Ausgabe 
3.12.1902 Drittes Blatt
 
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Nr.S84

Drittes Blatt. 152. Jahrgang

Mittwoch 3. Dezember 1003

Grs-eint täglich qu6ct SonniagÄ.

Dem Gretzener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Kesstschen Landwirt bte Siebener Familien, blätter viermal tn der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl 'schen tlnivers.-Buch- u. Stein* druckerei (Pietsch (irben) -iedatNon, Trpeditwa und Druckerei:

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Gieftetter Anzeiger

General-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

vezagSpreiA» monatlich 75 Ps^ viertel« jährlich Ml. 120; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch die Post Mk. 2. viertel» jühri. auöschl. Beslellg. Annahme von Anzeige» tüt die Tageenumme» «iS vormUtagS 10 Uhr. ZeiienpreiS: total 12 Ps^ auswärts 20 Pjg.

Veraatwottlichi tüt den poüt u. allgem, Steil: P. Wittko: fül .Stadt und fianb* und .Gerichtssaal*i (Satt Plato, für den An­zeigenteil. Hand Deck.

Parlamentarisches aus Hessen.

Tie in der hessischen Thronrede angekündigte Regie- rungsvorlage über tue Veräußerung von fis kult­ische n Grundstücken ist der zweiten Kammer soeben zugegangen. Tie Vorlage lautet: Durch einstimmige Be­schlüsse . in beiden Kammern der Landstände ist der Groß­herzoglichen Regierung für die Dauer des 31. Landtages die Ermächtigung erteilt worden, die landwirtschaftlich be­nutzten, zerstreut gelegenen, d. h. nicht zu Hofgütern ge- hörigen karneralfiskalischen Grundstücke, welche dem Fa­milieneigentum des Großherzoglichen Hauses angehären, allgemein ohne nähere Besttrnnnrng der einzelnen Gemark­ungen und Parzellen zu veräußern. Geknüpft ist die Er­mächtigung an die Bedingung, daß den Ständen alljähr­lich ein Verzeichnis der veräußerten Grundstücke vorgelegt wird. Tie Durchftihrung dieser im Interesse der Land­wirtschaft «treibenden Bevölkerung gelegenen Maßnahme kann nur eine allmähliche sein. Der Wunsch der Land­wirte nach Vergrößerung ihres Grundbesitzes ist nach Zeit imlb' Ort ein sehr verschiedener. Auch muß eine vor­zeitige Lösung bestehender Pachtverhältnisse thunlichst ver­mieden werden. Nicht minder gebietet die Wahrung der Interessen des Familieneigentnms des Großherzvglichen Hauses, darauf bedacht zu sein, daß nicht etwa durch ein den derzeitigen Bedarf der Landwirtschaft übersteigendes Angebot von Grundstücken eine Entwertung des' immer noch sehr umfangreichen kameralfiskalischen Besitzes ein- witt. Aus allen diesen Gründen ergiebt sich die Notwendig­keit auch für die Tauer des 32. Landtags die gleiche Ermäch»- iigung, wie sie für die Dauer des 31. Landtags von den Ständen erteilt wurde, nachzusuchen. Mit Allerhöchster Er­mächtigung Seiner .Königlichen Hoheit des Gvoßherzvgs beehrt sich hiernach das unterzeichnete Ministerium an die stände des Großherzvgtums und zunächst an die Zweite Kammer der Stände das Ansinnen zu richten, die Groß- herzogliche Regierung auch für die Dauer des 32. Land­tags. unter der Bedingung, daß den Ständen alljährlich iin Verzeichnis der veräußerten Grundstücke vorgelegt wird, zu ermächtigen, die landwirtschaftlich benutzten, zerstreut gelegenen, d. h. nicht zu Hofgütern gehörigen kameral- t'skalischen Grundstücke, welche dem Familieneigentum des ^roßherzoglichen Hauses angehören, allgemein ohne nähere Bestimmung der einzelnen Gemarkungen und Parzellen zu veräußern.

Eine weitere Regierungsvorlage betrifft die Aenderung bes Gesetzes über die Erhebung der direkten Steuern, und beantragt, dem Artikel 1, Msatz 1, des Gesetzes, die Er­hebung der direkten Steuern betreffend, vom 29. August '.874 folgende Fassung zu geben:Die direkten Staats- ieuern werden in zweimonatlichen Zielen erhoben, die n den ersten ftinftmdzwanzig Tagen der Monate April, )uni, August, Oktober, Dezember und Februar des Steuer- iahres zu entrichten sind." Dieses Gesetz soll mit dem L April 1903 in Kraft treten.

Die kritische Alnarrzlage ßhinas.

Im finanziellen Leben des Reichs der Mitte herrscht große Beunruhigung, weil seit dem Tage der Unterzeichnung ned Protokolls, in welchem der Goldwert der Taels auf Schillinge festgestellt wurde, die Silberpreise um 20 Proz. > gefallen sind. Es liegt zwar kein Grund zu der Befürchtung ioor, daß China seine Verpflichtungen nicht erfüllen wird, iber das Entmutigende der aegenwärtigen Situation ist. iaß in dem Reiche keine fiskalischen Reformen stattgehabt haben und die Korruption eher in der Zunahme, als in her Abnahme begriffen ist. Der Pekinger Oktroe, der unter )eT Administration des Prinzen Su 700 000 Taels jährlich ür die Regierung abwarf, überstieg vordem niemals mehr ils 150 000 Taels; jetzt sind durch die Amtsversetzung die ilten Verhältnisse eingerissen und die Einnahmen zeigen -ineit so bedenklichen Rückgang, daß man in die Verwalt- mgssähigkeiten des neuen Beamten, des Prinzen Ching, )ie berechtigften Zweifel setzen darf.

Im nächsten Januar sieht sich China der Verpflichtung gegenüber, die aus den Borer-Unruhen entstandene Scha­le u e r s a tz - S u m m e rum Teil zu begleichen. Dieser Teil eträat 12 899 000 Taels (9 829 000 Taels für Zinsen und 5crt Amortisationsfonds, .zuzüglich 3 000 000 Taels, zu deren Zahlung sich China vom letzten Jahre her verpftichtete, uzüglich 180 000 Taels für die letzte halbjährige Zinsrate, bzüglich 110000 Taels 05ebühren der Bankierkommission V ?er ehedem auf 3 Sh. stehende Tael ist auf 2 Sh. 4.75 d. gefallen und fällt weiter. Danach, zu schätzen, wird China □eitere 31/2 Milt. Taels notwendig haben, um sein Defizit rieb er wett zu machen.

Trotzdem macht die Regierung überhaupt keine An­strengungen, für die ihr von den ftemden Unternehmern geleisteten Dienste seinen Dank zu bezeigen. Die Eisen- bahnsttecke zwischen Peking und dem Großen Wall ist z. B. von brittschen Unternehmern hergestellt worden. Unter britischer Verwaltung ist die Linie repariert worden, zwei Erweiterungen wurden bewirkt und atlt* die Verpflicht­ungen, so z. B. die Zinsscheine für die Anleihe in Höhe von 2 300 000 Pfd. Sterling eingelöst worden, und, damit nicht.genug, es wurde rin Neberschuß von 30 000 Pfd. Sterl. an die Regierung abnpführt. Zur selben Zeit wurde durch russ. Unternehmer die Eisenbahn von Niutschwang nach dem Großen Wall in stand gesetzt. Sämtliche beschädigten rollen­den Vorräte mußten ersetzt werden. Von einem Üeberschusse war nicht die Rede, und China wurde durch Rußland ge­zwungen, für Betriebs- und Protekttvnskosten 300 000 Pfd. Sterling abzuführen. Und damit nicht genug, hat die chinesische Regierung Rußland seine Erkenntlichkeit auch in der Garantierung einer russisch-chinesischen Bank bezeigt, sie gab den Russen wertvolle Konzessionen in Betreff einer Eisenbahnlinie von Chingttng nach Daiiuenfu. der Hanpt- 9adt von Schanfi, und bezahlte die britische Freundschaft damit, daß sie dem brittschen Shndikat in Betreff des Baues einer Eisenbahn von Schlausi nn»-ch dem Panatse Schwierigkeiten in den Weg legte, obwohl die Konzession im September 1898 ertrilt worden war .

Der 1902er Wein.

Unter der ÜberschriftNack der Lese" bringt das FachblattWeinbau und Weinhandel" die folgenden inter­essanten Angaben über den Ausfall des diesjährigen Herbstes:

Wir sind in Deutschland nicht daran gewöhnt, zu­verlässige Zahlen über die Menge des jeweiligen Herbst­erträgnisses bald zu erhalten, und wenn wir nach Been­digung der Lese unsere begreifiiche Wißbegierde nach dem Umfang der Ernte befriedigen wollen, so sind wir auf die aus den einzelnen Weinbaugebieten eingelaufenen Schätzungen angewiesen. Da das Mengeergebnis fast überall wegen des durch die Frühjahrsfröste verursachten Ausfalles, der sich bekanntlich sehr ungleichmäßig ver­teilte, recht verschieden war, so boten die lokalen Schätz­ungen in diesem Jahre außerordentliche Schwierigkeiten, und sie geben nur eine sehr unsichere Grundlage zur Be­urteilung der geernteten Menge ab. Wahrscheinlich wird das thatsächliche Ergebnis zwischen einem Viertelherbst und einem halben Herbst liegen, sodaß vielleicht die An­nahme, es sei int ganzen ungefähr ein Drittelherbst ein» gethan worden, der Wahrheit nahe kommen dürfte. So klein die diesjährige Ernte auch sein mag, das Re­sultat ist insofern noch erfteulich, als es die infolge der Frühjahrsfröste sehr gesunkenen Hoffnungen noch übertroffen hat.

Was die Qualität des Neuen angeht, so ist man be­kanntlich mit dem Moftgewichte so ziemlich überall zu­frieden gewesen, aber es ist eine auffallende Erschein­ung, daß daneben Säuregehalte festgestellt wurden, wie sie in solcher Höhe nur bei recht geringen Jahrgängen vorzukommen pflegen. Ein harmonisches Verhältnis zwischen Zuckergehalt und Säuregehalt haben die Moste im allgemeinen nicht gezeigt, und vielleicht ist der Grund darin zu suchen, daß der Nachwuchs in den bon den Früh- jahrsftösten beschädigten Weinbergen in der Reife zurück­geblieben war. Ta aber die Qualität des Weines nicht allein vom Gehalte des Mostes an Zucker und Säure abhängt, so wäre es verfrüht, aus den bezüglichen Zahlen beim Heurigen auf ein durchaus unreifes Produkt zu schließen. Schon bei der stürmischen Gährung verlieren die Weine besonders die Naturweine ein großes Quantum Säure, und da von allen Seiten über einen sehr guten Verlauf der Gährung berichtet wird, so halten wir für möglich, daß der 1902er, sobald er sicher zu probieren ist, was anscheinend recht bald der Fall sein wird, manchen durch seine Qualität über­raschen wird.

Besonders beachtenswert ist, daß, obgleich der hohe Säuregehalt zu einer ausgiebigen Weinbereitung unter Zuckerwasserzusatz anreizte, verhältnismäßig wenig ge­zuckert worden ist. Es kann wohl keinem Zweifel unter­liegen, -daß in dieser Beziehung das neue Weingesetz wirksam gewesen ist. Gegenüber den neuen Besttmm- ungen, die beim Moste eine Festsetzung der Vermehrungs­grenze nicht zulaffen, hat man sich häufig nicht getraut, die alte Vermehrungsschablone, für die hauptsächlich der Säuregehalt maßgebend war, anzuwenden. Man darf daraus gespannt sein, wie sich später die geschäftlichen Ver­

hältnisse mit dem diesjährigen Naturwein entwickeln wer­den. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß der 1902er einen sehr wertvollen Beitrag zur Beurteilung der noch nicht als gelöst anzusehenden Frage liefern wird, in welchem Umfange das Gesetz eine Vermehrung durch Zuckerwasserzusatz bei der Weinbereitung schützen, d. h. fördern soll."

Vermischtes.

Berliner Meldungen. Die Witwe Charlotte Diettich in der Holtmarktsttaße feierte heute unter großer Teilnahme der Bevölkerung ihren hundertsten Geburts­tag. Der Kaiser sandte ein Glückwunschschreiben und ein Ehrengeschenk von 300 Mk. Der ehemalige Hauptmann Sidney O'Danne, einer der Erzieher des Kaisers, der wegen Geisteskrankheit in einer Irrenanstalt untergebracht werden sollte, dem es aber zu entfliehen gelang, wurde in Hamburg wieder festgenommen. Im Zentral-Hotel stürzte ein Gerüst ein, da§ zwecks Vornahme von Putzarbeiten aufgebaut war. Vier Arbeiter wurden mehr oder minder schwer verletzt.

Von einem bewaffneten UeberfaH auf einen Gutsbesitzer schreibt ein Petersburger Korrespondent: Im Gouvernement Minsk ist der Gutsbesitzer Wladimir Mozke- witsch auf seinem Gute Wakschtewliane dieser Tage von Räubern überfallen worden. Er erwachte, als er die Thür seines Schlafzimmers gewaltsam aufbrechen hätte und sah, noch ehe er um Hilfe rufen konnte, drei Revolver auf sich- gerichtet. Nun wurde Mozkewitsch von den Räubern gefeflelt und in seinen Betten mit Decken zugedeckt, daß er nichts hären noch sehen konnte, worauf die drei Räuber mit der Plünderung des GutsgebäudeS begannen. Als die Diener des Gutsbesitzers am Morgen erwachten, die erbrochenen Schränke und Kommoden sahen und ihren ohnmächttg ge­wordenen Herrn aus seinen Fefleln befreiten, war das Räuber- kleeblatt längst verduftet und hatte Sachen im Wette von 28 000 Rubel mit sich genommen. Bisher fehlt jede Spur von den Räubern.

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