sthnlwescn in einer Eingabe an den Reichskanzler. Die Gründe, welche von dem gencnrnten Verein im Interesse einer einheitlichen Ordnung des Fortbildungsschulwesens geltend gemacht werden, sind folgende: Daß das amerikanische Unterrichtswesen, mit neuen Gedanken befruchtet, allen Fort- Dritten zugänglich ist, verdankt es im wesentlichen dem Bureau of Education in Washington und seinem ausgezeichneten Leiter, dem Commissioner of Edueation Dr. W. Harris- Deutschland entbehre einer solchen pädagogischen Beobachtungsstation; selbst die Unterrichtsstatistik der einzelnen Buirdesstaaten sei so ungleichmäßig, daß sichere ^statistische Angaben für das gesamte Bundesgebiet sehr erschwert sind- Seit dem Jahre 1893 ist die Frage bei uns um derentwillen eine noch brennendere geworden, weil man in Frankreich, England und besonders Amerikck auf dem Gebiete des Volks- und gewerblichen Schulwesens mit Riesenschritten Reformen zustrebt, welche bei uns nicht die verdiente Beachtung finden- Eine unbeeinflußte Reichsbehörde, ein Reichsamt für das gesamte Bildungswesen würde als Sammelstelle von Unterrichtsmitteln auch eine unvergleichliche Bildungsstätte für päda- Fvgische Studien abgeben-
Gelsenkirchen, 6- Jan. Eine auf heute nachmittag angejetzte Polenversammlung verfiel gleich nach der Eröffnung der polizeilichen Auflösung, weil sich der Leiter der polnischen Sprache bediente.
Ausland.
Brüssels 6. Jan. Wie hiesige Blätter berichten, steht ein Miuisterwechsel bevor. Der König hat beschlossen, den Kabinettschef Luel de Nayor und den Minister des Innern Trouz zu ersetzen. Ersterer soll Verwalter der Haukiew-Peking-Eisenbahn werden.
Lüttich, 6. Jan. Heute fand die Weihe und Einführung des neuen Bischofs Rutten statt; zehn Bischöfe wohnten dem Me bei. Eine Gruppe liberaler Studenten veranstaltete während der Zeremonie eine Kundgebung und durchzog die Straßen unter Rufen gegen die Klerikalen.
Paris, 6. Jan. Der Kriegsminister Andre hielt gestern bei dem Bankett zur Gedächtnisfeier für Gambetta eine Ansprache, in der er u. a. aussührte: Die Regierung hat nicht den Weg der Kompromisse mit der reaktionären Partei einschlagen wollen, welche Gambetta stets bekämpft jot. Sie hat ihre Politik nach der linken Seite hin gerichtet, wohl wissend, daß es auf dieser Seite vielleicht Ungeduldige, ja sogar Unvernünftige giebt, aber daß auch hier Klagen von denen laut werden, welche schwer arbeiten und leiden. Anstatt diese Leute abzuweisen, hat die Regierung vielmehr geglaubt, diese Klagen, welche sich aus die Leiden und dre wirklichen Schmerzen beziehen, anhören zu müssen. Sie hat eingesehen, daß zu den Worten „Freiheit", „Gleichheit" und „Brüderlichkeit" zeitgemäß noch das der Gerechtigkeit hinzugesetzt werden müsse. Und wenn ich auf ein Wort Dantons zurückkommen wollte, würde ich sagen, daß die Demokratie, deren Diener wir sind, die Gerechtigkeit, des weiteren Gerechtigkeit und noch einmal Gerechtigkeit will."
Cherbourg, 6. Jan. Hier haben neuerdings Versuche mit Unterseebooten stattgefunden. Ein Panzerkreuzer wurde von drei Unterseebooten mit Torpillen angelaufen, und die Behörden stellten fest, daß das Schiff im Ernstfall kampfunfähig gemacht worden wäre. Die Versuche waren von dem größten Erfolge begleitet., Die Boote manövrierten mit großer Gewandtheit und Prä- cision.
Nizza, 6. Jan. Die Familie Gambettas hat nun endlich ihre Einwilligung dazu gegeben, daß die sterblichen Ueberreste Gambettas nach Paris überführt werden. Dieselben werden dort im kommenden Frühjahr im Pantheon beigesetzt werden.
Wien, 6. Jan. Auf dem zahlreich besuchten ch ri stlichk- sozialen Parteitage sagte Lueger: Mit dem Deutsch en Reiche wollen wir entschieden zu sammen- gehen, es ist jedoch ein internationaler Skandal, wie die Los von Rom-Bewegung von dem Deutschen Reiche unterstützt wird; dem könne man nicht ruhig zusehen.
Peking, 6. Jan. Für die bevorstehende Ankunft des kaiserlichen Hofes werden die Paläste und Pagoden wieder in stand gesetzt und mit neuen Malereien versehen, deren prächtige Farben einen glänzenden Eindruck machen. Tausend Soldaten aus Schantung sind in Galauniformen mit modernen Waffen heute früh in Peking eingerückt. Alle Straßen, durch welche der Hof bei seinem Einzug hindurchzieht, werden am Montag und Dienstag gesperrt sein. Es sollen an der Hauptstraße aber zwei Häuser reserviert werden, in denen die Mitglieder der Gesandtschaften Zeugen des Einzuges sein können. Es ist das ein u n e r h ö r t e s Z u g e st ä n d n i s. Gleichwohl haben sich die Gesandten entschlossen, mit Rücksicht auf die Vergangenheit und die Thatsache, daß die meisten von ihnen noch ihre Beglaubigungsschreiben nicht überreicht haben, dem Einzuge nicht beizuwohnen. — Die chinesischen Behörden haben energisch dagegen protestiert, daß britische Offiziere die Aufsicht über die Eisenbahnzüge übernehmen, welche den Hof von Paotingfu nach Peking bringen. Demgegenüber hat der britische Gesandte Satow geltend gemacht, daß diese Offiziere nicht in ihrer Eigenschaft als Militärs den Zug begleiten würden. — Es ist klar, daß die Lösung der Mandschurei-Frage erst nach der Ankunft des Hofes in Peking erfolgen kann. Der russische Gesandte Lessar hielt in einer Unterredung mit den chinesischen Bevollmächtigten über die Eisenbahnfrage daran fest, daß Rußland unter keinen Umständen seine Zustimmung dazu geben werde, daß andere Mächte bei dem Bau oder dem Betriebe von Eisenbahnen in der Mandschurei ohne Rußlands Einwilligung beteiligt würden.
Newyork, 6. Jan. Das Kriegsdepartement erhielt Manila Exemplare einer von neun amerikanischen Soldaten unterzeichneten Proklamation, in der dieselben ihre Kameraden auffordern, zu desertieren und sich dem Heere der Filippinos anzuschließen. In der Proklamation heißt es, die Filippinos kämvften für eine gerechte Sache, wie die Armee George Washingtons gethan habe. Die Invasion der Philippinen seitens der Amerikaner verstoße gegen die Monroedoktrin. Der blutige Krieg fülle nur die Taschen einiger anderer Kapitalisten, und müsse für die Amerikaner ebenso verhängnisvoll werden, wie für die Spanier, troßdem letztere die Filippinos besser gekannt hatten, als die Amerikaner. Einer der Unterzeichner der Proklamation, ein Korporal, wurde von einer militärischen Kommission wegen Verrats zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. General Chaffee stieß jedoch das Urteil um und sprach den Korporal frei, da es sich herausstellte, daß derselbe als Gefangener von den Filippinos zur Unterzeichnung der Proklamation gezwungen wurde.
Santiago, 5. Han. Trotz gegenteiliger Versicherungen hat die argentimsche Regierung bis jetzt das von dem chilenischen Minister des Auswärtigen Panez und dem argentinischen Gesandten Portela äufgesetzte Protokoll nicht ratifiziert. Argentinien verlangte von Chili Aufklärungen bezüglich des Protokolls.
Bom Bnrenkriege
liegt heute nur folgende thatsächliche Meldung aus Bloemfontein vor: Eine Konstabler-Abteilung unter Major Beresford nahm am 4- d. M. mitten im Oranjestaat den Feld- kornet Leroux, den Korporal Erasmus und 33 Buren gefangen- 30 Gewehre wurden erbeutet. Der Feldkornet Pretorius und 10 Buren fielen-
Lord Kitchener telegraphiert, die Meldung, daß zwei Nachrichtendienst-Offiziere hinterlistig von Buren in der Nähe von Warmbad erschossen worden! seien, ist unbegründet. Es wird dem Herrn Oberkommandierenden nicht leicht geworden sein, jene häßliche Beschuldigung zurückzunehmen.
In Cleveland (Ohio), hielt der frühere Präsidentschaftskandidat Bryan in einer Versammlung von Burenfreunden eine Rede, worin er sagte, die hohen Kosten des Krieges erteilten England eine Lehre, welche sobald nicht werde vergessen werden. Bryan feierte die tüchtigen Eigenschaften der Buren, denen er den dringenden Rat erteilte, den Kampf fortzusetzen. Es sei eine Schande, daß seitens der Regierung der Unionsstaaten keine Sympathiekundgebung für die Buren erfolgte.
Der Burenkommandant Tadema, der am 5. d. M. in Lüttich einen Vortrag über den Krieg hielt, sank plötzlich, als er das letzte Wort gesprochen, zusammen und wurde als Leiche aufgehoben- Man nimmt an, daß er infolge einer Krankheit, die er sich durch eine Verwundung im Kriege zugezogen, gestorben ist.
Wie man aus Genua berichtet, wurde dort ein angeblicher Burengeneral, der mit mehreren Hundert italienischen Freiwilligen nach Transvaal abgehen sollte, als Schwindler entlarvt- Seine durch einen Verband verdeckten „Wunden" existieren gar nicht- Dabei hatten die italienischen Blätter spaltenlange blutrünstige Interviews mit dem Burenhelden abgedruckt. Der Schwindler ist ein Franzose, und wird den französischen Behörden ausgeliefert.
Aus Stadt und Kand.
(Der Abdruck der unter dieser Rrrbrik befiirdlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.)
Gießen, 7. Januar 1902.
** Der Gießener Anzeiger trägt, was einige seiner Freunde übersehen zu haben scheinen, seit dem Beginn des neuen Jahres stets das Datum seines Erscheinens. Es giebt also fortan keine Sonntagsnummer mehr, dafür aber eine Montagsnummer. Die ftühere Sonntagsnummer ist jetzt.zur Samstagsnummer geworden, die Samstagsnummer zur Freitagsnummer re. Um weiteren Reklamationen zu begegnen, sehen wir uns zu diesen langatmigen Auseinandersetzungen veranlaßt.
** Vortragskurs für praktische Landwirte. Der Vortrags- kurs wurde heute vormittag IO1/* Uhr vom Vizepräsidenten des Landwirschaftsrats Oekonomierat Schiente eröffnet. Von Seiten des Großh. Ministeriums war Ministerialrat Braun- Darmstadt erschienen; ferner wohnten die Herren Geheimrat v. Bechtold, Se. Magnifizenz der Rektor der Universität und Bürgermeister Dr. Mecum der Eröffnung und den Vorträgen bei. Der Besuch an Kursteilnehmern war so stark, daß die Turnhalle fast ganz besetzt war. Als Vortragender sprach zunächst Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Paasche- Charlottenburg, über „Die Bedeutung und Zukunft der ausländischen Getreidekonkurrenz". Er gab zunächst einen geschichtlichen Rückblick, indem er die frühere Lage der deutschen Landwirtschaft und die Entstehung der ausländischen Konkurrenz, insbesondere der amerikanischen, schilderte. Er sprach zum Schluß die Ansicht aus, daß diese Konkurrenz nur eine vorübergehende Erscheinung sei, daß es aber gerade deshalb die Sache einer richtigen Agrarpolitik sein müsse, die deutsche Landwirtschaft zu schützen. — Prof. Dr. Albert-Gießen sprach über „Reue Forschungen auf dem Gebiete des Molkereiwesens". Er legte den Stand der einzelnen Zweige des Molkereiwesens in klarer und allgemein verständlicher Weise dar, überall praktische Winke gebend. Der 3. Redner, Oberlehrer Dr. Freybe-Weilburg, sprach über die Frage „Wie kann die neuzeitliche wissenschaftliche Wettervorhersagung für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden." Seine Erörterungen gipfelten in der Beantwortung der beiden Fragen: 1. Wie schaffen wir sichere Nachrichten? 2. Wie schaffen wir sie zeitig hinaus? Dem Wetterdienst der Landw.-Schule in Weilburg ist es gelungen, 91 Prozent Treffer bei der Vorhersage zu erzielen und durch das Entgegen- konunen der Postbehörde dürste auch die zweite Frage zufrieden stellend gelöst werden. — Sämtliche drei Vorträge wurden mit großem Beifall ausgenommen. Morgen (Mittwoch) spricht Professor Dr. Hansen-Bonn über „Maßregeln zur Steigerung des Reinertrages in der Wirtschaft" und Geh.- Rat Prof. Dr. Paasche-Charlottenburg über: „Die Reform der Spiritussteuer und ihre Bedeutung für die deutsche Landwirtschaft." Prof. Dr. Alb ert-Gießen über „Futterbau und Fütterung nach dem heutigen Stande der Landwirtschaft", Reg.-Baumeister Schiller-Berlin über: „Welche landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte haben sich nach den Ergebnissen der Prüfungen der deutschen Landwirtschaftgesellschaften als die empfehlenswertesten erwiesen"? ferner Herr Kreisveterinärarzt Dr. Schmidt-Gießen über: „Neue Er; gebnisse in der Bekämpfimg der Maul- und Klauenseuche."
• * Versetzung. Das Mitglied der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M., Regierungsrat Dr. Weber ist, wie wir vernehmen, zum 1. April in gleicher Eigenschaft an die königl. Eisenbahndirektion Hannover versetzt worden.
* * Zum Amtsnachfolger des als Direktionsmitglied nach Mainz versetzten Eisenbahndirektors Schoberth ist Eisenbahnbauinspektor Zimmermann, bisher in Mainz, ernannt worden, der am 1. Januar bereits hier eingetroffen ist.
* * Der deutsche Kronprinz sollte, wie wir hören, gestern nachmittags 5 Uhr auf der Rückreise von Berlin nach Bonn unseren Bahnhof passieren. Doch ist die Reise im letzten Augenblick verschoben worden.
**^Die Einrichtung des neuen Tunnels auf der Frankfurter Seite unseres Bahnhofs bewährt sich, wie wir hören, sehr gut. Das Publikum hat sich überraschend schnell an die neue Einrichtung gewöhnt; man hört darüber nur
des Lobes, und in der That bildet der Dsnnel mit seiner geschmackvollen Ausstattung eine Zierde unseres Bahnhofs. — Die Arbeiten an der Tunnelanlage auf der oberhessische» Seite schreiten rüstig vorwärts. Dem Publikum sind sie kaum bemerkbar, da die Baustätte mit Bohlen überdeckt ist. Man bat bereits nut dem Ausmauern der Seitenwände begonnen.
* * Ernennung. Der Vorarbeiter bei der Main-Neckar- Eisenbahn Karl Roth aus Darmstadt wurde zum Monteur bei dieser Bahn ernanut.
** Todesfall. Der Großh. Hess. Oberstabsarzt und Regt- mentSarzt im Jnfant.-Reg. Kaiser Wilhelm Nr. 116 Dr. Spieker ist in Wiesbaden, wo er auf Urlaub weilte, nach kurzem Krankenlager am Sonntag gestorben.
** Sozialpolitisches. Der ursprünglich nur für daZ Ministerium der Finanzen errichteten staatlichenBetriebs- krankenkasse für das Großherzogtum in Darmstadt haben sich nunmehr das Staatsministerium sowie die Ministerien des Innern und der Justiz angeschlossen, sodaß diese Betriebskrankenkasse sich jetzt auf sämtliche staatliche Geschäftszweige des Großherzogtums erstreckt. Mit der Verwaltung der Betriebskrankenkasse ist eine Medizinalkasse für staatliche Unterbeamte verbunden, die unter finanzieller Beihilfe des Staats den kleineren Beamten — bis zu 2000 Mark Gehalt — freie ärztliche Behandlung, sowie Heilmittel für sich und ihre Familie verschafft. Auch die Versorgungsanstalt für staatliche Arbeiter, die ebenfalls der Verwaltung der Betriebskrankenkasse unterstellt ist, umfaßt nunmehr alle Ressorts der hessischen Staatsverwaltung. Allgemein ist für die staatlichen Arbeiter und Gehllfen die Krankeu- vcrs ich erungspf li cht auf statutarischem Wege soweit erstreckt, als sie der I nvalide nversicherungspflicht unterliegen. Nicht einbegriffen sind die Bediensteten der Eisenbahnverwaltung, für die besondere Einrichtungen bestehen. Die Verwaltungsstelle ist nämlich verbunden mit der Jn- validenversicherungsanstalt des Großh. Hessen.
** Jubiläum. Heute begeht der Amtsgerichtsdiener Friedrich Nicolai das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit im Dienste der Justiz. Zuerst war er beschäftigt beim ehemaligen Bezirksstrafgericht, von dort kam er zur Staatsanwaltschaft und im Jahre 1891 wurde ihm definitiv die Stelle als Amtsgerichtsdiener übertragen. Der Jubilar, der im Ganzen 32 Jahre dem Staate diente, erfreut sich bei seinen Kollegen sowohl wie auch bei seinen Vorgesetzten allgemeiner Beliebtheit.
** Aus dem Theaterbureau. Die nächste Vorstellung findet -am Freitag, dem 10. ds. Mts., statt, und zwar zum Benefiz für Herrn Regisseur Hans Ramfeyer. Herr Ramseyer hat das beliebte Anzengruber'sche Volksstück „Der Pfarrer von Kirchfeld" für seinen Ehrenabend ausgewählt. Zu Benefiz-Vorstellungen haben Abonncments- Billets keine Giltigkeit. — Am kommenden Sonntag, nachmittags 4 Uhr, soll als Kindervorstellung das Märchen „Rotkäppchen" zur Aufführung gelangen.
** In den Vier Jahreszeiten findet allabendlich 8 Uhr an fang end Konzert des Damen-Orchesters „Hammonia" (Dir- W. Mackens), statt. Die Gesellschaft verfügt über gute Kräfte- Besonders hervorzuheben sind die Leistungen des Geigenkünstlers M- Protze, der stets reichen Beifall erntet, und der Dirigentin Fräulein Lisa Müller- (Vgl- Inserat.)
*• Zu der Nachricht von der Verlegung der Präparanden- anstalt in Lich. Von bestunterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, daß die Nachricht von einer bevorstehenden Verlegung der Präparandenanstalt von Lich nach Friedberg durchaus unbegründet ist.
-i- Wieseck, 7. Jan. Vom Turnverein wurde am Sylvesterabend eine Geldsammlung zur Linderung der Burennot veranstaltet, welche den Betrag von 16.50 Mark ergab- Derselbe wurde dieser Tage dem hiesigen Unterkomitee des Burenhilfsbundes übergeben, das ihn als zweite Sendung aus unserer Gemeinde an die Geschäftsstelle in Berlin schickte-
? Lang Göns, 6. Jan. Der Weichensteller Henkel tritt demnächst in den verdienten Ruhestand. Henkel ist seit 35 Jahren im Dienst, seit 24 Jahren auf der hiesigen Station. Er hat sich im Laufe der Jahre die volle Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erworben.
k. Launsbach, 6. Jan. Die hiesige zweite Schulstelle ist seit Neujahr verwaist. Der bisherige Lehrer Brömb er hat, obgleich schon sechs Jahre im Schuldienst, trotz wiederholter Aufforderung seiner Behörde, es unterlassen, seine zweite Prüfung abzulegen, die innerhalb der ersten fünf Dienstjahre abgelegt werden muß. Die vakante Lehrerstelle ist mit 1200 Mk. Grundgehalt und Alterszulagen von je 140 Mk. nebst freier Wohnung ausgeschrieben.
-i- Sichenhausen, 5. Jan. Heute feierten unser allver- ehrter Bürgermeister Appel und seine Ehefrau in völliger Frische und Rüstigkeit das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Appel, der nunmehr schon zum dritten Male zum Bürgermeister unseres Dorfes gewählt worden ist — ein Beweis des Ansehens und Zutrauens, das er in unserer Gemeinde genießt — steht im 76. und seine Ehefrau im 75. Lebensjahr. Das Jubelpaar empfing in der Kirche zu Herchenhain von Pfarrer Koller den kirchlichen Segen. Verschönt wurde die Feier durch einen zweistimmigen Gesang der Schüler. Das Kirchspiel Herchenhain, zu dem Sichenhausen gehört, schenkte dem Jubelpaar eine schön ausgestattete Bibel.
t- Altenstadt, 6. Jan. Die Nidder, die infolge der anhaltenden Regengüsse der letzten Zeit manche Gebiete stundenweit in förmliche Seen verwandelt hat, forderte wieder einmal ein blühendes junges Menschenleben zum Opfer. Der 21jährige Verwalter der hiesigen dritten Lehrerstelle Weckerling von Friedberg geriet gestern mittag auf seinem gewohnten Spaziergang nach dem zwischen Altenstadt und Rommelhausen gelegenen Wald unweit der sogenannten großen Brücke vermutlich bei dem Versuch, mit dem Spazierstock seinen Hut zu holen, der ihm beim Ablesen des Wasserstandes am Pegel in
den Fluß gefallen war, durch Abgleiten in bie hochgehenden Fluten- Als flotter Schwimmer vermochte er sich trotz, des schweren Mantels, den er trug, eine größere Strecke über Wässer zu halten, die inzwischen herbeigelaufenen' Buben um Stangen anrüfend, bis er bei der nächsten Krümmung von dem an dieser sehr tiefen Stelle herr
schenden Strudels erfaßt wurde und Untersaat- Erft heute Stimmen- vormittag ^11 Uhr gelang es) die Leiche in geriugerl


