Ausgabe 
6.12.1902 Fünftes Blatt
 
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Erscheint täglich außer Sonntag«.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel nut dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien. blätter viermal m der

Woche beigelegt.

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Anzeiger Gießen.

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152. Jahrgang

fünftes Blatt

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger

jährlich Mk. 2.20; durch Adhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post 'J)ir.2. oiertel- jöhrl. ausschl.' Beßellg. Annahme von Anzeige» nir die TageSnunnner bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprets: lokal 12Ps^ auswärts 20 Pfg.

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Samstag 6. Dezember 1908 vezngsprei»: monatlich 7öPs., viertel«

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WW

Kiu Augenzeuge über die ßrmordung Kaiser Alexanders IT. von Außland.

Die Ermordung Kaiser Alexanders II. (am 18. März 1881) schildert General Graf v. Pfeil, damals in russischen Diensten, in einem Buch, daS demnächst bei E. S. Mittler und Sohn in Berlin erscheint, auf Grund eigener Anschau­ungen. Graf Pfeil erzählt, daß der Kaiser am Morgen seines Todestages eine Perfassungsurkunde für Rußland unterzeich­net und nur des Sonntags wegen sie nicht gleich veröffent­licht hat, ehe er das aber am nächsten Tage hätte thun können, den Nihilisten erlag. Der Zar war bekanntlich ge­warnt worden, an diesem Tage auszufahren, da die Polizei Wind von neuen Schreckensplänen erhalten hatte. Allein her Zar ließ sich nicht abhalten, die Truppen zu besichtigen. Auf dem Rückwege (alle Straßen, die er berühren mußte, waren von Bombenwerfern besetzt) wurde eine Bombe gegen leinen Wagen geschleudert. Der Zar schritt auf den Ver- drecher zu, in seinen langen, grauen Mantel gehüllt, wachs­bleichen Angesichts, aber mit festem Schritt, und sagte:Was willst Du von mir, Vernichter?" Auf die Frage eines An­deren, ob er verwundet sei, erwiderte der Kaiser:Gott sei Dank, nein!" Da lächelte der Verbrecher in frecher, höh­nischer Weise und sagte:Was! Schon Gott sei Dank!? Dazu ist noch Zeit."

Diese spöttisch warnenden Worte hätten den Kaiser und seine augenblickliche Umgebung aufmerksam machen können, daß die Gefahr noch nicht vorüber sei; aber in der furcht­baren Aufregung wurden sie nicht recht in ihrer Bedeutung gewürdigt. Der Kaiser hatte erst wenige Schritte zurückgelegt, als ein etwa dreißigjähriger Mann, der bis dahin am Kanal­gitter gelehnt, einen weißen Gegenstand emporhob und diesen unmittelbar dem Kaiser vor die Füße warf. Manche wollten gesehen haben, daß sich der Kaiser in diesem Augenblick be­kreuzigte. Von Neuem erdröhnte der furchtbare Schlag, und wiederum war Alles für einige Augenblicke in eine Wolke gehüllt. Dann aber zeigte sich ein Anblick, weit entsetzlicher als der vorige. Auf dem Straßenpsiaster lagen mehrere Tote, und einige zwanzig mehr oder weniger schwer Verwundete -wälzten sich in Blut- und Schneemasien. Auf dem mit Kehricht gemischten Schnee, inmitten von Blutlachen, sah man Stücke menschlicher Glieder, Kleider, Epauletten, blutige ffleischfetzen. Am Gitter des Kanals jedoch lag, in sitzender Stellung angelehnt, Kaiser Alexander IT. Die Kopfbedeckung ivcir zerfetzt 'fortgerissen, das Gesicht blutig, der Mantel in Stücke zerrissen am Boden. Aber der furchtbarste Anblick waren die entblößten, fast bis zum Knie fortgerisienen Beine, auS denen das Blut sich in Strömen über den Schnee er­goß. Und gegenüber dem Zaren lag, fast in gleicher Weise verwundet der Mörder.

Als der Kaiser vom Boden aufgehoben und dann vor­sichtig in den Schlitten des Polizciministers gelegt wurde. iaßte er kaum vernehmbar:Ist der Thronfolger am Leben?" Auf die bejahende Antwort des Obersten versuchte er das Kreuz zu schlagen, konnte aber den Arm nicht mehr heben. Bringt mich ins Palais, dort sterben." Das waren seine letzten Worte. Der Schlitten bewegte sich, eine fortwährende Llutspur auf dem Schnee hinterlaßend, in langsamem Trabe

nach dem Winterpalast. Man hielt vor einer Vorfahrt, von der aus ein Aufzug nach den Gemächern des Kaisers führte. Aber das Oeffnen der für gewöhnlich geschloßenen Thür nahm lange Zeit in Anspruch und schließlich erwies sich der Aufzug als zu eng für den Verwundeten. Dieser Aufenthalt hatte einen furchtbaren Blutverlust zur Folge. Um den Schlitten zeigte sich eine mehrere Fuß lange und breite Blut­lache. Endlich trug man den völlig bewußtlosen Kaiser nach einem Arbeitszimmer, wo in aller Eile ein Bett hcrgerich- et wurde. In kürzester Zeit waren alle anwesenden Fa­milienmitglieder um den Sterbenden vereinigt. Jmmermehr üllte sich das Zimmer mit Angehörigen und Großwürdcn- trägern. Der Kaiser erkannte jedoch Niemanden mehr. Er lag da mit bleichem Antlitz, die Augen halb geöffnet. Der Chirurg des Kaisers, Dr. Kruglewski und Dr. Markus waren die ersten Aerzte, welche erschienen und sich bemühten, die Blutung zu stillen oder zu verringern. Oberhalb des rechten Knies wurde eine Kautschukbindc angelegt und die Aerzte bemühten sich, den Blutlauf zum Herzen zu leiten. Dieselbe Operation wurde am linken Bein ausgeführt. Um dem Ge­hirn mehr Blut zuzuführen, wurde auch die rechte Hand ein­geschnürt. Bei Entfernung des Handschuh? fand man die Hand an einigen Stellen verbrannt. Der Trauring war ein­gedrückt. Nachdem auch die rechte Hand eingeschnürt war, meinte Dr. Botkin, daß die Herztöne vernehmlicher geworden waren. Es stellten sich Schlingbewegungen ein und die Atemzüge wurden tiefer. Der Kaiser öffnete etwa? die Augen. Unter dem Einfluß von Aether und Waßer mit Eis und Einatmung von Sauerstoff stellten sich allmählich wieder re­gelmäßigere Atembewegungen ein. Diesen Augenblick be­nutzte der Beichtvater des Kaisers, ihm das heilige Abend- mahl zu reichen. Es war eine höchst ergreifende Szene. Die Hoffnungen schienen sich wieder zu beleben. Rasch wurde nach einem Transfusionsapparat geschickt, doch das Schicksal hatte es anders beschloßen. Alle Bemühungen der Aerzte waren vergebens. Dr. Botkin bemerkte ein aber­maliges Abnehmen der Herztöne, die Atemzüge wurden immer schwächer und hörten schließlich ganz auf. Es war 3 Uhr 35 Minuten nachmittags, als Professor Dr. Botkin, sich ernst vor dem Thronfolger verneigend, den eingetretenen Tod fest­stellte.

Ans Stadt und Saud.

)( Garb ent eich, 3. Dez. Im Juli v. I wurde da­hier eine öfentliche Fernsprechstelle errichtet. Diese Einrichtung hat sich bis jetzt aufs Vorteilhafteste bewährt. Mehr als 1100 Telegramme sind im ersten Jahre befördert worden. Die Straßenbeleuchtung, die demnächst hier eingeführt werden soll, wird sich leider zunächst nur auf die Bahnhofstraße, das bekannte Schmerzenskind Garbenteichs, beschränken.

N. Ulfa, 4. Dez. In den letzten Jahren verging kein Winter, ohne daß sich bei dem gefährlichen Geschäfte des Holzfällens nicht ein mehr oder minder schwerer Unfall ereignete. Heute Mittag wurde der verheiratete Holzhauer Gustav Pketzer von hier durch eine umfallende Buche ge­faßt und zu Boden geworfen. Dabei zog er sich einen dop-

Warnnng vor Fälschung

_TOin Pi,,en noch in Pulverform noch mit Kakao W UUvjI gemischt, sondern

Mill* in Flaschen mit eingeprhgtem Namen ist Uomnwl m

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pelten Beinbruch sowie Verletzungen am Kopfe zu. Der Ver­unglückte klagt weiter über heftige Schmerzen in der Brust, die auf innere Verletzungen schließen laßen.

i. Ruppertsburg, 5. Dez. Der christlich-soziale Verein für Laubach und Umgegend hielt am Mittwoch Abend in der Becker'schen Wirtschaft eine Versammlung ab. Fabrikant Röm Held von der Friedrichshütte eröffnete die- elbe, indem er daran erinnerte, daß, als in Ruppertsburg die letzte christlich-soziale Versammlung war, der verstorbene, Graf Friedrich dieselbe geleitet habe, dessen lebhaften, hohen Geist die Partei sehr vermisse. Das Wort erhielt sodann Pfarrer Fritsch, welcher über den letzten Parteitag in Siegen in anderthalbstündiger Rede berichtete. In seiner packenden, humoristischen Weise fesselte er die Anwesenden; er legte dabei die Stellung der christlich-sozialen Partei zu den anderen Parteien dar und betonte besonders ihre Stellung zur Landwirtschaft. Ueber diese Frage entspann sich am Schlüße noch eine lebhafte Diskussion. DaS Großherzogl. Ministerium hat der hier begründeten Schülerwerk statte' 300 Mk. zur Verfügung gestellt.

Darmstadt, 4. Dez. DaS EtablißementOrpheum", für welches jetzt bekanntlich die unumschränkte Variöte-Kon- zession besteht, ist am vorigen Samstag mit dem gesamten Wirtschaftsbetrieb an einen Herrn aus Köln auf eine längere Reihe von Jahren verpachtet worden. Der neue Pächter hat als artistischer Direktor das bekannte Reichshallen-Theater in Köln 16 Jahre geleitet und somit dürfte dasOrpheum" wohl in die richtige Hände gelangt sein. DasOrpheum" wird, soweit es in der beschränkten Zeit möglich ist, auf? eleganteste renooirt. Die erste Vorstellung sindet am 26. De­zember statt.

Mainz, 4. Dez. Die hiesige Garnisonsoerwaltung hat die Lieferung der Fleisch- und Wurstsorten für die Truppen der Garnison Mainz Kastel ausgeschrieben. Es hatten sich wieder eine Anzahl Lieferungslustige an der Konkurrenz beteiligt. Die Preise für die Fleischlieferungen sind indeßen ganz wesentlich höher, als dieselben seither an die Garnison geliefert wurden. Die Mehrforderungen der Metzger, wohl nur infolge der höheren Viehpreise, be­laufen sich auf 1520000 Mk. für die gesamten Lieferungen. Nach dem Ausschreiben haben die Metzgermeister an ver­schiedenen Fleischsorten täglich für 7913 Soldaten die Liefer­ungen zu übernehmen. Darunter befinden sich auch die Mannschaften für die Truppen, welche in Gonsenheim kaser­niert sind und zur Garnison Mainz gerechnet werden.

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Zu haben in Gießen auf dein «zcrorUlager bei Herrn Emil

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Feuilleton.

Der erste Schrei der Neugeborene«.

Aus dem Nachlaß Adolf Kußmauls wird in Ri­chard FleischersDeutscher Revue" (Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart) eine wertvolle ArbeitUeber Epilepsie" ver­öffentlicht. In dem 14. Kapitel, das Marschall Halls Re­flextheorie der Epilepsie und den epileptischen Schrei be­handelt, veraldicht Kußmaul den epileptischen Schrei mit dem ersten Schrei der Neugeborenen. Die Ausführungen des großen Mediziners, die wir hier nun folgen lassen, werden auch den Laien interessieren. .

, Nach dem ersten Atemzuge ist in der Regel em lauter Schrei das Signal, das den Angehörigen den Einzug des Neugeborenen in die Welt verkündet. Er ist aleichfalls em Erzeugnis der Reizung des Reflexgebietes, die zahlreiche Muskeln, die der Stimmbildung dienen, in geordnete Kon­traktionen versetzt, wodurch ein Luftstrom bei verengter Stimmritze gegen die gespannten Stimmbänder getrieben wird und diese in Schwingungen geraten. Auch die mota- rischen Nerven dieser Muskeln haben em oberstes Zentrum im verlängerten Halsmark, wo sie ihre.We^ugen em­pfangen, aber unbewußt, wie der Automat, der fern Räder­werk sofort in Gang setzt, sobald lerne Feder aufgezogen wird. Ter Mechanismus der Stimmbildung wird, wie der ter Atmung, fertig auf die Welt gebracht imd wartet nun auf den Reiz, der die Stimme ausldst. Auch hirnlose Miß­geburten atmeten und gaben Stimmlaute von sich.

Ter Reiz, der den Schrei auslost, ist die niedere Tem­peratur der Luft, in die der Neugeborene nach dem langen Verweilen in der warmen Flut des mütterlichen Schoßes rasch eintritt. Reicht dieser Reiz nicht aus, wenn bte regbarkeit des Reflexzentrums aus irgend einem Grunde geschwächt ist, so führt, wie jede Hebamme aus Erfahrung weiß, ein kalter Wasserstrahl, am besten auf ^e" Nacken ge- qerichtet, oder ein kräftiger Schlag auf den bestgepolsterten Teil des Leibes am sichersten zum Ziele. .

Der Schrei des Neugeborene!', ist somit kein Lchrei der betrübten Seele, weil sie, wie fromme Gemüter icuszen,

in das irdische Jammerthal einziehen muß. Mich ist er kein Schrei der Entrüstung des homo sapiens über seine Hilflosigkeit und Unfreiheit, wie ihn der große Kant aus­legte, noch nach Hiegels Meinung eine Offenbarung seiner höheren Natur, denn auch das Kalb schreit gleich nach der Geburt. Der Hegelianer Michelet legt sogar den Schrei des Neugeborenen als das Entsetzen des Geistes aus über seine Unterjochung durch die Natur. Ebensowenig freilich ist er auch ein Ausbruch des Jubels, wie ein alter Kollege behauptete, über die endliche Erlösung aus der unwürdigen neunmonatlichen Haft inter urinam et faecas. Er ist ein­fach ein Reflexschrei, wie der Schrei der Nürnberger Puppe, doch es währt nicht lange, so weiß der junge Weltbürger den Mechanismus auch bewußt zu benutzen, um damit Unlustgefühle auszudrücken und Strebungen kundznthun.

Dem Schrei des Neugeborenen ist der Schrei des Epi­leptischen nahe verwandt. Die Pathologie betrachtet ihn als das Ergebnis eines Vorgangs, der sich in dem Reflex­zentrum der Lautbildung unterhalb der Organe der be­wußten Wahrnehmung und unbewußt abspielt. Sie reiht ihn deshalb bei den Reflexerscheinungen ein, und er weicht nur tbarin von dem Schrei des Neugeborenen ab, daß er nicht wie dieser aus einer äußeren Reizung sensibler Nerven hervorgeht, sondern aus einer inneren des Reflexzentrums, wobei es ungewiß bleibt, ob die Erregung ihm durch Ner­venfasern zugeführt wird, oder von der grauen Substanz des Zentrums selbst ausgeht. Sicher ist, daß der Schrei un­bewußt erfolgt"

Eine sonderbare Krankheit ist! jüngst durch Arthur Hall'aiitfgeHärt und im britischen Journal für Lermatologie beschrieben worden. In letzter Zeit hat eine Reihe von Merzten das Vorkommen einer merkwürdigen blauen Färbung der Haut zwischen den Zehen, namentlich bei jungen MÄdchen, beobachtet. Man dachte zunächst an eine krankhafte Veränderung der Hautabsonderung, an eine Zersetzung des Schweißes durch Bacterien usw. Dr. Hall ist nun durch Beobachtung an drei Fällen hinter die Ur­sache gekommen. Ein 16jähriges Mädchen kam zuerst ins

I Krankenhaus mit der Angabe, daß seine Ze.,en a , n,

blau zu werden. In ter That wurde eine Mißfärbung der haut festgestellt, die durch Waschen und . Reiben nicht zu beseitigen war. Der zweite Fall bezog sich auf eine ber- heiratete Frau von 50 Jahren, die das Uebel jedenfalls schon lange an sich hatte. Bei ihr war auch an einer ander« Stelle des Fußes die nämliche Blaufärbung zu bemerken. Eine bakteriologische Untersuchung der Haut ergab, baft Veränderungen durch Bakterien nicht vorliegen konnten. Die Frau blieb einige Zeit im Krankenhaus, worauf die Mißfärbung der Haut allmählich verschwand. Wenige Wochen darauf bemerkte Dr. Hall die gleiche Blaufärbung bei einer Frau unter den Achseln. Er hatte schon bei dem zweiten Fall festgestellt, daß die fragliche Person stets schwarze Strümpfe getragen hatte. Da es sich nun im letztgenannten Fall um die Trägerin einer dunklen Bluse hantelte, so lag der Schluß nahe, daß die Färbung der Haut auf den Einfluß solcher Kleidungsstücke zurückzuführen wäre. Zum vierten Mal sand er dieselbe Erscheinung an den Füßen einer dreißigjährigen Frau, die mit Rheumatismus, in den Beinen ins Krankenhaus kam. Bei ihr war die Blaufärbung an den Füßen weit stärker und mehr ver­breitet, als in den anderen Fällen. Nun aber wurden die Strümpfe genau untersucht, indem ihr Stoff in einer schwachsauren, in einer alkalischen Lösung und in destillier­tem Wasser .a ufgeweicht wurde. Die erste Lösung zeigte sich binnen einer halben Stunde stark blau gefärbt, wäh­rend die anderen Flüssigkeiten farblos blieben. Daraus' ging hervor, daß die Blaufärbung an den Füßen eine Folge der Zersetzung der schwarzen Farbe in den Strümpfen durch saure Ausscheidung der Haut bedingt sein mußte. Ein Professor der Chemie untersuchte die Strümpfe eingehend, und ermittelte die Zusammen­setzung der darin enthaltenen Farbe. Die Aufklärung dieser Vorgänge, die ja an sich unschädlich sind, ist doch insofern von Bedeutung, als die Aerzte manchen Kranken, bei bent derartige Verfärbungen Vorkommen, leicht für einen Simu­lanten halten können, der die Färbung künstlich hervor­gerufen habe, um eine Krankheit vorzuspiegeln und eine Aufnahme in das Krankenhaus zu erreichen.