Ausgabe 
3.12.1902 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Mittwoch S.Dezember 1908

152. Jahrgang

WM" 8850 Exemplare.

enthaltenen

Gramm,

w

betragen.

470

305

226

bei welchen wiegt, auch

<00

Lie

250

Gramm, 330 Gramm und für Packungen, einzelne Kerze 26 Gramm oder weniger Gramm zugelasien.

Präsident Roosevelts Botschaft.

Tie Botschaft, die Präsident Roosevelt gestern im Oeißen Hause zu Washington erlassen hat, giebt über die augenblickliche Politik der Regierung der Unionstaaten man- Herlei bemerkenswerte Aufschlüsse. Tie Botschaft legt ein

Krlranntmachnng.

Betr.: Die Ausführung der Gewerbeordnung.

Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß auf Vrund deS OrtSstatutS vom 27. Juni 1892 am 7., 14. und 21. Dezember l. IS., als den drei Sonntagen vor Weih­nachten, die Beschäftigungszeit der Handlungsgehilfen pp. ninb die Verkaufszeit für das gesamte Handelsgewerbe bis 110 Uhr abends ausgedehnt werden kann.

Ferner wird zur Kenntnis der Jnteresienten gebracht, bei6 in Ausführung deS Reichsgesetzes über die Abänderung bc?r Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900 die Vorschriften Lder die Mindestruhezeit und Mittagspause der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe keine Anwendung ;|ti finden haben und die Läden und offenen Verkaufsstellen bo:8 abends 10 Uhr offen gehalten werden dürfen an fol- ggknden Wochentagen vor Weihnachten: 9. bis 13., 15. bis 20., 22. bis 24. Dezember, sowie am Tage vor Neujahr: Mittwoch, den 31. Dezember l. IS.

Gießen, 30. November 1902.

Großherzoglicbes Rolizeiamt Gießen.

Hechler.

§ 2.

Als Einheiten für das Rohgewicht der Packungen werden

Nr. 284 r|d)etnt täglich äuge» SonnlagS.

Dem (Sießenet Anzeiger werden im Wechte! mit den, «elfischen Landwirt die Siebener Kamillen, blätter viermal tn der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag bet v r ü h l'schen Uiuoers.-Buch- u.Stein- bruderei lPielich <irben) Redaktion, (trpebilum und Druckerei.

Sch u l p ratze 7.

Ubiefle Hit Depeschen! Anzeiger Gieße«.

Fernlprrchantk1il>')lr 51

von 500 Gramm mindestens , 330 , ,

, 250 .

Parlamentarisches aus Hessen.

Weitere Regierungsvorlagen betreffen eine Aenderung der Besoldung fürRäte be iden PrvvirrKial- direktionen" und eine Rachtragsforderung zu Käpitel 93, Kriminalkassen betr. Es wird zur Beschaffung der nötigen Requisitäten und Gerätschaften für das jetzt fertiggesteute neue Gefängnis in Darmstadt der Betrag von 12800 Mk. verlangt. Ein neuer Gesetzentwurf trifft nähere Bestimm­ungen über die Vormerkungstreitig" iit den Grundbüchern der Provinz Rheinhessen. Darnach soll die Uebernahme der in einem Grundbuch von Rheinhessen eingetragenen Vormerkungsteitrig" in das anzulegende Grundbuch nicht stattfinden, wenn der Eigentümer der Uebernahme wider­spricht, seit dem Eintrag der Vormerkung zehn Jahre verstrichen sind und der Berechtigte es unterlassen hat> sein Recht rechtzeitig anzumelden.

§ 3.

DaS Reingewicht der in den Packungen Kerzen muß bei einem Rohgewicht

Das Kinderschuhgesetz.

Tie Reichstagskommission für das Kinderschutzgesetz hat gestern die zweite Lesung der Vorlage beendet. Im großen und ganzen wurden die Beschlüsse erster Lesung genehmigt, doch sollen Kinder, die zur Zwangserziehung überwiesen sind, nicht wie- nach dem Beschluß erster Lesung als ftemde, sondern als eigene Kinder gelten. Nach einem neuen §, 13 a wird dem Bundesrat unter bestimmter Voraussetzung die Zulassung von Ausnahmen von den Vorschriften des Gesetzes gestattet. Tie Bestimmungen über die Befugnisse der Polizei erhalten eine andere Fassung. Bei den Sttaf- kestimmungen wird die Regierungsvorlage (Geldstrafen bis zu 600 Mk.) wieder hergestellt. Das Gesetz soll nicht am 1. Juli 1903, sondern am 1. Januar 1904 in Kraft treten. Ten Bericht über die Vorlage wird Abg. Sittard erstatten.

Eine Derstäodigung über Macedonien.

Tie Ernennung Ferid Paschas zum Präsidenten und des früheren Valis Hussein Hilmi zum Generalinspektvr einer mit der Besserung der Verhältnisse in Macedonien betrauten Kommission scheint so wird derFr. Ztg." in Bestättgung unseres gestrigen Wiener Telegramms aus Konstantinovel gemeldet den Beginn der Auslühruna

ajwßes Gewicht auf die Stellung der einzelnen Staaten b ?n fremden Mächten gegenüber und verlangt, daß die amerikanischen Republiken alle gerechten Forderungen der letzteren erfüllen sollten, da die Unionstaaten etwaige Lesttebungen, sich diesen Forderungen zu entziehen, in liiiner Weise unterstützen würden. Die Botschaft betont, das §md befinde sich in einer Periode des unbegrenzten' Gedeihens. Es habe eine große Rolle in der Welt ßlispielt und wolle diese noch erweitern. Große Probleme M Auslande und noch größere im Jnlande seien zu lösen. Roosevelt erinnert an seinen Entschluß, die Trusts zu kugeln. Seine Absicht sei nicht, die Verbände abzuschaffen,

gleichen Fuß zu stellen, wie die ausländischen Interessen. Reziprozitatsverträge seien äußerst wünschenswert. Rr-ise- velt bespricht eingehend diese Frage und regt die Einsetz­ung einer Kommission von Handelssachverständigen an.

Ter Präsident hebt dann die Notwendigkeit der Ele­mente der Elastizität im Währungssystem hervor, um finanziellen Krisen vorzubeugen. Er erwähnt lobend das Einwanderungsgesetz und bespricht die Frage der Bezieh­ungen zwischen Kapital und Arbeit. Er wünsche die Schaff­ung eines Handelssekretariats und regt die Reziprozität mit Kuba und Neufundland und einen Vertrag mit Groß- britannien an. Er rat zum Schiedsgericht an Stelle der Kriege. Mit Kolumbien seien Verhandlungen im Gange wegen der Zustimmung zum I sth m u s ka n a l. Kein unabhängiger amerikanischer Staat brauche einen griff der Vereinigten Staaten zu fürchten. Jeder müsse die Ord­nung im eigenen Gebiete auftechterhalten und seinen Verpflichtungen gegen das Ausland nachkommen, dann habe man nichts von einer ausländischen Intervention zu befürchten. Die M onro ed o ktrin müsse das Grund­prinzip der amerikanischen Politik sein. Am Horizont sei keine Wolke, es scheine, daß nicht die mindeste Differenz mit dem Auslande zu befürchten sei; aber für den Fall von Schwierigkeiten würde es verhängnisvoll sein, die Schaffung einer starken Flotte abzulehnen.

Die Kriegsgerichtsurteile in Südafrika.

Tie seiner Zeit ernannte königliche Kommission zur Nachprüfung der in Südaftika gesprochenen kriegsgericht­lichen Verurteilungen hat soeben ihren Bericht über die von ihr vollzogenen Nachprüfungen veröffentlicht. Ter- felbe enthält ein Verzeichnis von 795 Verurteilten, von denen 722 zur Kapkolonie, 59 zu Transvaal und Oranje Freistaat und 14 zu Natal gehören. Bei 198 Verurteilten sind die Urteile ungeändert geblieben, 478 Urteile sind gemildert und 119 Verurteilte sind ganz fteigesprochen. In 328 Fällen war ursprünglich Todesstrafe verhängt, doch waren davon viele Fälle zu Zwangsarbeit gemildert worden. Nun hat die Kommission, tote derFrkf. Ztg." aus London gemeldet wird, noch weitere Milderungen ein­treten lassen, und 34 ursprünglich zum Tode verurteilte Personen jetzt ganz freigesprochen. Tie Namen sind fast ausschließlich solche von Afrikandern und Buren. Dazu kommt eine kleine Anzahl Deutscher. Max Teinert aus Berlin erhielt für Brandstiftung und Gewaltthat statt der Todesstrafe sieben Jahre Zwangsarbeit. Max Ernst Hen­schel für Hochverrat und Neutralitätsbruch sieben Jahre Gefängnis und 250 Pfund Geldstrafe, R. C. W. Berndt für Verrat statt Todesstrafe fünf Jahre Zwangsarbeit, Oskar Ganter für Hochverrat und Neutralitatsbruch statt Todes­strafe zwei Jahre Gefängnis, W. A Laeschke für Verrat statt Todesstrafe drei Jahre Zwangsarbeit und Anton Her­mann Liedig für Hochverrat und Neutralitätsbruch sechs Monate Gefängnis mit harter Arbeit.

Politische Tagesschau.

Znr deutsch venezolanischen Streitftage. veröffentlicht dieKöln. Ztg." folgende, vom Wolsflschen Tepeschenbureau weiter verbreitete offiziöse Note:

Ten Meldungen aus englischer und amerikanischer Quelle über Bemühungen des Präsidenten Castro, Geld: aufzubringen für die ausländischen Forderungen und über eine geheime Sendung Castros nach Europa einen beson­deren Wert beizulegen, halten wir nicht für nötig. Ent­weder bringt Castro das Geld auf, um den Verpflichtungen nachzukommen, dann ist über die Sache nicht weiter zu reden, oder er bringt das Geld nicht auf, sei eS, daß er nicht will, ober daß er Unvermögen vvrschützt, dann wird man zu Maßregeln schreiten müssen, die ihn gefügiger und williger machen. Daß es vorzuziehen wäre, wenn Vene­zuela seinen Verpflichtungen einfach in gebührender Weise nachkäme, bedarf keiner Versicherung. Wenn in diesem Sinne die Thatsachen reden, werden wir es gern aner­kennen, geheime Sendungen machen jedoch keinen Eindruck auf uns.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3. Dezember 4902.

* Gedenktage. Au Dresden starb am 3. Dezembe? 1857 der Bildhauer Christian Daniel Rauch, der Schöpfer bedeutender Denkmäler, der Marmorstatuen der Generale Scharnhorst und Bülow, der Bronzestatue Blüchers auf dem Opernplatz in Berlin, des ErzguffeS Maximilian I. in München. Das Zeitalter Friedrichs des Großen verherr­lichte er in dem Reiterstandbilde des großen König?, daS am 31. Mai 1851 in Berlin enthüllt wurde. Rauch, der als Kammerdiener deS Königs Friedrich Wilhelms III. seine Lauf­bahn begonnen hatte, war am 2. Januar 1777 zu Arolsen in Waldeck geboren.

- Hof na chrichten. I. Kafferl. Hoheiten der Groß­fürst und die Großfürstin SergiuS von Rußland werden am Montag den 8. dS. von Paris hier eintreffen. Am 4. d. Mts. wird ein the dansant im Neuen Palais stattfinden.

Auszeichnungen. Se. Kgl. H. der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 1. Dezember dem Professor Emil Sauer in Wien das Ritterkreuz 1. Klaffe be? Ver­dienstordens Philipps de§ Großmütigen zu verleihen.

** Personalien. In den Ruhestand wurde versetzt der Wagenwätter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn- gemeinschaft Ludwig Cramer zu Darmstadt.

** Landwirtschaftskammer. Uns wird ge­schrieben: Nachdem der Entwurf der ALgg. Haas und Gen. zwecks Errichtung einer Landwirtschaftskammer für bas Großherzogtum Hessen von feiten der 1. Kammer abgelehnt würbe und auch seitens ber Regierung keinen Beifall fand, ist ein Bericht des Großherzoalichen Ministerrates Braun erschienen, ber bie wichtigsten Grundsätze enthält, nach denen bie Errichtung einer Lanbwirtschaftskammer auch von feiten ber Regierung Zustimmung finden würbe. Ties Referat ist ben landwirtschaftlichen Vereinen, bem Hess. Landwirt­schaftsrat und ben Kreisämtern zur Aeußerung zu- gegangen. Nach diesem Referat würbe ber Aufgaben­kreis berselbe bleiben wie ber, ber bett jetzt bestehenben lanbwirtschaftlichen Körperschaften zufällt. Tie Walbwirt- schaft nur insofern einbezogen werben, als es sich bei ben Besitzern um Nebenbetriebe ber landwirtschaftlichen Be­triebe handelt. Es sei ausgeschlossen die Ueberweisung ber wirtschaftspolitischen unb anberer Interessen der Staatsforstverwaltung und namentlich der Privatwalb­ungen L Kl. an die Lanbwirtschaftskammer. Tas bisher naturgemäß ber Thättgkeit ber lanbtoirtschaftlichen Pro- vtnzialvereine gesteckte Ziel, alle Landwirte einer Pro­vinz in sich aufzunehmen, ist burch bie Vorschrift zu erreichen, baß kraft Gesetzes ber Organisation jeder anzu- gehören hat, der nach Erreichung eines besttmmten Le­bensalters als Eigentümer, Pächter oder Nutznießer land­wirtschaftlich benutzten Grund und Bodens innerhalb der

der Reformprvjekte des Sultans zu bedeuten, wobei es sich diesmal um ernstere Entschlüsse zur Anbahnung einer ftied- licheren Gestaltting der Verhalnisse in den macedonischen Vilavets handelt. Huffein Hilmi begiebt sich sofort nach Macedonien, um seine Wahrnehmungen oann zu unter­breiten und bet der Anwendung der Maßregeln selbst cm Ort und Stelle zu sein. Das Reformpvojekt des Sultans umfaßt 18 Punkte; es handelt sich weniger um die durch­greifende Aenderung der bestehenden Gesetze, als darum, daß die Gerichte dte Ausführung der bestehenden Gesetze respektieren, ferner um die Nnführung einer regelmäßigen Bezahlung sämtlicher Beamten und Militärs. Um dies durchführen zu tonnen, ' hat der Finanzminister vom Sultan ben Befehl erhalten, fenie Harales (Anweisungen) auf bie Kassen ber macebonischen Dilajets mehr crustzw- geben, sodaß bie betreffenben Vilajet-Verwaltungen un­beschränkt über ihr Dubget verfügen können unb im De- barfssalle einen weiteren staatlichen Zuschuß erhalten. Ferner sollen Sttaßenbauten unb ber Bau von Elementar­schulen sofort in Angriff genommen, unzuverlässige Beamte ersetzt unb, was bas Wesentlichste ist, eine teilweise Ein­führung bes christlichen Elements in bie Polizei unb Genbarmerie veranlaßt werben. Das unerwartete Ein­greifen bes Sultans wird allgemein als ein Erfolg des russischen Botschafters Sinowjaw betrachtet, baffen konkrete Vorschläge bie günstigste Aufnahme beim Sultan finbeit

§ 4.

Auf ber Außenseite ber Packungen ist sowohl das Roh­gewicht als da? Reingewicht in leicht erkennbarer Weise an. Gigeben. Die Angabe ist in Gramm ober in Bruchteilen von Kilogramm auszudrücken.

§ b.

Weber baS Rohgewicht, noch ba? Reingewicht barf um nnehr als 10 Gramm hinter dem angegebenen Betrage zurück­öleiben.

nigeln. Seine Absicht fei nicht, die Verbände abzuschaffen, andern ihnen zu nehmen, was daran schlecht sei. Man rirfe nicht den in ber Leitung ber industriellen und t emotionalen Welt errungenen Platz aufgeben. Ter Prä- ident spricht sich bann gegen die Monopole aus.

Bezüglich ber Verfassungsrevision erklärt er, m würbe nicht bavor zurückschrecken, wenn bies notwenbig \a. Man bürfe nicht burch Tarifänberungen ben Einfuhr- .mtikeln bes Auslandes Vorteile gewähren, wohl aber ber K'inkurrenz im Jnlanbe bessere Bebingungen zugestehen. £-;e Wohlfahrt bes Laubes wuchs immer unter ben Schuk- jofttarifen. Ter erste Punkt ber Erwägung sei ber Grund- |«5, die amerikanischen Hanbelsinteressen minbeftens auf

Bekanntmachung,

Bete.! Den Kleinhandel mit Kerzen.

Wir verfehlen nicht, bie Jnteresienten auf die nach, stehend abgedruckten Vorschriften für den Kleinhandel mit Kerzen, die am 1. Januar 1903 in Kraft treten werden, auf. merksam zu machen.

Zuwiderhandlungen werden nach § 5 Abs. 4 be? Ge. setzeS zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes vom 27. Mai 1896 mit Geldstrafe bis 150 Mk. ober mit Haft bestraft.

Gießen, den 1. Dezember 1902.

.Großherzogliches Valizeiamt Gießen.

Hechler.

§ 1?

Packungen mit Stearin- und Paraffinkerzen, sowie mit Kerzen, die überwiegend au? diesen Stoffen hergestellt sind KompositionSkerzen) dürfen im Einzelverkehr nur in be­stimmten Einheiten des Gewichts und unter Angabe der GewichtSmenge gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten Derben.

JWBBSMF A . Oexngiprrtlt

mono lUcti 7b Pt., viertel»

GlehenerAnzelger v General-Anzeiger " e=ET

1 & ** sitt den Mill. u. öligem.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZMZ

_______________________ getqenteil: Han» Beck.