Ausgabe 
8.11.1902 Drittes Blatt
 
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Nr. 263 Drittes Blatt.

152. Jahrgang

Samstag 8. November 1902

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Dem Gießener Anzeiger werden Im Wechsel mit dem Kesflschea Landwirt die Wegener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt.

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Valitlsche Tagesschau.

DieSäuberung" des Richterstaudes

von allen klerikalen Elementen ift die neueste For­derung der Republikaner in Frankreich. Das Prinzip der Unabsetzbarkeit der Richter ist früher bereits in Frank­reich durchbrochen worden, und damals vollzogen sich sehr umfassende Veränderungen innerhalb der magistrature assise, wie der Richterstand im Gegensätze zur Staats- anwaltschaft, der magistrature debout bezeichnet wird, weil die einen bei der Ausübung chrer richterlichen Tbätigkeit sitzen, während die Staatsanwälte stehend ihre Plaidoyers vortragen. Daß einzelne Gerichte die Regie- rungspolitik in der Angelegenheit der Schließung der von geistlichen Genossenschaften geleiteten Schulen gleich­sam korrigiert haben, wird in der republikanischen Presse besonders scharf getadelt. Eine Zeit lang schien es, als ob die Regierung mit Erfolg den Kompetenzkonflikt erheben könnte, als einzelne Gerichte die Entfernung der Siegel an den Gebäuden der geschlossenen Schulen der Kongrega­tionen anordneten. Nunmehr ist jedoch in den radikalen Kreisen die Losung ausgegeben worden, der Richterstand müssegesäubert werden. Hiernach dürfte man sich im Parlament auf einen Kampf gefaßt machen, der alle früheren sicherlich an Heftigkeit überbieten würde, falls die Regierung den dringenden Aufforderungen ihrer An­hänger im radikalen Feldlager entsprechen sollte. Wie die Klerikalen in der Angelegenheit der Schließung der geist­lichen Lehranstalten das angebliche Prinzip der Freiheit des Unterrichts anrufen, betonen sie nunmehr den Grund­satz der Unabsetzbarkeit der Richter. Die Radikalen heben dagegen hervor, daß überwiegend nur Gerichte der stark klerikal gefärbten Bretagne die Staatsautoritätgefähr­det" haben. Immerhin würde es schwer fallen, nur für die Magistratur in Rennes oder Guimper ein besonderes Gesetz $u schaffen. Mit solcher Lebhaftigkeit wird der Streit in der französischen Presse geführt, daß derFi­garo" in der neuesten Nummer betont, das revolutionäre Comitä de Salut Public habe seiner Zeit auch nicht anders gesäubert", so daß eine Parallele zwischen jetzt und einst sich von selbst darbiete.

Die serbische Thronfolge-Frage

soll nach neuern Preßmeldungen den Anlaß zur Ver­stimmung zwischen Petersburg und Belgrad gegeben haben. Das Hauptorgan der serbischen Radikalen teilt in einer Petersburger Korrespondenz mit, der Zar sei nicht ab­geneigt gewesen, nach der Genesung der Zarin den Besuch des Königs und der Königin von Serbien zu empfangen. Ter Zar hatte die Absickt, demnächst nach Rom, Athen und Cetinje zu reisen uno bei dieser Gelegenheit den Frie­den zwischen Montenegro und Serbien herzustellen. Vorher habe er bei dem Besuch des Königs Alexander die serbische Thronfolgefrage feststellen wollen. Zu diesem Zwecke habe die russische Diplomatie in Belgrad als Thronfolger vor­geschlagen : den Prinzen Mirko von Montenegro, den Prin­zen Georg Kargeorgewitsch oder den Prinzen Leuchtenberg, den Gemahl der montenegrinischen Prinzessin Stana. König Alexander habe aber alle drei Kandidaten abgelehnt, da er selbst drei Thronfolgekandidaten hatte, nämlich Lunje- witza, Lolaznavac und Nikolitsch. Schon vor den ser­bischen Manövern sei die Proklamierung Lunjewitzas als Thronfolger erwartet worden. Dies sei unterblieben, zu­gleich habe aber Alexander auf den Besuch am Zarenhofe verzichtet. An dieser Darstellung mag etwas Zutref­

fendes sein; sie erscheint aber insoweit ungenau, als ein Empfang der Königin Draga am russischen Hofe zu- aestanden worden sein soll. Diese Angabe dürfte den Thatsachen wohl kaum entsprechen.

Aus Stadl und Sand.

Gießen, 8. November 1902.

** Die November-Sternschnuppen aus dem großen Löwen werden in den frühen Morgenstunden des 12. bis 14. November wieder auftauchen. Ob die Anzahl derselben erheblich sein oder ob die Erscheinung sehr unauffällig vorübergehen wird, läßt sich nach den Er­fahrungen seit 1899 nicht vorausbestimmcn. Dazu kommt, daß auch das Mondlicht im gegenwärtigen Jahre hinder­lich sein wird, 'indem am 15. November Vollmond ein­tritt. Der Hauptschwarm der Leoniden befindet sich samt dem in seiner Bahn einhergehenden Kometen jedenfalls in erheblicher Entfernung von unserer Erde.

W. Nidda, 5. Nov. Tie erweiterte Handwerker­schule, welche mit dem November wieder ihren Kursus begonnen hat, zählt in der Unterklasse 16, in der Mittelklasse 7, in der Oberklasse 9 Schüler bei 6 Lehrern. Tie Sonntagszeichenschule hatte im Sommer 87 Schüler und hat jetzt 64 bei 2 Lehrern. Tic gewerbliche Abendschule zählt 22 Schüler, die Modellierabtcilung 10 Schüler bei 2, resp. 1 Lehrer.

Lamp erth eim, 6. Nov. In einer hiesigen Zig ar - rensabrik wurde dieser Tage von jungen Leuten ein Einbruch dieb stahl verübt und ein Kistchen Zigarren entwendet. Gestern abend schlich sich, wie wir denN. H. V." entnehmen, ein bis jetzt noch unbekannter Mann in die Wohnung eines hiesigen Friseurs während dessen W- wesenheit ein und wollte sich an dessen Frau vergehen. Auf das Hilferufen der Frau eilten sogleich die Mitbe­wohner des Hauses zusammen, worauf der Unhold das Weite suchte.

Frankfurt a. M., 6. Nov. Infolge der großen Ausdehnung, die Frankfurt in den letzten Jahren ange­nommen hat, tritt der Mangel an katholischen Kirchen, obschon erst vor zwei Jahren die Antonius­kirche erbaut worden ist, immer deutlicher hervor. Beson­ders in dem westlichen Viertel unserer Stadt haben die katholischen Bewohner einen sehr weiten Weg bis zur nächsten Kirche. Um diesem Uebelstande einigermaßen ab­zuhelfen, ist in einem der katholischen Gemeinde ge­hörenden Hause der Mainzerlandstrahe ein Zimmer zur Notkapelle eingerichtet worden.

Frankfurt, 6. Nov. Der Vorstand des hiesigen Zweigvereins der Kaiser Wilhelm-Stiftung für deutsche Invaliden des Feldzuges 1870/71 giebt bekannt, daß die Auflösung erfolgen müsse, weil die M i t t e l e r i ch ö p f t seien und weitere Geldbeträge zur Unterstützung der noch lebenden alten Invaliden nicht mehr zu beschaffen seien. Der Frankfurter Zweigverein hat eine Zieihe von Jahren hindurch segensreich gewirkt. Eigentümlich berührt es, daß für alle möglichen Dinge in Frankfurt Geld aufzu­treiben ist, daß von hier auch große Summen den Buren­hilfsfonds zuflossen und daß für die alten Kriegs- invalidcn nichts mehr zu erübrigen ist. Am Ende liegt der Fehler nur in der unzulänglichen Organisation.

Gelnhausen, 6. Nov. Tas städtische Elektri­zitätswerk hat nach seiner Fertigstellung den Betrag von zusammen 216 609 Mark erfordert. Vorgesehen und bewilligt war der Betrag von 180 000 Mk., sodaß eine Ueberzahlung von 36 309 Mk. stattgefunden hat. Die Stadt­

verordnetenversammlung beschloß in ihrer letzten Sitzung gemäß dem Anträge des Magistrats, die Ueberzühlung durch eine aufzunehmende Anleihe von 36 700 Mk. zu decken.

~ Eingesandt.

(Für Form und Jnhau ui... un.n oceser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Obwohl das Nordviertel Gießens bekanntlich schon an sich in recht stiefmütterlicher Weise behandelt wird, scheint es aber unsereliebe" Jugend ganz besonders noch darauf abgesehen zu haben, die Bewohner der Tammstraße zwischen Bahndamm und Steinstraße gründlich zu ärgern und ihnen das Wohnen dort zu verleiden. Tie Anwohner müssen Tag für Tag einen solch betäubenden Lärm über sich ergehen lassen, daß sich Einsender schon oft gewundert, daß nicht schon Etliche in einer Nervenanstalt Zuflucht gesucht haben. Obschon ich der Jugend ihr Spiel von ganzem Herzen gönne, so entschieden muß ich doch gegen ein solch unflätiges Schreien und Lärmen Protest einlegen, und wenn es ohne dies nicht geht, sollen sich die Jungen und Mädchen Spiel­plätze suchen, welche nicht unmittelbar in der Nähe mensch­licher Wohnungen liegen.

Hoffentlich genügen diese Zeilen, um baldigst Remedur zu schaffen. Viele Anwohner.

Auch vom Drandptatz geht nns*ein ähnliches Schreiben zu. Tort beklagen sich die Anwohner schon lange, daß vor dem Bauplatze an der Ecke der Landgrafenstraße Scharen von Bengels einen ohrenbetäubenden Lärm machen. Es sollte das Spielen der Kinder aus den Kälkhausen, die dort liegen, energisch verboten werden, umsomehr, als das Spielen auf denselben äußerst gesuudheitsschäd- lich ist.

Gijeiitiahii Zeitung.

Mainz, 6. Nov. Tas Enteignungsverfahren für die Ilmiührungsbahn Mombach Bischofsheim wurde nach zweilagiger Sitzung des Provinäal-Ausschusses gestern Nachmittag zu Ende geführt. 25 Ntorgen sollen in der Gemarkung Kostheim, die 3600 Morgen groß ist, enteignet werden. Es han­delte sich in der Hauptsache um die gering angesetzte Taxe der Lokalkomnnssion und um die sehr knapp bemessene Vergütung für den Minderwcrt der von der Bahn durchschnittenen Felder. Be­züglich der Vergütung der Baume kain cs in den Sitzungen zu einer Verständigung zwischen dem Eiscnbahnfiskus und den Eigen- tümerii. Letztere gaben auch aus die Bemühungen ihres Vertreters die Erlaubnis zum sofortigen Bahnbau. Das Urteil znr Feststellung der Parzellenpreise und des Minderwertes des durchschnittenen Feldes wird am nächsten Dienstag verkündet.

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Plaudereien aus der Kaiserstadt.

(Nachdruck verboten.)

Die neuen Gardisten. Wo sie Herkommen. Die ersten Tage im bunten Rock. Beim Fahneneid im Lustgarten. Rund- gang mit dem Unteroffizier.

Eine ganze Weile haben sie sich noch zum Teil Berlin angesehen, die berühmtenReservemänner", die um diese Zeit bekanntlich in Liedern und Toasten gehörig ge­feiert werden und bei billigen Photographen in großen Gruppen, mit einem Faß Bier als Zentrum, auf einem Bildkarton gelangen, der .nachher an so mancher Bauern­wand neben dem Konfirmationsschein prangen wird, und dem dann später Brautkränze, Silberzweige vom Hvchzeits- subiläum, und manchmal auch Ehrendiplomc von der Mast­viehausstellung Gesellschaft leisten. Wer nun ist doch end­lich auch der letzte mit den aufgerollten Achselklappen und dem koketten Spazierstöckchen mit den kleinen Troddeln daran, aus den Straßen der Hauptstadt verschwunden, um denen daheim, diekeine Ahnung davon haben, wie's bei der Jarde zujeht" undwas Berlin für 'ne kolossale Stadt ist", gehörig zu imponieren. Taiür ist der junge Nachschub eingerückt in die Kasernen, schlankgliedriges, gesundes Volk mit allerhand Gesichtern; etliche mit etwas Bangigkeit vor den kommenden strammen Tagen, etliche mit kecken Blicken und unternehmungslustigen,leider noch sehr dünnen Schnurr­bärtchen, etliche auch mit dem AuÄrruck blöder Wurstigkeit um die gutmütig dummen Lippen und Augen. Ter erste Tag auf dem großen Kasernenlrofe der Maikäfer oder Kaiser- Zranzer bringt schon manche Umwandlung beiden meisten hervor. Ter schneidige Gardehauptmann hat sie eindring­lich genug gemustert, trotzdem sie noch im lumpigen Zivil steckten, und der Herr Feldwebel mit dem dicken Porte­feuille, wie's so ein Kompagnie-Minister nun einmal nötig hat, nicht minder. Und die Eindrücke, die sie von dieser ersten Truppenschau empfangen, halten mitunter lange vor.

So ein geplagter Feldwebel weiß zu gut, daß so ein schmäch­tiger Jüngling trotz seiner Länge nicht allzu viel leisten wird; es ist ein Konvorschemelreiter, der höchstens durch eine gute Handschrift sich Gnade erringen kann; da ist der wackere Pommer mit seinen noch etwas ungelenken, aber sehnigen Gliedern ein ganz anderer Kerl! Unter einem etwas genial sitzenden Schlapphut das blasse, trotz seiner Jugend schon seltsam markante Gesicht mit dem moquanten Zug gehört unbedingt einem Jünger der Kunst an, einem zugendlichen Liebhaber vom Stadttheater in Hanau oder Züllichau. Wenn er seinen Weltschmerz wegen des seinerzeit nicht erlangtenEinjährigen" überwunden hat, wird er zur Erheiterung der Kompagnie viel beitragen und bei Königs Geburtstag und anderen schönen Gelegenheiten manchen Beifallsruf, auch aus der Gruppe der Offiziere, ernten. Wie's freilich sonst mit ihm bestellt sein wird, ist eine kritische Frage. Die Wgen der Kompagniemutter ruhen mit einer gewissen Sorge auf ihm! Alsbald geht es in die Monturkammern, und aus dem Posener und Elsässer Zivilisten werden stolze Berliner mit den Garde­litzen. Merkwürdig, wie solch bunter Rock die hohen Ge­stalten erst zur rechten Geltung kommen läßt! Auch die Haltung wird eine ganz andere, obgleich die musternden Unteroffiziere und Gefreiten noch tausenderlei auszusetzen haben! Als am letzten Dienstag der wichtige Weg nach dem ,Lustgarten" zurückgelegt wurde, sah man schon, daß der Anfang zum neuen Menschen nicht ohne Erfolg gemacht war. Ter Fahneneid, der in Berlin und Potsdam in Gegenwart des Kaisers geschworen wird, bockt nicht wenige Zuschauer unter die Linden, resp. vor das gewaltige Schloß an der Spree. Um 9.45 Uhr ift der Aufmarsch sämtlicher Rekruten beendet. Im Paradeanzug mit Dlänteln harren sie des obersten Kriegsherrn. An einem der Schboßportale stehen die Militärbevollmächtigten der fremden Staaten. Gerade gegenüber ist ein freier Altar errichtet, der von Lorbeerbäumen rc. stimmungsvoll eingerahmt und mit Bannern und Flaggenmasten und den Farben aller deutschen Bundesstaaten überragt wird. Ein paar Kanonen, Trommel-

Pyramiden und anderes Kriegsgerät vervollständigen den Aufbau. Um 10 Uhr fliegt wie ein elektrischer Zünder das KommandoStillgeftanden" durch alle die Reihen. Ter Kaiser kommt! Zu Pferde, im grauen Paletot und dem gelben Bande des schwarzen Wlerordens darüber, erscheint er mit glänzendem Gefolge, grüßt erst die Prinzen, Generale und Gäste, reitet die Front entlang und mustert durch­dringenden Blickes seine jüngsten Truppen, ihnen den ersten Guten Morgen" wünschend. Tann nimmt er dem Altar gegenüber Aufstellung, Fahnen und Standarten werden in zwei Gliedern, den Altar int Angesicht, gruppiert; v. Stosch, der Tivisionspfarrer, hält eine feierliche Ansprache, dem sich danach ein katholischer Geistlicher anschließt. Tann erfolgt brigadeweise die Vereidigung. Israeliten und Nicht­preußen sind zwar in die letzten Glieder gestellt, haben aber ihren Eid schon vorher in der Kaserne leisten müssen. Nach­dem der bedeutungsvolle Akt vorüber ist, spricht auch der Kaiser. Knapp und energisch fügt er feine Worte, die der Bedeutung des eben geleisteten Eides gewidmet sind und in einem kräftigen Appell an die Treue, auch in den kleinsten Dingen, schließen. Ter kommandierende General bringt ein dreimaliges Hoch auf den obersten Kriegsherrn aus, das wie mächtige Wellenstöße über den Platz rauscht und in der kalten, dunstigen Herbstluft verhallt; die Musik intoniert Heil Tir im Siegerkranz", in das alles einstimmt; die Fahnen defilieren und kehren ins Schloß zurück; der Heim­marsch beginnt. Ueberall marschiert das Volk mit, das eben Mittagspause macht. Es ift doch noch ein gut Teil Begeisterung in diesen Berlinern, und nicht nur in ihren Füßen, wenn sie auch rot wählen! Tas sieht man an solchen Tagen. Nachmittags begegnen mir unzählige Trupps der jungen Garde auf Rundgängen durch die große Kaiserstadt. Wie sie staunen über all die Pracht! Und wie ungelenk sie noch grüßen, wenn ein Offizier oorü^rAeht. Ein Glück, daß ab und zu ein Ruhehafen ausgesucht wird. Ein bischen Kneipengeographie gehört schließlich auch dazu. Und solchBärenführer" hat's nötig, sich öfter mal zu stärken! .... A. R.