Ausgabe 
5.5.1902 Erstes Blatt
 
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den benachbarten Grundstücken, zur Herstellung von Wasserab- und Zuleitungen: jeder Art, sowie zur Herstell­ung sonstiger, besonderen Zwecken dienender öffentlicher oder privater Anlagen, insbesondere auch der dem Eisen­bahn- oder Postbetrieb dienenden Telegraphenanlagen, auf Kosten der Beteiligten zu gestatten, wenn und insofern öffentliche Int er esse n nicht entgegen stehen und insbesondere, abgesehen von vorübergehenden Störungen, der Gemeingebrauch der Straste nicht erheblich beeinträchtigt wird."

Ter vierte Ausschuß beantragt, den dringlichen Antrag des Abgeordneten Schönberger betresfend die Statuten der Sparkassen für erledigt zu erklären.

Derselbe Ausschuß hat zu dein Antrag der Abgeordneten Leun und Wolf, betreffend: Portofreiheit für P o st p a ck e t e a n M i l i t ä r p e r s o n e n beschlossen, zu be­antragen:Die Kammer wolle Grosth. Regierung ersuchen, ihre BundeSratsbevollmächtigten anzuweisen, int Bundes­rate folgendes anzuregen: G e s e tz l i ch e Fe st l e g u n H der Portovergünstigung für Soldaten Pakete innerhalb des gesainten Reichsgebiets: 1. bis zur Höchstgrenze von 3 Kilogramm auf 20 Pfg.; 2. bis zur Höchstgrenze von 5 Kilogramm auf 25 Pfg." unD den Antrag Leun und Wolf damit für erledigt zu erklären.

Ter Borstand des Fischerei-Bereins für das Grostherzog- tum Hessen richtet eine Borstellung an die Zweite Kammer, die Aufhebung des § 48 des Fischerei-Gesetzes vom 27. April 1881: das Freiangeln in den Strömen, im Sinne der Regierungsvorlage bald zur Entscheidung zu bringen. Begründet wird die Petition damit, daß nicht nur durch Wegfangen von Fischen und besonders von minder- inästigen Fischen durch die Angler der Fisch bestand schwer geschädigt wird, sondern die Berusssischer auch dadurch Schaden leiden, daß ein Teil der Angler aus zweifel­haften Personen besteht, denen es nicht darauf ankommt, die ausgestellten Fanggeräte der Fischer ihres Inhaltes zu be­rauben und noch obendrein die Fanggeräte selbst zu ent- wenden oder zu zerstören.

Deutsches Keich.

Berlin, 4. Mai. Der Kaiser stattete, wie die Nordd. Allg. Ztg." meldet, gestern nachmittag dem Reichs­kanzler Grasen Bülow einen längeren Besuch ai und sprach dem Grasen seine Glückwünsche zum Geburtstage aus.

Der Kaiser befahl aus Anlaß des Ablebens des Prinzen Georg eine 14tägige Hoftrauer bis zum 16. Mai.

Der Kroit Prinz traf heute vormittag gegen 9 Uhr hier ein und reiste nach mehrstündigem Aufenthalte in Be­gleitung des Prinzen Max nach Kaltenbronn zur Jagd.

Gestern nachmittag wurde die Einbalsamier­ung der Leiche des verstorbenen Prinzen Georg von Preußen vorgenommen. Alsdann erfolgte die Einsetzung in den Sarg, der bis zur Trauerfeier offen bleibt. Am Montag abend findet eine Trauerfeier für den Ver­ewigten im Palais desselben statt. Nach der Feier erfolgt die Uebersührung der Leiche nach der Dom-Jnterimskirche.

Der Reichskanzler hat den Präsidenten des Reichstages, Grafen B a l l e st r e m, und Vertreter der Konservativen, des Zentrums und der Nationalliberalen heute mittag zu einer Besprechung in das Reichskanzler­palais gebeten und den Sperren eröffnet, daß die Regierung besonderen Wert auf die baldige Verabschiedung der Zuckersteuervorläge durch den Reichstag lege, auch eine baldige Erledigung der Branntw.ein- steuervorlage wünsche. Sollte wegen der Zuckersteuer­vorlage eine Kommissionsberatung gewünscht werden, so sei es geboten, daß der Reichstag noch nach Pfingsten einige Zeit zusammenbleibe.

Bremerhaven, 3. Mai. Heute nachmittag um fünf Uhr ging der LloyddampferMain" mit 50 Offizieren, 90 Deckoffizieren und 1700 Mann, die als Ablösung für das ostasiatische Geschwader bestimmt sind, in See.

Ausland.

Wien, 4. Mai. Abg. Wolf protestiert in derOst­deutschen Rundschau" gegen diegeradezu an Wahnsinn grenzende Skrupellosigkeit", mit welcher Schoenerer und sein Gefolge gegen ihn die verschiedensten Beschuldigungen erheben. Er sagt u. a.: Doch jetzt mag kommen, was da wolle. Er (Wolf) werde rücksichtslos den ihm aufgedrun­genen Kamps führen, und es werde sich zeigen, von wem zum Schlüsse anständige Leute sich voll Ekel und Abscheu wenden werden. Wenn er es Physisch aushalte, so werden am Ende des Kampfes andere als er vernichtet am Boden liegen.

L o n o o n, 4. Mai. Nach einem Telegramm des Bureau Lassan aus Newyork wird aus China gemeldet, daß die Kaiserin-Witwe an n e r v ö s e r E rschöpsung und S ch l a s l o s i g k e i t leide; ihre Kr ä s t e n ä h m e n s ch n e l l ab; europäische und chinesische Aerzte feien konsultiert worden.

Madrid, 4. Mai. Nachrichten aus Portugal zufolge haben in Coimbra Srudentenunruhen stattge- funden, bei welchen eine Person getötet und mehrere ver­letzt wurden. Infolge dieser Unruhen wurde die dortige Universität geschlossen.. Auch in Lissabon veranstalteten die Studenten der technischen Hochschule Kundgebungen gegen die Klerikalen und gegen das Couvenio und brachten Hoch- rufe aus die Republit aus; die Truppen weigerten sich, die aufrührerische Bewegung zu unterdrücken. TerLibenal" meldet, in ganz Portugal herrsche gegen das Convenio große Erregung, welche sich auch der militärischen Kreise be- mächtigt habe. Zweihundert M a r i n e o f s i z i e r e, welche in einem Schreiben an den König gegen jene Vereinbarung mit den auswärtigen Gläubiger protestierten, hätten sich geweigert, diesen Protest zurüüzunehmen.

Stockholm, 4. Mai. Sowohl die vorgeschlagene Ver­doppelung der Tabak- und Cigarrenzölle, wie das Tabak mo nopol wurden gestern vom Reichs­tage abgelehnt.

Belgrad, 4. Mai. In Tjakowitza in Altserbien kam es zwischen zwei Albanesenstämmen zu einem blutigen Zus amm ßnsto ße, an welchem sich an tausend Personen beteiligten.

New York, 4. Mai. Eine Depesche aus Willemstad meldet, daß ü b e r a l l in V e n e z u e l a A u f ru h r herrsche. Tie ZeitungTiempo", das leitende Blatt von Caraeas, sei unterdrückt worden..

Aus Stadl und Sand.

Gießen, 5. Mai 1902.

** Zum Vorsitzenden des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen für das 2. Quartal 1902 ist Landgerichtsrat Schniidt ernannt worden. Die Session beginnt im nächsten Monat.

** Zu einem Zusammenstoß, der leicht böse Folgen hätte

haben können, kam es am Samstag Abend in der Mar. burgerstraße. Eine Dame, welche den östlichen Bürgersteig in der Marburgerstraße eben verlassen hatte, um den Ueber- gang zur Steinstraße zu benutzen, wurde von einem daher­sausenden Radfahrer umgefahren. Auch der Radfahrer stürzte. Anscheinend kamen beide mit dem Schrecken davon. Wir können nicht dringend genug die Radfahrer vor all- zuraschem Fahren im Weichbilde der Stadt und besonders bei Straßenkreuzungen warnen; und es wäre angebracht, wenn unsere Sicherheitsorgane im Interesse der Fußgänger in solchen Fällen energisch einschritten.

* * Ein Hochstapler. Jüngst berichteten wir von einem früheren Volksschullehrer, der zuletzt am Wetzlarer Gymnasium als Zeichenlehrer Verwendung fand und _ der wegen unwürdigen Betragens aus dem Schuldienste entfernt werden mußte. Später erschwindelte er sich bei einem hie- igen Geistlichen ein Darlehen von 20 Mk. Von der An­klage des Betrugs wurde er damals zwar freigesprochen, da­gegen seine Neuverhaftung verfügt, weil er noch von andern Staatsanwaltschaften verfolgt wurde. Gegen Kaution ist der Verhaftete inzwischen auf freien Fuß gesetzt worden und hat ofort eine neue Schwindelei ins Werk gesetzt. Er gab sich nämlich in einem hiesigen Restaurant als Kriminalbeamter aus, dem es gelungen sei, den Direktor der Kasseler Treber- gesellschaft zu verhaften und der nunmehr mit dem ehren­vollen Auftrage nach Gießen gesandt worden sei, um den Schwindler Haug, der längere Zeit in Ulrichstein als prak­tischer Arzt sein Wesen trieb, ausfindig zu machen. Als Kriminalbeamter hat er sich auch noch in einem anderen Falle aufgespielt.

* * Eine Herumtreiberin wurde in der Nacht vom 3. auf den 4. in der Westanlage verhaftet.

* * Ein Betrüger. Ein junger Kaufmann aus Bad Langenschwalbach verübte in Wetzlar einen Betrug, indem er sich unter falscher Vorspiegelung von einer Frankfurter Firma telegraphisch 100 Mark senden ließ. Kurz nach Der Auszahlung des Geldes wurde der Betrug entdeckt, und der Betrüger von dem bestellenden Postbeamten verfolgt. Auf dem hiesigen Bahnhof erfolgte seine Verhaftung.

* * Ruhestörer. Ein von hier gebürtiger Schneider­geselle mußte wegen fortgesetzter Ruhestörung ins Haftlokal gebracht werden.

* * Messerheld. Ein bekannter hiesiger Raufbold wurde arretiert, weil er ohne jede Veranlassung einen ihm entgegenkommenden Monteur durch einen Messerstich am Halse verletzte.

* * Schlägerei. In einer Wirtschaft der Wallthor- traße entstand eine regelrechte Schlägerei, wobei auch Fensterscheiben in Stücke gingen. Die Später wurden zur Anzeige gebracht.

* * Landeslotterie. Wer Lust hat, in der hessischen Landeslotterie zu spielen oder nach bereits erfolgtem Kauf eines Loses erster Klasse an die planmäßig von Klasse zu Klasse wachsenden Gewinnaussichten weiter teilzunehmen, muß sich noch vor morgen ,Dienstag, ein Los zur zweiten Klasse kaufen, weil an diesem Tage die Ziehung zweiter Klasse beginnt . Nach der bekannten Vergleichsstatistik bietet thatsächlich reine der bestehenden Lotterien gleich gute Ans­ichten auf wirkliche Gewinne als die hessische Landeslotterie.

* * Von Der Südanlage. NachDem im vergangenen Jahre unser Stadtgärtner die Südanlage überaus geschmack­voll umgemodelt hat, erfährt sie dem Promenadenwege ent­lang in diesem Jahre eine weitere Verschönerung. Um die grüne Rasenfläche zu unterbrechen, sind in Der Nähe der Mündung der Plock- und Johanuesstraße Gruppen von Steinen, sogen. Findlinge gelagert, die Diesem Teile der Anlage einen überaus reizvollen Anblick geben. Man müßte nun noch eine Vermehrung der Ruhebänke vor-, nehmen. Ter Verschönerungsverein, Der Darum angegangen war, mußte leiDer Davon absehen. Da seine Mittel für Dieses Jahr erschöpft find.

* * Das Anturnen Des Turnvereins, das gestern abend in der Turnhalle an Der Nordanlage stattfand, ist bei lebhafter Beteiligung sehr schön verlaufen. Es mürbe am Reck geturnt; Die Hebungen wurDen trotz ihrer Schwierig­keit tadellos ausgeführt. Auch die am Barren vorgeführten Pyramiden fanden reichen Beifall. Nach Beendigung der turnerischen Vorführungen bildete ein Tänzchen Den Schluß Der Veranstaltung.

* * Ortsgruppe Der Eisenbahnhandwerker Gießen. Am Samstag abend beging in der Turnhalle die Ortsgruppe Der Eisenbahnhandwerker Gießen ihr vierjäh­riges Stiftungsfest, Das einen schönen Verlauf nahm.

* * Der Verbandstag Des Deutschen Holz- arb eiter-Ver b anDes trat gestern in Mainz zu­sammen. Er mürbe mit einer Begrüßung ber Delegierten eröffnet, bei ber Reichstagsabgeordneter Klo ß-Stuttgart bie Eröffnnugsrebe hielt. Es finb etwa 100 Delegierte erschienen, augerbem finb Gäste aus Oesterreich, ber Schmeiz, Dänemark unb England anroefenb. Den mächtigsten Punkt ber Tagesordnung bilbet bie Einführung ber Ar­beitslosenversicherung. Dafür ist eine kleine Bei­tragserhöhung in Aussicht genommen.

*" Vergrößerung des Universitätsbibliotheks-Geländes.Zu Der unter dieser Süchmarke in der vorigen Stummer unseres Blattes veröffentlichten Notiz, die uns von einem Bericht­erstatter mitgeteilt wurde, geht uns von zustänbiger Seite die Mitteilung zu, daß Der Staat, entgegen dieser Nachricht, weder direkt, noch indirekt Gelände neben dem Bauplatz er­worben hat."

k. Steinberg, 4. Mai. Die von der hiesigen sozial­demokratischen Partei für gestern vorgesehene Maifeier fand im Saale der Ww. Schmandt statt. Nach dem Vor­trage einiger Musikstücke hielt Stadtverordneter Krumm - Gießen einen Vortrag über die Bedeutung des 1. Mai. Er erntete reichen Beifall.

i. Lanbach, 5. Mai. Am Mittwoch feierte der Solms er Zweigverein der Gustav Adolf st iftung fein Jahresfest hier. Die dringende Bestellung Der Felder hielt zwar viele von der Feier ab, doch hatte sich eine zahlreiche Gemeinde zusammengefunden. Pfarrer Wahl von Langen hielt die Festpredigt, worin er die Kraft der Bruderliebe betonte. Sodann verlas der Schriftführer des Vereins, Pfarrer Draudt von Wohnbach, den Jahresbericht, aus welchem ersichtlich war, daß hinsichtlich Der Jahresbeiträge Laubach an einer Der ersten Stellen unter Den GemeinDen Des Zweigvereins steht. Dekan Hainer von Hungen Dankte allen, die zur Verschönerung des Festes beigetragen hatten und empfahl für die Festkollette eine oberhessische, im Entstehen begriffene Gemeinde, Rockenberg. Diese erhielt die 62 Mark betragende Kollekte. Um 4 Uhr fand eine 9iadp Versammlung im Saale des Schützenhofes statt. Daselbst hielt Pfarrer Loo§ von Groß-Umstadt, einen begeisterten

Vortrag über die evangelische Bewegung in Oesterreich und führte Die gespannt lauschenden Zuhörer in die neu ent­standenen evangelischen Gemeinden in Böhmen. Da er selbst schon dreimal in Oesterreich in den letzten Jahren war, konnte er auf Grund eigener Erfahrung reden. Sein Vor­trag machte tiefen Eindruck. In einem Schlußwort empfahl Pfarrer Volp von Laubach c<ine Tellersammlung für bie Gemeinde Meschen in.Böhmen, bie Tags Darauf Den Grund- tein zu einem evangelischen Gotteshaus legen wollte. Dem Zweigverein aber sprach er Die Bitte aus, er möge öfters als seither sein Jahresfest hier halten. Die Teller- ammlung ergab beinahe 60 Mark.

§ Langd, 4. Mai. Nach ber kürzlich veröffentlichten Bi­lanz unserer Spar- und Darlehenskasse mit unbeschr. Haftpflicht hat sich dieses gemeinnützige Institut auch im ver­lassenen Rechnungsjahr in erfreulicher Weise gehoben. Bei einem Gesamtkafsenumsatz von 23 995 Mk., pro 1901 erzielte die Genossenschaft einen Reingewinn mit 205 Mk., unter dessen Einbeziehung die Passiva, gleich der Aktiva 31369 Mk. betrugen.

§ Nieder-Weifel, Den 5. Mai. Nachdem unser neuge­wählter Beigeordneter Jakob Winter in dieser Eigenschaft bestätigt worden ist, wurde er in der letzten Woche auch als Stellvertreter des hiesigen Standesbeamten in Pflicht ge­nommen.

-f Vom oberen Vogelsberg, 3. Mai. Seit gestern ist hier ärmliches Winterwetter eingetreten, es regnet und schneit ortgesetzt, Die Felder sind überall mit Schnee bedeckt. Die Hafersaat und das Setzen der Kartoffeln ist beendet. Die Wintersaat steht schön. Gerade diese nasse Witterung kommt ihr zu statten, denn seither herrschte hier trockene, kalte Witte­rung mit starkem Nordwind.

Darmstadt, 2. Mai. DieTarmst. Ztg." bringt an hervorragender Stelle ein größeres Expose, dem wir fol­gendes entnehmen: Die in Nr. 200 derDarmst. Ztg." wiedergegebenen Darlegungen des Hrn. Finanz- m in ist er s hinsichtlich der finanziellen Wirkungen der den Landständen in letzter Zeit zugegangenen Regierungs­vorlagen über größere Bauten haben sich auch auf Den U m- b au des Hof theaters erstreckt. Dieser unterscheidet sich indessen von den übrigen dabei genannten großen Bauten zu feinem Vorteil wesentlich dadurch, daß bei den anderen die Mittel im großen und ganzen vom Lande durch die Inanspruchnahme des Staats kredits aufgebracht wer­den müssen, während für die Finanzierung des Theater­umbaues ein ganz anderer Weg eingefchlagen werden soll. Nachdem der Großb erzog zu Gunsten des geplanten- Theaterumbaues auf Die fernere Nutznießung des zum alten Theater gehörigen Geländes verzichtet und den Verkauf des zu 300 000 Mark bewerteten Geländes ermög­licht hat, bleiben für den Umbau des Hoftheaters nur 400 000 Mk. aufzubringen, wenn die Stadt Darmstadt sich zu dem ihr nahe gelegten Ankauf sowie zur Uebernahme der Kosten der Herrichtung des Jnterimstheaters mit 65 000 Mk. ent­schließt. Wer auch jene 400000 Mk. sollen nicht aus Mitteln desLandes, sondern aus Vermögens^ gründ stück des Großh. Hauses entnommen werden, sodaß der Staatskasse nur ein Ausfall einer ihr zukommenDen Nutznießung des Familieneigentums in Hohe von ca. 10- bis 12 000 Mk. jährlich entstehen dürfte. Gegenüber den durch die Regierungsvorlage aufgetauchten Bedenken, warum gerade für Darmstadt solche Aufwendungen unter staat­licher Mitwirkung gemacht werden sollen, während Die an­deren Städte des Landes aus eigenen Mitteln für ihre Theaterbauten sorgen müßten ,wird darauf hingewiesen, daß, wie bei den Lwftheaterii anDerer Staaten, so auch in Hessen bei Inkrafttreten der Verfassung im vorigen Jahr­hundert ununterbrochen der Staat zur Erhaltung des W Hoftheaters in der Residenzstadt mittelbar und unmittelbar in umfassender Weise beigetragen hat. Es wird weiter auf die zu wahrenden Vorsichtsmaßregeln gegenüber Dem nicht mehr genügenden Zustande des Hofthaters aufmerksam gemacht und die Erwartung ausgesprochen. Daß Der Landtag und die Stadtverordnetenversammlung in Darmstadt sich den dabei an sie gestellten Anforderungen nicht entziehen werden, schon eingedenk Der sonst auch ihnen zufallendert schweren Verantwortung.

Offenbach, 4. Mai. In der am Mittwoch statt­gehabten Sitzung des Kreisauss chuss es wurde die Be­schwerde des Beigeordneten Wolff gegen den Beschluß Der Stadtverordnetenverfammlung, durch die das Dienst­mädchen Kratz wieder in den Dienst des Versorgungshauses zugelassen wurde, aus formellen Gründen abgewiesen, ohne daß auf die materielle Seite der Angelegenheit eingegangen wurde. Nach der Städteordnung steht dem Bürgermeister allein das Recht zu, einen Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung zu beanstanden. In einer Beleidig­ungsklage zwischen dem Kreisrat v. Ho mb er g k und dem Beigeordneten Wolff wurde Letzterer vom Ministerium zu 250 Mark Geldstrafe verurteilt.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Professor Storck an der Realschule in Butzbach ist wegen Erkrankung für längere Zeit beurlaubt. Mit feiner (gteftoer* tretung ist Accessist Kollner aus Offenbach beauftragt worden.

Vermischtes.

* Berlin, 3. Mai. Die ehemaligen Dragoner-Unter­offiziere Marten und Hickel beabsichtigen, wie der Allg. Fleischerztg." berichtet wird, in Berlin eine Gast­wirtschaft zu errichten. Die Mittel dazu soll ihnen die Sammlung bieten, die vor einiger Zeit für sie unternommen wurde und mehrere taufend Mark ergeben haben soll. (Dar­nach wäre die Nachricht Frankfurter Blätter, sie hätten zu- qesagt, bei einer Frankfurter Firma als Kassenboten einzig treten, falsch. D. Red, d.Gieß. Anz.") __

Universitäts-Nachrichten.

In der Gesamtsitzung der preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin am 24. April hat die, p h y s i -- kalisch-matbernatische Klasse bewilligt: Prof, -tr. -tt). Boveri in Würzburg zur Fortsetzung seiner Untersuchungen über die erste Entwicklung des tierischen Eies 700 Mt.; Prof. Dr. N. Brauns in Gießen zu einer llntersuchung der zur ^iabas-- gruppe gehörenden Gesteine des rheinischen Schiesergebirges 1200Ä; Dozent Dr. O. Cohnheim in Heidelberg zur Fortsetzung seiner Untersuchungen über die Resorption bei Wirbellosen 700 Mk.; Dozent Dr. M. Rot h mann in Berlin zur Untersuchung amhropo- morpher Affen hinsichtlich der Form der Pyramidenbahn 1000 Mk.; Pro,. Dr. Al. T o r n q u i st in Straßburg zu geologischen Unter­suchungen auf der Insel Sardinien 1500 Mk.; Dozent Dr. A. T s ch e r m a k in Halle a. S. zu einer Arbeit über das Binoeular- sehen der Wirbeltiere 500 AU. Der o. Professor der deutschen Sprache und Litteratur an der Universität Freiburg i. B. Hof­rat Dr. F. Kluge wird, derAllg. Ztg." zufolge, im lommenden Sommersemester wegen eines Augenleidens keine Vorlesungen halten. Diese übernimmt der a.-o. Professor Dr. F. Panzer.< Wie dasselbe Blatt berichtet, ist mit der Vertretung der Vorstand-