Ausgabe 
4.7.1902 Erstes Blatt
 
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UeVer einen Eiseub ahn zusammen stoß foird uns aus Graudenz berichtet: DerGesellige" meldet aus Eydtkuhnen: Der um 41/2 Uhr nachmittags fällige gestrige Schnellzug aus Petersburg traf mit mehr als elfstündiger Verspätung, also erst heute früh, hier ein. Der Grund dieser Verspätung ist ein großes Eisen­bahn-Unglück. Der Schnellzug stieß bei Gatschina , nut (einem Vergnügungszuge zusammen. Der Lokomotivführer, -ein Heizer und mehrere Personen sind tot, über 60 Passa­giere schwer verletzt. w t

Ern schweres Br and un gluck wird aus Ma­irien bad gemeldet: Gestern früh brannte das Rudolfs- Heim nieder. Zwei Personen kamen in den Flam­men um. Ein junges Mädchen sprang aus dem zweiten Stockwerk herab, und wurde lebensgefährlich ver­letzt.

*'Der gefährliche Limburger. Die Amerikaner .find nun einmal ganz andere Leute wie wir. Wer daran 'noch gezweifelt haben sollte, wird einen schlagenden Beweis in der Thatsache finden, daß die Amerikaner nicht gern Käse essen, oder sich doch aus diesem Erzeugnis, das bei uns Vollsnahrungsmittel ist, nicht so viel machen, daß die Frage: Essen Sie gern Käse? wie bei uns zu einem wesent­lichen Bestandteil der gesellschafllichen Unterhaltung wer­den könnte. Im besonderen aber hat der Käse den Zorn .eines amerikanischen Arztes und Gesundheitsbeamten, Dr. Men, auf sich geladen, der in einem Aufsatz desMedical Record" gegen die Speise zu Felde zieht, die er mit dem -Namenthe Limburger" belegt. Er versichert, daß diese Msesorte voll von Bakterien und anderen Keimen ist und daher als unbedingt gesundheitsschädlich betrachtet werden muß. Er hat in dem Bereich seiner Machtvollkommenheit sogar eine Verordnung erlassen, daß jeder Verfertiger oder VerLiuser von Limburger Käse gesetzlich verfolgt werden würde. Nun ist ja dieser Käse schon seit langem von solchen Leuten als gefährlich erkannt worden, die einen schwachen Mägen und ein empfindliches Geruchsorgan besitzen. Man kann aber nicht gerade sagen, daß diese Leute in Deutschf- land häufig seien. Im Gegenteil erfreut sich gerade diese Käsesorte bei uns einer ausgesprochenen Beliebtheit. Zu­zugestehen ist, daß der reise Limburger Käse sich in einem Zustand der Fäulnis befindet und nicht so ungefährlich ist wie frischer Mse. Ebenso zweifellos aber ist es auch daß Dr. Men die aus seinem Genuß erwachsenden Gefahren (wesentlich übertrieben hat, denn es sind eben nicht alle Bakterien oder sonstigen Mikroben gefährlich.

Univerfttüts-Uachrichten.

Berit«, 2. Juli. Die Regierung hat den Professor der Na- (tionalofonomie an der Berliner Universität, Dr. Ernst v. Halle zu einer auf mehrere Monate berechneten Informations- Meife nach Posen entsandt. Die Reise steht in engem Zu­sammenhang mit den Maßnahmen der Regierung zur Förder­ung des Deutschtums in denO st marken. Professor D. Halle ist mit eingehenden Specialstudien über das wirtschaftliche und geistige Leben in der Provinz Posen betraut, als deren Er­gebnis neue Anregungen für Förderung der deutschen Arbeit und des deutschen Gemeinlebens im Osten sowie für die zweckmäßige IVerwendung des neuen Ansiedelungssonds erwartet werden.

Kunst und Wissenschaft.

Stadttheater in Gießen. Dienstag den 8. und Mittwoch iben 9. Juli wird das Emser Kurtheater-Ensemble in den beiden 'OperettenDie Puppe" Ed. Audran undDie Land­streicher von Zieher wieder in unserem Stadttheater gastiren. Der Theateroerein hat mit der Tirectton des Emser Kurtheaters für die weiteren Gastspiele em Familien-Abonnement von 6 Bons Loge 15 Mk., 6 Bons Sperrsitz 12 Mk., 6 Bons 1. Parquet 9 Mk., 'in beliebiger Anzahl au jeder Gastvorstellung zu verwenden, vereinbart. ZurPuppe^ werden sämtliche Dekorationen vom !Emser Kurtheater mitgebracht.

Posen, 2. Juli. Auf dem 5. Samaritertag unter dem Vorsitz des Oberstabsarztes Dumps-Leipzig fand heute die Be­grüßung seitens der Vertreter der Behörden, des Kultusministeriums, bes Oberpräsidenten, des Oberbürgermeisters Witting und des Aerztevereins statt. Unter stürmischem Beifall sprach zunächst Prozessor v. Bergmann-Berlin über die Bedeutung des Aerzte- Üandes sirr das Rettungswesen, dann sprachen die Professoren «Mayer über die Rettungswachen in den Städten und Jmimer- Zehlerrdorf über die Organisation der weiblichen Krankenpflege. Es wurden Begrüßungsdepeschen abgesandt an Den Kaiser und die Kaiserin, die Ehrenpräsidenten des Bundes.

Gerichtssaat.

-k- Mainz, 3 Juli. Wegen Nötigung hatte sich ein früher Hehr begüterter hiesiger, jetzt in Darmstadt wohnender Weinhändler Itn der letzten Sitzung der Strafkammer des Mainzer Landgerichts izu verantworten. Der Angeschuldigte, der hier zwei wertvolle 'Häuser besessen hatte, kam in finanziellen Rückgang und wurden ichm seine Anwesen zwangsweise veräußert, und zwar zu einem iverhälttlismäßig sehr geringen Preise. Baron Hamel, der früher [mit seiner Frau in dem Hause des Weüihändlers verkehrt hat und eine Schuldforderung hatte, soll die Ursache des Zwangsverfahrens gewesen jein, die sich nicht nur auf die Immobilien, sondern auf das gesamte Weinlager des Weinhändlers erstreckte. Der Ange­klagte schrieb an den Brrider des inzwischen verstorbenen Barons Haniel, er werde sich mit Veröffentlichung des ganzen Herganges i-unD seines durch seinen Bruder verschuldeten Unglücks an den Kaiser urrd den Prinzregent do« Bayern wenden, wenn ihm nicht jein Geld wieder zurückgegeben würde, da er um fein ganzes Ver­mögen in der Höhe von 350 000 Mk. gebracht worden sei. In der (Thal hat sich auch der Angeklagte an den Kaiser und an den 'Prinzregent von Bayern gewendet, weil er durch zwei neugeschaffene «Adelige, die über mehrere hundert Mlllwnen verfugten, wegen £5 000 Mk. um Hab und Gut gebracht worden sei. Das Gericht «sprach den Angeklagten frei, da ihm das Bewußtsein der Rechts­widrigkeit seiner Handlungsweise gefehlt habe.

ko. Darmstadt, 3. Jilli. Arn 28. Ium v. Js. fand an der Gehspitze" ein Duell zwischen Rittmeister a. D. von Simon aus Eharlottenburg und dem Hauptmann v. Maien, den Ersterer für den Urheber seines ehelichen Unglücks hielt, statt. DieGeh­spitze" liegt bei Sprendlingen auf hessischem Gebiet. Die hiesige Strafkammer verurteilte jetzt den Rittmeister 0. otmon zu vier, seinen Schwager Kaufmann Kürchner aus Berlin wegen Kartell­tragens zu 3 Atonalen Festungshaft. _

Frankfurt a. M., 3. Juli. (Lberkriegsgericht des 18 Armee­korps.) Daniel Jansen aus München-Gladbach fühlt sich nur aus der Landstraße oder hinter schwedischen Gardineu wohl. Am 12 Oktober 1899 vertauschte er die Gc,angenen-Klust" mit des Königs Rock. Aber es war nichts mit dem Kerl. Er kollidierte mit sämtlichen Paragraphen des Mllitärstrasgejetzbuches. Kaum aus dem Loch raus, flog er schon wieder hinein. Verschiedene Male hatte er im Kölner Festungsgesängnis zu brummen, wo man ihn wegen seines üblen Einflusses aus die übrigen Haftlmge ein Zimmer allein anwies. Auch bei der Arbeiter-Abteilung in Mamz ist er ein gern gejehener Gast. Anfangs d. I. kam er wieder dorthin, um mehr oder weniger treu . seine Zeit zu dienen. Am 4. Mai erhielt er einen Strafrapport, weil seine L>ttesel nicht ordent­lich gefettet waren. Zugleich wurde ihm die Erlaubnis entzogen, Psingsten seine Braut empfangen zu dürfen, die ihm bereits zuge­sagt war. Daß man es ihm verwehrte, an Psingsten, dem lieb­lichen Feste, mit Herzliebchen sein unter dem Rebendach zu sitzen, brachte den alten Landstreicher aus Rand und Band.Schujte, Lumpen, Halunken" und alles was Gott verboten hat, schimpfte er iau|" der Stube den Abteilmigsvorstaud Hauptmann Göbel und dem

Sergeanten Becker, der die Stiefelgeschichte gemeldet hatte.Einer davon muß dran glauben, einem stech' ich das Messer in den Ran­zen" sagte grimmig der Seladon und Arbeitssoldat 2. Klaffe. Dann pielte er denwilden Manu." Er kroch unter den Betten herum, chlug seinen Eßnapf kaput und zertrümmerte 4 Fensterscheiben durch ein Bombardement mit Bierflaschen. Hierauf forderte der Wüterich seine Kameraden auf, zerbrechliche Sachen, die ihr Eigen­tum seien, aus den Spinden zu nehmen, denn gleich werde er die Spinde umstürzen. Da nahmen ihn diese fest, er wurde ins Arrest- Hans gebracht, mußte dort geknebelt werden und wurde dann zur Beobachtung seines Geisteszustandes ins Lazareth gebracht. Die Beobachtung fiel zu seinen Ungunsten aus, er wurde für geistig gesund erklärt, zumal er seine Kameraden aufgefordert hatte, zu agen, er sei verrückt, er wolle entweder ins Narrenhaus oder ins Zuchthaus, während diese ihn alle für vernünftig erklären. Das Kriegsgericht des Gouvernements Mainz hat den verliebten Ge- ängnisbruber wegen Achtungsverletzung, begangen durch Bedroh­ung in einheitlichem Zusammentreffen mit Beleidigung und Be- chädigung von Dienstgegenständen zu 9 Monaten Gefängnis ver­urteilt. Jansen will heute dem Oberkriegsgericht weismachen, er wisse von der ganzen Geschichte nichts mehr. Seine Berufung wird jedoch verworfen.

10. Frantfurt a. M., 3. Juli. Well seine Verhaftung wegen unsittlichen Verkehrs mit schulpflichtigen Kindern beoorstcmd, er­hängte sich hier der 65jährige Gärtner Ludwig Funk. Ein Sohn des alten Wüstlings, gegen den derselbe Verdacht besteht, wurde bereits in Haft genommen.

fo Frankfurt, a. M., 3. Juli. Am 7. Februar d. I. wurde der Direktor der Teig warenfabrik Gebrüder Morr in Gonsenheim bei Homburg v. d. H., Ludwig Morr, wegen fahr­lässiger Nahrungsmtttelfälschung von der hiesigen Strafkammer zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Reichsgericht hob das Urteil wegen eines Formfehlers auf und verwies die Sache zur noch­maligen Verhandlung vor die hiesige Strafkammer zurück. Das Urteil war dasselbe wie in der ersten Verhandlung. Die That­sache läßt sich nicht aus der Welt schaffen, daß ca. 600700 Kisten Alaccaroni, die stark mit Würmern durchsetzt waren, zuPanirmehl verarbeitet worden sind. Wohl ordnete Morr, den man von dem Vorhandensein der Würmer in Kenntnis setzte, an, daß die Macca- ront durchgesiebt werden sollte, kümmerte sich aber weiter nicht darum, ob seine Anordnung auch richtig ausgesührt wurde.

Leipzig, 3. Juli. Tas Reichsgericht hob auf die Revision beider Angeklagten das Urteit des Landgerichts Köln vom 25. Januar auf, wodurch Dr. med. Schulze und der Chefredakteur der Kölnischen Zeitung" Posse wegen Beleidigung der Kölner Ge- fängnisoerwaltung zu Geldstrafen verurteilt waren und verwies die Sache an das Landgericht Bonn zurück. Das Reichsgericht verwarf die Revision des 13jährigen Schulknaben Hermann Salo­mon, der am 18. April vom Landgericht Hamburg wegen Ermor­dung eines dreijährigen Knaben zu acht Jahren Gefängnis ver­urteilt war.

Beuthen, 3. Juli. Nach zwölsstündiger Verhandlung verur- teille die hiesige Strafkammer die Redakteurin Fr. Dr. Easpari- Golde und den Verleger Morawski von der früher in Berlin herausgegebenen polnischenGazetta Robotnicza" wegen Aufreizung zu Geivaltthätigkeiten durch Verbreitung ausländischer polnischer Broschüren zu z w e i I a h r e n bezw. zu einemJahreGe- s ä n g n i s.

Arbeiterbewegung.

Berlin, 3. Juli. Der Ausstand der Bauarbeiter hat keine Ausdehnung erlangt und verläuft ruhig. Die Maurer und Zimmerer haben es abgelehnt, sich mit den Ausständigen solidarisch zu erklären und die Arbeit niederzulegen. Dadurch sind viele Arbeiter veranlaßt worden, die Strbeit wieder auszunehmen.

Rom, 3. Juli. Tie Arbeiter der italienischen Stearm-Fabrik A.-G. in Rivarolo bei Genua forderten unter Androhung des Streikes eine solch hohe Lohnerhöhung, daß die Direktion beschloß, sofort den Betrieb e i n z u st e l l e n und sömtllchen 300 An­gestellten zu kündigen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankfurter Börse. Die erhöhte Kauflust, die gestern bereits zum Durchbruch kam, übertrug sich auch auf die heutige Börse, so daß wir heute von einer entschieden festen Tendenz sprechen können. In den politischen und wirtschafttichen Verhältnissen hat sich in den letzten Tagen nichts zugetragen, was eine veränderte Auffassung der Spekulation in Bezug der Rentabilitätsverhältmsse von Banken- und Jndiistriewerten veranlassen könnte. Die günstig lautenden Berichte aus Schlesien, anderseits, daß in Amerika an­dauernd starke Nachfrage für Eisen aus Deutschland sich geltend macht. Bankaktien durchweg höher, besonders Deutsche Bank und Dresdner Bank. Eiseniverte durchweg ca. 12 Prozent höher. 3* ,proz. und 4proz. Deutsche und Ocsterreichifche höher und be­gehrt. Von Ausländern bestand viel Interesse für Serben, Portu­giesen, Chinesen und Spanier. Eisenbahiipapiere etwas fester.

Wie wir vernehmen, soll in den nächsten Tagen der Antrag auf Zulassung von 20 Millionen 4proz. Obligationen der Deutsch- Atlantischen Telegraphengesellschaft in Köln gestellt werden, deren Ausgabe in der Generalversammlung vom 30. Juni beschlossen wurde.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

6. Sonntag nach Trinitatis, den 6. Juli.

G o t t e s d i e n st.

In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr:. Pfarrer Schlosser.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus« gemeinbe.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Grein.

Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst.

Pfarrer Dr. Grein.

Vormittags 11 Uhr: Im Konsirmandensaale, Kirchstraße 9, Kinderkirche für die Kinder der Markusgemeinde.

Psarrassistent Vogt.

Abends 8 Uhr Vereinigung der konfirmierten mäm,licheii Jugend der Matchäusgemeinde im Konfirmandensaal, Kirchstraße 9. Ju der Johanueskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirinierten aus der Johannesgemeinde.

Vormittags 9'/r Uhr: Pfarrassistent Vogt.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgememde.

Pfarrer Euler.

Katholische Gemeinde.

Samstag den 5. Juli. ,

Nachmittags um 5 Uhr uiid abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag den 6. Juli.

7. Sonntag nach Pfingsten.

Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenhell zur hell. Beicht.

um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor und in derselben Austeilung der heil. Kom­munion.

_ 8 Uhr: Die zweite heil. Meffe.

9*/2 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 21/, Uhr: Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage.

Israelitische Religionsgemeinde.

Samstag, den 5. Juli 1902.

Vorabend: 7^ Uhr. Morgens: 8^° Uhr. Predigt.

Nachmittags: 4 Uhr. Sabathausgang: 9*° Uhr.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Darmstadt, 4. Juli. (Zweite Kamm er.) Die Regierungsvorlage betreffend die Bahnen Bin°^ gen-Büdesheim, Hetzbach-Beerfelden wird angenommen, ebenso die Regierun gsfordernn g von 289000 M k. zum Bau eines neuen Museums^ Der Antrag Schönberger und Gen. betr. die Nebew- bahn Neichelheim-Fürth wird der Regierung bestes empfohlen. Es folgt dann eine längere Debatte über den Gesetzentwurf betr. dieanMa!ul-und Klauen- euche erkrankten und gefallenen Tiere. Die

Debatte dauert bei Schluß des Blattes noch fort.

Berlin, 4. Juli. Der Kaiser stellte den in Kiel weilenden Kronprinzen von Sachsen a la suite der Marine- Infanterie.

Berlin, 4. Juli. Nach einer Meldung aus Rom dementiert die offizielleAgencia Stefani" die aus Deutsch­land gekommene Nachricht von der Verlängerung der Han­delsverträge Lis Ende 1904.

Berlin, 4. Juli. Für die Tage des Kais erbesuches in Posen haben nun auch diejenigen polnischen Notabeln, die in provinzialen oder communalen Vertretungen eine Stellung einnehmen und deshalb zu den offiziellen Prunk- b an fetten herangezogen werden sollten, beschlossen, die ihnen zugedachte Einladung abzulehnen. Darunter sollen sich nicht nur Mitglieder des Provinziallandtages, des Provinzialaus­schusses und der Bezirksausschüsse befinden, sondern auch Männer, die in persönlicher Beziehung zum Hofe stehen.

Barmen, 3. Juli. In dem Stadüell Barmen- Rittershausen explodierte heute vormittag ein Theerkessel. Drei Personen wurden getötet, zwei schwer verletzt.

Bremen, 4. Juli. Der Senat bestätigte die Wahl des Pastors Weingart in B0rgfeld.

London, 4. Juli. Aus Peking wird gemeldet, daß in 9 von den 18 chinesischen Provinzen Revolutionen aus- gebrochen seien.

London, 4. Juli. Die Blätter kommentieren lebhaft die Grenz-Abänderung, welche zwischen der portugiesischen und holländischen Regierung betreffend Timar verernbart worden ist.

London, 4. Juli. DasBritish Medical Journal" bestätigt die Darstellung des Lancet, daß infolge des tiefen Eingriffes bei der Operation in die Wunde zwei Kanülen gelegt werden mußten, welche am 29. Juni wieder ent­fernt wurden, da der König sie nicht Wetter ertragen konnte. (Bergl. Ausland. D. Red.) Wie dieExchange Telegraphen- Kvmpany" erfährt, wttd König Eduard jetzt täglich auf ein anderes Lager gehoben und darf in kurzen Zwischen­räumen etwas lesen. f

London, 4. Juli. Ein Telegramm derDaily Mall aus Singapore berichtet, daß eine Expedition von 10 000 englischen und eingeborenen Truppen in der Nähe des Flusses Battang Lopar auf Neu-Guinea völlig vernichtet ist, wohin sie entsandt worden war, um einen Eingeborenen- Stamm zu züchtigen, weil derselbe Europäer ermordet hatte und Piratereien trieb. Die Nachricht besagt weller, daß drei Viertel des Bestandes der Kolonne an Cholera gestorben sind. Täglich waren bis 500 Todesfälle zu verzeichnen. Der Fluß ist mll Leichen bedeckt.

London, 4. Juli. Der österreichische Botschafter über­reichte dem Prinzen von Wales das Großkreuz zum Stephans- orden. Wie aus allernächster Umgebung des Königs ge­meldet wttd, besteht derselbe darauf, daß die Krönung im September stattfindet.

London, 4. Juli. Aus Kapstadt wttd gemeldet: 34 000 Personen haben eine Petition unterzeichnet, welche die Abschaffung der Verfassung verlangt.

Brüssel, 4. Juli. Wie gerüchtweise verlautet, wird der König von Italien im August Ostende besuchen und dott mit dem König Leopold eine Zusammenkunft haben.

Paris, 3. Juli. Die vom Untersuchungsrichter in der Humbert-Angelegenheit angeordnete Haussuchung in der Druckerei der französischen Staatspapiere ergab, daß die hohen Rententitres, welche Frau Humbert den Opfern ihrer Betrügereien zu zeigen pflegte, gefälscht waren. Sie besaß nur drei Stücke, welche auf ganz geringe Betrage lauteten, die von ihr in Rententitel über 300 000 und 400 000 Frcs. umgewandelt wurden, sodaß es ihr nicht schwer war, große Summen geborgt zu erhalten.

Rom, 4. Juli. Der Justizminister hat sämtlichen Polizei-Präfekturen im Lande die Photographien der Familie Humbert zugehen lassen, um deren Verhaftung zu er- leichtern. Man glaubt, daß die Humberts sich in der Nähe von Neapel aufhalten.

Sofia, 4. Juli. Infolge des energischen Auftretens des bulgarischen diplomatischen Agenten in Konstantinopel wurde der Polizeichef von Sorres abgesetzt.

Athen, 4. Juli. Gestern wurde ein Gendarm und zwei Bauern, die im Ma: in die königliche Villa Dekalia einbrachen, zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Durban, 4. Juli. Die Burew-Geuerale Louis Botha, Dewet und Delarey haben sich aestern auf dem Dampfer Kanzler" der deutschen Ostafrita-Linie nach Europa ein- geschifft. Das Schiff landet am 4. August in Neapel und' am 9. August in Lissabon. Es fit! noch unbestimmt, ap welchem der beiden Orte die Buren-Generale landen.

Telephonischer Kursbericht

3u/o Mexikaner

4% Öesterr. Goldretne

103.20

47.40

29.30

26.40

112.00

43.70

37-<>/o 3 0/0 37»O/o 3% 372% 31/2%

4% Chinesen . Electric. Sok ackert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staats bahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laurahütte .... Bochum ..... Harpener ....

Tendenz: fest

102.00

92.80

102.00

92.25

100.10

99.25

103.00

Reichsanleihe do.

Konsols . do. . .

Hessen Oberhessen

4°/, Italien. Rente . . ,

473% Portugiesen . . .

3°/ Portugiesen. . . .

1% C. Türken . . .

Türkenlose.....

4% Grieoh. Monopol.-Anl. 47,% äussere Argsntiner

4* 3% Oesterr. Silberrente 101.75

4% Ungar. Goldrente . . 101.75

. 26.50

. 91.00 . 103.50 . 108.00 . 213.10 . 185.75 . 137.80 . 145.70 . 157.80 . 149.80 . 17.20 . 167.30 . 199.50 . 191.80

. 171J0

Müde und abgerackert Waschfrau, während dre andere nach vollbrachtem Tagewerk noch frisch und munter ist, well sie sich durch den Gebrauch von Gioth's geinablener Kernieise mit Salmiak und Terpentin beim Kochen der Wäsche die UxbeU des Reibens fast aus dein Wege geräumt hat. Ein Versuch ubejy zeugt. Per Packet 15 Psg. Fabrikant: I. Gttth, Hanau a. Ak.