Ausgabe 
6.11.1902 Erstes Blatt
 
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jjirr tteberfüfjntnci der beiden Angeklagten nicht cm3, st« wurden deshalb freigesprochen.

am 4.-5. November

den Arzt.

7678

Christian Wallenfels, Marktplatz 17

1.

2.

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II.

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Tagesordnung.

Mitteilung des Ergebnisses der Oberrevision der Rech­nung für 1900 durch Großh. Ober-Rechnungskammer. Desgleichen des Ergebnisses der Vorprüfung der Rech­nung für 1901 durch den bestellten Revisor; Entlastung des Rechners.

Mitteilung deZ Ergebnisses der stattgehabten Kassen- revisionen.

Verteilung des Reingewinns und Bewilligung der Mittel: a. zur Prämiierung von Dienstboten, d. , Sparern,

c. zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken.

Bewilligung der Kosten für die Pfennigsparkasse.

Beratung und Festsetzung des Voranschlags für 1903. Wahl von Verwaltungsratsmitgliedern.

Wahl von vier fehlenden Sparkassevertretern in Gruppe c durch die Vertreter der Gruppe b (Bürgermeister der

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der Station Gießen.

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Einladung.

Die Vertreter der Vereinsgemeinden werden zur ordent­lichen Hauptversammlung, welche Freitag, den 21. d. Mts., nachmittags 3% Uhr im Saale der höheren Mädchenschule dahier (Schillerstraße) stattsindet, ergebenst eingeladen.

Gegen Schnupfen ist der Schnupfen- ätherForman" anzuwendeu, der ärzt­licherseits mehrfach als »geradezu ideales Schnupfennrittel* bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen Forman- Watte (Dose 30 Pf.,) bei starkem Schnupfen Forman-Pastillen (50 Pf.) zum Inhalieren mittels Riechgläschens. Wirkung frap­pant! In allen Apotheken. Man frage

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Gießen, den 3. November 1902. 7787

Der Direktor der Spar- und Leihkasse Gießen.

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Landwirtschaft.

Nidda, 4. Nov. Oberförster Dr. Weber zu Konradsborf hielt am 1. November im landwirtsch. Bezirksverem des Kreises Büdingen hier einen Vortrag über ,Die Bedeutung des geschlossenen Hosguis für den Bauernstand", em Beitrag zur Organisation der Landwirtschaft, in dem er u. A. sagte, daß die, durch schmierige wirtschaftliche Verhältnisse herbeiaesührte Aufteilung größerer Güler im Osten Deurschlands auch im Westen die Frage der Parzellierung und Aufforstung geschlossener größerer Güler in den Vordergrund gerückt habe. Die planmäßige und grundsätzliche Beseitigung der größeren Güter im Gebiet des parzellierten Grundbesitzes müsse jedoch als eine im höchsten Grade bedenkliche und die Interessen der bäuerlichen Wirtjchasten schädigende Maßregel von der Hand gewiesen werden, da der seitherige günstige Einfluß des Hosgrits auf den landwirtschaftlichen Stlenibctrieb nach wie vor bei den steigenden Ansprüchen an die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft eine direkte Indienststellung der größeren Güter für diejenigen Aufgaben, welche der bäuerliche Einzelbetrieb noch nicht zu losen vermag und die deshalb von der organisierten Landwirtschaft zu lösen smd, für die Zukunft unvermeidlich erscheine. Zur Lösung solcher wirtschaftlichen Ausgaben sei der Landwirtschaftliche Pro- vlnziäloereiii m erster Linie berufen. Als eine geeignete Form dieses korporativen Zusammenschlusses werde die Herbeiführung einer gesetzlicheii Mitgliebfchaft und Haftbarkeit der Gemeinden empfohlen, wobei den Gemeinden das Recht des Rückgriffs auf den landwirt­schaftlichen Grundbesitz der Gemarkung einzuräumen wäre. Die Stellung der seitherigen sreiwilligen nicht hastenden Mitglieder im Provinzialverem würde durch die Organisation nicht berührt. Zur Bestrellimg der Bedürfnisse des Provinzialvereins wären außer den Beiträgen der gesetzlichen unb freiwilligen Mitglieder die m heutiger Höhe aufrecht' zu erhaltenden Slaatszuschüsse tu erster Linie zu verwenden, sodaß eine regelmäßige Beitragsleistung der Grundbesitzer vermieden würde.

Ag. Verein für Armen- und Krankenpflege. Außer ordentliche Heneralversümmlung Freitag den 7. November 1902, nachmittags 6 Uhr, im oberen Saale des Gemeindehauses, Kirchstraße 9.

Lages-Ordnung: Verkauf des Hauses Äomblumengaffe 6.

Die Mitglieder werden hiermit auf Grund der 4, 5 unb 7 ha Statuten ergebenst eingelaben. Bei ber Dringlichkeit der -Lache w irb um recht zahlreiches unb pünktliches Erscheinen gebeten, bamrt Hebt durch Beschluhunfähigkeit Verzögerung Eintritt.

SS Der: «orftaud: Schisser.

Gerichtssaal.

o Gießen, 3. Nov. Schöffengericht. Als Schöffen fungier­ten Karl Velten aus Lang-Göns und Peter Damm aus Lechgestern. Eine baupolizeiliche Bestimmung schreibt vor. daß nach Aufführung des Sockels eines Gebäudes vor weiterer Ausführung dieses an die zuständige Behörde Anzeige erstattet werben muß, bamit diese sich von der Einhaltung der vorgezeichneten Fluchtlinie überzeugen kann. Wegen Uebertretung dieser Vorschrift war gegen die Archi­tekten R. S. unb B. Strafbefehl ergangen. Der eingelegte Ein­spruch würbe heute zurückgenommen. Nachbem sodann der Lumpensammler Justus N. von Gießen wegen rechtswidriger Zu­eignung eines Schrankes zu drei Tagen Gefängnis verurteilt war, trat das Gericht in die Verhandlung gegen Wilhelm B. aus Rödgen wegen Beleidigung des dortigen Kreisstraßenmeisters ein. Der Angeklagte hat den Beamten bet der Revision seines Schorn­steins einen Lügner genannt. Das Gericht verurteilte ihn zu 10 Mark Geld strafe. Der Dienstmann Friedrich N. von Gießen hat einen anderen Dienstmann, mit dem er aus Geschäftsneid auf gespanntem Fuße steht, fast ohne Veranlassung durch einen Schlag ins Gesicht körperlich verletzt, sodaß der Geschlagene sich in der Klinik verbinden lassen mußte. Diese Rohheit hat der Angeklagte nut zwei Wochen Gefängnis zu büßen. Der Schreiner Fried­rich W. aus Gießen war beschuldigt, dem Martin Will vorsätzlich und ohne jede Veranlassung mit dem Griffe seines Spazierslockes eine blutende Wunde auf dem Kopfe beigebracht zu haben. Die Beweisaufnahme ergab die volle Schuld des Angeklagten. In Anbetracht feiner vielen und schweren Vorstrafen wurde er zu zwei Monaten Gefängnis oerurteilt Hierauf wurde gegen den Schreiner Konrad P. von hier wegen Betrugs, Wider- ftands gegen die Staatsgewalt, Beleidigung unb groben Unfugs verhandelt. Er hatte in einer hiesigen Wirtschaft Verschiedenes genossen, ohne zu zahlen. Hierzu aufgeforbert, weigerte er sich beharr­lich, ein herbeigerusener Schutzmann vermochte ihn nicht zu bewäl­tigen. Als ein zweiter hinzukam, warf sich ber Angeklagte xu Boben, schrie unb widersetzte sich den Schutzleuten, indem er u. A. einen derselben an ber Kehle packte. Obwohl ber Angeklagte heute in ber Hauptversammlung behauptet, ,er wisse boch ganz genau, baß man bie Staatsanwaltschaft nicht am Kragen packen bürse", verkündete ber Vorsitzenbe bas Urteil, lautenb auf 10 Wochen G e f an gnis und Zuerkennung der Publikationsbefugnis. Die wegen Körperverletzung, begangen an Heinrich Huhn von Gießen, angeklägten Kutscher Heinrich F. und Wilhelm R. wurden von Strafe und Kosten freigesprochen, weil ihnen Notwehr zur Seite stand. Ten Schluß ber Sitzung bilbete die Strafsache gegen bie beiden Studenten August K. unb Abam S. wegen Kör­perverletzung mit gefährlichem Werkzeuge. In ber Nacht vom 19. zum 20. September entstaub zwischen verschiedenen Studenten, welche einen Kommers abgehalten hatten und Kaufleuten, Ange­hörigen des Vereins ,^Laoana," die ebenfalls dort ihr Vereins- zimmer haben, eine Schlägerei, wobei einige Kaufleute durch Spazierstöcke leicht verletzt wurden. Das Beweismaterial reichte

Id« Larvard-Umvepsität und Mitinhaber der Harnwnimn- 2brt! Mason und Hamlin. Mason ist sehr reich und Mit­fl led eines vornehmen Klubs. Als wahrscheinlich gilt, daß ir die Ueberfälle auf wehrlose Frauen in unzurechnungs- ä higem Zustarrde begangen hat, da er schon wegen Geistes- Ir mkheit in dem Jrrenhause zu Waverley interniert ge- v'vsen ist; von dort hatte man ihn vor einem Jahre gegen )öt Willen des Arztes auf Wunsch seiner Familie entlassen.

* Ein neues Vineta. Die Stadt Ocos, früher in er der bedeutendsten mexikanischen Häfen an der Pacific- .üifte, ist fast vollständig in die See versunken. Diese Kiturerscheinung ist die Folge einer im April d. I. auf» PszeÄretenen Erderschütterung, die ein Sinken des Hafen- fmrndes bewirkte.

* Von Großmütterchens Großmutter wird »errichtet: Ter außergewöhnliche Fall, daß eine Frau ihre , lüichkommen bis zum vierten Gliede um sich versammelt - elfen id'urfte, traf in Hammerdal (Schweden) ein. Es ist I In .1 Gutsbcsitzersgattin Lisbeth Elias dotier in Gjörvik, - icilcher dieses seltene Geschick &u Teil wird. Ihre Tochter >fßt Lisbeth Jsraelsdotter daselbst. Tas Enkelkind heißt Msabeth Nord, die Urenkelin Karolina Persson in Sikas irrb deren Töchterchen, die Ururenkelin, heißt Alma Elisabeth nvd ist sechs Wochen alt.

Litteratur.

In den nächsten Lagen wirb (bei Vierfon in Dresben) ber neue Roman von Bertha v. Suttner .Marthas Sinber" erscheinen, ber eine Fortsetzung ihres weltberühmten Anti- Kriegs-RomansDie Waffen n i e b e rl" ist. Man barf auf biese Fortsetzung nach ben verschiebenen Kriegen ber letzten Jahre gespannt fein'. Im gleichen Verlage erscheint auch ein neues Buch von Emmy v. Egiby unter beut Titel .Erschwiegen", sowie bereits bie 4. Auflage bes Reich'scken Buches »Ibsens Dramen", bas als das beste Werk über oen nordischen Dichter und Denker anerkannt worden ist.

lehbig seM betzy -s-E W HSMhk ob eben Don ch

Nach lornifge Senjegunae? ^sentlicher 6$ 9ejl, mit Kaiser }10" in einem Artikel »ig mar es; man E an der Kite Wz fahren und ihn J vor San Marco rach viel unb lebhaft m Megung, Uz a . Lrmbungslreppe q sehen, daß ber Äaiji: ifl- Kaum aber haiü hohenzollern" gelt;; n- ist schwer, bei aidgeroorfenen Lopsc Vergnügen, Lckch esicht verklarten. L u bei deutsche Wer von ben M lenblid sesthieüqrcht i unter ben tonen harakteiiMM achen, uni M ber TogenMi schien sich rch den Villen dieses en herrsMick lebte. c in Wilhelrnshöhe; er PublikM von etiDi ere, bilbeten vor btt er. ftein MiMgm taife:lid)en Wager ejirecktem Am bet Lei W; i ihre hoehruse, i leite unb grüßte t Familienvaters, k i Vasallen freut Mu canjoje gebraucht bei it von Stolz gehoben M hatte." Ter WagistratM einmSireau* Ud.ttbmw

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Eisenbahn Zeitung.

München, 4. November. Die »Allg. Ztg." schreibt: Die vom Staatsministerium eingesetzte Kommission zum Studium der Ver­hältnisse ber Pfälzischen Eisenbahnen beendete gestern nach 14tägiaem Aufenthalt in ber Pfalz ihre Thätigkeit. lieber bas Ergebnis wirb mit möglichster Beschleunigung ein Bericht ausgearbeitet unb bem Staatsministerium in Vorlage gebracht, auf Grunb besten bie Verstaatlichungsfrage erwogen und Verhanblungcn zwischen bem Ministerium unb ber Verwaltung ber Pfälzischen Bahnen geführt werben können. Die Kommission konnte sich über alle Verhältnisse unterrichten. Abgesehen von ein­zelnen Berechnungen, welche bie Leistungsfähigkeit ber Pensions- tafle unb anbere Personalverhältniste betreffen, genügt bas gesam­melte Material vollauf unb ist bas Ergebnis der Thätigkeit bet Kommission burchaus geeignet, eine zuverlässige Grundlage für die ypeitere Behandlung ber Verstaatlichungssrage zu bilden.

Bekanntmachung,

Aufstellung der Wählerlisten für die Handelskammerwahlen.

Auf Grund des Gesetzes vom 6. August 1902, die Handels­kammern betreffend, haben an Stelle der seitherigen Mitglieder der imterAeichneten Handelskammer Neuwahlen stattzuftnben.

Da nach Art. 3 Abj. 2 Nr. 4 dieses Gesetzes auch Bergwerks- is 'rllschasten ber im Art. 5 des Einführungsgejetzes zum Hanbels- ritibud) bezeichneten Art wahlberechtigt sind, sofern sie zu einer ber Indien Klaßen der Gewerbesteuer veranlagt sinb, so richten roir an bi.! bett. Bergwerksgesellschaften unseres Bezirks bas Ersuchen, sich Io-ort unter Beibringung einer ortsgerichtlichen Beschermgung über bm Sitz, Namen unb" bie Vertreter bes Unternehmens bei der unterzeichneten Handelskammer zur Aufstellung der Wählerlisten arnumeiben.

Gießen, den 5. November 1902. 7779

Die Grobherzogliche Handelskammer.

Der Vorsitzende.

Koch.

UniverMs-Ulichrichten.

Wien, 4. Nov. Aus Anlaß des b0jährigen Doktor- mb i l ä u m s ersd)ienen heule beim Präsidenten bes Reichsgerichtes tliger, ber Rektor ber Wiener Universität, mehrere Professoren ::en luristischen Fakultät sowie eine Anzahl Aborbnimgen, um ben jurbilar zu beglückwünschen. Ministerpräsibent von Körber gra= . ;.il:erte persönlich. Auch von zahlreichen inländischen und auS- 4i bischen Universitäten sind Glückwünsche eingelaufen.

Der Wiener Professor Dr. Lorenz war bekannt- dH nach Chicago berufen worben, um der verkrüppelten Tochter nieeS dortigen Millionärs durch eine von ihm erfundene unblutige ! [peration zu Helsen. Nack) bem Bericht dortiger Blätter hat es : iu:n dort stürmische Austritte gegeben, als Professor Lorenz bekannt iernacht hatte, er wolle unentgeltlich Operationen an linnen vornehmen. Es war der besondere Wunsch des Pro- | Assars Lorenz, daß eine möglichst große Anzahl von Studenten u lernen Demonstrationen zugelassen werben solle. Nahezu 1000 bi ubenten stellten sich bei bem Spitalthore ein, um aus ben Ein­st!' laS zu warten. Außerbem erschieiien viele Hunberte von ver° In ppelten Stmbern in Begleitung ihrer Angehörigen, in ber Hoff- r.u 4ig, ber berühmte frembe Gelehrte werbe auch ste von ihrem öcSrechen heilen. Tie Stubenlen riefen :Hurrah tor the Auetruml1* ijj öa das Thor nicht geöffnet wurde, begannen bie Angesammelten ihren regelrechten Angriff. Der Hausverwalter suchte bie Menge J. nm bem Hinweise auf bie Gefahr, in ber sich bie kranken Kmber ietinben, zu beruhigen; aber erst einer Polizeiabs'ilung gelang es, ib !ie Ruhe herzustellen. Als enblich das ^hor^gebünet wurde, .bnnte nur ein Teil ber Stubenten Einlaß sinbel^ Niehr als 500 ilmsuchen um Vornahme von unblutigen Operatrsren nach seiner N«lhode wurden an Prosessor Lorenz gestellt. Professor Lorenz ist M nrbt imstande, allen Anforderungen nachzukommen, hofft jebock), B lali bie Aerzte, bie seinen Demonstrationen mit gespanntester Auf- .1. nerffamfeit folgen, nach feiner Abreise befähigt fein werben, seine N«thode erfolgreich anzuwenben.

Das Frauenstudium iu der Praxis. Nachdem die haurretische Seite des Frauenstudiums bis zur Ermüdung oft von ?j| iit tunb unb Femb erörtert worben ist, bürsen bie Bekunbungen ber | Uraftifer ein erhöhtes Interesse in Anspruch nehmen. So hat sich Dm längst ber bekannte Wiener Litterarhistoriker Jakob Aiinor, tee in biesem Punkte begreiflicherweise besonbers viel Erfahrung I« flrnmeln konnte, ba bie schönen Künste bei ben studierenben Frauen cm meisten Zuspruch sind en, über die weibliche Studentin aus- (j^rlid) geäußert. Er klagt über einen oft übertriebenen unb un- ta ren Bildungsbrang, bem vielsack) die nötige wissenschaftliche Unterlage fehle unb zitiert als besonderes Kuriosum, daß v lehrermnen, bie auch nicht einen einigen Tag an ber Universität t Uflebracht unb nicht eine einzige Vorlesung gehört haben, sich.yur : ly ceallehramtsprüsung melben, bie in Oesterreich an ein breijäh- :Ws Universitätsstubium geknüpft ist. Hingegen weiß er über seine ;i legulär oorgebilbeten Sd)ülermnen, insbesonbere seine Semina- ; nfnnmen, nur Günstiges zu berichten. »Ihre Arbeiten sind in ber 1 Hegel fleißig, in Form unb Inhalt sauber, nie geschleubert, wie es lei ben Herren ab unb zu vorkommt; sie erheben sich auch ei ch t s o hoch über den Durchschnitt w i e die besten iHbeiten ber Herren. Ter hervorstechenbsle Nachteil ihrer ildieiten ist eine gewisse Unselbstänbigkeit: sie halten s i ch :ütn an ein vorhanbenes Nl uster, bas sie peinlich -cachsticken, unb sie zitieren kritiklos gute unb flechte Bücher und Schriftsteller durcheinander/ Während Herren vorzugsweife der philologischen Fachwissenschaft zuge- i)(ai sind unb barüber oft genug die naive Liebe zur Litteratur iccgeflen, fei bei ben Damen als befonberer Vorzuä die Begeiste- Eg für bie ber Wissenschaft zu Grunbe liegenbe Dichtung her- iv'izuheben. Dieses Urteil, bas ben Frauen Enthusiasmus unb Mangel an Kritik zuspricht, stimmt in bemerkenswerter Weise mit sicheren Aeußeruiigen anbercr Professoren überein.

Unter den 2792 Dozenten der Universitäten befinden sich iach den jetzt vollzählig vorliegenden Vorlesungsverzeichnisse für :qJ begonnene Wintersemester 141 Adelige 5 Prozent; davon md 3 Grasen unb 12 Freiherren. Von ben 695 Dozenten ber rrschnischeii Hochschulen bebienen sich 38 5.4 Prozent ber Abels- laictiteL Ten höchsten Prozentsatz an adeligen ober geabelten ßmojefloren weist Tübingen mit 18 Prozent auf. Nächst Tübingen cinrnt Nlünchen mit 15.12 unb sobann Würzburg nut 7.8 Proz. Urr. ben norbbeutschen Universitäten ist der Adel viel spärlicher jetrtreten. Der Prozentsatz an Abeiigen ist beispielsweise für Mioct 0, Leipzig 0.9, Gießen 1.0, Königsberg 1.7, Bonn 2.0,

Greifswald 2JL, Berlin 5.0. Derselbe Unterschied im nummerischen Verhältnisse von Abel zu Bürgertum macht sich an ben Technischen Hochschulen im Norben unb Süden von der Mainllnie bemerkbar. Währenb in München ber Prozentsatz bes AbelS mit 16.8, in Karls­ruhe mit 6.6, in Stuttgart mit 7.6 Prozent bemessen ist, beträgt er für Berlin 1.3, Aachen 2.7, Braunschweig 2L, Hannover 3.2. Tie kulturhistorische Bebeutung biefer Zahlen wirb freilich burch bie Thatfache abgeschwächt, baß in Subbeutschlanb bie Führung des Adelstitels häufig ben Inhabern gewisser Orben znkommt, Män­nern, bie rem bürgerlichen Kreisen entstammen. Es läßt sich also nicht mit Sicherheit behaupten, baß in Sübbeutschlanb der Abel einen viel regeren Anteil am geistigen Leben ber Nation nimmt, als in Nordbeutschland. Immerhin sind Andeutungen hierfür vor­handen.

Kunst uni» Wissenschaft^

Berlin, 4. Nov. Gestern hat hier unter bem Vorsitze bes Dr. Kaiser- Nürnberg auf Veranlassung bes Bunbes beutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler eine Versammlung von Interessenten für Konservierungsmittel stattgefunden, in welcher eine Reihe hervorragenber Sachverstan- biger, wie Geheimrat Liebreich, Dr. Lebbin-Berlm, Dr. meb. ti. Gerlach-Wiesbaben, Dr. meb. Schmibt-Nürnberg, sowie ber Reichs- tags-Abg. Dr. Niüller-Meiningen teilgenommen haben. Es würbe beschloss en: 1. In einer mit Grünben versehenen Eingabe an ben Reichskanzler zu beantragen, daß das technische Material zur Begründung von gesetzgeberischen Maßnahmen auf dem Gebiete der Nahrungs- unb Genuß - Mittel, bevor sie als Grunblage ber Gesetzgebung verwenbet werben, ben offiziellen Vertretungen ber Interessentenkreise zur Begutachtung vorgelegt werbe, 2) die physiologische Wirkung ber Konservlrungs- mittel m umsassenber Weise burch exakte Forschung sachgemäß sest- zustellen, 3) burch geeignete Maßnahmen Aufklärung über bie Wibersprüche unb Unrichtigkeiten bei ber Beurteilung gefärbter Nahrungsmittel zu schaffen insbesondere mit Bezugnahme auf bie Reichs-Vereinbarungen. In ben Verhanblungen würbe bie tech­nische Begrünbung bes Reichsgesunbheitsamtes, welche zu dem be­kannten Verbot bes Bunbesrats geführt haben, als vollständig un­zureichend und teilweise sogar fehlerhaft nachgewiesen.

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