber die Fortdauer der Arbeiterunruhen wird uns in einem Telegramm des Wolff'schen Bureaus aus Rostow a. Ton berichtet: Um eine Ansammlung von Zuschauern bei den Arbeiterzusammenrottungen zu vermeiden, ordnete die Obrigkeit an, den Fußgängern das Ueberschreiten eines gewissen Rayons nicht zu erlauben, und die Straßenbahn nicht mehr zum Bahnhof fahren zu lassen. Tie Kosaken hielten sich zuerst ruhig auf ihrem Platze, als aber von Erwachsenen aufgehetzie Buben Steine warfen, schossen die Kosaken auf die Menge, und verwundeten einige Zuschauer. Tic Beerdigung eines Getöteten wurde von den Arbeitern nicht zugelassen und das Erscheinen des Untersuchungsrichters gefordert. Tie Thatsache, daß die Poleski-Bahn ein Eisenbahn-Bataillon als Arbeiter her­anzog und die Entziehung des Kredits für die Arbeiter durch den Arbeiterkonsumverein ernüchterte die Aus­ständigen und veranlaßte die Wiederaufnahme der Arbeit. Tas Gerücht ist verbreitet, daß eine Geheim drucke r ei des Don'schen Komitees der Soziald emok,ra- ten en td eckt sei. Nachts wurden sechs Rädelsführer verhaftet. Tie Agitatoren rieten den Arbeitern, die Arbeit am SarnSbag wieder einzustellen, wenn die Forderungen nicht erfüllt würden. Versammlungen fanden mehrere Tage unter zahlreicher Beteiligung von Frauen außerhalb der Stadt statt. Tie Redner wurden emporgehoben und auf den Schultern anderer hochgehalten. Der Redner be­sprachen die Forderungen der Arbeiter an die Eisenbahn- Verwaltung, Erhöhung der Löhne, Kürzung der Arbeits­zeit und Entlassung mißliebiger Meister. Ferner wurde geklagt, daß den Arbeitern bei Verheiratungen und Ge­burten statt der versprochenen zehn nur fünf Rubel, bei den Beerdigungskosten statt fünfzehn nur zehn Rubel aus­gezahlt würden. Die schriftlich formulierten Forderungen wurden dem Ataman von den Deputierten der Arbeiter überreicht. Eine Verordnung des Atamans verbietet jebe Ansammlung. Eine Verordnung des anwesenden Kom­munikationsministers entfernte alle Meister aus Rostow. Ter Aus st and dauert fort.

Vermischtes.

* Köln, 8. Dez. Aus dem Rhein bei Köln herrsch so starker Eisgang, daß in der Frühe die Schifffahrts­brücke abgefahren werden mußte. Die Ruhrorter Hafenver­waltung gibt bekannt, daß die Schifffahrt geschlossen ist. Die Schiffe müssen die im Hafen angewiesenen Stellen auf­suchen und der Wafferstand geht stark zurück.

'Bielefeld, 8. Dez. (Amtliche Meldung.) Gestern vormittag 11 Uhr 17 Minuten entgleiste der Per- sonenzug 606 Bielefeld-Osnabrück auf dem Bahnhof Brack- wede. Beide Maschinen und drei Personenwagen sind un­bedeutend beschädigt. Das in der Nähe der Entgleisungsstelle befindliche Stellwerkshäuschen wurde von der vordersten Maschine eingedrückt. Der Wärter wurde leicht verletzt und

von drei schnell hinzugekommenen Aerzten kurz daraus ver­bunden. Der Personenzug 606 erhielt 75 Minuten Der- pätung. Der übrige Zugverkehr ist nicht gestört.

'Dortmund, 8. Dez. Auf der Zeche Neu-Iserlohn bei Luetgen-Dortmund gerieten derDortmunder Ztg.^ zu- olge drei Bergleute unter die hereinbrechenden Gesteins­massen. Ein Bergmann wurde schwer verletzt hervorgezogen, die anderen wurden getötet, sind aber noch nicht geborgen.

' Hamburg, 8. Dez. Der in Liverpool angcfommene DampferPhiladelphia- meldet, daß er den deutschen FrachtdampferAugust Korff", welcher fein Ruder verloren hatte, 6 Stunden im Tau hatte, daß er ihn aber am 2. Dezember auf 38 Grad nördlicher Breite, 32 Grad westlicher Länge wegen schweren Wetters losgeworfen habe.

'London, 8. Dez. Ein Fischerbot aus Shield» kam heute abend im Tyne mit einem arg zerstörten und verlasienen SchonerIda" im Schlepptau an. DieIda" ist wahr- scheinlich ein deutscher Schoner.

Eatan zara, 8. Dez. Heute morgen 3 Uhr 45 Mm. wurden zwei ziemlich starke Erdstöße verspürt, durch die jedoch kein Schaden angerichtet worden ist. _______ ____

Litterarische Neuerscheinungen.

d'A nunzio, Gabr., Traum eines Herbstabends. Tragisch^ Gedicht. Deutsch von Linda v. Lützow. (58 S.) Berlin, S. ^^Bulthaupt, Heinr., Dramaturgie J>eS Schauspiel«. IL Shakestearc. 8. nenbearb. Auflage (508 Seilen.) Oldenburg, Schulze'sche Hosbchhdl. 5 Alk.

Ernst, Paul, Die Prinzessin des Ostens u. a. Novellen, (297 S.) Leipzig, Insel-Verlag.

Hockings, Dr. E., Gesundheitspflege oeS KmdeS tm Eltern, hause. 2. Aüfl. (258 S., ca. 18 Abbildungen.) Wien, Franz T^S<chanz, Friedr., und Otttlie Wildermut h, Kinder» Glückwünsche. 1. Heil Geburtstag; 2. Hest Weihnachten unb 9lcu- jahr; 3. Heft Polterabend und Hochzeit. 17.25. Anfl. (je ca. 70 6.) Leipzig, Türr'sche Buch

Hriefkallen der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberückfichttgt.)

Dr. P. in H. Die meisten Dramen Björn so ns, wie Heber unsere Kraft",Der König",Die Neuvermählten",Geo­graphie und Liebe",Darnley", Paul Lanae und Tora Parsberg", Slgurb Jorsalfar",Das neue System", ,^aboremus"Aus Storhooe", ferner seine NovellenMutters Hande",Absalons Haar" 2c., sind im Verlage seines Schwiegersohnes, Albert Langen in München, in guten deutschen Ausgaben erschienen. Dott kam auch eine vortreffliche Schrift von Ehr. Collin über das Drama Heber nufere Strait" im Vergleiche mit der griechischen Tragödie heraus. Bei Gose u. Tetzlaff in Berlin erschten eine kleine geist­volle Broschüre über Bjornson von Georg Brandes. (60 Pstz.)

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