Telephonischer Kursbericht
abgeschwächt
hier ein inter-
„Mathilde"
eine Stadt-Anleihe im Betrag von 2l/2 Millionen
Mark
20.
101.10
39.90
26.80
26.35
106.60
42.30
378%
3%
37.%
3%
. 99.40
: 102’50
99.80 . 100.75
Kreditaktien . .
Diskonto-Kommandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Beniner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . . Laurahütto . . . Bochum .... Harpener , . .
3*/2% Hessen ... 3% Hessen ....
4% Oesterr. Goldrente 41/g% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . 40/j Italien. Rente . .
4*/2 % Portugiesen . . b°/. Portugiesen . . .
1% C. Türken . . .
Frankfurt a. 11., 9. . 101.30 L"/g Mexikaner . . . 90.40 41/2 /□ Chinesen . , . 101.65 Electric. Sohuckert . . 90.401 Nordd. Lloyd . . .
4l/g % äussere Argentiner — Tendenz
Januar.
. . 26.70 . . 88.20 . . 110.10
* ' 203*40 . . 184.50 . . 129.20 . . 131.40 . . 143.70 . . 140.50 . . 20.10 . . 165.00 . . 191.00 . . 179.00 . . 163.00
— Um den Rückgang in der Frequenz ausländischer Studen- Univcrsrtät zusteuern,sollen fortan die Pro-
Altenberg, 9. Jan. Ostern d. I. wird nationaler Freimaurer-Kongreß tagen.
Flensburg, 9. Jan. Der Schooner
ten an der Pariser Univcrsrtät zu steuern, tollen fortan die Pro- granmie der Vorlesungen mehrere Monate vor Semesterbeginn in ausländischen Organen angekündigt werden. ..
— Dem Direktor des königlichen Museums in Gaffel, Tr. pbil. Oskar Eis en mann ist der Charakter als Geh. Regierungs-
lichen Bericht über die durch den Hamburger Dampfer „Hebe" der Besatzung des französischen Dampfers „France" geleisteten außerordentlichen Rettungsdienste und' spricht den Wunsch aus, den deutschen Mannschaften mögen für ihre heldenmütigen Thaten entsprechende Belohnungen zu Teil werden.
Nizza, 9. Jan. Der Mörder bet, Deutschen Hilda Hilsburger, Vidal, gestand, vor 7 Jahren ein Mädchen in Marseille ermordet und den Leichnam ins Meer geworfen, sowie zwei weitere M'ädchenmordversuche verübt zu haben.
B c r l i n, 9. Jan. Die gestrige Rede des Reichskanzlers Grafen Bülow über die auswärtige Politik wird von den Blättern aller Parteirichtungen mit Befriedigung ausgenommen. Die „D t j ch. Tag e s z t g." hätte gewünscht, daß der Reichskanzler die Volksbewegung ein wenig warnt er wiedergegeben und die Jmponderabilität, deren Bedeutung Bismarck bekanntlich nie verkannte, etwas mehr beachtet hätte. — Die „Nat.-Ztg." meint, mit der gestrigen Rede Bülows könne Chamberlains Exkurs in die europäische Kriegsgeschichte wohl als erledig: angesehen werden. — Tie „Voss. Ztg." ist der Ansicht, daß die Aeußerungen des Reichskanzlers über Chamberlain Aufsehen machen werden, weil man aus ihnen schließen wird, daß unsere Beziehungen zum Jnselreich trotz der Ankündigung des Berliner Besuches des Prinzen von Wales zu wünschen übrig lassen. Die Auslassungen des deutschen Staatsmannes über den Dreibund wirkten wie eine beliebige Kündigung. — Das „Berl. Tagebl." schreibt: Ter Kanzler las seinem Kollegen jenseits des Kanals ein Privatissimum über ministeriellen Takt und ministerielle Taktik, das Chamberlain mit recht gemischten Gefühlen entgegennehmen wird. Bezüglich des Dreibundes sei nun die Frage, wie die beiden anderen Mächte die deutsche Auffassung hinnehmen werden. — Der „Vorwärts" vermißt m den Worten Bülows gegen Chamberlain jene seichte Jovialität, die seine höchste politische Eigenschast ist. Ter Dreibund habe eine so niedere Bewertung bisher noch nie im amtlichen Deutschland gefunden.
Berlin, 9. Jan. Der Kaiser erschien gestern abend in der Kriegs-Akademie zu dem Vortrage, den Generalmajor Frhr- v. Gayl über die deutsche China-Expe- s d i t i 0 n hielt-
Kirchliche Kachrichlen.
Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast.
Sabbathfeier am 11. Januar 1902.
Freitag abend 420. Samstag vormittag 830. Nachmittag 330.
Sabbathausgang 586.
Wochengottesdienst: morgens 7°» Uhr, abends 48° Uhr.
Türkenlose ...... 4% Griech. Monopo.l-Anl.
Reicheanleihe do.
Konsole do. . .
zum Ankauf von Ländereien in Wärterbude an.
London, 9. Jan. Die „Times" melden aus Greenwich, daß die internationale Zuckerkonferenz ihre Sitzungen am
Vermischtes.
• Elbing, 8. Jan. Sittlichkeitsverbrechen an -Schulkindern sind hier in großem Umfange begangen worden. Nachdem bereits unter dem Verdacht, derartige Verbrechen verübt zu haben, der Hundeschlänger Theodor Schrock und der Handlungsgehilfe Pagenings in Haft gekommen sind, wird jetzt auch ein Rentier mit der Angelegenheit in Zusammenhang gebracht, der dieserhalb behördliche 'Vernehmungen über sich ergehen lassen mußte. Das Ergebnis steht noch aus. Die Mißstände sind dadurch zu Tage getreten, daß der Hundeschlänger Schrock am 11. Dezember von dem Rektor B. dabei betroffen wurde, als er an einem Schul- kinde ein Sittlichkeitsattentat begehen wollte., Als die Behörde dann zur Feststellung des Umfanges der Schrock'schen Verbrechen eine Umfrage in den Mädchenschulen halten ließ, .wurden auch die Namen des P. und des erwähnten Rentiers genannt. Man spricht davon, daß nicht weniger als 7 0 Schulmädchen in die Angelegenheit verwickelt sein sollen. Einer unserer Mädchenschulrektoren soll sich sehr ungünstig über das sittliche Verhalten mancher weiblichen Volksschulkreise ausgesprochen und es besonders scharf gerügt haben, !daß sich die Kinder unbeaufsichtigt bis in den späten Abend hinein auf der Straße umhertreiben. (Es scheint uns im Allgemeinen nicht angebracht, von solchen Dingen in der .Zeitung offen zu sprechen. D. Red.)
• Gera, 8. Jan. Gestern nachmittag, um 5 Uhr entgleiste ein Motorwagen der Straßenbahn und fuhr in die abschüssige Bachgasse hinein, wobei ein an der Ecke dieser Straße stehender Dienstmann überfahren und tätlich verletzt wurde. Mehrere Personen, die nicht rechtzeitig zur Seite springen konnten, wurden mehr ober minder schwer verletzt. Die Fahrgäste des Wagens, dessen Bremse versagte, konnten sich durch Abspringen in Sicherheit bringen.
• Mannheim, 8. Jan. Der Metzgerbursche Heinrich Zöller versuchte heute früh, die Ehefrau König, die er mit seiner Geliebten verwechselte, durch einen Stich in die Brust zu töten. Da die Frau zum Schutz die Hand vorhielt, wurde ihr der Zeigestnger von der Hand getrennt. Zöller entfloh nach seiner Wohnung, wo er sich mit demselben Metzgermesser einen großen Schnitt in den Hals bei- ' brachte. Er wurde schwer verletzt nach dem Krankenhause überführt.
• Feod osia (Krim), 8. Jan. Heute nachmittag wurde hier ein Erdstoß verspürt, welcher in mehreren Wohnhäusern Schaden anrichtete.
d. M. wieder ausnehmen werde.
Paris, 9. Jan. „Figaro" veröffentlicht einen ausführ-
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 9. Jan. Die Zolltarif-Kommission nahm einen Antrag an zur Veranstaltung einer parlamentarischen Enquete in den einzelnen Provinzen über die Wirkung der Getre idezölle aus die Landwirtschaft.
Kiel, 9. Jan. Der neue große Kreuzer „Prinz Heinrich" wird mit 750 Mann Besatzung nach Ostasien abgehen zur Ablösung des Kreuzers „Fürst Bismarck".
-0- Friedberg, 9. Jan. (Tel.-Melduug des „Gieß. Anz.") Gestern Abend wurde von dem 8 Uhr 45 Miu. von Frankfurt einführenden Zug ein unbekannter Mann an dem Uebcrgang nach Fauerbach über fahren und sofort getötet.
Universitäts-Nachrichten.
Wien, 8. Jan. Wegen der Studenten-Temonstratlonen justierte Prof. Exner seine Vorlesungen so lange, bis er von den Studenten die Garantie erhalten habe, daß die Vorlesungen nicht mehr ge» stört werden.
rat verliehen worden.
— Ten Privatdozenten an der Tecknstchen Hochichute zu Berlin Tr. Wolffenstein und Dr. Kühling ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden. .
— Man berichtet aus Tübingen: Proseffor Dr. Haisert von der Philosophischen Fakultät, der hier Geographie des Weltverkehrs und des Welthandels lieft, hat einen Ruf an die Handelshochschule in Köln erhalten. ~
— Die Bodleyana, die von Sw Thomas Bodleu begründete Oxforder Universitätsbibliothek, feiert am 9. November ihr 300- jähriges Stiftungsfest. Sie zählt gegenwärtig über 500 000 Bände und etwa 30 000 Handschriften, ferner 50 000 Münzen. Tie wertvollste Bereicherung in letzter Zeit bestand in einer Menge griechischer Papyri aus Fayum und Oxyrynchos.
— An der Universität Helsingfors wird em entomologisches Laboratorium errichtet.
besucht ist, trat hierauf nach kurzen einleitenden Worten, unterstützt von Wandtafeln und Modellen, in den Gegenstand der Vorträge ein. Die 11 Fortsetzungen des Kursus werden regelmäßig am Freitag und Dienstag jede Woche nachmittags 5 Uhr in dem Festsaale der Obcrrealschule abgehalten.
sä. Darmstadt, 8. Jan. Das heute , abend im Großh. Palais stattgehabte H of-K onzert war von zirka 150 Damen und Herren besucht. Auch der Großherzog und seine hohen russischen Gäste waren erschienen. Die Hofopernsängerin Frau Felicia Kaschowska sang fünf Lieder teils mit Klavier-, teils mit Orchester-Begleitung, Fräulein Frieda Hodapp- Frankfurt spielte das 6-rvoII-Konzert mit Orchesterbegleitung von Samt-Satzns, sowie einige Stücke von A. Hcnselt und LiSzt. Kammersänger Gg. Weber (Bariton) sang „Nacht- ltück" und „Ungeduld" von Schubert, Hofopernsänger Otto Wolff „Tie Lotosblume" von Schumann und Frühlingslied von F. Mendelssohn. An das Konzert schloß sich ein Souper, Las bis gegen 11 Uhr dauerte. — Wie jetzt bekannt wird, wird die auf Schloß Fabron weilende Prinzeß Elisabeth zu Ostern hier erwartet.
•• ft (fine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Kassel geriet auf dem Obcrstadtbahnhof der Rangierer Siebert beim Losschrauben des Gasschlauches zwischen die Puffer zweier Wagen; ihm wurde der Brustkasten eingedrückt, sodaß nach kurzer Zeit der Tod eintrat. In einer Gastwirtschaft erschoß sich ein junger Mann von einigen 20 Jahren, i>er mit dem neuen Jahre em neues Geschäft anfangen wollte und dessen Pläne fehlgeschlagen waren. — Der Student Hans Keppel aus Dinklage wurde, wie man aus Manu- heim meldet, auf den Geleisen der preußisch-hessischen Bahn tot aufgefunden. Anscheinend ist er aus dem fahrenden Zuge gesprungen.
Mteratur, Wissenschaft und Kunst.
— Im Schauspielhause zu Frankfurt ging am Sonntag Kraatz und Stobitzers „M a m \ e 11 T 0 urbil 1 0 n" erstmalig m Szene und wurde viel belacht. Tas Stück enthalt alle möglichen und unmöglichen Situationen und eben deshalb gings durch. Verwechslungen der tollsten Art feiern hier ihre Orgien. .
— Wie verlautet, soll der G r 11 l p a r z e r p r e i s Otto Erich H a r t l e b e n für sein Stück „Rosenmontag" zugesprochen werden. _________________________
von hier, der von Stolpmünde nach Bornholm ging, ist überfällig. Man nimmt an, daß er unter gegangen ist.
Hamburg, 9. Jan. Das Bürgerschafts-Kollegium nahm
Berlin, 9. Jan. Dem „Kl. I." zufolge ist ein Gastspiel von Sara h Bernhard im hiesigen königlichen Schauspielhause für den nächsten Monat in Aussicht ge- nmmen. Tie Verhandlungen zwischen der General-Jnten- dantur und der Künstlerin seien dem Abschluß nahe.
Hamburg, 9. Jan. T ie Regierung von Nicaragua betreibt umfassende Rüstungen. Außer dem Ankauf des „Armin ius" steht sie mit dem Hause August Loh Söhne von Berlin wegen des Ankaufs von zwei weiteren Kriegsschiffen in Unterhandlungen- Außerdem sind Kanonen, Gewehre und Munition im Betrage von anderthalb Mill. Mart von dem n.caraguanischen Gesandten Rocha in Berlin aufgckauft worden- Die zu diesen Rüstungen nötigen Geldmittel hat ein Hamburger Bankhaus infolge eines- Darlehens geliefert- Der Zweck dieser Rüstungen ist, nachdem bereits eine Einigung der Präsidenten von Nicaragua, Honduras und Salvador erzielt ist, Guatemala und Costarica anzugreifen und dieselben zum Beitritt in die nächstens wieder zu proklamierende mittel- amerikan ische Union zu zwingen- Auch das Kviegs- min ifterium in Berlin soll der Gesandte Rocha angeblich zur Lieferung von Waffen haben veranlassen wollen- Dasselbe habe aber sein Ansinnen abgelehnt.
London, 9- Jan. Sämtliche Blätter kommentieren die gestrige Rede Bülows und besonders den Teil, welcher Chamberlain betrifft. Die meisten stellen fest, daß der Reichskanzler eine neue Inkorrektheit derjenigen hinzugefügt hat, welche Chamberlain bereits begangen habe- „Daily Mail" sagt: Wir sind bereit zuzugestehen, daß Chamberlain nicht korrekt verfahren hat, aber wir haben nicht die geringste Absicht, Lehren von einem fremden Minister anzunehmen, besonders wenn dieser weiß, daß seine eigene Nation die meisten Berichte über unsere Haltung gefälscht hat- „Daily Expreß" sagt, der Reichskanzler weiß ganz genau, daß die Rede Chamberlains gefälscht wurde, um den Plänen der deutschen England-Feinde zu dienen- Es wäre seinerseits mutiger gewesen, die Rolle einer gewissen Presse seiner Mitbürger zu brandmarken, als den Prahler zu spielen, um die Hochrufe der Reichstagsmitglieder zu ernten- „Daily Telegraph" weist besonders darauf hin, daß die Rede Chamberlains mißverstanden worden und daß ihre Form und chr Inhalt für Deutschland sehr höflich gewesen sei- „Morning Leader" sagt, man könne sich freuen, daß Bülow genau wisse, daß Chamberlain die diplomatischen Regeln wie auch die Manieren eines Weltmannes, nicht kennt- Bülow hat die Entschuldigung des Kolonial-- ministers angenommen, da er verstanden hat, daß die ungenügende Erziehung ChamberlalliS für diesen ein Unglück und nicht ein Fehler sei- Wir müssen hoffen, daß die Lehre ihre Früchte tragen wird- Seinen "Nachbarn beleidigen, ist unklug, ihn aber ohne Grund beleidigen, ein Verbrechen-
Madrid, 9- Jan. In Pontevedra fand em Eisenbahn-Zusammenstoß statt- Ein Passagier wurde getötet, 5 verwundet-
Lissabon, 9. Jan. lieber den Selbstmord des früheren Kommissars von Mozambique, Obersten Monsinto Albuquerque wird weiter gemeldet: Albuquerque, mit dem Amte des Erziehers des Kronprinzen betraut, verließ nachmittags 5 Uhr den Tursklub, um eine Spazierfahrt zu unternehmen und scho ßi sich int Wagen ins Ohr. Der Kutscher transportierte ihn nasch dem Militärhospital, wo der Tod konstatiert wurde. Die Nachricht wurde in das Palais und die Behörden telephoniert und rief große Bewegung hervor. Der Grund des Selbstmords wird darin gesehen, daß Albuquerque, früher in hohen Kreisen sehr angesehen, jetzt dort in Ungnade fiel.
Wien, 9. Jan. Im Kr a kau er Theater wurde die Aufführung des Stückes „Di e Kreuzritterhand", worin Frau Piasecka, deren Kinder, der Katechet Laskowski, die Lehrerin Omankowska und andere Personen des Gn e°i sener Prozesses wegen der Wreschener Schulangelegenheit vorkommen, von der Polizei verboten. Der gedruckte Text des Stückes ist im Buchhandel konfisziert worden. — In hiesigen Bankkreisen will man erfahren haben, daß in Belgrad demnächst eine entscheidende Wendung bevorsteht und ein gewaltiger Ausbruch der Unzufriedenheit des Volkes zu befürchten sei. Den Anlaß dazu soll der Zustand des Königs Alexander geben, der infolge der Aufregungen durch die Ereignisse des letzten Jahres geistig und körperlich schwer mitgenommen sei. Er befinde sich im Zustande völligerApathieundsei nicht mehr in der Lage, sich den Regierungsgeschäften zu widmen. Im Falle des Ausbruches einer Revolution sei das Erscheinen der Karagiorgiewisten in Belgrad zu gewärtigen.
Wien, 9- Jan. Die gesamte hiesige Presse bespracht an leitender Stelle die gestrige RedeBülows und konstatiert mit Genugthuung, daß durch dieselbe alle in letzter Zeit zirkulierenden Gerüchte über das bevorstehende Ende des Dreibundes ein kategorisches Dementi entgegengesetzt wird- Weiter sind die Blätter darüber erfreut, daß Bülow so geschickt und energisch dem englischen Kolonialminister Chamberlain eine Zurechtweisung zu teil werden ließ-
Wien, 9. Jan. Unter dem Verdachte der Spionage im Dienste Rußlands wurde in Steinau ein junger Mann verhaftet, der sich Joses Zaleski nennt- Unter feiner: Korrespondenz fand man Briefe mehrerer ausländischer diplomatischer Vertretungen-
Teplitz, 9-Jan. Der sozialistische Redakteur Liens- wald hat sich in Oberleutendorf erschossen-
Washington, 8. Jan. Im Lause der Beratung über' den Bau des Jsthmuskanals befürworteten im Repräsentantenhause verschiedene Redner die Beachtung des Angebots der Panama-dkanal-Gesellschaft. Der Generalsekretär der Panama-Kanal-Gesellschaft wurde heute dem , Präsidenten Roosevelt vorgestellt.
Peking, 8- Jan. Mehrere hohe Beamte hatten heute . im kaiserlichen Palast Audienz Ter Kaiser figurierte nur als Dekorationsperson, während die Kais errn- Witwe die Unterhaltung führte, und den Kaiser, be- - melancholisch und teilnahmslos dasaß, völlig unbeachtet ließ. Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß ; bei dem Empfang fremde Truppenabteilungen anwesend waren- Die Kaiserin schien von der Notwendigkeit einer versöhnlichen Politik überzeugt, und erließ ein Edikt, in . dem besohlen wird, daß Tungfuhsiang hmgerichtet ; werden soll- Der Tartarengeneral in Kan en soll das ; Urteil vollstrecken. Juanschikai, Liukunji und Tschangtschi- - tung richteten eine gemeinsame Denkschrift an die Kaiserin, in der sie Tungfuhsiang für die Ermordung der bel- , gischen Missionare verantwortlich machen, und dessen Hin- - richtung empfehlen, bevor er einen Aufstand hervorgerufen und die Regierung in Schwierigkeiten mit den Fremden verwickelt hat-
Gerichtssaal.
Hanau, 8. Jan. Die Frau des Bauern Koch von Wachen- buchen bei Hanau wurde vorn Schöffengericht wegen Milchfälschung zu 500 Mk. Geldstrafe verurteilt. Die Angeklagte hatte an Frankfurter Händler Milch mit 13 pCt. Wasserzusatz, sowie abgerahmte Milch für Vollmilch verkauft.
Stettin, 8. Jan. Der Pastor Steinbrück aus Eggesin wurde beute von der hiesigen Strafkammer wegen Urkundenfälschung zu 3*2 Jahren Gefängnis verurteilt.
Wien, 8. Jan. In der heutigen Sitzung des Spionage- prozesses gegen den ehemaligen österreichischen Ulanenrittmeister v. Carina konstatierte der Präsident vorerst aus den ihm zur Versügung gestellten Akten, daß der von dem Angeklagten genannte, in Leipzig s. Z. wegen Spionage verurteilte ehemalige bayerische Sergeant Schmidkunz bei seiner Vernehmung im Streif- haus angegeben habe, daß er einen Mann namens Carina nicht kenne. Dagegen arbeitete er mit einem ebenfalls von dem Angeklagten Genannten, mit dem auch Carina in Verbindung trat. Auch der im vorigen Jahre vom hiesigen Landesgericht wegen Spionage zu 4 Jahren schweren Kerkers verurteilte Bahnbeamte Saria wurde in der Strafanstalt vernommen und gab eine Personalbeschreibung jenes Mannes, der mit ihm verkehrt habe und auch Carina engagiert haben soll. Den Namen Carina habe er jedoch nie gehört. Ter Bauzeichner Anton Fuchs erklärte, daß Carina ihn zum Kopieren von Landkarten verwendet habe, in denen verschiedene Zeichen angebracht waren, welchen er später Namen beigefügt hätte. Carina habe ihm gesagt, daß diese Karten für den Generalstab bestimmt seien, worauf der Präsident bemerkt: Ja, es war eine Arbeit für den Generalstab, aber nicht für den österreichischen. Rittmeister Alexander v. Carina wurde wegen Verbrechens der Spionage zu gunsten Frankreichs zu 4 x/s Jahren schweren Kerke r s, verschärft durch Fasten und hartes Lager, und zur Landesverweisung, da er nach Zengg in Kroatien zuständig ist, verurteilt. Carina weilte auch mehrere Monate hinourch in Frankfurt a. M., wo er ebenfalls für Frankreich deutsche Militärgeheimnisse ausspähte, was natürlich nicht Gegenstand der hiesigen Anklage sein konnte.


