würden, also fast so viel, als Deutschland in einem Jahre produzirt, und mehr, als England in einem Jahre konsumirt. Bei einer solchen Ueberfüllung würde es doch auf der Hand liegen, daß wir — ich scheue mich nicht, das Wort zu gebrauchen — einer Katastrophe unserer Zuckerindustrie entgegcngehcn müßten, wenn sie das englische Absatzgebiet preisgäbe, ohne daß es uns gelänge, für unsere Zuckerproduktion andere Absatzmärkte zu finden. Und wer garantirt uns dafür, daß uns das auch nur annähernd in derselben Zeit möglich sein würde, die England braucht, um für unseren Zucker anderen Ersatz zu finden. Deshalb glauben die Verbündeten Negierungen, daß sie der Zuckcrindustric durch ihren Beitritt zu der Brüsseler Zuckcrkonvention einen guten Dienst erwiesen haben. Sic sind überzeugt, daß der günstige Erfolg der Schritte von den betheiligten Kreisen und namentlich für die Rüben bauende Landwirthschast allmälig mehr und mehr anerkannt wird. (Lachen rechts.) Daß, wie bei jedem Uebergangsstadium, so auch hier, Schwierigkeiten entstehen werden, bin ich weit entfernt zu bestreiten. In der Voraussicht und in voller Würdigung der Schwierigkeiten haben unsere Vertreter auf der Brüsseler Konferenz sich ernst bemüht, durchzusctzcn, daß die Zuckerkonvention erst am 1. April 1904 in Kraft treten solle, und damit unserer Zuckerindustrie eine längere Frist zur Anpassung an die neuen Verhältnisse gewährt werde. Die diesbezüglichen Bemühungen unserer Kommissare sind an dem Widerstand der Mächte gescheitert. Ich möchte auch in dieser Beziehung das Nachstehende aus dem Protokoll der Sitzung verlesen vom 27. Februar. Dort erklärte der Vorsitzende: „Die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Lage bis 1904 würde vom wirtschaftlichen Standpunkt aus die größten Gefahren in sich schließen. Was hauptsächlich auf der Zuckcrindustric lastet, ist das Vorhandensein des ungeheuren Wcltvorrathes. Der Vorrath würde bei Verlängerung der Frist in einer Weise weiter wachsen, daß die Konvention unter ungünstigen Bedingungen in Kraft treten würde. Diese Betrachtungen haben einen allgemeinen Charakter und beziehen sich keineswegs auf die Interessen eines bestimmten Staates. In der vorletzten Sitzung vom 3. März wurde von den deutschen Delcgirten der Versuch gemacht, den Termin für 1. September 1904 zu erlangen, aber sie hatten nur die Unterstützung von Oesterreich- Ungarn, alle anderen Staaten erklärten aus den vom Vorsitzenden angegebenen Gründen sich unbedingt gegen jeden späteren Termin, wie den 1. September 1903. England und Frankreich haben sogar den 1. September 1902 vorgeschlagen. In dem Bericht der englischen Delegirten vom 26. Januar heißt es: Unter diesen Umständen vereinigten wir uns endgiltig, ob wir die Verhandlungen abbrechen wollten oder ob die Differenzen friedlich geregelt werden sollten, und wir kamen zu dem Vorschlag, daß wir als äußersten Fall den 1. September 1903 acceptiren könnten. Die Antwort der englischen Regierung lautet: Im äußersten Fall werden wir 1903 acceptiren. Wir vertrauen darauf aber, daß die Konferenz bewogen werden kann, den 1. September 1902 anzunehmen. Da die übrigen Vortheile, welche die Brüsseler Konvention für unsere Zuckerindustrie bietet, uns als so wesentlich erschienen, daß wir uns dieselbe nicht entgehen lassen konnten und da überdies unserem Wunsche, die Uebertaxe etwas höher zu bemessen als 5 Francs, von den anderen Mächten Rechnung getragen wurde, haben wir schließlich das Inkrafttreten der Konvention am 1. April 1903 acceptirt. Wir sind überzeugt, daß der Ueberzoll von 4,40 Mk. für Rohzucker und 4,80 Mk. für raffinirten Zucker genügen wird, um den fremden Zucker von unserm Zollgebiet fern zu hallen, wenigstens so lange, als es nicht gelingen wird, Rohrzucker zu billigeren Preisen zu produziren als Rübenzucker, was für die nächsten Jahre wohl nicht zu erwarten steht. Um aber für unsere Zuckerindustrie möglichst klare Verhältnisse zu beschaffen, ist Ihnen rechtzeitig der Entwurf zu einem neuen Zucker- ß vorgelegt worden, der für den Fall, daß das Haus der Brüsseler
eution zustiinmt, sich der dadurch geschaffenen neuen Lage anpaßt. Der Entwurf enthält neben der Aufhebung der Kontigentirung und der Betriebssteuern die Herabsetzung der Verbrauchsabgabe von 20 Mark auf 16 Mark, eine Maßnahme, die sicher zur Hebung des Zuckerkonsums und damit zur Stärkung des inländischen Zuckermarktes beitragen wird. Die Gründe, aus welchen wir im Hinblick auf die gegenwärtige Finanzlage des Reiches nicht geglaubt haben, Ihnen eine weitere Herabsetzung der Verbrauchsabgabe Vorschlägen zu sollen, werden ebenso wie oie Gründe für unsere Stellungnahme zu der Kontiugentirung und den Betriebssteuern noch vom Staatssekretär des Reichsschatzamtes näher dargelegt werden. Die Brüsseler Konvention ist am 5. März unterzeichnet worden und wir haben Ihnen diese Konvention so rasch, als möglich vorgelegt.
Wir wollen die Berathung weder übers Knie brechen, noch durchpeitschen, wie uns in durchaus unbegründeter Weise imputirt wird. (Heiterkeit.) Aber vor einer Verschleppung dieser Vorlage würde ich im Interesse des Landes dringend warnen. Eine solche Verschleppung kann aber auch von keiner Seite thatsächlich beabsichtigt sein. ' (Heiterkeit links.) Nein, wenn ich diese Bemerkung, die Ihre Heiterkeit erregt, mache, so thue ich das in voller Absicht und ich glaube thatsächlich nicht, daß eine solche
Verschleppung irgend Jemandem zu Gute kommen würde, wohl aber den Gedanken Hervorrufen würde, daß wir uns scheuen, auf dem von uns betretenen Wege weiter vorzugehen. Es würde dadurch eine Beunruhigung entstehen, die auf die ganze weitere Behandlung der Materie im Jnlande und Auslände ungünstig einwirken und die Mitztraunn gegen unsere Absichten Hervorrufen würde in jeder Achtung und die auf jedem Gebiete schädlich wirken müßte. (Lebhafte Zustimmung links.) Die internationale Beseitigung der Zuckerprännen ist seit Jahren angestrebt worden. Zahlreiche Konferenzen, auf dev^n Ursprung und Ausgang ich nicht näher eingehen will, haben stattgesunden. Die Vorgeschichte der Brüsseler Konferenz ist Ihnen ja wohl bekannt. Bisher sind diese Konferenzen ohne Ergebnis geblieben. Schon vor 6 Jahren hat dieses hohe Haus an die verbündeten Regierungen den Appell gerichtet, die Beseitigung der Zuckerprämien in thunlichster Bälde herbeizuführen. Dieses Er- gebmß ist, wen-, auch nicht vollständig, doch im Wesentlichen erreicht; denn wenn auch Rußland, die Vereinigten Staaten und die englischen Kolonien nicht beigetreten sind zur Zuckerkonvention, so ist dieselbe doch einerseits unterzeichnet worden von unseren bisherigen Hauptkonkurrenten auf dem Weltmärkte , und andererseits hat England uns hinsichtlich der Gleichstellung seines Kolouialzuckers, mit dem Zucker der Vertragsstaaten wichtige Zugeständnisse gemacht. Deshalb haben die verbündeten Regierungen geglaubt, die Verantwortung für ein Scheitern der Brüsseler Konferenz nicht übernehmen zu können. Vielmehr find die verbündeten Regierungen trotz mancher Bedenken auf die in den mühevollen Verhandlungen vereinbarten Bediuguugen eingegangen in der Ueberzeugung, daß nachdem der freie Wettbewerb des Zuckers aller Produktionsgebiete auf dem Weltmarkt angebahnt ist, die deutsche Zuckerindustrie stark genug sein wird, um fortan auch ohne Prämien zu gedeihen.
Nach unserer Verfassung bedürfen derartige internationale Abkommen der Zustimmung dieses hohen Hauses. Die Verantwortung für das Zustandekommen der Brüsseler Konvention, soweit das deutsche Reich dabei in Frage kommt, beruht also nunmehr auf diesem hohen Hause. Im Interesse der Gesundung und des Gedeihens unser Zuckerindustrie, dieses wichtigsten Lebenszweiges unserer landwirthschaftlichen Nebeuindnstrien glaube ich, dieses hohe Haus bitten zu sollen, der Brüsseler Konventton seine Zustimmung zu ertheilen. (Beifall.)
Abg. Beck (C.) beantragt Ueberweisung der Gesetze an eine Kommission von 28 Mitgliedern. In seiner Fraktion seien die Ansichten über die Vorlage durchaus getheilt.
Abg. Di\ Wiemer (fr. Vp.): Meine Freunde freuen sich, daß sie in dieser Frage mal den Worten des Reichskanzlers ihre Zustimmung geben können. Allerdings meinen sie, daß der Ton der Entschuldigung, den der Reichskanzler gegenüber der Rechten brauchte, nicht angebracht war. Die Bemerkungen der Presse, daß das Ausland hier einen Sieg über uns davongetragen haben sollte, sind gänzlich unberechtigt, fast ebenso unberechtigt wie die agrarischen Vorwurfe gegen den Zolltarif. Wir sind stets Gegner der Prämien gewesen, wir meinen, daß unsere Zuckerindustrie auch ohne Prämien sich hätte entwickeln können. All die künstlichen Experimente haben nur zu einer Ueberproduktion geführt und haben es erreicht, daß zum Schaden der deutschen Steuerzahler die Engländer den deutschen Zucker billiger als oie Deutschen selbst kaufen konnten. Dem müßte endlich ein Ziel gesetzt werden. Wir hoffen, daß der Reichstag der Vorlage zustimmt und der Benachtheiligung der deutschen Steuerzahler ein Ende macht. Wir sind auch Gegner der Kontingentirung gewesen und bedauern es deshalb, daß in der Begründung der Vorlage ein neues System der Kontingentirung in Aussicht genommen wird. Die ungünstigen Erfahrungen, die man hier, und auch bei der Waarenhaussteuer mit der Kontingentirung gemacht hat, mußten doch die Regierung veranlassen, vollständig dieses falsche System aufzugeben. Die Hauptsache wird immer die Hebung des Konsums seien, hier ist in Deutschland noch viel zu thun, der Konsum kann noch bedeutend gesteigert werden, da er, besonders durch die Wirkung des Zuckerkartells in der letzten Zeit sehr zurückgegangen ist. Wenn wir auch für eine weitere Herabsetzung der Verbrauchsteuer sind, so werden wir doch uns mit den Vorschlägen der Regierung begnügen müssen, um das Ganze nicht zu gefährden. Wir wünschen eine schnelle Erledigung der Vorlage, deshalb widerspreche ich dem Anträge auf Kommissionsverweisung.
Abg. v. Lcvctzow (kons.): Jin Gegensatz zum Vorredner erkläre ich, daß meine politischen Freunde die Verweisung der Vorlage an eine Kommission durchaus verlangen müssen. Der Gedanke an eine Verschleppung liegt uns dabei ganz fern (Lachen links), aber wir wollen auch keine Durchpeitschung zulassen. Ich könnte fest behaupten, daß im ganzen Hause kaum Jemand fein möchte, der die Trag- toeite der Vorlage und ihren praktischen Erfolg heute übersehen kann. (Sehr richtig 1 rechts und im Zentrum.) Ich für meine Person als Laie bin ganz und gar nicht in der Lage, diesen Ueberblicf zu haben. Das erfordert mit Nothwendigkeit eine nähere Aufklärung.
Da? jedenfalls kann ich übersehen, daß die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß aus der Vorlage schwere Schäden für unser«: heimische Zuckerindustrie und unseren Rübenbau erwachsen. (Leh- hafte Zustimmung rechts.) Und wenn das eintreten sollte, würden meine Freunde für die Konvention nicht zu haben sein. Wir hoffen aber, daß das nicht eintritt. Wir erkennen an, daß die Situation für unseren Rübenbau überhaupt eine trübe ist; wir wissen nur nicht genau, ob sie ohne oder mit Konvention trüber fein wird. Deswegen sind meine Freunde der Ansicht, daß diese Vorlage einer ganz besonders gründlichen Berathung (Lachen links) in der Kommission unter Zuziehung von Sachverständigen bedürfe (Sehr richtig I rechts), und zwar um so mehr, als bei dieser Frage, soviel ich übersehen kann, die Sachverständigen und Interessenten noch gar nicht gehört worden sind. (Sehr richtig! rechts.) 2Bir stimmen dem Anträge auf Ueberweisung an eine Kommission von 28 Mitgliedern zu. (Beifall rechts.)
Abg. Wurm (Soz.): Meine Partei ist gegen eine KommissionS- berathung. Meine Freunde haben die Prämien stets bekämpft, da diese nur bewirkt haben, daß das deutsche Volk aus feiner Tasche Geschenke an die Zuckerfabrikanten zahlte. Wenn die Vorlage der Regierung auch zu begrüßen -ist, so ist es doch bezeichnend, daß die Regierung jetzt, wo sie endlich mal was für die Allgemeinheit thun will dies mit einer Entschuldigung an die Agrarier einleitet. Das Zuckerkartell, das die Vorlage mit allen Mitteln bekämpft, ist geradezu ein Agent des Auslandes, es hat sowohl in Deutschland als in Oesterreich eine große politische Macht ausgeübt und Millionen verpulvert, um seine Pressefonds damit zu speisen. Künstlich wurde eine Ueberproduktion hervorgerufen und jetzt schreibt man, Deutschland gehe zu Grunde, wenn die Ueberproduktion nicht weiter mit künstlichen Dtttteln aufrecht erhalten wird. Die Agrarier wollen die Zuckervorlage nicht, aber sie bestehen auf der Branntweinsteuer- Novelle. Wir sind gegen die Branntweinsteuer-Novelle, wir wollen, daß überall der Wucher und die Aussaugung befeitigt wird, es muß ein Ende mit den Vampyren gemacht werden, die an dem Mark des Volkes saugen.
Abg. von Kardorff (Rp.): Meine Freunde halten eine Kom» missionsberathung für unbedingt nothwendig, schon deshalb, Werl uns in der Kommission eine ganze Menge von Aufklärungen gegeben werden können, die die Regierung uns im Plenum gar nicht geben kann. Ich weiß heute noch nicht, wie ich stimmen werde, obwohl ich mich mit der Frage ziemlich eingehend beschäftigt habe. Sowohl für die Annahme wie für die Ablehnung der Vorlage sprechen große Momente. Wir wissen alle, daß dem Rübenbau schwere Jahre bcvorstehen; gerade deshalb und weil die Sache ungemein komplizirt ist, müssen wir wochenlang (Oho - Rufe, Lärm und Lachen links) darüber in der Kommission oerathen.
Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag 1 Uhr.
Präsident Graf Ballestrem schlägt als Tagesordnung vor; Schiltztruppen - Gesetz, Zucker st euer - Vorlage, Petitionen.
Mg. Sieg (nl.) bittet, auch die Branntweinsteuer-Vorlage auf die Tagesordnung zu setzen.
Abg. von Komlerowski (Pole) unterstützt diese Bitte.
Abg. Bebel (Sozd.) bekämpft sie.
Abg. von Kardorff (Rp.) bittet den Abg. Bebel, feinen Widerspruch zurückzuziehen.
Abg. Bebel bedauert, dies nicht thun zu können. DaS Branntweinsteuergesetz fei so komplizirt, daß feine Fraktion zu dem Gesetz noch keine Stellung habe nehmen können.
Mg. Gamp (R.) bemerkt, die einzige umftrittene Bestimmung komme erst am Schluß.
Mg. Richter (freit Vkp.) bestreitet das, es handle sich um ein ganzes Bündel von schwerwiegenden Bestimmungen. Auch dürfe man aus taktischen Gründen den Branntwein nicht vor dem Zucker marschiren lassen. (Unruhe rechts.)
Abg. Graf Hompesch ((Str.) unterstützt den Vorschlag de§ Präsidenten.
Abg. Gamp bemerkt, der Branntwein hätte den Vorrang vor dem Zucker, da der Kommissionsbericht schon vorliege. Seine Freunde aber beabsichtigten keineswegs, das Zuckergesetz zu Fall zu bringen, sie wollten ganz loyal an dem Gesetz mitarbeiten.
Vor der Abstimmung über den Antrag Sieg bezweifelt Abg. Richter die Beschlußfähigkeit des HauseS. Ein Theil der Linken verläßt den Saal.
Der Namensaufruf ergiebt die Anwesenheit von 162 Mitgliedern.
Das Haus ist nicht beschlußfähig, die Sitzung mich abgebrochen werden und es verbleibt bei der vom Präsidenten vorgcschlagenen Tagesordnung (Schutztrutz tzev - Gesetz, Zuckervorlage, Petitionen).
Schluß 6.% Uhr.
Aom Krankenlager d.r Königin Wilyelmina
liegen feit gestern Mittag folgende Meldungen vor:
Schloß Loo, 5. Mai. Samtsag spät abends machten sich beunr uhigende Symptome im Befinden der Königin bemerkbar. Es wurde unverzüglich 2r. Pot berufen, der die ganze Nacht im Schlosse blieb und sofort Dr .Roessingh und Professor Ko u w e r von der Uni» dersität Utrecht benachrichtigen ließ. Professor Roessingh traf Sonntag gegen mittag, Kouwer nachmittags auf Schloß £oo ein. Die Befürchtung einer Komplikation nahm immer wehr zu, die Lage wurde als äußerst ernst angesehen. Gegen abend wurde die Kranke unruhiger .Im Schlosse verlautete, sie erdulde unsägliche Schmerzen. Die Zeit zwischen IO1/2 und 11 Uhr abends war die kritischste. Erst als die Aerzte die Gewißheit erlangten, daß die Entbindung erfolgt fei, trat im Schlosse Beruhigung ein. Die Nachricht, daß trotz der heftigen Schmerzen der Königin die Lage befriedigend sei und alles einen befriedigenden Verlauf genommen habe, wirkte einigermaßen erlösend auf die Gemüter, wozu auch die Rückreise Kouwers nach Utrecht wesentlich beitrug. Heute nachmittag soll eine Konsultation ftattfinben.
Amsterdam, 5. Mai. Wie dem Reuterschen Bureau aus Schloß Loo gemeldet wird, stand die gestern eingetretene Komplikation in engem Zusammenhang mit der in» feftiöfen Krankheit, an welcher die Königin leidet. Die notwendige Operation ging glücklich und ohne alle die Schwierigkeiten von statten, welche in ähnlichen Fällen oft Vorkommen. Man sieht daher in der Umgebung der Königin die Lage wieder hoffnungsvoller an, zumal alle Symptome darauf Hinweisen, daß eine augenblickliche Gefahr nicht mehr vorhanden ist.
Schloß Loo, 5. Mar. Nach dem heute mittag 2 Uhr abgegebenen Krankheitsbericht ist der Zustand der Königin bis jetzt befriedigend.
Schloß Loo, 5. Mai. 91/2 Uhr abends. Heute abend feilten Dr. Roessingh und Dr. Pott am Krankenbett der Königin. Die äußeren Anzeichen deuten darauf hin, daß im Zustande der der Königin, über den man am Nachmittag zu ruhigerer, vertrauenvollerer Auffassung gelangte, keine Veränderung eingetreten ist.
Amsterdam, 5. Mai. Die durch ein Extrablatt des ^andelsblad" hier heute früh bekannt gewordene 'Nachricht Non dem Mißfall der Königin Wilhelmina erweckt in der ganzen Stadt um so tieferes Mitgefühl, als man an
den jetzigen Zustand der jungen Fürstin äußerst ernste Befürchtungen knüpft.
Schloß Loo, 5. Mai. Ununterbrochen gehen von Fürstlichkeiten und auswärtigen Regierungen Telegramme ein, in denen um Mitteilungen über das Befinden der Königin gebeten und Teilnahme an der schweren Erkrankung derselben zum Ausdruck gebracht wird.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 6. Mai- Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die „Deutsche Tageszeitung" versucht die von uns unter dem 11. April als unzutreffend bezeichnete Behauptung, daß die japanische Regierung unter dem Bruch des Deutschland vertragsmäßig zustehenden M e i st b e g ü n sti g- ungsrechtes dem Rohzuckerzoll einseitig zu Gunsten der englischen Rohrzuckerkolonien aufge» hoben habe, durch Berufung auf ein neuerdings in Japan veröffentlichtes Gesetz zu begründen. Nach dem erwähnten Gesetz soll vom 1. Oktober 1902 bis 31. März 1907 den japanischen Zuckerraffinerien der Zoll für verarbeiteten Rohzucker unter Nr. 15 des holländischen Standards zurück- erftattet werden. Unser. Handelsvertrag mit Japan bindet lediglich den Zoll für Rafsinaden, regelt dagegen nicht die Frage, wie sich dieser Zoll zum Zoll für Rohzucker Oer» verhalten muß. Japan wird hiernach vertragsmäßig nicht gehindert, den Raffineuren den für Rohmaterial gezahlten Einfuhrzoll zurück zuerst alten. Da das in Rede stehende Gesetz ferner zwischen Rohrzucker und Rübenzucker nicht unterscheidet, wird der Zoll auch für Rübenzucker entsprechenden Standards zurückerstattet. Aus diesem Grunde und mit Rücksicht auf die Thatsache, daß britische Kolonien für den Import von rohem Rohrzucker nach Japan nicht in nennenswertem Maße in Betracht kommen, könne davon, daß durch das neue Gesetz deutscher Zucker in Japan ungünstiger behandelt wird, wie Zucker anderer Provenienzen, nicht die Rede sein.
Berlin, 6. Mai. Im Reichskanzler-Palais haben auf Veranlassung des Reichskanzlers Grafen Bülow bereits zweiKonfercnzen mit maßgebenden Mitgliedern des Reichstages stattgefunden, um eine Verständigung in Bezug auf wichtige Positionen im Zolltarif anzubahnen.
Berlin, 6. Mai. Im Reichstage gedenkt man
bereits am nächsten Freitag oder Samstag in die P f i n g ft- f e r i e n einzutreten. Ws dahin soll die erste Lesung der Novelle zum Zuckersteuergefetz und das Branntweinfteuev- Gesetz erledigt werden. Nach Pfingsten soll der Gesetzentwurf betr. die ostafrikanischen Eisenbahnen und die Novelle zum Zuckerfteuergesetz in 2. und 3. Lesung beraten werden.
Wilhelmshaven, 6. Mai. Auf dem Torpedoboot S. 51 platzte heute vormittag ein Dampfrohr. Ein Mafchiniftenmaat und ein Obermatrose wurden schwer verletzt.
Hamburg, 5. Mai. Die elfte Konferenz der Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrts-Ein- rief) tun gen, die heute und morgen hier tagt, hielt zur Vorbereitung der Arbeiten am Sonntag Mittag eine Vor- standssitzung ab und daran anschließend eine Delegiertenversammlung. Zum Vorsitzenden wurde an Stelle des ver- storvenen Wirkt. Geh. Rats Dr. Herzog Wirkl. Geheimrat Dr. von Jacobi gewählt. Es wurde beschlossen, die nächste Konferenz 1903 in Mannheim abzuhalten. Heute vormittag eröffnete Dr. v. Jacobi die erste Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der 'Ar des Staatssekretärs a. D Dr. Herzog und eines Vorstandsmitgliedes Geheimen Ober-- regierungsrates.Niehaus gedachte, zu deren Ehren die Versammlung sich von den Sitzen erhob. Rat Dr. Bötzow- Hamburg lud die Versammelten zur Teilnahme an den in Aussicht genommenen Besichtigungen der einschlägigen Hamburgischen Einrichtungen ein. Nachdem die Konferenz sodann in die Tagesordnung eingetreten war, erschien der Senatspräsident v. Mönckeberg und begrüßte die Versammlung im Namen des Senats mit einer längeren Ansprache.
Brüssel, 5. Mai. Die Repräsentantenkammer nahm den Gesetzentwurf an, durch den die Zustimmung zur Brüsseler Zuckerkonvention erteilt wird.
Budapest, 6. Mai. In dem Badeorte Barifeld wurden 200 Häuser samt Nebengebäuden durch eine Feuersbrunst zerstört. Mehrere Personen wurden verletzt.
B u d a p e st, 6. Mai. In dem Lager bei O e r k e n e y, in welchem sich ein Infanterieregiment und eine Abteilung Artillerie befinden, explodierte gestern infolge Unvorsichtigkeit eines Soldaten ein Artilleriegeschoß. Durch die Explosion wurden zwei Unteroffiziere getötet, 1 schwer verwundet.
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