Ausgabe 
8.4.1902 Zweites Blatt
 
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einer Weise eventuell durch Intervention unseres Auswär­tigen Amtes oder durch noch energischere Mittel zu ver­hindern, da von solchen korporativen Ausflügen aus­wärtiger nationaler Vereine und speziell des Alldeutschen Verbandes, der seit Jahren gegen die ungarische Staats­ordnung agitiere, nichts Gutes zu erwarten sei. (Das sind falsche Beschuldigungen, die gegen den Alldeutschen Verband erhoben werden. Es fällt diesem Verbände nicht ein, gegen irgend welche Staatsordnung zu agitieren. Wenn er mit aller Kraft für die Erhaltung des Teutschtumes im Auslande eintritt, wie andere Vereinigungen, so wird ihm das niemand verwehren können, auch nicht das ungarische Ministerium, dem es übrigens nicht einfallen wird, dieses Verlangen des ängstlichen Kulturvereins zu beachten. D. Red. desGieß. Anz.")

Konstantinopel, 7. April. Tie russische Re­gierung suchte bei der Pforte um eine Konzession nach, den Schatt el-Arab und weiter den Tigris bis Bagdad durch eine eigene Schiffahrts-Gesell­schaft befahren zu lassen. Die P f o r t e l e h n t e das russische Verlangen unter Berufung aus die bindenden Ver­trage mit der englischen Lynchlinie a b, welche dieser mit Ausschluß der Omanlinie, die bereits früher bestand, ein ausschließliches Recht einräumen.

Petersburg, 7. April. Gestern fand bei der Auf­fahrt des Oberpolizeimeisters Trepow in einer der Hauptstraßen Moskaus schon wieder ein Atten­tat statt. Ein Mann, wie verlautet ein exmatrikulierter Student, sprang auf das Trittbrett des Wagens und versuchte Trepow mit einem Dolche niederzustechen. Er verwundete statt dessen den neben ihm sitzenden Polizei-Direktor. Der Attentäter wurde verhaftet. Er sagte aus, der T o d T r e p o w s sei a u s p o l i t i s ch e n Gründen beabsichtigt. Man befürchtet eine weit verzweigte Verschwörung gegen das Leben Tre- pows. Der Moskauer und hiesigen Presse ist jede Ver­öffentlichung des Vorfalles untersagt. In Moskau sanden zahlreiche Verhaftungen statt.

Newyork, 7. April. Aus Port au Prince wird tele­graphiert: Revolutionäre setzten sich in Besitz der Stadt Jacmel (Südküste von Haiti) und hielten sich dort 24 Stunden lang. Sie ließen die Gefangenen aus dem Gesängnis frei und zagen sich dann mit allen Waffen- und Munitionsvorräten, deren sie habhaft werden konnten, auf die benachbarten Hügel zurück. Bei dem Angriff auf die Stadt waren zwei Revolutionäre gefallen und eine Anzahl verwundet worden.

Kingston, 7. April. An der Bucht von Montego (Nordküste von Jamaica) haben im Anschluß an Ver­haftungen, die die Polizei vorgenommen hatte, ernste Ruhestörungen stattgefunden. Es kam zu einem Kamps zwischen der Polizei und den Ruhestörern; die erstere gab Schüsse auf die Menge ab, durch welche eine Person getötet und drei verwundet wurden; aus Seiten der Polizei wurden 19, darunter der Generalinspektor, schwer verwundet. T4e Regierung hat Polizei- und Mili­tärmannschaften sowie den KreuzerTribüne" nach Mon­tego entsandt.

Aus Stadt und Kand.

Gießen, 8. April 1902

* Professor Kornemann Als Vertreter der alten Ge­schichte ist Professor Kornemann aus Gießen an die Uni­versität Tübingen berufen worden. Es handelt sich zu­nächst um eine nicht etatsmäßige Stelle. Doch besteht die Aussicht, daß in Jahresfrist eine etatsmäßige Professur dort geschaffen werden wird. Seit dem Tode A. v. Gutschmids ist das Fach der alten Geschichte in Tübingen nur von dem Ordinarius der klassischen Philologie Herzog mitvertreten worden.

** Ernennungen. Der Großherzog hat die Lehramts- Assessoren Dörr zu Rimbach zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule daselbst, Dr. Meyer zu Gau Odernheim zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule daselbst, Reuter und Dr. Waas zu Alsfeld zu Oberlehrern an der Real­schule daselbst, Bock zu Dieburg zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule daselbst, Wenzel zu Pfungstadt zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule daselbst, Hirsch zu Oppenheim zum Oberlehrer an der Realschule daselbst sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1902 an ernannt. Der Großherzog hat den Josef Kern aus Dieburg zum Wärter bei dem Arbeitshaus zu Dieburg ernannt.

** Parlamentarisches. Der Abg. Wolf hat an die Regierung folgende Anfrage gerichtet:Ist Groß­herzogliche Regierung bereit, an die Großherzoglichen Kreis­ämter eine Verfügung dahin gehend z urichten, daß das Turchtreiben von Schafherden nicht hessischer Besitzer durch Teile unseres Großherzogtums im Interesse der Verhütung der Verschleppung von Viehseuchen und der Verhütung da­durch entstehender Flurschäden gänzlich verboten wird." Ter Landwirt Gustav Gilm er zu Hesselhof, welchem im Herbst vorigen Jahres vom 12. Oktober bis 5. Dezember sechszehn Pferde und zwei Ochsen an einer bis jetzt unauf­geklärten Krankheit zu Grunde gegangen sind, sodaß ihm ein Schaden von, gering gerechnet, 16 000 Mk. erwachsen ist, hat an die Zweite Kammer eine Vor stellung wegen Gewährung eines St a a tszus chu s s es gerichtet. Er be­zieht sich darauf, daß den durch die Maul- und Klauenseuche Geschädigten nach der Regierungsvorlage, rückwirkend für die im Herbst vorigen Jahres erlittenen Verluste, Entschä­digungen gewährt werden sollen und hofft, daß ihm, der ohne sein Verschulden so schwer geschädigt wurde, daß er und seine Familie in ihrer Existenz bedroht sind, ebenfalls eine staatliche Unterstützung zu teil werde.

** Von der Schule. Die Osterferien haben gestern ihr Ende erreicht. Mit den bisherigen Schülern und Schülerinnen, die zu neuem Lernen in die altbekannten Klassenräume zurückkehren, traten heute zum ersten Male auch die kleinen A-B-C-Schützen an der Hand des Vaters oder der Mutter den Weg zur Schule an, mit frohem Ge­sichtsausdruck die einen, denn schon zu Hause hat man in ihnen die Lust zum Lernen geweckt, und sie freuen sich und sind stolz darauf, daß sie nun auch schon zur Schule gehen dürfen; ängstlich und zaghaft die anderen, denen'man, wenn sie unartig waren, die Schule als Schreckgespenst hinstellte und die sich nun leider in ihrer kindlichen Phan­tasie unter dem Lehrer nur den strafenden bösen Mann vorstellen. Alle aber schauen sich mit einem Gefühl der Neugier und banger Erwartung in den Räumen um, die nun für acht lange Jahre das tägliche Ziel ihrer Wande­rung bilden. Aber auch für die Eltern ist dieser erste Schul­tag nicht ohne Bedeutung. Denn während ihnen bisher die Erziehung ihrer Kinder allein oblag, müssen sic sim von seK an mit der Schule darein teilen. Tie Kinder gehören

ihnen fortan nicht mehr in demselben Maße wie bisher. Ter Staat erhebt nun Anspruch Darauf, über der Geistes­bildung und Erziehung des Kindes zu wachen. Soll aber das schwere Werk, das Kind zu einem brauchbaren Gliebe der menschlichen Gesellschaft heranzubilden, ersprießlichen Fortgang haben und gelingen, so müssen Schule und Haus Hand in Hand arbeiten, so dürfen die Eltern den Lehrern ihre mühevolle Aufgabe nicht erschweren, sondern sie müssen sie ihnen durch eine entsprechende häusliche Erziehung er­leichtern, indem sie vor allem den Kindern zu Hause Achtung und Ehrerebietung vor den Lehrern einflößen, wie um­gekehrt diese den Kindern fort und fort den Inhalt des 4. Gebotes zu Herzen führen. Geschieht dies, dann wird und kann der Erfolg nicht ausbleiben^ und was giebt es für Eltern für eine größere Freude, als wenn sie sehen, wie ihre Lieblinge nicht nur körperlich, sondern auch geistig und sittlich fort und fort wachsen!

** Generalversammlung des Land es- vereins akad. gebildeter Lehrer. Samstag, den 5. April, begann in Mainz die 17. Hauptversammlung des Landesvereins akad. gebildeter Lehrer des Großherzog­tums Hessen, die erste auf hessischem Boden, Denn die früheren tagten in derRosenau" zu Frankfurt a. M. Auch wohnten zum erstenmal Vertreter der obersten Schul­behörde, Geh. Oberschulrat Nodnagel und Geh. Oberregie­rungsrat Dr. Best, der Versammlung bei. Die Verhand­lungen erledigten sich unter der geschickten Leitung des Präsidenten des Vereins, des Oberlehrers Dr. Block- Gießen, rasch und hinterließen den Eindruck, daß nach In­krafttreten des Beamtengesetzes in den Kreisen der Ober­lehrer ein gewisser Zustand der Befriedigung Platz gegriffen hat. Negierungsrat Knöpfel-Darmstadt, der verdienstvolle Statistiker des Oberlehrerstandes, wurde zum Ehrenmit­glied des Vereins ernannt. -Neu in den Vorstand gewählt wurde Prof. Denig-Mainz. Als Versammlungsort für das nächste Jahr wurde Gießen erkoren. Für berufs^-- wissenschaftliche Anregung waren zwei Vorträge vorgesehen. Direktor Münch-Darmstadt sprach in klarer, anschau­licher Weifezur Physik der Sinnesorgane" und Privat­dozent Dr. Messer-Gießen behandelte im Lichte der ge­schichtlichen Entwickelungdie Berechtigungsfrage". Er em­pfahl Gleichstellung der Realgymnasien und Oberrealschulen mit den Gymnasien in Zulassung ihrer Abiturienten zur Immatrikulation, zu Staatsprüfungen und Promotionen. Von einer Diskussion und Beschlußfassung über seine Thesen wurde auf Antrag des Dr. S e i d e n b e r g e r - Friedberg wegen Wichtigkeit der Sache und Kürze der Zeit >Abstand> genommen. An die Versammlung reihte sich ein gemein­schaftliches Mittagsmahl, woran etwa 130 Personen, dar­unter mehrere Kollegen aus Preußen und Bayern, teil­nahmen. Von den zahlreichen Toasten sei besonders der des Geh. Oberschulrats Nodnagel erwähnt. Nodnagel übermittelte die Grüße des Staatsministers Rothe und des Ministerialrates Eisenhut und betonte, daß die Schulabtei- lung des Ministeriums dem Verein volles Vertrauen schenke, aber auch um das Vertrauen des Vereins bitte. Deshalb begrüße er es freudig, daß man die Behörde zur Ver­sammlung eingeladen habe, und gern seien sie der Ein­ladung gefolgt. Er toastete auf Den Verein. Pvof. Dr. Beck-Mainz plädierte für einen allgemeinen deutschen O ib erlehrertag und schlug Mainz als Versammlungsort vor .Sehr ansprechend war auch ein Toast des Vorsitzenden des Mainzer Lokalvereins, Prof. Dr. Jäger, der auf die geschichtliche Bedeutung der Stadt Mainz hinwies. Ein Abschiedstrunk imZunft- und Wappen­saal" desHl. Geist" vereinigte noch lange eine stattliche Korona. Auch hier fehlte es an ersten und heiteren Reden nicht.

* * Oeffentliche Lesehalle. Im März wurden 2177 Bände ausgeliehen.. Von diesen Bänden kommen auf: Illustrierte Zeitschriften 546, Erzählende Litteratur 937 , Vers- dichtungen 34, Litteraturgeschichte 17, Jugendschriften 270, Länder- und Völkerkunde 63, Kulturgeschichte 26, Geschichte und Biographien 85, Naturwissenschaft, Technologie 104, Seewesen 19, Philosophie und Religion 25, Hauswirtschaft 15, Staatswissenschaft 9, Sprachwissenschaft 7, Fremdsprach­liches 20 Bände. Nach auswärts kamen 73 Bände.

* * Gefaßter Dieb. Gegen einen hiesigen Taglöhner, der kurze Zeit in einem hiesigen Spielwarengeschäft beschäftigt war, lagen dringende Verdachtsmomente vor, daß er aus dem Geschäft Waren von hohem Werte entwendet habe. Eine Haussuchung, die bei ihm vorgenommen wurde, war denn auch von Erfolg begleitet. Man fand einen großen Teil der gestohlenen Waren in der Wohnung des Beschul­digten vor. Er wurde in Haft genommen.

* * Verhaftung. Ein hier wohnhafter junger Schausteller, der trotz Verwarnung von Seiten zweier Schutzleute diesen keine Folge leistete, mußte in Haft gebracht werden. Er wird sich wegen Beamtenbeleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu verantworten haben.

* * Die Hauptversammlung des evangelischen Pfarrvereins im Großherzogtum Hessen, die am 22. und 23. April in Friedberg stattfindet, hat folgendes Programm: Dienstag, den 22. April, nachmittags 3 Uhr, Eröffnungsandacht von Pfarrer Z a u b i tz - Offenbach. Jahresbericht des Vorsitzenden, Referat des Schriftleiters, Rechnungsablage des Rechners, Vortrag von Pfarrer Bechtolsheim er - Mombach: Niedergang der sittlichen Lebensauffassung in unserm Volk im Spiegelbild der deutschen Litteratur. Nach gemeinsamen Abendessen ist um 8*/, Uhr öffentliche Abendversamml ung , zu der der Kirchengesangoerein seine Mitwirkung in Aussicht gestellt hat und bei der Gäste herzlich willkommen sind. Zwischen den Gesang- und Musikstücken werden ofsizielle Begrüßungen und deren Erwiderungen stattfinden. Außerdem ist ein Vortrag von Pfarrer Fritsch-Ruppertsburg vorgesehen: Die Poesie des Pfarrlebens. Mittwoch, den 23. April, vormittags 8 Uhr, Morgenlektion und Gebet von Pfarrer Schrimpf- Butzbach, Vortrag von Pfarrer Waldeck-Beerfelden: Wie helfen wir Pfarrer unser Volk zur Mässigkeit erziehen? Vor­trag von Pfarrer Röschen-Freienseen über Bilderoerkauf und Lotterie zu kirchlichen Zwecken. Vortrag von Pfarrer Köhler-Rohrbach: Die rechtliche Stellung der evange­lischen Geistlichen nach Reichs- und Großh. Hess. Partikular­recht. Pfarrer Röschen liefert den Bericht des Wohl­fahrtsausschusses. Besprechung des Vortrags von Professor Schöler-Friedberg betr. Schenkung emc5 Stadtkirchenfensters. Es werden folgen die Jahresberichte der Sterbekasse und der Hilfskasse. Den Abschluß bildet ein gememsames Mittagessen. Sämtliche Versammlungen finden im Hotel Trapp statt.

**Mitteldeut scher Viehhändlerverein. Der Mitteldeutsche Viehhändlerverein hielt am Sonntag im Storch" zu Frankfurt eine außerordentliche Hauhtver- sammlung ab . Von verschiedenen Händlern, die mit geringen Geldstrafen wegen Vergehens gegen die Quarantäneverord- nung ic. belegt wurden, sind im Interesse der Gemeinschaft Prozesse durchgeführt worden, die auch teilweise ein ob­siegendes Urteil erlangten. Augenblicklich schweben noch vier Prozesse. Der Verein macht sich nun dahin schlüssig, die Hälfte der Anwaltskosten tragen zu wollen. Stellung gegen das Hausierverbot brauchte nicht genommen zu werden, da das Verbot endgiltig ausgehoben ist. An die Verkehrsinspektionen von Köln, Düsseldorf und Frankfurt sollen Petitionen eingereicht werden um schnellere Beför­derung der für Frankfurt bestimmten Kälbertransporte. Voraussichtlich wird im Mai die eine Markthalle des Vieh­hofes eröffnet; da bisher ein geregelter Verkehr im Schlacht- und Vichhof nicht zustande gekommen ist, so wird der Verein eine Eingabe an das städtische Verkehrsamt richten, damit zukünftig mindestens ein bis drei Händler je einen Stand erhalten. Sodann wurden die Fleischbeschauverhält­nisse in Offenbach gerügt und behauptet, es-wäre Zeit, Stellung gegen die Uetier griffe einiger Subalternbeamteix zu nehmen, u. a. komme es vor, daß von 19 Ochsen, diel im ersten Stadium der Tuberkulose erkrankt seien, 13 der Freibank überliefert würden.

S. D a r m st a d t, 7. April. Heute nachmittag spielten, von dem Großherzog eingeladen, im Neuen Palais' vor seinem hohen Besuch dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich und anderen Gästen, die Valencianev Künstler-Kapelle unter Direktor Don Carlos Teraza, welche am Samstag mit ihren Vorträgen im Saalbau hier einen großen Erfolg erzielt hatte; auch die hohen Herrschaften sprachen sich äußerst anerkennend über die künstlerischen Leistungen aus. Heute nachmittag fcegafc. sich der Gro ßh er z o g mit seinen hohen Gästen im Vierer­zug nach Schloß Wolfsgarten, wo der Thee eingenommen, wurde. Heute abend folgten der Großhei^og und Prinz! Heinrich einer Einladung desClub". Morgen abend, 7 Uhr werden beide Herren einer Einladung des Offizier- Korps des Jnf.-Regts. Nr. 115 in dessen Kasino folge leisten.

Darmstadt, 7. April. Prinz Albert zu Sch les»

wig -Holstein hat Darmstadt gestern wieder verlassen.

Darmstadt, 4. April. In Eisenbahnkreisen wird seit längerer Zeit davon gesprochen, daß am 1. Oktober die Eisenbahn-Kontrollen von Frankfurt a. M. und Mainz nach Darmstadt verlegt werden sollen, d. h. so­bald die Main-Neckarbahnvorlage angenommen sein wird. Für die etwa in Darmstadt überflüssig werdenden Beamten der Main-Neckarbahn würde der Stadt insofern ein Ersatz geschaffen, als die Stadt für etwa 40 abgehende Familien, deren etwa 200 erhalten würde, und zwar durchweg Kontrollbeamte der Güter- und Personenkontrolle von Frank­furt und Mainz. Frankfurt würde dadurch am 1. Oktober etwa 100 Familien verlieren, Mainz ebensoviel.

Birstein, 6. April. Nach der Rückkehr der Erbgroßherzogin- Witwe, Mitte Mai, aus Italien, findet in Weimar die Hoch­zeit ihrer Schwester, der Prinzessin Olga von Sachsen- Weimar, mit dem Prinzen Leopold von Jsenburg- 23 ir ft ein statt. Nach derDorfzeitung" wird die Trauung nach protestantischem Ritus in der dortigen Schloßkapelle er­folgen. Sämtlichen Mietern des alten Schlosses ist durch Verfügung des Ministeriums am 1. April die Wohnung ge­kündigt worden. Es laßt sich daraus schließen, daß die Wiederherstellungsarbeiten am Schloß bald in Angriff ge­nommen werden dürften.

A. B i n g e n, 7. April. Die Pulverexplosion wird, wie wir aus Abgeordnetenkreisen erfahren, bald nach dem Wiederzusammentritt der zweiten hessischen Kammer Gegen­stand einer Interpellation an die Regierung werden. Tie Interpellation wird sich, mit den in Hessen bestehenden polizeilichen Vorschriften über die Aufbewahrung des Pul­vers sowie deren Handhabung im Vergleiche mit Preußen befassen. Im Anschluß an diese Interpellation wird der Kammer ein Antrag unterbreitet werden, die Schäden derartiger Pulverexplosionen für die Folge auf die staat­liche Brandkasse zu übernehmen. Bei derPulver- explofion, >d'ie im Jahre 1857 in Mainz stattfand und bei der über hundert Menschen ihr Leben verloren haben, ist die Entschädigungsfrage schon einmal angeregt worden, doch liefen damals von allen Seiten freiwillige Hülfsgelder in solcher Höhe ein, daß die Sache nach und nach wieder ein- schlummerte.

Alzey, 7. April. Für Altertumsforscher hochinteressante Funde sind im Laufe der vorigen Woche in einem in der Nähe unserer Stadt gelegenen Weinbergsgebiete, das seit einiger Zeit zur Neuanlage umgerodet wird, gemacht worden. Drei mehr oder weniger gut erhaltene Menschen­skelette, bei denen wertvolle Beigaben gefunden wurden, sind unter Leitung des Vorsitzenden des Altertumvereins in Worms, Dr. Köhl, blosgelegt worden. Diese Beigaben be­stehen aus einigen thönernen Gefäßen, verschiedenen, aus Stein gefertigtem Werkzeug (Hammer, Meißel), Haushaltungs­gegenständen (Mahlstein, Messer, Feuerstein) und Waffen­spitzen. Die Gräber stammen nach sachkundigem Urteil von Altertumsforschern aus der jüngeren Steinzeit. Sie sind mit die ältesten bis jetzt entdeckten Anzeichen von menschlichen Ansiedelungen am Rhein. Die für die Altertumswissenschaft hochwichtigen Funde wurden samt den Skeletten in das Museum nach Worms verbracht.

Frankfurt a. M., 7. April. Der Magistrat hat sich in seiner letzten Sitzung mit der Jügel'schen Stiftung be­schäftigt. Viele Kreise werden, so meldet dieKleine Presse", überrascht sein von dem Gebrauch, den das Stiftungs- kuratorium von der Stiftung machen will. Es soll nämlich die Absicht bestehen, eine Akademie für Geschichte, Philologie, Litteratur und neue Sprachen zu er­richten. Zu diesem Zwecke wäre geplant, das Bürger­hospital käuflich zu erwerben, das dann seinen Platz an der Nibelungen-Allee im Nordend finden soll. DieKl. Pr." berichtet noch, daß das Vorhaben im Kuratorium auf Widerstand gestoßen sei, jedoch die Mehrheit des Fünfmänner-- Kollegiums gefunden habe. Wie sich der Magistrat dazu stelle und ob städtische Mittel in Anspruch genommen würden, sei noch nicht bekannt.

Gelnhausen, 5. April. Gestern abend wurden die Pferde an dem Gefährt des Prinzen Alfons vonJsenburg- V i r st e i n beim Vorbeifahren eines Automobils vor dem Röther- thor scheu und rasten in vollem Galopp nach der Stadt zu, durch die Röthergasse und Langgasse, wo sie vor einem Haus