Ausgabe 
8.10.1902 Erstes Blatt
 
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fithrt, während an dem andern zunächst ma die Grund­mauern fertig smd. Im nächsten Frühjahr werden die Türme daS zweite Stockweck nebst Dach und den sie Der» tindenden Thorbogen erhalten. Die Form wird dieselbe sein, rote die bereits vollendete Porta dextra. Die Umfassungs­mauer ist von der Südwest-Ecke bis Porta ßinistra bis auf einige Schlußarbeiten ebenfalls fertig. Der doppelte Wall- pcafcen in genannter Strecke wird voraussichllich im Früh- jirhr erneuert. Hinter dem Prätorium werden zur Zeit die alten Kanäle zur Trockenhaltung des Fundaments welche Einrichtung schon die Römer hatten aufgedeckt und auS- ^ebeffert, bezw. neu hergestellt. Dieselben führen die Boden- siruchtigkeit mit dem natürlichen Gefall in nördlicher Richtung nach dem Pfahlgraben zu, ab. Bei den Fundamentsbauten feer Thore sorgt man ebenfalls für Trockenhaltung, indem nan zuerst die Steine schichtenweise stellt oder übereinander lügt, Kanäle führen die Feuchtigkeit in den Wallgraben. Vor kurzem ist man südöstlich vom Kastell an der Usingerstraße auf größere Mauerreste gestoßen, an deren Freilegung gear- toeitet wird. Man vermutet, daß dies eine Villa mit da­hinterliegendem Hof ist. Die Arbeiter fanden zahlreiche Gegenstände auS römischer Zeit, so u. a. Bronze» und Silber­münzen, Töpfe, Bronzenadel, Lanzenspitze und dergl. mehr.

Eine wahre Geschichte. In dem Dorfe B. in Oberhessen war im Auftrag eines Handelsmanns einem Bäuerlein die einzige Kuh gevfändet worden; dieselbe Konnte aber nicht verkauft werden, weil nach Ausspruch lreS Richters diese Kuh absolut zum Lebensunterhalt der Familie nötig war. Ter Handelsmann sann hin und hier, wie er zu seinem Gelde komme, und endlich schien ei einen Ausweg gesunden zu haben. Er entschloß sich, t»em armen Bäuerlein eine Ziege zu schenken, denn aus biese Weise war für die Kuh einiger Ersatz geschaffen, unb dieselbe konnte verkauft werden. Das Geschenk machte dem Mann große Freude und er nahm es dankbar an. Kurz daraus kommt wieder der Gerichtsvollzieher, um Kim die Kuh abzuholen, denn es war chm mitgeteilt Morden, daß der Schuldner jetzt auch im Besitze einer Ziege sei. Es war aber nur eine große Enttäuschung, welche dem Gerichtsvollzieher zuteil wurde, denn der Bauer war nicht dumm gewesen, und hatte die Ziege, d-ie ihm ja geschenkt worden war, geschlachtet.

() Heuchelheim, 7. Okt. Gestern abend 6 Uhr f«mb hier die Grün d stein le gun g^u unserer Klein - linder schule statt, wozu sich die Mitglieder des Ver­einsKinderfreund" eingefunden hatten. Pfarrer Glück sprach die Weiberede. Nachdem ein von Lehrer Schneider schr jchpn uno sinnig ausgeführtes Gedenkblatt mit dem Motto: ,Fasset die Kindlein zu mir kommen usw." und eine Nummer desGießener Anzeiger" in Der» schlossener Kapsel in die Mauer eingefügt, erfolgten die üblichen Hammerschläge seitens des Redners und des Prä- sibenten Kreiling. An die erhebende Feier schloß sich eine schöne Nachfeier auf der Heuchelheimer Mühle.

)( Friedberg, 7. Okt. Der Bau eines städtischen Schlachthauses ist geplant. Hebet die Wahl des Platzes schweben zur Zeit Verhandlungen. Die Stadt schlägt vor.

daS Schlachthaus an die llstr zu bauen. Gestern haben bie Metzgermerster den Platz besichtigt. Da aber bie Ufa ver­seucht und hier auch ein Bahnanschluß kaum möglich ist, sind die Metzgermeister der Ansicht, daß man das Schlacht­haus nach Fauerbach zu an den Bahnkörper bauen soll. Man ist hier auf den Ausgang der Platzfrage sehr ge­spannt. Einer der Dienstältesten wenn nicht der älteste Taubstummen-Lehrer Deutschlands ist Herr Landau in Friedberg i. H. Er wirkte seit 1860 ununterbrochen an der Großh. Taubstummenanstalt Fried­berg also fast 43 Jahre und tritt am 16. Oktober d. I. in den wohlverdienten Ruhestand. Die Kurse an den hessi­schen Taubstummenanstalten werden mit Beginn des Win­terhalbjahrs siebenjährig, während sie seither sechsjährig waren.

[] Nied er-Florstad t b. Friedberg, 7. Okt. Gestern ab ent) verunglückte ein hiesiger Gastwirt, als er mit brennendem Lichte einem Kessel seiner Acetylen-Lei­tung zu nahe kam. Tas zum Glück geringe Quantum Gas explodierte, die Flamme schlug ihm mit solcher Wucht ins Gesicht, daß er zu Boden fiel. Das Gesicht ist schwer verletzt.

(:) Grebenau, 6. Okt. Bei der gestern im Reitschon Lokal dahier abgehaltenen Kirchweih kam es, wie es ja auf einer Kirchweih öfter vorbommt, zu einer Rauferei, bei der ein auswärtiger Bursche eine tüchtige Kopfwunde davontrug. Der Thäter soll von der Polizei bereitsge- faBt" fein.

' O Bieken b. Alsfeld, 6. Okt. Heute weilte das Amts­gericht Alsfeld mit zwei Gerichtsärzten hier, um die Leiche eines am vergangenen Freitag plötzlich verstorbenen, etwa 80jährigen Mannes zu untersuchen. Derselbe, Wagner mit Namen, hatte zwei Tage vor feinem Tode mit einem anderen hiesigen Einwohner, dem früheren Bürgermeister Netz, in einer Wirtschaft einen Wortwechsel gehabt, wobei er von seinem hitzigen Gegner von der Bank herab auf den Boden gestoßen worden war. Man nimmt nun an, daß der Tod des Mannes eine Folge des erhaltenen Stoßes sei. Für morgen sind verschiedene Leute als Zeugen vor den Untersuchjungsrichter geladen, der ebenfalls hier­her kommt.

??Marburg,8. Okt. Zur heutigen Dreijahrhundert­feier der Gründung der Universitäts-Bibliothek in Oxford hat auch die hiesige Universität eine Glückwunschadresse gesandt.

Landwirtschaft.

Darmstadt, 6. Oktober. Der Herbstpferdemarkt hier bat heute vormittag feinen Anfang genommen und ist, gleich wie in den Vorjahren, gut besucht. In den Vereinsstallungen sind 130 Pferde eingestellt, zur Prämiierung sind etwa 150 Pferde und Johlen vorgeführt und auf dem Pferdemarttplatz sind weiter noch etwa 120 Pferde zum Verkauf ausgestellt. Im Ganzen ist sonach der SDlartt mit etwa 400 Tieren befahren. Bei der um 9 Uhr vormittags beginnenden Prämiierung wurden folgende Preise zuerkannt: 1. Für schwere Reitpferde: Gebr. Heß Söhne, Bocken- heim, ein 1. Preis mu 50 Alk., 2. für leichte Reitpferde: Gebr. Heß Söhne, Bockenheim, ein 1. Preis mit 80 Ml., 8. für schwere Wagenpferde (Carossier): Gebr. Heß Söhne, Bockenheim, ein 2. Preis mit 45 All., Bender u. Strauß, Frankfurt a. M., em 2. Preis mit 45 Mk., 4. für müdere Wagenpferde: Gebr. Heß Söhne, Bockenheim, ein

1. Dreis mit 40 TH., Bender u. Strauß, Frankfurt a. TL ehe Preis mit 20 Mk^ 5. für leichte Wagenpferde: Bender u. Strauß, Frankfurt a. M., ein 2. Preis mit 80 Mk., Albert Nathan, Ober- Ingelheim, ein 3. Preis mit 20 Mk.; 6. für leichte Arbeitspferde: Koch, Maß u. Heimann, Gau Obernheim, ein 3. Preis mit 25Mk Heinrich Mafsing, Griesheim em 3. Preis mit 25 Mk., Gebr. Sommerfeld, Darmstadt, ein 3. Preis mit 25 Mk.; 7. für schwer« Pferde: Leopold Neumond, Frankfurt a. M., ein 1. Preis 50 Mk.

Arbeiterbewegung.

Genf, 7. Okt. Ter Staatsrat nahm heule Kenntnis von bet Antwort der Straßenbahngefellschast, die es ablehnte, alle Aus ständigen zu denselben Bedingungen rote vor dem zweiten Ausstande wieder einzustellen. Ter Staatsrat entließ das zehnte Bataillon und berief dafür das 13. Bataillon und eine halbe Guidenkompagnie ein. Amtlich wird mitgeteilt, die meisten Ge­werkschaften beschlossen den allgemeinen Ausstand. Der Tag der Arbeitseinstellung wird in einer Versammlung des Ge­werkschaftskomitees am Mittwoch abend festgesetzt werden._______

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Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Höchste Temperatur

Niedrigste

c

ktober

Barometer aus 0° reduziert

Temperatur der Luft

7.

2«

742,4

12^4

7.

9

743,4

9,4

8.

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745,8

3,0

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windricktuna

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Wetter

7,6

71

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2

Bew. Himmel

7,7

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W

1

sternh. Himmel

5,3

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8

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Nebel

am

>.-7.

Oktober

18,0 0

X

, 6

.7.

V

7,5° 0.

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Amtliche BerkaufSstellen für Postwertzeichen bestehen: in Gießen bei Herrn L. Kalkhof Nachft Westanlage 2.

, , Christoph Bieker, Neustadt 55.

, Frau Bernhard. Wolfslraße 9.

, , Herrn Conrad Roch, Walühorstraße.

, w u u Philipp Stier, Neuen-Bäue.

, , » » Jacoo Hengst, Licherstraße 20.

, , , Heinr. Becker, Löwengasse.

, , u u Gustav Sonntag, Neuen-Bäue.

, , Wilhelm Haas, Bleichstraße.

, w Frau Lehrmund Witwe, Neuenweg.

, , Herrn Friedrich Weber, Tiefenweg 6.

Bettenhausen

, Reiskirchen

Winnerod

, Bollenbach

Saasen

Lindenstruth

, Hattenrod

, Rodheim a. Bieber

Crumbach

, Fellingshausen

Frankenvach

.» Vetzberg

Stembach (Hessen) y, Albach

v Steinberg (Kr.Gießen) ,, Garbenteich bei »Hausen

Watzenborn

Alten-Buseck Rödgen Trohe

Beuern (Hessen) Großen-Lmden Leihgestern Hörnsheim Heuchelheim Krofdorf Glerberg Lang-GönS Langsdorf

Die amtlichen Verkäufer sind vertragsmäßig verpflichtet, stets nmm angemessenen Vorrat an Postwertzeichen zu führen und die ^mjelnen i)tariert zu keinem höheren, als dem Betrage ihres Wertes tn das Publikum abzulassen. Im Allgemeinen hat der Verkauf ocihrend der ganzen Zett, in welcher das Geschäftslokal des 23er- liiajerS geöffnet ist, stattzufinden, jedenfalls aber innerhalb der für len Verkehr mit dem Publikum festgesetzten Dienftstunden der ho stanstalt.

Gießen, 3. Oktober 1902.

Kaiserliches Postamt L

Schäfer.

bem Hospitale SelterSweg 11 niederzulegen. Gießen, den 7. Oktober 1902.

_______Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.

Bekannlmachuug.

Bekanntmachung.

An Stelle des aus dem Vorstand der Spar- und Dar- lehnskasie Ettingshausen e. G. m. u. H. freiwillig ausge­schiedenen Karl Wagner von Ettingshausen ist Konrad Seip erster von da gewählt worden. 7030

Eintrag im Genossenschaftsregister ist erfolgt

Laubach, am 6. Oktober 1902.

Großherzogliches Amtsgericht

Für die Großherzogl. neuen Kliniken in Gießen soll die

Lieferung nachbenannter Ver­zehrungsgegenstände auf dem öffentlichen Submissionswege vergeben werden: 6693

20 Ctr. Aepfel

600 gute Speisekartoffeln

15 ,, gelbe Mäuschen­kartoffeln

10 , untererdige Kohlrabi

2 obererdige Kohlrabi

10 v Zwiebel

2 , Roterüben

2 Meerrettig

10 , Gelberüben

35 Weißkraut

150 Stck. Rotkraut

400 Wirsing

200 Stck. Lauch

350 Sellerie

Die Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungs­bureau der neuen Klintten an den Wochentagen nachmittags von 3 bis 6 Uhr eingesehen werden.

Offerten unter Beischluß von Musterproben sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Erüffnungs- termin, Samstag d. 11. Ok­tober 1902, mittags 12 Uhr auf dem oben erwähnten Bureau einzureichen. Zuschlagsfrist bis zum 15. Oktober 1902.

Gießen, 25. Septbr. 1902. Großh. Verwaltungs-Direktion der neuen Kliniken.

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Gießen, den 8. Oktober 1902. 6893 Mulch, Pfandmeister.

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